Literaturgefluester

2008-09-29

Ohrenschmaus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:47

Diesmal möchte ich etwas über den Literaturpreis „Ohrenschmaus“ von und mit Menschen mit Lernschwierigkeiten schreiben, den ich in meinen Blogs schon öfter erwähnt, aber noch nicht genauer vorgestellt habe.
Das ist ein wichtiger Preis und eine wichtige Idee, die vor zwei Jahren Franz-Joseph Huainigg hatte. Ich habe gehört, er hat sich einen solchen Preis zum Geburtstag gewünscht.
Erfahren habe ich durch Otto Lambauer davon, der sich sozusagen als graue Eminenz darum bemüht und von mir wissen wollte, an wen man sich im Literaturhaus wenden kann, da die Preisverleihung voriges Jahr dort stattgefunden hat.
So bin ich in die Jury gekommen und das war für mich eine sehr wichtige Erfahrung. Interessiere ich mich ja sehr für Literatur im Allgemeinen und im Besonderen und was Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen schreiben, davon hatte ich, wie wahrscheinlich die meisten, wenig bis keine Ahnung.
Ist das ja ein total neues Land , das erst betreten wird. Es gibt nur wenig Veröffentlichtes in dieser Richtung und wenig anerkannte Schriftsteller und sicher sehr auch viel Unkenntnis und Vorurteile.
So war dieser Literaturpreis Neuland, als er voriges Jahr unter dem Ehrenschutz von Felix Mitterer, das erste Mal vergeben wurde. Und ein großer Erfolg, gab es doch an die hundert Einreichungen, so daß sich die Jury, der noch Barbara Rett, Kurt Palm, Heinz Janisch und Friedl Hofbauer angehörten, schwer tat, die Preisträger zu finden.
Es gab auch eine lange Ehrenliste, einen Sonderpreis und letztlich drei gleichwertige Preise in den Sparten Lyrik, Prosa und Lebensbericht und noch eine von der Firma Zotter gestaltete Schokolade mit einem Preisträgergedicht.
Als ich mich vor einem Jahr durch die eingereichten Texte wühlte, machte ich eine interessante Erfahrung. So wußte ich auf einmal, wie Ernst Jandl zu der Sprache seiner „Humanisten“ gekommen ist und es ist auch diese Sprache, die in dem Lyrikpreis gewürdigt wurde, den voriges Jahr, die vierzigjährige Renate Gradwohl mit einigen ihrer Gedichte gewonnen hat.
Der Text „Der böse Gerhard“ ist auf der Innenseite der handgeschöpften Hibiskus-Kamillen- Schokolade mit Elisabeth Seidls Zeichnung vorn, zu finden. Einen weiterer, nämlich „Küssen lernen“, gibt es im Pressetext zur heurigen Ausschreibung.
Andreas Burtscher und Herbert Offenhuber waren die weiteren Hauptpreisträger des vorigen Jahrs. Ihre und die Texte allerer anderen sind unter http://www.ohrenschmaus.net/texte nachzulesen.
Es gab im Dezember eine bummvolle Preisverleihung im Literaturhaus mit vielen Preisträgern und viel Prominenz und heuer eine neue Ausschreibung, deren Einreichungsfrist morgen endet.
Ich habe mich bereits in den schon vorhandenen Texten ein wenig umgesehen. Die letzten Texte werden in einer Woche kommen und diesmal sollen je zwei der schon erwähnten Jurymitglieder sich die Sparten Lyrik, Prosa, Lebensbericht ansehen und je drei Vorschläge machen, die von den vorjährigen Preisträgern endbewertet werden.
Die Preisverleihung wird am 9. Dezember um 19 Uhr im Museumsquartier stattfinden und Otto Lambauer hat, wie schon mehrmals erwähnt, bei der „Rund um die Burg-Veranstaltung“ auf den Preis und die Literatur von Menschen mit Lernbehinderung aufmerksam gemacht.
Was, wie ich denke, ein weiterer Hinweis ist, wie vielschichtig die Literaturlandschaft ist und wie wichtig über den Tellerrand hinauszublicken, um auch ein bißchen über das Geschriebene jenseits der Mainstreamlandschaft Bescheid zu wissen. Für mich jedenfalls, denn ich lerne viel dabei.

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2008-09-28

Bücherflohmarkt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:29

Das FAZ-Lesezimmer zum deutschen Buchpreis stellt derzeit die Frage nach der Zukunft des Buchs?
Wie seine Vergangenheit aussieht, konnte man dieses Wochenende beim Flohmarkt in der Josefsstraße ablesen. Wo die freiwilligen Helfer sozusagen ein Jahr lang die St. Pöltner Haushalte nach Bücherspenden abklapperten und das solcherart Gesammelte für einen guten Zweck um fünfzig Cent beziehungsweise einen Euro verkauften.
Wenn man zwei Bücher nahm, bekam noch ein drittes geschenkt dazu. Ich habe mir auf diese Art und Weise fünfzehn Bücher um sieben Euro erstanden und war erstaunt, denn es gab viel weniger die alten Büchergildeausgaben, die ich mir erwartete, sondern, den deutschen Buchpreis 07, Julia Francks „Die Mittagsfrau“ und Clemens J. Setz, einen Gewinner der heurigen Bachmannpreise mit dem ebenfalls 2007 erschienen „Väter und Planeten“.
Ich fand zwar auch die raren Gustostückerln, von denen ich mir nicht sicher war, ob ich sie nicht schon hatte.
Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ aus dem Jahr 1929 und Vladimir Nabokov „Lolita“ in einer Ausgabe von 1959, sowie Fritz Habecks Kriegsroman „Der Ritt auf dem Tiger“ von 1958.
Hatte ich noch nicht, ebenfalls auch nicht Joseph Roths „Kapuzinergruft“, was ja zu der Literaturdebatte mit Otto Lambauer passen würde. Aber das habe ich liegengelassen, die anderen nach Harland gebracht. Mal sehen ob und wann ich das lese. Realistischerweise werde ich nicht zu allem kommen und der Bücherflohmarkt in dem nicht besonders ästhetischen Pfarrsaal der Sechzigerjahre war auch sehr interessant.
Da werden die St. Pöltner Haushalte im September ausgeräumt, damit wieder Platz für das ist, was Frankfurt und Buch-Wien empfiehlt und zu Weihnachten auf dem Gabentisch landet.
Meinen Leseplan werden die fünfzehn neuen Bücher nicht sehr durcheinanderbringen.
Habe ich doch alles außer Ken Follets „Der Schlüssel zu Rebecca“ in Harland gelassen, so daß ich, wie vorgenommen nach Angel Wagensteins „Pentateuch“, Anna Kims „Bilderspur“ und Andreas Maiers „Klausen“ lesen will.
Durcheinandergebracht hat mich am Freitag, bevor ich nach Harland gefahren bin, etwas anderes.
Bin ich doch draufgekommen, daß ich ein Buch von Soma Morgenstern besitze. Zwar nicht die Josef Roth Biografie, auf die mich die Roth Ausstellung im Literaturhaus aufmerksam machte. Nein, ich kenne ihn schon ein bißchen länger. Als ich im April nämlich meine Freundin Irmgard Gelter in Hütteldorf besuchte, hat ihr Mann ebenfalls seinen Bücherschrank geleert. Ich konnte mir nehmen, was ich wollte und da war Soma Morgensterns „Der Tod ist ein Flop“ dabei, das ich in mein Badezimmer legte, ohne mir den Autorennamen besonders einzuprägen. Das tat ich erst in Verbindung mit Josph Roth. Und noch etwas hat mich Freitag abend beschäftigt.
Die Einladung der GAV nämlich zur nächsten Generalversammlung am 25. Oktober. Da waren auch die Juryvorschläge für und gegen die Neuaufnahmen angeführt.
Da werde ich wieder einige Veti einlegen müßen. Hat mich doch Monika Gillers Text über das eigene Sterben „Auf dem Totenbett“, (ich habe schon berichtet), sehr beeindruckt und auch Susanne Schneider ist mir auf den diversen Poet-Nächten durch ihre realistischenTexte positiv aufgefallen. So hat sie vor zwei Jahren, glaube ich, eine Geschichte gelesen, in der es, um das Mobbing, die erste Liebe, bzw. die Sprachschwierigkeiten einer chinesischen Chorsängerin in der Wiener Oper ging und Elisabeth Chovanec entspricht vielleicht nicht den strengen GAV-Kriterien, ich kenne sie aber als bemühte Autorin der Poet Night und der Szene Margareten.
Da bin ich jetzt vom Verfallsdatum der Bücher zu den Kriterien guter bzw. schlechter Literatur gekommen, was ja auch zusammenhängt.
Ich habe einen eher breiten Literaturbegriff, beim Lesen und beim Schreiben und bin, vielleicht auch aus eigener Erfahrung, offener als andere. Also werde ich wieder meine Veti gegen „Da müssen wir schon streng sein!“, einlegen. Mal sehen, was passiert. Voriges Jahr war ich ja nicht sehr erfolgreich damit.

2008-09-26

Werkstatt jour fixe und Freud Ausstellung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Ruth Aspöck hat, seit sie mit ihrem Verlag „Die Donau hinunter“ in Pension gegangen ist, einen monatlichen Jour fixe in einer Galerie in der Wilhelm Exnergasse, in der jeden letzten Donnerstag, um siebzehn Uhr Tee, Lesung und Diskussion geboten wird.
Bella Italia, spanische Welten, karibische Rhythmen hat es schon gegeben.
Leider habe ich das alles versäumt, da ich immer eine fixe Stunde hatte, die sich nicht verschieben ließ.
Dieses Mal war es aber anders und so bin ich auch am Donnerstag viel herumgelaufen und habe mir die Mississippi Tales mit Gregor Lepka anhören können.
Den Lyriker Gregor Lepka, der mit seiner Frau Waltraud Seidlhofer in oder bei Wels lebt, kenne ich von diversen GAV-Veranstaltungen und er ist auch ein freundlicher netter Mensch.
Ich leide ja ein bißchen darunter von manchen Autorenkollegen übersehen zu werden, hier ist das nicht der Fall.
Und der New-Yorker Gedichtzyklus (der Mississippi wurde bald verlassen) war auch sehr interessant. Nicht nur wegen dem World Trade Center, das es zu der Zeit, als Gregor Lepka New York bereiste, noch gegeben hat, auch, weil ich mit meiner Familie 1997 zwei Wochen in New York war und dort den Broadway mehrmals auf und abgelaufen bin und seltsamerweise sehr ähnliche Eindrücke hatte.
Einen Gedichtzyklus habe ich nicht geschrieben. Ich bin aber keine Lyrikerin und es ist auch interessant, wie ich dorthin gekommen bin.
Da habe ich nämlich bei einer Zeitschrift, die es, glaube ich, nicht mehr gibt (My Way hat sie geheißen) einmal einen ersten Preis gewonnen.
Es ging um das Thema „Wasser“ und der Preis wäre, glaube ich eine Woche Urlaub in der Türkei gewesen, aber leider ist das Reisebüro eingegangen und so haben sie mir 15.000 Flugpunkte bei der Balkan Air angeboten und ich habe an New York gedacht.
Aber 1997 war ein New York Flug umständlich, man hätte in Sofia übernachten müssen und das hätte meine Punkte überstiegen, so sind wir nach Zypern und Amsterdam geflogen und weil die Anna nach New York wollte, im Sommer zwei Wochen mit einer anderen Fluglinie dorthin.
Das war das letzte Mal, daß ich dort war, wegen der Sicherheitsbestimmungen fliege ich derzeit nicht , meine „Wiener Verhältnisse“, die 1999 entstanden sind, haben aber davon gezehrt.
Es gab also eine interessante Diskussion, danach Tee und ein indisches Süppchen, Kekse, Obst und angeregte Gespräche. So habe ich mich mit Ingeborg Reisner über den Novum-Verlag unterhalten und Robert Egelhofer hat mir von einem Bücherflohmarkt erzählt, der dieses Wochenende in der St. Pöltner Josefstraße stattfinden wird.
Ich bin aber nicht lange geblieben, hatte ich ja noch eine Einladung zu einer Buchpräsentation in der Tasche, die interessant klang.
Und zwar zu „Freuds Wien – Eine Spurensuche“ in der Berggasse 19 und das lag ja am Weg. Allerdings bin ich daraufgekommen, daß die Veranstaltung schon am vorigen Freitag, als ich bei der Poet Night gesessen bin, stattgefunden hat.
Ich bin aber trotzdem hingegangen und war auch nicht so falsch, wurde doch stattdessen die Ausstellung „Ferdinand Schmutzer – Freud und seine Zeit im Portrait“ eröffnet und die Berggasse 19 ist sehr interessant.
War ich ja in den Siebzigerjahren, als ich Psychologie studierte und meine alte Freundin Hansi Berger noch lebte, öfter bei den psychoanalytischen Samstagen und Montagen dort.
Ein Museum hat es noch nicht gegeben. Aber Hut und Mantel oder Stock des Professors hingen in der Garderobe und die Studenten haben ihre Jacken darübergeworfen.
Das habe ich in meinem Wiener Stadtroman „Wie süß schmeckt Schokolade“ beschrieben und heute befindet sich der Hut natürlich hinter Glas, durch die Museumsräume bin ich aber gegangen und in der Bibliothek ein Glas Rotwein getrunken und mich mit einer Stammbesucherin unterhalten, die gestern ebenfalls in der Gesellschaft für Literatur war.
Und einen tollen alten Film angesehen. Mindestens dreißig Minuten lang original Freud kommentiert von seiner Tochter Anna.
Aufnahmen aus den Dreißigerjahren. Wirklich äußerst beeindruckend und Freud war auch ein großer Schriftsteller und hat mich sicher sehr geprägt. Auch wenn ich eine überzeugte Verhaltenstherapeutin bin, an der Psychoanalyse kommt man nicht vorbei.
Und die Stelle, wo der Dekan der Sigmund Freud Universität Johannes Teufel in der Berggasse 19 einen Vortrag über das Stalking hält, habe ich in der Gesellschaft für Literatur gelesen, als es dort noch am Faschingdiestag den Dichterfasching gab, wo alle, die das sonst nicht dürfen, lesen und sich nachher beim Buffet das Honorar eressen konnten.

2008-09-25

Weltliteraturen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:45

Mein dieswöchiger Literaturveranstaltungseröffnungstrip hat mich am Mittwoch in die Gesellschaft der Literatur geführt, denn da wurde unter dem Motto „Weltliteraturen-Literatur der Welt“, die Literatur der Zigeuner, Roma, Sinti vorgestellt und mit zwei Vorträgen eingeleitet. Dann haben Ilija Jovanovic und Ceija Stoijka ihre Lyrik und Prosetexte vorgelesen, beziehungsweise lesen lassen.
Was sehr beeindruckend war. Die Identitätskonflikte Ilija Jovanovic zwischen dem Rom, Serbe und Österreicher sein, auf der einen Seite und Ceija Stoijkas Kindheitserinnerungen in Ravensbrück, Auschwitz, Bergen-Belsen, die die alte Dame äußerst temperamentvoll vorzutragen wußte. Dazwischen ist dann noch ein kleiner Hund mit hellrosa Masche herumgelaufen.
Dazu passend meine derzeitige Lektüre. Habe ich mir doch Angel Wagensteins „Pentateuch oder die fünf Bücher Isaaks“ ausgesucht. Das ist der Roman eines 1922 geborenen Bulgaren, der die Lebensgeschichte des Isaak Jakob Blumenfelds in zwei Weltkriegen, drei Konzentrationslagern und fünf Heimaten als tragisch komische Schelmengeschichte beschreibt und der wohnte ausgerechent in der Margaretenstraße 15, also nicht weit vom Schikanederkino, wo heute Andrea Maria Dusels „Boboville“ das diesherbstliche Kultbuch, vorgestellt wurde.
Die Buchhandlung Jeller, die sich ebenfalls in der Margaretenstraße befindet, präsentiert ein ganzes Schaufenster mit Andrea Maria Dusel Büchern samt Stadtplan von Boboville.
Dieses Kultereignis habe ich versäumt, aber ich verstehe mich ohnehin mehr als Probo (proletarisch statt bürgerlich) und der vorangegangene Arbeitstag war äußerst hektisch.
Dabei habe ich bis halb fünf ganz ruhig an der „Radiosonate“ korrigieren wollen.
Dann hat mich aber ein falsch adressiertes Mail sehr aus meiner Ruhe herausgebracht und die vorläufigen Texte des heurigen Ohrenschmauses sind auch gekommen.
Zusammen mit Kurt Palm darf ich mir bis 21. Oktober die Lyrik durchsehen und Anni Bürkl, die an meinem gestrigen Eintrag regen Anteil nahm, hat passend zu Boboville eine spannende Beobachtung gemacht, sieht sie doch das Proletariat ausgestorben und meint, wir würden alle in Einheitskleidern Einheitshochdeutsch reden. Dazu passt dann noch, daß heute Donnerstag, das Literaturhaus bei Meinl am Graben Olga Flors „Kollateralschaden“ präsentiert.

2008-09-24

Dialektjubel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:14

Im Literaturhaus wurde am Dienstag, die Ausstellung Dialektjubel – zwanzig Jahre ÖDA – vierzig Jahre IDI eröffnet. Geichzeitig hat sich der neue Literaturhausleiter, der Südtiroler Robert Huez vorgestellt.
„Unser Chef ist ein sehr netter Mann!“, sagte Bibiane, die Ex-Medizinstudentin, die schon lange das Buffet betreut, nach der Veranstaltung zu mir. Mir ist aufgefallen, daß er viel gegessen hat, was für mich ungewöhnlich war.
El Awadalla hat aber auch wieder ihre berühmten Pogatscherln gebacken und vorher als Präsidentin des österreichischen Dialektarchivs die Diskussion moderiert.
Auch El Awadalla kenne ich schon lange vom Arbeitskreis schreibender Frauen, damals hat sie sich noch Elfriede genannt und den Max von der Grün-Preis gewonnen, später dann die Million bei der Millionenshow und ist wohl auch so eine besessene Autorin wie ich, die an mehreren Büchern gleichzeitig schreibt, ein bißchen besser auftreten kann und schon lange als Dialektautorin engagiert ist. Und diesmal eröffnete das Literaturhaus seine Saison mit einer Ausstellung zur Dialektliteratur.
Das wohl auch, weil Heinz Lunzer in Pension gegangen ist, denn mit Heinz Lunzer hat sie sich glaube ich, nicht so gut verstanden.
Die Ausstellung wurde von Erich Schirhuber kuratiert und da gab es einige Gustostückerln von Wiederentdeckungswert in den Vitrinen zu bewundern. Denn die Siebzigerjahre haben auch mich literarisch sozialisiert und in der Zeitschrift „Frischfleisch und Löwenmaul“ ist auch einer meiner ersten Texte erschienen.
Im Dialekt habe ich aber nie geschrieben, weil auch meine Mutter als eine Bewohnerin des Arbeiterbezirks Hernals mir diese Sprache, damit ich es einmal besser habe, ausgetrieben und mir das „schön sprechen“ beigebracht hat.
Die Burgenländerin El Awadalla hat das während der Diskussion beklagt und mir beigebracht, was ich nicht wußte, daß es einen Unterschied zwischen Dialekt und Mundart gibt.
Ich dachte, das wäre dasselbe, das eine ist aber offenbar links und fortschrittlich, linkes Wort vom Volksstimmefest beispielsweise und Protestkultur, das andere konservativ und faschistisch gar, Karl Heinrich Waggerl eben, aber der hat, wie uns Frau Dr. Haid belehrte, immer nur in Hochdeutsch geschrieben, obwohl man das gar nicht glaubt. Josef Weinheber hat es aber, obwohl man politisch sehr viel an ihm aussetzen kann, und er wahrscheinlich doch ein guter Dichter war.
Rolf Schwendter ist mit am Podium gesessen und hat viel von seinem breiten Wissen kundgetan und auch, daß er von einer ungarischen Mutter großgezogen wurde, was ich ebenfalls nicht wußte.
Elfriede Haslehner, die auch im Dialekt schreibt und in der Zeitschrift „Morgenschtean“ publiziert, ist neben mir gesessen.
Es war also ein Gewinn, mir diese Woche einen intensiven Literaturveranstaltungssaisonstart zu geben, vielleicht schaffe ich es , ab nächster Woche mich wieder mehr auf das eigene Schreiben zu konzentrieren und noch ein kleiner Nachtrag zu dem gestrigen Kolumnenthema.
Denn meinen Kommentar auf Otto Lambauers „Wau 7“ zum Thema „Schlafen bei Rund um die Burg“ läßt sich auch als eine solche verstehen. Wer es nachlesen will, bei fipsthinks.wordpress.com ist er zu finden.

2008-09-23

Volltext-Wunschkrimi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

An einer Jörg Haider Wahlveranstaltung vorbei, bin ich heute wieder etwas verspätet in die alte Schmiede gekommen.
Diesmal fand die Veranstaltung direkt in dieser, also zwischen alten Werkzeugen statt, wurde ja eine Literaturzeitschrift vorgestellt.
Den Volltext, den es seit 2002 gibt und der in der österreichischen Literaturzeitschriftenlandschaft etwas Besonderes ist. Das Zeitungsformat nämlich, dann wird sie auch an Kiosken vertrieben, um direkt an die Leser zu kommen und eine größere Auflage zu erreichen.
Ein ehrgeiziges Ziel, das einmal sogar als Buchmessenbeilage im deutschen Raum, gigantische Ausmaße annehmen sollte, aber daran gescheitert ist.
Ich kenne die Zeitschrift trotzdem gut, bringt sie mir doch Alfred öfter mit, wenn er am Samstag zum „Morawa“ geht, machmal wird sie auch bei Veranstaltungen verteilt. Die Bachmannpreisberichterstattung ist dabei lobend zu erwähnen, denn da kann man schon vorher die Portraits der Teilnehmer und einen ihrer Texte lesen.
Ansonsten finde ich sie ziemlich Deutschland-lastig, was ich einmal auch dem Herausgeber gemailt habe, aber leider keine Antwort bekam.
Versuchter Mainstream halt und nur das Beste ist für uns genug und das sind dann oft die deutschen Brüder und Schwestern, sind wir ja ein kleines Land, was man übrigens auch am Bachmannpreis merken kann.
Thomas Keul hat die Zeitschrift vorgestellt, dann haben bei der Kolumne „Unwürdige Lektüre“, die inzwischen auch als Buch erschienen ist, drei österreichische Autoren und Autorinnen, nämlich Sabine Gruber, Franzobel und Martin Amanshauser ihre Texte gelesen.
Dann kam noch eine andere Kolumne dran, nämlich „Neulich“ von Andreas Maier aus Bad Nauheim.
Von ihm habe ich auch ein ungelesenes Buch im Badezimmer liegen und in der Nummer, die ich mitgenommen habe, liest er Adolf Hitler und scheint ihn mit Thomas Bernhard zu vergleichen.
In dieser Nummer wird aber auch groß und wuchtig, das neue Buch von Norbert Gstrein vorgestellt und der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Dann ist aber wieder Alban Nikolai Herbst an der Reihe und der hat in einer älteren Nummer einen ganzen Roman abgedruckt und Heike Geißler, die heuer beim Bachmannpreis gelesen hat, stellt die Dr. Norden Groschenromane als unwürdige Lektüre vor.
Die hat sie nämlich gelesen, als ihr als Deutschlektorin in Archangelsk, die deutschen Bücher ausgingen, ihr aber eine andere Sprachassistentin einen Stapel dieser Groschenromane hinterlassen hat. Interessant, denn Sabine Gruber hat von ihrem Zimmermädchenjob in Rom gelesen, wo sie nach der ausgelesenen Anna Karenina einen Stapel italienischer Fotoromane von ihrer Arbeitskollegin bekommen hat.
Martin Amanshauser schwämte dagegen von einer wunderbaren Gerhard Berger Biografie, während Franzobel die Zeitschrift „News“ beschimpfte und seither dort nicht mehr vorkommen darf.
Ich bin mit einem Zeitschriftenstapel nach Haus gegangen, habe noch kurz ins Zelt der Grünen hineingeschaut und mir Werbematerial, sowie eine CD, auf der Mieze Medusa singt, mitgenommen und dann ein mail an Anni Bürkl geschickt, denn die schrieb als lizenzierte Ich-Agentur ein Gewinnspiel aus, bei dem man sich, um einem Wunschkrimi zum Thema „Rufmord“ bewerben kann und weil ich mir vor zwei Wochen bei den wilden Worten, ein Gedicht zum Thema „Depression im Herbst“ wünschte, habe ich gleich meine „Bewerbungsunterlagen“ zum Thema „Wahlkampf in neoliberalen Zeiten“ hingeschickt. Mal sehen, ob ich die glückliche Gewinnerin bin, sonst muß ich den Krimi selber schreiben.
Material habe ich in den letzten Tagen ja genug bekommen. Denn am Donnerstag habe ich beim Frühstück mit dem Bezirksvorsteher zum Tag der offenen Tür, die alten Frauen über die zuvielen Ausländer und die zuwenigen Polizisten schimpfen gehört und am Freitag wurde Alfred in der Kettenbrückengasse fast zusammengeschlagen und trägt jetzt einen Kopfverband. Und die Reaktion der Leute, denen wir das mitteilten, war auch psychologisch interessant.

2008-09-21

Listenstress

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:34

Christiane Zintzen hat mich in ihrem Inadaequat am Donnerstag wieder sehr von meiner „Radiosonate“ abgelenkt, denn sie war die erste von der ich die Namen der berühmten Shortliste erfahren, die uns bis Weihnachten sehr interessieren soll, damit wir auch die richtigen Bücher kaufen.
Mich interessiert es schon ein wenig unter dem vielen anderen anderen und von den sechs erwählten Namen habe ich Uwe Tellkamp, Ingo Schulze und Sherko Fatah gekannt und schon etwas von ihnen gelesen.
Diethmar Dath, Rolf Lappert und Iris Hanika müßte ich dagegen noch entdecken.
Dann bin ich gleich in den FAZ-Lesesaal gegangen, der nicht mehr reading-room heißt, was man zwar belächeln könnte, aber schon logisch und auch wichtig ist und mich auf die Kritikermeinungen und in die Diskussion über das Dilemma der richtigen und falschen Auswahl gestürzt.
Die sehr genau die Fragwürigkeit des Unterfangens zeigt und ich denke auch, der einzige Sinn der Sache ist, daß ich jetzt die Namen Iris Hanika und Rolf Lappert kenne und vorige Woche auch nur der Longlist wegen, Sherko Fatah gelesen habe, der den Sprung geschafft hat.
Ich habe auf der FAZ-Seite gleich mitgestimmt, spontan und vom Augenblick behaftet. Denn ich habe keines der erwählten Bücher gelesen, was man auch angeben konnte.
Für Sherko Fatah habe ich gevotet und gesehen, daß die wenigsten FAZ-Leser am Donnerstag der Meinung waren, er würde den Preis gewinnen.
Natürlich wäre es logischer gewesen auf Ingo Schulze zu tippen, der wahrscheinlich viel bekannter ist und dessen „Neue Leben“ noch immer im Harlander Badezimmer liegt.
Uwe Tellkamps Namen kenne ich von den Listensiegern auch und kann ein Bonmont über seine Literatur beziehungsweise seine Bewertung von mir geben.
Der Ostdeutsche Unfallchirurg, der mit dem Romanauszug „Der Schlaf der Uhren“, 2004 den Bachmannpreis gewann, hat mich, als ich den Text im Radio hörte, sehr beeindruckt. Da habe ich, was ich zugegeben, nicht oft tue, spontan gedacht, der schreibt besser als ich!
Die Jury mit darunter Daniela Striegl hat ihn auch für den besten gehalten.
Dann bin ich ein paar Jahre später, das Buch „Der Eisvogel“ war erschienen und wurde in der literarischen Soiree besprochen ins Radio-Kulturcafe gegangen und habe gehört, wie sich die Kritikerrunde (darunter Daniela Striegl) öffentlich, es wurde in Ö1 gesendet über das Buch lustig machten und ein paar Sätze vorgelesen haben, über die dann alle lachten.
„Ein Buch davon können wir verschenken, wenn Sie es haben wollen!“, hat der Moderator gesagt und noch so einen lustigen Satz darauf geschoben.
Danach war ich zum Glück die einzige Interessentin, es auf einer Schiwoche in Obergail gelesen und durchschnittlich gefunden.
Wie es auch nicht anders sein kann. Rowohlt und Suhrkamp haben sicher ihre Lektoren, die zu wissen glauben, was die Leser wünschen, bzw. sich gut verkauft.
Das neue Buch „Der Turm“, wo es auch um einen Unfallchirugen und den real existierenden Sozialismus geht, ist übrigens unser Buch der Woche (eine Aktion von Presse und Ö1) und wird heute in Ex libris vorgestellt.
Da habe ich am Donnerstag statt zu korrigieren viel herumgesurft und literarischen Termine sind vorige Woche auch gekommen.
So die Einladungen zu den Jurysitzungen, wo ich mich ein bißchen wichtig machen kann und das Literaturhausprogramm.
Kommende Woche könnte ich jeden Tag zu einer Lesung gehen:
Am Montag in die alte Schmiede zur „Volltextpräsentation“, am Dienstag ins Literaturhaus zur Eröffnung des „Dialektjubels“, am Mittwoch in die Gesellschaft für Literatur, wo Literatur der Zigeuner, Roma, Sinti, vorgestellt wird , am Donnerstag in den Jour fixe der Werkstatt Galerie der Ruth Aspöck mit Gregor Lepka zum Thema „Missisippi Tales und am Freitag gbt es zum Drüberstreuen etwas von der anderen Identitätsseite, nämlich die Premiere des Salons Philosophique mit Prim. Univ. Prof . Dr. Michael Musalik „Zur Ästhetik des Umgangs mit Patientinnen“ in der Schleifmühlgasse.
Da könnte, wenn ich nicht sehr aufpasse, die eigene literarische Arbeit untergehen, also sollte ich schleunigst an der „Radiosonate“ weiterkorrigieren. Mal sehen wie es mir gelingt.

2008-09-20

Literaturmarathon

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:58

Dieser Freitag und Samstag war also sehr intensiv. Vierundzwanzig Stunden Literatur bei „Rund um die Burg“ und zehn Stunden „Poet-Night“ des ersten Wiener Lesetheaters. Beides Veranstaltungen, die ich nach Möglichkeit non-stop besuche.
Das Problem war diesmal nur, daß beides Freitag um 16 Uhr begann. Da man nur an einem Ort gleichzeitig sein kann, war es klar, daß ich mich splitten muß. Ich wußte nur nicht, wie ich es machen soll. Bis Samstag zwei Uhr früh im Siebensternkulturzentrum zu bleiben und dann zum Burgtheater gehen, war die eine Möglichkeit. An die habe ich gedacht, als ich noch nicht wußte, wann ich lesen werde.
Dann kam die Information, Freitag von 17.30-17.40. Also die Möglichkeit, mir ab achtzehn Uhr die Hochliteratur zu geben, damit ich für die zu erwartende Bücherliste schon etwas über die Neuerscheinungen der österreichischen Verlage weiß.
Variante drei kam von Otto Lambauer, der mailte, daß es in seinem Zelt ab achtzehn Uhr Lesungen von Texten des „Ohrenschmaus-Literaturpreis 2008“ gibt und da ich in der Jury war und bin, wäre es ja interessant, nach einer kurzen Poet-Night, mir die Ohrenschmaus-Lesungen anzuhören und dann ins Hauptzelt hinüberzugehen, wo sie mich nicht lesen lassen, ja nicht einmal mehr auf meine Anfragen antworten.

Bei der Lesung

Bei der Lesung


Die Poet-Night ist eine Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheaters, das sonst Texte anderer präsentiert. Aber einmal im Jahr können die, die selber schreiben, acht bis zehn Minuten lang ihre Texte lesen.
Im Gegensatz zu „Rund um die Burg“ ist das eine eher geschlossene Veranstaltung. Die Lesenden kommen eine halbe Stunde früher, holen sich das kleine Honorar und hören sich hauptsächlich selber zu, da es nicht viel öffentliche Werbung gibt. Diesmal hing sogar ein Zettel an der Türe des Extrazimmers, daß hier eine geschlossene Veranstaltung stattfiindet!
Ich bin um halb fünf gekommen, habe daher den Thomas Northoff versäumt und etwas früher als geplant gelesen. Und zwar eine Szene aus „Novembernebel“, in der es auch um eine Lesetheateraufführung geht.
Mechthild Podzeit-Lütjen ist mit ihren Text über eine Elfriede, die fünfundsiebzig ist, sich die Haare noch immer rot färbt und kein wirklicher Sozialfall ist, genauso aktuell gewesen, hat sie sich offenbar auf die Geburtstagslesung am Mittwoch bezogen und das auf ihre Art sehr poetisch gemacht, was mich beeindruckt hat. Da war Elfriede Haslehner noch gar nicht da.
Elfriede Gerstl hat als prominenter Gast gelesen, Beppo Beyerl seinen Tschechenroman vorgestellt, Richard Weihs etc. . Monika Giller für die ich letztes Jahr ein Veto für ihre Aufnahme eingelegt habe, hat mich mit „Auf dem Totenbett“, wieder einmal sehr beeindruckt.
Anderes habe ich versäumt (Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy ect…), da wir uns, nachdem Alfred gekommen ist, mir ein Glas Wein brachte und Fotos machte, entschlossen haben, noch eine Weile zuzuhören und dann um halb zehn zum Burgtheater gegangen sind.
Die Ohrenschmaus-Lesungen also versäumt und im Hauptzelt Xaver Bayer. Da bin ich nach einem kurzen Rundgang und Begrüßung Ottos gerade zu der Lesung von Anna Kim zurecht gekommen. Anschließend hat Angelika Reitzer gelesen, deren „Frauen in Vasen“ mich ja interessierte. Dann kam der Burgtheater-Block mit einer Erich Kästner Performance. Danach ist Alfred gegangen, was ihm nicht gut tat, weil er auf der Kettenbrückengasse einen Faustschlag abbekommen hat.
Im Literaturzelt gab es inzwischen den Krimi-Block mit Eva Rossmanns „Die Russen kommen“, Manfred Wieninger und Thomas Raab u.a.
Im Zelt war es allerdings sehr kalt. Viel kälter als gewöhnlich, so daß ich zwischen zwei und drei ernsthaft überlegte, zu gehen. Und mich nur abhalten ließ, weil ich ja überall herumerzählte, daß ich nonstop bleiben will.
Der Erotik-Block, der früher nie sehr aufregend war (und das ist ja die Zeit der größten Müdigkeit, zwischen zwei und fünf, ab fünf ist es dann meistens übertaucht), hatte aber diesmal sehr interessante Frauen anzubieten. Vor allem Mieze Medusa, die für Manfred Rumpl um vier Uhr früh eingesprungen ist, war ein wirklicher Gewinn.
Ich bin also geblieben. Zum Essen und Trinken hatte ich mit und auch einen Extrapullover, den Schal hatte ich leider vergessen.
Am frühen Morgen war das Zelt ziemlich leer, da war ich wieder die einzige Dauerhörerin. Außer mir gibt es nur einen Fotografen, der non-stop bleibt und die Lesenden fotografiert.
Ohrenschmaus-Stand

Ohrenschmaus-Stand


Ich bin, wie besprochen, nach der Lesung von Eduard Habsburg-Lothringens Gesellschaftsroman zu Ottos Stand gegangen, habe mit ihm Kaffee getrunken und mich auch ein bißchen umgeschaut.
So gab es im Bücherzelt Gratis-Teepackerln der Firma Sonnentor, was, wenn man bedenkt, daß es sich bei einem guten Tee besser lesen läßt, eine nette Idee ist, obwohl die Firma Sonnentor ja nicht ins Bücherzelt passt. Anni Bürkl nennt ihren Blog aber auch „Texte und Tee“ und dann gab es auch eine Schokoladeverkostung. Nämlich einen Tisch, wo man sich, wenn man wollte, eine mit verschiedenen Alkoholsorten gefüllte Nußpraline, holen konnte.
So übertauchte ich meine Müdigkeit. Thomas Northoff hat in der Früh hereingeschaut und zu Mittag Ruth Aspöck und Robert Egelhofer, die wundern sich dann immer über meinen non-stop Eifer. Ein bißchen peinlich ist das ja schon. Ich muß aber sagen, es hat etwas gebracht und es tut mir immer leid, wenn ich früher gehe.
Damit es nicht zu lang wird, nur mehr ein paar Highlights. Denn es ließen sich ja noch ganze Seiten über die vierundzwanzig Stunden Literatur füllen. Vielleicht kommen noch ein paar andere Artikel heraus.
Für heute also nur, zu Mittag gabs eine Stunde mit der „Schule für Dichtung“.
Robert Schindel hat gelesen, Franz Schuh und Johannes Gelich und wenn mir auch einiges nicht so gut gefallen hat, war es eine interessante Zusammenstellung und ist eigentlich, auch trotz der mangelnden Antwortbereitschaft und fehlenden Lesemöglichkeit eine tolle Sache, sich einen ganzen Tag lang non-stop Literatur zu geben. Ich habe auch ein paar Bücher, Autorensolidaritäten und Zeitschriften vom Literaturhausstand nach Hause gebracht. – Und jetzt gehe ich schlafen.

2008-09-18

Noch färb ich meine Haare rot

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Nach der Lesung


Das ist der Titel zu Elfriede Haslehners Lesung zum 75. Geburtstag, Mittwoch abend im Amerlinghaus aus ihren Gedicht- und Prosatexten, veranstaltet von „Frauen lesen Frauen“ im Rahmen des ersten Wiener Lesetheaters mit Elfriede Haslehner, Helga Eichler, Monika Giller, Judith Gruber- Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Erika Parovsky, Mechthild Podzeit-Lütjen, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer.
Ein Grund über Elfriede Haslehner zu schreiben, denn ich kenne sie schon lang und zähle sie zu meinen literarischen Bezungspersonen, wenn es soetwas gibt.
1978 war es, als mich Monika Jensen in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht hat und ich eine sehr unsichere junge Frau war, die noch nicht mit dem Psychologiestudium fertig war.
Damals habe ich Elfriede Haslehner kennengelernt, die gerade den Frauenverlag mitgegründet hat und die erste Anthologie „Aufschreiben“ herausgegeben hat.
Einen meiner ersten Texte habe ich, das war dann schon ein bißchen später (ich war gerade fertig und habe mit meiner Gesprächspsychotherapieausbildung begonnen), hingeschickt und Elfriede, die meinem Schreiben ja immer sehr kritisch gegenübergestanden ist, hat ihn mir mit einem Brief zurückgeschickt, in dem sie mir vorsichtig formulierend geraten hat, stattdessen in Therapie zu gehen.
Ich habe mit dem Schreiben nicht aufgehört und sie, nach dem sich der Arbeitskreis 1984 aufgelöst hat, in der GAV wiedergetroffen. 1987 wurde ich dort aufgenommen, wir haben uns noch lange mit Valierie Szabo Lorenz und Hilde Langthaler in den jeweiligen Wohnungen getroffen und wollten auch ein Vier-Frauenbuch herausgeben, das leider an der Verlagsfindung gescheitert ist.
1978 war sie eine aufstrebende Lyrikerin, die gerade von der Frauen- und Friedensbewegung entdeckt wurde und ihre ersten Gedichtbände und Anthologien herausgebracht hat. Später wurde sie von den Ellenbogen jüngerer Frauen aus dem Frauenverlag herausgedrängt, der heute Milena-Verlag heißt und keiner mehr ist und hat darunter, wie ich glaube, sehr gelitten.
Sieben Gedichtbände gibt es von ihr. 2002 hat Anita Schaub, die Frauenlesegruppe des 1. Wiener Lesetheaters gegründet, die unsere Lesejausen ablöste.
Inzwischen gehe ich nicht mehr zu den Jour fixes, weil ich, da berufstätig, nicht monatlich die Texte anderer lesen will, erstens habe ich keine Ausbildung als Schauspielerin und zweitens würde das eigene Schreiben zu kurz kommen, was ich nicht will.
Das wurde mir, glaube ich, übel genommen und da es, außer Alfred, niemanden gibt, der mein Schreiben fördert, hat es mit dem Gelesen werden meiner Texte nicht sehr gut geklappt.
Inzwischen organisiert Judith Gruber-Rizy die Lesungen und heute gab es die Lesung zum 75. Geburtstag. Die zum 70. habe ich versäumt, obwohl ich sie bei der GAV eingereicht habe und auch mitlesen wollte. Aber damals habe ich zum zweiten Mal einen kleinen Luitpold Stern Preis (den es wegen der BAWAG Affäre nicht mehr gibt) gewonnen und die Preisverleihung war zufällig am 17. Juni. Es gab keine Konkurrenzveranstaltung und so konnte ich die frauenbewegten, kritischen, pazifistischen und auch die Dialektgedichte sehr genießen. Ich habe auch mein Lieblingsgedicht „Bilanz“ heißt es, das Elfriede am Schluß gelesen hat. Ich kann es nicht auswenig und zitierte aus dem Gedächtnis.
„Ich habe nicht unter der Brücke geschlafen, war nicht in Steinhof und in Kalksburg, es wurde an mir kein AIDS diagnostiziert und ich bin noch nicht an Krebs gestorben, welch ein erfolgreiches Leben.“ – Das trifft auch auf mich zu und ich sage mir es manchmal in den Momenten der Depression.
Die Lesung war also interessant. Bekannte getroffen, Ruth Aspöck, Richard Langthaler und Elfriedes Freund Franz. Erste Ahnbahnungen für mein Geburtstagsfest am 7. November gemacht, Rolf Schwendter mein Unbehagen über die Überschneidung von „Rund um die Burg“ und der „Poet Night“ mitgeteilt, Rotwein getrunken und mich am Buffet mit Käsestangen und Aufstrichbroten gelabt.
Ein zweites Lieblingsgedicht, das von der Vernissage, zu der man sich schön anziehen soll, damit man nicht für eine Sandlerin gehalten wird, die wegen dem Buffet kommt, habe ich auch, das heute nicht gelesen wurde.
Am Freitag gibt es dann die Poet Night, bei der wir uns wiedertreffen. Ich werde zwischen 17 und 18 Uhr lesen und kann, wenn ich will, schon früher zu „Rund um die Burg“ gehen, um mir die österreichischen Neuerscheinungen anzuhören, die sogenannte Subkultur im Amerlinghaus war aber auch sehr interessant.

2008-09-17

Die Gefahren der Vielseitigkeit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:50

Jetzt gibt es doch einen Blog-Beitrag über die „Friedrich Torberg“- Ausstellung von mir. Eigentlich dachte ich, ich hätte es schon in den „Wiener Literatur Schauplätzen“ abgehandelt. Ich bin eben eine Vielschreiberin, meine Freundin Elfriede Haslehner, ist deshalb auch unzufrieden mit mir.
Nach meiner letzten Stunde und nur einer einzigen korrigierten Szene bin ich gestern mit meinem grünen Leiner-Promotion- Schirm frühzeitig, wie ich glaubte, hingegangen.
Aber obwohl ich schon zwanzig Minuten vorher da war, gab es nur mehr Stehplätze, die freien Sitze waren reserviert und mit Jacken belegt und man sah die Leute winken und ihre Freunde auf die Plätze lotsen.
Nun gut, das habe ich schon erlebt und eine Stunde vorher schaffe ich es nicht. Als ich es einmal im Jugendstiltheater tat, saß ich ganz hinten, während die später gekommenen, die nicht eingenommenen VIP-Plätze stürmten.
Es gab ein paar Eröffnungsreden und einen streitbaren Fritz Muliar, der laut „Haben Sie aber einen schiachen Hintern!“, rügte, als einer der Kuratoren einem in der ersten Reihe etwas zuflüstern wollte.
Aber eigentlich war Fritz Muliar von der falschen Farbe, hat sich Torberg, wie man hören konnte, Zeit seines Lebens gegen die Kommunisten und die Sozialdemokraten eingesetzt. Muliar, die die Regel bestätigende Ausnahme, hat ein Anti Brecht Gedicht gelesen und eines, das die Sehnsucht nach dem Ausseer-See in New York zeigte.
Dann gab es eine Ehrung mit der Torberg-Medaille an einen verdienten Herrn und eine Rede einer Torberg-Nichte, bevor es in den ersten Stock gehen sollte. Ging es aber nicht.
„Keinen Zutritt mit Schirm!“, sagte streng ein Herr zu mir. An der Garderobe war man aber damit beschäftigt, denen, die schon nach Hause wollten, ihre Jacken zu geben.
Also habe ich ihn auf einen der inzwischen freien Sitze abgelegt und bin nach oben gestürmt, um meine Torberg Erinnerungen aufzuwecken. Denn ich habe, habe ich in meinem Bibliothekskattlog nachgesehen, vier Bücher von ihm. Den Schüler Gerber auch im Film gesehen, von „Hier bin ich mein Vater“, das mich sehr beeindruckt hat, Auszüge aus dem Fortsetzungsroman, der sozialistischen Zeitung „Frau“ und dann noch „-und glauben es wäre die Liebe“ und „Auch das war Wien“.
Was ich alles gelesen habe. Die „Tante Jolesch“ nicht. Das dachte ich, interessiert mich nicht, aber vielleicht ist das ein Vorurteil und wenn ich mich nicht irre, hat Friedrich Torberg auch die junge Brigitte Schwaiger entdeckt und gefördert.
Der Ausstellungsrundgang war sehr interessant, die schon bekannten Bücher-Ausgaben wiederzufinden und an den einzigen jüdischen Minnesänger und die Theaterkritiken erinnert zu werden. Die Zeitschrift „Forum“ wurde vom CIA finanziert, was ich nicht gewußt habe. Ich habe mir lang das Torberg-Interview und seinen Lebensbericht angeschaut und war von der suggestiven Art des Meisters und seiner sanften Stimme beeindruckt. Irgendwie hat er ja die Sechziger und die siebziger Jahre geprägt.
„Mein ist die Rache“ wird wiederaufgelegt, dieses Buch ist mir bisher entgangen. Es soll, hat einer der Redner gesagt, in der kurzen Novelle mehr über den Holocaust zu erfahren sein, als in Littells tausenddreihundert Seiten. Was verständlich ist. Torberg war ein Betroffener und einer der ersten Zeitzeugen, während Littell, das Recherchierte, nach kreativer Writing Manier zu einem spannenden Roman zu schreiben versuchte, was bei diesem Thema Widerstand auslösen muß. Er hat es nicht erlebt. Torberg schon.
Ich bin lange mit Kopfhörern bei der kleinen Videowand gestanden und habe einigen Besuchern zugewinkt. Annas ehemaliger Zeichenlehrerin zum Beispiel, Daniela Striegl habe ich beim Betrachten der Vitrinen beobachten können.
In dem Zimmer wo man die „Tante Jolesch“ hören konnte, nur kurz ausgehalten und als ich meinen Schirm holen wollte, war der Vortragssaal zugesperrt.
Warum habe ich ihn nicht in den Schirmständer des Kaffeehauses abgestellt? Zum Teufel mit der Hemmung und der Schüchternheit. Aus diesem Grund bin ich auch nicht von einem der Herrn zum anderen gelaufen, um ihn wiederzubekommen, sondern gegangen und mich etwas mißmutig in die Badewanne gelegt, Julia Schoch fertigzulesen.
Es ist aber ein authentischer Bericht über ein aktuelles Stück Wiener Literaturgeschichte und meiner Gefühlswelt, der dann fehlen würde und heute hörte ich im „Leporello“, es gibt noch ein neues Buch.
Einen Briefwechsel, Torberg soll ja 50.000 Briefe in der Nacht geschrieben und der Welt und der Wien-Bibliothek hinterlassen haben. Ein Torberg-Kishon- Briefwechsel wurde am Montag in der Nationalbibliothek vorgestellt, von dem ich bisher keine Ahnung hatte.

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