Literaturgefluester

2012-09-30

Das getreue Eheweib

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

Sigrid Undsets, 1938 in Zürich erschienener, 1961 unter dem Titel „Die Liebenden“ wieder aufgelegter, Roman „Das getreue Eheweib“ beginnt langsam und bedächtig.
Im ersten Kapitel des ersten Teils wartet Nathalie auf ihren Mann. Sie ist eine moderne Ehefrau, die in Oslo lebt, berufstätig, seit sechzehn Jahren verheiratet, kinderlos.
Die moderne Wohnung wird beschrieben und der Vorteil, die sie gegenüber den alten, im Jugendstil erichteten Häusern hat.
„Wer weiß, ob nicht in ein paar Jahren dieser moderne Baustil auf einen so wirken würde, wie heute der Jugendstil?“
Nathalie taucht Morcheln in kochendes Wasser, um ein Omlett für ihren Mann Sigurd zu bereiten und überlegt, daß sie schon lange kein Wochenende mehr gemeisam verbrachten. Der kommt auch, um ihr zu sagen, daß er gleich wieder ausgehen wird, um seine Freunde zu treffen und am Morgen wird er mit ihnen einen Ausflug machen, da wird Thali sicher nicht mitfahren wollen. Sie bleibt also allein, liest in einem Buch, bekommt Besuch von ihrer Schwägerin Sonja, die als etwas leichtfertig beschrieben wird und die erzählt, von der jungen Adinda Gaarder, mit der sich Sigurd treffen will und einem Sverre, Nathalis Jugendfreund, der ihr den Hof machen soll.
Im zweiten Kapitel wollen Sigurd und Nathalie einen Wochenendausflug machen, was aber durch den plötzlichen Tod von Nathalies Vater verhindert wird. Sie muß nach Hause, Sigurd wird erst zum Begräbnis nachkommen. Nathalie wird von ihrer Schwester Ragna, die mit dem dritten Kind schwanger ist, abgeholt, es gibt noch einen Bruder und die Schwester Gerda. Der Vater war Redakteur und die Mutter soetwas, wie eine Frauenrechtlerin, die durch die Gegend reiste und Vorträge über Scheidung hielt.
Die aufgeladene Spannung, die sich im ersten Kapitel breitmacht, was ist mit der Beziehung der zwei, wird nun durch theoretische Diskussionen bzw. über Gespräche der Geschwister über Kinderlosigkeit und ihre Beziehung zu geschiedenen Personen, unterbrochen. Es scheint damals eine Schande gewesen zu sein, sich mit einem Geschiedenen einzulassen, so hatte jedenfalls die jüngere Schwester Gerda, die jetzt in London lebt, Schwierigkeit und macht ihrer Mutter Vorwürfe, daß sie ihr Leben verpatzt hat.
Dann geht es weiter mit der Sommerplanung. Sigurd und Nathalie sollen den in einem Ferienhaus verbringen, wo auch die Kinder seines Bruders leben, während Sonja eine Autoreise macht. Das ist etwas beschwerlich, denn sie müßen früh aufstehen, um den Dampfer zu erwischen. Es wird sehr schön beschrieben, wie sich die Kinder beim Schwimmen vergnügen, die Strandpyjamas, die die Sommerfrischler tragen, geben einen plastischen Eindruck, von der skandinavischen Sommerfrische des frühen vorigen Jahrhunderts.
In dem Haus findet Nathalie auch ihre norwegische Tracht, in der sie Sigurd, einen Bauernsohn, jetzt Elektroingenieur geheiratet hat und, wie stolz er war, daß sie als seine Frau, die schwarze Haube trug.
Weil ein Regen war und alle andere Kleider trocknen müßen, zieht Nathalie die Tracht an, als Sigurd und der Schwager kommen, wieder merkt man die Spannung und der Bruder drängt Sigurd es Nathalie zu erzählen. So kommt heraus, es war etwas mit dieser Adinda Gaardner, einem jungen Mädchen, das Sigurd einmal unterstützte, jetzt ist sie schwanger und die Katastrophe beginnt, denn sie will sich das Kind nicht wegmachen lassen, einen geschiedenen Mann zu heiraten ist auch unmöglich, das würde ihr Vater nie erlauben.
Die Ehe der Beiden ist aber zerstört, das heißt von nun ab getrennt, Sigurd kehrt in die Stadt zurück, Natalie bleibt vorerst im Ferienhaus und trifft sich am nächsten Abend in der Stadtwohnung, um mit Sigurd alles zu besprechen, dann verläßt sie ihn, sagt, sie fährt auf die Insel hinaus und trifft sich dazu mit ihrem Jungenfreund Sverre, das ist aber nicht wahr, sie geht in ein Hotel und erfährt, am nächsten Morgen von ihm, daß Sigurd, weiß, daß sie ihn belogen hat.
Sie versucht auch einmal zurückzukommen und ihn zu verführen, erfährt aber von der Reinigungsfrau, er ist verreist, so daß sie wieder ins Hotel zieht und am Schluß kommt nochAdinda Gaardner in das Geschäft, wo Nathalie arbeitet und sagt, daß sie nach Schweden gehen wird.
So weit der erste Teil und 2012 gelesen, wo Scheidungen schon längst selbstverständlich sind, wirkt manches ein wenig unverständlich.
Im zweiten Teil dann Ragnas Kind geboren, während die halbwüchsige Nichte, eine Zigarette raucht, es kommt zu einer nicht sehr glücklichen Liebesnacht mit Sverre und am Schluß erfährt man durch die Zeitung Adinda Gaardner ist im Kindbett gestorben.
Im dritten Teil ist Sverre mit dem es zu einer unglücklichen Verlobung kam gestorben, Nathalie hat den kleinen Sohn einer lungenkranken Kollegin zu sich genommen und triff Sigurd, der die kleine Anne, die inzwischen dreieinhalb Jahre geworden ist, großzieht, auf einer Hundeausstellung wieder. Es kommt nach einigen Gesprächen und Verwicklungen zu einem Happyend. Die Beiden ziehen mit den zwei Kindern wieder zusammen.
Daß es der Nobelpreisträgerin von 1928 ein großes Anliegen war, die Tradition mit dem modernen Leben zu verbinden, habe ich in Wikipedia gelesen. Sie hat den Nobelpreis ja auch für ihre historischen Romane, zu denen zum Beispiel Kristin Lavranstochter gehören, bekommen und der Ton klingt einerseits erstaunlich frisch und modern, dann wird wieder dort, wo wir uns heute eine spannende Handlung und Acton erwarten, sehr viel geredet und gedacht, Erinnerungen und eigentlich unwichtige Szenen mit vielen Details eingeschoben, wofür man heute wahrscheinlich keinen Nobelpreis bekäme.
Sigrid Undset wurde 1882 geboren, ist 1949 in Norwegen gestorben und eigentlich eine sehr vergessene Autorin, deren Romane man eher nur mehr antiquarisch bekommt.

2012-09-29

Works in Progress

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:16

Wie geht es weiter mit den Monsterprojekten der Marathonschreiberin?, werden meine Leser vielleicht fragen. Da haben wir bei den vielen Buchbesprechungen der letzten Tage und den jetzt doch beginnenden Veranstaltungsreigen schon länger nichts mehr gehört. Es geht und ich komme hektisch und auch sehr flüchtend mit Rückwärtsschleifen und eingebauten Fallstricken könnte man meinen, ganz gut voran. Aber schön der Reihe nach, um nicht die Übersicht zu verlieren, was bei vier Projekten und dem Fünften schon im Entwurfsstadium, zugegebenermaßen nicht ganz so einfach ist.
Da ist einmal „Kerstins Achterl“ mit dem ich überraschenderweise begonnen habe, weil der Alfred im Mai nicht da war und ich ohne ihn nicht gut am „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, das eigentlich an die Reihe gekommen wäre, nicht so gut arbeiten hätte können. Im Juni war ich mit dem Rohentwurf fertig und den Sommer über habe ich daran korrigiert. Vor zwei Wochen war ich soweit, daß ich dachte jetzt bin ich fertig, da kann ich am Nachmittag die Fenster putzen und mich um den Text kümmern? Dann habe ich vor dem Mittagessen einen Fehler gefunden und nachher ist es losgegangen, mit einer Reihe Fehlern auf jeder Seite. Habe ich das denn nicht schon genügend oft durchgesehen? Offenbar nicht. Also habe ich mit dem laut Lesen angefangen, da merkt man dann die Wortwiederholungen und auch, wo die Sätze hatschert sind und der Satzaufbau nicht stimmt. Das mache ich jetzt zum dritten Mal und es gibt immer noch einen Fehlerreigen, also Geduld, liebe Eva, vielleicht wirds doch nichts mit dem Nanowrimo im November, aber man soll sich ohnehin Zeitlassen und nicht so hudeln.
Dabei bin ich auf etwas Interessantes daraufgeklommen. Bei der „Wiedergeborenen“ und der „Paula Nebel“ meinen anderen noch unfertigen Projekten, hatte ich ja während des Rohtextschreibens immer die Krise, das ist nicht gut genug, schon wieder nichts geworden, ich kann es nicht, etc.

Paula Nebel

Paula Nebel

Das ist jetzt weg. Der Text gefällt mir und ich finde ihn auch beim laut Lesen gut. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, zum Bachmannlesen wird man mich damit wahrscheinlich nicht einladen, was auch deshalb nicht funktionieren würde, weil ich keinen Verlag mehr suche, sondern es konsequent und etwas selbstbewußter selber mache. Es bleibt eine Eva Jancak, eine eher einfache verständliche Sprache, der Spannungsbogen und die Überhebung ist auch eher realistisch flach, es sind aber einige Szenen drinnen, die mir gefallen. Die von der Hochzeit habe ich ja schon bei der Poet Night gelesen und beim literarischen Geburtstagsfest nehme ich noch die mit der Susa Dworak dazu und oder, falls beides zu lang sein sollte.
Ich bin auch noch auf etwas anderes beim Lesen oder bei den Veranstaltungen draufgekommen, wenn ich das Gehörte, Gelesene mit meinem verglichen habe, so schlecht ist es nicht. Vielleicht ein bißchen anderes und es kann schon sein, daß, das, wie ich mir das Schreiben vorstelle, vielleicht nicht ganz den Kriterien des Literaturbegriffs entspricht, die ja immer höher werden.
Also „Kerstins Achterl“ in Ruhe fertig korrigieren, mal sehen, wie lange ich dazu noch brauchen werde und nicht hudeln.
Einen Text brauche ich noch dazu, da habe ich schon verraten, wen ich vielleicht fragen werde oder ihn auch wieder selber mache und ein Titelbild, das ir wir in Harland machten. Die Idee dazu gab es schon und ist ganz einfach, eine Flasche Rotwein und ein Glas dazu, das man vielleicht auch umwerfen kann, mit ein paar Tropfen auf den Tisch.
Um nicht ganz chronologisch vorzugehen, das nächste Projekt ist die „Wiedergeborene“, die ja kurz vor Jahreswechsel die erste Krise in mir auslöste. Weil ich mit den vierzig Seiten, die ich da hatte, nicht weitergekommen bin und ich nicht wußte, ob ich nicht doch zum Recherchieren nach Prag fahren müßte? Ich habs nicht getan und weitergeschrieben. Korrigiert, danach im März mit der „Paula Nebel“, die ein Kurzprojekt geworden ist, weitergemacht und im Sommer war der Alfred mit dem Manuskript so weit, daß wir die Vorschau vor dem Urlaub noch in den Blog stellen konnten. Dann habe ich das Manuskript noch solange durchgesehen, bis es an die Druckerei gehen konnte. Ein paar Durchläufe waren dazu nötig, am Montag ist das Dummie gekommen, wieder zwei Fehler gefunden, einen hatte ich, glaube ich, schon angestrichen gehabt und dann doch wieder übersehen. Gerade vorhin ist das Mail gekommen, am Freitag sind die Bücher versandfertig und am Montag wahrscheinlich zugestellt. So daß ich es hier bald präsentieren kann und rechnen muß, das wieviele sogenannte Indie-Buch das jetzt ist. Da tue ich mir ja inzwischen schwer.

Fünf gibts vom Digi-Melzer, zwölf habe ich mir vom Novum drucken lassen und vom Digitaldruck.at ist es jetzt das neunte, also sechsundzwanzig, dazu kommen dann noch die „Hierarchien“, die beiden Stotterer Bücher und die drei noch nicht erschienenen Projekte.
Kommen wir zu der „Paula Nebel“, dem Monsterprojekt, das dann eine eher kürzere Erzählung geworden ist, was mich um Ostern auch in die Krise stürzte, aber den Vorteil hat, daß der Alfred sehr schnell mit der Buchumsetzung fertig war. So daß es jetzt schon für mich am Schreibtisch liegt und ich es demnächst durchgehen werde. Den Text gibt es schon, den habe ich im Mai geschrieben, das Bild war wieder etwas schwierig, was nehmen wir für das Cover? Schon wieder eine alte Frau? Da gibt es ja schon einiges. Jetzt werde ich wahrscheinlich doch das Bild von Alfreds Oma im kaputten Bilderrahmen auf das kleine weiße Kästchen in Harland stellen, wo es die Kastanien, die Trockenfrüchte und die Trockensträußchen gibt.

Kerstins Achterl

Kerstins Achterl

Flott, flott, ich tue mir ja immer ein bißchen schwer, wenn ich jemanden davon erzähle, wie schnell ich bin, nenne es selber vorauseilend manisch und habe den Gedanken, du bist zu schnell, da kann es doch nichts sein, im Kopf und imaginiere, daß den auch die anderen haben.
Stop, halt, nichts davon! Am Montag bin ich mit Friedrich Hahn in der Alten Schmiede gesessen und der hat mir erzählt, daß er seinen sechzigsten Geburtstag mit einer Lesung aus seinen dreißig Büchern feiern wird. Mein Sechziger wird im nächsten Jahr sein und, daß ich da sechzig Minuten lesen werde, habe ich mir schon vorgenommen. Jetzt denke ich, ich kann mir auch den Bücherstapel vor mich legen, die Bücher herzeigen und aus dem einen oder anderen ein Stückchen lesen.
Die Wiedergeborene wird also demnächst geben. Die „Paula Nebel“ muß druckereifertig werden und „Kerstins Achterl“ an den Alfred gehen.
Wenn ich das noch im Oktober schaffe, könnte ich das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ das nächste Projekt, das mir eingefallen ist, als ich mit der „Paula Nebel“ gerade in der Krise war, noch ein bißchen liegen lassen. Die Texte habe ich ja schon, sie müßen nur zu einem Buch verarbeitet werden und mich an den „Nanowriomo“ machen. Da habe ich ja schon eine Idee für das nächste und bei den Schnupperwochenenden des Writersstudios, die wirklich einen enormen Einblick in die Welt des Schreibens boten und mindestens den Wert von zwei Workshops hatten, aber ich habe das Schreiben ja in den letzten neununddreißig Jahren durch das Selbststudium und das permanente Tun gelernt, ein bißchen zu skizzieren begonnen. Wenn ich aber noch nicht fertig bin, bzw. noch an der „Paula Nebel“ korrigiere und dann ohnehin wenig Zeit haben, wegen meines Geburtstagsfests, der Buch-Wien, etc, kann ich das auch lassen. Daß ich auch in Streßzeiten fünfzigtausend Worte schreiben kann, habe ich ja schon bewiesen. Mein Problem ist ja eher, wie merken das die anderen und wie schaffe ich es sie dafür zu interessieren? Da das ja offenbar auch mit dem Literaturgeflüster nicht möglich ist. Ich weiß es noch immer nicht, weil ja das, was ich probierte, nicht wirklich funktionierte. Habe aber am 29. Oktober die Lesung aus meinem vorläufig zuletzt erschienenen Buch in der Alten Schmiede. Lade alle wieder sehr herzlich dazu ein und kann noch von einem Leporello der letzten Woche berichten, wo Radek Knapp sein neues Buch vorstellte. Dazu verkaufte er Obst auf einem Wochenmarkt, bzw. tut er das jetzt überhaupt regelmäßig, um im Kontakt mit der Erde und der Arbeitswelt zu verbleiben, wenn ich das richtig verstanden habe und da sinnierte er auf eine Art und Weise, wie sie mir nicht ganz gefällt. Da gibt es einen Haufen Obst, oben die glänzenden schönen Äpfel, während das untere verdorben und faulig ist und wenn du nicht aufpasst, tut dir der Verkäufer dann das in die Tüte. Mir ist das am Naschmarkt nur ein einziges Mal mit einem Salat passiert und ich glaube auch nicht, daß von den zehntausenden Neuerscheinungen, die diesen Herbst Frankfurt übeerschwemmen, alle bis dreißig oder vierzig faulig sind, wie Radek Knapp meinte, sondern finde es sehr schön, wenn viele Leute schreiben und auch dem Leser schadet es nicht, sich für das vielleicht ein wenig weiter unten Liegende zu interessieren.

2012-09-28

Willi wo bist du

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

Jetzt kommt ein Kontrast zu den Bestsellern aufsteigender Jungautoren, nämlich Teil 2 und 3 der Willologie des treuen Literaturgeflüsterleser und Kommentierer Rudi Lasselsberger. Teil 1 „Willi auf Kur“, noch in der fröhlichen Wohnzimmeredition erschienen, hat mich durch ihre handgeschriebene Machart ja etwas verwirrt, die Spurensuche „Willi wo bist du“, schon im loma*Verlag erschienen, das heißt, der Rudi hat sich eine ISBN-Serie gekauft, die es, glaube ich, im Zehnerblock gibt und auch soviel produziert oder ist vielleicht noch dabei. Bei der offenen Bücherschrank-Lesung am 16. Juni hat er sie mir gezeigt, bzw. das Verlagsprgramm auf einer schönen blauen Meereswellenkarte übergeben und „Will wo bist du“ schon etwas früher, nämlich auf seiner Lesung im El Speta, gemeinsam mit den „Sonnenblumen im September“, die auf der Leseliste für 2013 stehen und noch einmal „Tanz in den Mai“, diesmal mit ISBN-Nummer, das von mir besprochene hat ja eine erfundene gehabt, das habe ich aber mit Erlaubnis des Autors in den Wortschatz gestellt, da ich die Bücher ja nicht horten möchte.
„Franz in Linz“, das Rudi, glaube ich bei unserer Gemeinschaftslesung im „El Speta“ vorstellte, fehlt mir noch, wie auch Teil vier, fünf oder sechs der Willogie „Willi auf ein Wort“ „Abraxas“, ein Gemeinschaftsbuch mit Zeichnungen von Erich Sündermann, habe ich am 16. Juni bekommen und muß noch auf meine Leseliste, man sieht allmählich werde ich eine Rudi Expertin und kann das Programm des loma*Verlags wirklich nur empfehlen, denn der 1956 in Schlatten geborene Rudi Lasselsberger, den ich ja 1987 bei der Schreibwerkstatt des Jägermeierhofes, die es damals anläßlich des Max-Grün-Preises, der er in diesem Jahr gewonnen hat, kennenlernte, verbindet meiner Meinung nach das Alltagsschreiben sehr genial und einzigartig mit der konkreten Literatur.
Er schreibt manchmal mit der Hand, verwendet seinen höchstpersönlichen Dialekt, mischt Zeichnungen und Zierzeilen ein, bei Lesungen, wechselt er öffentlich das Leiberl und schmeißt Mozartkugeln in das Publikum, schreibt von seiner Familie, sowie den politischen Ereignissen und tut das alles auf seine so gekonnte Art, daß die Zeitschrift „Kolik“ ihn verlegt, wow!
Nun also zur Spurensuche, dem weißen, knapp neunzig Seiten Bändchens, das mit Bd 2 „-6 Grad zeigt der Kika-Turm an, und 5:13 Kein Schnee in Wien“, beginnt. Es ist Sylvesterabend und der Willi offenbar das Alterego des Rudis, denn er hackelt auch als Flatsortierer bei der Post, geht in den Jahreswechsel, er ruft die Mutter an, die sich bald auf Reha nach Großgerungs begeben wird, hat sich von einer Lena zu trennen, die studieren will und ihm daher „bitte, Willi, looooossssssllllaaaassseeennnnnnn n n n.“ mahnt.
Der Rudi hält auch immer brav ein Zwigespräch mit dem Willi, nennt ihn daher seinen „Braven Buben“, „Ja darfst eh mein Bub, bist ja mein Bub“ und läßt ihn manchmal eine Zierleiste schreiben.
„Zierzeile – Bierzeile – Mirzeile“, wo wir schon bei einem wichtigen Willi-Thema sind, dem Saufen und dem Essen und so wandert der willi auch tapfer von der „Bunten Kuh“ zum „Little Stage“, beides Lokale im fünften Bezirk und da zumindestens der Rudi im sechzehnten Bezirk wohnt, fährt er mit der U3 oder dem 13A dorthin, manchmal geht er auch die Otto Bauergasse hinunter und muß zwischendurch ins „Sexgschäftl“ schauen. Die Kellnerinnen bringen das Bier und das Menü, manchmal wird auch ein besonders scharfes Spezialbrot gestrichen oder Käse-Schniken-Toast bestellt. Am Biertisch wird politisiert und der ganz normalen Arbeitswahnsinn besprochen, was 2008 ja die Postrationalisierungen sind, über die ich mich auch manchmal ärgere und einmal, als das Kabarett ausfällt, steigt der Willi auf die Bühne, schreit „Wollt ihr das totale Kabarett?“ und „hüpft dann auf der Bühne auf und ab , ähnlich Rumpelstilzchen.“
Am Schluß, das heißt am Buchrücken gibts noch ein Gedicht
„Wir sind verrostete Seelen
im Lagerhaus der Zukunft
die es nicht gibt, sagt Willi

Wir sind verlorene Seelen
im Layrinth des Schwachsinns,
sage ich

Ja, das auch, sagt Willi,
das auch

Die Willologie ist, entnehme ich dem Buch, auf zwölf Bände geplant, also werden manche Geheimnisse erst später verraten und ich verrate, daß der Rudi wahrscheinlich auch aus dem „Willi“ am 3. Oktober um 19 Uhr bei einer neuerlichen offenen Bücherschranklesung in der Grundsteingasse, am Brunnenmarkt, 1060 Wien, lesen wird.
Hinkommen, vielleicht fliegen wieder Mozartkugeln und wenn er gewinnt der Rudi, gibts ihm am 6. Oktober noch einmal. Der Rudi hat auch einen Blog, auf dem ich jetzt verlinke, daß er mich, da ich mich ja sicher wieder irgendwo verschrieben habe, auf die Fehler aufmerksam machen kann.

2012-09-27

Vom Wildganspreis zu Grüßen aus dem Öztal

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Vor zwei Tagen ist die Einladung zur Wildganzspreisverleihung oder zum Literaturpreis der österreichischen Industrie Anton Wildgans, wie er jetzt heißt, bekommen, daß den Arno Geiger erhält, habe ich einer Aussendung von buecher.at entnommen und wahrscheinlich auch gebloggt, aber das ist ein Preis, wo ich eigentlich keine Ahnnung hatte, wo und wann er vergeben wird, obwohl er in meinen Büchern eine Rolle spielt.
Bei Lore und Lena hat ihn der Vater Paul bekommen, der Johannes Schwarzinger in „Tauben Füttern“ und wahrscheinlich auch der Johannes Staudinger aus „Mimis Bücher“, daß das ein Preis ist, der nach dem legendären Anton Wildgans, einem eher konservativen Dichter, von dem die Frau Prof Friedl in der Strassergasse schwärmte, bzw. seine Werke lesen ließ, wußte ich, aber sonst nicht viel. Jetzt kam plötzlich die Einladung von einer Marketingagentur und da ich ja ohnehin ein Einladungstrauma habe, war ich einmal baff, bis ich realisierte, daß am Mittwoch ja Anna Weidenholzer ihren neuen Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ im Literaturhaus vorstellte, aber da wäre ich ohnehin nicht hingegangen, denn im Radiokulturcafe war auch Hans Haid und stellte Österreichs wildestes Hochtal vor. Dafür hatte der Alfred schon Karten gekauft und zum Glück bekam Arno Geiger seinen Preis um sechs, das Radio Kulturcafe begann um halb acht und das Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz 4 ist nicht allzu weit von der Argentinierstraße entfernt, ins Literaturhaus wäre es sich nicht ausgegangen und bezüglich Wildgans-Preis erwartete mich bekanntes, nämlich Marianne Gruber und Barbarba Neuwirth in der Jury und außerdem feierte der Wildgans Preis seinen fünfzigsten Geburtstag.
1962 wurde er das erste Mal an Fritz Hochwälder vergeben, Fritz Habeck, Christine Lavant, Andreas Okopenko, Herbert Zand folgten, dann hätte ihn 1967 Thomas Bernhard bekommen sollen, aber weil der ja etwas unbotmäßig war, wurde die Preisverleihung abgesagt, aber sonst das Who is Who der österreichischen Literatur, daß man wieder neidig werden könnte. Kein ganz Junger steht in den Statuten, sondern einer von dem das Lebenswerk noch zu erwarten ist, also Ilse Aichinger, Milo Dor, Ingeborg Bachmann, Barbara Frischmuth, Ernst Hinterberger, Friederike Mayröcker, Christine Busta, Ernst Jandl, Gert Jonke, Josef Winkler, Julian Schutting. Peter handke hat ihn 1984 abgelehnt, Christoph Ransmayr, Ilse Tielsch, Norber Leser, Michael Köhlmeier, Vladimir Vertib, um schon zu den jüngeren zu kommen, Evelyn Schlag, Franz Joseph Czernin. 1995 gab es keine Verleihung, da wurden Bücher der vorigen Preisträger aufgekauft und an Kulturinstitute verschickt, Barbara Neuwirth hat ihn 2005 bekommen und 2011, offensichtlich hinkt der Preis etwas nach Arno Geiger zu dem ich ja auch meine eigene Geschichte habe, ihn nämlich 1996 in Klagenfurt kennengelernt, als er noch ziemlich jung und unbedarft war, Barbara Neuwirth hat in ihrer Laudation etwas von einem Nachwuchsstipendium erwähnt, das er 1994 bekommen hätte und einigen Veröffentlichungen in Anthologien, für mich war er damals jedenfalls unbekannt. Er hat nichts gewonnen, ist mir mit seinem Text aber aufgefallen und offensichtlich auch der Martina Schmidt, denn da sind bald seine Bücher erschienen, „Kleine Schule des Karusellfahrens“ und „Irrlichterloh“, bei einem von beiden war ich bei einer Präsentation im Literaturhaus, dann gab es ein Hörspiel gemeinsam in Heiner Link, da war ich bei der Präsentation in der Alten Schmiede. „Anna nicht vergessen“, ein Erzählband bei „Rund um die Burg“ vorgestellt und 2004 oder so hat er noch einmal in Klagenfurt gelesen, wieder nichts gewonnen, aber mit einem Ausschnitt aus „Es geht uns gut“, womit er 2005 der erste deutsche Buchpreisträger wurde. Mit ihm waren Daniel Köhlmeier und Friederike Mayröcker nominiert, erinnerte Barbara Neuwirth. Dann kam „Alles über Sally“ und zuletzt „Der alte König in seinem Exil“ über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters. Da war er 20011 für den Leipziger Preis nominiert, alle haben auch geglaubt, er würde ihn bekommen. Der Preisträger war aber Clemens J. Setz, der glaube ich, den Wildganspreis noch nicht bekommen hat. Er wäre auch zu jung dazu. Vielleicht nächstes Jahr. Nicht allzu viele Leute im Festsaal im Haus der Industrie und nicht allzuviele, die ich kannte. Zum Glück hat es ziemlich pünktlich begonnen, mit einem Militärmusikquartett. Dann kam eine Rede eines Herren von der Industriellenvereinigung. Der das Lesen lobte, bei fünfundzwanzig Prozent funktioneller Alphabeten, er darf es sagen, muß man es doch fördern. Er zählte dann auch alle Vorteile auf, die es hat, wenn man es kann und was die schöne Literatur uns allen bringt. Dann kam Barbara Neuwirth und zählte das auf, was ich schon oben erwähnte. Preisverleihung und ein Fotoshooting mit der Mappe. Dann kam die Dankesrede, die damit begann, daß der kleine Anton Wildgans acht Jahre war, als der Hausarzt ihn auf das Sterben seines Vaters vorbereitete, der vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte, wo er seine Sprache verloren hat. Jahrelang ist er durchs Zimmer gegangen und hat versucht sie wiederzufinden und Arno Geigers Vater hat die seine auch verloren und der Vater war über Fünfzig als er ihn der Insult ereilte und Wildgans ist mit Fünfzig gestorben.
„Alles Gute zum Geburtstag Anton Wildganspreis!“
Dann gab es einen Cocktail, Sekt und ein paar Brötchen, ich habe mich mit Robert Huez unterhalten, der ja auch in der „Wiedergeborenen“, die am Montag kommen soll, eine gewisse Rolle spielt und ihn gefragt, warum er nicht im Literaturhaus wäre, aber ich war ja auch nicht dort und man kann nur auf einem Ort gleichzeitig sein und dann war es auch schon Zeit ins Radio Kultur Cafe aufzubrechen, wo ich Axel Karner und El Awadalla traf und der vierundsiebzigjährige Hans Haid ein paar seiner Mundartgedichte, musikalisch begleitet von dem Hirten Toni Burger las. Hans Haid ist ja auch ein bekannter Name, Schriftsteller und Volksskundler, ein paar Bücher über Schafe gibt es und er hat auch eine Zeit in Wien gelebt und ist dort in der Wiener Schule um H.C.Artmann, Friedrich Achleitner, Friederike Mayröcker und Ernst Jandl gewesen. Vor allem ist er aber ein Kritiker und da gefällt ihn der Ausverkauf der Tiroler Alpen und die touristische Vermarktung nicht recht. Es gab eine interessante Diskussion und mir fällt dazu ein, daß mich ja einmal eine Frau im Salon Philosophique erkannte, die mir etwas von Hans Hais erzählte, ich habe ihn aber nicht persönlich gekannt, sondern ihn höchstens einmal meine Texte geschickt. Es gab auch eine hochdeutsche Übersetzung der vorgelesenen Gedichte zum Mitnehmen und Mundartdichtung oder Dialekt, wie es ja besser heißt, ist ja eigentlich nicht das meine, trotzdem war es interessant und ein toller Kontrast und jetzt bin ich nur gespannt, ob ich das Weidenholzer Buch vielleicht doch noch lesen kann.

2012-09-26

Licht aus im 3raum Anatomietheater

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:48

Wieder hat es eine Terminkollision gegeben, „Japan erinnert“, zwölf österreichische Autorinnen schreiben über Japan, im Literaturhaus und Textvorstellungen mit Angelika Reitzer in der Alten Schmiede, wo Peter Campa, Markus Mörth, Birgit Pölzl, und Harald Schwinger vorgestellt wurden und diese Textvorstellungen lasse ich ja ungern aus, habe mir sogar ein ganzes Archiv, ob Angelika Reitzers kunstvollen Einleitungen und den jungen Talenten, die man hier hören kann, angelegt. Daß sie Peter Campa vorstellte, den Schreibbesessenen, der in der Edition Triton verlegt und mit dem ich einige Male gelesen habe, als es das von Ernst Kostal organisierte „Wahnsinnssymposium“ im Literaturhaus noch gab, hat mich besonders überrascht und mich daran erinnert, daß ich noch ein Buch von Peter Campa habe, das eigentlich auf die Leseliste sollte. Also habe ich mich gegen die bei Luftschacht erschienene Japananthologie, die auch interessant gewesen wäre, entschieden, als mir Stephan Eibel Erzberg einen Strich durch meine Rechnung machte, denn den könnte ich ja neben dem Rudi als meinen „literarischen Verehrer“ bezeichnen, jedenfalls schickt er mir öfter seine Gedichte und sehr aufmunternde Mails, so auch im August, wo er mich auf sein neues Buch „Licht aus“ aufmerksam machte und mitteilte, wem das besonders gut gefallen hätte. Er hat dann, glaube ich, auch beim Volksstimmefest daraus gelesen und mir vor ein paar Tagen noch eine Erinnerung an die Buchpräsentation im 3raum Anatomietheater geschickt und in dem er, glaube ich, schon seinen Roman „Sofort verhaften“ vorgestellt hat. Damals hat er mich auch eingeladen, ich habe aber die Buchpräsentation in der Alten Schmiede gehört und mich gewundert, daß ich dabei einige Leute getroffen habe, die ich sonst beim klinischen Mittag oder bei den Supervisonsrefexionen sehe. Von Stephan Eibel habe ich schon sehr viel gelesen, bringt er mir ja immer seine Gedichtbände mit und war auch schon zweimal bei meinem literarischen Geburtstagsfest. Er scheint ein sehr extrovertierter Typ zu sein, der mit sehr revolutionären Ideen die Welt verändern will. So hat er ja einmal im ORF verlangt, daß bei jedem seiner Gedichte ein besonderer Satz vorangesprochen werden muß und darüber im fröhlichen Wohnzimmer eine Dokumentationen herausgegeben. Mit der F-Partei hatte er auch einmal Schwierigkeiten, die ihn klagte, die Klage dann aber zurückgezogen hat und er erzählt bei seinen Lesungen auch gerne seine Ideen. Ich bin ein bißchen früher in das Theater in der Beatrixgasse gleich neben der Musikhochschule oder, wie die jetzt heißt, gekommen und habe mich lange mit Waltraud Haas unterhalten, die eintreffenden Besucher beobachtet, bis dann Stephan himself erschienen ist und alle aufmerksam begrüßte. Die Lesung fand im Vortragsaal im hohen Pulten, wie im alten AKH statt, ein Bücherstapel war ausgebreitet. Martin Kratochwil hat einige von den Eibel Texten vertont und den Sänger Lucy Mc Evil auch im kurzen Kleidchen und Perücke, wie Christoph Vivenz bei der Poet-Night dazu begleitet.
„Diesen Gedanken hier und auch alle anderen vier schenke ich dir“-„Die Form der Norm will der Geraden schaden“ – „Stephan Eibel Erzberg verdichtet in der kurzen Form seiner Gedichte die Absurdität des Alltags, denkt gekonnt und unerschrocken um die Ecke und blickt hinterlistig hinter die Fassaden des Alltags und in die Intimität des allzu Menschlichen“, steht auf dem Begleitblatt.
Und er hat, wie erwähnt auch seine Ideen dazu erzählt, beispielsweise die, daß die ÖBB Gedichte den Zugfahrern beigibt, in der zweiten Klasse Erich Fried, in der ersten Franz Josef Czernin, bei Klagenfurt kommen dann schon die Wortpfützen aus den Mündern heraus. Dann kam wieder die Geschichte mit dem SPÖ Politiker und daß die Schwarzfahrer keine Strafe zahlen müßen, wenn sie ein Gedicht aufsagen können, die natürlich genausowenig realisiert ist, als die, zum Nationalfeiertag einen Film zu drehen, wo der Bundespräsident aus seinem Auto steigt ins Parlament geht und ausruft „Mich stört nur, mein Hang zur Diktatur“ und die Politiker dort stehen auf und wiederholen diesen Satz.
„Ich schau ums Eck o schreck noch ein Eck“
Der Gedichtband ist in mehrere Abteilungen gegliedert, Christine Klell hat das Buch graphisch aufwendidg gestaltet, das weg, wie die warmen Semmeln gegangen, ein Herr ließ sich „Für Otto Schenk“ hineinschreiben, obwohl er nicht der berühmte Schauspieler war. Stephan Eibel signierte und seine Töchter, denen auch einige der Gedichte gewidmet waren, standen daneben und freuten sich über den Erfolg und ich denke es war eine gute Wahl, obwohl es natürlich sehr schade ist, die Textvorstellungen und auch das andere versäumt zu haben.

2012-09-25

Urs Widmers literarisches Portrait

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:04

Der 1938 in Basel geborene Schweizer Dichter, der gelegentlich in die Alte Schmiede kommt und auch eine Connection nach Graz und zu den „Manuskripten“ hat, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, hätte schon im Februar während des Schweizer Schwerpunkts in der Alten Schmiede vorgestellt werden sollte. Ich hatte mir den Termin auch vorgemerkt, die Veranstaltung ist aber ausgefallen und wurde jetzt nachgeholt und ich bin auch sehr begierig hingegangen, obwohl ich, um die Frage Friedrich Hahns, neben dem ich gesessen bin und mit dem ich mich vor der Veranstaltung über den offenen Bücherschrank und das Gratislesen unterhalten habe, zu beantworten, keine besondere Widmer Spezialistin bin, habe aber einmal, vor Jahren „Im Kongo“ von einer Kollegin zum Geburtstagsfest bekommen und „Liebesnacht“ vor kurzem im Schrank gefunden. Ich war auch, kann ich mich erinnern, bei der „Fünfzig Jahre Manuskripte“ Veranstaltung, wo Urs Widmer, ich glaube, auch aus „Stille Post“ seinem letzten Werk gelesen hat und in Frankfurt wurde vor einigen Jahren auf dem blauen Sofa auch „Herr Adamson“ vorgestellt und im vorigen Jahr hat er die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt eröffnet.
Ein Urs Widmer Portrait also, des weißhaarigen älteren Herrn, der viel lacht und eine sehr imposante Art hat, sich und seine Bücher vorzustellen. Das tat aber eigentlich der Widmer Kenner Samuel Moser und Kurt Neumann versprach in seiner Einleitung, daß dem Publikum damit etwas geboten würde, was man sonst in Wien nicht so leicht zu hören bekommt.
Zweieinhalb Stunden hat es gedauert und es war natürlich keine Gesamtvorstellung des Lebenswerks, sondern nur ausgewählte Schriften und da hat es mit „Herrn Adamson“ begonnen, dem Buch in dem Urs Widmer sozusagen seinen eigenen Tod inszeniert und er tut das, in dem er die Vortoten erfindet, das sind die, die in der Sekunde gestorben sind, in der wir geboren wurden, die begleiten uns dann durch unser Leben, als eine Art Schutzengel und am Schluß holen sie uns ab. So ist der kleine Mick acht, als er durch eine Art Hades geht, den Tod besiegt, um diese Geschichte dann mit vierundneuzig seinem Enkel zu erzählen und am Ende kommt Herr Adamson und das Buch ist aus.
Ein sehr interessantes Thema und ein Buch, das ich gerne lesen würde, wenn es einmal zu mir findet, das habe ich mir schon 2009 gedacht, als es in Frankfurt vorgestellt wurde. Daß Urs Widmer ein ziemlich surrealer Autor ist, der sich über die realistischen Handlungen eher lustig macht, obwohl er, wie er betonte, darauf schaut, daß die Details stimmen, um darauf seine Phantasie zu setzten, ist dann in der „Reise nach Istambul“ aus der „Stille Post“ klargeworden. Da fährt ein Mann mit seiner Frau und seinem Kind im Zug irgendwohin, es kann Istambul oder auch Bombay sein, bei Zabgreb steigt er aus, weil der Zug eine Stunde stehenbleibt, um sich am Kiosk Zigaretten oder eine Zeitung zu kaufen, er geht durch eine Tür aus dem Bahnhof, kann nicht mehr zurück, ist dann in Belgrad, findet eine Kiosk, hat aber kein Geld, dann ist er Stuttgart, geht Stufen hinauf oder hinab, um mit einem anderen Zug zurück in sein Haus zu reisen, wo gerade ein wilde Party stattfindet, seine Bücher werden zerrissen, Spaghetti ausgeschüttet und im Nebenzimmer liegt sein Vater als Kadaver und er denkt, er kann doch dieses Wort nicht für seinen Vater verwenden und die Mutter hat ein Kissen vors Gesicht gedrückt, er reist weiter, kommt schließlich doch nach Istambul, um dort seine Frau und sein Kind zu finden, die Frau ist aber inzwischen gealtert und die Tochter erwachsen.
Eine Reise durch das Leben und eine Beschäftigung mit dem Tod in beiden Büchern, wie Urs Widmer dann in einem Gespräch erklärte. Ich hätte es eher für einen Traum gehalten. Dann ging es zurück zu den Anfängen, nämlich dem Roman, „Die Forschungsreise“, 1974 erschienen und da ist es mir nicht gelungen, den Inhalt zu erfassen. Ich habe nur ungefähr soviel verstanden, daß es sowohl um das Berliner Massiv als auch um Frankfurt geht, aber der Held eigentlich an seinem Schreibtisch sitzt. Dann ging es wieder in die „Stille Post“ und zwar zu Texten, die sich „Damals und jetzt“ benennen. Da hat Urs Widmer in den Siebzigerjahren Texte geschrieben, die er dann verloren hat, bzw. in dem Roman „Das enge Land“ verwendete. Dann hat er sie wiedergefunden und um einiges ergänzt. Diese Texte las er vor, bevor es an zum „Engen Land“, 1981 erschienen ging und da sagten Samuel Moser und Urs Widmer, daß man die Handlung nicht nacherzählen kann.
„Uje!“, dachte sofort die Realistin, aber dann war es nicht so schlimm. Zumindest habe ich mir aus dem Vorgetragenen einiges zusammengereimt. Es geht wieder um Frankfurt und um das Berliner Massiv, aber auch um einen Berg, auf dem eine Frau lebt, die genau jede Textfragmente hinunterschreit und die Geschichte eines Landes aufschreiben will, das einige hundert Meter lang, aber nur ein paar Meter breit ist und an einer Eisenbahnlinie entlang liegt. Sie hat in diesem Land gelebt, ist dann nach Deutschland gegangen und jetzt findet sie nicht mehr zurück.
Am Schluß kam noch eine Erzählung aus der „Stillen Post“ nämlich „Grappa und Risotto“, eine Art Familiengeschichte, wo es um viele Tanten und Onkeln geht und einen Grappafabrikanten der seine Fabrik verloren hat, einen Teil hat eine falsche Anastasia dahingenommen, um sich ihr Bernsteinzimmer zurückzuholen, den anderen eine Sekretärin zur Konkurrenz gebracht und eine Tante, die soviel redet, daß sie der Schrecken der Familie ist, gibt es auch.
Danach bedankten sich die Vortragenden für die Geduld der Leser, es hat sich aber gelohnt, eine Einführung in einen kleinen Teil des Werkes zu bekommen, so bin ich neugierig geworden, habe mir ja das Lesen beider Bücher vorgenommen und bin gespannt, was ich noch alles von Urs Widmer hören und lesen werde.

2012-09-24

Die Einsamkeit der Primzahlen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:22

Paolo Giordanos „Die Einsamkeit der Primzahlen“, ein Leseexemplar, das ich Anfang des Jahres im Wortschatz gefunden habe und das mir von diversen Blogs sehr vertraut schien, ist ein Beispiel für das spannende Schreiben und das was man im Writerstudio vielleicht lernen kann. Ob und wo der 1982 geborene Paolo Giordano das Schreiben studierte und wie man in Italien Schreiben lernen kann, weiß ich nicht. Das Buch war aber 2008 das meistverkaufte Buch Italiens und Paolo Giordano der jüngste Preisträger, den es in der Geschichte des „Premio Strega“, des wichtigsten italienischen Literaturpreis gegeben hat, habe ich dem Klappentext entnommen.
Und man wird gleich hineingezogen in die Geschichte, die mit einer seltsamen Grausamkeit das Leiden, das jungen Menschen, auch wenn sie in wohlsituierten Familien aufwachsen, widerfahren kann. Das Buch ist in Abschnitten eingeteilt, die Jahreszahlen tragen. So beginnt es mit „Engel im Schnee“, 1983, da ist Alice sieben und ihr Vater zwingt sie zum Schifahren. Sie will nicht, muß aber mit dem Lift hinauffahren, muß aufs Klo, macht sich an und will, da die Kacke schon hinunterrinnt, alleine wieder abfahren, dabei kommt es zu einem Sturz. Alice wird im Schnee vergraben und stellt sich schon das Sterben vor. 1984 geht es weiter, da ist Mattia wahrscheinlich acht oder auch zwei Jahre älter, hochbegabt und hat eine Zwillingsschwester, deren Behinderung, er hautnah miterlebt, wenn die Logopädin kommt und es Michaela nicht gelingt, die Kugel in das richtige Loch zu stecken. Solche Kinder lädt niemand ein. Einmal passiert es doch, daß Mattia und Michaela zu Riccardos Geburtstagsparty kommen sollen, die Mutter kauft den größten Legokasten und schickt die Kinder los. Mattia geniert sich aber für seine Schwester und läßt sie im Park zurück. Als er wiederkommt ist sie verschwunden.
Schnitt ins Jahr 1991 „Auf der Haut und knapp darunter“, da hat sich Mattia schon seine Arme zerschnitten und Alice ist magersüchtig geworden, hinkt, geniert sich für ihre Narbe, möchte sich trotzdem eine Rose auf ihren Bauch tätowieren lassen, der strenge Vater erlaubt es der Fünfzehnjährigen aber nicht. Die Mädchen in der Klasse, vor allem die Alphafigur Viola, die den anderen die Liebesgeschichten ihrer älteren Schwester, als die eigenen erzählt und dabei die richtige Methode der Ausparung beherrscht, sie hört auf bevor es so richtig spannend wird, bzw. läutet da die Schulglocke, zwingt Alice ein verdrecktes Bonbon zu essen und möchte sie dann entjungfern. Alice wählt dafür den etwas seltsamen aber hochbegabten Mattia aus, der nur einen Freund hat und sich sogar in der Schule die Pulsadern aufschneidet. Die beiden gehen bei Violas Party auch alleine in ein Zimmer, darinnen passiert aber nichts, trotzdem gehen sie aneinander den Händen haltend zu den anderen, was Violas Neid erweckt, da ihr das bei ihrer Entjungferung verwehrt wurde. Sie läßt Alice fallen, dabei hat sich die inzwischen ein Stiefmütterchen auf den Bauch ritzen lassen.
Mattia studiert Mathematik, Alice wird Fotografin und als Mattia einen Lehrauftrag nach Amerika bekommt, fragt er Alice, ob er ihn annehmen soll. Sie bejaht, beziehungsweise verrät sie ihm, daß sie Fabio, einen jungen Arzt heiraten wird, den sie kennenlernte, als sie ihre krebskranke Mutter im Spital besuchte. Mattia ist auch in Amerika, während er sich in die Welt der Primzahlen zurückzieht und darüber geniale Artikel schreibt, sehr einsam, nur einmal gelangt er ins Bett der schönen Nadia, die ihm ihre Telefonnummer gibt und sagt, daß er sich entscheiden soll. Da kommt ein Brief mit einem Foto und der Aufforderung zu kommen von Alice, die sich inzwischen an Viola rächte, als sie an deren Hochzeit fotografierte und von Fabio verlassen wurde, weil der ein Kind von ihr will, aber sie bekommt ja keine Regel mehr. Es kam zum Streit, die Reiskörner flogen, Fabio ging zu seinen Eltern zurück und Alice fuhr ins Krankenhaus und sieht dort eine junge Frau, die Michaela sein könnte, die seit damals verschwunden ist. So schreibt sie diesen Brief, aber als Mattia kommt, zwingt sie ihn zum Autofahren und erzählt ihm nichts von ihrem Erlebnis, so fliegt er wieder zurück und erinnert sich als er schon am Meeresstrand steht an Nadias Telefonnummer in seiner Tasche.
Ich hätte das mit fünfundzwanzig Jahren nicht schreiben können, das steht fest. Die Spannung ist vollendet. Knallhart werden wir in das Elend oder die „Krankheit der Jugend“ hineingeführt, die heute vielleicht nur ein wenig anders, als zu Ferdinand Bruckners Zeiten ist. Knallhart ist sie und aussichtslos, das Schneiden, das Hungern, das Brennen und dann gibt es auch noch die Eltern, die ihre Kinder wahrscheinlich lieben und dennoch hilflos daneben stehen und nicht zu ihnen können. Das Heer der Psychologen, das es inzwischen, gibt, kann es wahrscheinlich auch nicht und so bleiben die hochbegabten jungen Erwachsenen mit ihren Schuldgefühlen zurück, wollen, aber können nicht zueinander kommen, denn das Wasser oder etwas anderes ist viel zu tief…
Schade nur, daß von dem Buch nicht mehr viel zu hören ist, bei den vielen anderen spannenden packenden grausamen Neuerscheinungen, die es inzwischen gibt, ist es wahrscheinlich vergessen worden. So lobe ich mir die offenen Bücherschränke und kann nur empfehlen auch das Ältere zu lesen und es ist wieder sehr spannend, wie dicht, packend und erbarmungslos junge Leute schreiben können und hoffe nur, daß nicht alle ihre Jugend so erbarmungslos erleben.

2012-09-23

Zur Poet-Night

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:37
Helga Graziella Schwaiger

Helga Graziella Schwaiger

Eva Jansenberger

Eva Jansenberger

Von Writersstudio ist es dann am Samstagabend zur Poetnight gegangen, die Verlosung beim offenen Bücherschrank habe ich dabei, weil ich mich verspätet habe und es auch geregnet hat, versäumt und kann daher gespannt sein, ob ich eine der Buch-Wien-Karten, die Nackenrolle zu Lesen oder den Bücherschrank-Sweater gewonnen habe und die Poet Night, ich wiederhole es, für die, die es noch nicht wissen sollten, ist ja die Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheater, wo, die schreibenden Mitglieder Gelegenheit haben, ihre eigenen Texte, im neun Minuten Rhythmus im Kulturzentrum Siebenstern von Samstag sechzehn Uhr bis Sonntag zwei Uhr früh zu präsentieren. Meine kritische Stimme Frau Heidegger hat sich ja vor einigen Jahren darüber mokiert, daß da eher unbekannte Leute lesen würden, aber das ist ja der Sinn der Sache und gar so unbekannt sind die meisten auch nicht, wenn man sich für Literatur interessiert.
Ich bin ja eine Marathonveranstaltungsbesucherin und so bin ich sehr oft, nicht immer, non stop, geblieben.

Judith Gruber-Rizy

Judith Gruber-Rizy

Helmut Rizy

Helmut Rizy

Einmal ging es nicht, weil nachher das „Rund um die Burg Marathon“ war, einmal bin ich von dort gekommen und ein paar Mal wahrscheinlich auch zu müde gewesen und vorher abgehaut. Das letzte Jahr habe ich den zweiten Tag beim Writers Studio deshalb versäumt, diesmal habe ich es umgekehrt gemacht und bin erst kurz vor acht eingetroffen. Da ich ja immer angebe, daß es mir bis Mitternacht egal ist, wann ich lese, bin ich meistens zwischen vier und fünf eingeteilt, habe dann kaum Zuhörer, meist nur die, die nach mir drankommen und muß mir anhören, daß ich später lesen soll, denn das würden sie …
Würden sie nicht, wie ich merken konnte, weil ich diesmal erst knapp vor Mitternacht las. Da waren zwar mehr Leute da, das ist um diese Zeit immer so, aber einige, die früher dran waren, sind schon gegangen und haben mich aufgefordert, das nächste Mal doch früher zu lesen…
Nun gut, den richtigen Zeitpunkt gibt es offenbar nicht und es ist wahrscheinlich eine Interessenssache, wen man hören will und diesmal habe auch ich sehr viele Lesungen versäumt. Elisabeth Chovanec beispielsweise, die mir schon bei ihrer Ausstellung vor ein paar Wochen sagte, daß sie wieder nicht bleiben kann, Mechthild Podzeit-Lütjen, die auch meistens früh liest, Herbert J. Wimmer, Axel Karner u.u.u.

Elmar Hanke

Elmar Hanke

Eugen Bartmer

Eugen Bartmer

Axel Karner habe ich aber noch gesehen und er hat sich bei mir für die Rezension bedankte, wie auch ich ihm für die Zusendung seines „Rosaroten Balkons“, aus dem er vermutlich gelesen hat, sehr danke.
Als ich gekommen bin, hat gerade ein Mann über Bettler gelesen.
„Wie heißen Sie?“, hat ihn Elfriede Haslehner gefragt, neben die ich mich setzte und deren Lesung ich auch versäumte.
Janus Zeitstein antwortete er und war offenbar ein Einspringer, denn kurz vor acht hätte eigentlich Antonio Fian lesen oder Pause sein sollen. Die Pause kam dann gleich und dann las Anita C. Schaub mit der ich ja demnächst wieder lesen werde und brachte einige Geschichte darunter die, von den „Kärntner Kasnudeln“, die ihre Großmutter nach einem Geheimrezept zubereitete und die einmal einen Sandler zum Essen einlud, obwohl sogar die Haushälterin an diesem Tag Ausgang hatte, damit sie nicht das Rezept erfuhr. Am Schluß hat er es dann ihr oder sie es ihm in die Tasche gesteckt und Christa Kern folgte mit einem Text aus den Entladungen über „Eifersucht.“

Eva Jancak

Eva Jancak

Christl Greller

Christl Greller

Christoph Vivenz, den ich schon von mehreren Poetnights kenne, hat dann vielleicht nicht nur mich erstaunt, als er stark geschminkt, mit einer Perücke, schwarzen Seidenkleid und Highheels aufgetreten ist und dazu die passenden erotischen Schimpfgedichte präsentierte. Hilde Schmölzer brachte ihre Jugendgedichte, die in den Sechzigerjahren enstanden sind und vom „Podium“ zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag verlegt wurden. Christa Nebenführ hatte ein Fragment mit dem sie sich in scharfen Worten mit ihren Vater auseinandersetzte und las das auch sehr eindrucksvoll vor. Manfred Loydolt brachte, wie er sagte, etwas Autobiografisches und las von einem Aufwachen im Spital und einem Verband an der falschen Stelle, denn außer den Gallensteinen war auch der ganze Bauch entzündet und die Assistentin hat auch noch ein bißchen zu viel durchgetrennt, dazu kamen dann Erinnerungen an eine St. Petersburgreise mit Schmerzen und Kindern, die vor dem Krankenhaus stehen und ein aufmunterndes Liedchen singen.

Christa Mitaroff

Christa Mitaroff

Gerald Grassl

Gerald Grassl

Richard Weihs brachte wieder Kostproben aus seinen Wunschgedichten. Wienerisches gab es dazwischen auch und einen Brief von einem Neffen an seinen Onkel und die Tante, wo es um das Saufen und die Erlebnisse, die man dabei hat, ging.
Susanne Schneider brachte eine Katzengeschichte. Hans Jörg Liebscher, glaube ich, seine Erinnerungen in Gedichtform. Hilde Langthaler las aus ihrem Buch und dann einen Gemeinschaftstext, den sie unter anderen mit Susanne Ayoub geschrieben hat, wo sich die Arbeitslosen glaube ich, als Hunde verwenden lassen und Thomas Northoff brachte wieder Auszüge aus seinen „Nein Eleven“, das er schon beim Volksstimmefest las.
Helga Schwaiger führte in die Kindheit und Judith Gruber-Rizy mit ihren Text nach Linz. Helmut Rizy las den Beginn einer Geschichte vor, wo ihn ein Schriftsteller besucht, der über die Liebe schreiben will und das offensichtlich nicht ganz zusammenbringt.

Monika Schmatzberger

Monika Schmatzberger

Ingrid Jantzen

Ingrid Jantzen

Nach Eugen Bartmer folgte ich, ein bißchen später als 23. 24 und las, wie schon erwähnt, die Szene aus Kerstins Achterl, wo die Kerstin auf der Hochzeit von Traudl Obermüller fotografiert, die wahrscheinlich auch auf meinen Blog als Textprobe kommen wird, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin. Christl Greller kam nach mir und hatte Gedichte übers Wasser. Dann kam Christa Mitaroff mit einem Hammer und verkündete den Ausverkauf der Republik Österreich. Rudi Lasselsberger fehlte. Gerald Grassl hatte ein Gedicht zur Mitternacht und wünschte sich, glaube ich, Revolutionäre, die an die Liebe glauben und bekannte, daß er Rosa Luxemburg verehren würde. Monika Schmatzberger stieg mit Nordic Walking Stecken auf einen Berg, um dort eine Burg zu besichtigen und hatte dabei ihre Schwierigkeiten und Ingrid Jantzen hatten einen Text über einen Mann und eine Frau, die sich nie im Leben begegneten, am Ende hatte die nicht so begabte Regisseurin aber doch das Stück des begabten Schriftstellers verhunzt. Dann folgte eine Pause und nachher kamen wahrscheinlich Fritz Widhalm, Ilse Kilic, Peter Waugh, Christian Katt und Rolf Schwendter, aber die habe ich, weil von meinem Marathonwochenende zu müde und erschöpft, nicht mehr mitbekommen, mich nur bei Ilse Kilic und Fritz Widhalm, die schon im Saal saßen, entschuldigt, daß ich jetzt ins Bett gehen würde, so daß ich auch erst jetzt zum Bloggen komme.

2012-09-22

Zwei Jahre in zwei Tagen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:05

Das Writers Studio hat zum dritten Mal zu den Tagen der öffenen Tür eingeladen, vor zwei Jahren gab es da ja einen Tag mit Gratisseminaren und einem großen Eröffnungsfest, als Judith Wolfsberger mit ihrem Team von der Kaiserstraße in die Pramergasse umgezogen ist, voriges Jahr waren es dann schon zwei Tage, wo ich nur am Freitag war, da es am Samstag die Poet-Night gegeben hat, wo ich sehr früh gelesen habe und heuer ist es wieder so. Daß die Tage der offenen Tür diesmal am 21. und am 22.9. sein werden, wurde schon bei dem Zehnjahresfest im Juni bekanntgegeben und am Samstag ist wieder die Poet Night. Also dasselbe noch einmal habe ich gedacht, mir dann das Programm angesehen und „Shit!“, ausgerufen, denn das Writers Studio wird immer professioneller und bietet immer mehr Seminare an, das ist noch kein Grund zum Fluchen, ganz im Gegenteil.
Aber es gibt jetzt zwei ein Jahreslehrgänge, das „Writing for your profession“ und das „Passion Writing“, das hat es, glaube ich, schon im vorigen Jahr so gegeben, aber diesmal werden die zwei Jahrgänge an je einem Tag vorgestellt und man kann in die Seiminare hineinschnuppen und blöderweise war das berufliche Schreiben am Freitag und das literarische am Samstag dran und das interessiert mich mehr als als Freewriting für Pädagogen, das Journalistische Schreiben und das Sachbuch Know how, etc
„Kann man nichts machen!“, habe ich gedacht, dann kam der Ablaufplan für die Poet Night und ich bin diesmal nicht, wie in den letzten Jahren, zwischen vier und fünf dran, so daß ich schon nach der Mittagspause gehen hätte müßen, sondern erst um 23 Uhr 24, dazwischen werden auch noch in der Grundsteingasse vor dem offenen Bücherschrank, die Preise, für den „Gefunden“ Wettbewerb verlost und die Poet Night ist lang genug, habe ich gedacht, wenn ich nach dem letzten Workshop noch rasch auf den Brunnenmarkt schaue, bin ich um acht im Siebenstern, habe zwar die Lesungen der ersten vier Stunden versäumt, aber zu mir kommen die Leute auch nicht und ich bin sowieso immer am längsten dort, bin ich ja eine Marathonveranstaltungshopperin und das war ich auch im Writersstudio.
Mit dem „Mindwriting“ den Morgenseiten, hat es am Freitag angefangen. Diesmal war keine lästige Reporterin da, die einen in den Text hineinfotografieren wollte, sondern eine kleine Gruppe, ich war ein bißchen müde, bin aber gut hineingekommen, obwohl ich keine Morgenschreiberin bin, das habe ich auch in der Vorstellungsrunde so gesagt. Der Tag beginnt für mich meistens mit dem Lesen in der Badewanne, dann bereite ich mich auf meinen psychologischen Praxistag vor und das Schreiben kommt zwischendurch.
Die zehn „Freewriting-Regeln“ nach Natalie Goldberg und Peter Elbow bereiten mir aber keine Schwierigkeiten, so habe ich ein bißchen mein Schreiberleben geordnet, sind wir ja von einem Gedicht ausgegangen, daß man die Buchstaben, um sich herum sehen soll und dann ins Meer springen und davonschwimmen, aber ich kann nicht schwimmen, schreiben aber schon und in den Schnupperseminaren des Writerstudio habe ich ja sozusagen, die „Frau auf der Bank“ erschrieben. Beim Schreibcafe mit Yoga Probetraining, habe ich Braingestormt und in der „Schreibfabrik“ im Okober die Tanzstundenszene vorgelesen und mir Feedback geholt und als ich von dem Sommerfest mit meinen Schreibwünschen nach Haus gekommen bin, hatte ich schon die Einladung zur Lesung in die Alte Schmiede bekommen.
Also eigentlich geht es mir gar nicht so schlecht mit meinem Schreiben, ich tue es jedenfalls sehr viel, habe schon an die dreißig Bücher, fast 1200 Blogartikeln und auch offene Bücherschränke und sehr viel Veranstaltungen, die ich regelmäßig besuche und, daß ich gerne über das „Schreiben in Wien“ blogge, habe ich schon im vorigen Seiminar über das Sachbuchschreiben bekanntgegeben. Das kam diesmal erst am Nachmittag. Es folgten die „Writer Tricks“ und da clusterten wir zum Begriff „Loslassen“, bei mir ist der Beginn zu meinem neuen Text, bzw. einige Ideen dazu mit dem Arbeitstitel „Zum Sterben ist man nicht gern allein“ oder so, entstanden, der wird dann zwar ein wenig aufs Eis gelegt, weil ich ja noch an „Kerstins Achterln“ korrigiere und dann das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ machen will, bzw. wieder einmal beim Nanowrimo mitschreiben.
„Hot Text“, war, glaube ich, neu und auch nicht das, was mich so unbedingt interessiert. Michaela Muschitz stellte das professionelle Werbetexten vor und ließ uns in die Rolle eines Kosmetikartikels schlüpfen, weil Verkaufen ja wichtig ist und alle die schnupperten Frauen waren. Damit sollten wir uns positionieren und ich habe das mit einem Lippenstift versucht und den Text vorgelesen, was sehr lustig war, denn ich schminke mich ja kaum und in der hochpreisigen Qualitätsklasse sehe ich mich eigentlich auch nicht. Ana Znidar stellte wieder „Social Media“ vor, wir sollten drei Texte über etwas, das uns erregt schreiben, da ich ja nicht facebooke und nicht twitterte, habe ich meinen Unmut über die Abdrehung des Untersuchungsausschußes in einem Blogartikel zum Ausdruck zu verbringen versucht, der mit „Was ist faul im Staate Österreich, sollen, können, dürfen wir uns alles gefallen lassen“ begann.
Dann kam eine Mittagspause und ich ging am Kanal spazieren. Am Nachmittag folgte wieder eine Einführung über das Nonfiction Buch. Da waren sehr viele Schnupperer, auch ein zwei Männer, gekommen und ich landete in einer Gruppe, die sich über ein Sachbuch „Interkulturelle Kommunikation“ Gedanken machen sollte.
Danach gabs eine Einführung in den „Schreibtrainer-Lehrgang“, bzw. sollten wir erarbeiten, was bei Blockaden nützt, mir weiterschreiben, Disziplin, Beharrlichkeit, darüber bloggen, jammern, jeiern und in den Texten der anderen nachschauen, wo sie besser sind und immer öfter die Erfahrung machen, sie sind das gar nicht.
„Freewriting für Pädagoginnen und Eltern“ mit Gundi Haigner habe ich vor zwei Jahren auch schon gehört, inzwischen hat sie mit ihren Klassen aber einige Preise, darunter den Exil Literaturpreis gewonnen und ihr Programm in einer Mappe zusammengestellt. Sie erzählte uns davon und dann durften wir uns, wie bei der Schreibfabrik ein paar Karten ziehen und vier kleine Texte dazu schreiben. Das „Journalistische Schreiben“ mit den „sieben w“, wo, wie, was, warum, wann, wo, woher, habe ich auch schon vor zwei Jahren gehört. Der Text den ich dazu in Boulvardzeitungmanier schreiben sollte, lautete „Bewaffneter „Waldmensch“ weiter auf Flucht vor der Polizei.Dann kam ein männlicher Trainer und brachte uns ein bißchen den sprachlichen Feinschliff bei, also, daß man keine Schachtelsätze und nicht zu viele Adjektive verwenden soll.
Dann rauchte mir der Kopf, denn das „Writing for your profession“, das Textsorten für Print und Online Medien, Personal Essay, Marketingtexte etc anzubieten hat, war sehr intensiv. Neue Leute habe ich auch kennengelernt und mit ihnen nette Gespräche bei Tee, Kaffee und Keksen geführt.
Am Samstag ist es mit dem „Passion Writing“, was mich ja mehr interessiert, weitergegangen und auch das ist inzwischen sehr umfangreich. Mit den Morgenseiten hat es angefangen. Diesmal habe ich den Satzanfang „Heute möchte ich…“, genommen und mich damit beschäftigt, wie ich es schaffen kann, den Monstertag ohne Kopfweh durchzustehen, denn einen Schreiblehrgang in einem Tag durchzumachen ist ja sehr anstrengend und es ist in jeden Seminar sehr intensiv zugegangen.
Junge Leute unter den Teilnehmern, eine Mutter hat ihre Tochter begleitet und die „Writer Tricks“, das Nähkästchen der Methoden wurde diesmal von Pamela Wahl präsentiert. Die passend zum Herbstbeginn kleine rote Kärtchen verteilten und aus vier eine Geschichte schreiben ließ, ich habe mir „Gewitterfront“, „Herbstgewinn“, „Sonnenblume“ und „blau““ gezogen. Interessant war, welche literarische Texte dabei heauskommen, wenn man ein Wort wiederholt.
„Morgennebel ziehen auf“, hat so eine Teilnehmerin immer wieder geschrieben und es war total gut. Dann folgte das „Short Story“ schreiben mit Ana Znidar, diesen Schnupperworkshop habe ich schon einmal gemacht, an ein paar bewegende Momente denken und dann einen Dialog daraus machen, was ja meine Schwierigkeit zu sein scheint. Ich habe ein bißchen an meinem neuen Projekt herumprobiert und eine Szene dafür konzipiert, Dialog ist, weil es sich um innere Stimmen handelte, keiner herausgekommen. Ich erinnere mich aber, wie das vor zwei Jahren eine Teilnehmerin gekonnt, mit einem Streit zwischen einer Mutter und einer Tochter und ein paar heftigen Worten machte.
Das sollte nach der Pause noch einmal kommen, vorher gab es aber etwas ganz Neues von Judith Wolfsberger, nämlich den „Personal Essay“, eine Textsorte aus Amerika, wo man von einem persönlichen Erlebnis ausgehend zu einer allgemeinen These kommen soll. Sie brachte ein Beispiel aus einem Buchprojekt, wo jeder etwas zum Thema „Liebe“ einbrachte und las eine Geschichte vor, wo eine Mutter ihrer Tochter ihre Liebe beweist, in dem sie für sie immer ein Licht in der Küche brennen läßt.
Nach der Pause gabs dann wieder etwas Neues, nämlich das Drehbuchschreiben mit Vivien Bronner, die eine sehr imposante Trainerin war.
„Was ist das Wichtigste am Drehbuch schreiben?“
„Der Dialog natürlich!“
„Falsch, hereingefallen!“, das ist das Alllerunwichtigste, es geht um Szenen und um Bilder und sie stellte die Aufgabe an einen Sohn zu denken, der zu seinem dominanten Vater nach seinem Schulabschluß nach Hause kommt, der Vater will, das er ins Geschäft einsteigt, der Sohn will etwas anderes.
Da hatte ich dann sofort den „Radetzkymarsch“ im Kopf, das Buch, das ich im Sommer gelesen habe und die Szene, wo die beiden Trottas mit der Haushälterin den Tafelspitz und die Kirschenknödel essen. Den anderen mochte es ähnlich gegangen sein, ein Vater zündete dem Sohn eine Zigarette an, eine Teilnehmerin verlegte die Szene nach Afrika, aber wie stellt man filmisch Gedanken und Gefühle dar?
Dann kam die Lösung in einem Filmausschnitt aus der Stummfilmzeit, der Vater setzt dem Sohn, der eine Kappe möchte, Hüte auf, einem nach dem anderen, der Sohn zieht Grimassen und setzt sich am Ende durch.
Also Drehbuch ganz ohne Dialoge oder nur an letzter Stelle? Ich weiß nicht recht, tue mir mit ihnen aber ohnehin recht schwer und werde vermutlich auch nicht Drehbuchschreiberin, glaube aber schon, daß es stimmt, daß die Prosa lebendiger wird, wenn man sich damit beschäftigt.
Dann wurde es wieder bekannter. Habe ich das „Travel Writing“ mit Ana Znidar, ja, glaube ich, schon zweimal angeschnuppert und bin ja inzwischen auch dazugekommen meine eigenen Skizzen von meinem Urlaub mitzubringen und in meinen Blog zu stellen. Danach kamen „Life Writing“ und „Memoir“, was ist der Unterschied habe nicht nur ich mich gefragt?
„Schreibend erleben – lebendig beschreiben. Einstieg ins Schreiben über das eigene Erleben“, wird das Seminar, das Anna Ladurner hält, aber von einer Dame aus Tulln präsentiert wurde, beschrieben und wir haben es auch gleich sehr lebendig mit dem biographischen Tasten begonnen, die Hand aufzeichnen, draufschreiben, was wir schon angegriffen haben und darüüber schreiben. Vor zwei Jahren haben wir das mit Irene Rauch mit Gerüchen gemacht, das Workshop hat, glaube ich, anders geheißen, war aber genauso intensiv und ich bin wieder in meine schüchterne Kindheit, in den Arbeiterhaushalt mit den Büchern und der strengen Mutter, die nicht viel erlaubte, gekommen.
Das „Memoir Writing“ ist umfassender, da entwickelt man ein autobiographisches Schreibprojekt, keine Autobiographie, sondern über einen Teil seines Lebens, über seine Kindheit, hat das Franc McCourth, ja hervorragend getan, in Amerika steht Memoir darauf, bei uns Roman, das habe ich ja kürzlich selbst beim zweisprachigen Lesen des Buchs überprüft und im Miniworkshop bin ich vom Bett im elterlichen Schlafzimmer, wo ich die Seite des Buchs eingerissen habe, um es behalten zu können, zu der Szene gekommen, wo ich schüchtern und unbeholfen mit siebzehn auf einen Ball gehen wollte und das dann nur tat, weil ich die Eltern im Schlafzimmer sagen hörte, daß ich mich das ohnehin nicht trauen würde, habs getan, umbeholfen im unpassenden Kleid, bin dann ausgerutscht und hingefallen, was ganz schön peinlich war, denn unsere Aufgabe war über packende Erinnerungen zu schreiben, weil die dann die Leser berühren.
„Denke an die fünf Dinge, über die du auf keinen Fall schreiben willst und such dir dann eines aus!“, lernt man in Amerika.
Und dann mußt du deinen Rohtext natürlich überarbeiten. So hieß dann der letzte Workshop, wieder von Ana Znidar gestaltet, wo wir uns einen unsere Texte hernahmen, die meisten, hatten ja inzwischen schon sehr viele und die Wörter herausnahmen, die zuviel erzählten und zu wenig zeigten. Ich mußte da bei meiner Konfliktgeschichte aufpassen, habe ich da ja das Gefühl der Peinlichkeit wahrscheinlich zu oft geschrieben und dann noch schnell ein „hochrot im Gesicht“ eingefügt und dann wieder besonders schmerzhaft, den Text auf dreißig Prozent kürzen. Das habe ich bei der Tanzschulgeschichte nur sehr unwillig getan, beim Traveltext, der mich diesmal nach Saremaa führte, wärs wahrscheinlich einfacher gegangen und noch etwas haben wir geübt, die richtigen Anfänge finden. Beim Freewriting, das wir ja die ganze Zeit praktizierten, fängt man oft zu banal an, da muß man dann die spannenderen Stellen nach vorn verlegen, ein junger Mann hats vorgelesen, wo das funktionierte.
Das war das Schnuppern in die Schreiblehrgänge, in die man sich nun vertiefen muß. Das Writersstudio bietet zu den einzelnen Workshops Infotage an, wo man mehr darüber erfahren kann. Bei einigen Seminaren gibt es, glaube ich, Voraussetzungen, so muß man das „Short Story“ Seminar schon haben, wenn man das „Memoir Schreiben“ lernen will und beim Journalistischen Schreiben braucht man, glaube ich, die „Writer Tricks“ um die Methode des Clusters schon zu können.
Man kann die Workshops einzeln machen oder sich auch die Schreiblehrgänge wählen und wenn man eine Diplomarbeit geschrieben hat und beim „Frei schreiben“ war, kann man auch Schreibtrainerin werden.
Nach den Workshops wurden die Infoblätter zu den Seminaren ausgeteilt und damit es nicht zu anstrengend wird und man nicht, wie ich am Abend, Kopfweh bekommt, gibt es auch die Retreats, wo man an schöne Orte schreiben fährt, oder sich beim „Urban Magic Mindwriting“ in ein Donauschiff oder ins Sigmund Freud Museum setzt, um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Ja richtig, die Schreibenächte, die früher Irene Rauch, die jetzt ja nicht mehr dabei ist, machte, gibt es auch. Ein junger Mann erzählte begeistert vom letzten, in dem es übers Reisen ging, das er besuchte. Da hat die Trainerin kleine Schiffchen gebastelt, die noch zu sehen waren, man konnte sich eines aussuchen und damit auf Reisen gehen und fünf solcher Schreibnächte werden unter den Schnuppernden verlost, mal sehen, ob ich bei den Gerwinnern bin.

2012-09-21

Taubenflug

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:16

In Zdenka Beckers 2009 bei Picus erschienenen Roman „Taubenflug“, der, wie im Klappentext steht „Geschichte einer Kindheit und Jugend in der Tschechoslowakei der fünfziger und sechziger Jahren werden viele Probleme angerissen und in einer Rahmenhandlung zusammengeführt. So beginnt es in der Gegenwart, die Ich-Erzählerin Silvia, genannt Columbina, trifft beim Bebräbnis einer Freundin ihrer Mutter, auf einem Bratislava Friedhof, ihren Jugendfreund Daniel wieder, den sie sechsunddreißig Jahre nicht gesehen hat.
An dem Tag wird nicht nur Tereza Polakova begraben, sondern auch die Urne ihres Sohnes Gregors beigesetzt und Silvia ist von Wien, wo sie als Taubenforscherin lebt, nach Bratislava gekommen und erinnert sich, an ihre Jugend, in einem slowakischen Dorf, das es nicht mehr gibt, weil es eingeschliffen wurde, um die Stadt Bratislava zu erweitern. Silvia ist dort bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, der Vater ist an den Asbestfolgen als Arbeiter einer Chemiefabrik gestorben, so daß die Mutter sich als Schneiderin ihr Leben verdiente und es gab einen Garten, der ihr gemeinsam mit Tereza Polakova gehörte, der Mutter Daniel und Gregors, die beide Silvias Jugendfreunde waren. Um diesen Garten zu bekommen, sollte Siliva Gregor heiraten, so wünschte es sich die Mutter. Silvia fühlte sich aber mehr Daniel hingezogen, der sich für Tauben interessierte und sie zu züchten begann. In dem Dorf gab es auch eine Kirche und einen jungen Pfarrer, Herrn Matus, der sich ebenfalls Tauben hielt, in Jeans und Zivilkleidung durch das Dorf ging und eine besondere Beziehung zu seinen Ministranten hatte. Besonders Gregor schien ihn oft zu besuchen, während sich Daniel mehr für die Tauben interessierte und als er einmal von Herrn Matus in seinem roten Skoda in die Stadt migenommen wurde, kommt er empört zurück, nennt den Pfarrer „Perversling“ und spricht von einer unanständigen Berührung. Im Dorf wird ihm nicht geglaubt, der Pfarrer besticht ihn mit Tauben und Gregor freundet sich irgendwann mit Silvias Freundin Veronika an.
Das geht bis in das Jahr 1968, da sind Daniel und Silvia siebzehn und stehen vor der Matura. Daniel begleitet Herrn Matus nach Ungarn zu einem Taubenwettbewerb und kommt nach dem Einmarsch der Russen nicht mehr zurück. Silvia und Veronika flüchten nach der Matura nach Wien, Veronika kehrt aber nach Bratislava zurück, um Gregor zu heiraten, während Silvia Entologie studiert und ihre Diplomarbeit oder Dissertation über Tauben schreibt.
Nach dem Begräbnis ihrer Mutter, die ein paar Wochen vor Tereza Polakova an einem Schlaganfall stirbt, findet sie in ihrer Wohnung, ein Bündel Briefe, die ihr Daniel nach seiner Flucht geschrieben hat, er ist zuerst auch nach Österreich gegangen, dann nach Amerika und bittet Silvia immer wieder sich zu melden, die Mutter hat aber die Briefe unterschlagen, weil sie sich mit Tereza wegen diesem Garten zerstritten hat und ihrer Tochter ihre Jugendliebe nicht gönnen wollte.
Den Garten gibt es aber längst nicht mehr, wurden die beiden Frauen ja in eine Bratislava Plattensiedlung übersiedelt und Silvia reist Daniels Spuren nach ohne es zu wissen, ist sie ja etwas später, als er in Traiskirchen und hört, als sie Amerika bereist, auch von seinen Taubenzüchtungen.
Während sich in ihrer Heimat die samtene Revolution ereignet, sich die Slowakei von der Tschechei trennt und Gregor in die Politik einsteigt und eine große Zukunft vor sich hat. So wird an seinem fünfzigsten Geburtstag ein großes Fest in der Burg von Bratislava gefeiert, zu dem nur die Größen von Politik und Wirtschaft Zutritt haben und Silvia den ORF und die Seitenblicke dafür interessieren soll. Veronika hat für ihren Mann eine Ballonfahrt organisiert, die er aber nicht überlebt, weil er an Höhenangst leidet und außerdem ist auch einer von Pfarrers Matus Ministranten aufgetaucht, der diesen, offenbar war an den Gerüchten doch etwas daran, erschossen hat. Die Wohnungen der beiden Mütter, die sie vom Staat nach der Umsiedlung bekommen haben und die gar nicht so luxuriös geschildert werden, spielen auch eine Rolle. Nach der Wende kann man sie als Eigentumswohnungen kaufen und Veronika will sie für ihre Töchter haben, so soll Silvias Mutter eine bei sich anmelden, was die nicht will und Tereza will ihre Wohnung auch nicht an die Schwiegertochter weitergeben, weil sie sie für ihren verschwundenen Sohn aufbewahren will. Veronika, die als erfolgreiche Juristin geschildert wird, hat sich aber in den letzten Tagen ihres Lebens sehr, um Silvias Mutter gekümmert, so daß Silvia, als sie zu der Notarin geht, um die Verlassenschaft zu regeln, eine betrunkene und seltsam agierende Veronika vorfindet, die ihr ein nicht ganz gültiges Testament unter die Nase hält, das sie als Wohnungserbin ausweist. Silvia geht daraufhin in die Kirche und trifft dort Daniel wieder, mit dem sie zuerst zu dem Begräbnis geht und dann mit ihm nach Wien fährt.
Eine etwas widersprüchige Geschichte, in der sehr viele Themen, wie zum Beispiel, das des sexuellen Mißbrauchs durch die Kirche angrissen werden. Interessant für mich, dachte ich doch, daß die Religion bei den Tschechen und den Slowaken keine so große Rolle spielte. Die Erbschaftsstreitigkeiten sind für mich auch nicht ganz nachvollziebar, die Kindheit in der sozialistischen Gesellschaft scheint mir dagegen sehr realistisch und vor allem erfährt man sehr viel über Tauben und ihre Zucht in dem Buch. Das erscheint mir neben den historischen Ereignissen, der Flucht nach Österreich, den Aufstieg in den Neoliberalismus, etc, das Interessanteste daran zu sein, während die Rahmenhandlung mit den geifernden Freundinnen und ihren kleineren oder größeren Bosheiten, zu dick aufgetragen und etwas kitschig wirkt.
Einen Fehler habe ich auch gefunden. Wenn Silvia 1974 ihr Studium abschloß, wird sie wahrscheinlich Frau Doktor und nicht Magistra geworden sein.
„Dies ist ein Roman und die Figuren darin entsprechen der Fantasie“, steht auf der letzten Seite. Ein wichtiger Hinweis, weil man sonst Parallelen zu Zdenka Beckers Leben ziehen könnte, die 1951 in Eger geboren wurde, ihre Kindhheit in Bratislava verbrachte, dort studierte und als freiberufliche Übersetzerin und Autorin in St. Pölten lebt.
Ich kenne sie wahrscheinlich über die Litges oder die IG Autoren, sehe sie manchmal in St. Pölten und habe auch mit ihr einen Text in der ersten Österreich Antholgie, die Amrat Mehta auf Hindi herausgebracht hat. Sie hat damals den Kontakt mit dem Übersetzer aufgenommen, ihn nach St. Pölten und nach Wien gebracht, ist selbst in Indien gewesen, einige ihrer anderen Romane sind inzwischen auf Hindi erschienen. 2006 sind „Die Töchter der Roza Bukovska“ bei Residenz erschienen. 2013 habe ich bei http://www.buecher.at gelesen, soll ein neuer Roman bei Deuticke herauskommen.

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