Literaturgefluester

2012-12-31

2012

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Wieder gilt es auf ein Jahr zurückzusehen, das fünfte, in dem ich blogge und es war ein durchaus ambibvalent und eines in dem ich sehr produktiv gewesen bin.
Drei Bücher sind erschienen „Die Frau auf der Bank“, „Die Wiedergeborene“ und „Paula Nebel“. Drei Texte habe ich geschrieben, „Paula Nebel“, „Kerstins Achterl“ und das Nanowrimonovel „Zum Sterben sollte man alleine sein“, sowie die „Wiedergeborene“ fertigkorrigiert.
Das alles schnell, bemüht, beinahe hektisch und mit „Der Wiedergeborenen“ und der „Paula“ bin ich auch in Krisen gestürzt, die, so würde ich jetzt meinen, gar nicht so sehr den Schreibprozeß betrafen, sondern den Frust, daß ich schreibe und schreibe und es wird nichts daraus.
Daß sich kein Verlag findet ist klar, denn den suche ich seit 2004 nicht mehr, sondern mache meine Bücher schon seit 2000 selber, das heißt der Alfred schickt das PDF an eine Druckerei und ich lasse mir fünfzig Stück drucken, womit ich eine Pionierin des Selfpuplishings wäre, das sich jetzt langsam herumspricht.
Während man 2000 damit, um es einmal so zu schreiben, sehr exotisch war und sehr weit weg vom Fenster.
Das bin ich immer noch, denn Wikipedia hat ja im letzten Jahr meine Bücher ab „Und Trotzdem“, das letzte, das ich bei Novum drucken ließ, weil die immer teurer wurden, hinausgestrichen, weil sie nur „Verlagsprodukte“ wollen. Da sprach man im Frankfurt bereits vom Selbstpuplishing und die Leute, die ich um eine Rezension für das Literaturhaus ersuche, sagen zwar zu, dann scheint aber nichts zu kommen, was auch nicht gerade lustig ist.
Das Gefühl, da kannst du machen, was du willst, vielleicht den „Faust“ neu schreiben oder eine „Frau ohne Eigenschaften“ und es wird trotzdem nichts, ist nicht gerade aufbauend und nun weiß ich schon, daß der „Faust“ schon geschrieben wurde und ich ein bißchen eigenwillig an meiner Rechtschreibung festhalte und auch daran vielleicht nicht so abgehoben zu schreiben, wie es die Verlage gerne wollen. Aber wenn man schreibt und schreibt und man kann dann nur im Literaturhaus, in dem man nicht mehr lesen darf, sein selbstgemachtes sehr schönes Buch vorzeigen und der, der es ansehen soll, nimmt es nicht einmal in die Hand, sondern fragt nur „Welcher Verlag?“, führt das zu Frust und zu der Frage, was ich machen kann, damit sich das ändert und die Antwort ist, daß mir da, außer aufhören, was ich nicht will, nichts einfällt.
So habe ich im Frühjahr darüber gejammert, es sind auch im Vorjahr die Zahl meiner Lesungen zurückgegangen, ich hatte das ebenfalls sehr frustriende Erlebnis mit dem Alpha-Literaturpreis und Ju Sophie hat auch sehr deutlich geäußert, daß ihr das, was ich schreibe, nicht gefällt.
Soll so sein, ich kann es nicht anders, obwohl ich mich bemühe und denke, daß man besser wird, wenn man das, was man will, kontinuierlich betreibt.
Ein bißchen war es für mich auch schwierig, daß ich da in die Welt hinausjammern und jammern kann und es kommt nichts zurück. Dann ist aber doch etwas gekommen, ein paar aufmunternde Mails von Kolleginnen und Freunden und auch ein paar Einladungen zu lesen.
So gabs dann eine Lesung mit der „Mimi“ im Juni vor dem offenen Bücherschrank in der Grundmanngasse. Im November, die der „5 er Edition“ im Schloßquadrat und zu Jahresbeginn habe ich auch wieder am Slam der anderen Buchmesse teilgenommen. Der liebe Rudi, den ich auch zu meinen Förderern zählen würde, hat mich im April zu einer Lesung ins „El Speta“ eingeladen und in Salzburg habe ich im April auch gelesen. Dann gabs auch noch eine Einladung zu den Textvorstellungen mit der „Frau auf der Bank“, die Lesungen beim „Volksstimmefest“, beim Osterspaziergang in St. Pölten, bei der „Poet-Night“ und die „Mittleren“, die vorläufig die letzten sein werden, denn höchstwahrscheinlich hat der Frust mit dem Literaturhaus doch an mir genagt und die Resignationsgefühle waren da und weil die Lesenden sich bei mir zwar meldeten, daß sie das wollen, dann aber oft nichts mehr von sich hören ließen, nicht zu meinen Lesungen kommen, etc, habe ich meinem Bauchgefühl nachgegeben und nicht mehr eingereicht, sondern gedacht, jetzt warte ich einmal bis wer von außen auf mich zukommt, was ja, wie man an den genannten Beispielen sieht, auch passiert.
Es war ein sehr produktives Jahr, denn ich habe geschrieben, wie nie zuvor. Nicht nur meine Bücher, sondern war für die, für die nur das zählt, auch wieder in der Jury des „Ohresschmauses“, habe die Laudatio für den Prosapreisträger gehalten. Zwei Verlagsveröffentlichungen in der „5 er Edition“ und in der Volksstimmeanthologie, die es auch für 2012 wieder geben soll und, wie ich glaube, auch mehr als 365 Blogartikeln und bin damit so aktiv, daß ich derzeit, um etwa eine Woche vorausblogge, was auch daran liegt, daß ich 2012 so viele Bücher, wie nie zuvor gelesen habe und daran haben die offenen Bücherschränke schuld, an denen ich, da es sie ja in meiner Nähe gibt, nicht vorbeigehen kann.
Wenn man auf meine Leseliste schaut, kann man die Steigerung sehr schön beobachten, von fünfundvierzig Bücher, die Aufzeichnung von 2008 ist nicht vollständig und die von 2009 auch noch nicht, bis zu hundertvierundfünfzig 2012 und dabei habe ich gedacht, mehr als hundert gehen wahrscheinlich nicht und im November war ich schon in Sorge die Leseliste mit den vielen Geburtstagsbüchern nicht zu schaffen, obwohl ich ja zu Pfingsten einen mehrtägigen Marathon einlegte.
Es ging und hat großen Spaß gemacht und auch mein Bücherlistensystem ist, glaube ich, sehr erfolgreich. Weil ich ja so viele Bücher finde, kaufe, tausche oder auch als Rezensionsexemplare bekomme, haben sich schon bis 2016 jeweils an die sechzig angesammelt.
Hundertfünfzig kann ich, denke ich jetzt, im Jahr lesen, das heißt, ich kann 2013 ein Buch pro Woche finden und habe dann noch Platz für je zehn Rezensionsexemplare im Frühling und im Herbst und da haben sich jetzt ja auch zwei Verlage gefunden, die sie mir anbieten und wenn ich im nächsten Jahr, wo ich sechzig werde, nicht mit Bücher für das Jahr 2020 oder so enden will, sollte ich nicht mehr, als ein bis zwei Bücher in der Woche finden.
Einen Vorsatz, den ich für das neue Jahr mache, aber nicht ganz sicher bin, ob ich ihn einhalten werde, es gibt eben soviel und ich will alles lesen, denn ich lerne viel dabei und so waren es durchaus interessante hundertdreiundfünfzig Bücher, die ich 2012 gelesen habe.
Das „Buch des Jahres“ war nicht dabei oder vielleicht „Der Radetzkymarsch“, das ist ein tolles Buch und 2013 warten auch eine Reihe Schmankerln auf mich, auf die ich mich schon sehr freue, wie Paula Köhlmeiers „Maramba“, Robert Schindels „Gebürtig“, Robert Schneiders „Schlafes Bruder“, die alte Übersetzung vom „Der Meister und Margarita“, Mankells „Hunde von Riga“, die ich eigentlich schon im Sommer lesen wollte u.u.u.
So gesehen sind die Bücherkästen wirklich Wortschätze, denn da komme ich an Bücher, die sonst an mir vorbeigegangen wären, denn man kommt ja auch leicht auf hundert Bücher, wenn man nur die Neuerscheinungen liest. Aber beim „Radetzkymarsch“ wäre mir etwas entgangen und bei Haushofers „Wand“, Werfels „Veruntreuter Himmel“, ist das sicher ebenso.
Also weitermachen und vielleicht eine Lösung finden, wie ich in den Schränken etwas stehen lassen kann, denn mehr als hundertfünfzig Bücher will ich nicht lesen, weil ich auch noch schreiben möchte und da bin ich zuversichtlich und habe mir von der Buch-Wien auch schon eine Idee für etwas Neues mitgenommen. Nämlich einen Roman aus dreizehn Kapiteln schreiben, die sich reigenartig aneinanderanschließen und was ich noch gern können möchte und vielleicht noch nicht kann, ist mit dem Frust, daß es mir nicht und nicht gelingt, mit meinem Schreiben aufzufallen, besser umzugehen.
Zu Veranstaltungen werde ich auch weiter gehen und da gab es 2012 auch sehr viel, obwohl sich die Einsparbemühungen überall merken lassen.
War in Leipzig, auf der Buch-Wien, habe an den Tagen der offenen Tür beim Writerstudio teilgenommen, beim Bachmannpreislesen und in Frankfurt mitgesurft, dann gab es auch die Literatur im Herbst, sowie einige Preisverleihungen zu denen man mich ließ und auch eingeladen hat.
Privat sind zwei Todesfälle im November und im Dezember, den meiner Schulfreundin Edith und meines Schwiegervaters zu vermerken und um wieder zur Literatur zurückzukommen „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“, diese Anthologie für ein nicht geschlechtsspezifisches Kinderbuch, das von der Staatsseketärin für Frauenfragen Johanna Dohnal 1980, glaube ich, initiert wurde und die, bzw. meine Geschichte „Güler will kein Kopftuch mehr, sehr früh mein bis jetzt größter Erfolg geworden ist, 1982 den Kinderbuchpreis 1982 bekommen hat, die Geschichte war im Rundfunk und auch in mehreren Anthologien, bzw. Schulbüchern abgedruckt, ist jetzt zwei Wochen lang auf dem Ein-Euro-Abverkaufsstoß vor der kleinen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße aufgelegen, in der ich vor einigen Wochen ein Leseexemplar und dann noch fünf Bachmannpreisanthologien kaufte.
Es war also ein gutes Jahr, in dem ich sehr fleißig, konsequent und produktiv gewesen bin, denke, daß ich schreibe, wie ich kann und auf meine selbstgemachten Bücher, die jetzt „Indies“ heißen, habe ich in einem Artikel auch hingewiesen und in einem anderen kann man sich die Covers ansehen. Die Covers der 2012 erschienenen Bücher gibt es hier zu sehen.
Das literarische Geburtstagsfest gab es auch und Stephan Eibl Erzberg, der mir ein sehr euphorisches Vorwort für das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ schrieb.
Und hier das Jahresendzeitarchiv: 2008, 2009, 2010, 2011
WordPress hat den Rückblick auch schon geschickt.

2012-12-30

Fünf Stunden schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:43

Anni Bürkl bietet, wie man auf ihren Blog „Ein Buch schreiben lernen“ sehen kann, im Mai eine Schreibwoche in Wien an, mit je fünf Stunden schreiben mit allen Sinnen angeleitet durch Schreibimpulsen an interessanten Orten der Stadt mit ergänzenden Freizeitprogramm. Das Writersstudio hat das Urban Magic Mindwriting, Ideen schreiben an inspierierenden Plätzen in Wien wie, der japanische Garten, das Freud Museum oder ein Donauschiff, bzw. das Mindwriting zum Jahreswechsel, wo man mit Morgenseiten, Wunschtagebuch etc, sich das neue Jahr erschreiben kann, während ich in der sogenannten Niemandszeit zwischen Weihnachten und Sylvester in Harland bei St. Pölten Weihnachtsferien mache und es mir trotz plötzlichen Todesfall gut gehen lasse, da das Wetter derzeit mild und frühlingshaft und die Traisen schneefrei, mit dem Rad herumfahre, mit dem Alfred am vorigen Sonntag und am Stefanitag auf der Rudolfshöhe war und natürlich schreibe, beziehungsweise korrigiere.
Zwischen Weihnachts- und anderen Filmen, die ich mir immer wieder auf You Tube angesehen habe, habe ich das Nanowrimo zum „Sterben sollte man zu Hause sein“ solange durchkorrigiert, bis ich mirs unbedingt ausdrucken muß, um an neue Fehler zu kommen. Der Alfred hat wieder begonnen ein Buch aus „Kerstins Achterln“ zu machen und hat mir die neu dazugekommenenen Artikel für das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ zum Korrigieren und das wird sehr viel Arbeit sein, auf meinen Laptop überspielt.Ich habe auch ein bißchen herumgesurft, die Blogs gelesen, die nicht Weihnachtsferien machen und bin da auf Anni Bürkls Schreibwoche gestoßen.
Die ist zwar erst im Mai. Aber ich krebse auch recht gern in St. Pölten mit einem Notizbuch herum. Zwar gibts jetzt nichts wirklich Neues zu schreiben oder doch vielleicht, nach dem Literaturgeflüsterbuch soll ja ein Roman kommen, der aus dreizehn Kapiteln besteht.
Das heißt, ich fange mit einer Geschichte an und nehme dann eine Person daraus in die nächste und die dreizehn Personen habe ich noch nicht.
Grund genug, mein großes gelbes Notizbuch einzupacken, wo ich schon die Ideen für „Kerstins Achterln“ eingefangen habe und damit mit dem Rad nach St. Pölten zu fahren. Zu Weihnachten bekomme ich von der Schwiegermutter immer ein Geschenkkuvert mit hundert Euro. Keinen Buchgutschein, was die Sache leichter machte, sondern Geld und das gebe ich nicht aus und wäre auch nicht wirklich sinnvoll zum Thalia zu stapfen und mir da fünf Bücher zu je zwanzig Euro auszusuchen, wenn sich sowieso schon soviel auf der Leseliste findet.
Zum Thalia läßts sich aber auf jeden Fall fahren, vielleicht gibts dort eine Abverkaufkiste mit ein Euro-Büchern, dann würde ich zuschlagen, habe ich doch die „Dusl“, die ich zu Weihnachten bekommen habe, auf die 2012 Liste gesetzt und den „Sullivan“ auf die von 2013, jetzt siehts aber so aus, daß ich mit der „Dusl“ schon früher fertig werde und was mache ich dann? Eigentlich will ich nicht ins Jahr voraus bloggen, obwohl ich nicht abergläubisch bin.
Zum Friseur sollte ich auch gehen, das ist sich in Wien nicht ausgegangen. Also hatte ich schon das Programm. Eine Stunde nach St. Pölten und zurück mit dem Rad fahren, eine Stunde dort beim Friseur, bzw beim Mc Donald verbringen. Eine Stunde beim Thalia, eine Stunde spazierengehen, dazwischen brav Notizen machen und mit allen Sinnen alles beobachten, was sich entdecken läßt. Vielleicht finden meine dreizehn Personen zu mir und dann nach Hause fahren und nach dem Mittaqgsschlaf die „Fünf Stunden“ bloggen.
Beim Friseur mußte ich ein bißchen warten und konnte dabei das MFG-Gratismagazin lesen, in dem es um die jungen innovativen St. Pöltnerinnen ging, die in den Seitengassen ihre kleine Geschäften aufmachen. Da gibt es ein alternatives Buchgeschäft, zwei Sozialarbeiterinnen führen einen Bioladen, eine Kombination, die ich interessant finde und ein Cup Cake Geschäft gibt es auch.
Ich ging aber zum Thalia und sah mich bei den Büchern um, bevor ich mich mit meinen gelben Buch auf die breite Sitzbank setzte, um die ersten Notizen zu machen.
Eine Frau kam mit ihrer Tochter, die energisch verkündete, daß sie sich, um ihre Gutscheine keine Schulbücher einlösen würde und als ich an den Regalen entlangmarschierte, habe ich sehr viel Bekanntes gefunden. Zehn bis fünfzehn Bücher habe ich davon, glaube ich, schon gelesen und auf meinen Blog besprochen. Die Sofi Oksanen lag auf, Cornelia Travniceks „Chucks“, aber auch Chick Lits, Horrorgeschichten und Kriminalromane, eine Abverkaufskiste gab es nicht.
Da könnte ich noch nach Wilhelmsburg fahren, um an einen anderen Ort literarische Notizen sammeln und dabei schauen, ob die Feuerwehrskiste des Papiergeschäftes, zu der ich gerne schaue, etwas hat.
Beim Mc Donald gabs wieder einen Cheeseburger TS, kleine Pommes Frites und einen Cafe Latte, was ich meistens nehme, wenn ich auswärts esse und dann eine Stunde, um die Stadt spaziert, am neuen Bahnhof bin ich auch gesessen und ein zwei Ideen, die sich vielleicht verwenden lassen, stehen jetzt im gelben Buch. Aber vor Mai komme ich wahrscheinlich nicht dazu an den „Dreizehn Kapiteln“ zu arbeiten, da lassen sich dann sicher noch einige Recherchetage mit allen Sinnen in Wien einschieben und die Idee beim nächsten Nanowrimo bzw. im Dezember einen Adventkalender zu schreiben, vierundzwanzig kleine Geschichten mit dem Titel die „Weihnachtsfrau“, die sich dann vielleicht als E-Book verschicken lassen, gibt es auch.
Denn das E-Book schreiben bzw. das Selfpulishing ist ja jetzt der letzte Hit und das Literaturcafe berichtet immer fleißig von den neuen Sternen, die es da gibt und den vielen Büchern, die auf diese Art und Weise entstehen.
Das nennt sich jetzt Genreliteratur und besteht aus Horrorgeschichten, Chick Lits und Krimis, was die Leute gerne lesen und so gibt es jede Woche einen neuen Star, der seine Bücher über Amazon selbst verkauft und auf erster Stelle des Buchrankinks steht.
Im Sommer wurde da ja Martina Gercke mit ihren „Holunderküsschen“ groß gefeiert, so daß sie gleich darauf das „Champagnerküßchen“ schrieb und schon am dritten Buch arbeitete, als die Amazonleser soange Ähnlichkeiten mit Sophie Kinsella und Ildiko von Kürthy bemerkten, bis sich die Justiziare der betroffenen Verlage einschalteten und etwa vierzig gleichlautende Textstellen veröffentlichten.
Martina Gercke hat sich dann geoutet, daß sie beim Konzipieren ihrer Handlung, diese Fremdstellen verwendet und zu Entfernen vergessen hat.Jetzt ist das Video wieder entfernt, also haben sich die Rechtsanwälte doch noch nicht geeinigt und im Literaturcafe kann man von einer Nika Lubitsch lesen, der mit ihrem Thriller „Der siebente Tag“ ebenfalls ein großer Verkaufserfolg gelang. Einen Horrorautor, der über seine Verkaufskurven berichtet, gibt es auch. Der erzählt auch von den Grabenkämpfen der Selbstpublischer, um die ersten Rankingplätze. Angeblich schreiben sie sich ihre Rezensionen selber und bemängeln die Bücher der anderen und ich wundere mich, daß das Selbstgemachte plötzlich ein so großer Erfolg ist.
Daß das jetzt alle machen, die gern schreiben ist klar, man hört aber doch, daß die Leute immer weniger lesen. Die Verlage stöhnen darüber, bei den E-Books scheint das anders zu sein, da scheinen sich die Leute auf die 0.99 oder 2.99 Bücher, die ja wirklich viel billiger als das Hardcover sind, zu stürzen und jedes Selbstgemachte sofort begeistert zu verschlingen, obwohl man ja noch vor kurzem hörte, daß das Selbermachen die größte Todsünde ist, weil man da nie mehr einen Verlag findet.
Jetzt scheinen die Autoren darauf zu pfeifen, bzw. wenn die E-Books sich gut verkaufen, melden sich die Verlage und auch Verlagsautoren, wie etwa Cornelia Travniceks künden auf ihren Seiten an, daß sie ihre vergriffenenen Werke, für die sie die Rechte haben, selbst verlegen werden.
Nun ja so ändern sich die Zeiten, ich bin was diese Erfolgszahlen betrifft ein bißchen skeptisch, es stört mich auch, daß nur der Platz eins am Ranking zählt, daß es offenbar nur auf das Verkaufen geht und denke, daß ich bei den fünfzig selbstgedruckten Büchern bleiben werde. Für meine deutschen Leser kann ich sie gerne als E-Book versenden, weil das Porto nach Deutschland zu teuer wäre, aber sonst glaube ich nicht, daß ich bei Amazon viel verkaufe, wenn ich an meine Kommentierfrequenz bzw. an die Reaktionen auf meine Bücher denke.
Ich schreibe auch keine Krimis, keine Horrorgeschichten und keine Chick Lits, sondern realistische Autofiction oder wie man das nennen will, freue mich natürlich, daß es plötzlich keine Schande mehr ist, wenn man seine Bücher selber macht und überlege, wie ich meine bekannter machen kann. Das sollte ja mit dem Literaturgeflüster gelingen, obwohl ich da ja manchmal zu verschwinden scheine, aber noch ehe die „Kommentierfrequenz“ veröffentlicht wurde, sind ja ein paar aufmunternde Kommetare gekommen. Maria Böhmberger hat meinen Artikel über Bruno Seiser bemerkt und sich per Mail gemeldet und Jan Drees hat meine Leseliste auch empfohlen.
Also weiterschreiben, weiterbloggen, weitersurfen und über Feedback und Anerkennung freue ich mich natürlich nach wie vor sehr.

2012-12-29

Finstere Zeiten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:44

Petrus Markaris „Zur Krise in Griechenland“, das Büchlein, das ich ein paar Tage nach meinem Geburtstag im Wortschatz gefunden habe. 2012 erschienen, neu ist es auch gewesen. Fein, denn die Krise in Griechenland interessiert mich ja sehr, so daß ich den Völlereien der Weihnachtstage, dem Gansel und dem Kalbsbraten, sowie den Weihnachtskeksen, ein bißchen was Unerfreulicheres entgegensetzen kann.
Ich weiß ja nicht, wie es den anderen geht, wenn ich in den Nachrichten von der Krise in Griechenland, Spanien, etc, der Jugendarbeitslosigkeit dort und, daß sich die Leute umbringen, weil ihnen die Banken ihre Wohnung weggenommen haben, während die EU von den griechischen Politikern eiserne Sparpakete fordern, die Renten und die Löhne gekürzt werden, die Leute deshalb auf die Straße gehen, vielleicht Steine werfen, während die Polizei mit Tränengas aufmarschiert, kann man nur den Kopf schütteln, verdrängen, das Weihnachtsgansel essen , sagen „Na uns geht es noch gut!“
Da kommt so ein Buch gerade richtig und mit der Krise nicht nur Griechenland habe ich mich auch schon beschäftigt und mit Petrus Markaris sowieso.
Das erste Mal bin ich mit ihm, behziehungsweise einem seiner Bücher „Der Großaktionär“ in Leipzig, wahrscheinlich beim Diogenes Stand in Berührung gekommen, da drängten sich eine Gruppe Buchhändler oder so, um ihre Leseexemplare, ich bin dazu gegangen und habe mit der freundlichen Dame ausgehandelt, daß sie mir auch ein Buch gegeben hat.
Damals gab es, glaube ich, noch nicht das Literaturgeflüster und das Buch hat mir gar nicht so besonders gut gefallen. Ich habe es aber gelesen und für den Thalia oder Amadeus besprochen, die ja damals einen zehn Eurogutschein für eine Leserrezension ausgaben, wenn sie sie in ihrer Zeitschrift veröffentlichten. Sie haben die Besprechung nicht genommen, ein paar andere schon, so daß ich zum Beispiel, die Lily Brett, den Andrej Kurkow und den Jonathan Safran Foer für die Gutscheine eingelöst habe, aber zurück zu dem 1937 in Istanbul geborenen Markaris, der das St. Georg College besuchte und in Wien Wirtschaft studierte, deshalb so gut Deutsch spricht, daß er sogar den „Faust“ übersetzte und auch einiges andere. So habe ich ihn bei der Literatur im Herbst gehört, als dort Griechenland das Gastland war und bei Rund um die Burg hat er in der Kriminacht glaube ich den Erzählband „Balkan Blues“ vorgestellt.
Das war noch alles vor der Krise. Die kam zwischen 2008 und 2009, solange gibt es auch das Literaturgeflüster und 2011 Petrus Markaris der Eröffnungsredner bei der Buch Wien da hat er zur „Krise ohne Perspektive“ gesprochen.Der Text ist auch in den „Finsteren Zeiten“, zusammen mit elf anderen enthalten, die zwischen 2009 und 2012 geschrieben wurden.
Bei der Buch Wien damals war Petrus Makaris auch prominent vertreten, am 3 Sat Stand lief ein Portrait von ihm und da ist auch sein erster Kostas Charitas Krisenkrimi „Faule Kredite“ erschienen, den ich mir voriges Jahr zu Weihnachten wünschte und auch gleich gelesen habe. Inzwischen gibt es einen zweiten „Zahltag“ und Petrus Markaris, der zumindestens in Deutschland als der Experte zur Griechenlandkrise gehandelt wird, schreibt auch in dem Vorwort, das mit Athen, Juni 2012 signiert wurde, daß er eine Trilogie zur Krise angelegt hat und von einer jungen Journalistin gefragt wurde, warum er soviel über die Krise schreiben würde, sie wäre dann doch schon längst vorbei, worauf der Pessimist in dem Vorwort „Eine lange Reise in die Nacht“ anführt, daß er wahrscheinlich noch einen zweiten Dreiteiler dazu schreiben muß.
„Zahltag“ habe ich nicht gelesen, ob es den dritten Krimi schon gibt, weiß ich nicht und die zwölf Krisentexte mit einem Interview statt eines Nachwortes, waren auch sehr interessant, geht Makaris ja weit in die griechische Geschichte zurück, widerlegt das Vorurteil, daß die Griechen faul wären und meint, daß es gar keine Finanzkrise, sondern eher eine politische Krise wäre, denn als er von in den Sechzigerjahren nach Athen gekommen ist, hatten die Häuser in den ärmeren Gegengen alle nur ein Stockwerk und die Leute sparten es sich vom Mund ab, einen zweiten Stock für ihre Kinder darauf zu bauen und sie hätten, wie die Regierung zu lange auf Pump gelebt. Weiters meinte er, daß Griechenland von drei Politikerfamilien jahrzehntelang regiert worden wäre und die Griechen mit der Schuldenpolitik jetzt überfordert wären.
Markaris war auch ein Gegner der olympischen Spiele von 2004 und meint schon da wäre das Geld in die falschen Kanäle geflossen. Er schreibt von einer „Kultur der Armut“, die durch diese Schuldenpolitik zerstört worden wäre, meint mit Schiller, daß „Die schönen Tage vorbei wären“ und zitiert öfter Brecht und da wären wir schon bei seiner Wiener Eröffnungsrede, wo es um die „Finsteren Zeiten“, geht.
„Wahrlich ich lebe in finsteren Zeiten!“, Verse, die nicht von einem griechischen Lyriker zur Krise, sondern von B.B, „An die Nachgeborenen“ geschrieben wurden.
„Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist“, dann kommt er dazu, daß die Krise für die Literatur gut wäre, weil die Leute mehr Bücher lesen würden, in Griechenland aber nicht, da sitzen sie vor dem Fernseher „weil sie immer noch hoffen, von den Fernsehnachrichten und -programmen mehr üer die Krise zu erfahren, als von den Büchern.“
Im nächsten Text „In Athen gehen die Lichter aus“, gibt er Einblick in das griechische Krisenleben, wo die Leute, die nichts zu essen haben, in den Morgenstunden in den Mistkübeln wühlen und die Ärzte ohne Grenzen belagert werden, weil sich die Diabetiker ihr Insulin nicht leisten können.
Jeder zweite junge Grieche, die meist studiert haben, ist arbeitslos und einige davon habe aus Protest im Mai, die Partei der Neonazis „Goldene Morgenröte“ gewählt, nicht weil sie Nazis wären, sondern weil sie der Regierung eines auswischen wollten. Viele junge Griechen, wie auch Markaris Tochter gehen nach Istanbul arbeiten und die Albaner gehen nach Albanien zurück.
Ein paar Texte beleuchten die Wahl und da war ja auch bei der letzten Maikundgebung einiges zu hören. Am Schluß gibt es das Interview, das für das Diogenes Magazin im Herbst 2011 geführt wurde, wo Makaris ein bißchen seinen Werdegang schildert und erzählt, daß er jetzt ständig von Reportern zur Krise befragt wird, obwohl er eigentlich seine Ruhe haben möchte und ich weiß am Ende des Buches zwar auch nicht, wie wir die Krise überwinden können, ich bin da eigentlich sehr pessimistisch und sehe Vergleiche zu den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, habe aber einiges über die Geschichte erfahren, was ich noch nicht wußte und da da Buch vor einem halben Jahr erschienen ist, hat es die Wirklichkeit wahrscheinlich auch schon eingeholt und vielleicht hat es der Buchhändler in der Margaretenstraße deshalb in den Wortschatz gelegt, aber das ist nur eine Vermutung von mir und als ich im Mai zu meinen Pfingsmarathon aufgebrochen bin, bin ich auch am Wortschatz vorbeigekommen und habe ein Jugendbuch aus den Sechzigerjahren aus dem Schrank genommen, wo Griechenland als die Idylle und das Sehnsuchtsparadies der Deutschen geschildert wurde und ich kann mich auch an die Siebzigerjahre erinnern, wo es schick war nach Griechenland zu fahren und dort auf den Inseln den Sommer zu verbringen und ich war einmal in den Neunzigerjahren mit dem Alfred und der Anna auf Kreta.

2012-12-28

Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:55

Sechs Reisegeschichten und ein pubertärer Jugendtraum namens „Berggasse“ von Anna Maria Dusl, „sieben skurrile Oysseen rund um den Globus“, steht am Buchrücken, hat der Schreiber da nicht aufgepasst und falsch gezählt? Aber die Berggasse liegt ja auch am Globus und das Freudmuseum kommt darin ohnehin nicht vor, lagen unterm Weihnachtsbaum.
Dabei habe ich mir das, ich glaube, dritte oder vierte Buch der Kultautorin, Falterzeichnerin, Bloggerin und Filmemacherin nicht gewünscht, ist mir die Kultautorin doch vielleicht ein wenig zu abgehoben und ihre schlodderige Sprache mit den skurrilen Neudeutungen möglicherweise zu wenig ernsthaft, aber Alfreds Geschmack ist ein bißchen anders, so passen seine Buchgeschenke manchmal nicht so ganz, hat er mir doch schon ein „Computerbuch für Frauen“, eines für „Nichtreiser“, ein „Tennishasserbuch“ etc unterm Christbaum gelegt.
Wenn ich, die ich doch einen sehr breiten Lesegeschmack habe, keine Enttäuschung eingehen will, sage ich was ich haben möchte, meistens ist das zum Geburtstag im November, zu Weihnachten lasse ich es meistens laufen, habe mich aber schon in der Adventzeit heimlich gefragt, was vielleicht noch auf die Leseliste kommen könnte? Da gäbe es ja soviel, Cornelia Travnices „Chucks“ Hilde Spiels „Kati auf der Brücke“, Marjana Gaponekos „Wer ist Martha“, Julija Rabinwitschs „Erdfresserin“ Anna Kims „Anatomie einer Nacht“ und und und…
Andrea Maria Dusl „Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen“ und John Jermiah Sullivans „Pulp Head“, von dem ich noch viel weniger Ahnung, als von der Dusl hatte, ist es 2012 geworden, denn vom Dusl-Buch habe ich ja schon einen Teil gekannt. Hat sie doch die Geschichte vom „Russen meines Vaters“ im Kellertheater beim letzten „Rund um die Burg“- Festival gelesen, da gibt es auch ein Bild am Blog und eine Unterschrift im Buch, denn bei der Dusl ist Alfred dabei gewesen und scheint überhaupt ein besonderer Fan zu sein, hat er mir doch zu Weihnachten 2008 das damalige Kultbuch „Boboville“, mit dem Anna Jeller ihr ganzes Schaufenster schmückte, geschenkt, von dem es, glaube ich, noch keine richtige Besprechung gibt und die Dusl hat auch schon am Volksstimmefest gelesen. Einen Text über Hebenstreit, dann lag das dazu passende Buch unterm Christbaum, das noch nicht gelesen ist.
Die Dusl aber schon, für 2012 ist es sich noch ausgegangen und steht auf Platz 154 auf der Leseliste. Ich bin eben eine fleißige Lesung und aus Buch zwei „Channel 8“ habe ich einmal an einem verregneten Samstag beim St. Pöltner Höfefest gehört.
Reisegeschichten von Andrea Maria Dusl also und sie spiegeln das Lebensgefühl der jungen städtischen Fadisierten, der Bobos und Mittelschichtintelligenzia, bevor die Generation Praktika kam, der die Kultzeichnerin noch nicht angehört.
Also reisen die Fadisierten nach New York, treffen dort im Loft ihre Maler, Architektenfreunde, die in der Grand City schon wohnen, haschen, jointen, fahren nachts mit dem letzten Lift auf das Empire State Building und die Dusl erzählt das alles in ihrer flapsigen Duslsprache, wo es von „Grünkappen“, etc so wimmelt und die mir manchmal zu wenig ernsthaft ist.
Außer nach New York geht es auch viel in den sowetischen Raum, nach Lemberg auch Lviv oder Lwow, je nach den Besetzungsdaten, genannt, denn da reist die junge Filmerin aus der Leopoldstadt mit ihrem Team an, um einen Film zu drehen und wird natürlich vom Übersetzer Alexander Aleksandrowitsch überall hinbegleitet, der nicht viel von sich erzählt und das Geld, das sie ihm für das Taxifahren geben, für andere Zwecke benützt.
Die dritte Geschichte, heißt, wie schon geschrieben „Berggasse“ und da erzählt die Dusl, die in dem Buch ja viel von sich erzählt, von der schulischen Sozilisierung der kleinen Andrea maria aus der Leopoldstadt, deren Eltern das Gymnasium in der Wasagasse imponierte, in das alle Mittelschichtkinder gegen sollen, um sich von den blöden Prolokinder der Sozis abzuheben. Nur leider kam der böse Bruno Kreisky daher und schaffte die Aufnahmsprüfung fürs Gymnasium ab. Andrea Maria Dusl hat sie noch abgelegt. Das sind natürlich Stellen, die mir imponieren und die Zeiten haben sich inzwischen ohnehin geändert, zwar weiß ich nicht, ob es schon wieder eine Aufnahmsprüfung für das Gymnasium gibt, aber ohne Einser und Zweier kommt man dort nicht hin. Die ÖVP wettert gegen die Gesamtschule, als sei sie so böse, wie das die Russen waren, als die kleine Andrea Maria ins Gymnasium ging und dort mit ihren Freunden die Initialriten ausprobierte, die Pfeife des Vaters des Schulfreundes rauchte und von der Polizei erwischt wurde, in Keller einstieg, etc.
Die Berggasse 19 mit ihrem berühmten Bewohner, kommt, wie erwähnt in der Geschichte nicht vor und das ist vielleicht auch eine Spezialität der Dusl, das sie das, woran man bei Berggasse denkt, nicht beschreibt und wenn die Altachtunsechzigertouristen ins gelobte Kuba reisen und sich von den kubanischen Privattaxis in die heißesten Diskos kutschieren lassen und die Touristin stapft dann mit dem glutäugigen „Guttomutschumann“ liebestrunken durch das nächtliche Havanna, denn „ins Hotel konnte sie ihn nicht mitnehmen“, das hat Papa Castro verboten, denken wir alle und auch die Protagonistin selbst, an das Ausgeraubt- und Ermordetwerden und nichts passiert. Das Paar liebt sich ein paar wilde Stunden für ein paar Dollars und sieht sich niemals wieder.
Im „Suezkanal“ erzählt die Dusl wieder von ihrer Kindheit. Von den ersten Italienreisen mit dem Vater in den Sechzigerjahren, wie sie schwimmen lernte oder diese Gelegenheit versäumte, denn das Wasser war sehr kalt in Schottland, wo das Bürgermädchen Sprachferien machte und dann wollte sie es unbedingt in der Wüste versuchen, wo sie für einen Ägypter, die Firmengeschichte neu schreiben sollte.
Im „Der Russe meines Vaters“ wird zuerst von der Wiener Russenangst geschrieben „Tatsächlich war der Russe aber nur einmal gekommen. Und nie wieder. Hatte die Wiener vom Faschisten befreit. Das haben die Wiener dem Russen nie verziehen. Die Wiener haben die Faschisten eigentlich ganz gern gehabt. Den Russen nicht“, um ein Gustostückerl der typischen Dusel-Sprache zu zitieren.
Dann geht es nach dem Fall der Mauer nach Moskau, um den Russen zu besuchen, mit dem sich der Vater damals im World war II, statt ihn zu bewachen, befreundet hatte.
Eigentlich eine sehr eindringliche Geschichte, vor allem wenn man sich ein zweites Mal mit ihr beschäftigt. Dann gehts noch nach Odessa, um dort einen Film zu drehen und von dem erfährt man eigentlich genausowenig, wie in meiner „Reise nach Odessa“, die ich geschrieben habe, ohne je dort gewesen zu sein und das Cover und die Eindrücke von der Reise verwendete, die ich einmal mit dem Bus des akademischen Reisebüros in vier Tagen nach Lwew oder Lviv und zurück gemacht habe und dabei Professor Spiel im Reisebus hatte, der sich noch einmal ansehen wollte, wo er im Worl war II im Straßengraben lag und mich beim Abendessen in Ungarn lautstark unterbrach, als ich ihm erzählte, daß ich Verhaltenstherapeutin sei.

Stalins Kühe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:25

„Drei Frauen, drei Generationen, drei aufeinanderaufbauende Lebensgeschichten“, steht am Buchrücken des vierhunderneunzig Seiten dicken Buches, der 1977 geborenen estnisch finnischen Schriftstellerin Sofi Oksanen „Stalins Kühe“, das ich auf meine Geburtstagsbücherliste setzte, da wir ja im Sommer, sowohl zwei halbe Tage in Tallinn und ein Wochenende in Saaremaa waren, als auch mit Fähre nach Helsinki und von dort nach Turku fuhren.
Im Gepäck hatte ich eine eine Tasche von Literatur über Litauen, da das Land 2002 Gastland in Frankfurt war und mich sehr geärgert, als ich in Riga daraufgekommen bin, daß ich ja die „Hunde von Riga“ mitnehmen hätte können, weil ich den Mankell Krimi im Bücherschrank gefunden habe.
Von Sofi Oksanen habe ich dann wahrscheinlich auch in einem der Reiseführer gelesen, von ihr hatte ich aber kein Buch und auch nicht viel Ahnung, wenn ich im Herbst aber durch den Morawa in die Alte Schmiede ging, bin ich an den Stößen von „Stalins Kühe“ vorbeigekommen und jetzt habe ich das dicke drei Generationenbuch gelesen, das einen langen ersten und zwei kurze andere Teile hat und in genau solcher Ausführlichkeit, fast wie im Lehrbuch oder einem Selbsterfahrungsseminar, die Bulimanorexie oder starke Eßstörung, der Ich Erzählerin Anna, die manchmal auch in die dritte Person wechselt, erzählt.
Diese Teile tragen die jeweils ersten Sätze als Kapitelüberschriften, während die Teile, die von der Mutter Katariina und der Großmutter Sofia bzw., deren Familie handelt, die von Stalin nach Sibirien verschleppt oder zum freiwilligen Übertritt in die Kolchose gezwungen wurde, Jahreszahlen als Überschriften haben.
Katariina die Estin, die als Jekatharina Arnoldowa, nach Finnland einheiratet, ist in Tallinn aufgewachsen, Bauingenieuerin und 1971, als ihr erstes Kaptiel beginnt, hat sie schon ihren Finnen, der später von Anna auch Vati genannt wird und der während Katariina in Finnland lebt, seine Zeit hauptsächlich in der finnischen Botschaft von Moskau verbringt, dort die Mutter mit russischen Frauen betrügt und die Tochter bei seinen Heimaturlauben in die Geschäfte zum Einkaufen mitnimmt, damit er Kleider und Parfums für seine Freundinnen besorgen kann, während die Mutter mit der kleinen Anna mit der Fähre nach Tallin zu ihren Verwandten nach Tallinn oder auch zu der Tante aufs Land fährt, Schmuggelware im Gepäck, denn die Esten wünschen sich alle finnischen Kafffee oder finnische Jeans von Katariina, der reichen Verwandten, die sie dann zu überhöhten Preisen verkaufen oder zum Bestechen verwenden.
Das war in den Siebzigerjahren zu einer Zeit, wo die Estinnen in Finnland als Huren galten, die sich für Geld aushalten ließen, so daß Katariina in der ständigen Angst lebte, man könnte sie als solche erkennen und Anna das Estisch sprechen verbot.
Es geht sehr viel um die Geschichte Estlands, um geschminkte Estinnen mit den Stöckelschuhen, während die Finnen Turnschuhe und Hosen trugen, um das Schmuggeln und den kleinen Grenzverkehr, um Spitzeln, auf das Warten auf Katariinas Visum bzw. Heiratserlaubnis und auch um die Vergangenheit der späten Vierziger und frühen Fünfzigerjahren, um den Hunger in den sibirischen Lagern und den zu kleinen Brotrationen.
Tallinn verändert sich langsam in die Stadt, die ich im Sommer gesehen habe. Anna erkennt sie, als sie als Erwachsene hinkommt, fast nicht wieder und Anna ist auch das Wunderkind, für das sich die Lehrer eigene Noten ausdenken, weil sie viel intelligenter, als die anderen war mit ihrer Prinzessinnenkrankheit, die die Lebensmittel in sichere und unsichere einteilt, bei ihren Essorgien zuerst mit Eis beginnt, denn das läßt sich am leichtesten herausbrechen, während man das Brot kaum aus dem Magen bekommt und die ihre Krankheit auch sehr lange vor allen verbergen kann, an ihren Zähnen merkt man es nicht und auch nicht an ihren makellosen Körper.
Seitenlang werden die Einkauftouren durch die Geschäfte beschrieben, all die Lebensmittel, die sie kauft und wieder hinausbricht, um den perfekten Körper zu bekommen, den sie zu brauchen glaubt. Später geht sie zu einem Essensarzt, aber nur um von ihm Medikamente zu bekommen, die Therapien bricht sie ab oder braucht sie nicht. Sie hat zwei Freunde zuerst den Finnen Hukka, im zweiten Teil lernt sie Wilen, der nach Wladimir Iljitsch Lenin benannt wurde, auf dem Schiff kennen, als sie nach Finnland zurückfährt, nachdem sie die Mutter zur Erholung nach Estland zur Tante brachte, denn, nachdem Anna ihr Studium abgebrochen hat, ist die Mutter doch besorgt geworden und hat die Lebensmittel und die hohen Essensrechnungen gefunden. Zwar hat sie zuerst geglaubt, die Tochter würde sich von einem Mann aushalten lassen und für ihn kochen oder richtiger Anna glaubte, die Mutter würde das glauben, während die zu Vati sagte, daß Anna eine schwere Eßstörung habe.
Im dritten Teil, als Anna sich einen Fuß bricht, weil sie, obwohl sie alles in Griff hat und stets Vitamine nahm mit fünfundzwanzig schon Osteoropose hat, spricht sie mit „ihrem kleinen Troll“, während sie vorher von „ihrem Herrn“ gesprochen hat und wir haben ein packendes spannendes Buch gelesen, daß gleich zwei, bzw. drei heiße Eisen anpackt, die Geschichte Estlands mit der sowetischen Besetzung und die sehr beeindruckende Schilderung einer Eßstörung, von der ich nur hoffen kann, daß es doch nicht Sofi Okksansen Geschichte ist, die sie da erzählt, da sie ja die Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters ist und in Helsinki Dramaturgie studierte.
Mit „Stalins Kühe“ 2003 geschrieben ist sie in Estland bekannt geworden. Mit „Fegefeuer“ ist ihr der Durchbruch auf nationaler Ebene gelungen und bei Wikipedia kann man auch lesen, daß Oksanen „Autofiktion“ schreibt, also autobiografische Erlebnisse mit Belletristik kombiniert und da fällt mir wieder Ana Znidar und ihr Ausspruch bei den Schnupperseminaren des Writersstudio ein, daß man das Schlimmste, was man erlebt hat, aufschreiben soll, weil das die anderen interessiert, während mir ja JuSophie einmal schrieb, daß man die Autobiografie aus seinen Texten heraushalten soll.
Sofi Oksanen ist auf jeden Fall ein sehr literarischer Roman gelungen, ich habe, glaube ich, noch nie eine so eindringliche Beschreibung der Bulimie gelesen, obwohl ich schon einige solcher Klientinnen betreute, die Verbindung mit dem Politischen, gibt aber eine sehr neue Sichtweise.
Sofi Oksanen hat auch eine frische, rotzfreche, jugendliche Sprache, trotzdem war es nicht ganz leicht in das Buch hineinzukommen, da es eigentlich keine Handlung hat, sondern das, was der Klappentext in ein paar Zeilen andeutet, chronologisch sehr durcheinander, sehr ausführlich erzählt. Durchhalten lohnt sich auf jeden Fall.

2012-12-27

Weihnachtsferien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Die Weihnachtsferien wurden durch den plötzlichen Tod meines Schwiegervaters, der zu Anfang des Jahres einen, von allen unbemerkten Schlaganfall hatte, im Sommer in Waidhofen auf Reha war und seither von einer slowakischen Pflegerin betreut wurde, etwas getrübt.
Freitagfrüh, als ich mich gerade auf meine Tagesdiagnostik vorbereitete, ist der Anruf der Schwiegermutter gekommen, so daß wir früher als geplant nach Harland fuhren.
Die Büchertasche war dann nicht so voll, wie ich ursprünglich dachte, bin ich ja eine wirklich fleißige Leserin und habe heuer so viele Bücher, wie noch nie gelesen, so daß gerade das „Weihnachtsbuch“, eine Auswahl aus alten und neuen, kritischen und unkritischen Texten, die von Elisabeth Borchers zusammengestellt wurden, das ich am Wochenende gelesen habe, Sofi Oksanen „Stalins Kühe“, das mich genau, wie Frido Manns „Mein Nidden“, an die Sommerreise erinnert und Petrus Makaris „Finstere Zeiten“, über die Krise in Griechenland, das ich kurz nach meinem Geburtstag im Wortschatz fand und ich so als weiteres Geburtstagsbuch bezeichnen möchte, drinnen waren.
Bücher und Weihnachten passen ja zusammen und so konnte man jetzt sehr viel davon hören. Im Morgenjournal berichtete Kristina Pfoser, glaube ich, vor ein paar Tagen darüber und da nannten dann Gerald Schantin und Petra Hartlieb die Titel, die sich in letzter Zeit gut verkaufen lassen.
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ war dabei und das ist auch ein Geburtstagsbuch, das ich vor kurzem gelesen habe und mich so beeindruckte, daß ich es fast als mein „Buch des Jahres“ bezeichnen würde, obwohl ich das nicht habe.
Denn wenn man hundert bis hundertfünfzig Bücher in dieser Zeit liest, ist es unmöglich, unwahr und auch dumm, sich auf ein einziges zu konzentrieren und wenn man das doch tut, wird es wahrscheinlich das letzte sein, denn da sind die Eindrücke noch frisch, während man fast vergessen hat, daß einer Tamta Melaschwilis „Abzählen“ und Olga Grjasnowas „Russe“ genauso gefallen hat und das sind jetzt meine anderen Geburtstagsbücher, aber den Zoderer und Anna Waidenholzer habe ich ja auch einmal als Buchempfehlung genannt, Marlene Streeruwitz „Schmerzmacherin“ ist sicher genauso beeindruckend, obwohl ich nicht alles verstanden habe und und und….
Ich hüte mich ja eher vor solchen Festlegungen, habe auch kein Lieblingsbuch, denn wenn man ein paar tausend Bücher gelesen hat, kann man nicht sagen, das ist das Beste, zumindest würde ich das tun.
Aber Joseph Roths „Radetzkymarsch“ bekommt trotzdem einen Ehrenplatz und Remarques „Im Westen nichts Neues“ auch, denn das hat mich 2010 sehr beeindruckt.
Ich schreibe immer gegen die Kanonisierung, bin von einer solchen aber natürlich umgeben, da die Buchhändler wahrscheinlich froh über das „Buch des Jahres“ und den deutschen Buchpreis sind, da sie diese dann ja potentiellen Kunden empfehlen könnten.
Ich schreibe das, weil ich am Freitag auf Buzzaldrins Blog über eine solche Umfrage in der Süddeutschen Zeitung gestolpert bin und die Wiener Buchhändler haben ja auch Barbara Frischmuth, Otto Schenk, Christoph Ransmayer etc empfohlen. Wo bleiben da die unbekannteren Autoren könnte man fragen, die es natürlich genauso gibt und die im Literaturgeflüster zu finden sind, habe ich ja gerade meine anderen Geburtstagsbücher aufgelesen.
Bei solchen Umfragen kommen dann auch die Zahlen der Bücher auf und die Geldbeträge, die man im Jahr kaufen und dafür ausgeben soll.
Ich habe 2012 schätzungsweise zwanzig bis dreißig Bücher gekauft, die alle in Abverkaufskisten lagen und zwischen einen und zwei Euro kosteten. Die Spendenbox der Gesellschaft für Literatur war da auch dabei, in die habe ich regelmäßig zwei Euro geworfen und ein bißchen mehr genommen habe und der Flohmarkt in der Reinprechtsdorferstraße, wo ich zehn Euro zahlte.
Ein Buch habe ich für die, die es wissen wollen, zum Normalpreis gekauft, das war Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“, das ich meiner Schwiegermutter zu Weihnachten schenken wollte, zum Glück bin ich sehr ungeduldig und habe es ihr gleich nachdem ich es kaufte, gegeben, denn jetzt würde es nicht mehr passen.
So hat sie es schon gelesen, es hat ihr gefallen und wir sind an einigen Sonntagen mit den Heimhilfen an die Orte Essen gefahren, wo der Opa Erinnerungen hatte.
Jetzt ist die Heimhilfe nach Hause gefahren, am Wochenende lag Schnee an der Traisen, so daß das Radfahren ein wenig schwierig war, obwohl ich vielleicht nach St.Pölten fahren sollte, weil es Schwierigkeiten mit meiner Uhr gab, die ich mir am 24. Dezember im letzten Jahr abholte, nachdem sie, die ich mir im September vorher kaufte, aber jetzt geht sie wieder.
Da Weihnachten diesmal günstig liegt, werde ich eine Woche und zwei Wochenenden in Harland bleiben und erst wieder am zweiten Jänner in meine Praxis fahren, am Abend aber wieder zurückkommen, da am Donnerstag das Begräbnis ist.
Zum Lesen habe ich genug, im neuen Jahr warten auch die neue Leseliste und die Weihnachtsbücher. Da habe ich vom Alfred Andrea Maria Dusls „Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen“ und „Pulp Head – Das Ende von Amerika“ von John Jeremiah Sullivan bekommen, außerdem drei literarische Kalender, Lind Kugeln und ein Kuvert von der Schwiegermutter und von der Anna wieder Badeöle.
Bezüglich Schreiben ist immer noch der Nanowrimo zu korrigieren, was an sich kein Problem, zehn Tage aber schwierig ist, da ich ein visueller Typ bin und mir das Ganze immer zwischendurch ausdrucken und im Text anstreichen muß.
Außerdem bin ich gerade beim Szene für Szene korrigieren, was ich so nicht kann.
Es gibt aber auch noch den Jahresrückblick zu bloggen, Bücher zu besprechen und dann wird das Jahr ohnehin zu Ende sein und die Weihnachtsferien können, obwohl sie so turbulent angefangen haben, vielleicht auch ein bißchen Ruhe bringen und Vorfreude auf das nächste Jahr, wo „Kerstins Achterl“ fertig werden wird und mich an die Arbeit des „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ machen, bevor ich mit den „Dreizehn Kapiteln“ beginnen will, was ja auch ganz gut zum Jahr 2013 passt, da am 21. 12. 2012 zwar der Schwiegervater kurz nach seinem fünfundachtzigsten Geburtstag gestorben, die Welt aber nicht untergegangen ist.
Außer Lesen und Korrigieren kann ich mich in meinen Lieblingsblogs umsehen, obwohl das auch ein bißchen traurig ist, hat ja Thomas Wollinger, der so lange regelmäßig täglich bloggte und ich ihm fast genauso regelmäßig einen Kommentar dazu schrieb, plötzlich damit unterbrochen, was ich schade finde, das es sehr interessant war von seiner Schreibwerkstatt und seinen Schreibprozessen zu erfahren.
Die Evi vom Cafe Uranus macht auch gerade ein Pause, vielleicht kommt wie wieder, denn ihre Berichte über Margareten, den Wortschatz und vor allem ihre originellen Lebensbetrachtungen, habe ich sehr interessant gefunden.

2012-12-26

Mein Nidden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Frido Mann wurde, glaube ich, vom Mare-Verlag aufgefordert, über seinen Sehnsuchtsort am Meer zu schreiben und er hat das auf der kurischen Nehrung liegende Nida oder Nidden dazu ausgewählt, weil sein Großvater dort ein Häuschen bauen ließ und drei Sommer von 1930-1932 mit seiner Frau Katia, den drei jüngsten Kindern und einer Köchin dort verbrachte.
Das habe ich im März in Leipzig auf dem blauen Sofa so gehört, als ich eigentlich nur dort gesessen bin, um meinen Platz für einen späteren Termin zu behalten, hatte ich doch eigentlich weder von Frido Mann noch von einem Ort namens „Nidden“ viel Ahnung.
Dann war das, was der Enkel des Nobelpreisträgers, der 1940 in den USA geborene Psychologe und Theologe, erzählte, doch sehr interessant und eigentlich geht es um zwei Sehnsuchtsorte, denn Thomas Mann hatte eine brasilanische Mutter und der Psychologen-Enkel war gerade dabei, in Brasilien ein Thomas Mann Zentrum aufzubauen, als er von dem Haus in Litauen erfuhr und das dann kurz nach der Wende das erste Mal besuchte.
So ist das Buch auch keine Dokumentation über das Leben und Wirken Thomas Manns in diesen drei Sommern, sondern eine Zusammenstellung sämtlicher Nidden Reisen, die der Autor machte. Man erfährt ein bißchen was über die politische Situation und die Veränderungen, gibt es doch sowohl Reisen, die in den Neunzigerjahren, als auch zehn Jahre später passierten und in dieser Zeit hat sich in Nidden viel verändert. Einen etwas unglücklichen Ausflug nach Kaliningrad, um das Kant Grab zu besuchen, gab es auch und von der wunderschönen einzigartigen Dünenlandschaft erfährt man auch sehr viel.
Das habe ich, am Freitag war es, glaube ich, in Leipzig, so ungefähr mitbekommen, daß das Haus, nachdem die Deutschen Litauen besetzten, in den Besitz des „Reichjägermeisters“ Göring kam, dann kamen die Sowets, das Haus sollte abgerissen werden, weil Thomas Mann aber ein „Antifaschist“ war, blieb es stehen und wurde bald zu einem Kulturzentrum, in dem Konzerte und Thomas Mann Symposien stattfinden und Frido Mann hat dort auch mehrere Vorträge gehalten, die Kuratoren nach Brasilien gebracht und die Familie stellt keine Restitutionsansprüche.
Die Moderatorin hat ihr Gespräch, glaube ich, damit beendet, daß sie Frido Mann versprach, sicher einmal nach Nidden zu fahren und sich alles anzuschauen und ich bin dann dann oben in die Glashalle gegangen und habe, glaube ich, nicht daran gedacht, daß wir im Sommer in die baltischen Staaten fahren wollten. Vielleicht habe ich das auch noch nicht gewußt.
Als wir dann dort waren und auch nach Klaipeda und nach Nida kamen, ist mir das Buch wieder eingefallen und ich dachte mir noch, vielleicht kann man es in dem Museum kaufen.
Wir waren aber am 15. August in Nida und da Litauen ein katholisches Land ist, war auch ein Feiertag und „Onkel Toms Hütte“ auf dem Schwiegermutterberg war geschlossen.
Wir sind trotzdem hingegangen und haben von außen in das Museum hineingeschaut und dann nach nebenan in das Gasthaus Blode, in diese ehemalige Künstlerkolonie, wo Thomas Mann auch auf die Idee kam, sich das Haus zu bauen.
Im September habe ich dann ein bißchen herumgegooglet und mich über das Buch und das Thomas Mann Haus informiert und bin auf die Idee gekommen, daß ich mir das Buch zum Geburtstag wünschen könnte, um eine Erinnerung an unsere sechs Länderreise zu haben.
Ich habe es dann auch bekommen und so den Urlaub ein wenig nacherlebt und auch ein bißchen von Frido Manns Reisen und die der Manns in den Dreißigerjahren mit den drei jüngeren Kindern, Michael, Golo und Elisabeth, erfahren.
Michael Mann ist Frido Manns Vater und Thomas Mann hat auch in Nida streng gearbeitet und keinen Urlaub gemacht. So hat er an der „Josephs-Legende“ geschrieben.
Und Frido Mann hat ein sehr unkonventionelles Buch geschrieben. Es beginnt mit seiner ersten Reise, dann werden die Kuratoren und Mitarbeiter des Hauses vorgestellt und Frido Mann hat sich auch öfter inkognito in das Haus begeben. Saß so auf einer Bank, während die deutschen Touristenbusse kamen und ließ sich von der aufdringlichen lauten Stimme einer Dame stören, die unbedingt wissen wollte, was Thomas Mann in diesen drei Jahren geschrieben hat und darüber in Streit mit ihren Mann geriet.
Die Konzerte und die Symposientiteln werden aufgezählt und Frido Mann springt von einem Jahrzehnt in das andere, kehrt auch ein bißchen zu seinem Großvater zurück und erzählt, daß Erika und Klaus Mann nur ein oder zweimal in diesen Sommern auf Besuch in dem Häuschen waren.
Von Klaus Mann gibt es einen Text über Nidden und die Schwiegermutter hat den Schwiegermutterberg auch einmal besucht, obwohl sie den Hauskauf des Schwiegersohns zuerst für eine Kateridee hielt.
Ich war, wie beschrieben am 15. August in Nida, bin um das Haus herumspaziert, war in der Ausstellung im Gasthaus Blode und dann auf der Düne, jetzt war ich von der Lektüre des Buches auch beeindruckt und Thomas Mann habe ich in meiner Studentenzeit sehr viel gelesen.
Mit den „Buddenbrocks“ habe ich noch in meiner Schulzeit angefangen. Die Frau Professor Friedl brachte uns auch den „Tonio Kröger“ nahe. Dann habe ich mir den „Zauberberg“ gekauft, „Joseph und seine Brüder“, den „Doktor Faustus“, den „Erwählten“, „Lotte in Weimar“ und die „Bekenntnisse des Hochstapler Felix Krull“ haben mich auch sehr fasziniert.
Jetzt beschäftige ich mich nur noch selten mit Thomas Mann, es war aber ein besonderer Zufall, daß Buch und Reise zusammenfielen, so habe ich etwas nachzulesen. Ein paar Ansichtskarten und einen Kühlschrankmagneten mit dem Bild der Hütte hat mir der Alfred auch gekauft.

2012-12-25

Kommentierfrequenz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Wenn man die Besucherstatistik dieses Blogs beobachtet, kommt man darauf, daß das Literaturgeflüster nicht viele aktive Kommentierer hat.
Das war nicht immer so, am Anfang hat es vom Otto sehr viel Ermunterung und auch eine angeregte Diskussion gegeben, dann hat er sich zurückgezogen und auch regelmäßige Kommentierer, wie Anni Bürkl oder Rudi Lasselsberger sind eigentlich verschwunden.
Vom Rudi gibt es gelegentlich noch eine Aufmunterung, wenn wir wo gemeinsam lesen oder ich eines seiner Bücher bespreche, aber sonst ist die Zahl meiner Kommentierer eher gering und es sind in letzter Zeit eher die Spamer, die mir auf Englisch mit Casino- der Versichungsadressen mitteilen, wie wundervoll mein Blog ist.
Was er wohl nicht ist, aber vielleicht doch ein bißchen informativ, wenn man Deutsch versteht und sich für Literatur interessiert und die Zahl der Besucher nimmt auch leicht zu.
Nur mit dem Feedbacks klappt es nicht so richtig, seit ich meine kritischen Stimmen Frau Haidegger und Ju Sophie, verloren habe, die sich eine Zeit regelmäßig, wenn auch nicht immer positiv, äußerten.
Obwohl es schon Stimmen gibt, die mir mitteilen, daß ich zu lang oder zu unverständlich schreibe, was ein Feedback ist, das ernstzunehmen ist.
Verständlich sollen meine Artikel es schon sein, das ist klar, da bemühe ich mich auch das zu tun, aber auch persönlich, offen und ehrlich das berichten, was einer schreibenden Frau in ihrem Literaturalltag so passieren kann und weil ich offenbar eine Vielschreiberin bin, sind es auch sehr bald lange Artikel geworden, die ich da verfasse.
Das ist auch der Vorteil des Bloggens, daß man es so gestalten kann, wie man es möchte und so bleibe ich bei den langen Artikeln und weil ich das Literaturgeflüster ganz allein betreibe und auch noch schreibe, eine Praxis mache, lese etc, habe ich auch nicht die Zeit jeden Artikel auf jeden Fehler zu kontrollieren, sondern schaue, daß ich das Bloggen, meist am Abend, wenn ich nach einer Veranstaltung nach Hause oder aus der Badewanne komme, in letzter Zeit auch voraus, in einer Stunde schaffe.
Ein paar diesbzügliche Kommentare sind da auch gekommen, die sich empörten, als ich einmal „Autobiografie“ statt „Biografie“ geschrieben haben und bei den Namen verschreibe ich mich, weil offenbar ein bißchen legasthen, auch regelmäßig und bin auf meine Leser angewiesen, die mich korrigieren.
Das scheint zu klappen und ich finde es auch positiv, daß meine Leser mich perfekt haben wollen und darauf hinweisen, wenn da ein Fehler ist, während die positiven Kommentare in letzter Zeit fehlen und es passieren kann, daß ich wochen- oder monatelang einsam vor mich hinblogge, ohne eine Reaktion zu bekommen.
Was zwar nicht wirklich etwas macht, ich es aber schon ein bißchen schade finde, daß ich in sieben Tage den Nanowrimo geschafft habe und das niemanden aufgefallen ist, der schnell einmal „Wow, das ist aber toll!“, kommentiert.
Was zwar nicht wirklich wichtig, aber schön wäre, im Worldwide-Net bemerkt zu werden. Zwar schreibe ich das meiste für mich, um mich später an die Bücher, die ich gelesen habe zu erinnern oder über die Veranstaltungen, auf denen ich war, Bescheid zu wissen und da denke ich, daß ich in den letzten Jahrzehnten ein ziemliches Wissen angesammelt habe, daß ich gerne an meine Leser weitergeben will.
Ein bißchen mag ich am mangelnden Feedback auch selber schuld zu sein, twittere ich ja nicht und verwende kein facebook, kann also solcherart auf meine Artikel nicht aufmerksam machen, würde aber trotzdem gerne wissen, was meinen Lesern am Literaturgeflüster gefällt und was vielleicht nicht?
Die langen Artikeln nicht so sehr, habe ich begriffen, die Fehler und das unverständlich Schreiben, das ist schon klar. Aber was ist das besondere am Literaturgeflüster, wenn es so was gibt? Da würde ich ganz gerne eine Umfrage machen um das herauszubekommen.
Ich habe ja einen ziemlich breiten Geschmack und interessiere mich für viel, für den Mainstream, für die Bestseller, wie auch für die experimentelle Literatur, lese Krimis, manchmal auch ein Chick Lit und auch ganz alte, schon fast vergessene Autoren, wie Ulrich Becher, Fritz Habeck, Joseph Roth ect.
An den Suchanfragen kann ich das ein bißchen ablesen, unlängst hat einer mal wissen wollen, welche Vanillekipferlessertypen es bei Daniel Glattauer gibt und ein anderer mit welchen Buch Clemens J. Setz berühmt geworden ist?
Das sind dann Feedbacks die ich spannend finde und wenn ich manchmal, so wie im letzten Frühling verzweifelt vor mich hinblogge, weil ich nicht die literarische Beachtung finde, die ich gerne hätte, meldet sich zwar kein Kommentierer zu Wort und schreibt „Aber ja, wird schon, weitermachen!“, aber ich bekomme ein Mail von einer lieben Freundin, die das dann in privater Art und Weise tut, so daß ich mir manchmal denke, daß meine Leser nicht öffentlich Stellung beziehen wollen, sondern mir ihre Aufmunterungen lieber individuell geben, wie mir das auch einmal der Student der Sprachkunst schrieb.
Soll sein, ich bin wahrscheinlich ohnehin ein autistischer Typ, der da so öffentlich vor sich hinbloggt und vielleicht ist man mit den Stimmungen der anderen auch überfordert und hat nicht die Zeit, all das zu lesen, was es so im weiten Netz zu finden gibt.
So bin ich ein bißchen ratlos und weiß nicht recht, wie es es anstellen soll, auf meinen Blog mehr literarische Diskussion zu bekommen, weiß gar nicht, ob ich mir das wünschen soll?
Oder doch, natürlich wünsche ich es mir. Kann zwar damit leben, wenn es nicht passiert und werde trotzdem weiterbloggen.
Das Literaturgeflüster als offener ehrlicher Blog einer seit fast vierzig Jahren nicht so erfolgreich schreibenden Frau, wie sie es gern hätte, bleiben und eine tolle Dokumentation über den Wiener Literaturbetrieb, wo man das findet, was es vielleicht sonst nicht gibt.
Das ist ein bißchen mein Anspruch und das, was ich glaube am Literaturgeflüster besonders ist.
Wenn man will kann man viel über das, was in Wien literarisch passiert erfahren und auch Autoren kennenlernen, über die sonst niemand schreibt.
Mein Anspruch ist da immer offen, empathisch, wertschätzend und trotzdem ehrlich zu schreiben, so daß ich bei meinen Buchbesprechungen auch keine Lesezeilen verteile. Denn ich denke, es schreibt jeder so gut, wie er oder sie es kann.
Wenn etwas nicht stimmt, weise ich natürlich darauf hin und wenn mir etwas nicht gefällt, weil es beispielsweise zu gewalttätig ist, dann kommt das sicher auch heraus.
Aber sonst denke ich, daß ich gar nicht soviel kritisieren brauche und es schon reicht, wenn ich meine subjektiven Eindrücke zusammenfasse.
Es gibt, glaube ich, schon ein paar Personen, denen das Literaturgeflüster gefällt, die es trotz seiner Länge gerne lesen und auch Informationen darauf finden andere, denen ich vielleicht zu offen bin, obwohl ich nur über das schreibe, was man auch in der Zeitung lesen oder bei einer Veranstaltung hören kann.
So geht es also auf ins neue Jahr und wenn ich vielleicht wieder ein paar Stammleser bekommen sollte, die sich auch trauen, mir ihre Meinung über das, was ich so erlebe, lese oder höre, zu schreiben, wäre das sehr schön!
Ich könnte ja an die, die mir aus Österreich schreiben, was das Literaturgeflüster für sie bedeutet, eines meiner Bücher vergeben und an die anderen den Text als E-Buch schicken und ein paar literarischere literarischere Kommentare habe ich inzwischen auch bekommen.

2012-12-24

Das Weihnachtsbuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Auf die Idee Weihnachtsbücher zu lesen, bin ich, glaube ich durch diesen Blog und Elisabeth von leselustfrust, den es nicht mehr gibt oder nur nach Anmeldung zugänglich ist, gekommen. Denn ich bin ja kein religiöser Mensch, obwohl sich wahrscheinlich auch schon früher Bücher angesammelt haben, ich ein paar „Adventkalender“ für mich geschrieben habe und es im „Best of – Eva Jancak Lesebuch“, auch einen „Adventkalender“ und ein Weihnachtsgedicht gibt.
Wolfram Huber hat mir einmal Ringelnatz „Weihnachtsgeschichten“ gebracht und meine Mutter hatte auch einige Weihnachtsbücher, die ich mir meistens in der Adventzeit herausholte.
Dann kamen die offenen Bücherschränke, leselustfrust plante 2010 eine Adventaktion, die sie dann doch nicht durchführte, dafür gab es vielleicht im Literaturgeflüster einen solchen oder das, was ich dafür halte und ein paar Weihnachtsbücher habe ich auch gefunden.
Das traf auch für 2011 zu, da fand ich irgendwann im Sommer schön eingepackt Peter Meissners „Auch Engel lachen gerne“, Geschichten für die Weihnachtsfeier, was ein Renner sein dürfte, wie man an den Suchanfragen merkt und beim Adventrundgang entdeckte ich das Buch von Hilde Langthalers Urgroßmutter „Familie Pfäffling„, was sich dann gerade noch zum Lesen ausging und heuer habe ich die Weihnachtsbücher schon im Jänner im Wortschatz gefunden, das Insel-Taschenbuch und „Es begab sich aber…“, Geschichten von Agatha Christie.
Ein klein bißchen andere Weihnachtsfreude fand sich bei Ernst Hinterberger und im Sommer ließ ich mir vom Alfred vom Thalia 3.99 Bücher stoß einen Weihnachtskrimi kaufen.
Mal sehen, wie das für 2012 werden wird, wann sich die die Bücherschränke mit den Weihnachtsbüchern füllen, die am 24. Dezember unterm Christbaum lagen, denn Weihnachtsbücher sind offenbar ein ein großes Geschäft.
Die Bücherblogger veranstalten Adventleseaktionen und bei dem Randomhouse-Gewinnspiel, das ich im Dezember eifrig betrieb, waren in den letzen Tagen auch ein paar Weihnachtsbücher zu gewinnen, die einen ja in eine besinnliche Stimmung bringen können und für die kritischen Geister gibt es auch jede Menge anderer Geschichten, was auch in dem Insel-Weihnachtsbuch „mit alten und neuen Geschichten Gedichten und Liedern. Ausgewählt von Elisabeth Borchers“, erste Auflage 1973, wer das wohl voriges Jahr zu Weihnachten bekommen hat, so war.
Viele schöne, nicht näher bezeichnete alte Illustrationen gibt es auch und es beginnt bald mit dem Weihnachtsevangelium „Es begab sich aber zu dieser Zeit“
Dann kommt ein „Altes deutsches Weihnachtsspiel“ und ich habe das Lesen, das ich schon am vorvorigen Freitag begonnen habe, abgebrochen, war es mir doch schon zu weihnachtlich.
Dann habe ich es eine Woche später nach Harland mitgenommen und zuerst den Weihnachtskrimi gelesen und jetzt passen die Geschichten, Lieder, Texte auch viel besser.
Abraham a Santa Clara kommt natürlich mehrmals vor mit seinen mahnenden Betrachtungen „Wer bist du Mensch?“ und Martin Luther.
Daß das Elsaß die Ursprungsgegend des heutigen Weihnachtsbaumes ist, wird erklärt, auf dem „Äpfel, Oblaten, Zischgold, Zucker gehenckt“ werden sollen. Und im „Simplizianischen Wundergschichts-Calender von 1795“ steht geschrieben „es ist nur Jammerschade, daß nicht auch Schinken und Bratwürste (wovon ich ein großer Liebhaber bin) und Schwartenmägen, Ochsenfüsse, nebst gebratenen Tauben dran hingen.“
Es kommen Gedichte von Rainer Maria Rilke und Bertold Brecht. Von Brecht ist in dem Buch überhaupt recht viel zu finden.
Goethe schrieb an Kestner am 25. Dezember 1772 über Weihnachten. Hölderlin und Heine schrieben ebenfalls Weihnachtsbriefe und Andre Gide bekannte in seinem Tagebuch, daß er „eben geizig“ sei.
Wladimir Majakoskis Weihnachtsgedicht „Tannennadeln“ ist sowohl kritisch, als auch beeindruckend.
„Nein, bitte nicht, laßt! Keine Weihnachtstanne. Nein, schickt den Vater nicht in den Wald!“
Kurt Tucholsky reimt „Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!“ und Rosa Luxemburg schieb im Dezember 1917 Sophie Liebknecht aus dem Gefängnis, in dem sie schon ihr „drittes Weihnachten“ verbrachte.
Bert Brecht hat eine Geschichte „Das Paket des lieben Gottes, wo er von Weihnachten 1908 in Chicago erzählt, wo sich die armen Leute in einer Schenke treffen, um ein Glas Whisky zu trinken und dann launige Geschenke machen, dem Wirt einen „Kübel schmutzigen Schneewasser“ und dem Mann, der sich vor der Polizei zu fürchten scheint, packen sie die Adressen der Polizeiwachstuben ein. Sie nehmen dafür aber das Stück alte Zeitungspapier, auf dem steht, daß seine Verurteilung ein Justizirrtum war und machen ihm, oder pardon, der liebe Gott ist es gewesen, das schönste Weihnachtsgeschenk.
Und Heinrich Böll erzählt uns von einem Kellner, der entlassen wird, weil er mit einem Kind, dessen Mutter sich zu Weihnachten so betrank, daß sie nicht auf ihn achten konnte, Murmeln spielte und dabei offenbar ein Loch in den Fußboden schnitzte und Maxim Gorki macht sich möglicherweise über Hans Christian Andersen lustig, weil er von Kindern erzählt, die nicht in der Christnacht erfrieren, damit die reichen etwas haben, worüber sie sich moralisieren können, obwohl seine Katjka und sein Mischa, die zur heiligen Nacht betteln und dann in ein Wirtshaus gehen, es auch nicht sehr lustig haben.
Günter Grass erzählt und in seinem Adventgedicht von „Onkel Dagobert und ABC Waffen. Man sieht schon worauf die Weihnachtsgeschichten hinausgehen und man könnte sagen, es ist doch ein Buch, das zu mir passt, obwohl ich anfangs daran zweifelte und die „Drei stillen Messen“ – eine Weihnachtsgeschichte aus der Provence, hat mich wirklich sehr beeindruckt. Macht doch da der Teufel dem Dompfarrer den Mund wässrig, was es alles an Gänsen und Fasanen nach den drei Messen, die er in der Christnacht halten muß, geben wird, so daß er in Gedenken darauf, die herunterhuddelt, sich nachher beim Festmahl überfrißt, stirbt und der liebe Gott ist über den Sündigen so erzürnt, daß er ihn zu den stillen Messen verdammt, so daß es in dem verfallenen Schloß fortan spukt.
Dann kommt „Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu, die ich wahrscheinlich schon gelesen habe und „Weihnachten mit zwei Kindergeschichten von Hermann Hesse, wo er die eigene, die er als Kind geschrieben hat, mit der vergleicht, die der Enkel, dem Sechzigjährigen zu Weihnachten verehrt und ein Hugh Walpole, den ich nicht kenne, läßt in „Ein reizender Gast“, Charles Dickes zu Weihnachten in London fast in ein Auto rennen, er wird von dem frustrierten Tubby, der gerade von seiner Diane ein Korb bekommen hat, weil er so langweilig ist, nach Hause gebracht, heitert dort die genauso frustrierten Eltern auf, läßt sich von der frustrierten Bohemien erzählen, daß sie Charles Dickens umdichten wollen, lädt viele Kinder ein, denen er schönes Fest bereitet und verschwindet dann still und leise wieder, wahrscheinlich in sein Grab.
Peter Handke hat einen Text und Walter Benjamin schreibt am 26. Dezember 1926 Julia Radt aus Moskau, vom Kampf, wo vielleicht „eine wirkliche sozialistische Gemeinschaft“ herauskommen kann. Wir wissen es inzwischen besser. Marie Luise Kaschnitz erzählt von „Weihnachten in Königsberg“ und eine „Flucht nach Ägypten von Thordton Wilder, wo der Esel Hephzibah, Josef und Maria fragt, ob es wirklich sinnvoll ist, das Leben ihres Kindes zu retten, wo doch soviele andere Kinder, diese Chance nicht haben, gibt es auch
„Im Sternenkind“ von Oscar Wilde wird uns von den Irren und Wirren des Menschen und seines Charakters erzählt. Da findet ein armer Holzfäller ein Kind, eingehüllt in ein Sternentuch im Wald und nimmt es mit, seine Frau will es zuerst nicht aufziehen, tut es aber doch, das Kind ist aber böse und arrogant, sticht den Maulwürfen die Augen aus und zerschneidet den Vögeln die Flügeln, es verhöhnt auch die alte Bettlerin, die ist aber seine Mutter, so wird es in eine Natter verwandelt und wird selbst verhöhnt und als Sklave verkauft und kann erst, als es Gutes tut, sich und seine Seele retten. Schön wärs wenn das so einfach wär. Zu Weihnachten wollen wir das aber gerne hören und so gibt es noch eine anderer Wilde Geschichte dieser Art.
Franz Kafka erzählt von „Gleichnissen“ und Max Frisch vom „Glück“, über das ihm ein Reisender in einer Zugsfahrt nach Zürich erzählt.
Dann kommen die Neujahrsgeschichten, denn „Eh man es merkte, War doch am Neujahrstage Schnee gewachsen!“
H. C. Artmann hat was dazu zu sagen und Bertold Brecht weiß vom „Neujahrstag 1949“ zu erzählen.
Das ist lange her, denn wir werden ja bald den von 2013 feiern, aber erst einmal ist Weihnachten und so wünsche ich allen, die das jetzt noch lesen, ein schönes Fest, mit vielen schönen Weihnachtsbüchern, die so kritisch und erblauich sind, wie sie es sich wünschen!
Über die Bücher, die ich vielleicht bekommen sollte, werde ich noch berichten!

2012-12-23

Podium-Portrait und Licht aus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08

Dann habe ich zu meinem Geburtstag noch zwei Lyrik Bände bekommen.
Hilde Schmölzers Podium-Portrait zum fünfundsiebzigsten Geburtstag mit auserwählten Jugendgedichten, die zwischen 1960 und 1967 entstanden und schon einmal in einer indischen Kleinedition erschienen sind und Stephan Eibl Erzbergs Texte und Typografien „Licht aus“.
Aus beiden Bänden habe ich schon bei Lesungen gehört und beide Autoren kenne ich recht gut und habe zu ihnen eine mehr oder minder intensive Beziehung.
Grund genug beide Bände hintereinander in der Badewanne zu lesen und gleichzeitig zu besprechen, noch dazu, da Stephan Eibl der älteren Hilde Schmölzer auf meinem Geburtstagsfest ja seine große Verehrung ausdrückte.
Das tut, der 1953 in Eisenerz geborene zwar, wie ich glaube, öfter, schickt er mir ja auch regelmäßig seine Gedichte und hat den Text für mein hoffentlich bald erscheinendes Literaturgeflüster-Texte-Buch geschrieben, aber ich denke, daß die Lyrik der Beiden, gerade weil sie so verschieden ist, recht gut zusammenpasst und Gedichte kann man eigentlich auch nicht rezensieren oder nur auf eine besondere Art und Weise.
Barbara Neuwirth hat das Vorwort für das Schmölzer Bändchen geschrieben und darin zusammengefaßt, was ich auch über die Autorin weiß, die ich, glaube ich, durch ihr Buch „Frau sein und schreiben“ im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt habe.
Sie selber erst viel später auf einer GV-der IG-Autoren, da war mir der Name der frauenbewegten Sachbuchautorin, die sehr viele Bücher geschrieben hat, schon ein Begriff und durch die Frauen lesen Frauen Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters bin ich in persönlichen Kontakt mit ihr gekommen. Habe das „Vaterhaus“ mit ihr getauscht und sie bringt mir auf meinen Geburtstagsfesten mir auch getreulich ihre Bücher mit, so daß ich schon sehr viele von ihr besitze und die Gedichte habe ich das erste Mal auf der Poet Night gehört.
„Es sind Gedichte eines sehr jungen Menschen“, hat sie entschuldigend gesagt und ich glaube auch betont, nie mehr Gedichte geschrieben zu haben und sie beeindrucken durch ihre Konsequenz
„Ich habe meine Augen ausgeweint sie rollen irgendwo durch die zerpflückten Gärten meiner Angst“ von „Ich möchte alle sonnenfalter töten alle ich möchte sie töten und in den großen grauen kochtuopf meiner mutter werfen alle.“, bis zu „ich bin ohne Sprache sie hat sich in den abgelebten abgebauten abgestürzten existenzen verschanzt“ und da bin ich schon bei Stephan Eibls Gedichtband „Licht aus“ angelangt, den er im Herbst im 3 Raum Anatomietheater vorstellte und den er immer auf seine gekonnte Art und Weise einzuleiten versteht, in dem er von Politiker und Redakteuren erzählt, die ihm das blaue vom Himmel versprechen und sich dann über seine starken Sprüche doch nicht drüber trauen „öffne deine Beine dort will er eine“, beispielsweise
Das Buch ist trotzdem bei styria premium, also einem katholischen Verlag erschienen, von der Grafikdesignerin Christiane Klell schwungvoll in Szene gesetzt.
Kürzestgedichte in vier Abteilungen „Im Fell“, „Im Oasch“ „Für den Schwanz Stanzln fürs Schwanzl“ und „Aus dem Eck“, einen „Anhang“ gibt es auch und manche Stanzln sind schon geflügelt, daß sie ins Ohr flitzen und man sie immer hören möchte.
„Ist marlene wach Macht sie krach“
„jedes noch so große Problem wird winzig und klein denk ich an daheim“
Dann gibt es der Jahreszeit entsprechend Adventgedichte
3. Advent
Für jedes adventlied Ein herzhafter hieb Für jeden fernen stern Ein noch lauteres rean“
4. Advent
„Und am heilen weihnachtshimmel Klebt der alltagsschimmel Da lob ich mir -hoch und still -meinen pimmel – der noch will“
So geht es weiter durch die Abteilungen bis zu dem katholischen Gedicht, das ich, glaube ich, schon einmal zitiert habe.
„Gott wir danken dir Daß die neger verhungern Und nicht wir“
Und so bin ich durchgezogen durch die Jugendgedichte Hilde Schmölzers, bei der ich einige sehr schöne Silvesterabende verbrachte und dort auch Lidio Mosca Bustamante kennenlernte, dessen blutrünstige Tangogeschichten, ich gerade gelesen habe, zu Stephan Eibl Erzbergs starke kürzest Gedichte, die ins Ohr gehen und der, wie am Buchrücken steht „in seinen kurzen Gedichten Österreich wiederspiegelt, die im Gedächtnis bleiben – und die einfach Spaß machen“ und das haben sie vorhin in der Badewanne, wie auch im 3 Raumtheater oder auf meinem Geburtstagsfest getan.

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