Literaturgefluester

2019-01-16

Literatur im MUSA zum letzten Mal?

Die Literatur im  MUSA, wo jeden ersten Mittwoch im Monat die Stipendiaten und Preisträger der Stadt Wien mit einer Lesung <prsentiert wurde, gibt es seit 2013, seit Julia Danielcyck Roul Blahacek als Kulturbeauftragte der Stadt Wien ablöste und ich war fast jedes Mal dort, weil es mich ja sehr interessiert, wer von der Stadt Wien gewürdigt wird und was der oder sie geschrieben hat?

Ab 2014 gab es dann die  Vergabe des „Veza Canetti-Preises“, eine Auszeichnung, da wird der Uli jetzt wieder laut aufschreien oder sprachlos verstummen, die ich ja eigentlich auch gern bekommen würde und dann habe ich erfahren, wer das Canetti Stipendium bekommt, habe Daniel Wisser den für mich sehr überraschenden österreichischen Buchpreisträger dort lesen gehört, Gabriele Petricek, die, glaube ich, auch dieses Stipendium bekam, fast jedes Mal im Publikum gesehen, mich mit dem Josef und der Angela dort getroffen und und……

Und als es im letzten Jahr wieder mit der Vergabe des „Veza Canetti-Preises“ an an Petra Ganglbauer losging, habe ich mit Überraschung festgestellt, daß es erst wieder im Dezember und im Jänner Veranstaltungen gegeben hat, wo die „Preisträger der Stadt Wien“ vorgestellt wurden.

Das waren Ines Blauensteiner und Christoph Ransmayer im Dezmber und heute  Murray G. Hall, der den „Preis für Kulturpublizistik“ bekommen hat und Mascha Dabic, die mit ihren „Reibungsverlusten“ 2017 auf der „Debutpreisliste“ gestanden hat und 2018 den Förderpreis der Stadt Wien bekommen hat.

Sie hat auch heute wieder ein Stück aus diesem Buch gelesen, die Szene wo die Nora bei der Frau Roswitha dometscht, als die Tschetschenin Malika, die in ihrer Heimat vergewaltigt wurde, ihre Psychotherpaiestunde hat und der 1947 in Winnipeg geborene Murray G. Hall hat einen Vortrag über Hugo Bettauer, seine Skandalromane, die“Freudlose Gasse“ und das „Entfesselte Wien“ gehalten und ist dann auch sehr genau auf seine erotischen Zeitschriften eingegangen, die in den neunzehnhundertzwanziger Jahren Wien offenbar sehr erregte.

Interessant war für mich auch, daß der Preisträger fast nebenbei eingeworften hat, die „Josephine Mutzenbacher“ wäre nicht von Felix Salten, sondern von einem Ernst Klein geschrieben worden, was ich  im Netz nicht bestätigt gefunden habe und im Anschluß an das Referat verkündete Julia Danielczyk dann, daß das MUSA, beziehungsweise die Literatur, die dort präsentiert wird, in Pause gehen würde und die weitere Zukunft dieser für mich sehr wichtigen Veranstaltungsreihe offenbar überhaupt ungewiß sei, weil das MUSA ja jetzt seit einiger Zeit zum „Wien-Museum“ gehört.

Schade, schade, habe ich bei Bein und Brot gedacht, wäre wirklich schade, aber der „Veza Canetti-Preis“ wird, wie mir Ines Varga, die immer so freundlich den Wein ausschenkte, versicherte weitergehen, da hätte ich noch eine Chance, wenn mich jemand vorschlagen würde, habe aber erst heute wieder, was mich sehr getroffen hat, gehört, daß es mit selbstbemachten Büchern immer noch sehr schwer ist, irgendwo zu lesen, denn „Eigenverlag, nein, den wollen wir ja nicht!“

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2019-01-15

Wiedermal ein Buchgespräch

Heute war ich eine Weile ratlos, was ich am Abend machen sollte? Weil in der „AS“ zwei Debutantinnen, die ich schon bei den O-Tönen gehört habe, eine davon hat sogar den öst Bp gewonnen und da ich mir ja nicht gerne zweimal das Selbe anhöre und im Literaturhaus und in der „Gesellschaft“ nichts war, wäre die Alternative gewesen in der Badewanne „Troll“ auszulesen, was ich auch nicht wirklich wollte, also das Programm der Hauptbücher durchgesehen und da fündig geworden.

Dort am Gürtel, wo ja auch eines meiner Bücher spielt, komme ich jetzt eher selten hin, aber um den Jahreswechsel haben die da immer eine Ausstellung der „Schönsten Bücher der Schweiz, Österreich, Deutschland und Niederlanden mit sogenannten Buchgesprächen darüber und ich kann mich erinnern, daß ich schon einmal am Jahresanfang mangels einer anderer Alternative dorthin gegangen bin, obwohl mich an Büchern ja mehr der Inhalt als die graphische Gestaltung interessiert, ich bin aber auch ein paar Jahre zu der Preisverleihung der „Schönsten Bücher Österreichs“ gegangen.

Also rasch durch die Ausstellung gegangen, ich war eher spät daran, die diesbezüglichen Prospekte eingeholt und dann festgestellt, daß ich eines der prämierten bücher schon gelesen habe und im Vortragssaal waren viele schick gekleidete junge Leute, höchstwahrscheinlich Grafikstudenten und die Autogrammsammlerin, mit der ich mich ein bißchen unterhalten habe, am Vortragstisch tummelten sich wieder ein paar Leute, um den Computer und es hat nicht angefangen und nicht angefangen, weil der eingeladene Teo Schifferli, ein Graphiker aus der Schweiz, der den Katalog der schönsten Schweizer Bücher gestaltet hat, einen Computer hatte, mit dem die Hauptbücherei offenbar nichts anfangen konnte. Dann ging es aber doch und der Vortragende erklärte, daß er jetzt drei Jahre lang den Katalog gestalten würde und erzählte sein Konzept, wie er dabei vorgegangen ist, projezierte Abbildungen, zeigte dann auch noch einen film dazu und im Anschluß gab es eine rege Diskussion.

Interessant, interessant habe ich gedacht und bin dann mit meiner Büchertasche, dem schicken Beutel des „Ghetty Centers“, den mir der Alfred von seiner letzten Amerikareise mitgebracht hat, die ebenfalls mit Büchern voll gefüllt war, denn der Wortschaftz und der Schrank in der Zieglergassen waren beide sehr voll, offenbar räumen die Leute nach Weihnachten ihre Regale aus, nach Hause gegangen.

Etwas wirklich Aufregendes war nicht dabei, aber ein Gang durch den „Harry Potter“ in sechzig Minuten, ein Buch über einen unbekanten Wiener Bürgermeister, eines über die Kindheit vom Maxim Gorki, das ist etwas, das wahrscheinlich eher Stephan Teichgräger interessieren würde, dessen Workshop morgen wegen einer Konferenz, die er besuchcen will, ausfällt und dann noch etwas über einen Poetry Slam, was vielleicht von der Gestaltung wegen, am ehesten zu den schönsten Büchern passt.

2019-01-14

Wunschgedichtesammlung

Ich gehe ja schon sehr lang und regelmäßig zu den „Wilden Worten“, die Richard Weihs mit Franz Hütterer und Michaela Opferkuh, ich glaube, zuerst einmal im „Siebenstern“ kreirt hat. Die Idee ist, glaube ich wieder von Martin Auer gekommen, der das letzte Mal Gast dort war.

„Wilde Worte – Wunschgedichte und freie Wildbahn“ heißt der ganze Titel und die freie Wildbahn bedeutet, daß jeder, der, das will, im Anschluß lesen kann, während für den Beginn ein Gast eingeladen wird, ich war das 2009 mit der „Sophie Hungers und dem „Haus“.

Damals war noch Franz Hütterer dabei und für die freie Wildbahn finden sich nicht immer Leute, die ihre Texte lesen wollen, ich habe das einmal vor meiner offiziellen Lesung getan, konnte mich aber nicht mehr genau erinnern, ob das an dem Tag war, wo Judith Gruber-Rizy gelesen hat. Da war ich das erste Mal bei der Veranstaltung und  Publkum, bin ich regelmäßig da und fülle auch regelmäßig das Formular für das Wunschgedicht aus und irgendwann ist mir die Idee gekommen, daß ich die Worte, die man da darauf schreiben soll, die in dem Gedicht vorkommen sollen, passend für mein jeweiliges Work in Progress wählen kann, bei der „Anna“ war das dann das erste Mal.

Simon Konttas

Simon Konttas

Simon Konttas

Simon Konttas

Da ist das Gedicht

„Anna kämpft gegen ihr Vergessen an

Dr. Alzheimer saugt ihr Gedächtnis aus

wie weiland graf Dracula die Jungfrauen

und der Stahlenschutzstecker hilft kein Deut

gegen die Überhitzung ihrer alten Heizdecke,

die sie wieder einmal vergessen hat abzuschalten

Und während die allerletzte Erinnerung verglimmt

erhellt das lodernde Bett ihr ewiges Schlafzimmer.“

Als Sophie Reyer die Gästin war, war das Buch fertig und ich im Anschluß, weil man ja nur einmal als Gästin lesen kann, Buch und Gedicht in der freier Wildbahn vorgestellt und mir eifrig weiter gewünscht, so wie ich  auch in den Schreibgruppe immer Szenen für mein jweiliges Work on Progress geschrieben habe.

Als ich mit dem Alfred bei einer Führung im Literaturarchiv war, habe ich eigentlich im Anschluß in die „Alte Schmiede“ gehen wollen, aber die Führung hat zu lang gedauert und wir wären zu spät gekommen, während die „Wilden Worte“ ja erst um acht beginnen und dann ist, glaube ich, das schönste oder treffenste Wunschgedicht entstanden, das in den „Berührungen“ zu finden ist:

„Da steh ich da und steh auch voll daneben

mit Schreibblockaden kann ich aber leben

nur eines schmerzt mich dabei wirklich tief

so komm ich nie ins Literaturarchiv“

Da habe ich das Buch nach Fertigwerden Richard Weihs sozusagen als Belegexemplar übergeben. Es aber bei den „Wilden Worten“ nicht vorgestellt. Dafür aber am Volksstimmefest, als dort in Arbeit das Thema war. Da habe ich die Szene im Himmel mit Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Anne Frank am Fest gelesen und vorher das Gedicht und bei der Benefizveranstaltung ums Amerlinghaus, dasselbe auch noch einmal.

Manchmal geht auch etwas schief, wenn man soviele Wunschgedichte wie Richard Weihs verfaßt. so ist das Gedicht zum „Bibliotheksgespenst“ eigentlich kein Gedicht, sondern ein Prosatext geworden, den ich dann als Beschreibungstext verwendet habe und bei der „Unsichtbaren Frau“ hat  Richard Weihs aus dem „Schäfchen“ ein „Schälchen“ gemacht, obwohl es ja das Schäfchen ist, das Amanda Siebenstern, die Tarnkappe aufsetzt und sie damit zu Minister Basti schickt.

Das Buch ist jetzt fertig und so ist mir die Idee gekommen, es bei den heutigen „Wilden Worten“, wo der in Finnland geborene Simon Konttas, der bei „Sisyphus“ und auch sonstwo einige Bücher herausgebracht hat, vierzehn unveröffentlichte Gedichte und den Teil einer Erzählung, wo ein Mann aus Rache, weil er nicht zur Hochzeit seiner Tochter eingeladen wurde, ihr einen bösen Strech spielt, gelesen hat, wieder in der „Wildbahn“ aufgetreten und das Buch vorzustellen, also das Gedicht:

„Wahlkampf im düsteren Reich der Schattenspieler

Die Kanditaten nehmen eh alles auf ihre Tarnkappe

Die Jury schlürft charmant ein Schälchen Schierling.

Schwarzblaue Schlagschatten fallen schräg zu Boden.

Zwischen den Wahlurnen aber geistert gespenstisch,

tief verschleiert, ohne ihren Gatten,

die unsichtbare Frau ohne Schatten.“

Dann habe ich die fünfte und erste Schäfchenszene gelesen, die ich ja bei dem „Writersretreat“, das ich weil ich über den Schreibmarathon, wo ja ein Teil des Rohkonzepts entanden ist, gebloggt habe, bekommen habe, meiner Schreibpartnerin vorgelesen habe und während des Marathons habe ich  die „Nobelpreisszene“, die auch im Blog zu finden ist, Feedback geholt und gelesen habe ich aus dem Buch, das ja  Anfang Jänner erschienen ist, wo man sich noch für die Leserunde melden kann, auch sehr viel.

Wer errät wo und was ich jeweils gelesen habe, hat auch noch die Chance ein Buch zu gewinnen.

Die Antworten sind, glaube ich, im Blog zu finden und für die „Magdalena Kirchberg“, mein derzeitig work on Progress, habe ich mir auch ein Gedicht von Richard Weihs gewünscht:

Eva Jancak

Eva Jancak

Eva Jancak

Eva Jancak

„Magdalena Kirchberg sag, was tust du da? Seit Stunden schon

sitzt du an der Kreuzung in deinem weißen BMW und bloggst

einen Roman von ungeheurer Menge in dein schwarzes Smartphon!

Sag siehst du nicht? Die Ampel springt von Rot auf Grün auf Rot

und bald schon, Magdalena Kirchberg, bald schon bist du mausetot.“

Diesmal war ich zwar nicht wunschlos, hatte aber kein Projekt und Buchwünsche, obwohl das Richard Weihs bei mir schon fast vermuten wird, sondern habe ein paar Farben aufgeschrieben und mir zu dem Titel „Farbenlehre“ den Beginn „Der alte Goethe“ gewünscht.

Und das Wunschgedicht vom letzten Mal, das Richard Weihs heute vorgelesen hat, hat auch mit Farben zu tun:

„Lebenshindernisse – Schau einmal, schau – Veilchen, karierte Bluse“

„Schau einmal, schau: Das Veilchen so blau, so blau!

Doch wenn ich noch ein Weilchen steh und schau,

verwelkt das Veilchen und wird grauslich grau.

 

Hör mir doch auf mit dem Gefühlsgedusel“

Du bist doch keine affektierte Muse:

Drum raus aus der karierten Bluse!

Wer nicht pariert, der ist nicht schlau:

Gleich hau ich dir ein Veilchen blau!“

Bin schon gespannt, was daraus wird. Es war jedenfalls spannend und auch sehr voll, scheint Simon Konttas doch seinen Fankreis mitgebracht zu haben. Es war aber auch Luis Stabauer da.

2019-01-13

Sophies Tagebuch

Filed under: Bücher — jancak @ 22:29
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Ich habe mich ja in den letzten Wochen sehr mit den Stationen des Romanschreibens beschäftigt, was, wie ich bei den entsprechenden Webinaren hören konnte, zur Folge haben kann, daß man dann beim Lesen seiner Bücher daraufschaut und den Autoren sozusagen bei ihren eigenen Romanfahrplänen auf die Schliche zu kommen scheint.

So ist es mir bei dem  1948 geborenen Nicolas Remin gegangen, der in seinem kürzlich erschienenen „Sophie Tagebuch“, glaube ich, das Ploten und Planen, sowie die spannungsbögen so perfekt ausgebaut hat, daß  einiges fast übertrieben und unglaubhaft erscheint.

Es beginnt mit einem Prolog und im Jahr 1945, wo einer in den letzten Tagen des Krieges, eine Leiche in seinem Garten vergräbt und dabei am Schluß der Szene von jemanden ertappt wird.

Dann geht es los und in das Jahr 1989 hinein, nach Berlin, in den Oktober, wo im Osten der Stadt, der vierzigste Jahrestag der DDR gefeiert werden soll, dabei die Bürger schon davonrennen,  beziehungsweise anfangen in Massen zu demonstrieren.

Das rührt jenseits der Mauer die fünfundvierzigjährige Französischlehrerin Erika zur Linde, die eine dicke Brille, Parkas und Wanderschuhe trägt und immer sehr streng zu ihren Schülern ist, sehr wenig. Hat sie doch andere Probleme und wird  von der Sekretärin aus dem Unterricht geholt. Die Haushälterin ihres Vaters hat angerufen. Der alte Herr hat sich in seinem Arbeitszimmer erschoßen und sie soll schnell kommen.

Nein, das sagt sie ihr nicht so direkt und etwas Ähnliches, habe ich auch vor kurzem auch im „Schönen Paar“ so gelesen.

Erika eilt also zu der Villa in Lichtenberg, findet den Vater, die Haushälterin erzählt von einem Brief aus Amerika, den der Vater, ein alter Offizier aus Adelsgeschlecht, vor einiger Zeit bekommen hat und  daraufhin ein paar Tage sein Bett nicht mehr verlassen hat.

Erikas Beziehung zu ihrem Vater war nicht sehr gut, hat er sie doch nach dem Tod der Mutter in den Fünfzigerjahren, als sie gerade sechzehn war, in ein Internat gegeben und jetzt besucht sie ihn nur mehr alle paar wochen zu einem Mittagessen.

Sie erbt trotzdem alles und begibt sich zuerst zum Notar, dann trifft sie seine Verlegerin, denn der Vater war Schriftsteller, hat in den Sechzigerjahren einen Kriegsroman geschrieben, sich dann aber plötzlich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die Haushälterin hat den Brief gefunden. Er stammt von einem Paul Singer und der schreibt, daß er der Neffe eines Felix Auerbachs ist, einem Juden, von dem der Vater, seiner <mutter geschrieben hat, daß er 1943 deponiert wurde.

Jetzt hat der aber eine Jüdin getroffen, die ihn noch später gesehen haben will und die Schwester hat dem Vater auch kurz vor seinem Rückzug, einen Brief geschrieben, in dem sie nach einem Mansukript des Bruders fragte. Der Neffe will deshalb nach Berlin kommen und mit dem Vater darüber zu sprechen.

Hat sich Ulrich zur Linde deshalb umgebracht?

Erika geht in die Villa, findet im versperrten Schlafzimmer ihrer Mutter ihre Tagebücher, die sie von 1939 bis 1945 geschrieben hat und beginnt darin zu lesen.

Das ist sehr spannend und man erfährt darin wahrscheinlich sehr genau, wie es sich in Berlin in dieser Zeit abgespielt haben könnte.

Die Mutter war 1939 ein neunzehnjähriges Mädchen, Tochter eines Parteimigliedes und Schwester eines SS-Mannes. Sie will nach der Matura Journalistin werden. Darf das aber nicht. Deshalb heiratet sie den Ulrich, der nichts dagegen hat, obwohl er eigentlich nicht sehr attraktiv ist und der hat einen Freund, nämlich jenen Felix Auerbach, einen Juden, der aber ein blonder blauäugiger Traummannn ist, den alle für einen Schweden halten und das ist wahrscheinlich, die Überthese Nikolas Remin, seine Figuren ja nicht klischeehaft wirken zu lassen.

Der blonde Felix entspricht dem Prototyp eines Nazis, will in den Krieg, eine Unform und das Ritterkreuz. Hält Hitlers Feldzüge eigentlich für gut, ist also sehr unsympathisch und die schöne, wahrscheinlich ebenfalls blonde Mutter ist sehr naiv und verliebt sich sofort in den schönen Jüngling. Sie sagt zwar noch sehr lange Dr. Auerbach zu ihm und geht mit ihm trotz aller Rassenverbote spazieren, ins Kino, in Luxusrestaurants und der Ehemann ist im Feld.

Er bekommt das Ritterkreuz und sagt nichts dazu. Sehr unglaubwürdig eigentlicht. Aber glaubwürdig, erscheint mir die Naivität und Unbesorgtheit der Neunzehnjährigen, die das um sie herum nicht versteht und sich eigentlich mehr Sorgen, um ihre Schönheit, als um alles andere macht.

Indessen, während sie all das liest, gehen auch in Erika Veränderungen vor. Sie legt ihre dicke Brille ab, kauft sich teure Jeans, geht zum Friseur , setzt sich Kontaktlisen ein und liest und liest, um all das, was die Mutter schreibt, zu verstehen, während sie Paul Singers Ankunft erwartet und währenddessen wird jenseits der Mauer Weltgeschichte geschrieben.

„Ich liebe euch doch alle!“, gesagt, Erich Honecker tritt zurück, Egon Krenz tritt auf und die Grenzen werden gestürmt, weil die Reisefreiheit, ob eines Versehens plötzlich für alle gilt.

Erika berührt das alles nicht sehr, ist sie doch in ihrer Phantasie vierzig Jahre früher und hat die Frage zu klären, ob der Kriegsroman nicht vielleicht von Felix Auerbach stammt, der besser schreiben konnte und der Vater ein Plagiator ist?

Sie kommt aber noch zu anderen Erkenntnissen, denn der Bechsteinflügel, der in der Villa steht, gehörte eigentlich Felix Auerbach. Gut, der hat ihn, um ihn nicht anderwertig arisieren zu lassen, beim Freund deponiert. Es gibt aber Porzellan und andere Sachen in der Villa, die der  Vater Sophie schekte und die hat er vorher „günstig“ einem ausreisenden Nachbarn abgekauft.

Felix Auerbach wollte eigentlich noch 1939 mit seiner Schwester das Land verlassen, die schöne Sophie hindert ihn wohl daran. So bleibt er, kommt 1940 in eine Sammelwohnung, wo er jene Sarah Spielrein trifft, die später seinem Neffen von ihm erzählt. Er wird dann zwangsverpflichtet und muß sich später, das ist schon 1943, untertauchen. Das heißt, der arglose Ulrich besorgt ihm falsche Papiere und er zieht in die Villa, als Untermieter ein, während Ulrich an der Front ist und nur Stoffe und Kostüme schickt, die Erika später trägt, als sie zu ihren Treffen zu Paul singer geht.

Erika wurde 1944 geboren. 1943 mußten Auersbach und Sophie in den Luftschutzkeller und plötzlich redet sie ihm in ihrem Tagebuch als Felix an und Ulrich kommt jetzt aus einem Sanatorium zurück, hat sich verändert, ist vielleicht eifersüchtig, es kommt zum Streit….

Es gibt aber noch den Bruder Horst, den überzeugten SS-Mann, der nach dem Krieg verschwunden ist, aber jetzt aus dem Osten als SED-Parteimitglied wieder auftaucht.

Hat der Felix denunziiert, denn der wurde 1945 verhaftet. Kommt dann zwar nach ein paar Tagen wieder zurück, wird aber angeblich von Russen verschleppt, während Ulrich wieder angeblich, einen ihm angreifenden Russen tötet und vom Hausmeister beobachtet, im Garten vergraben hat, damit er nicht nach Sibirien muß.

Höchst kompliziert und auch höchst unglaubwürdig, mit all den Wendungen und den Spannungsbögen, von denen ich jetzt, um nicht zu sehr zu spoilern noch einiges ausgelassen habe.

Es ist aber, das will ich nicht bestreiten, sehr spannend zu lesen und scheint mir auch abgesehen von der zum Teil sehr widersprüchlichen Handlung sehr gut recherchiert und die historischen Details zu stimmen.

Jüngere Leser können sich daher vielleicht wirklich ein gutes Bild darüber machen, was in der NS-Zeit  passierrt ist, obwohl mir der kriegsbesessene Dr. Auerbach, schon ein bißchen zu übertrieben scheint und da steht auch irgendwo etwas, von einem zu „plumpen Drehbuchplott“.

Mir würde er als zu überladen erscheinen und der gute Felix vielleicht zu unsymathisch. Gut das sind die Erika und die Sophie vielleicht auch. Das heißt die Naivität der neunzehnjährigen Parteimitgliedtochter, die nur ihrer Karriere wegen in die Partei eintritt und sich ansonsten ihren Spaß mit dem gutaussehenden Juden macht, ist gar nicht so unglaubhaft, warum aber Erika plötzlich kündigt, verstehe ich nicht so ganz. Oder doch, sie hat ja jetzt geerbt, muß also nicht mehr in die Schule gehen und eine Liebesgeschichte, das kann ich noch verraten, erlebt sie auch noch als Überdrüber oder weiteren Handlungspunkt.

2019-01-12

Den Himmel stürmen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt der vierte Roman des 1982 in Turin geborenen  Paulo Giordano dessen ersten Roman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ich Anfang  2012, als ich mir noch wöchentlich ein Buch vom „Wortschatz“ holen,  um es dann mit einer wahrscheinlich überschaubareren Leseliste demnächst zu lesen, gefunden habe und von dem jungen Italiener sehr beeindruckt war.

Ich habe ein par Jahre später „Den menschlichen Körper“ gefunden, aber noch nicht gelesen und vorigen Frühjahr im Leipzig hat mir Herr Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ auf „Den Himmel stürmen“ aufmerksam gemacht, der auch in Frankfurt mit einem italienischen Buffet vorgestellt wurde.

Aber ich fahre ja nicht mehr nach Frankfurt, so habe ich mir das Buch ein paar Wochen später von meiner neuen Nachbarin abgeholt und jetzt gelesen und muß sagen, war ich schon von den „Primzahlen“ sehr begeistert, bin ich es jetzt wieder, auch wenn ich mich zu erinnern, glaube, daß das Buch in einem anderen Stil geschrieben wurde, habe ich von den „Primzahlen“ ja eine Borderlinestörung und eine schreckliche Kindheit der überforderten Jugend in Erinnerung, ist es hier anders, obwohl es eigentlich um ein ähnliches thema geht.

Ich habe mich in den letzten Tage, während des Korrigieren meiner „Magdalena“ viel mit dem Romanaufbau und der Romanschule der Jurenka Jurk beschäftigt, die bietet sie, glaube ich, vor allem den Krimi und Liebesromanschreibern an, aber Paulo Giordano hat sich, glaube ich, auch mit dem Romanaufbau beschäftigt, bekommt ihn sehr spannend hin und die „Bigger als life-Regel“ hat er, glaube ich, auch perfekt ausgeführt.

Dabei geht es höchstwahrscheinlich, um etwas Autobiografisches, ist ja Teresa, seine Heldin, auch 1982 in Turin geboren, sie hat aber, was ich auch sehr originell finde, eine krimilesende Großmutter, die in Apulien eine Villa hat und dorthin fährt Teresa jeden Sommer mit ihrem Vater, die Mutter weigert sich mitzukommen, was auch sehr seltsam ist.

Neben der Villa gibt es einen Ökohof, der einem Cesare gehört, der ist sehr fromm, fast sekterisch angehaucht, hat einen Sohn namens Nicola und zwei Pflegekinder, Bern und Tommasio, die er selbst unterrichtet und Teresa freundet sich in den Sommern mit den Burschen an.

Das heißt, nein, denn es ist eigentlich eine höchst dramtsche Liebesgeschichte, spnnend, wie Romeo und julio und mit einem fast ähnlich tragischen Ende.

Sie ist also schon als Jugendliche von Bern, dem Sohn von Cesares Schwester hingezogen und der ist ein halber Deutscher, obwohl er eigentlich Bernardo heißt, liebt Bücher vor allem den „Baron in den Bäumen“,  ein Baumhaus gibt es auch und natürlich wird Teresa, die eigentlich eine starke Frau ist, von ihm in die Liebe eingeführt. Es gibt aber auch eine Blutbrüderschaft und eine diesbezügliche Eifersucht zwischen den drei Freunden und als Teresa im nächsten Jahr wiederkommt, sagt die Großmutter, Bern ist nicht da und erzählt ihr etwas von einem Kind, das er hätte.

Das passiert im ersten Teil. Der zweite beginnt dann Jahre später eigentlich am Ende. Es ist Weihnachten und die Dreiunddreiígjährige wurde vom betrundenen Tommasio geholt, damit sie auf seine Tochter aufpasst, damit die Mutter nichts von seinem Zustand merkt und das Jugendamt einschaltet. Sie tut es und erpresst ihn damit, daß er ihr erzählt, was damals mit Bern und Violalibera, einem albanischen Mädchen passiert ist.

Psssiert ist, glaube ich, das, was ich auch in der „Brüderschaft“ beschrieben habe. Es gibt aber kein Kind, weil Violalibera schließlich an der Abtreibung verstorben ist und es geht wieder weiter mit der Chronologie, als Teresa dreiundzwanzig ist, da studiert sie schon, stirbt die Großmutter und vermacht ihr die Villa. Im Nachbarhof  haben inzwischen Tommaso, Bern, Corinne,  Danco und Guilana besetzt und führen eine Ökowirtschaft. Cesare und Floriana sind verschwunden, der Sohn Nicola, den der Vater den zwei anderen Kindern immer vorgezogen hat, studiert zuerst Jus und wird dannPolizist.

Teresa verkauft die Villa und kauft den besetzten Hof, die Wohngemeinschaft löst sich auf, Bern und Teresa bleiben über und wollen ein Kind, was aber nicht gelingt.

So kommt es zu künstlichen Befruchtungsversuchen, das Paar braucht zehntausend Euro, damit sich Teresa  den Embrio in der Ukraine einsetzen lassen kann. Dafür heiraten sie sogar und sammeln bei der Hochzeit Geld. Die Schwangerschaft gelingt trotzdem nicht und Bern und Teresa trennen sich.

Sie bleibt allein am Hof, kämpft mit der Landwirtschaft, bis eines Tages die Polizei vor der Türe steht und Bern sucht, denn er und seine Freunde haben sich an einer Besetzung  beteiligt, um das Fällen von Olivenbäumen zu verhindern. Dabei wurde Polizist Nicola ermordet, Bern, Dancio und Guilana stehen unter Mordverdacht und flüchten.

Dann, das ist dann, glaube ich, schon der dritte Teil, wird es wieder seltsam. Tersea bekommt „Amazon- Pakete mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Büchern, obwohl sie nichts bestellt hat. Ahnt, daß sie von Bern stammen und eines Tages ruft auch eine Reisebüroangestellt an und sagt ihr Ticket nach Reykjawik liegt beret und sie soll sich dort die Gletscher anschauen.

Das hat sie auch nicht betellt, fliegt aber hin. Wird von Giuliana abgehlt und zu  einer Höhle gebracht, denn Bern, der sich schon bei der Olivenbaumbesetzung tagelang in den Bäumen, wie der berühmte Baron von Italo Calvino aufgehalten hat, ist jetzt in eine Höhle gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr heraus.

Sehr dramaltisch. Er stirbt und Teresa geht noch einmal zu Doktor Sanfelice, läßt sich die eingefrorenen Samen geben, fliegt  mit Tommaso noch einmal in die Ukraie und obwohl es keinen Leichnam gibt, läßt sie Bern  von Cesare, der das den Kindern auch immer gepredigt hat  und an die Seelenwanderung glaubte, beziehungsweise das Buch begraben und bereitet sich auf das die Geburt ihrer Tochter vor.

Ein sehr spannender Roman, leicht zu lesen und raffiniert ausgeführt. Im Nachhinein könnte man ihm ein wenig kitschig nennen. Während des Lesens ist man gebannt und sehr begeistert.Jetzt müßte ich noch Buch zwei lesen oder abwarten, was ich von dem jungen Italiener noch hören und lesen werde.

2019-01-11

Nachtleuchten

Jetzt endlich, es ist schon Jänner 2019, kommt Buch achtzehn des dBp 2018 und das war es dann wahrscheinlich auch, denn Buch neunzehn und zwanzig scheinen nicht zu mir zu kommen, obwohl mir das von Christina Viragh vom Verlag versprochen wurde und ich auch eine diesbezügliche Datenschutzerklärung abgegeben habe.

Macht aber nichts, man braucht nicht alles lesen und 217 waren es auch nur achtzehn gelesene dBp- Bücher, allerdings stehen die restlichen zwei auf meiner Leseliste von 2019 und wenn ich es nicht wieder mit den Neuererscheunugen so übertreibe, hätte ich die Chance, den 2017-Jahrgang, wie den von 2015 mein erstes Buchpreisjahr, komplett zu lesen.

Und es ist ja auch nicht nur Buch achtzehn sondern auch das sechste der vorjährigen Shortlist, denn darauf ist ja die 1972 in Buenos Aires geobrene und in Berlin lebende Maria Cecilia Babetta, von der ich noch nie etwas gehört habe, gestanden und, daß das Buch zu mir gekommen ist, habe ich einer Schlamperei zu verdanken, denn „Fischer“ hat es mir nicht geschickt, dafür „Hanser“ seine zwei Bücher als E Books oder PDFs und da habe ich das der Anja Kampmann in der Mailbox, ähnlich, wie das Buch der Carmen Francesca Banciu verschlampt und habe gedacht, schaue ich da vielleicht bei „Netgalley“ nach, bevor ich nochmals anfrage.

Habe da dann gleich alle restlichen Bücher bestellt, konnte da aber nur „Nachtleuchten“ öffnen, so daß es bei zwei ungelesen bleiben wird und mit dem sechsten Shortlist Buch habe ich mir, ich schreibe es am besten gleich, nicht leicht getan und bin wieder einmal zwischen „fantastisch“ und „unverständlich“ hin und hergeschwankt und das ist es, glaube ich auch.

Da ich das Buch erst sehr spät gelesen habe, habe ich mir vorher das „Buchpreis-Video“ angeschaut und da die Autorin sagen hören, daß sie da Buenos Aires, beziehungsweise den Vorwort Ballester, in dem sie aufgewachsen und, wo auch ihr Großvater eine Autowerkstatt hatte, schildern wollte.

Das Buch spielt in den Siebzigerjahren, also vor der Militärdiktatur in der Zeit, wo Peron stirbt und seine Frau Evita, das Präsidentschaftsamt übernimmt.

„Aha!“, könnte man nun sagen und eine Vorstellung, was einen erwartet wird, haben.

Ich hatte sie und habe mich gänzlich getäuscht, denn die kleinen Leute von denen das Buch handelt, sind sehr spiritistsch angehaucht, um nicht zu sagen mythisch- phantastisch, aber der phantastische Realismus kommt ja von Lateinamerika her und wenn man da jetzt wieder „Aha!“, sagt und zu dem Friseursalon, der „Zur ewigen Schönheit“ heißt, nickt, irrt man sich wieder. Denn es gibt ein Video im Netz, wo Maria Celicilia Barbetta durch Berlin radelt und vor einem solchen Friseursalon steht, bezeihungsweise vor einem Geschäft in dem früher ein diesbezüglicher Laden war und die sehr sprachgewandte Autorin, die offensichtlich Lust an Sprachspielereien hat, zeigt auch auf ein Straßenschild auf dem „Ausfahrt freihalten“ steht und erklärt, daß sie dann immer „Freiheit aushalten“ denkt, wenn sie es sieht.

Das fünfhundert Buch ist in drei Teilen gegliedert, die je dreiunddreißig Kapitel haben und dann gibt es noch ein hundertstes, die „Vierte Dimension“ genannt.

Die kleinen Leute in dem Buch sind die Automechaniker in der Werkstatt von Teresas Großvater und die ist vielleicht das alter Ego der Autorin, jedenfalls ein zwölfjähriges Mädchen, eine Artztochter, die Mutter ist, wie offenbar auch die von Maria Cecilia Barbetta italienische Einwanderin und der Vorort in dem das Buch spielt ist auch ein Einwandererbezirk.

Theresa bekommt zu Beginn des Buches ein Geschwisterchen und besucht außerdem eine katholische Schule, in dem es lauter alte Nonnen und eine junge Sour Maria gibt, die den Schülerinnen das zweite vatikanische Konzil näherbringen will. Sie fährt mit wehenden Schleier unterm Helm auf einer Vespa zu einem Pfarrer, der sich als ihr Bruder entpuppt, vorher hätte man, da es dort auch ein kleines Mädchen gibt, auch an eine verbotene Liebesbeziehuing denken können.

Teresa bringt jedenfalls von ihrer Lehrerin angestachelt eine Plastiknonnenfigur wochenweise zu allen Familien des Ortes und so gleiten wir durch die dreimal dreiunddreißig Kapitel und kennen uns, wenn wir das Buch nicht sehr genau und  am besten mehrmals lesen, höchstwahrscheinlich nicht aus.

Denn es passiert wahrlich viel in den dreimal dreiunddreißig magisch-phantastischenKapitel. Der erste Teil ist der „Bloody Mary“ und den Klosterschülerinnen gewidmet, die aus externen und internen bestehen. Die Internen sind meist die armen Mädchen, die einen Freiplatz haben, die Externen zum Beispiel, die zahlende Arzttochter Teresa. Dann gibt es aber noch eine Adriana, deren Vater Rechtsanwalt ist, in dessen Haus Teresa die Madonna zuerst hinbringt, die könnte also eigentlich auch eine Externe sein. Sie ist aber eine zahlende Internatsschülerin und darf das Kloster nicht verlassen, weil der Vater soviel arbeiten muß, die Mutter ein Hündchen namens Mimi und ständig Migräne hat und das Dienstmädchen deshalb auch ständig beschäftigt ist.

Man sieht, es ist sehr komplziert, wird aber noch komplizierter und im zweiten Teil geht es sowohl in die Autowerkstatt, zu dem Großvater und seinen Gesellen, als auch in den schon erwähnten Friseursalon, der einem Celio gehört oder eigentlich seiner Mutter. Die hat einmal von Evita eine Nähmaschine geschenkt bekommen, die sie dann in eine Trockenhaube umtauschte. Jetzt ist sie alt und verstummt, offenbar ist eine Demenz damit gemeint, so daß sie von ihrem Sohn angekleidet und geschminkt wird und dann als Püppchen in einen Sessel sitzt, wo der Sohn mit ihr redet, während er seine Kunden frisiert. Die stirbt  im Laufe des Geschehens und im dritten Teil geht es, sowohl in das Intstituo Basilo, wo Celio wieder seiner Nutter begegnen will, als auch zu einer Frau und ihren Katzen.

Teresa und ihre Madonna taucht wieder auf und in dem Buch gibt es auch immer wieder experimentelle graphische Gestaltung, Buchstabenspiele, Räseln, seitenlang das selbe Wort, Fots, etcetera und Maria Cecilias Barbettas Sprache ist sowohl überbordend bis zum Kitsch und läßt dann wieder aufhorchen durch  neue Phrasen und Wortwendungen, so daß es sehr schön ist, durch das Buch zu gleiten, auch wenn man nicht sehr viel versteht und ich auch denke, daß die armen Leute in den Siebzigerjahren am Vorabend der Militärdiktatur vielleicht ein wenig weniger mystischer waren.

Aber was weiß man schon genau, Lateinamerika ist bekannt für seinen phantastischen Realismus und, daß der in der Diaspora sich vielleicht besonders schön entwickeln kann, kann ich mir auch vorstellen.

2019-01-10

Wieder Widerstandsdemo

Filed under: Gesellschaftspolitik — jancak @ 21:32
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Vor dem ehemaligen Verkehrsbüro

Vor dem ehemaligen Verkehrsbüro

Die Wiederstandsdemos gegen türkis blau oder blau schwarz II gibt es seit Oktober und nach einer  längeren Weihnachtspause hat sie im neuen Jahr zum zwölften Mal stattgefunden. Ich war das fünfte Mal dabei, weil wir ja öfter am Donerstag nach Harland fahren, ich einmal auf der „Buch -Wien“ war, einmal bei einem „DichtFest“ und das KAV-Supervisionstreffen hat es vor Weihnachten auch einmal gegeben.

Also war ich bei der ersten Demo am Ballhausplatz, dann auf der am ersten November die vom Hrdlicka-Denkmal dorthin gezogen ist, einmal ist es vom Sozialministerium durch den dritten Bezirk gegangen und einmal vom Heldenplatz zur Industriellenvereinigung mit dem Thema Zwölfstundentag, denn die Demos haben immer einen Themenschwerpunkt, da war es auch sehr kalt, so daß wir gar nicht bis zum Ende ausgeharrt sind, sondern mit den „Grüwesten“ der „Auge-Fraktion“, wo der Alfred auch einmal die Fahne trug zum Wahlfest der Birgit Hebein, der künftigen grünen Vizebürgermeisterin, gegangen sind und ein paar Tage später gab es dann auch die Auge-Weihnachtsfeier, danach eine langere Pause, obwohl in Deutschland und in Österreich bei den Rechten ja sehr viel passiert und sich da ja die Vidios häufen, die  jede einzelne Gewalttat, die es von Asylwerbern gibt, genüßlich aufzeigen und den Eindruck machen, daß man nicht mehr aus dem Haus gehen kann, ohne gleich ausgeraubt und vergewaltigt zu werden.

Bei der Rosa Lila Villa

Bei der Rosa Lila Villa

Ich verfolge ja seit fast zwei Jahren den Blog des Ulis, der nicht nur Science-Fiction Romane schreibt, sondern auch gegen die „Linksfaschisten“ schimpft, sich rassistisch verfolgt fühlt und immer wieder Dinge findet, die ihm nicht gefallen.

Ich verfolge seit der Bundespräsidentenwahl aber auch die Vlogs von einigen Patrioten und die empören sich auch über die „Omas gegen Rechts“, die auch heute wieder auf der Demo zu finden waren.

Die Rizys waren da und sonst sehr viele junge Leute und das Thema heute war eines das man auch auf den Vlogs der rechten findet. Da wird es von der anderen Seite beleuchtet und sich über den „Genderwahnsinn“ aufgeregt.

Hier ist es vom Parlament über den Platz der Menschenrechte wo es ja das Marcus Omofuma-Denkmal gibt, zur Rosa lila Villa, dem Lesben und Schwulenhaus gegangen, das sich ja nicht nur neben dem Kinderhaus befindet, wo die Anna zur Schule gegangen ist, sondern auch nahe der Kreuzung, wo ich ja einmal das Auto gesehen habe, das der Ausgangspunkt der „Magdalena  Kirchberg“ war, aber das nur nebenbei und vom Thema ab, denn auf der Demo wurde zuerst ganz allgemein auf die Gewalt an Lesben und Schwule und wie die Geetzeslage früher war hingewiesen. Es gab viele Luftballons, die sich spätter in Glitzerwolken auflösten und am Platz der Menschenrechte, beim Getreidemarkt wurde auf das Schicksal von Marcus Omofuma hingeweisen, einem nigerianischen Asylwerber, der am 1. Mai 1999 während seiner Abschiebung in einem Flugzeug erstickt ist.

Bei der Schlußkundgebung bei der Pilgramgasse gab es Reden über die ungarischen und die brasilianische Situation  der Schwulen-, Leben- und Transszenen und Reden anderer Asylwerber mit Transhintergrund, viel Tanz und gute Stimmung und ein Thema, das mich ja nicht sehr betrifft, aber sicher sehr aktuell ist und zur  gesellschaftlichen Situation gehört.

2019-01-09

Revolutionsworkshop und Textüberarbeitung

Filed under: Schreibbericht,Workshop — jancak @ 21:22
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Nachdem ich im neuen Jahr mein neues Buch bekommen habe und ich gestern und vorgestern jeweils in der „Alten Schmiede“ war, ist es heute wieder in der „Dokumentationsstelle für ost und mitteleuropäische Literatur“ wieder mit dem Alexej Tolstoj weitergegangen.

Das heißt so viel Neues haben wir dort gar nicht bearbeitet, sind wir noch immer beim ersten Kapitel  des „Leidensweg“.

Stephan Teichgräber hat mich aber auch ein wenig über „You Tube“ in die russische Fernsehserie hineinschnuppern lassen und ich habe auf dem Weg dorthin im Schrank ein anderes, gerade zehn Jahre altes Buch zu einer Fernsehserie gefunden, nämlich das zum „Sommer 1939“, wo es auch ein Bild von Josef Stalin gibt und mit Stephan Teichgräber darüber diskutiert, ob Tojsois Petersburger Schilderung als Schauerroman verstanden werden kann.

So weit so what und sonst habe ich die stundenfreie Zeit dieser Woche viel mit meiner „Magdalena Kirchberg“ verbracht.

Die es ja jetzt zum Überarbeiten gilt, ich habe darüber ja schon einmal mit dem Uli und ich glaube ich auch mit der Antje Dörsam diskutiert, wie ich das mache und da ist das in etwa so, daß ich mit dem Rohentwurf meistens in ein paar Wochen fertig bin und dann ein paar Monate, in der letzten Zeit immer länger, bei der „Unsichtbaren Frau“ habe ich ein halbes Jahr dazu gebraucht und bin im Juni, wo der Alfred in Amerika war nicht und nicht damit fertig geworden, obwohl ich mich ja schon längst auf Recherchtour für das neue machen wollte, daran korrigiere, aber eigentlich nicht so viel verändere, sondern im Großen und Ganzen bei den Rechtschreibfehlern verbleibe.

Das löst bei manchen ein verständnisvolles Kopfschütteln aus und ich nehme mir ja auch immer meist vergeblich vor, jetzt wirklich daran zu korrigieren, umzuschreiben, dazuzuschreiben und was Neues daraus zu machen, endlich den umwerfenden Weltbewegenden spannenden Roman und dann verändere ich ein paar Zeilen und denke es passt schon so.

Die mangelnde Resonanz darauf weist darauf hin, daß es vielleicht doch nicht so passt, aber wie ich es anders machen könnte, habe ich nicht viel Ahnung und denke da warscheinlich auch und da bin ich schon bei Jurenka Jurk und ihrem Romanlehrgang für den sie in letzter Zeit sehr viel Werbung macht und in meheren Gratisworkshops schmackhaft machen will, denn nachdem es da ja zwischen Weihnachten und Neujahr ein fünf Tage Workshop gegeben hat, gab es am Sonntag ein Webinar zum Überarbeiten und über diesen Video  bin ich am Montag auch gesessen und habe es mir während des Korrigierens angehört und ich muß sagen, es hat gewirkt.

Nicht, daß es mein Werk soviel verändert hätte. Aber aufmerksame Leser wissen es, daß ich schon mal beim Korrigieren zum Trödeln anfange.

„Ich will und will nicht!“, dabei denke.

„Es macht mir keinen Spaß!“, etcetera. Diesmal hat mich das Thema Überarbeiten beschwingt und ich habe mir öfter gedacht „Richtig!“, obwohl ich mich, wie schon erwähnt, dabei ertappt habe, festzustellen, daß es beim Korrigieren zum größten Teil um Rechtschreifehler und darum, daß die Sätze sitzen müssen und nicht so sehr, um das Szenen verändern, geht. Obwohl ich bei meiner letzten Reflektion darüber ja schon die Erfahrung machte, daß wahrscheinlich einiges daran zu verändern wäre, zum Besipiel den Roman der Magdalena Kirchberg wirklich schreiben und den drei im Auto ein eigenes Leben und  einen eigenen Handlungsstrang geben.

Ich habe ja während des Schreibens auch gedacht, ob ich vielleicht beim „Nanowrimo“ das Ganze mit dem schon vorhandenen Material nochmal schreiben, dann bin ich aber am ersten November mit dem Rohtext fertiggeworden, der mir einerseits gefällt und ich andererseits wieder denke, daß mir da etwas fehlt, daß es vielleicht doch nicht so geworden ist, wie es hätte sein können, etcetera.

Jurenka Jurk hat in ihrem Webinar zum Überarbeiten auch ein paar Tips gegeben, wie man das machen könnte.

Erstens den, während des Schreibens nicht zu korrigieren. Das ist auch das, was man beim „Nanowrimo“ immer geraten bekommt und bei mir nicht so funktioniert, weil ich vor allem, wenn ich schon ein paar Seiten Text habe und einige Zeit das Schreiben unterbrochen habe, das Ganze noch einmal durchgehe, um wieder in den Stoff hineinzukommen.

Das hilft mir, ist gut und wichtig für mich und dann ist der Rohtext irgendwann fertig und hier raten ja die Schreibexperten, das Ganze einige Zeit liegen zu lassen, bevor mans überarbeitet.

Etwas das ich auch nicht tue, außer wenn dazwischen die „Buch Wien“ ist, ich auf Urlaub bin oder sonst keine Zeit für den Text habe, sonst korrigiere ich gleich und, wie schon geschrieben, meistens bleibt der Inhalt gleich, nur bei ganz wenigen Texten habe ich einmal eine Szene angefügt oder weggenommen und ich überarbeite eigentlich eher den sprachlichen Stil und es geht dann, wie Jurenka Jurk auch recht kritisch anmerkt, zum nächsten Text mit der Hoffnung jetzt endlich den großen ultinativen Roman daraus zu machen, was dann meistens nicht gelingt.

Jurenka Jurk hat in ihrem Webinar auch ein paar Punkte genannt, auf die man beim Überarbeiten achten könnte, ob die Szenen sitzen, die Handlung passt, etcetera. Etwas, an das ich zwar auch denke, es dann aber meistens lasse und erst am Schluß auf die Rechtschreibung und die Grammatik zu achten.

Jetzt habe ich beim Überarbeiten ein bißchen bewußter darauf geachtet, vor allem darauf, ob die Sätze sitzen und den einzelnen Szenen versucht, ein bißchen mehr sprachlichen Schwung und Pett zu geben, beziehungsweise sie aufzufüllen.

Bin jetzt, glaube ich, bei Szene fünfzehn beim einzeln Korrigeren. Manche Szenen sitzen schon, bei anderen bin ich noch unzufrieden und wenn ich damit fertig bin, kann ich noch immer darauf schauen, ob ich jetzt groß was ändere, was einfüge und vielleicht noch was beachte, mal sehen wie es wird.

Die Schreibexemperten raten dann ja immer die Testleser und denen einen Fragebogen zu geben, auf denen sie notieren können, was ihnen aufgefallen ist und was noch nicht stimmt.

Ich gebe den Text dann den Alfred, der es durchsieht, auf die Rechtschreibung und die Grammatik achtet und dann ein PDF für den „Digitaldruck“ daraus macht.

Das Cover mache ich mir meistens mit einem Foto vom Alfred selber, bei der „Magdalena Kirchberg“ denke ich, daß ich vielleicht die alte Schreibmaschine der Schwiegermutter, die in Harland steht, dazu nehme.

Einmal für „Paul und Paula“ hat mir der Alfred eines von einer Grafikerin machen lassen, mit dem ich dann nicht so zufrieden war. Denn eigentlich finde ich meine Cover schön. Die Anna hat mir früher auch mal was dazu gezeichnet oder collagiert, obwohl da ja auch die Experten meinen, unbedingt ein professionelles Cover und unbedingt ein professionelles Korrektorat und Lektorat. Mal sehen, ich bin da ein bißchen unbelehrbar, wie mir der Uli immer schreibt, habe aber jetzt und das, denke ich, ist eindeutig dem Webinar zu verdanken mehr Spaß und Freude am Korrigeren und danach, wenn ich damit fertig bin und dann schon die Idee als nächstes ein“ Literaturgeflüsterbuch“ über mein Schreiben und meine Bücher herauszugeben und habe mir da vor einer Woche auch schon die diesbezüglichen Artikel herausgesucht, die ich, wie ich noch ergänzen kann, durch die entsprechenden Probekaptiel meiner Bücher erweitern möchte und eine Coveridee habe ich auch schon, nämlich das Foto vom Promotionsartikel zum ersten „Literaturgeflüsterbuch“ dazu zu nehmen.

So das wars und wird mich wahrscheinlich die nächsten Monate noch beschäftigen. Ich werde mehr oder weniger, je nachdem, wie es passt, darüber berichten und hätte heute auch noch die Möglichkeit zu einem neuen Webinar zur Figurenanalyse. Da scheine ich aber nicht hineinzukommen, so daß ich stattdessen verratenkann, daß ich genau, wie in der „Magdalena Kirchberg“ geschrieben, die auch einen Roman schreiben will, mir da immer vorher je einen Charakterbögen zu meinen Hauptfiguren ausfülle, den ich einmal bei Jaqueline Vellguth von der Schreibwerkstatt.de gefunden habe.

Ansosten bin ich keine „Schneeflockenplanerin“, sondern eigentlich eine „Bauschreiberin“ wie das genannt wird. Das heißt, eine, die mit einer Idee anfängt, bei der Magdalena war es die, mit den drei Personen im weißen Auto und dann immer ein paar Szenen vorausplant, die im Notizbuch aufnotiert und danach schreibt.

2019-01-08

Drei Frauen bei den Textvorstellungen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:15
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Mit den „Textvorstellungen“ moderiert von Mieze Medusa, deren „Freischnorcheln“, ich ja im Dezember im Schrank gefunden habe, ist es in der „Alten Schmiede“ gleich weitergegangen und da hat die 1975 geborene Mieze Medusa drei sehr interessante und auch sehr unterschiedliche Texte ausgewählt, zwei mehr feministisch und der dritte sehr poetisch war.

Mit der 1941 geborenen Feministin  Eva Geber, die ein Buch über die französische Anarchistin „Louise Michel  – Die Anarchistin und die Menschenfresser“ geschrieben hat, das sie, glaube ich, schon in Leipzig vorgestellt hat und das sich der Alfred auch besorgte.

Es ist ein Monolog erklärte Eva Geber in der Einleitung und ein Buch in dem die 1830 als Tochter einer Dienstmagd und des Schloßherrn, die von dessen Eltern aufgezogen wurde, sich an der Belagerung von Paris beteiligt hatte, nach Neukaledonien verbannt wurde und 1905 in Marseille gestorben, selbst ihr Leben erzählt und auch ihre Gedichte und die Mythen, die sie von den „Menschenfressern“ mitgenommen hat, in dem Buch enthalten sind.

Sehr interessant, ein Stück Frauengeschichte zu hören und auch, die mir bisher unb2ekannte Lilly Axster, eine, wie ich „Wikipedia“ entnehmen, Mieze Medusa hat ins „Schmiede-Programm keine Biografien geschrieben, weil man die ja, wie sie sagte, googlen kann, eine 1963 geborene deutsche Filmregisseurin ist, die auch an einer Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt tätig ist und diesbezügliche Jugendbücher zu schreiben scheint.

Das vorgestellte „Die Stadt war nie wach,“ das auch in dem, wie sie erklärte, queeren „Zaglossus-Verlag“ erschienen ist, ist jedenfalls ein solches, wobei Lilly Axster queer, als schräng beschrieb. Es handelt jedenfalls von fünf Freunden, die an ihrer Schule diese Gewalt erleben.  Lilly Axsster trug ihren Text mit sehr lauter Stimme im Stehen vor und Mieze Medusa stellte im anschließenden Gespräch die Frage, ob das Buch ein Jgendbuch sein, Lilly Axster meinte, sie hätte es nicht als solches geschrieben, behandelt aber diese Themen, wenn es auch sehr modern und sprachgegendert zu sein scheint.

Die dritte Autorin, die 1994 in Bregenz geborene Sarah Rinderer, war dann mit ihren noch unveröffentlichten Text „Mutterschrauben“ das literarische Kontrastprogramm, weil sehr sehr poetisch. Mieze Medusa brachte in ihrer Einleitung auch den Bezug zu Ingeborg Bachmann, so daß ich denke, daß ihr Prosatext, der von zwei Schwestern, einer Mutter und einer Großmutter handelte, zwar nicht unbedingt zu den zwei vorher vorgestellten passte, aber ein weiteres Stück starker Frauenliteratur einer sehr jungen Autorin, die schon den Vorarlberger-Literaturpreis bekommen hat und wahrscheinlich sowohl mit der Maya, als auch mit der Ursula rinderer von „Kremayr und Scheriau Verlag“  verwandt sein dürfte, präsentierte.

2019-01-07

Walter Pilar in epischer Breite

Vor fast genau einem Jahr, nämlich am ersten Jänner ist der 1948  in Ebensee geborene Schriftsteller, Zeichner und GAV-Mitglied Water Pilar nach einem Treppensturz  gestorben.

Damals ging das, was mich fast ein wenig wunderte, durch die Medien und hier wurde vorallem sein Großprojekt „Lebensee“ erwähnt.

Ich kenne ihn, glaube ich, von den GAV-Sitzungen, wo er sehr engagiert und wortgewaltig auftrat und ich kann mich auch erinnern, daß einmal ein GAV-Mitglied in dem Antiquariat „Buch und Wein“ in der Schäfergasse, das es nicht mehr gibt, sein neues Buch vorstellte.

Den habe ich  bei der GV angesprochen und gefragt, ob ich das Buch tauschen kann? Die Antwort war „Ja!“, als ich das dann vor der Lesung tun wollte, war die Antwort „Jetzt nicht!“

Ich bin beleidigt ohne Buch gegangen und bin mir immer noch nicht sicher, ob das Walter Pilar oder ein anderer war?

Es könnte aber sein, weil wir sonst kein anderer einfiele und heute, fast ein Jahr nach seinem Tod eine doppelte Pilar-Veranstaltung in der „Alte Schmiede“, hat ja zuerst Richard Wall, auch ein oberösterreichischer Autor, den ich vorwiegend von den GAV-Sitzungen kenne, eine kommentierte Lesung aus dem vierten Band „Lebensee“ , der, glaube ich, auch vor einem Jahr erschienen ist, gegeben und Analena Stabauer hat moderiert und eingeleitet.

die „AS“ war voll von Pilar-Freunden und experimentellen Dichtern, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Hermann Hendrich, aber auch die Rizys, der liebe Rudi, Luis Stabauer, Gerhard Jaschke und neben mir ist ein spezieller Pilar Freund und Weggefährte namens Peter Putz gesessen, der  dann noch eine Karte mit Lebensbildern des Autors verteilte.

die Tetratogie ist im „Ritter-Verlag“ erschienen und dort, wo manchmal das Buffet aufgebaut ist, war diesmal ein Büchertisch, auf dem nicht nur die vier „Ritter-Bände“ sondern auch die Restauflage der „Herbst-Presse“ auflagen, wo Walter Pilar früher  publizierte.

Es gab auch ein Portrait das Eva Maria Geißler von dem Autor malte und der 1953 geborene Richard Wall, der glaube, ich auch mit Walter Pilar befreundet war, las dessen Dialektgedichte, wie er sagte, im Mühlviertler Dialekt und führte gekonnt launig und auch schon in epischer Breite durch das Werk, das von Fotos und Zeichnungen des Autors durchzogen war, die auf die Leinwand projeziert wurden.

Es gab eine Fotsequenz, die zeigte, wie sich Ebensee im Laufe der Jahre verändert hat. Leserbriefe, die der empörte Autor an die Stadtverwaltung geschrieben hat, wurden verlesen und seine „Gipfelstürmergedichte“, so daß es schon viertel neun geworden war, ehe Richard Wall fertig war, obwohl schon um acht die zweite Session angekündigt war und das finde ich sehr schön, daß das nicht, wie früher um sechs und um acht gewesen wäre und ich dann eine Stunde Zeit gehabt hätte, herumzustehen oder spazierenzugehen, obwohl jetzt, habe ich ja immer meine aktuelle Lektüre mit und würde sie weiterlesen.

Aber Paulo Giordanis vierter Roman passt wohl nicht zu der Hommage an einen exeperimentellen Dichter und so bin ich in der fünf Minuten Pause nach oben gegangen und habe mir noch einmal den Büchertisch angeschaut, obwohl ich schon vorher den verkaufenden Assisitenten, damit schockte, daß ich keine „Rititter-Bücher“ lesen würde.

Das stimmt zwar, daß ich nicht und nicht dazu komme, obwohl schon einige in meinen Regalen stehen aber und die Antwort war auch, ich müße sie ja nicht lesen, nur kaufen, denn man kann nie genug Bücher haben und meine Antwort darauf war, zu mir zu kommen und sich meine Stapel oder Berge ungelesener Bücher anzusehen.

Das stimmt und wenn der Autor mit dem ich damals tauschen wollte, mir das Buch, das vielleicht „Lebensee zwei“ war, gegeben hätte, hätte ich höchstwahrscheinlich noch ein ungeleses „Ritter-Buch“ mehr und habe in meinem Bibliothekskatalog auch gerade gesehen, daß ich ein Pilar-Buch aus der „Herbstpress“e, nämlich die Gedichtsammlung „An sanften Samstagen“ aus dem Jahr 1986 habe, jetzt muß ich das Buch nur finden, in der „Alten Schmiede“ ist es aber mit einem Lesungsausschnitt des Autors einer „AS-Lesung“ aus dem Jahr 2007 weitergegangen, bei der ich höchstwahrscheinlich nicht war, die aber zeigte welch imposanter und umtriebiger Autor Walter Pilar war, der wie Analena Stabauer in ihrer Einleitung erklärte, damals auch in epischer Breite ge2lesen hat.

Dann ging es  weiter mit dem Walter Pilar-Hommage oder Kolloqium, wie ich diesen Artikel ursprünglich nennen wollte, denn da hat der Literaturwissenschaftler Florian Neuner eine Einführung in sein Werk gegeben und der gibt ja auch die „Idiome“ heraus und da war ich einmal bei einer Lesung und da wurde offenbar auch auf Walter Pilar hingewiesen.

Dann gabs noch eine Diskussion mit Richard Wall, Analena Stabauer und Florian Neuner, wo sich auch das Publikum, nämlich Peter Putz und ein junger, mir unbekannter Mann, der offenbar auch ein großer Pilar- Kenner war, lebhaft einmischten und ich habe in der „Alten Schmiede“ wieder einmal eine intensive Werkeinführung in einen vielleicht nicht so bekannten Autor bekommen, der aber auch sehr viel zu sagen hatte, das sowohl sehr experimentell, als auch, wie Florian Neuner meinte, „pseudowissenschaftlich“  als Mikrokosmus im Makrokosmos tat und Florian Neuner hat auch ein Adorno-, beziehungsweise Mayröcker- -Zitat gegen das Erzählen, den Plot und die Handlung gebracht.

1954 dachte man offenbar, daß kein erzählender Roman mehr möglich. Das hat sich inzwischen sehr geändert, habe ich doch nicht nur gestern wieder ein Webinar von Jurenka  Jurk zu ihrer Romanausbildung gehört, wo es um das Überarbeiten und Vermarkten ging.

Es wurde an diesen Wochenende auch die Gewinnerin des „Bloggerdebut-Preises“ ermittelt, die Bettina Wilpert mit ihrem Vergewaltigungsroman in schöner Sprache Nichts was uns passiert“ ziemlich eindeutig und unschlagbar geworden ist.

Leider ist die Preisverleihung am zwöflten Februar, weil da offenbar in Essen im Cafe Livres schon eine Lesung mit ihr ausgemacht  war und icht im März vor Leipzig wie im vorigen Jahr, so daß ich nicht dabei sein werde. Ich habe aber den Zweitenplazierten, nämlich David Fuchs, der ja vielleicht auch wieder lesen wird, in Wien schon einige Male gehört, so daß ich da nicht so viel versäume.

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