Literaturgefluester

2020-02-23

Bei den IG-Autoren

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 13:49
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Generalversammlung der IG-Autoren, deshalb sind wir ja einen Tag früher aus Hinthertal abgefahren, die Ruth, die länger geblieben ist, wird wohl erst am Sonntag zu der Wahl zustoßen, aber ich bin ja ein gwissenhafter Typ und gehe eigentlich immer zu den IG-Autoren, seit dem ich einmal vor zig Jahren als Einzelmitglied nominiert wurde und diesmal war es auch besonders wichtig, denn ich habe ja einen Antrag wegen Selfpublishing gestellt, weil die IG ja grundsätzlich alle Autoren vertritt für die Selfpublisher, wie Gerhard Ruiss immer sagt, nichts machen kann, aber da nennt er es Eigen oder Selbstverlag und das hatte ja früher ein Schmuddelimage und war, glaube ich, den Zuschußverlagen zuzuorden oder wird das immer noch.

Bis vor zehn Jahren war das ja, glaube ich, so, daß das Selberverlegen, das letzte war und man das nur machte, wenn man keinen Verlag fand und das stimmt ja auch, ich habe bis auf die „Hierarchien“ in der „Edition Wortbrücke“ keinen gefunden, obwohl ich, bis 2004, glaube ich, meine Mansuskripte immer mehr oder weniger ausschickte, bis zweiundvierzig Mal habe ich das, glaube ich, getan, von „Rowohlt“, „Suhrkamp“, angefangen über „Residenz“ „Haymon“ bis zum „Resistenz-Verlag“ und keiner hat es machen wollen, bis der Alfred die „Wiener Verhältnisse“, 2000, glaube ich, selber machte und sie mir zum Geburtstag schenkte.

Inzwischen habe ich fast fünfzig selbstgemachte Bücher, die genaue Zahl vergesse ich immer, es sind  auch immer einige in Vorbereitung, ich lasse sie mir fünfzigmal drucken, verzichte auf die ISBN-Nummer und würde sie aber trotzdem gerne bei Lesungen präsentieren und bei Preisen einreichen, beziehungsweise einen „Buchpreis“ damit gewinnen, geht aber nicht, denn „Selfpublishing“ ausgeschloßen, heißt es da ja meistens und das heißt es auch bei den Rezensenten, zumindestens hat das Doris Kloimstein so gesagt, daß sie  nicht wüßte, wie und wo, man, die unterbringen könnte und das stimmt ja auch, denn, wie heißt es ja so schön „Selfpublishing wollen wir nicht!“, obwohl sich das Bild in Deutschland ja schon so ungefähr vor zehn Jahren geändert hat, weil dort ja „Amazon“ den „Selfpublishern“ Tür und Tore geöffnet haben und seither, die Selbstverleger boomen, alle drei Monate ein neues Buch auf den Markt schmeißen und damit erst recht, die Ausschreibungen und Wettbewerbe überfordern, die sich dann die Kritierien suchen, um die Einreichungen zu beschränken und, wie heißt das so schön beim „Bachmannpreis“  oder wo auch immer, „Selfpublishing wollen wir nicht!“

Aber ich greife vor, noch sind wir nicht so weit, noch kam zuerst das Frühstücksbuffet und die Begrüßung, sowie die Feststellung der Beschlußfähigkeit und dann wurde ein Antrag nach dem anderen besprochen, von denen Gerhard Ruiss  betonte, daß es diesmal viele wären, so daß es von einer Stunde Mittagspause unterbrochen, wo es wieder die tradtionellen Würstln gab, ein dichtes Arbeiten war und ein Antrag war meiner, der ziemlich am Schluß besprochen wurde.

Vorher ging es noch um die neue Regierungsbildung und was sich die Autorenschaft von der grünen Staatssekretärin Ulrike Lunacek erwarten kann und die Rolle des Deutschunterrichts in den Schulen wurde auch besprochen.

Dann kam, wie schon erwähnt ein Antrag der Doris Kloimstein, die eine bessere Unterscheidung zwischen den Verlags- und den Zuschußverlagen wünschte, weil diese oft nicht mehr so leicht zu erkennen sind.

Natürlich, denn ich kann mir ja die ISBN-Nummer kaufen und „Eva“, „Erika“ oder was auch immer Verlag darauf schreiben und auch wenn man eine ISBN-Nummer hat, heißt das ja noch lange nicht, daß man das Buch dann in der Buchhandlung bestellen kann.

Die „Hierachen“ haben ja eine solche und da habe ich  noch einige Schachteln in Harland stehen, sie erst vor kurzem in das neue Bücherregal umgeräumt und beschloßen, da jetzt immer eines in die Telefonzelle in Altmannsdorf bzw. in die bei der „Seedose“ zu legen, wenn ich da vorüberkomme.

Dann durfte ich meinen Antrag vortragen, bekam den Vorschlag, daß ich eine „Selfpublisherplattform“ gründen soll, aber das ist ja, glaube ich, nicht das was ich will.

Ich will mehr Anerkennung für meine Bücher, will daß sie beachtet werden und gebe ja jetzt bald mein „Vorlaßbuch“ heraus, wo man sich ja auch ein bißchen über „Mein Schreiben, meine Bücher“ informieren kann und denke und das habe ich gerade Margit Heumann als Kommentar geschrieben, steter Tropfen höhlt den Stein und jetzt kommen ja auch Selfpublisher zu den Generalversammlungen und mit denen kann ich mich, Plattform hin, Plattfrom her, wirklich ein bißchen verbünden, obwohl ich ja eigentlich nichts weiter, als den Zusatzparagraphen bei Ausschreibungen „Selfpublishing wollen wir nicht!“,  abschaffen, was mir, wie ich fürchte, so bald nicht gelingen wird, bin aber beim Abendbuffet mit zwei netten Kollegen ins Gespräch gekommen, habe einer ein Buch gegeben, mit der Doris Klomstein noch ein bißchen geplaudert und die Sylvia Treudl gefragt, ob ich mich bei „Literatur und Wein“ , weil ich ja darüber blogge, vielleicht auch, wie in Basel akkreditieren könnte?

Am Sonntag gab es dann noch ein paar Anträge, darunter die  Hochhausdebatte bezüglich der Weltkulturerbediskussion, die Gerhard Ruiss schon ein paar Jahre diskutiert und dann die Wahl.

Renate Welsh, Peter Turrini und Anna Migutsch wurden wieder als Präsidenten und Vizepräsidenten bestätigt, die anderen wiedergewählt. Ich habe mich für das Schiedsgericht gemeldet. Mit jemanden noch über das Selfpublishing diskutiert, dann ging es nach Hause, weil Margit Kröll, die in den letzten Jahren immer die Einladungen zur anderen Buchmesse, die ja auch irgendwie etwas selbstgemachtes war, diesmal nicht gekommen war.

2020-02-22

Winterurlaub mit literarischen Splittern

Ich bin ja kein Winterurlaubstyp, das heißt keine Schifahrerin oder Snowboarderin, trotzdem bin ich mit dem Alfred, als die Anna  klein war, mit ihr und ihm öfter im Februar nach Obergail in Kärnten ins Lesachtal gefahren, wo wir mit einer Gruppe Leuten ein Bauernhaus benützen und dort gemeinsam kochen konnten.

Der Alfred ist mit der Anna schifahren gegangen, ich bin meistens im Haus geblieben, habe gelesen und geschrieben, gelegentlich einen winterlichen Spaziergang gemacht und einmal sind wir nach Bruneck gefahren, als dort Josef Haslinger gelesen hat.

An das Jahr 2000 kann ich mich auch noch gut erinnern, wo alle wegen der schwarz blauen Wende in höchster Aufregung waren und sogar diskutiert wurde, ob jetzt nicht der  “ Bachmannpreis“ umbenannt werden sollte, was ich im Radio mithörte, während ich einen Text für den „Augustin“ „Widerstand beim Zwiebelschneiden“ schrieb, der glaube ich sogar mehrmals veröffentlicht wurde.

Einmal sind wir auch mit der Iris in ein Hotel in Oberndorf in Tirol zwischen St. Johann und Kitzbühel gefahren, da habe ich meine „Geschichten vom lieben Gott“ geschrieben, die eigentlich auch recht erfolgreich waren, während die Anna mit dem Alfred und den anderen schifahren war und ich im Fernsehen oder im Radio dann am Abend immer von den Schiunfällen hörte, die in dieser Zeit passierten.

Jetzt hat uns die Ruth eine Woche nach Hinterthal in Salzburg eingeladen, weil sie dort in einem Hotel Club ein Appartement hat, das sie einmal im Jahr eine Woche lang benützen kann.

Der Alfred, der inzwischen nicht mehr schifährt, wollte zuerst gar nicht so recht, ich dachte mir aber, daß ich das als eine Art Schreibaufenthalt benützen kann.

Eine Woche Schreib und Leseurlaub sozusagen, habe das „Fräulein No“ und fünf Bücher eingepackt und wir sind am Sonntag losgefahren, obwohl wir schon am Samstag fahren hätten können, aber da hatte der Alfred eine Veranstaltung der „Grünen“, so bin ich auf ein Symposium über „Künstliche Intelligenz“ in die „Sigmund Freud Uni“ gegangen und wir sind erst am Sonntagnachmittag in Hinterthal bei Maria Alm angekommen.

Vorher haben wir in Bischofshofen Mittag gegessen, einen alten Bauern in der Gaststube beobachtet, der als literarischen Vorbild dienen könnte und der Alfred hatte die Idee, daß wir ja, die Margot Koller besuchen könnten, weil die Stadt Salzburg ja nur achtzig Kilometer entfernt liegt.

Die haben wir dann Sonntag Abend in dem Bistro, wo die Ruth und ihr Sohn Martin immer Abend essen  und ich einen roten Spritzer oder einen „Hugo“ trinke, angerufen und sie ist am Montagvormittag tatsächlich gekommen, so daß wir mit ihr, der Alfred, die Ruth und ich, der Martin ist ja der einzige Schifahrer der Gruppe im Urslauerhof Mittag gegessen haben, der ein ausgezeichnetes Restaurant mit einer ausgezeichneten Küche hat, so daß es mich dort noch öfter zu den Mittagsmenüs hinzog.

Literarische Gespräche zwischen den meist holländischen Gästen, die Ruth liest ja im März bei der Margot Koller in Salzburg gemeinsam mit dem Julian Schutting. Ihr neues Buch wird auch bald erscheinen und am Dienstag, als wir von einer nächtlichen Schishow, die mir gar nicht so gefallen hat, in Maria Alm zurückkamen, ist es noch einmal literarisch geworden, denn da habe ich ein Mail von  Erika Kronabitter bekommen, das sie an die „Loosräume“ gerichtet hat, weil sie dort wegen des Kinderschändervorwurfs an den Architekten ihre Anmeldung zu der Führung zurückzog und ihren Protest öffentlich aussendete.

Daran schloß sich dann gleich die Debatte bezüglich Peter Handke an, denn wir fahren ja schon einen Tag früher, als notwendig zurück, weil am Wochenende die GV der IG Autoren ist und die GAV- Vorstandsstitzung mit dem anschließenden Jour fix im Cafe Ritter ist am Donnerstag auch.

Die Vorstandsitzung würde nur die Ruth betreffen, zum Jour fix bin auch ich eingeladen, da wir aber erst am Freitag zurückfahren, werden wir ihn versäumen, dort wird aber auch ein Brief von Bettina Balaka bezüglich Peter Handke diskutiert und bei mir sind einige E-books bezüglich des „Leipziger Buchpreises“ eingetroffen, von dem ich heute morgen schon „luna luna“ ausgelesen habe.

Eine schöne Winterlandschaft gibt es zu bewundern, wenn man aus dem Fenster sieht, mit der Ruth sind wir zweimal am Bach entlang durch den verschneiten Wald gegangen.

Einmal war ich mit dem Alfred in Saalfelden und in Zell am See. In Saalfelden gibt es eine Buchhandlung, wo ich „Walter Nowak bleibt liegen“ um fünf Euro und den neuen Stefan Slupetzky kaufen hätte können.

Aber ich bringe morgen wahrscheinlich ohnehin drei ungelesene Bücher nach Wien, beziehungsweise zuerst nach St.Pölten zurück.

Das „Fräulein No“ habe ich einige Mal durchkorrigiert und sogar gedacht, wenn ich im „Geflüster“ eine Artikellücke hätte, könnte ich einen oder mehrere der vier Füllszenen, die ich letztlich aus dem Text weggestrichen habe, sozusagen als Schmankerl veröffentlichen.

Einen Bücherschrank in dem einige von Ruths Büchern zu finden sind, gibt es in der Hotellobby auch und so ein Winterurlaub ist, glaube ich, sehr erholsam und  literarisch zu benützen, auch wenn man nicht schifahren geht und jetzt geht es noch einmal zum Urslauerhof zum Abendessen oder einen Hugo trinken, bevor es nach Wien zur Generalversammlung der IG Autoren geht, wo ja mein „Selfpublisher-Antrag“ behandelt werden soll.

Die Ruth bleibt noch einen Tag länger in Hinterthal und wird wahrscheinlich erst am Sonntag zur Wahl im Literaturhaus erscheinen.

Der Autor Ror Wolf ist, kann ich noch anmerken, am Montag gestorben, wie mir der Verlag mitteilte.

2020-02-21

Zwei Mütter sind eine zuviel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:58
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Jetzt kommt der neue Roman, der in Vorarlberg geborenen, in Wien und in Nürnberg lebenden Margit Heumann, die ich, glaube ich, durch Thomas Wollingers „Texthobel-Schreibwerkstadt“ kennengelernt habe, sie öfter bei Veranstaltungen sehe und, die mir auch ihre Bücher zum Lesen gibt.

Das Jugendbuch, so würde ich es einordnen, ist schon 2017 erschienen, aber irgendwie neu herausgekommen, auf jedenfall stellt Margit Heumann  es demnächst auf einer Lesung vor und es behandelt ein sehr wichtiges Thema, nämlich das der Adoption, mit all ihren Schwierigkeiten, wenn man plötzlich daraufkommt, daß man zwei Mütter hat oder, daß die Mutter, die man hat, nicht die richtige echte ist oder sich die echte plötzlich meldet oder einem die falsche im Zorn oder in Krisenzeiten zurückgeben will,  beziehungsweise das Adoptivkind vielleicht verhaltensauffällig und schwierig ist, etcetera.

Ein Thema, das die Psychologin natürlich sehr interessiert und wahrscheinlich sehr viel jugendliche und andere Leser auch und Margit Heumann bettet es sehr gekonnt in eine Familiegeschichte ein, die  mit einer sehr adjektivreichen Sprache erzählt wird, beziehungsweise sich mit dieser langsam und allmählich, die Handlung entblättert.

Denn zuerst kommt einmal ein Interview mit Adoptivmüttern, das ich eher an das Ende des Buches gestellt hätte, dann fliegen wir mit Juna nach San Francisco. Die ist Flugbegleiterin und hat einen alleinfliegenden Jungen zu betreuen, den sie dort seiner Mutter zu übergeben hat und man merkt schon, da stimmt etwas nicht, Juna hat Probleme und ist unaufmerksam und im nächsten Kapitel lernen wir ihre Tochter Danica kennen, die mit einem Pferd Turnier reiten soll, Margit Heumann ist Pferdeexpertin, merke ich an und die Schwierigkeiten mit ihrer Mutter hat und mit ihr nicht skypen oder telfonieren will.

Nach und nach gleiten wir hinein in das Geschehen und ich habe jetzt erst mitbekommen, daß Danica, die Adoptivtochter, erst sechzehn ist und mit ihrem jüngeren Bruder, dem leiblichen Kinder von Juna und Hennig auf einem Ponyhof lebt, der dem Vater gehört und die echte  oder Biomutter, wie sie sich oder Margit Heumann sie nennt, Emilija aus dem Kosovo hat Briefe an die Tochter geschrieben.

Jedes Jahr einen zum Geburtstag, die vor ein paar Wochen in Deutschland wo das Ganze spielt, angekommen sind.

Hennig und Juna haben sie Danica erst nach ein paar Wochen übergeben und jetzt ist die stinksauer auf Juna, die sich auch Vorwürfe macht und die Tochter mit ihren Emotionen bedrängt, während der Vater etwas besonnener ist und „Warten wir mal ab!“, rät.

Nach und nach immer von den Briefen unterbrochen, dringen wir ein in die Geschichte, erfahren vom Anruf, der Klinik oder des Sozialpädagogen vom Jugendamt, nachdem der bürokratische Aufwand erledigt ist: „Wir haben ein Kind für Sie!“, das das zwanzigjährige Zimmermädchen Emilija Petrovic, das sich ziemlich unerfahren mit einem Gast vergnügte und dann schwanger wurde, zur Adoption freigegeben hat und dann wieder in den Kosovo zurückkehrt.

Juna und Henning waren sehr aufgeklärte Adoptiveltern, haben Danica die Adoption nie verheimlicht. Das zweite leibliche Kind ist dann, wie das so üblich sein soll, erstaunlich schnell nachgekommen, Danica war auch entsprechend eifersüchtig auf den jüngeren Bruder.

Jetzt umsorgt sie ihn liebevoll und lernt mit ihm Englisch. Es gibt auch einen Großvater, der im Rollstuhl sitzt und eine beste Freundin, den ersten Rausch, die Wut auf die Mutter, eine mütterliche Putzfrau und als wir beim letzten Brief angekommen sind, wo die leibliche oder erste Mutter, die wieder als Flüchtling nach Deutschland zurückgekommen ist, schon ungeduldig drängt, daß Danica sich melden soll, haben sich die Wogen geglättet, das Tunier ist herangekommen, eine Katze ist vorher auch noch verschwunden und glücklich wieder aufgetaucht, Danica ist Juna nicht mehr böse und am Ende taucht, die Großmutter mit einem Onkel auf, schließt Danica in ihrer Arme und, daß Emilija schon verstorben ist und die Großmutter die Briefe nach Deutschland schickte, woher sie die Adresse hatte, wurde mir nicht ganz klar, nachdem das Jugendamt keine Informationen herausrückte und sich Danica, obwohl man das in Deutschland und vielleicht auch in Österreich, ab vierzehn machen, kann auch nie fragend dorthin wandte, ist irgendwie ein Wermuthstropfen der Geschichte, vielleicht auch der Kniff Margit Heumanns, um weiteren Komplikationen, die ja schon der Titel verspricht, zu entgehen.

Es ist aber sicher sowohl spannend, als auch wichtig und lehrreich, sich mit dem Thema Adoption auseinanderzusetzen, so daß ich das Buch allen jüngeren und auch älteren Lesern nur empfehlen kann.

2020-02-20

Metropol

Filed under: Bücher — jancak @ 00:24
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Der neue Roman des deutschen Buchpreisträgers von 2011 Eugen Ruge, der wieder von seiner Familie, besser von seiner Großmutter Charlotte handelte, einer deutschen Kommunistin, die in Moskau 1936 und 1937 in dem berühmten Hotel Metropol festgehalten wurde und von Tag zu Tag miterleben mußte, wie einer von den anderen Parteigenoßen, die auch zwangseingewiesen wurden, verschwand.

Es beginnt mit einem Besuch im „Russischen Staatsarchiv für soziopolitische Geschichte“, wo Ruge sichden Akt der Großmutter ausheben ließ und dann gekonnt, die Fakten mit der Fiktion verbindet.

Weiter gehts  mit den berühmten Schauprozessen, wo alle Angeklagten, die unglaublichsten Taten gestehen und dann hingerichtet werden und Charlotte, die mit ihrem zweiten Mann Wilhelm unter falschen Namen auf einer Kreuzfahrt ans schwarze Meer unterwegs ist, liest in der Prawda von einer der Hinrichtungen und gerät in Bedrängnis, denn sie haben  den Hingerichteten ein Grammaphon verkauft, was offenbar schon ausreicht, um in Ungade zu fallen.

Dem Buch sind Originaldokumente beigelegt, die die Briefe enthalten, die das Ehepaar zu seiner Rechtfertigung schrieb, trotzdem werden sie  in das berühmte Jugendstilhotel eingwiesen und Ruge schildert sehr anschaulich die Lebensbedingungen, die dort herrschten und das Mißtrauen, das die Genossen untereinander hegten.

Charlotte ist eine aufrechte Kommunistin, die mit Sommerschuhen durch das winterliche Moskau wandert, wo man in der Prawda neben den Schauprozessberichten immer wieder lesen kann, daß Genosse Stalin, das Leben für alle wieder ein Stückchen schöner und bunter gemacht hat.

Sie ergattert auch Winterschuhe und geht damit ins Bolschoitheater. Leider sind die Sohlen aus Pappe, so daß sie die Schuhe von einem illegalen Schuster reparieren lassen muß, was in der aufrechten Kommunistin Schuldgefühle und auch erste Zweifel aufkommen lassen.

Ein Detail am Rande ist, daß Lion Feuchtwanger, der ja  den Schauprozessen beiwohnte und auch das berühmt berüchtigte Jubelbuch über „Moskau 1937“ geschrieben hat, eine Zeitlang Charlottes Zimmernachbar war.

Zuerst müßen sie sich, um die Lebensmittel anstellen. Später bekommen sie das Personalessen im Hinterteil des Restaurant von einer unfreundlichen Kellnerin hingeknallt und es gibt in dem Buch noch zwei weitere Handlungsstränge, einer davon ist einem Richter gewidmet, der Schmetterlinge sammelt, sich gegenüber seiner Frau nicht durchsetzen kann, aber dreitausend Todesurteile unterschrieben hat, der andere behandelt, das Schicksal einer Sekreätrin, die  bei den zu Tode verurteilten ist.

Charlotte und ihrMann werden verschont und 1937  nach Frankreich ausgewiesen, wo sie später zuerst nach Mexiko und dann in die DDR kamen, wo Ruge seine Großmutter kennenlernte und erst spät über seinen „Buchpreisroman“ zum Aufarbeiten ihres Schicksals gekommen ist.

Ein interessantes Buch, das die Zustände in Moskau in der Stailinzeit sehr eindringlich wiedergibt.

Julian Barnes hat „Im Lärm der Zeit“ ja etwas Ähnliches am Schicksal von Schostakowitsch versucht.

Ljuba Arnautovich, die in Rußland geboren wurden, weil ihre Eltern nach dem Februarkämpfen nach Rußland geschickt wurden, hat  über ihre Großmutter geschrieben und vom „Leidensweg“ von Alexej Tolstoi, der ja glaube ich auch den Schauprozessen beiwohnte, habe ich auch zwei Bände gelesen, die ja die Zeit nach der Oktoberrevolution schildern.

2020-02-19

Preis der Leipziger Buchmesse

Den „Preis der Leipziger Buchmesse“, der in Leipzig immer am Donnerstag, ich glaube, um vier, direkt in der Glashalle verliehen wird, gibt es seit 2005, also genauso lang wie den „Deutschen Buchpreis“, der Unterschied dazu ist wahrscheinlich, Erstens die Verleihung direkt auf der Messe und dann, daß dieser Preis in drei Kategorien: „Belletristik“,“ Sachbuch und Essayistik“ und „Übersetzung“ verliehen wird und pro Kategoerie jeweils fünf Bücher nominiert sind.

Ansonsten ist das Procedere, glaube ich, gleich und ich bin 2010  in Leipzig auf den Preis gestroßen und einmal in dem Jahr als auch die Bloggerlounge eingeführt wurde und man auf Wolfgang Tischers Seite die Aufforderung sich als Blogger zu akkreditieren lesen konnte, hat es auch die Aktion der Buchpaten gegeben, die im letzten Jahr vom „Deutschen Buchpreis“ aufgegriffen wurde und vielleicht die „Buchpreisblogger“ ersetzen.

Da konnte man sich jedenfalls als“ Bloggerpate“ bewerben, ich habe es getan, wurde aber nicht ausgewählt. Im nächsten Jahr hat es diese Aktion  nicht mehr gegeben und ich habe mich, muß ich gestehen, eigentlich auch nie so besonders für die Bücher interessiert, obwohl ich den Preisverleihungen, wenn ich in Leipzig war, immer regelmäßig live und sonst per livestream folgte,  schon einiges gelesen und einige Bücher ungelesen zu Hause habe und andere, was wohl auch daran liegen mag, daß ich mich nur für bestimmte Sachbücher interessiere und über die eher nicht blogge.

Dann kam aber 2015 und seit dem blogge oder lese ich ja den deutschen Buchpreis, 2016 gab es dann das österreichische Pendant, für den „Schweizer Buchpreis“ habe ich mich erst im letzten Jahr besonders interessiert, da heißt die Bücher angefragt und gelesen, weil wir ja nach Basel gefahren sind, in der “ Bloggerdebutpreisjury“ bin ich auch schon seit 2016 und habe in den letzten Jahren auch immer regelmäßig relativ viele Debuts gelesen.

Aber der „Leipziger Buchpreis“, ein Stiefkind, warum eigentlich, wenn ich doch regelmäßig, im Gegensatz zu Frankfurt, wo ich das nur 2000 und 2002 tat, nach Leipzig fahre.

Warum wohl? Ich weiß es nicht und habe meistens nach der Nominierung mit den Titel nicht sehr viel angfangen können, auch nicht sehr viel davon gelesen, aber heuer extra die Seite aufgeschlagen, als ich erfahren habe, am 11. 2. werden die Nominierungen bekanntgegeben und dann habe ich mich hingesetzt und in einigen schlaflosen Stunden zuerst die fünf Belletristik- Bücher angefragt, die aus

1. Verena Günther „Power“

2.Maren Kames „luna luna“

3Leif Randt „Allegro Pastell“

4.Ingo Schulze „Die rechtschaffenen Möder“ und

5.Lutz Seiler „Stern 111“,  also drei bekannte und zwei mir eher unbekannte Namen bestehen.

Drei Zusagen habe ich schon bekommen und Maren Kames sehr poetisches Buch, das wohl auch einen „Schönsten Bücher-Preis“ bekommen könnte, liegt schon auf meinen Badezimmerstapel.

Dann habe ich das Anfragen vorerst gelassen, weil ich mir ja eigentlich vorgenommen habe, diesmal nicht so viele Bücher anzufragen, sondern lieber Backlistzu lesen, weil es ab August ja wahrscheinlich ohnehin wieder hitzig werden wird.

Mich nachdem ich mich zu diesem Artikel entschloßen habe, aber  nicht daran gehalten, sondern auch die fünf Übersetzungen angefragt, die das sind:

1.Fran Ross „Oreo“

2.Clarisse Lispector „Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau“

3.Angel Igov „Die Sanftmütigen“

4.George Eliot „Middlemarch“ und

5.Charles Baudelaire „Der Spleen von Paris“

Die Sachbücher habe ich noch immer ausgelassen, obwohl mich das bei Zsolnay erschienene „Ivo Andic-Buch interessieren würde, aber da ich nicht so gerne E-Books lese und außerdem auch meine Backlist schaffen will….

Mal sehen, was zu mir kommt, den dBp und den Öst lese ich jetzt ja immer fast vollständig und ich werde mit den Lesen auch sofort anfangen und Mal sehen, wie weit ich damit bin, wenn wir dann am 11. 3. nach Leipzig fahren.

Akkreditiert habe ich mich, der Alfred hat auch schon seine Karte, einen Verlagstermin und ein Bloggertreffen ist auch schon ausgemacht. Es kann also nur spannend werden und eigentlich ist der „Leipziger Buchpreis“ ja auch sehr interessant.

2020-02-18

Nix passiert

Filed under: Bücher — jancak @ 00:47
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Das vierte oder fünfte Buch der 1985 in Ahaus geborenen und in Berlin lebenden Kathrin Wessling, die, glaube ich, an Depressionen litt oder leidet und das auch in einem Buch so beschreiben hat.

„Super und dir?“, das ich gelesen habe, wird als die Stimme der Generation beschrieben und mit „Nix passiert“ geht es weiter in dem flapsigen Ton, den ich zuerst glaube ich bei Sarah Kuttner hörte in den von den Schwierigkeiten und den Krankenheiten der Jugend berichtet wird.

„Die sind Frauensache!“, steht irgendwo in dem neuen Buch. Der behandelnde Arzt korrigiert, denn sein Patient Alex mit den Panikattacken ist ja ein jungerMann. Aber es stimmt doch, die meisten Panikattackerinnen sind Frauen, die Männer geben es nicht  zu oder ertrinken die Angst im Bier und so ist es Kathrin Wessling sehr zu verdanken, sich in ihrem neuen Buch einen jungen Mann als Protagonisten ausgesucht zu haben.

Alex Anfang dreißig, von Beruf Webdesigner, ein Beruf, den er eigentlich haßt, er lebt in Berlin und zu Beginn des Buches hat ihn seine Freundin Jenny verlassen, worunter er, wie ein Schwein leidet, sich für drei Wochen krankschreiben läß,t nun im Bett liegt und dann irgendwann beschließt in das Heimatdorf zurückzugehen.

Die Eltern empfangen ihn, was etwas befremdet klingt, eher unfreundlich, die Mutter liegt im Bett, als er erscheint und geht gleich wieder schlafen. Der Bruder, ein junger Familienvater, fordert ihn gleich direkt auf wieder zu verschwinden. Der Vater räuspert sich, geht mit ihm spazieren und besucht mit ihm dann etwas später einen Onkel, der sich nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim befindet.

Alex liegt auch hier im Bett im Keller, trinkt nachts die Flaschen in der Minibar leer oder holt sich den Schnaps von der Tankstelle.

Über das, was ihm passiert ist, wird nicht gesprochen, zu Anfang jedenfalls nicht, bis ihn der Vater zu einem Spaziergang holt und dann mit ihm in einer Bar einkehrt, die von einem ehemaligen Schulfreund betrieben wird.

Da geht es dann ab in die Vergangenheit, in das, was während der Schulzeit passiert ist und da kam es am sechzehnten Geburtstag zu einer Panikattacke. Alex glaubt, er ist schwer krank und, daß  er gleich verrückt werden wird und darüber, daß der Sohn vielleicht ein Psycho ist, spricht man nicht. Der Bruder macht ihn deshalb fertig.

Interessant daß der Freund Thomas, der jetzige Barbetreiber ihn aus seinem geistigen Koma holt und mit ihm auf einen Felsen steigt.

So geht Alex wieder in die Schule, macht sein Abitur, geht dann nach Berlin, wird Webdesigner, weil er das kann und das leicht ist, nicht weil er es will, hat immer Angst vor der Angst und jetzt ist er wieder ein Versager, weil von seiner Freundin verlassen und ihn alle fragen, warum er zurückgekommen ist und wie lange er bleiben wird?

Die Geburtstagsfeste habe es in sich und bringen es an den Tag, denn jetzt wird der Vater sechzig und vor dem großen Fest, daß da veranstaltet wird, erzählt Alex den Eltern alles, daß Jenny ihn verlassen hat und, daß er sich für seine Schwäche schämt und der vater gibt zu, daß ihm die Krankheit seines Sohnes peinlich war.

Ein Wasserschaden in der Wohnung holt ihn dann nach Berlin zurück, er kündigt seinen Job, beziehungweise läßt er sich kündigen, damit er Arbeitslosengeld bekommt und am Schluß des Buches trifft er seine Jenny wieder, die auch ihren Job als Krankenschwester gekündigt hat, jetzt in einer Bar arbeitet und vielleicht doch Medizin studieren will und die Beiden gehen, nachdem das Geld aus ist, in ihre Wohnung, weil es da noch etwas zu trinken gibt und das Ganze beginnt vielleicht von vorn, vielleicht ist Alex aber eine Stufe weitergekommen und in eine neue Runde des Lebens eingestiegen?

Ein Buch über die Leiden, der jungen Generaton von heute, die sehr viel Druck ausgesetzt ist, könnte man schreiben. Ein Buch über Panikattacken, das ich, glaube ich, meinen Patienten sehr empfehlen kann und in der Danksagung schreibt Kathrin Wessling auch von einem schlimmen Sommer über den ihr ihre Freunde und ihr Instangram-Account sehr geholfen haben. Ja richtig, die neuen Medien spielen in diesem Spiel, das sich Leben nennt, auch noch eine Rolle und machen es einem oder einer, der oder die heute maturiert, wahrscheinlich noch viel schwerer, als das vor zwanzig oder dreißig Jahren war.

2020-02-17

Chaya

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Nun kommt ein Debut von 2017 das es nicht auf die Bloggerdebut-Shortlist geschafft hat und das mir der Alfi bei „Literatur und Wein“ in Göttwein kaufte, das wahrscheinlich könnte man Memoir sagen, obwohl es sehr verdichtet ist, der 1964 in Teheran geborenen Kathy  Zarnegin, von dem ich jetzt gar nicht sagen kann, was mich an dem Buch so sehr interessierte, daß es mir kaufen ließ.

Das es die verdichtete Lebensgeschichte der Autorin ist, die mit vierzehn Jahren in die Schweiz gekommen ist und dort als Lyrikerin lebt, habe ich, glaube ich, gar nicht mitbekommen und das Ganze wahrscheinlich für einen interessanten Roman gehalten, es ist aber wirklich ein interessantes Buch, das manchen Islamhasser und Verfechter der großen oder kleinen Austauschtheorie sehr zu empfehlen ist.

Dabei stammt Chaya, ob sie das Alter Ego ihrer Autorin ist, ist aus dem Text nicht so genau herauszubekommen, aus einer jüdischen Familie. Der Vater hatte aber zwei Frauen, die ältere hatte von ihm sechs Kinder, die jüngere, Chayas Mutter, drei, Chaya und ihre zwei jüngeren Schwestern und die war eine Zeitlang Krankenschwester, bevor sie den Vater kennenlernte und mit ihm auf Europareise gegangen ist.

Die Jugend Chayas war sehr unbeschwert, die Eltern offenbar Freigeister, so gab es eine nicht verheiratete Nachbarin, mit der und deren Liebhaber, die Eltern philosophische Gespräche führten und die Kinder waren selbstverständlich dabei, bis sie am Boden eingeschlafen sind.

Weil Englisch als die Weltsprache galt, obwohl die Eltern es nicht sprachen, wurde Chaya auf eine englischsprachige Privatschule geschickt, obwohl oft das Geld nicht da war, die Schulgebühr zu bezahlen.

Der Vater war oft auf Reisen und brachte dann schöne Geschenke mit, später lernte Chaya auch Italienisch und wurde, als in Teheran die politischen Unruhen begannen und ihre Schule geschlossen wurde, von den Elten zu Verwandten in die Schweiz geschickt.

Sie kam nie mehr oder nur auf Besuch nach Teheran zurück, lernte Deutsch und begann bald ihre Gedichte in dieser Sprache zu schreiben, studierte Philosophie, statt wie von den Eltern gewünscht, Medizin und gründete sehr bald eine Gedichtagentur, das heißt, sie druckte Gedichte auf Poster und wenn man die kaufte, konnte man das Copyriht dazu erwerben und hatte das Gedicht sozusagen, wie einen Miro für sich.

Nebenbei ging sie putzen und jobbte in einer Sprachschule, bis sie mit ihrer Agentur erfolgreich wurde und sich die Redaktionen und Fernsehanstalten um sie rissen und im ihre Freunde und Liebhaber, David und Eric, mit denen sie mehr oder weniger tiefsinnige Gesrpäche führt, geht es auch.

Im <klappentext steht noch etwas, daß das Mädchen aus dem Orient Europa staunend erobert, wie einst Zazie in der Metro, so habe ich das Buch nicht empfunden, obwohl ich das Vorbild nicht gelesen habe.

Es sind eher sehr poetische Detailstücke in denen das Ganze aufgegliedert ist, so wie etwa die Geschichte, in der sie in ein Geschäft geht und von dem geschwätzigen Verkäufer  einen Anorak aufgezwängt bekommt, in dem sie aussieht wie ein „unter adipositas leidender Kanarienvogel“, was ich für eine sehr schöne Formulierung halte oder die von der Sekretärin in der Sprachschule, in der sie arbeitet, deren Besitzer, interessanterweise auch zwei Frauen hat.

Aber das ist wohl nur ein Detail am Rande in dem sehr poetischen und interessanten Buch.

2020-02-16

Von der künstlichen Intelligenz in den Winterurlaub

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:13
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Für die Woche vor den IG-Autoren hat uns die Ruth in das „Alpina Familien und Sporthotel“ in Maria Alm in Hinterthal, Salzburg eingeladen, weil sie dort ein Appartement benützen kann, Samstag bis Samstag, wir werden aber erst am Sonntag hinfahren und am Freitag wieder zurück, weil der Alfred zu einer Veranstaltung der Grünen wollte und ich hätte zwar an meinem „Nanowrimo-Text“ zu korrigeren, aber eine Einladung zum fünften Wiener Sozialästhetik – Symposium „Lächelt die Maschine!? Zur Sozialästhetik der künstlichen Intelligenz“ in die Sigmund Freud Uni bekommen und da ich ja Fortbildungsstunden brauche und außerdem wieder Thomas Ballhausen referierte, bin ich hingegangen, obwohl ich dachte, daß mich die künstliche Intellingenz, von der man jetzt soviel hört, gar nicht so interessiert.

Aber ein spannendes Thema, das Professor Musalik, der Veranstalter, zu dessen Salon Philosophique ich ja machmal gehe und ich auch beim vierten Symposium vor einem Jahr, zum Thema lachen war, von allen Seiten beleuchtete und gleich beim Eintragsvortrag verkündete, daß er das Gerede, um die künstliche Intelligenz für einen Ettikettenschwindel hält. Die künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, hat er erklärt und dann kam nach der Erörterung der Frage, ob die Maschinen mämnlich oder weiblich sind, sie werden von Technikern konstruiert, lautet die Antwort und daher gibt es bei Autounfällen oft tote Frauen, weil die Dummies nicht nach ihren Massen getestet werden, schon Thomas Ballhausen, der „Priessnitz-Preisträger“, der sich sehr sehr für Filme und Comics interessiert, im Literaturhaus das „Fried-Symposium“ kuratiert und in der Schleifmühlgasse bei Prof. Musalik auch einen Vortrag über Sigmund Freud gehalten hat und referierte über künstliche Intelligenz und Literatur.

Dazu hat er sich sehr gut vorbereitet, nannte einige Merkmale der Sci Fi- Literatur und einige Bücher, die sich mit der künstlichen Intelligenz beschäftigen, wie beispielsweise das vorletzte von Ian Mc Ewan „Maschinen wie ich“, da habe ich nur die „Kakerlake“ zum Thema Brexit gelesen, der literarische Streifzug war aber interessant und dann folgte nach einer Pause, wo es Kaffee und Krapfen gab und ich mich mit einer Psychologenkollegin unterhalten habe, die ich schon lange nicht gesehen habe, Beispiele der künstlichen Intelligenz im Film und das Thema Film wurde auch mit einigen Beispielen behandelt.

Da fehlte dann nur der Humor oder der Sarkasmus und die Ironie, beziehungsweise, die Emojis und die Memes, die man sich im Netz gegenseitig zuschicken kann.

Nach der Mittagspause mit Buffee gings dann zuerst ins Museum und dann in den medizinischen Alltag, da gibt es ja einige Apps, die einem den Blutdruck messen, beim Sehen helfen oder eine Depression diagnostizieren können.

Danach gab eine Schlußdiskussion, wo wieder die Skepsis bezüglich der Roboter  bestätigt wurde und im Anschluß Wein mit Chips und französische Chansons, die von einem Clinikclown vorgetragen wurden, die die Mitveranstalter waren.

So und jetzt auf in den Winterurlaub, um acht fahren wir los, obwohl ich ja keine Schifahrerin bin, ich habe aber ein paar Bücher und mein Manuskript eingepackt und ein kleiner Ortswechsel tut mir sicher gut.

2020-02-15

Wir verlassenen Kinder

Jetzt kommt  das zweite „Kremayr&Scheriau-Buch“ aus der Frühjahrsschiene, ein Debut der 1990 in OÖ geborenen Lucia Leidenfrost, das wieder keines ist, habe ich doch schon ihren vor zwei Jahren erschienenen Erzählband „Mir ist die Zunge so schwer“ gelesen und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes Buch, das ein  wichtiges und wohl auch verdrängtes Thema unserer Zeit auf sehr poetische Art und Weise, wenn auch mit einigen Widersprüchen und Kurven zu schildern weiß.

Soll es doch in Moldawien oder sonstwo ganze Dörfer geben, wo die Kinder mit vielleicht ein oder zwei Großmüttern verlassen leben, weil die Eltern im goldenen Westen die Ärsche der dortigen alten Leute putzen, weil das dort niemand mehr kann oder will.

Lucia Leidenfrost schildert das alles dezenter und auch namenloser, es wird kein Ländernamen genannt und die Kinder dort heißen zwar Mila und juri aber auch Anni und ein Erwachsener Valentin und mal gibt es Krieg im Nachbardorf, mal ziehen Blechvögel über den Himmel und nur ein einziges Mal wird eine Lidia erwähnt, die eben im goldenen Westen die Ärsche putzt und Briefe an ihre verlassenen Kinder schreibt.

Die bekommen zuerst noch Geld und Geschenke, Stützstrümpfe für eine Oma, die längst  gestorben ist und auch der Lehrer hat das Dorf schon verlassen. Es gibt zuerst noch einen Pfarrer der zu alle heiligen Zeiten kommt und einen Bürgermeister, der im Rathaus sitzt und die Kinder manchmal mit ihren Eltern telefonieren läßt.

Der ist der Vater von Mila und ihren zwei Schwestern, die jüngste ist ein Baby und die Mutter ist bei der Geburt gestorben, Mila versorgt nun die Schwestern, ist die Außenseiterin im Dorf, wird von den anderen Kindern, die ihre eigenen Regeln erstellen, gemobbt und gequält.

Sie stieht aber den Vater auch den Schlüßel zur Schule, will Lehrerin werden und weil  kein neuer Lehrer komt, selber die kleineren Kinder unterrichten.

Die Scheifen von denen ich oben geschrieben habe, bestehen darin, daß die Eltern beispielsweise schreiben, sie wären schon in der Nachbarstadt und würden bald kommen, als die Kinder aber dorthinziehen, um das Geld von der Bank zu holen, sind sie nicht da.

Später kommt auch kein Geld mehr und keine Geschenke und die paar Alten und auch der Bürgermeister verlassen das Dorf, um in einen Krieg zu ziehen. Der Bürgermeister kommt aber in den Nächten zurück und bringt Fleisch und Käse mit, das Mila ihm brät, während die anderen Kindern kein Wasser, keinen Strom und kein Essen mehr haben.

So werden zwei Beschlüße gefaßt, Mila putzt die schule und beschließt ab der nächsten Woche die Kleineren zu unterrichten, während die anderen Kinder sie in der Hoffnung, daß dann endlich Hilfe kommt, sie anzünden und gemeinsam velassen sie dann das Dort, um sich ihre eigene Welt zu bauen oder so etwas wie Geborgenheit woanders zu finden?

Einer der berührendsten Sätze im Buch lautet „Einmal werden wir mit der geladenen Pistole zu unseren Eltern fahren und sie zurückholen“ und der Automechaniker, von dem sie die Pistole haben, wundert sich in einem Brief über die Gewalttätigkeit der Kinder und schreibt „Man hätte die Kinder auch mitnehmen können.“

Ein berührendes Buch das nachdenken läßt, aber auch sehr poetisch ist, so daß ich mir schon überlegen, ob es auf die shortlist des Bloggerdebut oder auf eine der anderen Buchpreislisten kommt und das Lesen sehr empfehlen kann.

2020-02-14

Bücherräumaktionen

Ich habe ja schon geschrieben, daß ich mir in den Weihnachtsferien beim „Leiner“ in St. Pölten ein neues Bücherregal für Harland besorgt habe, weil meine Bücherberge im Wiener Schlafzimmer sich schon an den Wänden stapelten, ich nichts mehr gefunden habe und der Alfred stöhnte oder befürchtete, daß er und ich einmal von den Büchern erschlagen werden würden.

So noch ein Regal in das große Harlander Wohnzimmer stellen, in das ohnehin schon zwei an den Seitenwänden stehen und dann, als wir nach Weihnachten wieder nach Wien zurückgekommen sind, erstmals, die doppelt gereihten Büchstapeln in vier Bananenschachteln räumen, um sie nach Harland zu transportieren.

Da war das neue Jahr gerade ein paar Tage alt und der 2020 Lesestapel im Badezimmer mußte aktualisiert bzw. erweitert werden.

Das heißt, die alten Bücher weg und neue entsprechend meiner Leseliste dazugeräumt und da bin ich bald darauf gekommen, daß mir Vea Kaisers „Blasmusikpopp“ ihr Erstling mit dem sie ja sehr sehr jung, schlagartig berühmt wurde und den ich mir damals bei diesem Bloggertag in dieser Sozialbuchhandlung gekauft habe, fehlte und Ivan Mandys „Kino alter Zeiten“, ein Fund aus dem Schrank, eine alte DDR-Ausgabe, die mir interessant erschien, um sie möglichst bald zu lesen.

Also gesucht und gesucht, aber bei den schon sehr vielen zweilagig geräumten Regalen, erschien das etwas aussichtslos. Da war das Stapel abräumen schon eher hilfreich, weil ich die Bücher ja in Harland in das neue Regal eingeräumt und in meiner Kartei umgeräumt habe.

In Harland gibt es neben dem großen Wohnzimmer, noch das Balkonzimmer, in dem die Anna früher wohnte, das hat der Alfred einmal leergeräumt und nur das große Bett, das er sich glaube ich vom Patrick machen ließ und das einmal in der Gumpendorferstraße war, mit einigen Gerümpel hineingestellt.

Da war es naheliegend noch ein und zwei Regale hineinzustellen, die haben wir dann vor ein paar Wochen beim „Leiner“ bestellt, bevor dort die Regale nicht mehr lieferbar sind und ich habe weitere Bücherstapel in Wien abgeräumt und die beiden bewußten Bücher noch immer nicht gefunden.

Jetzt sind die Stapel am Boden weg und der Plan da, nach dem Ausmalen im Wiener Schlafzimmer ein weiteres Regal für die neuen Bücher dort aufzustellen, die ausgelesenen nehme ich ja schon länger nach Harland mit und habe da wohl noch für einige Zeit Platz in den Regalen und als meine Wiener Bücher schon  überschaubar waren, habe ich die zwei Bücher noch einmal gesucht und inzwischen auch gefunden.

Jetzt stimmt meine Leseliste bis auf den Salinger, den „Fänger im Roggen“, dieses Kultbuch, das man wohl  gelesen haben sollte und das war, glaube ich, vorigen Mai oder Juni einmal im Bücherschrank, zeitgleich mit Karen Köhlers „Wir haben Raketen geangelt“, ich habe es, glaube ich, mitgenommen, auf meine Leseliste gesetzt, dann aber wieder zurückgetragen, weil es unter Alfreds Büchern schon in Harland steht, aber auch noch von mir gefunden werden muß und ansonsten meine Lesepläne für 2020, möglichst wenige Neuerscheinungen, eher das Backlistlesen, wirklich alles von der Leseliste schaffen und nicht, wie in den Vorjahren, diese Listen einfach gegen Jahresende austauschen.

Mal sehen, ob ich es schaffe, ich bin bei Bücheranfragen ja nicht sehr widerstandsfähig und frage selber auch immer wieder an, so wie vor eineinhalb Tagen, als ich mich kurzfristig in einer schlaflosen Stunde entschloßen habe, die fünf Belletristik-Bücher des Leipziger Buchpreises anzufragen. Die Übersetzungen und Sachbücher habe ich ausgelassen, obwohl mich da auch einiges interessiert hätte.

Zwei Zusagen habe ich schon bekommen und jetzt ist es spannend abzuwarten, ob ich sie mit nach Leipzig zur Messe nehme, wie vorigen Herbst nach Basel bezüglich des „Schweizer Buchpreises“ oder ob ich sie schon vorher gelesen habe?

Derzeit lese ich noch an den Geburtstagsbücher vom Vorjahr, gerade den Eugen Ruge und dann habe ich noch zwei oder drei Rezensionsexemplare, die ich mir von der „Buch-Wien“ mitgenommen habe, ein paar Bücher sind noch vorbestellt, da warte ich immer noch auf Nele Pollatscheks Brexitbuch, das Ende Jänner an mich abgegangen ist.

Cornelia Travinecs „Feenstaub“ liegt noch im Badezimmer, da es erst Ende Februar erscheint und bei meinen Bücherumräumaktionen, die mich ja wieder das letzte Wochenende beschäftigten, die zwei neuen Regale im Harlander Balkonzimmer waren ja einzuräumen, habe ich wieder eine sehr interessante Entdeckung gemacht.

Denn ich war ja am achtundzwanzigsten Jänner etwas ratlos und wußte nicht so recht, wohin ich am Abend gehen sollte, habe mich dann für die Haupbücherei und das Buch der Fensehverfilmung des mir, wie, ich glaubte, völlig unbekannten Frank Tallis entschieden.

Weil ich da früh daran war, habe ich mich am Orlando-Büchertisch genauer umgesehen und mich auch mit der Buchhändlerin unterhalten und gesehen. Der mir Unbekannte hat schon eine ganze Reihe Wien-Krimis, die um die vorvorige Jahrhundertwende spielen, geschrieben und dann stand ich am Wochenende vor meiner Bücherkiste und hatte von ihm plötzlich „Rendevous mit dem Tod“ in der Hand, habe erstaunt in meinem Katalog nachgesehen und bin daraufgekommen, „Wiener Blut“ das Buch, das verfilmt und in der Hauptbibliothek vorgestellt wurde, schlummert auch in meinen Regalen, in Wien.

Ich habe es gestern bei meiner Vea Kaiser und Ivan Mandy Suche aber nicht gefunden, hätte im Augenbick ohnehin keine Zeit zu lesen und bin auch auf andere Schmankerln gestoßen, die ich lesen sollte und auf die ich mich schon freue. Die Neuerscheinungen locken aber natürlich auch.

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