Literaturgefluester

2013-02-28

Kaffee bei Erika Brunngraber

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:06

Im Jänner gabs ja diese Brunngraber-Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur bezüglich der beiden bei Milena erschienenen Neuauflagen seiner Bücher und ich bin ja irgendwie ein Brunngraber-Fan, bzw. bin ich mit den Büchern des „vergessenen Superstars“ im Bücherkasten meiner Eltern aufgewachsen und war dann natürlich sehr alamiert, als mir Ruth Aspöck einmal erzählte, daß sie mit der Brunngraber Tochter befreundet sei, bzw. mit ihr, da sie in ihrer Editon die Donau hinunter den „Zucker aus Cuba“ verlegte, sich jährlich mit ihr einmal treffe, um die Tantiemen mit ihr abzurechnen..
2007 habe ich Erika Brunngraber persönlich kennengelernt, ist sie mit Hund und Auto ja ein Stück bei der Radkarawane von Wien nach Bamberg mitgefahren und in Ybbs gabs ja auch einen Brunngraber-Abend im Rathaus und ich habe sie dann auch bei Festen der Ruth bzw. bei ihrer Lesung in Krems vor eineinhalb Jahren getroffen.
Zu der Veranstaltung in die Gesellschaft der Literatur bin ich gegangen, obwohl es zuerst nicht sicher war, ob ich das könnte, habe ich ja Donnerstag meistens eine Abensstunde, es ist sich aber ausgegangen und ich habe mich auch ein bißchen gewundert, weder die Ruth noch Erika Brunngraber dort zu treffen und habe die Ruth ein paar Tage später angerufen, weil ich von ihr noch einiges wissen wollte, sind die Brunngraber Angaben, die man bei Wikipedia findet, ja ein bißchen lückenhaft, Klaus Kastberger wußte bei der Veranstaltung aber einiges zu erzählen und war über den Charme der Fünfzigerjahre, die die Bücher ausstrahlen, auch sehr begeistert.
„Lesen Sie „Radium!“, hat er empfohlen, bzw. dem Verlag vorgeschlagen, das ebenfalls neu aufzulegen.
Die Ruth ist dann auf die Idee gekommen sich zum Kaffee zu treffen und mit Erika Brunngraber darüber zu plaudern, die uns schließlich heute in ihre Gemeindebauwohnung in die Innenstadt eingeladen hat, so daß ich wieder ein Stückchen Literaturgeschichte hautnah erleben konnte und das sind ja immer sehr faszinierende Aha-Erlebnisse, abseits der offiziellen Veranstaltungen, die man hin und wieder hat.
Mit Erika Mitterer habe ich mich beispielsweise ein paar Wochen vor ihrem Tod bei einer Lesung unterhalten, Helmut Zenker hat uns einmal beim Autostoppen von Salzburg nach Wien mitgenommen und die Nachmittage bei Kaffee und Kuchen in einer anderen Gemeindewohnung nahe des Grinzinger Friedhofs, wo sowohl Thomas Bernhard als jetzt auch Andreas Okopenko begraben liegen, waren eine schöne Arbeitskreistradition.
Lang, lang ists her, hat uns doch die Valerie, die Witwe Wilhelm Szabos dort regelmäßig eingeladen, wo wir einander unsere Texte vorlasen und über Literatur geplaudert haben und Wilhelm Szabo, bzw. die Valerie, hat Erika Brunngraber auch erwähnt, bzw. berichtet, daß ihr Papa während des Krieges sich öfter in Weitra aufgehalten hat.
Ruth Aspöck hat mir eine Werkliste der Brunngraber-Bücher mitgebracht, aber die sind eigentlich recht schwer zu bekommen, obwohl ich in den Bücherkästen immer danach Ausschau halte.
„Zucker aus Cuba“, „Heroin“ und „Radium“, habe ich von meinen Eltern geerbt.
„Karl und das zwanzigste Jahrhundert“, habe ich mir von der Valerie einmal ausgeborgt und als ich es für die „Sophie Hungers“ nochmals lesen wollte, hat es mir der Alfred autiquarisch besorgt. Dann habe ich das Filmdrehbuch vom „1.April 2000“, aber sonst nicht sehr viel. Auf der Liste gibt es aber noch einige Werke, die recht interessant klingen und dann habe ich im Internet, als ich nach der Lesung nachgegooglet habe, einen recht interessanten Artikel von Lisa Spalt gefunden, den auch die Ruth mitgebracht hat, so daß es eigentlich eine sehr interessante Arbeitssitzung war, bei Aperitif, Kaffee und Kuchen, nachher gab es noch ein Gläschen Sekt, so daß sich die literaturgeschichtlichen Aspekte sehr gut mit der geselligen Unterhaltung verbunden haben.

2013-02-27

Überraschungslesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:56

Ich habe mich dann doch für den Besuch der Gesellschaft für Literatur und nicht für Anne Weber entschieden, weil da bei der „neuen österreichischen Literatur“ Gudrun Seidenauer und Robert Kleindienst angekündigt waren und die 1965 in Salzburg geborene Gudrun Seidenauer, kenne ich, glaube ich, seit ich 1992 Jurymitglied für das Nachwuchsstipendium war, habe sie aber noch nie gesehen. Jetzt ist ihr dritter Roman bei Residenz erschienen. Robert Kleindienst glaubte ich auch zu kennen, hat er ja 2010 beim Bachmannpreis gelesen und bei den Textvorstellungen von Angelika Reitzer habe ich ihn auch einmal gehört.
Dann saß ich wartend in der zweiten Reihe, die beiden Bücher hatte ich schon vorher am Büchertisch durchgeblättert, schaute ins Programm und überlegte, ob es nicht Josef heißen müßte, denn da gibt es ja auch einem FPÖ-Gewerkschaftler, der so heißt und erkannte, daß ich wieder einmal über meine legasthene Ader und über die Namen gestolpert bin, denn Robert Kleindienst wurde 1975 in Salzburg geboren, während der 1972 geborene Josef Kleindienst ja ein Kärntner ist.
Also ein anderer Autor und eine unbekannte Größe und während ich noch darüber grübelte, erschien Marianne Gruber mit dem Autor und erklärte, daß Gudrun Seidenauder eine schwere Grippe hätte und sich das Publikum entscheiden könne, ob es den Seidenauer-Roman von ihr erzählt bekommen oder Robert Kleindienst länger hören möchte.
Ich hätte mich für die längere Lesung entschieden, es schrieen aber schon ein paar vor mir, daß sie das erste wollten und so stellte Marianne Gruber, den Salzburger Autor vor und irrte sich dabei auch zweimal, machte „Nicht im Traum“ zum dritten Roman, es ist der zweite und sprach von Innsbrucker Stadtschreiber, der ein Kitzbühler, war, ansonsten hat Robert Kleindienst Germanistik, Pädagogik und Politikwissenschaft studiert und der bei laurin erschienene Roman scheint die Traumebene mit der der Realität sehr oft zu wechseln.
„Machen Sie nicht den Fehler, daß Sie herausfinden, was jetzt real und was unwirklich ist!“, riet Marianne Gruber und meinte wieder, was ich jetzt sehr oft höre und gar nicht hören will, daß man heutzutage nicht mehr linear erzählen könne und bei in „Nicht im Traum“ geht es um Trauerarbeit, ein Mann hat seine Frau verloren und sieht sie jetzt offenbar überall. Am Friedhof folgt er ihr in ein Grab, dann schlafwandelt er, wird von der Polizei verhaftet und eingesperrt, dabei bekommt er eine Grippe und wird von einer Freundin gepflegt, die ihm Essigpatscherln anlegt und Zwiebelsuppe kocht, während ober ihnen ein schlechter Geiger krächzt, dann erleidet er einen Hörsturz kommt ins Spital und gleitet dabei wieder in die Traumebene ab, verfolgt seine Frau im Schnee,etc.
Eine interessante Neuentdeckung, die ich da ganz zufällig machte, während Josef Kleindienst ja offenbar sowohl ein experimenteller als auch realistischer Erzähler ist, zumindest war das Stück, das er in Klagenfurt gelesen hat, eher realistisch und Gudrun Seidenauer, von der ich, glaube ich, nicht sehr viel gelesen habe, hat einen „Hausroman“ geschrieben.
Das habe ich mit meinem „Haus“ auch getan und an einen DDR-Roman kann ich mich erinnern, in dem es um ein Haus und seine Bewohner geht.
Bei Gudrun Seidenauer erzählt aber das Haus von seinen Bewohnern, wie Marianne Gruber begeistert anmerkte, daß es sich dabei um sieben Kapitel und einen Epilog handelt, wobei es sich, um einen Roman und nicht um sieben Erzählungen handelt, weil mehrere Personen sich von Kapitel zu Kapitel ziehen. Da gibt es einen Architekten, seine Tochter, eine Ärztin, einen Jungen mit einer esoterischen Mutter und und und.
Bei den Stellen, die Marianne Gruber vorgelesen hat, ist mir gar nicht aufgefallen, daß das Haus der Erzähler wäre, das kam eigentlich nur bei dem Stück aus dem Epilog heraus.
Marianne Gruber erzählte noch einiges über das Buch, gab ihre Betrachtungen zu den zwei österreichischen Neuerscheinungen ab und versuchte wieder zum Bücherkauf zu verlocken.
„Draußen warten viele schöne Bücher, die sich freuen würden, wenn Sie bei Ihnen im Regal ein ein neues Plätzchen finden würden!“, sagt sie dann immer und ich denke an meine Bücherberge.
Habe dann Anita C. Schaub gesehen, die ich gerne einen Tag früher getroffen hätte, weil sie mir dann die „Krausen Haare“ signieren hätte können, die sich darüber wunderte, daß ihr Buch schon abverkauft wird, worüber ich mich ja sehr freute, obwohl ich schon so viele Bücher habe.

2013-02-26

Vom gewöhnlichen Leben zum Hofnarr, König und Volk

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Diesmal gab es zwischen der literarischen Erleuchtung und der Anschlußveranstaltung eine Verbindung und dann auch eine Fortsetzung, von der ich noch nicht weiß, ob ich sie wahrnehmen oder stattdessen in die Gesellschaft für Literatur gehen werden.
Am Montagabend war jedenfalls Anne Weber in der Stunde der literarischen Erleuchtung und stellte ihre Übersetzung von „Une vie ordinaire“ – nämlich „Luftschnappen war sein Beruf“ vor.
„Aha!“, werden jetzt sicher die Frankophilen sagen.
„Gut übersetzt!“
„Das Leben ist eine Bananenschale“ hätte es aber auch heißen können, denn solches kommt in dem Gedichtroman des von 1023- 1978 lebenden Georges Perros vor und Kurt Neumann erzählte gerade etwas von dem französischen Dichter, als ich die Alte Schmiede erreichte und Anne Weber ist eine alte Bekannte.
Beim Bachmannpreis hat sie einmal gelesen und oder einen davon gewonnen, in Frankreich lebend, als Autorin und Übersetzerin. Wenn ich mich nicht irre, gibts ein Buch von ihr auf meiner Leseliste und in der Alten Schmiede habe ich sie auch schon einmal gehört.
Jetzt aber eine zweisprachige Lesung und Anne Weber erklärte auch sogleich, warum sie nicht ins „gewöhnliche Leben“ übersetzt hat, dabei war Georges Perros gegen Hierarchien, obwohl er berühmte Freunde hatte, hat er auch die Banalitäten des Lebens, nämlich das Pinkeln und das Harnablassen beschrieben und das, was passieren kann, wenn man sich von einem, der einen von Puschkin und Tolstoj anschaulich erzählt, nicht abgrenzen kann.
Da denkt der, man konzentriert sich auf die Erzählung und nachher gibt es einen häßlichen Fleck.
Perros erzählte aber auch von seiner Geburt und seiner Mutter, die ihm in die Obsorge der Concierge gab und wieder wegnahm, weil die nicht genug Zeit hatte, ihn zu wickeln, obwohl er gerne bei der Concierge gewesen wäre und erzählte auch von seiner russischen Frau, die er spät geheiratet hat und die bis zu ihrem neunten Lebensjahr nur Russisch sprach. Perros war Pfeifenraucher, hatte einen Lehrstuhl für Unwissenheit inne, was auch schon die Verbindung zum nächsten Programmpunkt war und ist 1978 an Kehlkopfkrebs gestorben, das „Vie ordinaire“ ist 1967 erschienen und Anne Weber, die schon andere seiner Werke übersetzt, erzählte während ihrer Lesung immer wieder ein bißchen, so sprach sie von einer Stelle, die sie inzwischen anders übersetzen würde.
Dann wars aus, Kurt Neumann wies noch darauf hin, daß Anne Webers neues Buch am Dienstag in einer einsprachigen Lesung vorgestellt wird, obwohl es auch auf Französisch erschienen ist. Dann gab es wieder eine Stunde Pause, wo ich dem Lehrer aus dem Waldviertel meine Bücherschätze zeigte, die ich diesmal bei Frick und Morawa gefunden hatte, weshalb ich auch ein bißchen knapp gekommen bin.
Marjana Gaponekos „Annuschka Blume“, die inzwischen den Chamisso-Preis bekommen hat und am Nachmittag im Kulturhjournal vorgestellt wurde, um zwei Euro und Anita C. Schaubs „Krause Haare“, um ebensoviel unter andere, die daraus ja mit mir gemeinsam im Oktober in der Alten Schmiede las, unterhielt mich ein bißchen mit Dr. Molt und wartete auf die Vorstellung des neuen Andrea Winkler Buches „König, Hoffnarr und Volk“, das ich mir nicht entgehen lassen wollte, obwohl ich ja kein besonderer Andrea Winkler Fan bin. Oder doch vielleicht ein bißchen, war ich ja schon auf einigen ihrer Veranstaltungen und habe Bernhard Listringer in der „Absturzgefahr“ ja auch eines ihrer Bücher im offenen Bücherschrank finden lassen und Andrea Winkler wird auch, man glaubt es kaum, ein bißchen realistischer bzw. handlungskonformer.
Zumindestens steht schon Roman auf dem Buch, aber das wollen ja die Verlage so und Anna Weidenholzers Geschichtenband wird auch öfter als solcher angepriesen. Es gibt aber eine Protagonistin namens Lina Lorber und die studiert „Im Institut für Gedankenkunde und Verstehen“, keine Satire auf den Unibetrieb, sagte zwar Cornelius Hell, der moderierte vorsorglich, damit wir ihn nicht mißverstehen, aber das ist ja schon einges.
Die schönen Worte und die wunderschöne Sprache war zwar natürlich da und auch ein Walser-Gedicht und Georg Büchner und auch die Verbindung zu Märchen oder Parabel, wie Kurt Neumann meinte und der Titel schließen läßt und für mich ganz erstaunlich auch eine Verbindung zur sonntäglichen Veranstaltung und zu Torsten Low, hat der doch eine Persiflage auf alle Fantasyromane und Filme die in der letzten Zeit erschienen sind, da präsentiert und ein Stück vorgelesen, wo eine Eingesperrte ein Grab besucht und mit einem Grabwächter redet und Andrea Winklers Ich-Erzählerin, die an dem Institut fürs Verstehen aufgenommen wurde, ein Zimmer ohne Möbel bewohnt, ihrem Freund von Professor X und Frau Professor Stein und einer Flora, Justin etc schreibt, hat auch einen Traum, wo der Mundschenk einen König in seiner Gefängniszelle besucht.
Ich will ja nicht vergleichen, finde es aber als realistisch psychologische Autorin, der der Handlungsfaden und auch das lineare Erzählen wichtig ist, interessant und die schöne Sprache und die schönen Sätze haben mir natürlich auch gefallen und wenn es auch Cornelius Hell natürlich bestreitet und die Verlegerinnen auf eine Frage aus dem Publikum antworteten, wo Andrea Winkler sich in den Strömungen der Gegenwartsliteratur einreichen würde?
„Auf jeden Fall ist es kein Kolportagenroman!“
Gab es meiner Meinung nach schon ganz konkrete Handlungspunkte, die Lina studiert zwar auf einer sehr merkwürdigen Universität, die sicher nicht mit der Uni Wien vergleichbar ist, eher einem Geheimlabor, wo man einen Aufnahmetest bestehen muß, um hineinzukommen. Es gibt aber Köpfe im Hof und die Lina stellt sich schon vor, wie man später ihrer Büste bewundern wird. Dann schreibt sie Briefe, führt Tagebuch, gerät vielleicht auch in Opposition mit ihren Lehrern, weicht auch in die Fabel und ins Märchen aus, also ich habe noch nie eine so handlungsreiche Andrea Winkler gehört, hatte das aber auch schon ein bißchen im Zauberberg entdeckt.
Nun ja, es macht mir eben Freude, den schönen Worten die Handlungsstränge beizugeben, wenn diese auch immer noch sehr kompliziert und mit ihren Mundschenks, Königen und Narren sehr märchenhaft ist.
Man könnte ja auch vermuten, daß Andrea Winkler die Handlungslosigkeit vielleicht auch ein wenig satt hat. Nur Schönheit alleine ist auf die Dauer vielleicht doch zu wenig.
Jetzt ist schon das Märchen da und der Bildungsroman, wie es heißen hätte sollen, eine Freundin verhörte sich aber, so ists ein Einbildungsroman geworden. Eine Auseinandersetzung mit Kunst und Wissenschaft vielleicht, aber keine Satire, wie Cornelius Hell, der Andrea Winkler-Kenner betonte, er ordnete ihr aber eine Anspielung eines Buches zu, das Andrea Winkler gar nicht kannte.
Ja, die Literaturwissenschaftler und die Rezensenten, die alles besser wissen.
Andrea Winkler hat aber gerne Germanistik oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und ist auch gerne im schönen Lesesaal gewesen.
Zwei Abschnitte hat sie mit ihrem lieben freundlichen Lächeln aus dem am Montag erschienenen brandneuen Buch gelesen und der Kellersaal war auch sehr voll. Neben den Verlegerinnen saß Linda Stift, weiter hinten Andrea Grill, Norbert Leser, Anne Weber waren ebenfalls da und Walter Famler.

2013-02-25

Madame Stern

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Peter Roseis „Madame Stern“ eben im Residenzverlag erschienen, ist der zweite Teil einer Trilogie, Tetralogie, Fortsetzung einer Serie über die Wirtschaftskrise, die Korruptionsskadale, die politische Situation Österreich, ab 2000 oder was immer, schließlich ist der 1946 in Wien geborene, den ich vor vielen vielen Jahren eigentlich als Experimentalisten einschätzte und ihn in eine Reihe mit Andreas Okopenko setzte, ja Jurist, er reist auch viel, hat sich bei dem Projekt „Mit Sprache unterwegs“ engagiert, war ein Freund Gerhard Amanshauser und wird jetzt sehr oft zur Wirtschaftskrise befragt, einige seiner Bücher wurden auch von Amrat Mehta in Hindu übersetzt, „Geld“ habe ich gelesen, ihn vor kurzem in der Alten Schmiede gehört und im Radio am Sonntag in der Pause zwischen der Matinee, die früher „Im Künstlerzimmer“ geheißen hat.
Da wurde er zu „Madame Stern“ befragt und Peter Rosei hat, wie bei ihm üblich, den Bogen der gesellschaftlichen Zusammenhänge gezogen und bei „Madame Stern“ wurde ich wieder an den Stil der Fünfzigerjahre erinnert, obwohl die Protagonisten mit ihren Handies in den Taxis fahren, Laptops benützen und sie auch sehr bekannte Züge zu tragen scheinen und dann wieder in die allgemeine, glänzend, glitzernde Oberfläche entgleiten. Wo spielt das Buch und worum geht es dabei?
Der Buchrückentest schreibt vom „Meisterlich inszenierten, lakonischen Stil in dem Peter Rosei den Aufstieg und Fall einer Frau vor dem Hintergrund einer korruptierten Gesellschaft“ schildert. „Ein Buch das nahegeht“, das würde ich nicht ganz so sehen, dazu erscheint mir Rosei zu vorsichtig, distanzierend, andeutend zu sein.
Es beginnt im schönen Klagenfurt, das nicht ganz am Wörthersee liegt und da gibt es einen ehemaligen Handlungsreisenden, der es mit seinen mehr oder weiniger dubiosen Geschäften weit gebracht hat, so daß sein Sohn, der schöne Kurt nach Wien ins Finanzministerium geht.
Aha, denken wir und den „Buwockl“ habe ich vor kurzem auch gelesen, bzw. durchgeblättert.
Dann geht es schon nach Hütteldorf in ein Reihenhäuschen, da lebt der Herr Stern, ein biederer Buchhalter mit seiner opernbegeisterten, aufstiegsorientierten Gattin und dem Töchterlein Gisela, der Herr Papa erhängt sich irgendwann am Dachboden, die Mama kommt bei der Heimfahrt von der Oper unter die Räder der Straßenbahn, das erinnert auch an die Fünfzigerjahre, bzw an den ersten Straßenbahnunfall der Literaturgeschichte, die kleine Gisela bleibt allein zurück, maturiert, tritt als kleine Kraft in eine Bank ein, weil sie sich kein Studium leisten kann, fährt am Nachmittag mit der Straßenbahn zur Kärntnerstraße und flaniert durch die teuren Geschäfte um, sich höchstens hin und wieder ein paar Strümpfe einzukaufen und ich füge hinzu, das habe ich nach meiner Matura eine Zeitlang auch so gemacht, beim Lehmann am Graben mit schlechten Gewissen ein Cola und ein Mayonaisseei konsumiert und in die Oper bin ich während meines Studium regelmäßig auch gegangn, Kontakt in die höhere Gesellschaft, wie Madame Stern, habe ich dabei nicht bekommen, aber die wurde schon als Kind von ihrer Mutter herausgeputzt und mit Parfum bespritzt, sie macht auch schnell Karriere, bzw. lernt sie in der Oper eines Tages einen blaßen Edy kennen, mit sozialdemokratischen Aufstiegseltern, die in der Habsburgergasse wohnen, sie heiraten, sie beginnt ebenfalls Jus zu studieren und prüft den Edy, der eigentlich nur komponieren will, unerbittlich ab, hat er nicht genug gelernt, darf er nicht zu ihr ins Bett. Ein Kind hat sie von ihm aber schon bekommen und als sie schon in der Bankwelt aufgestiegen ist, lernt sie den Niki Schestak kennen, das ist ein in Konkurs gehender Verleger, denn mit schönen Romanen und Lyrikbändchen, die man um der Kunst willen verlegt, verdient man nichts, er trifft sich eine Weile mit Frau Stern, auch ein Hinweis auf die Jetztzeit ist der Name, denn Stern hat die kleine Gisi schon im Kindergarten geheißen, bis sie ihn fallen läßt und er in die Donau geht, das morbide Wien läßt grüßen, das war in den Fünfzigerjahren aber auch schon früher so und, daß sich Bankdirektoren umbringen, passiert auch immer wieder.
Die Frau Stern, die statt im Kostüm mit einem Abendkleid zu Nikis Empfängen rauschte, lernt dann doch den Herrn Minister kennen, der auch ein „Buberl“ hat und sie hat eine Herrenrunde, er lächelt über sie, sie ist ihm verfallen, ihr Mann ätzt und geht aufs Klo kotzen und der Herr Minister läßt die Frau Doktor eines Tages rufen und bittet sie, um eine Gefälligkeit, aber alles ganz korrekt!
Das führt ins Bet und zu einer gerichtlichen Einvernahme, Frau Doktor wird freigestellt, verbringt ihre Zeit dann bei Anwälten, am Ende ist sie die Villa am Wilhelminenberg, die inzwischen angeschafft wurde, los. Edy läßt sich scheiden, die inzwischen achtzehnjährige Sophie kotzt sich an und zieht zum Vater und am Ende fährt die arbeitslose Gisi mit der Straßenbahn herum, geht im Wienerwald spazieren, einkaufen, mit einer Popcorntüte ins Kino und erträumt sich ein Wien, wo alles wieder verbunden und im schönem Einklang an.
Wie geschrieben, Rosei deutet nur an und wenn wir glauben, ein Zipfelchen an Klarheit erwischt zu haben, macht er eine Wende und es ist alles anders und natürlich ist es, wie beschrieben, lesen wir ja Zeitungen und hören Radio und da von den neuesten Korruptionsskandalen, von der Finanzlage und den Spekulationen in Salzburg, von den Untersuchungsausschüßen, etc, die wahrscheinlich noch nicht entdeckt waren, als Rosei an dem Buch schrieb und ich finde es sehr spannend und bin sehr neugierig, wie es mit Peter Roseis Romanen weitergehen wird.

2013-02-24

Von den IG-Autoren zum anderen Buch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:33

Torsten Low

Torsten Low


20130224-202554

Am Wochenende wieder Generalversammlung bei den IG-Autoren, was am Samstag ein möglichst frühes Austehen, um in der Badewanne noch Peter Roseis „Madame Stern“ fertigzulesen und zu besprechen und dann ein Stapfen durch den Schnee bedeutete.
Irre ich mich oder wird der Schnee in Wien nicht mehr von den Gehsteigen weggeräumt, zumindest kann ich mich nicht erinnern, daß man sich früher an den Kreuzungen durchkämpfen mußte und nur eine ganz kleine Spur fürs Gehen hatte?
Der „Wortschatz“, die Evi berichtete darüber, ist nicht sehr gut isoliert, so daß es Schnee auf den Regalen gab, zum Glück gab es aber nicht sehr viele Bücher drinnen und im Literaturhaus gab es gleich ein Frühstück, das heißt Kaffee und Kuchen, Apfel- Topfenstrudel und auch was mit Nuß und Gespräche mit den Kollegen, von denen man einige nur bei der Generalversammlung sieht.
Zwei Dialektautoren von gestern waren da, mit Sepp Graßmugg habe ich mich unterhalten, er erzählte mir, daß er im Vorstand der Literaturzeitschrift „Reibeisen“ sei und im April in die Gesellschaft für Literatur kommt.
Gut, zu wissen, Christl Greller, die mich zu einer Veranstaltung einladen will, hat noch immer keinen Ort dafür gefunden, sondern ein paar Absagen bekommen.

Norbert Holoubeks

Norbert Holoubeks


Bettina Ferbus

Bettina Ferbus

Die Anträge, die an den zwei Tagen zu erledigen sind, lagen auf einem langen Tisch auf, die Autorensolidarität, der Verlagskatalog und ein „Weißbuch zur Bedeutung des geistigen Eigentumes für Österreichs Kulturschaffende“ lag auf und das war dann gleich das große Thema, als Gerhard Ruiss die Sitzung eröffnete und die Versammlung für beschlußfähig erklärte.
Renate Welsh, die Präsidentin, eine bekannte Kinderbuchautorin, saß vor mir und lächelte mir lieb zu. Und als die Geschäftsführung entlastet wurde und der Rechnungsbericht und die Anwesenheitsliste herum gegangen ist, waren wir auch gleich beim großen Thmema, das in der letzten Woche die Gemüter erregte.
Eigentlich gab es da zwei, der Pferdefleischskandal für eine Autorenversammlung vielleicht nicht so interessant und das ARD-Video, das die schlechten Arbeitsbedingungen die Amazon für seine Leiharbeiter hat und Gerhard Ruiss der wieder von den Einsparungen des Ministeriums und den Leistungen, die die IG-Autoren auf den Messen und für seine Mitglieder hat, berichtete, war wieder beim Urheberrecht, präsentierte das „Weißbuch“ und sagte, daß sich die Lage verglichen zum letzten Jahr, leicht verbessert hat, zitierte Julia Schramm, die ihr Buch ja vom Netz nehmen ließ, obwohl sie vorher der Meinung war, daß es geistiges Eigentum nicht gibt und es gab auch die entsprechenden Anträge zu behandeln.

Manuel Dragan

Manuel Dragan


Nina Horvath

Nina Horvath

„An der Festplattenabgabe“ führt kein Weg vorbei, lautete der erste und da war im Oktober auch eine Demonstration, Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der IG Autoren berichtete von den Widerständen die die Wirtschaft- die Arbeiterkammer und der Gerätehandel, die diese ja eigentlich schon einhebt, aber nicht weitergibt, macht und ich kann von den Empörungen berichten, die ich im Netz gefunden habe, als jemand sein Konto bei Amazon schließen wollte, dabei aber seine E-Books verloren hat.
Die Tatsache, daß man bei Amazon seine selbstgemachten Bücher ganz leicht und problemlos einstellen kann und dafür siebzig Prozent bekommt, würde ich ja als positiv betrachten, aber das ist vielleicht ein Sonderfall und den IG-Autoren nicht so bekannt, obwohl bei der letzten GAV-GV darüber berichtet wurde.
Es gab dann noch einen anderen Antrag, die, die „Buy local Kampagne des Hauptverbandes“ unterstützte, aber auch auf die heimische Autorenschaft und die heimischen Verlage hinweist.
„Buy local“ ist in diesem Fall zwar nicht der richtige Ausdruck, denn wo kann man so kaufen? Natürlich in Amerika und „Shades of Grey“ vielleicht oder bei Amazon, aber das will man ja verhindern, hat sich aber offenbar so eingebürgert und man sieht die amerikanische Sprache ist sehr mächtig und „Kauf lokal!“ klingt anscheinend nicht so gut.

Manuela P. Forst

Manuela P. Forst


Eva Jancak

Eva Jancak

Dann kam die Mittagspause mit dem berühmten Würstelbuffet, Frankfurter oder Debreziner, ich hoffe es war kein Pferdefleisch darin, aber das ist mir eigentlich egal und gilt in Wien immer noch als Spezialität und es gibt auch die berühmten Peppi-Hacker mit dem Pferdeleberkäs.
Ich habe mich mit Renate Welsh unterhalten, ihr meine Bücher gezeigt, Ludwig Laher zugelächelt und bin dann rasch auf einen kurzen Spaziergang auf die Westbahnstraße gegangen und habe da offenbar einen günstigen Zeitpunkt erwischt, hat da doch gerade jemand Milena Michiko Flasars „Okaasan – Meine unbekante Mutter“ hineingelegt. Glück muß der Mensch haben, habe ich gerade bei „Lesewelle“, die einen ähnlichen SUB, wie ich haben dürfte, kommentiert.
Am Nachmittag ging es dann mit den Anträgen weiter, die Zentralmatura war das Thema, wo ja die Literatur, wenn man nicht aufpasst, wegfallen könnte oder der Schüler bekommt zwei Seiten aus Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ in die Hand und soll Pflegehelferinnen erklären, warum sie das Buch lesen sollen?
So kann Literatur nicht gemacht werden oder vielleicht doch? Ludwig Laher berichtete jedenfalls von seinen Erfolgen bzw. Mißerfolgen und beim Abschlußbuffet unterhielt ich mich mit O.P. Zier, den ich ja vor kurzem in der Hauptbücherei getroffen habe, mit El AWadalla, die von ihren Texten erzählte, mit denen sie fast gekündigt worden war und Ruth Aspöck ist von ihren Schiurlaub noch mit den Schi und den Bergschuhen auch noch schnell hereingekommen um ein bißchen mitzustimmen. Und Jörg Waldhauser, ein Kollege aus Tirol, den ich auch nur alle Jahre einmal sehe, hat von einer Lesung in einer Buchhandlug, einem Brief an Bischof Kapellari erzählt und ein Heftchen mit den fünfundzwanzig Gedichten, die er dort gelesen hat ausgeteilt.

Nicole Kovanda

Nicole Kovanda


20130224-203141

Am Sonntag gings mit drei kleineren Anträgen weiter, die Gerhard Ruiss noch ausgearbeitet hat, der am Schluß der Versammlung erklärte, was ich schon vom Alfred wußte, daß er von Monochrom den Wolfgang Lorenz Internetverhinderungspreis für das „Weißbuch-Kunst hat Recht“ bekommen hat.
Dann ging es zum vierten Mal im Anschluß zur anderen Buchmesse, dieser Initiate von Margit Kröll, Nicole Engbers, dem Verlag Torsten Low u. a. zum anderen Buch, die mich wieder zum Literatur-Slam eingeladen haben, der diesmal am Yppenplatz neun, in einem leeren Kunstraum stattfand.
Das Programm war ungefähr gleich, zuerst kamen Nicole Engbers und Margit Kröll mit Kindertexten, die meist aus der Anthologie stammten, Margit Krölls Text, der von einer achtzigjährigen Oma handelte, die zwar noch Rad fährt und ein Radio will, von ihrer Enkelin aber kein „Händy“ geschenkt haben will und auch mit einem „Ei-Fon“ nichts anfangen kann, war köstlich. Mathias Meyer-Langenhoff, ein Lehrer aus Niedersachsen war für mich dagegen eine Neuentdeckung. Er las zweimal und zwar aus seinem Buch „Hagemanns Welt“, wo es um einen erfolglosen Schriftsteller mit drei pubertierenden Töchter geht, mit denen er auf Urlaub fährt, Geburtstag feiert, auf einen Schulball muß, etc.
Dann lasen die Vorjahrs Slam Sieger Norbert Holoubek und Daniel Ogris in verteilten Rollen aus Norbert Holoubeks „Lilo Lustig“, einen Text aus der Anthologie „Die vier auf der Brücke“ und, ich glaube, auch noch was anderes.

Paul Fülöp

Paul Fülöp


Mathias Meyer-Langenhoff

Mathias Meyer-Langenhoff

Margit Kröll zauberte wieder ein bißchen, obwohl es diesmal außer Thorsten Lows kleiner Tochter keine Kinder gab, dann kam der Slam fünf Frauen und ein Mann, ein Schauspieler, der natürlich wieder gewonnen hat, was mich ein bißchen nachdenklich macht, ob es dann noch Sinn macht, bei einem Slam überhaupt zu lesen, wenn immer nur die Schauspieler gewinnen, während Fantasyprofis wie Nina Horvath und Bettina Ferbus und auch ich, offenbar keine Chance haben?
Es gab diesmal aber auch zwei neue Lesende, eine Schreibtrainerin mit einem Krimigedicht, das ich sehr originell gefunden habe und auch Nina Horvaths Geschichte über eine Dichterin, die ihre Seele, um einen Euro dem Teufel verkauft, damit er ihr Buch verlegt, fand ich durchaus preiswürdig.
Der Preisträger hatte Tiergedichte, wo der Reim meiner Meinung nach, manchmal nicht stimmte, ich hab ein Stück aus „Kerstins Achterln“ gelesen. Norbert Holoubek interviewte die Lesenden vorher ein bißchen und sprach mich auf den Kinderbuchpreis von 1982, lang lang ists her, an.
Am Ende gab Torsten Low den Preisträger bekannt und verteilte an die anderen wieder ein Kuvert mit einem Text aus der Anthologie, während der Preisträger die Anthologie bekam und das nächste Mal länger lesen darf.
Dann folgte Paul Fülöp aus Tirol, den ich auch bei der IG getroffen habe, mit seinen sehr lyrischen Texten über Gott, die Welt und die Liebe, die er excellent vortrug.
Die Verlagspräsentation von Torsten Low war diesmal in das Konzert der Georg Danzer Cover Band „Die feinen Leute“ integriert und es war sehr spannend die Wienerlieder gepaart mit der Fantasyliteratur zu hören.
Und hier gehts zum Lesungsausschnitt bzw zum Archiv 2009, 2010 2011

2013-02-23

Die Wolkenbraut

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:50

Jetzt kommt wieder etwas Aktuelles, nämlich die gerade bei Haymon erschienene Biografie das Leben der Philippine Welser „Die Wolkenbraut“ von Jeannine Meighörner, die eigentlich etwas ganz Altes ist, wurde die Augsburger Kaufmannstochter doch 1527 geboren und es gibt auch schon einige Biografien über sie.
Das Buch der 1963 in Deutschland geborenen und in Innsbruck lebenden Jeannine Meighörner ist aber ein historischer Roman und er wendet einige Kunstgriffe an, um das Leben der Kaufmannstochter, die 1557 den Kaisersohn. Erzherzog Ferdinand II, Landesfürst von Tirol heimlich heriatete, mit ihm vier Kinder hatte, die von der Erbfolge ausgeschlossen wurden, in Schoß Ambrass lebte und sich sehr für die Heilkunst interessierte, Heilkräuter sammelte und ein Arzneibuch, sowie ein Kochbuch geschreiben hat, zu erzählen. Beziehungsweise läßt sie dies den Hofzwerg Thomele tut, den es, wie ich dem Nachwort entnehme, tatsächlich gegeben hat und der, in Prag geboren, der seine Herrin überlebte, tut dies in einer Rückblende und mit einer sehr deftig starken Sprache, wie sie wahrscheinlich den Hofzwergen eigen war, bzw. Jeannine Meighörner sich für ihn ausdachte.
So nennt er Philippine nur „Die Frau mit den schönen Nasenlöchern“, zitiert auch öfter den Ausspruch seiner Mutter „Wer alle Tage Kuchen ißt, Pasteten und Kapaunen, der weiß nicht mehr wann Sonntag ist und kennt nur schlechte Launen!“, die selber wohl nur Brot und Kartoffeln gegessen hat und den kleingebliebenen Sohn, Jeannine Meighörner meint, daß er vermutlich am Seckel-Syndrom, einer sehr seltenen Erbkrankheit von starken Kleinwuchs gelitten hat, für ein bißchen Geld an den Erzherzog in Prag verkaufte.
Dort mußte er sich dann den Damen auf den Schoß setzen, aus Kuchen und Pasteten springen und erzählt so in seiner deftigen Außenseiter oder Leibeigenensprache, Proletensprache ist wohl nicht der richtige Ausdruck, das Leben der ungewöhnlichen Kaufmannnstochter.
Er tut das in farbigen Bildern und Kapiteln, die eine Jahreszahl und einen Titel, wie „Die Frau mit den schönen Nasenlöchern“ oder „Ein Zwerg wird nicht länger wenn man daran zieht“ die die einzelnen Lebensabschnitte erzählen. Philippine Welser kommt zwischendurch, wenn auch viel kürzer, auch selber immer wieder ans Wort und so hanteln wir uns durch das Leben der Philippine Welser und erfahren viel mehr davon, als das was man bei Wikipedia oder wahrscheinlich auch in den schon vorhandenen Biografien nachlesen kann, denn, „Jede gute Geschichte verdient es ausgeschmückt werden“, ist das Zitat von J. R. R. Tolkien, dem Buch als Motto vorangestellt ist und so haben wir einen sehr farbenprächtigen Eindruck vom Leben in Prag und Tirol des sechzehnten Jahrhunderts bekommen.
Die Fleischeslust und der Reichtum der Fürsten wird dabei von Thomele sehr direkt beschrieben, Philippine Hexe, Hure, Maitresse und Beischläferin genannt und wir haben auch ein wenig Geschichte gelernt.
Ein interessantes Buch, das wohl an mir vorbeigegangen wäre, hätte es mir Haymon nicht als Vorab E-Book geschickt, so daß ich mich wieder einmal im elektronischen Lesen üben konnte und zwei Tage nicht in der Badewanne war und Jeannine Meighörner entnehme ich ihrer Biografie hat schon einige solche geschrieben, so zum Beispiel die von Deutschlands erster Bestsellerautorin Sophie von La Roche und die der Anna Hofer.

Bei den Dialektautoren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Am Freitagmorgen kam ein Mail von El Awadalla mit einer Einladung zu Lesung und Umtrunk zu „25 Jahre österreichische DialektautorInnen“, was ganz passend war, da ich vor kurzem beklagte, daß es am Freitag kaum noch literarische Veranstaltung gäbe und ich mich auch den ganzen Tag sehr intensiv mit einer Schweizer Bloggerin über Lyrik austauschte.
„Manche mögens ätzend, langweilig oder gar altmodisch finden…“, in Wien gibt es eine ganze Reihe von regelmäßigen Lyrikveranstaltungen, sowohl experimenteller als auch konventionellerer Natur, die Lyrik im März von GAV und Podium initiiert naht, die Alte Schmiede hat die DichtFeste und die Gedichtekonferenzen zu denen ich mehr oder weniger regelmäßig gehe und dann gibt es auch die DialektautorInnen mit ihrer Präsidentin El Awadalla, die ich vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, die im Tschocherl in der Wormsergasse Poetry Slams veranstaltet und in Gumpendorf Dialektumgänge macht, etc.
An eine Veranstaltung im Literaturhaus kann ich mich erinnern, da lernte ich, glaube ich, den Tschif Windisch kennen und auch das Tischtuch auf das sich die Interpreten signieren und da erfuhr ich auch, daß es einen Unterschied zwischen Dialekt und Mundart gibt, muß ich doch gestehen, daß für mich vorher beides dasselbe war.
Bei der vorletzten KritLit an der Donau war ich bei einem Dialektworkhop der El Awadalla, wo wir allerdings nicht über die Diskussion hinausgekommen sind und im Tschocherl war ich auch schon einmal und zwar, lang ists her, ich glaube, 2005 an dem Tag an dem El Awadalla die Million in der Millionenshow gewonnen hat, bzw. die Sendung ausgestrahlt wurde.
Jetzt also wieder Dialektautoren, ich schreibe ja weder Gedichte, noch Dialekt und die Aussendung war auch ein bißchen geheimnisvoll „es wird also hauptsächlich im dialekt gelesen – wer und was – das gibts erst an ort und stelle“.
Es war diesmal auch leerer in dem Lokal in der Wurmsergasse, in das ich, weil man erst anläuten und dann drücken mußte, fast nicht hineingekommen wäre.
El Awadalla und Tschif Windisch, der ja voriges Jahr den Poetry Slam in St. Pölten gewonnen hat, habe ich gekannt, die anderen Autoren nicht, sind ja zu der Generalversammlung der IG Autoren einige aus Tirol bzw. der Steiermark angereist.
Das Tischtuch mit den Unterschriften lag schon am Lesetisch, El Awadalla ärgerte sich in ihrer Ankündigung, daß nicht alle der erwarteten Vorstandsmitglieder gekommen wären, aber wie heißt es so schön, wer nicht da ist, ist selber schuld, wenn er was versäumt und ich habe ja auch schon einmal an einem fast leeren Ort nur vor dem Fotografen und dem Veranstalter gelesen, so schlimm wars diesmal nicht und es begann Güni Lerch in Tiroler Dialekt mit Andreas Hofer, über das „Krebselen und Schrimpselen der Garnelen und anderen Meerestieren von den Frauen mit den Burkas bei denen man nur die schönen Augen sieht.
Sepp Graßmugg vom Europa Literatur Kreis Kapfenberg folgte mit Gedichten vom Wiener Schnitzel und anderen Speisekartenerlebnissen, dann kam Tschif Windisch, der ein Gösser Bier Emblem auf seinem Pullover angenäht hatte, mit Texten zum Krieg, du kriegst mich nicht, da sitz ich da ohne ex und gehe nicht hin, zu Weihnachten, zu Sivester und zu Ostern ebefalls nicht.
El Awadalla hatte einen Nicht-Dialekttext zum „Schmetterlingsmann“, der seinen Frauen Blumennamen gibt und sich solche von Schmetterlingen wünschte und El Awadalla ist dazu viel mehr als der Zitronenfalter und das Pfauenauge eigefallen, es passte aber trotzdem nicht, als der Liebste anrief und von seinen Schmetterlingen im Bauch erzählte.
In der zweiten Runde gab es außer dem Tirolertexten, einer Ansprache eines Bürgermeisters von Sepp Graßmugg zur Gründung eines Autofriedhofs in dem die Autos in Skulpturen dargestellt werden sollen, um die Wirtschaft zu beleben, noch El Awadallas AKH Dialoge, Beobachtungen am frühen Morgen im Foyer beim Aschenbecher, wenn die Schwestern aus dem Dienst nach Hause gehen und über ihre Nachtdienste schimpfen bzw. die burgendländischen Arbeiter ihren Aufträgen nachtelefonieren und beschließen auf jeden Fall eine Rechnung zu stellen.
Eine interessante Veranstaltung, ein bißchen rauchig war es auch, was ich in Zeiten der Nichtraucherzonen gar nicht mehr gewohnt war.

2013-02-22

Wolken drohen über Wien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:58

Weiter geht es mit den Schmankerln bzw. den in den Neunzehnvierzigerjahren erschienenen Büchern aus den Schränken. Diesmal sind es Otto Friedlaenders „Lebens- und Sittenbilder aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg“, 1949 im Ring-Verlag, Wien erschienen und Otto Friedlaender ist, entnehme ich Wikipedia, ein 1889 in Wien geborener und 1963 in Waidhofen an der Thaya gestorbener österreichischer Schriftsteller und Pazifist, der das Schotengymnasium besuchte, Rechtswissenschaften studierte, Beamter war und drei Bücher herausgegeben hat.
Den „Maturajahrgang 1917“, 1963, „Letzter Glanz der Märchenstadt – Wien um 1900“, 1948 und „Wolken drohen über Wien“ 1949.
Das im Wortschatz gefundene Buch ist „Dem Andenken meiner Mutter Ottilie Friedlaender deren Geist und Wesen aus mir spricht“ gewidmet und ein Vorwort, mit März 1949 datiert, gibt es auch, in dem der Verfasser, erklärt, „daß auch dieses Buch, wie sein Vorgänger in den Jahren geschrieben wurde, wo Österreich nicht Österreich heißen durfte“ und „daß in ihm ohne feste Form oder verbindende Handlung lose aneinandergereihte Essays, Erzählungen und Schilderungen ein Beitrag zur menschlichen Tragödie vom Anfang unseres Jahrhunderts sein sollen, die wie im ersten Buch – nur subjektive Wahrnehmungen in Anspruch nehmen.“
Dann geht es los mit den elf Texten, die uns in das Wien um Neunzehnhundert zurückführen und 1948 das erzählen, was damals dort gewesen ist.
„Ein böser Geist geht durch die Welt“, heißt der erste Essay, der meint, daß sich der Wiener nicht um die Politik kümmern würde und dann von 1903 erzählt wo der „Serbenkönig Alexander Obrenovic und seine Gattin Dragica Maschin dahingemetzelt wurden“, was der Ausgangspunkt für die Beschreibung Wiens vor dem ersten Weltkrieg ist, wo der alte Kaiser mit seiner Familie regierte, der Thronfolger noch nicht ermordet, aber sehr gehaßt wurde, der Prager Jude Karl Kraus mit seiner roten Fackel den Beamten die Grammatik und die Rechtschreibung beibringen wollte und Wien die Brutstädte des Antisemitismus war, wo der Wiener die Juden haßte, weil sie die besseren Schauspieler, Ärzte, Rechtsanwälte etc hervorbrachten und der Bürgermeister Lueger die Juden vertreiben wollte, während Victor Adler für den Sozialismus war und die Jungen waren gegen die Väter und die Bürger haben ihre Frauen unterdrückt und das schmucklose Looshaus am Michaelaplatz und den Klimt, etc, haben sie auch gehaßt.
In den „Gesprächen“ wird das Sittenbild einer längst verklungenen Stadt, 1948 gab es all das ja nicht mehr, denn zwei Kriegen haben die Weltordnung gehörig durcheinander gebracht, noch viel deutlicher, kommen da ja die zu Wort, die an keinen Krieg glauben, obwohl der ja eigentlich sehr schön wäre und an das Automobil und an den Frauensport glauben sie ebenfalls nicht und, daß die Frauen ihre Mieder ablegen und sich emanzipieren wollen? Wo kämmat man da hin und Wien war einmal schön, als es noch das Glacis und die Stadtmauer gab.
„In Häuser und Wohnungen“ geht es in diesem Stil, im Kampf der Alten gegen die Jungen weiter, da wird von den Bürgerwohnungen geschrieben, die einen Salon und ein Speisezimmer haben mußten mit roten Plüsch und vielen falschen Zierrat an den dunklen Wänden, die die verängstigten Dienstmädchen dann jeden Morgen abstauben mußten, während sich die Familien in den restlichen Zimmern zusammendrängten und das Bad, sofern es eines gab, nur als Abstellplatz für das Fahrrad benutzt wurde, während die Jungen ihr Badezimmer und ihr Schlafzimmer und auch die hellen Wände und den englischen Landhausstil haben wollten.
Die nächste Geschichte heißt „Ominöse Herbstage“ und da geht es im November 1897 gleich hinein in so ein bürgerliches Speisezimmer.
„Sollen wir den Walter heute ausgehen lassen?“, fragt die Frau Mama den Herrn Papa beim Mittagessen, wo wir schon von den vorherigen Texten wissen, daß die Frauen dort nichts zu reden hatten und die Meinungen ihrer Gatten immer schön nachplapperten.
„Warum nicht?“, fragt dieser.
„Es ist doch ganz gutes Wetter?“
Ja, natürlich aber auch eine Demonstration auf der Ringstraße, denn da sollte so ein Gesetz beschlossen werden, das Tschechisch zur Amtssprache machen sollte, was natürlich nicht geht und zur „Revolution“ führen könnte, obwohl die tschechische Anna, die den Grießschmarrn serviert, der Liebling der Familie ist.
Was die denkt, erfahren wir nicht, der Papa geht aber ins Kaffeehaus und der kleine Walter mit dem Fräulein in den Volksgarten. Dort stehen schon die Gaffer vor dem Gitter, um auf die Demonstranten daußen, wie auf die Affen im Käfig zu schauen, der Wachter will sie vertreiben, es reitet auch die Polizei hinein und dem Fräulein, das aus guter Familie und auch aus dem tschechischen Leitmeritz kommt, hilft ein Herr auf das Gitter, was sie erröten läßt. Politiker Badeni von dem der Vorschlag kommt, demissioniert und am Sonntag kommen der Großpapa und der Schwager Kary zum Mittagessen und da wird natürlich darüber diskutieren. Denn nein, das geht doch nicht, daß die Kinder in der Schule, Friedlaender scheint darunter nur Knaben zu verstehen, Tschechisch statt Griechisch lernen, obwohl der zwangspensionierte Großpapa meinte, der selbst Deutsch, Kroatisch und Italienisch spricht, daß es beim Militär nicht darauf ankäme, woher einer kommt, sondern nur ob er ein guter Soldat wäre! Dann gehen alle zum Kaffee in den Salon, der Rittmeister, der leider nicht studieren konnte, weil nur das Geld für den älteren Bruder vorhanden war, küßt dem Fräulein aus Trotz die Hand, die Gnädige erbleicht darüber, der Großvater schläft bei seiner Zigarre ein und der kleine Walter kann nachts nicht schlafen, weil er über alles nachdenken muß, bzw. das Fräulein, das mit ihm im Zimmer schläft noch bei einer Näharbeit sitzt.
Dann gehts zur „Erziehung“ und da erfahren wir, daß in Wien um Neunzehnhundert die Bürger ihre Söhne, Friedlaender schreibt Kinder, alle auf Gymnasium bzw. Mittelschule schickten, damit sie später Beamte werden konnten, denn in Wien war und ist die „Überschätzung der akademischen Berufe“ ja sehr groß. In Wahrheit zählten aber nur das „Schottengymnasium“, das „Theresianum“ und die „Jesuitenschulen“, denn das sind die Ministerschmieden und die Kinder, die es dort nicht schaffen, werden manchmal vor Verzweiflung in den Selbstmord getrieben, während die Professoren nur gemütlich zu den Mamas sagen „Schauns, gnädige Frau, wenn er bei uns nicht mitkommt, dann geben S`ihn halt in ein anderes Gymnasium – es kann ja einer auch ein ganz anständiger Mensch werden, wenn er nicht bei den Schotten maturiert hat!“
Dann wird noch ein bißchen über den Karl May nachgedacht und über die Sittlichkeit und Friedlaender mokiert sich wieder über die Generationenfrage und darüber, daß die Bürger stolz darauf waren ihren Söhnen kein Taschengeld zu geben, denn sie haben zu Hause ja alles und sich dann darüber wunderten, daß die Schulden machten oder sich vielleicht sogar von ihren älteren Geliebten aushalten ließen. Daß sie auch Nachhilfestunden geben hätten können, habe ich nicht gelesen, aber vielleicht war das um Neunzehnhundert in den feineren Familien verpönt.
Dann gehts wieder zu dem kleinen Walter, bzw. zu seiner „Mademoiselle“, weil die Bürgerkinder ja Französisch und nicht am Ende Tschechisch lernen mußten und so nahm die Mama ein solches Fräulein namens Jeanne in das Hofzimmer auf, das zwar schon am Antrittstag zu spät kam, dafür aber den ganzen Tag lachte, parlierte und den Herren, dem Papa, dem Hauslehrer und dem Hausmeister die Augen verdrehte, dem kleinen Walter von den l` hommes erzählte und sich im Belvedere mit einem Herrn Langbein traf.
Das nächste Kapitel ist der Wiener Universität mit ihren Couleurs- nationalen- sozialistischen und auch jüdischen Studenten gewidmet, Frauen scheint es dort ebenfalls noch keine gegeben zu haben und dann gehts an die Karriere des Dr. Rosenkranz, einem begnadeten Verwaltungsjuristen, die ausnahmsweise bis hinauf zum Anschluß geht. Die Verwaltung soll er reformieren, wechselt dabei mehrere Minister und endet in Amerika als Gastprofessor, während seine Schwester eine begnadete Köchin ihn mit einem kleinen Restaurant erhält, während sich die Mama, die sich sein Studium vom Munde absparte, am Zentralfriedhof von Fliegerbomben in ihrer Ruhe gestört wird.
Dann gehts in „Die Politik“ und da skizziert Friedlaender noch einmal das Wien um Neunzehnhundert, mit seiner Monarchie, dem Victor Adler, dem Bürgermeister Lueger, den Georg Schönerer, dem Kahtholizismus, dem deutschen Reich drüben und den friedliebenden Wienern, die keinen Krieg und nur ihre Ruhe haben wollen.
Ins Ausland geht es natürlich auch und dorthin fährt der neunzehnjährige Walter, der von der Mademoiselle vielleicht doch nicht genug Französisch gelernt hat, nach Frankreich, um dort zu studieren, wundert sich über die alten Züge, wird angeschnauzt und bekommt von allen erklärt, daß Österreich doch so weit weg ist. Stimmt nicht, mit dem Zug nur vierundzwanzig Stunden, mit den Arbeitern trinkt er Wein im Abteil, weil man das in Frankreich muß, der Handlungsreiseisende schwärmt vom „Jean Stroß“ und der Dekan der Universität hat die Vorstellung, daß in Wien alle jodeln.
„Kommen Sie einmal am Freitag abend zu uns und jodeln Sie meiner Frau was vor!.
Er hält dann auch einen Vortrag über „Österreich als nationales und soziales Problem“ und wundert sich über die vielen slawischen Studenten im Publikum.
Dann „erlischt der Glanz“, will heißen, Karl Lueger, Josef Kainz und Gustav Mahler sterben, Schüße fallen in Sarajevo, der erste Weltkrieg kommt, die Monarchie zerfällt, der gute alte Kaiser stirbt, was danach passierte weiß man inzwischen auch, obwohl Wikipedia über dasm wie und wo Otto Friedlaender world war II überlebte und seine Erinnerungen an die Monarchie schrieb, keine Auskunft gibt, bei den antiquarischen Buchangaben steht nur irgendwas von einem „gut geschriebenen spannenden Roman“ und das ist es wohl nicht, obwohl ich Friedlaender in dem kleinen Walter vermute, er auch im Schottengymnasium war und wahrscheinlich heimlich unter der Lampe von den schönen Waden des Fräulein Jeannes in aller Unschuld schwärmte.
Ein Buch das mir, 2013 gelesen, einen starken Eindruck machte, das Zimmer meiner Großmutter in den proleatirischen Jubeläumsbauten in Ottakring, mit den roten Plüschvorhängen und den Bildern des in Stalingrad gefallenen Onkels, schwebt mir vor, obwohl das keine Bürgerwohnung war, die ich bis in die Siebzigerjahre besuchte, aber die Großmutter konnte tschechisch reden, leider hat sie das weder an ihren Sohn noch an ihre Enkeltochter weitergegeben und so kann ich das, was Friedlaender 1949 über die Schule von 1900, das Sprachenlernen und den Kampf der Alten gegen die Jungen schrieb, nur als sehr modern und leider immer noch höchst aktuell empfinden.
Schade, daß es das Buch nicht mehr gibt, weil ich mir das Wien um Neunzehnundert und das, zu dem es wurde und wie es derzeit ist, jetzt noch ein bißchen besser vorstellen kann.

2013-02-21

Erica Fischer in der Wien-Bibliothek

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:09

„Königskinder“, das neue Buch von Erica Fischer wurde am Mittwoch in der Wien-Bibliothek vorgestellt, wieder einmal eines auf dem die Gattungsbezeichnung Roman steht und das, dann, wie die Autorin freimütig erklärte, eigentlich nur ein halber, bzw. Doku-Faction ist.
Sylvia Mattl-Wurm, die Direktorin der Wien-Bibliothek erklärte in ihrer Einleitung, daß man Erica Fischer in Wien eigentlich nicht vorstellen müßte und da die meisten Besucher des die hundert Plätze füllenden Lesesaals, wegen ihr gekommen wären und das stimmt, denn eigentlich ist die 1943 in England geborene Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin, die sich in der Frauenbewegung engagierte und Gründungsmitglied der AUF und des Frauenzimmers war, auch eine alte Bekannte, denn ich bin ein bißchen widersprüchlich und so bringe ich es zusammen die KPÖ zu wählen und trotzdem gegen Abtreibung zu sein, weil ich der Meinung bin, daß das eigentlich nicht mehr nötig ist, weil man in Zeiten von AIDS sowieso Präservative benützen sollte und als ich schwanger war, hat mich dieses Thema offensichtlich auch emotional so sehr bewegt, daß ich eine Gruppe „Linke gegen Abtreibung“ gründete, um mich gegen die „Aktion Leben“ abzugrenzen und habe dabei auch Öffentlichkeitsarbeit gemacht und so kam einmal Erica Fischer in meine damalige Wohnung in die Otto Bauergasse, um ein Interview mit mir zu machen, war sehr freundlich und verständnisvoll, nur nachher konnte ich im „Falter“ etwas von einer schmuddeligen Wohnung in einem Abbruchhaus gelesen, obwohl sie, so weit ich mich erinnern kann, frisch renoviert war und habe das als nicht politisch korrekt empfunden.
Dann kann ich mich noch an ein paar Lesungen erinnern, die ich von ihr besucht habe, einmal das war ungefähr 1987 im Juridicum, bei „Aime und Jaguar“ oder war es die „Liebe der Lena Goldnagel“ bin ich auch einmal gewesen und jetzt wurden die „Königskinder“ vorgestellt, die die Geschichte der Eltern von Erica Fischer ist.
Sylvia Mattl-Wurm erzählte für die, die Erica Fischer doch nicht kannten, daß sie die Tochter von polnisch österreichischen Eltern ist, die 1938 nach England emigrierten und 1948 mit ihr und ihren Bruder nach Wien zurückkehrten. 1988 ist sie wegen der Waldheim Affaire und der Liebe nach Deutschland übersiedelt und lebt derzeit in Berlin.
Viele Bücher hat sie geschrieben und über ihre Eltern, bzw. ihre Großeltern, die im Holocaust umgekommen sind und über ihre Generation in „Himmelstraße“.
Jetzt hat sie wieder dieses Thema davon aufgegriffen und beschreibt in „Königskinder“, die Deportation ihres Vaters nach Australien, da die Engländer 1940 alle feindlichen Ausländer internierte, bzw. einen Teil davon in überfüllten Schiffen nach Canada und Australien schickte.
Ein paar der Schiffe sind dabei untergegangen und der paar der Überlebenden hat sie 1995 interviewt. 1999 hat sich ihr Bruder umgebracht, der viele Briefe des Vaters hinterließ, so daß sie das Thema aufgriff und noch einmal darüber schrieb, sich dabei an historische Fakten hielt, bzw. die Details, die ihr unbekannt waren, fictional erfand. In der Mitte des Buches gibt es aber eine Liste der Namen der Männer, die sich auf dem Schiff befanden, da hat Erica Fischer mit dem Rowohl Verlag gekämpft, der das nicht haben wollte, hat sich aber durchgesetzt.
Sie hat dann eine gute dreiviertel Stunde gelesen, bzw sich durch das Buch erzählt.
Begonnen hat es in einem Park in England, wo die Eltern in der Wiese sitzen und über die mögliche Gefahr der Internierung reden, dann ist es so weit, Erich oder Emmerich wird eingezogen und kommt auf das Schiff, der Mutter, die auch nach Australien kommen kann, wird versprochen, daß sie nachkommen kann, ein Teil der Deportierten, Nazi, Juden, Italiener, glaubt aber, sie kämen nach Canada, im Schiff werden ihnen ihre Wertsachen abgenommen, sie werden mies behandelt und schikaniert, in Australien ist es dann besser, die jüngeren Leute, die jüngsten waren sechzehn, wollten auch bleiben und haben sich zur Armee gemeldet. Erich wollte zurück, die Mutter Irina aber auswandern und hat auch ihre Sachen dafür schon verkauft. Die Australier wollten aber keine Frauen und Kinder haben, so fuhr Erich auf einem Luxusdampfer zurück, wurde wieder interniert und konnte erst ein halbes Jahr später zu seiner Frau kommen, obwohl die schon eine Stelle in einer Fabrik für ihn gefunden hat, danach wurde Erica geboren.
Erica Fischer erzählte weiter, daß ihre Mutter nicht gerne nach Wien zurückgekommen wäre, dort ein Jahr lang mit niemanden gesprochen hat und diese Einstellung auch an ihre Kinder weitergegeben hat. Eine Dame im Publikum wollte wissen, wieso sie, wenn sie Deutschland umgezogen wäre, eine Frage, die sie nicht beantwortet hat, sonst aber viel erzählte und die Diskussion auch bei Brot und Wein im Foyer weiterging.
Ich habe wieder den Herrn getroffen, mit dem ich mich auch, als ich das letzte Mal in der Wien-Bibliothek war, unterhalten habe.
Hilde Schmölzer war da und Karin Jahn und der Sascha hat fotografiert, ich habe Erica Fischer, von dem Herrn animiert, der ihr auch erzählen wollte, daß er einmal in England gelebt hat, auf mein Erlebnis mit ihr angesprochen, sie hat sich aber nicht mehr daran erinnern können.

2013-02-20

Alte Bekannte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:12

Marianne Gruber

Marianne Gruber


Elfriede Haslehner

Elfriede Haslehner

Zwei alte Bekannte in der Gesellschaft und zwei Buchvorstellungen der Edition Roesner in der Gesellschaft für Literatur, die auch eine alte Bekannte ist, ist doch Anita C. Schaubs „FrauenSchreiben“ dort erschienen.
Elfriede Haslehners Sohn hatte seine Kamera aufgebaut, ihr Freund Franz stellte mir ihren anderen Sohn oder Schwiegersohn mit Gattin vor, Anita C. Schaub, Hilde Langthaler, Hilde Schmölzer, die alten Arbeitskreisfrauen bzw. diese aus der Frauenlesegruppe des ersten Wiener Frauentheaters, die Anita Schaub 2002 gründete, waren erschienen und Elfriede Haslehners Haare, die heuer achtzig wird, sind weiß geworden und ihr neues Buch heißt „Krisen, Schatten und Zyklamen – Realistische, utopische und satirische Prosa, der Lyrikerin, die ich, ich glaube, um 1978 im Arbeitskreis schreibender Frauen kennenlernte, wo ich ja meine frauenspezifische Prägung fand, wie Franz Blaha für die „Schreibinteressen“ schrieb.
Lang, lang ists her, damals habe ich noch Psychologie studiert und mich mit meinen ersten Texten abgequält, jetzt geht das Schreiben, wie am Fließband, so daß derzeit etwa drei Bücher im Jahr erscheinen und drei warten derzeit auf das Fertigwerden, was Hilde Schmölzer ein müdes Lächeln entlockte, ist aber so und das ist eigentlich sehr gut.
Marianne Gruber, die mit den beiden Autorinnen aus dem sogenannten Künstlerzimmer kam, in dem die Autoren im Palais Wolzek vor den Lesungen gebeten werden, erzählte davon, daß sie beide aus dem Podium kennen würde und bei Maria Gorniekiewicz, der Journalistin und Fotografin, die lange dafür fotografierte, erst später entdeckte, daß sie auch literarisch schreiben würde, aber wenn ich mich nicht irre, haben wir alle drei einen Text in der frauenspzezifischen Anthologie „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“, gehabt und die ist, glaube ich, 1980 erschienen.
Von da kenne ich jedenfalls sowohl Marianne Gruber als auch Maria Gorniekiewicz, damals ist mir Marianne Gruber als sehr freundlich aufgefallen, die mir gleich eine Menge Adressen in die Hand drückte, wo ich es mit meinen Texten versuchen könnte, jetzt hab ich nur zweimal beim Dichterfasching in der Gesellschaft für Literatur lesen dürfen, denn Selbstgemachtes bzw. Eigenverlag,wie das früher hieß, das geht doch nicht!
Nun gut, die Edition Roesner ist auch nur ein kleiner Verlag, aber einer mit einem ambitionierten Literaturprogramm, wie Marianne Gruber in ihrer Einleitung betonte, die dann auch den Leidensweg aufzählte, die die literarisch ambitionierten Mädels dieses Landes gehen und auf der Strecke zum Olymp noch immer stecken bleiben.

Maria Gorniekiewicz

Maria Gorniekiewicz


Eva Jancak, Elfriede Haslehner

Eva Jancak, Elfriede Haslehner

Obwohl die jungen Frauen, wie beispielsweise Anna Kim, die ihre ersten Schritten in der Schreibwerkstatt des Semier Insayif machte, sehr engagiert sind, dann gibt es noch Nadine Kegele, Cornelia Travnicek, die derzeit auf Lesereise in den USA ist, Anna Weidenholzer, für den Leipziger Buchpreis nominiert, Valerie Fritsch, die zeitgleich in der Alten Schmiede las, Emily Walton, am Mittwoch im Literaturhaus u.u.u., das setze ich jetzt hinzu, die versuchen in diesem Literaturbetrieb so weit wie möglich hinaufzukommen, an dessen Spitze aber immer noch die Männer stehen, Peter Handke, Michael Köhlmeier, Robert Schindel u. u. u und die alten Schriftstellerinnen haben es schwerer als die alten Schriftsteller, ergänzte Marianne Gruber noch, weshalb sie sich über die beiden Lesenden besonders freute, wird Elfriede Haslehner, wie erwähnt ja heuer achtzig und Maria Gornikieweicz ist zehn Jahre jünger.
Das sie Elfriede Haslehner als Lyrikerin kannte, erwähnte Marianne Gruber ebenfalls und das trifft auch auf mich zu und ich habe auch alle ihre Lyrikbände und von den satirischen, utopischen und realistischen Geschichten auch schon die zwei gehört, die sie gelesen hat.
„Die Geisterfahrer“ einmal auf einem Volksstimmefest und die von dem Schnee in dem das kleine blaue Auto mit ihr und Franz stecken blieb, bis sie von einem koptischen Ägypter gerettet wurden, kannte ich ebenfalls schon, ich weiß nur nicht, ob sie sie einmal auf einem meiner Geburtstagsfeste las oder bei einer anderen Gelegenheit und Maria Gornikiewicz kenne ich, wie erwähnt, seit dem Wettbewerb zum frauenspezifischen Kinderbuch und treffe sie derzeit immer auf den Buch-Wiens, wo sie sich wundert, daß ich dort soviel herumlaufe, aber ich bin ja eine unermüdliche Chronistin des Wiener Literaturbetriebs und ihr bei Roesner erschienenes Buch hat den Titel „Die wunderbare Welt der Valerie“, ist kein Roman, wie Marianne Gruber erklärte, sondern Miniaturen aus dem Alltag einer offenbar älteren Frau, die sich über vieles ärgert, über die Staubsaugervertreter und die Zeitungskeiler, die Spendensammler und die Zeitungsaboandreher, die täglich bei ihr anrufen oder an ihrer Türe klingeln, dann über den Schmutz und Lärm, den es in Wien zu entdecken gibt, weil wir ja alle öffentlich leben und soviel Dreck hinterlassen, daß die Wast-Watcher keine Chance dagegen haben und dann noch über den Sport, den wir betreiben, um gesund zu bleiben, die Marathonläufer, die Radfahrer mit ihren Radfahrbrillen und Monturen, die Fitneßstudiobenützer, obwohl sie es so gerne bequem haben und im Gasthaus oder Konditorei ihr Stückchen Torte essen will.
Nacher gabs ein Gläschen Wein, Soletti und Gespräche und ich bin mit dem Alfred da gestanden, habe zugehört, wie Antia C. Schaub und Hilde Schmölzer über Marianne Grubers letztes Buch fachsimpelten, die Frage beantwortet, wie oft ich in der Woche zu Literaturveranstaltungen geh, ungefähr zwei bis dreimal im Durchschnitt und mir Elfriedes Buch schenken lassen und heute von Residenz auch das neue von Peter Rosei „Madame Stern“ bekommen, so daß ich wieder etwas aktueller lesen kann. Das Buch über das Alltagsleben der wunderbaren Valerie würde mich auch sehr interessieren, weil man an ihm, wie in dem anderen ja sehr gut sehen kann, daß auch die älteren Frauen in den kleineren Verlage sehr viel zu schreiben haben.

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