Literaturgefluester

2012-08-31

Engel und Dämonen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:05

Es ist nicht ganz leicht in den vierten Mayor Schäfer Krimi, des 1973 in Kitzbühel geborenen und in Wien lebenden, Georg Haderers hineinzukommen, obwohl oder weil im Beschreibungstext steht „23 Tage und noch immer keine Spur von Mayor Schäfer..“
Was soll die Realistin damit anfangen? Im ersten Kapitel ist Johannes Schäfer einundzwanzig und irrt irgendwo in Tirol erinnerungslos herum, in den späteren Kapiteln wird er am Boden kriechen und sich von Pilzen ernähren, während im zweiten Kapitiel, sein Assistent, Chefinspektor Bergmann in seinem Büro sitzt und mit seinem Team über alle Fälle spricht, die er zu erledigen hat.
Da gibt es einen Bürgermeister, der mit zwei Promille in ein Möbelhaus krachte und einen Richter, der dazu sehr viel Beweismaterial schickt, einen Kroaten mit durchbissener Halsschlagader, der vor dem AKH gefunden wird, eine Frau fällt aus einem Fenster und Schüler stellen das Video ins Internet, ein Ehepaar wird erschossen und ein Jugendlicher tötet mit ihrer Waffe noch schnell ein paar Albaner u.u.u.
Ein paar der Fälle passieren auch erst später. Das Team wird vorgestellt, die sechsundzwanzigjährige Inspetektorin Kovac, der Vorgesetzte Kamp, der Bergmann zum Teamleiter macht und ihm den Auftrag gibt offiziell oder inoffizell nach dem Verschwundenen Mayor, der für seine unkonventionellen Methoden bekannt war, zu suchen, ein unfähiges Produktionskind, das von einer Schulung zurückkommt, gibt es auch.
Nach und nach erfährt man die Details und kommt die Geschichte, die meiner Meinung nach ein wenig umständlich erzählt wird, so daß die Spannung, wenn überhaupt erst in der zweiten Hälfte auftaucht, hinein.
Zuerst recherchiert Bergmann mit seiner Assistentin die Fälle, geht zum Gürtelkaiser Müller, der eigentlich einen jugoslawischen Namen hat, läßt sich von ihm auch bestechen, trennt sich von seinem Freund und betrinkt sich sosehr, daß er ein Auto beschädigt, dann selber einen Alkoholtest verlangt und das Gelübde ablegt, eine Zeilang nicht Auto zu fahren, was er dann nicht einhält.
Aber auch die Frau Inspektor hat einen Bruder, der in Stein als verurteilter Mörder sitzt und vom Sarkasmus und ungewöhnlichen Polizeimethoden, ist auch in der Beschreibung und in den wenigen, sehr ähnlichen Rezensionen, die ich gefunden habe, die Rede.
Es gibt in den vierundsechzig Kapitel, wie schon erwähnt, einen Perspektivenwechsel, in einem Teil irrt Schäfer Gedächtnislos herum, im zweiten ermittelt Bergmann, zuerst andere Fälle, bis er später auch durch Schäfers Familie, die schon einen Privatdetektiv engagierte, getrieben, zum Kern der Sache kommt. Auch durch einen Fall, denn da wird ein IT Spezialist von einer Lampe erschlagen, während er an einer Bombe bastelte und dadurch kommt man an einem esoterischen Geheimbund, von dem schon der Wiener Neustädter Richter schwafelte und der Bombenbastler hat ein Amulett, das man auch bei Mayor Schäfer findet.
Der war aber auch psychisch sehr labil, so besucht Bergmann dessen Therapeuten, ob das Psychiater oder Psychos sind, kommt wieder nicht so klar heraus. Bergmann übernachtet in Schäfers Wohnung, in die vorher eingebrochen wurde und trinkt einen Tee, durch den er zu halluzinieren beginnt. Es erscheint ihm Schäfers Geist, der „Töte meine Dämonen nicht!“,mahnt und ein Motto, wenn du meine Dämonen killst, zerstörst du auch meine Engel, gibt es ebenfalls.
Bis daher sehr verwirrend und ich habe mich ein bißchen durch die Handlung gequält und mich immer wieder weggezappt. Im zweiten Teil wird es etwas spannener, die Nebenhandlungen fallen weg und Schäfers Pudel kommt allmählich auf den Kern, könnte man so sagen.
Da gibt es nämlich diesen Geheimbund mit Amuletten und die Amulettträger, die sich für Erzengel oder so halten, werden nach und nach umgebracht. Schäfer hat im Waldviertel auch ein esotertisches Seminar besucht und taucht dann in der Schweiz auf, wo er sein Gedächtnis allmählich wiederfindet, bzw. Bergmann ihm auf die Spur kommt.
Der macht auch einigen Blödsinn, will einen Kellner verführen, kommt aber Schäfer immer näher und der scheint selber sehr viel Dreck am Stecken oder ist seine esoterische Veranlagung, denn er hat ja seine Fälle schon früher, sehr ungewöhnlich aufgeklärt, zu haben.
Ganz lösen sich die Geheimnisse dieses Krimis nicht. Es gibt aber ein Sturmflut und eine Überschwemmung. Bergmann findet Schäfer, der inzwischen sein Gedächtnis wieder hat und läßt ihn ins Sozialmedizinische Zentrum, das glaube ich, inzwischen Otto Wagner Spital nicht mehr Baumgartner Höhe heißt, aber das ist für die deutschen Leser und die der Bundesländer, wahrscheinlich zu unbekannt, einweisen.
Am Schluß wird Schäfer rehabilitiert, er hat offenbar doch nicht gemordet und kann vielleicht auch Kommandant im Waldviertel werden und ganz am Schluß kommt noch heraus, daß ein Freund Schäfers, der achte Amulettträger war und eine geheimnisvolle Frau, deren Identität nicht ganz aufgeklärt wird, gibt es auch.
Sehr verwirrend und für einen Krimi sehr vielschichtig angelegt, werden da ja, wie es weiter in der Beschreibung heißt, die Polizeimethoden mit der Esoterik verknüpft und es gibt auch eine Stelle, wo Naturkathastrophen mit Bibelzitaten unterlegt werden.
Sehr ungewöhnlich also und so habe ich schon Georg Haderer ersten Schäfer Krimi empfunden, als ich vor Jahren einmal bei einer Kriminacht in der Buchhandlung Morava war.
„Engel und Dämonen“ ist der erste Krimi, den ich, weil von Haymon als E-book, zugeschickt, gelesen habe. Eigentlich wollte ich das ja schon im Juli an einem Wochenende tun und habe mit Georg Haderers Homepage, wo es die ersten Kaptiel zur Probe gab, begonnen. Dann konnte ich den Text nicht öffnen, inzwischen habe ich das Buch in Wien liegen und einen besserern E-Book Reader, der auch der Form nach, einem Kindle ziemlich ähnlich sein dürfte.
Auf der Homepage kann man etwas von einem Lob von Clarissa Stadler lesen, das den Autor ein wenig eingebildet machte, das dazupassende Video war aber nicht mehr aufrufbar.
Krimi drei ist aber auf der Shortlist für den Perutz-Preis und aus „Engel und Dämonen“ wird er bei der heurigen Kriminacht lesen.
Wahrscheinlich sollte man, um sich bei dem Buch auszukennen, auch seine Vorgänger gelesen zu haben. Ein ungewöhnliches Krimitalent scheint Georg Haderer aber zu sein und ich tue mir wahrscheinlich immer ein wenig schwer, wenn etwas nicht ganz so total nachvollziehbar ist. Denke mir, gibt es das, daß ein Polizeimayor so labil sein kann? Die Erfahrung lehrt mich aber, daß das in der Realität wahrscheinlich öfter ist, als es üblicherweise, die Kriminalromane beschreiben. Da sind die Kommissare ja meistens harte super Burschen und so ist die esoterische Ader, dieses Polizeimayors wahrscheinlich eine orignielle Idee. Und, wie es mit Krimi fünf weitergehen wird, wie sich ja manche Rezensenten fragen, wird uns Georg Haderer vielleicht in einem Jahr verraten.

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2012-08-30

Der Scholar vom linken Galgen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:54

Scholar vom linken Galgen wurde der berühmte Balladendichter Francois Villon, der eigentlich Francois de Mountcourbier oder Francois de Loges geheißen haben dürfte und von 1431 bis 1463 lebte, genannt, es gibt eine gleichnamige Ballade, die am Beginn von Fritz Habeck gleichnamigen Buchs, das Schicksal Francois Villons steht, das der 1916 in Neulengbach geborene, 1941 veröffentlicht hat.
Rudolf Kraus schreibt dazu in seiner Buchkritik von 2005, daß das Buch, obwohl die Nazis ja Blut und Boden Heimatdichtung förderten, 1941 bei Zsolnay erscheinen konnte. Ich habe eine Büchergilde Gutenberg Ausgabe von meinen Eltern geerbt und von Habeck schon den „Ritt auf dem Tiger“ gelesen, da ich mir einmal auf dem Stattersdorfer Flohmarkt kaufte.
„Der Scholar vom linken Galgen“ ist ein sehr interessantes Buch und wirkt obwohl es schon so lange geschrieben wurde, noch immer sehr frisch erzählt, das liegt wohl daran, daß es der Autor als sehr junger Mann geschrieben hat und an Francois Villons Lebenslauf, der für mich bisher eine Legende war. Man kennt manche seiner Zitate und als ich im Buchkatalog nachschaute, fand ich einige seiner Balladenausgaben, die aber hauptsächlich Alfred gehören dürften, ich habe, glaube ich, in den Bücherschachteln der Edith Brocza, einen Villon gefunden, aber noch nicht gelesen und auch, ganz ehrlich, gar nicht realisiert, daß das ein mittelalterlicher Dichter war, von dem immer noch soviel die Rede ist.
Dank Fritz Habeck habe ich jetzt eine Wissenslücke aufgeholt und ich denke, das Buch liest sich sicherlich viel frischer, als die Blut- und Bodennovellen, von denen ich auch einige geerbt und zum Beispiel Jelusichs „Chromwell“, vor einigen Jahren gelesen habe.
Das Buch ist in sieben Abschnitten gegliedert, denen jeweils eine Villon-Ballade vorangestellt ist, die von Richard Dehmel, K. L. Ammer, aber auch vom Autor selbst, übersetzt wurden.
Das erste Kapitel schildert die Geburt des Dichters, in dem armen, vom Krieg mit den Engländern zerbeutelten Paris, das Kind wird von einem Freudenmädchen notgetauft, für die richtige Taufe verlangen die Kleriker zu viel Geld, so daß die Mutter zu Guillaume Villon, einem Geistlichen geht, der in dem Buch der Vater des Kindes ist.
Wikipedia schreibt nur etwas von mittellosen Eltern. Das Kind wächst in Paris auf der Straße auf, übt sich in Bandeskämpfen, überlebt die Pest, wärmt sich in Freudenhäusern und läßt sich von den Mädchen dort Geschichten erzählt. Dann nimmt ihn der Stiftsherr und Rechtslelehrte Guillaume Villon in die Lehre, dessen Namen er später annimmt, lernt schreiben und Virgil auswendig, macht sein Baccelaureat und beginnt zu studieren. Er wird Maistre und fängt zu dichten an.
Habeck schildert auch sehr ausführlich seine Erlebnisse mit den Frauen, die als sehr freisinnig geschildert werden, was, wenn man bedenkt, daß das Buch 1941 erschienen ist, sehr beeindruckend ist. Da gibt es eine Margot, die Inhaberin eines Freudenhauses, eine Catherine, die er begehrt, die ihn verschmäht und auch betrügt. Überhaupt betrügen in dem Buche alle alle und es werden einige sehr freimütige Szenen geschildert, wo sich Villon unter dem Bet versteckt, als der Ehemann, der Dame mit der es treibt, erscheint, dann pumpert er dagegen, der Mann holt den Geistlichen und Villon setzt das Liebesspiel fort, etc.
Die Ämter und die Würden scheinen Villon nicht gelegen zu sein, er scheint, sowohl die Obrigkeit, als auch die Frauen, obwohl er große Gönner hatte, durch seine Spottgedichte erzürnt zu haben, es kommt zu einem Totschlag, Villon muß fliehen, wird aber durch seine Gönner begnadigt, trotzdem schließt er sich verschiedenen Verbrecherbanden an, er wird verhaftet und gefoltert, verbringt einige Zeit in bischöflichen Gefängnissen, wo es auch zum dem Spottnamen kam. Vor der Hinrichtung wird er immer wieder begnadigt, er lebt an mehreren Dichterhöfen, wird immer kränker und nach einem letzten Todesurteil, verbannt, so daß er nach dem er die berühmten Worte „Ich bin Franzose, was mich bitter kränkt“ geschrieben hat, Paris verläßt und sich die Spuren verwischen.
Spannend, spannend, nach so viel Nostalgie an die Monarchie und das vergangene Österreich, dieses Sommers, ein Buch, das in der Nazizeit erschienen ist, zu lesen, daß sich mit einem sehr freimütigen französischen Dichter beschäftigt und das ich zur Lektüre auch sehr empfehlen kann.
In den Bücherkästen kann man vielleicht eine der alten Ausgaben finden, ich glaube, es ist aber auch bei Otto Müller 2004 erschienen und vielleicht immer noch erhältlich.

2012-08-28

Letzte Sommerfrischenwoche und neue österreichische Literaturtalente

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:43

Jetzt gehts bald in die letzte Ferienwoche, dieses Sommers, der ja trotz aller Hektik, bezüglich der Pflege von Alfreds Vaters, sehr schreibintensiv war und ich korrigiere auch gerade an der Wiedergeborenenen, habe mir „Kerstins Achterln“ neu ausgedruckt und für das Literaturgeflüster-Texte-Buch sind auch ein paar neue Texte hinzugekommen, das ich ja als nächstes fertig machen will und während ich in Harland weitab vom literarischen Geschehen geruhsam auf der Terrasse sitze und alte Bücher lese, als nächstes steht noch eine Villon-Biographie von Fritz Habek an, bevor ich mir aussuchen werde, ob ich Georg Haderers „Engel und Dämonen“, als E-Book oder in Printform lesen werde, denn der Alfred hat mir jetzt einen neuen E-Bookreader installiert, so daß ich die Auswahl habe, hat um mich herum die Herbstproduktion angefangen und da erlebe ich derzeit meine Überraschungen, gibt es ja nicht nur die zwanzig Langlisttitel für den deutschen Buchpreis, auf der auch Clemens J. Setz „Indigo“ steht, das überall sehr gelobt und gelesen wird, obwohl es noch gar nicht richtig erschienen ist. Den neuen Krimiskandal mit den verschiedenen Meinungen über Schlüßelromane, schlechte Bücher und das Verwenden von Pseudonymen gibt es auch und das ist ja eine sehr widersprüchliche Geschichte mit einer angeblichen Übersetzerin und einen schwedischen Originaltitel, den es nicht gibt, einer Hunderttausendstückauflage und dazu einen Autor, der keine Interviews gibt, scheinbar sehr naive Journalistenfragen und dann die sehr schnelle Abklassifizierung als schlechten Roman. Interessant ist auch, daß das Buch, auf einer Vorableseliste war und als die Diskussion begann, hat es der Verlag von dort wieder hinuntergenommen und den ausgewählten Vorablesern ein anderes Buch versprochen.
Daß man sehr viel tun muß, um ein Buch unter die Leute zu bringen, habe ich schon begriffen, deshalb bin ich nicht erfolgreich, denn ich schreibe ja sehr unbemerkt vor mich hin und bringe meine selbstgemchte Fünfzigstückauflage kaum an.
Dann höre ich aber Ex-Libris und da wird ein bei DVA erschienenes Buch eines Martin Horvath „Mohr im Hemd oder wie ich auszog um die Welt zu retten“ vorgestellt, ein Roman über die sehr wichtige Asylfrage, von einem Autor, von dem ich noch nie etwas gehört habe und ich kenne mich in der Literatur ja ganz gut aus und glaube auch Bescheid zu wissen, wie der Betrieb läuft.
Es gibt aber eben immer wieder Überraschungen und Senkrechtstarter und das trifft bei Marjana Gaponeko gar nicht zu, denn die hat ja 2009 bei Residenz „Annuschka Blume“ herausgebracht und jetzt bei Suhrkamp „Wer ist Martha“ und die 1981 in Odessa geborene Autorin, scheint auch eine Zeitlang in Wien gelebt zu haben, zumindestens spielt ihr neuer Roman dort.
Also Neuerscheinungen, wo hin man sieht, wenn man da nur auf die Buchpreisliste fixiert ist, bekommt man vieles nicht mit. Ich lese aber Blogs und da wird derzeit auch Vea Kaisers „Blasmusikpopp oder wie die Wissenschaft in die Berge kam“ viel besprochen und auch diese Autorin war mir unbekannt, wurde 1988 geboren und hat in Wien studiert. Ihr Debut ist bei Kiepenhauer und Witsch erschienen und sie scheint schon in Hildesheim Schreiben zu unterrichten oder dort zu coachen.
Wow, wie machen das die anderen nur? Da könnte man ja neidisch werden. Wenn man auf You Tube geht, sieht man eine schöne junge Frau, die beim Burgtheater mit der Straßenbahn fährt und den Unterschied zwischen dem euporischen und dem manischen Schreiben erklärt.
Da kenne ich auch beide Phasen ganz gut und würde sie auch als sehr ähnlich empfinden. Also nicht abschrecken lassen und weitermachen, im Literaturgeflüster und mit meinen Buch-Projekten und da kann ich auch flüstern, daß sich schon Ideen für das nächste Work in Progress sammeln, an dem ich ich erst nach dem Literaturgeflüster-Texte-Buch schreiben will und dazwischen die „Paula Nebel“ und „Kerstins Achterl“ korrigieren, wenn ich mit der „Wiedergeborenen“ fertig bin.
Zu lesen habe ich auch sehr viel, bin ich jetzt ja in der Haymon-Vorableseliste und da warten noch zwei Krimis auf mich und Ingrid Führer, die mich im März angeschrieben hat und mir einige Krimis zum Rezensieren angeboten hat, hat mich zum Leo Perutz Preis eingeladen, der am 12. 9. im Hauptverband vergeben wird.
Da wäre ich zwar ohnehin hingegangen, lese ich ja regelmäßig http://www.buecher.at, aber vielleicht macht sie auch die Pressearbeit für den Alpha Literaturpreis, das wäre ja sehr schön und da habe ich gerade nachgesehen, ist Marjana Gaponeko mit „Annuschka Blume“ im letzten Jahr, wo sie mich nicht hineingelassen haben, auf der Shortlist gestanden.
Jetzt gibts noch ein paar Ferientage mit zwei Büchern und viel Korrigierarbeit, bevor es zum Volksstimmefest geht und dafür habe ich mir den „Langen Brief an den Herrn Kurz“ schon ausgedruckt. Zur Erinnerung, ich werde am Samstag als Dritte lesen. Als erster wäre Manfred Bauer dran gewesen, aber der ist am 11. August ganz überraschend verstorben und hat auch politische Krimis geschrieben, die vielleicht nicht so bekannt geworden sind.

2012-08-27

Der Engel mit der Posaune

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:21

Weiters gehts mit der Lektüre aus den Vierziger- und Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, diesmal ist es ein Buch aus dem offenen Bücherschrank von Ernst Lothar und von dem 1890 in ‚Brünn geborenen und 1974 in Wien gestorbenen Autor, der auch Direktor des Theaters der Josefstadt war, habe ich schon einiges gehört und als es das Antiquariat „Buch und Wein“ noch gab, auch dort nach seinen Büchern gesucht. Vom „Engel mit der Posaune“ habe ich auch schon einiges gehört, ich glaube, er war mal als Fortsetzungsroman im Radio und dann habe ich die Verfilmung mit Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen. Das Buch, das, was ich interessant finde, 1949 im Verlag „Das Silberboot“ herausgekommen ist und auch Werbung für die von Ernst Schönwiese herausgegebene gleichnamige Zeitschrift macht, hat ein Nachwort des Verfassers, das mit New York, 7. Dezember 1945, datiert ist, wo er schreibt, daß das Buch 1944 auf Englisch in New York erschienen ist und alles „Bis auf Namen, Daten und Ereignisse, die der Geschichte angehören ist alles Spiel der Einbildung, frei gfabelt und geformt“ wurde und der Engel mit der Posaune, ist ein Steinwappen, das das Haus Seilerstätte Nummer 10, ziert, in der die Klavierbauerfamilie Alt mit ihren Verwandten lebt.
In drei Teilen wird nun der Untergang Österreichs und die der Familie geschrieben, bzw. der „Roman eines Hauses“ erzählt, da am Schluß die Nazis kommen, die alte Frau Alt ermorden, den Sohn Hans enteignen und dem Engel den Kopf abschlagen.
Beginnen tut es scheinbar fröhlicher, am 9. Mai 1888, mit einer Hochzeit, denn da will Franz Alt Henriette Stein heiraten und pilgert zu der Familie, um die Erlaubnis zu bekommen, dem Haus einen vierten Stock aufzusetzen, damit er mit seiner jungen Frau dort leben kann.
Die ist aber jüdischer Abstammung, hat einen schlechten Ruf und auch ein kleines oder größeres Geheimnis, hat sie doch Kronprinz Rudolf, der sich gerade mit Mary Vetsera in Mayerling ermordete, sagen wir einmal sehr gut gekannt, so daß sie ihre Hochzeitsreise unterbrechen muß und zum Kaiser zur Audienz bestellt wird.
Es gibt dann noch einmal ein Gspusi, bzw die Aussage eines Schulfreundes der dem Gymnasiasten Hans, der noch an den Storch zu glauben scheint und von der Geburt seiner Schwester Martha Monica erzählt, daß der Graf Traun der Storch seiner Mama sei, worauf Franz Alt, den Grafen zum Duell fordert und erschießt.
Dann kommt der erste Weltkrieg, Vater und Sohn müssen ins Feld und als Henriette ihren Franz vom Bahnhof abholt, reißen ihm die empörten Arbeiter die Kokarde von der Uniform, worauf er einen Schlaganfall erleidet und nicht mehr sprechen kann.
Der liberalere Sohn Hans, der die Firma übernimmt, aber vorher mit Adolf Hitler, sich um Aufnahme an der Kunstakademie bewarb und mit ihm abgewiesen wurde, obwohl sein Onkel in der Aufnahmejury saß, verheiratet sich mit der jüdischen Trafikantentochter und Schauspielerin Selma, die am Burgtheater, die heilige Johanna spielen darf, dabei aber ermordet wird.
Der Verdacht richtet sich zuerst auf Henriette, es war aber der Bruder Hermann, ein glühender Nazi, der dafür gehängt wurde, weil er auch an der Ermordung Dollfußs beteiligt war.
Henriette will aus dem Haus ausziehen, weil sie der Geist Selmas nicht schlafen läßt, wird aber von der Familie daran gehindert, als sie aber nach der Machtübernahme der Nazis zum Familienfest erscheinen will, wird sie von der deutschen Cousine hinausgeworfen und später, wie geschrieben, von den Nazis ermordet, weil die in ihren Schreibtisch wollen, aber da liegen ja einige Briefe vom Kronprinz Rudolf, vom Grafen Traun und natürlich auch die ihres seligen Mannes.
ein interessantes Buch, das natürlich hautnah von den Tramatisierungen, die Österreich damals erfuhr, zu berichten weiß und heute wahrscheinlich nur mehr im antiquarischen Zustand zu bekommen ist. Mein Exemplar macht einen ziemlich zerlesenen Eindruck und von Ernst Lothar habe ich inzwischen auch die „Mühlen der Gerechtigkeit“ gefunden, auf das in dem Buch auch hingewiesen wird.

2012-08-26

Die Nacht von Olmütz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:02

Gustav K. Bieneks Roman „Die Nacht von Olmütz, 1946 erschienen, ist, in der Ausgabe von 1951, eines der Büchergilde-Gutenberg Bücher, die ich von meinem Vater erbte und das ich schon immer lesen wollte.
Jetzt habe ich mir ja einen Anlauf gegeben und aus den Büchern ein paar für meine Leselisten herausgeholt und an Olmütz sind wir ja auch bei unserer Sechs Länderreise durchgefahren und dann war das Buch auch ganz zufällig an der Reihe, so daß ich es vorige Woche zu lesen begonnen und auch auf unser Slakdy Wanderwoche, das uns vom Gleinkersee ins Linzer Haus führte, mitgenommen habe und da wir uns am Samstag doch nicht auf den Warschenek, sondern nur auf den Stubwieswipfel trauten, wo wir schon nach zwölf wieder auf der Hütte waren, habe ich es auf den Rundwanderweg mitgenommen und es Kaptitelweise von einer Bank zur anderen und dann noch ein paar Kapitel vor dem kleinen See gelesen, den es gleich bei der Hütte gab.
Ein interessanter Lesenachmittag, obwohl es thematisch weder in die Zeit noch in die Landschaft passt, denn „Die Nacht von Olmütz“, spielt in der Nacht vom 30. November 1948 zum 1. November in dem Olmützer Schloß in das sich die Habsburger Kaiserfamilie nach der Revolution von 1948 zurückgezogen hat und schildert in sechzehn Kapiteln, das, was in dieser Nacht passiert sein könnte, um den achtzehnjährigen Erzherzog Franzi am 2. Dezember 1948 zum Kaiser Franz Joseph zu machen, was er da dann ja sehr lange war.
Die Kaiserfamilie, Kaiser Ferdinand I, sein Bruder Erzherzog Franz Karl, seine Frau Erzherzogin Sophie, Erzherzog Franzi etc sind mit dem Gefolge in eines der kaiserlichen Schlößer ins Olmütz geflohen und der 1920 geborene Schriftsteller und Journalist Gustav Karl Bienek, der auch Kulturredakteur der Arbeiterzeitung war, beschreibt das Ganze sehr ausführlich und gibt auch ein bißchen Geschichtsunterreicht.
Die Revolution von 1948 ist gescheitert, das Volk, die ehrgeizige Erzherzogin Sophie und die Hokamarilla, Fürst Windischgrätz, Fürst Schwarzenberg, Baron Jellacic etc, wollen Veränderungen, denn der Kaiser ist schwach und gütig, so war, glaube ich, sein Beiname, „pascht“ am liebsten von seinen Regierungsaufgaben ab und der ganze Hof muß ihn dann suchen und findet ihn auch meist am Kohlmarkt wieder, sein Bruder Franz Karl, der der nächste Thronanwärter ist, ist auch irgendwie eigenartig, denn er schnitzt am liebsten Holzpferde und Schiffe und beschenkt damit seine Kinder zu Weihnachten, ist aber eher liberal und die ehrgeizige Erzherzogin will mit ihrer Kamarilla im Bund ihren Sohn zum Kaiser machen.
Der Kaiser ist auch bereit abzudanken und so rennt Sophie mit dem Verzichtsdekret in der Kleidertasche jede Nacht zu ihrem Mann, offenbar hatten sie kein gemeinsames Schlafzimmer, um ihn zur Abdankung zu überreden.
Der will aber nicht, sagt, das regelt sich von selbst, empfängt auch den Innenminister, einen ehemaligen Revolutionär und so passiert in der Nacht zum ersten Dezember in Olmütz angeblich sehr viel.
Ob sich das wirklich so zugetragen hat, weiß ich natürlich nicht, der Journalist und Schriftsteller hat es aber sehr spannend erzählt.
Es gibt den Kammerdiener Klapka und den Leibkoch Schandera, der den kaiserlichen Hoheiten Essigzwetschken bringt, der Kaiser entfleucht ein bißchen und der junge Franzi geht zu seiner Geliebten Bozena, einem mährischen Bauernmädchen, das ihn in die Liebe einführte und die Erzherzogin, geht zu ihren Mann, überredet ihn das Dekret zu unterschreiben, er schüttelt den Kopf, so geht es zuerst zum kaiserlichen Abendessen Schöberl-oder Frittatensuppe, Wiener Schnitzel oder Beinfleisch und dann die gute Sachertorte, von der sich die kaiserlichen Hoheiten gleich ein paar Stück einverleiben, während der junge Franzi am liebsten Obst hat und das hat Bozena für ihn vorbereitet..
Dann muß der Kaiser zu Franz Karl, um ihn zum Verzicht zu bewegen, der sagt, „Das macht schon der liebe Gott und ich wünsche dir noch ein paar Jahre“, dann muß der Kammerdiener Klapka her, denn der war früher Schauspieler und der Erzherzog liest gerne Gespensterromane und scheint auch an Geister zu glauben. So erscheint ihm eines in einem weißen Leintuch und sagt „Ich bins, dein Vater, der Kaiser Franz, danke endlich ab!“
Der Erzherzog erkennt natürlich den Kammerdiener, nennt ihn einen schlechten Schauspieler, was diesen fast zum Herzinfarkt bringt, dann geht er zu seiner Frau, erzählt ihr die Geschichte und verzichtet endlich und am 1. oder besser am 2. Dezember kann der junge Franzi, Kaiser Franz Joseph werden, da wird dieser Name auf der letzten Seite des Buches endlich erwähnt, aber die Leserin hat sichs ohnehin schon ausgerechnet, daß es Franz Joseph sein muß, denn, daß der mit Achtzehn den Thron bestiegen hat, weiß sie aus der Schule.
Das Vaterland also gerettet, bis 1916, bzw. 1918, denn im ersten Jahr ist Franz Joseph hochbetagt gestorben, im zweiten ging die Monarchie zu Ende und was das bedeutete, hat ja Joseph Roth in seinem „Radeztkymarsch“ sehr eindringlich beschrieben, 1932, war das, dann kam der zweite Weltkrieg, den hat Roth nicht mehr erlebt und als der zu Ende war, sind sehr viele Romane entstanden, die Kaiser Franz Joseph und die Monarchie zum Inhalt hatten, die Sissi-Filme wurden gedreht und ich denke, das wird kein Zufall sein, daß sich die Fünzigerjahre mit dieser Zeit beschäftigten und diese Bücher hat auch die Büchergilde Gutenberg herausgebracht.
Ein paar habe von meinem Vater geerbt. Ernst Lothars „Engel mit der Posaune“, das sich auch mit dem Zerfall der Monarchie beschäftigt und das ich gerade in Wien lese, habe ich im Bücherschrank gefunden und einmal als Film mit der Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen.
Jetzt beschäftigt man sich ja weniger mit dem Zerfall der Monarchie. Unsere Zeit der Globalisierung und der Wirtschaftskrise verlangt andere Themen, wenn man aber die alten Bücher hat und den Ehrgeiz sie alle aufzulesen, kann es schon sein, daß man sich in einem Sommer viel mit der Monarchie beschäftigt und es ist auch sehr interessant.
Von Gustav Karl Bienek, habe ich „Die Rabengasse“ auf meiner Leseliste und „Das Wasserzeichen“, glaube ich, auch einmal bekommen. Schade, daß der Autor inzwischen so vergessen ist und man im Internet nur sehr wenig über ihn findet.

2012-08-25

Leichenspiele

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:31

Nach der Theorie kommt gleich die Praxis, nämlich Bernhard Aichners dritter Krimi „Leichenspiele“, bei Haymon erschienen und mit zwei Videos angekündigt, in denen der 1972 in Innsbruck geborene und dort lebende Autor sich selbst vorstellt, mit Faxen und Grimassen tut er das und beantwortet dabei fünfzehn Fragen über das Schreiben, die er an sich selber stellt, dabei einige ausläßt und sich auch selber filmt, denn eigentlich ist er Fotograf, das ist sein Brotberuf, daneben ist er verheiratet und hat drei Kinder und das Schreiben ist das Zweitwichtigste für ihn nach der Liebe. Drei Max Broll Krimis nach einigen anderen Büchern hat er schon geschrieben und er will das Unmögliche zusammenbringen, nämlich E mit U vereinen, daß heißt im selben Jahr den Glauser, als auch den Bachmannpreis gewinnen und wenn man seine Max Broll Krimis verfilmt, will er auch der Hauptdarsteller sein, denn eigentlich sieht der Totengräber, Studienabbrecher, Trinker und Lebenskünstler, genau wie er selber aus, obwohl es in seinen Romanen keine Personenbeschreibungen gibt, damit sich jeder Leser selber seine Vorstellungen machen kann.
Klingt eigentlich sehr originell und ungewöhnlich und das ist sein Schreibstil, mit dem er schon ein Staatsstipendium gewonnen hat, auch, sehr ungewöhnlich, weil einmal sehr viele Dialoge, das erklärt der Autor so, daß er die Handlung in einem durch wie einen Film ablaufen lassen will, um so für die nötige Spannung zu sorgen und dann hat er einen vielleicht nur scheinbar naiven Stil, der in seiner Ungewöhnlichkeit fast an Wolf Haas erinnert, obwohl der Plot der Handlung gar nicht so ungewöhnlich und manchmal ziemlich haarsträubend und absurd ist.
Noch etwas ist ungewöhnlich, die Handlung von Krimi drei, schließt an die beiden vorangehenden an, so tut man sich ein wenig schwer, wenn man die nicht kennt und so, wie ich noch nie etwas von Bernhard Aichner gehört hat.
Sie spielt jedenfalls in einem Tiroler Dorf, vielleicht dem ähnlich, wo der Autor aufgewachsen ist, erfährt man im Video, aber eigentlich beginnt der Roman in Thailand, denn da hat sich Max zurückgezogen, nachdem seine Freundin Hanni, die in dem Dorf einen Würstelstand betrieben haben dürfte, gestorben ist und das dürfte in Buch eins oder zwei geschehen sein.
Max hat auch noch eine Stiefmutter namens Tilda und die ist Hauptkommissarin, gibt es eine solche in einem Tiroler Dorf? Außerdem ist sie müde und ausgebrannt und will eigentlich in Frühpension gehen, weil sie in Krimi eins oder zwei offenbar lebendig begraben, von Max aber noch rechtzeitig gerettet worden ist. Der Innenminister läßt sie aber nicht und so muß sie weiter Fälle aufklären. Zuerst kommt aber Max Freund Baroni nach Thailand, wo der vier Monate gesessen ist, nichts trank und nur aufs Meer hinausschaute, um ihm mitzuteilen, daß er sein ganzes Geld verspielt hat und Max ihm also helfen muß.
So kommt er zurück, bietet ihm Hannis Würstelstand an, beginnt wieder zu trinken und die Geschichte beginnt.
Denn Baroni bekommt vor seine leere Wohnung zuerst zwanzigtausend Euro hingelegt und dann eine Schachtel mit dem Auftrag, daß die Max vergraben muß, weil ihm sonst die Hoden abgerissen würden.
In der Schachtel ist natürlich eine Leiche, allerdings mit ausgeweideten Organen und als sich die Geschichte ein paar Wochen später mit zwei Leichen und vierzigtausend Euro wiederholt, betrinken sich die Freunde und deponieren die Leichen in einem Supermarkt, den es in dem Dorf ebenfalls gibt.
Dann lernt Max im Leichenschauhaus die schöne Obduktionsassistentin Leftera, eine Griechin, kennen, die später auch als „Bumsmaus“, sehr frauenfreundlich, bezeichnet wird.
Außerdem fahren sie nach Deutschland und bekommen heraus, wo die Pakete aufgegeben wurden. Das führt sie in ein Schönheitssanatorium und weil sie noch in einem Lastwagen einen eingeschmuggelten Moldavier entdecken, bekommen sie den Verdacht, daß in der Nobelklinik, die Flüchtlinge ausgenommen und deren Organe den reichen Russen wieder eingesetzt werden.
Da beginnt das Ganze ein bißchen an Eva Roßmanns letzten Krimi zu erinnern, die übrigens ein euphorisches Lob für Krimi zwei geschrieben hat.
Manchmal hat das Ganze ziemlich unglaubliche Szenen, so die z.B., wo die beiden Freunde von einer Kuh die auf der Straße steht, angeschissen werden. Sie saufen und vögeln auch ziemlich viel und manchmal erinnert die Geschichte an eine Parodie. Ist aber wahrscheinlich so gewollt, um bei Verlag und Leser zu punkten und mit der vordergründig naiven Art ziemlich flott und selbstbewußt geschrieben.
Einerseits irgendwie neu und ungewöhnlich also, obwohl man den Plot sicher schon von einigen anderen Krimis kennt.
Am Schluß taucht noch der Innenminister auf, hat Dreck am Stecken und wird erpreßt, die müde Hauptkommissarin kann endlich in Pension gehen und lebt in dieser auch gleich auf und die Freunde entdecken in der Wohnung der schönen Mörderin einen Haufen Geld, das sie ungeniert mitnehmen und im Casino, wo das ja nicht aufällt, weißwaschen werden.
Bernhard Aichner hat, wie er sagt, seinen Spaß am Schreiben gehabt, es liest sich leicht und flüßig. Manchmal ärgerte ich mich, die ich den Klamauk ja nicht so mag und dachte, das darf doch nicht sein! Dann fand ichs wieder originell geschrieben und ich bin gespannt, ob und wann er den Glauser- und den Bachmannpreis bekommen wird und natürlich sollten wir uns die Frage stellen, warum wir so gerne Krimis lesen und die dann so absurd und blutrünstig sein müssen, damit sie uns gefallen.
Da bin ich aber auch selbst betroffen, denn die Szene, wo sich die beiden Helden selbst ihr Grab schaufeln sollen, fand ich ähnlich beeindruckend, wie die bei Claudia Rossbacher, wo die nackte Heldein am Fleischerhaken hängt, der Held seinen Arm verloren hat und noch schnell die Polizei anruft.

2012-08-24

Semmering

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Mit Alfred Komarek kann man jetzt den Semmering entdecken, gibt doch der 1945 in Bad Aussee geborene Autor, bei Haymon, eine neue Reihe „Österreich von innen“, heraus. Der erste Band ist dieser bekannten Gegend gewidmet und das passt sehr gut zu meiner Sommerfrische, die ich zwar in keinem Grandhotel, sondern im ersten Stockwerk eines Hauses mit großen Garten in Harland bei St. Pölten verbringe und mit dem Semmering habe ich auch meine Erfahrungen.
Habe ich doch in dem kleinen Örtchen Küb, von dem dich durch Alfred Komarek jetzt weiß, daß es ein Post Museum behergt, 1969, drei Wochen ein Ferialpraktikum in der Pension Weiß gemacht, war ich ja nach der Hauptschule in der höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe und da haben die Lehrer einer das vermittelt. Ich war damals noch sehr jung und unsicher und bin sozusagen vom Ferienheim der Wiener Kinderfreunde in mein erstes Arbeitsverhältnis aufgebrochen und weil mir aufgetragen wurde, dort eine der Lehrerinnen zu besuchen, bin ich in einer meiner Freistunden nach Payerbach-Reichenau gewandert und das ist auch ein sehr berühmter Ort, aber das habe ich damals nicht gewußt.
Später bin ich ein paar Mal mit der Bahn über den Semmering gefahren, wenn ich zum Beispiel zu den von der GAV organisierten Festen für Ernst Jandl, Friederike Mayröcker oder Gerhard Rühm nach Mürzzuschlag wollte und einmal vor ca fünfzehn Jahren habe ich auch so eine Werbefahrt auf den Semmerring gemacht. es war glaube ich in Maria Schutz und es war Winter, so bin ich durch den Schnee gewandert, habe in dem Gasthaus, in dem die Veranstaltung stattfand, einen Krapfen gegessen und eine Blumenvase mit einer Kunstblume geschenkt bekommen.
Aber zurück zum Buch bzw. zum Semmering, denn der ist ein wahrhaft literischer Oret und birgt auch den ganzen Duft der vergangenen Monarchie immer noch in sich und da lese ich parallel ja zufällig auch ein paar passende Bücher und der viel später geborene Autor scheint auch seine persönlichen Erfahrungen mit dem Semmering zu haben und sein persönliches Fotoalbum.
Denn in dem Buch sind immer wieder Fotografien enthalten. Beginnen tut es aber mit einem Zündholzschachtelhalter mit der Aufschrift „Erzherzog Johann, Semmering“ und das ist eines der Grandhotels, die es dort gibt bzw. gegeben hat, vielleicht nicht ganz so berühmt, wie das Panhans oder das Südbahnhotel, es wurde aber 1899 eröffnet und ist 1945 abgebrannt.
Vielleicht habe ich deshalb nie etwas von ihm gehört. Während das Panhans ja einmal sehnsüchtige Gelüste dort ein Wochenende zu verbringen, in mir erweckte und ich vom Südbahnhotel immer wieder im Radio höre, weil es dort ja Schnitzler Aufführungen gibt.
Alfred Komarek beginnt also in seiner ein wenig nostalgischen Sprache von diesem Hotel zu erzählen und schwenkt dann zu den anderen über, um zu der 1899 stattgefundenen Wettfahrt des österreichischen Automobil-Clubs zu kommen.
Ja, das hat es dort gegeben, genauso, wie den Wintersport und darauf verweist gleich das zweite Foto. Das erste ist dem legendären Rennen gewidmeten, im zweiten sitzen drei altmodisch gekleidete Herren und eine Dame auf einem Bob.
„Resa Hansy, die Frau des vielgepriesenen Kurdirektors gibt Unterricht im Bobfahren“, lautet der dazugehörende Kommentar.
„Ihr Schüler ist Erzherzog Karl Franz Josef, der spätere Kaiser“
Der Semmering war ein sehr elitärer Ort, das ist kein Geheimnis. Adolf Loos war dort und hat auch einiges gebaut, was es heute noch oder nicht mehr gibt, Gustav Klimt, „aber auch die österreichische Literatur des ersten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts, setzte ihre Akzente“, schreibt Alfred Komarek weiter. Anton Kuh, Peter Altenbertg, Alfred Polgar etc, waren da und da kommen wir gleich zu einem weiteren wichtigen Ort der Literatur, der noch heute seine Bedeutung hat, nämlich der „Villa Wartholz“, wo ja heute ein Literaturpreis vergeben wird, den zum Beispiel Andrea Winkler, Christan Steinbacher etc. gewonnen haben. Aber damals hat Erzherzog Karl dort seine Sommerfrische gemacht, während der Kaiser in Bad Ischl war und beide haben da von den Schüßen in Sarajevo erfahren.
Neben dem Erzherzog Johann Zündholzschachtelhalter, gibt es auch die Panhans-Anstecknadel, derer sich Alfred Komarek in seinen Beschreibungen bedient. Dann kam der erste Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie. In den zwanziger Jahren wurde es etwas stiller am Semmering. Die noblen Gäste blieben aus und kamen erst in den dreißiger Jahren wieder und 1945 ist das nobele Hotel Erzherzog Johann abgebrannt.
Dann kam Helmut Qualtinger und schrieb den bedeutungsschweren Satz „Wer nicht mit der Fritzi Kircheck an einem Sonntagnachmittag im Oktober mit einem Austro Daimler durch die Neunkirchner Allee gefahren ist, der weiß nicht was Österreich einmal war!“
Nun dann weiß ich es nicht, kann es mir aber dank Alfred Komarek ein bißchen vorstellen, denn es geht gleich weiter mit den Abbildungen von ein paar Kaiser-Denkmälern und den Ratschlägen, wo man sie am besten sehen kann.
Theodor Herzl war am Semmering und ist, glaube ich, auch dort begraben und dann widmet sich Komarek natürlich ausführlich dem Semmeringbahnbau. Der junge Kaiser hat da ja mit seiner Sissi eine Probefahrt gemacht und wurde rußgeschwärzt.
Komarek führt dann alle wichtigen Orten an, die zum Semmering dazugehören, bevor er wieder zu den berühmten Sommerfrischlern kommt und ein Bild zeigt, wo Loos neben dem Ehepaar Schwarzwald steht, während Peter Altenberg vorne sitzt. Loos sollte der Frau Doktor ja eine berühmte Erziehungsanstalt am Semmering bauen, der Kriegs hat verhindert. Ein Loos-Haus gibts dort aber, glaube ich, schon. Komarek macht noch Werbung für das beste Gasthaus der Umgebung „Wers nicht glaubt, solls ausprobieren!“, kommt dann zu den Sehnsuchtsorten und interwievt den alten Herrn Stix, der seit 1913 in Schottwien eine Gemischtwarenhandlung hat, bzw. 1915 geboren wurde, aber eigentlich Künstler werden wollte. Dann gibt es noch das Kurhaus, 1909 wurde es erbaut, seit 1988 steht es leer und da gibt es eine alte Dame, die Tochter des Gründers, selbst Ärztin und schon lang in Pension, die Alfred Komarek, die Dankesschreiben der Patienten zeigt und erzählte, wie es war, als Gerhard Hauptmann Gast war. ein Gedicht hatte sie auch einmal aufzusagen, das mit den Worten „Grüßgott am Berg!“, endete.
Thomas Mann soll sich in diesem Sanatorium aufgehalten und an seinen „Zauberberg“ geschrieben haben und dann es noch die Geschichten um die Familie Waißnix, die ja auch ihre berühmte Rolle spielt. Von der Mutter der Mary Vetsera wird erzählt und am Schluß dankt Alfred Komarek allen, die ihm bei der Entstehung des Buches geholfen haben und man kommt in das heutige Österreich mit seiner heutigen Sommerfrischetradition zurück und hat wieder etwas gelernt.
Ein interessantes Buch über einen bekannten Ort, das ich wirklich nur empfehlen kann, obwohl es natürlich nicht das einzige Semmering-Buch ist, das geschrieben wurde. Hat doch bei der ersten offenen Bücherschrank Lesung am 20. Juni Gregor Ulrich im Kostüm von Peter Altenberg aus seinem Semmering Buch gelesen und wenn ich mich nicht irre, behandelt es die gleichen Themen, ist der Semmering mit seinen Mythen, ja ein Ort, der viele inspirieren kann.

2012-08-23

Übers Krimischreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Jetzt hätte ich fast den neuen Literaturskandal versäumt. Die Sommerlöcher neigen sich zum Ende, die Herbsproduktion beginnt und neben den Listenfavoriten, gibt es noch viele andere „Schreibe-Möchtegerns“ und da ist der Krimi sehr beliebt, denn den wollen ja sehr viele Leute lesen und so gibt einen regelrechten Boom an Regional- Stadt- Land- Hard- oder Softscorekrimis und die aus Schweden sind besonders beliebt.
Da gibt es, die von Per Wahlöö und Maj Sjöwall aus den frühen Siebzigerjahren mit sozialkritischen Inhalt und die von Henning Mankell und weil die so erfolreich waren, folgten dann noch Hakan Nesser und Ake Edwardson, die ich auf der Leseliste von 2015 habe, etc und über die des 2004 verstorbenen Stieg Larsson gibt es in dem Spiegel, den der Alfred in Nida kaufte, einen Bericht. Sie wurden nach seinem Tod sehr erfolgreich, die Millionen erbten dann der Vater und der Bruder und die Lebensgefährtin ging leer aus und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben und im August soll oder sollte ein neuer Schwedenkrimi herauskommen.
Per Johansson „Der Sturm“, der in Schonen spielt, wie die Krimis von Wallander und einen ermodeten Zeitungsstarjournalisten zum Inhalt hat.
Hat es da nicht etwas Ähnliches 2002 mit Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ gegeben?
Richtig, der Journalismus hat es inzwischen entlarvt. Per Johansson gibt es nicht und der Krimi wurde von einem Arzt und einem Reporter der Süddeutschen Zeitung geschrieben, der ermordete Journalist könnte, sollte Frank Schirrmacher sein und der Skandal ist da, was ja in Zeiten nach der Buchpreislistenbekanntgabe einige sehr interessante Fragen aufwirft, die ich in der Hitze der Harlander Terrasse, die es zu Mittag gab, gerne beantworten will, denn, daß die die schreiben wollen, sich bevorzugt in Krimis versuchen, ist ja zu bemerken.
Anni Bürkl hat das getan und bei Gmeiner inzwischen schon einige herausgebracht. Edith Kneifl hat einen neuen bei Haymon, den mir der Alfred gestern nicht öffnen konnte, er erscheint aber ohnehin erst im September und die E-Book Autoren versuchen sich, wie z. B der Schreibtischtäter Matthias Brömmelhaus alias Bela Bolten auch damit.
Die verwenden dann auch oft Pseudonyme, um ihre Idetität oder ihre anderen Karrieren zu schützen oder, wie es die bissigen Reporter schreiben, weil von einem Feuilletonchef der Süddeutschen ja keiner einen Krimi nehmen würde, was eigentlich sehr schade ist,
Mit dem schwedischen Namen kann er aber bei Fischer erscheinen und die Leute stürzen sich darauf, so oder so.
Ich stehe den Pseudonymen ja sehr skeptisch gegennüber und würde nie eines verwenden, obwohl ich ja eigentlich einen Doppelnamen habe, aber unter Jancak habe ich schon geschrieben, als ich noch nicht verheiratet war und die sogenannten Gebrauchsautoren, habe ich inzwischen begriffen, müßen das tun, denen schlagen die Verlage das vor, warum und wieso habe ich auch nicht sehr verstanden.
Frank Schirrmacher und die anderen Journalisten haben sich und ihn aber erkannt und nun scheint es wieder eine Diskussion über „Schlüßelromane“, die man ja angeblich nicht schreiben darf, zu geben, obwohl die Autoren, wie ich lesen konnte, fassungslos waren, von Zufall sprachen und Herrn Sch. gar nicht damit meinten.
Als 2002, der „Tod eines Kritikers“ erschienen ist, war ich erfreut, denn ich habe ja im „Tod eines Jurymitglieds“ einige Jahre früher versucht, einen Krimis zu schreiben, obwohl ich das gar nicht kann oder will.
Denn ich möchte keine Gewalt verbreiten und halte das viele Morden, das in den Krimis passiert für unrealistisch. So sind die Morde bei mir keine und so werden meine Opfer meistens von Ästen erschlagen und dann sind es keine wirklichen Krimis, sondern nur Satiren darauf und mir ist wieder mal ein Fenster zum Literaturbetrieb verschlossen geblieben.
Mit dem Schreiben habe ich also meine Schwierigkeiten, obwohl ich es mit „Tauben füttern“ dann noch einmal versuchte, mit dem Lesen eher nicht. Denn eigentlich lese ich Krimis ja sehr gern. Sie sind spannend, oft auch sozialkritisch und man kann sie auch in den Bücherkästen finden, weil sie ja in großen Auflagen erscheinen. So hat sich bei mir nach und nach die ganze Donna Leon Reihe angesammelt und von Andrea Camillieri findet man auch sehr viel.
Auf die Bürkl Krimis muß ich noch warten, aber erst am Montag einen bei Molden 2012 erschienen Krimi, der ganz neu zu sein schien und dessen Autor, Mitglied in der Glauser Jury ist, gefunden und auch einmal ein kleines Büchlein, das bei einem Krimi Workshop entstanden ist und Einblicke gibt, wie man Krimis schreiben und was man in solchen Kursen lernen kann.
Ich kann auch noch hinzufügen, daß Jens Linder ja bei Piper auch einemal einen Krimi geschrieben hat, der denen von Janet Evanovich so ähnlich war, daß der Verlag ihn vom Markt genommen hat.
Ja, ja, die Leute wollen schreiben und die Leser, den berühmten Namen und die, die selber Krimis schreiben beklagen, daß jetzt immer mehr sogenannter „E-Book-Krimischund“ erscheint oder stürzen sich mit Wonne auf die Entlarvung, des vermeintlichen schwedischen Starautors.
Die verdienen mit ihren Krimis sehr viel Geld, die E-book Schreiber hoffen darauf mit ihren Gratisaktionen und die, die die Volkshochschulkurse besuchen, fallen vielleicht immer noch den Zuschußaverlagen herein. Solche Bücher habe ich auch schon gefunden und ich lese sie auch gern, denn ich bin und das halte ich auch für die Lösung des Problems sehr offen, schaue gerne über den Tellerrand hinaus und interessiere mich für alles.
Für mich muß ein Buch keinen Starautor zum Verfasser haben und auch nicht bei Rohwolt oder Fischer erschienen sein, aber eine derartig überfüllte Bücherwelt, wie wir sie haben, braucht wohl ihre Skandale, um überhaupt auzufallen und macht sie sich vielleicht auch selbst. Für die Sommerlöcher ist das sicher gut und für den Herbst, wenn das Weihnachtsbucheinkaufen beginnt, wahrscheinlich auch.
Und was die Aufregungen betrifft, so würde ich Thomas Steinfeld rechtgeben, wenn er sagt, daß in jedem anständigen Krimi ein Mord passieren muß, so wollens die Leser und in denen der weniger prominenten Autoren passiert wahrscheinlich auch, daß sie dabei beispielsweise an ihre Tante denken, ohne daß sie ihr natürlich Böses wollen, aber sie hat ja so charakteristische Eigenschaften und bei einem Debut wird man sich überhaupt an Bekanntes halten und so nimmt ein Reporter eben seinen Chef als Vorbild, sein Pech ist nur, daß den auch die Feuilltonkollegen kennen, sich mit Wonne darauf stürzen und das Buch dann gleich als schlecht bezeichnen, was es vielleicht gar nicht wäre, wenn ein Unbekannter das Debut geschrieben hätte, aber dann wärs wahrscheinlich auch BoD und nicht bei S. Fischer erschienen. Was mir persönlich mißfällt ist, daß in der noch unentdeckten Erstform, die jetzt offenbar eingestampft wird, eine Übersetzerin aus dem Schwedischen angegeben wurde und das ist ja, was mich an den Pseudonymen stört, daß da die Leser getäuscht werden, die sich das offenbar auch gerne lassen.
Daß das Ganze „Der Sturm“ heißt, ist natürlich auch sehr interessant, waren die Aufregungen also vielleicht doch gewollt, um die Leute zum Kaufen zu bewegen?

2012-08-22

Zurückgekommen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:51

Am Samstag sind wir also nach Harland zurückgekommen und wie das nach Urlauben meistens so ist, geht es dann eine Weile hektisch zu. Gilt es ja die Taschen auszuräumen und die schmutzige Wäsche zu waschen. Bei mir kommt noch das Bloggen hinzu, denn ich gehe ja offline auf Urlaub, sammle aber die Gedanken, die ich nach meiner Rückkehr zu Geschichten machen will, denn damit habe ich im vorigen Jahr, angeregt durch das Travelseminar des Writersstudio und dem „Mit achtzig Seiten um die Welt“ Reisebüchlein angefangen und so bin ich am Samstag in Harland kurz mit dem Rad gefahren, habe festgestellt, die Frequency findet statt, dann den Abfall meiner Besucherkurve angesehen, mich durch meine Lieblingsblogs gesurft, gesehen, daß niemand außer dem Rudi mich vermißte und dann geschrieben und geschrieben…
Zuerst den allgemeinen Reisebericht, dann abwechselnd die vier Stimmungsimpressionen und die Besprechungen der drei Bücher, die ich auf der Fahrt gelesen habe. Am Samstag drei Artikel bis zum frühen Morgen, am Sonntagvormittag nochmals drei, dann sind wir auf die Rudolfshöhe geradelt, haben dort gesessen und Brombeeren genascht und sind dann nach Wien gefahren, wo das Ausräumen und die das Durchsehen weiterging. Zwei Buchpakete von Haymon sind gekommen, eines hatte mir die Anna schon abgeholt und eine Ansichtskarte von der Ingrid aus Armenien.
Der Alfred hat die Zeitungsberge, die sich im Wohnzimmer angesammelt hatten, weggeräumt und ich habe weiter geschrieben, zuletzt war ich schon beim deutschen Buchpreis und der Alpha-Shortlist und damit bei der Herbstvorschau angelangt, obwohl ja noch Sommer ist und zwar ein besonders heißer. Denn während ich in Erstland, Lettland, Litauen meine kurzen Leiberln und kurzen Hosen gar nicht so gebraucht habe, habe ich in Harland und in Wien geschwitzt und etwas von siebenunddreißig Grad gehört.
Da ging es sich am Sonntag für den Rathausplatz auch nicht mehr aus, denn es war wieder spät bzw. früh geworden, als ich mit dem Bloggen fertig war, am Montag habe ich dann vor meinen Stunden den „Wortschatz“ besucht, da war ich jetzt ja drei Wochen nicht und nachdem ich von Haymon jetzt einiges sowohl in E- als auch in Printform zu lesen habe, muß ich dransetzten, damit es sich mit der Leseliste für 2012 ausgeht, bzw. nicht mehr soviel daraufsetzten, so habe ich den SUB schon auf die Folgejahre verteilt, bzw. schon die Leseliste für 2015 angefangen.
Ich lebe weit voraus, bzw. auch in der Vergangenheit, denn in Wien steht ja gerade Ernst Lothars „Engel mit der Posaune“ auf dem Programm, bevor ich mit Georg Haderers „Engel und Dämonen“ in Printform weitermachen werde.
Zuerst aber zwei Praxistage und da ist die Juni Diagnostik Rechnung nicht angekommen und mußte urgiert werden und der Verein hatte auch noch nicht überwiesen. Zu gießen hatte ich im Garten auch und drei Leiberl um zehn Euro habe ich mir in dem Billigladen an der Ecke, als ich die Bücher holen war, auch gekauft.
Am Abend ging ich wieder auf den Rathausplatz, wie ich das in den Sommermontagen, wenn das Kino unter Sternen schon zu Ende ist, meistens tue, habe den Alfred dort getroffen, der am Montag in Harland war, dort den Rasen mähte und zuschaute, wie die Physiotherapeutin mit seinem Vater Ball spielte. Er trank dann noch ein paar Bier an dem wirklich schönen Sommerabend und die Übertragung der „Lustigen Witwe“ von den Mörbischen Festspielen 2005, war auch sehr interessant. Dann ist der Vielschreiberin schon die Idee für den nächsten Artikel gekommen, hat sich Frank Gassner ja bei mir gemeldet und mich aufgefordert ihm zu mailen, wenn ich ein besonders tolles Buch im Schrank gefunden, ein nettes Gespräch hörte oder ein schönes Foto gemacht habe und so habe ich, auch für das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ in den „Bücherschrank-Geschichten“ meine Schrankartikel zusammengefaßt und verlinkt. Inzwischen hat der Alfred begonnen mir Fotos in meine Reiseartikel hineinzustellen.
Am Dienstag kamen dann die ersten Herbstprogramme, so schickte mir das Literaturhaus das seine und ich kann mich auf das neue Buch von Reinhard Kaiser-Mühlecker freuen, da ist allerdings das ÖAAG-Reflexionstreffen, ich habe aber das erste bei Thalia in der Kremsergasse gefunden, das noch auf meine Leseliste muß. Anna Weidenholzer stellt ihren Residenz Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ am 26. 9. vor, den habe ich mir jetzt bestellt, am 26. will der Alfred aber, glaube ich, mit mir ins Radiokulturhaus gehen . Lisa Spalt hat ein neues Buch bzw. eine Ausstellung am 28. 9. Eine Fortsetzung der jungen slowenischen Literatur gibt es am 4. 10. und Anna Kim präsentiert „Anatomie einer Nacht“ bei Suhrkamp erschienen am 5. 10. Das habe ich mir eingetragen. Am 17. 10 präsentiert die edition exil Ekaterina Heider, Kira Nathani, Sina Tahayori und diese Veranstaltung sollte man sich merken, machen die exil Autoren, ja oft sehr große Karrieren, wie man am Beispiel von Julya Rabinowich und Susanne Gregor sieht, die beide auf die Shortlist des Alpha Preises gekommen sind. Am 18. 10. gibt es eine Veranstaltung über Franz Kain von Judith Gruber-Rizy mit Kurt Palm, Rolf Schwendter, Gregor Lepka und Waltraud Seidlhofer und Richard Obermayr hat eine Rede, die er im Konzerthaus am 23. 10. halten wird. Die Priessnitzpreisverleihung an Judith Nika Pfeifer folgt am 30. 10. im Literaturhaus und dann gibts noch, das hätte ich jetzt fast vergessen am 19. 10. die Lesung der AbsolventInnen des ersten Jahrgangs des Instituts für Sprachkunst „Class of 2012 und am 20. 9 hat das Writersstudio wieder zwei Tage der offenen Tür mit Gratisseminaren, die ich in den letzten Jahren ja begeistert besuchte. Sehr viel Input also, da ich die anderen Programme ja noch nicht bekommen habe. Es gibt aber noch eineinhalb Sommerfrischewochen, wo ich an „Kerstins Achterl“ weiterkorrigieren und auch ein bißchen Radfahren werde, bevor es endgültig zurück nach Wien zum zum Volksstimmefest geht. Sehr viel zu lesen, zu schreiben und zu hören also, auch für eine außerhalb des Literaturbetriebs, wie das Literaturgeflüster zeigt. Das kann ich nicht verändern, es ist aber sehr intensiv und das „Rund um die Burg“ Festival, das, wie ich gelesen habe, heuer eine andere Leitung hat, gibt es auch, wahrscheinlich eine Poet Night, Frankfurt, die Buch-Wien, für die man bei Frank Gassner Karten gewinnen kann und höchstwahrscheinlich doch ein literarisches Geburtsfest, zumindestens sind mir in den baltischen Staaten eine ganze Reihe von Autoren eingefallen, die ich einladen könnte.

2012-08-21

Bücherschrank-Geschichten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:51

Vom Urlaub zurückgekommen, erwartete mich ein Mail von Frank Gassner „Du hast im Schrank ein wunderbares Buch gefunden, ein wunderbares Gespräch geführt, ein großartiges Foto geschossen, gewinne mit deinen Beiträgen bis zum 21. September!“, was mich gleichzeitig forderte, als auch überforderte, denn das Literaturgeflüster ist ja eine ziemlich intensive Bücherschrankberichterstattung, hat er ja, als mich im Februar 2010, Elisabeth von leselustfrust, den Blog, den es nicht mehr gibt, auf den ersten offen Bücherschrank aufmerksam machte, mein Leben sehr verändert.
Zwar haben schon vorher immer wieder Gratisbücher zu mir gefunden, gab es da ja eine Zeitlang, die Büchertürme bei der Literatur im März und als der Buchhändler in Edith Broczas Haus zusperrte, hat er die übriggebliebenen Bücher in ihren Hausflur gestellt und sie hat mich aufgefordert, zu nehmen, was ich will.
An einen Büchermangel habe ich nie gelitten und eigentlich immer viel gelesen.
Eine Zeitlang gab es eine Aktion bei Amadeus-Thalia, das man Rezensionen schicken sollte, da habe ich angefangen, die Bücher zu besprechen, damit aufgehört, als es das nicht mehr gab und als ich dachte, jetzt werde ich endlich meine SUBs-auflesen, das war schon in Literaturgeflüsterzeiten, kam Frank Gassner mit seinem Bücherschrank und alles wurde anders.
Ich beklage mich natürlich nicht, ganz im Gegenteil, habe ich diese Idee zur Belebung des öffentlichen Raums doch von Anfang an sehr faszinierend gefunden und sie hat mich sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben angeregt. Das erste Buch das ich gefunden habe, war Martin Suters „Business Class“ und dann kam gleich einmal die Idee, den Schrank in „Mimis Bücher“ einzubeziehen und da der Kasten in der Zieglergasse ziemlich zentral liegt, komme ich auch oft daran vorbei, beispielsweise wenn ich zum klinischen Mittag ins AKH, ins Literatur- oder ins Amerlinghaus gehe.
Und es ist sehr interessant, was man da findet, man könnte Studien darüber machen und diese Idee gab es, glaube ich schon einmal.
So war beispielsweise gleich zu merken, daß Ruth Aspöck, die ja um die Ecke wohnt, die Restbestände ihrer „Edition die Donau hinunter“ dort versorgt. Das fröhliche Wohnzimmer hat Bücher abgegeben. Die alten Peals S. Bucks und Vicki Baums waren und sind zu finden und Bücher aus der schönen alten rororo Taschenbuchreihe mit dem Leinenbändchen und der Pfandbriefwerbung im Inneren.
Es ist dann bald der weißhaarige alte Mann aufgetaucht, der sich offenbar besonders intensiv an den Büchern bediente, Frank Gassner hat ein paar Warnbriefe geschrieben und mich, die fleißige Schreiberin hat er zu der Figur des Bernhard Listringers in der „Absturzgefahr“ angeregt. Ich glaube auch, ihn einmal gesehen zu haben, ob er wirklich weißhaarig ist oder das nur meiner Phantasie entsprang, weiß ich dagegen nicht.
Die Bücherkästen werden sehr gut angenommen und boomen und es gab gleich einmal die Idee, auch auf dem Brunnenmarkt einen zu machen, im Hegerpark und in der Otto Bauer Gasse, den letzteren gibt es nicht, was gut ist oder nicht, denn an den wäre ich ja wahrscheinlich genauso oft vorbeigekommen, wie am „Wortschatz“, der Nachahmeraktion der Margaretner Kaufleute.
Eine tolle Aktion,die von beiden Seiten gut angenommen wird, gibt es ja offensichtlich Nachläße loszuwerden und Leute, die Platz für Neues haben wollen und dann die Vielleser, zu denen ich mich auch zählen würde und das Tolle ist, daß man dabei Bücher findet, die man sonst nicht lesen würde. So bin ich beispielsweise auf Alberto Moravia gekommen, stimmt nicht ganz, denn ein Buch hatte ich ja schon von ihm gelesen, das der Alfred offensichtlich aus der DDR mitbrachte, inzwischen ist der „Konformist“ und die „Römerin“ dazugekommen und man findet auch immer Genres, die zwar interessant sind, aber bisher nicht zu mir gefunden haben.
Einmal einen Dan Brown lesen, ist ja sicherlich auch verlockend und vielleicht auch einen Konsalik. Frank Gassner stöhnt ja darüber, aber das sind die Bücher mit der großen Auflage und dem Massengeschmack und die findet man natürlich, aber auch das Rare und das längst Vergriffene.
Ruth Aspöcks Edition beispielsweise und es legen auch immer wieder Leute ihre Eigenproduktionen hinein. So gab es auch einige Male „Eva Jancak- Bücher“ darin zu finden und auch sehr viel fremdsprachige Literatur.
Bei der Erföffnung im Hegerpark bin ich gewesen und im Winter, als es so kalt war, bei der von Nitsch gestalteten Neuauflage des Schrankes in der Zieglergasse. Da habe ich einige Sammler getroffen und ein paar nette Gespräche, wie beispielsweise eine Diskussion über Karl May, habe ich auch einmal gehört. Der Schrank hat mich auch zu einigen Artikeln und sogar zu Bücherkasten Touren veranlaßt, denn es ist ja sehr interessant, bei denen, wo es Bänke gibt, zu sitzen und zu schauen, was passiert?
Einmal ist, glaube ich, auch ein Ausräumer gekommen, denn da waren die Schränke einige Tage ziemlich leer und Gerüchte von denen, die die Bücher am Flohmarkt verkaufen, gibt es auch immer wieder. Ich glaube nicht daran und denke, daß Bücher unverkäuflich sind, weil immer weniger Leute lesen und die, die es wollen, sie ohnehin umsonst bekommen. Halte es aber für eine tolle Aktion, die meine Leseliste, die es inzwischen gibt, eindeutig anwachsen ließ. Denn, wenn ich die Bücher habe, will ich sie auch lesen und es kommt ja ganz ehrlich auch manchmal vor, daß ich mir ein bißchen mehr nehme, als ich zwischen zwei Fingern tragen kann, dann habe ich ein schlechtes Gewissen, lese etwas schneller und bespreche tue ich sie alle auch.
Frank Gassner hat am Anfang gesagt, daß es ihm gar nicht so sehr, um die Leseförderung, als um die Belebung des öffentlichen Raumes geht. Das hat sich, glaube ich, inzwischen etwas geändert, denn jetzt gibt es auf seiner facebook Seite immer wieder Bilder von den Fundstücken und es gab auch die Lesungen im Juni und jetzt den Schreibwettbewerb.
Die Kästen haben inzwischen auch ihre Nachahmer gefunden und scheinen wirklich, wie die berühmten Schwammerln aus dem Boden zu sprießen. So habe ich ja vor Weihnachten einen sozusagen vor meine Haustüre gesetzt bekommen, beziehungsweise, um die Ecke und der „Wortschatz“ an dem ich ja vorüberkomme, wenn ich beispielsweise aufs Postamt gehe, um mir meine Rezensionsexemplare abzuholen, ist ja besonders interessant, denn Margareten hat eine bibliophile Leserschaft und sehr viel Blogger.
So hat ihn die Evi auch eine Zeitlang regelmäßig fotografiert und die Veränderungen eingestellt und da kann man manchmal Bücher finden, die es in den anderen nicht so gibt.
Marlene Streeruwitz zum Beispiel oder Paula Köhlmeier und als ich Montag auf das Postamt ging, stand ein Kürschner Band darin, das ist das Literaturlexikon, in dem es auch von mir ein paar Zeilen zu finden gibt, das habe ich mir aber nicht genommen, weil zu schwer und zu unhandlich.
Eine Idee also, die mich ins Schwärmen bringt und, wenn man das Literaturgeflüster liest, wird man immer wieder Berichte finden, was sich dort ereignet und eine Lesung hat es auch schon vor dem Juni gegeben, hat ja auch das erste Wiener Lesetheater bei seinem Osterspaziergang durch Neulerchenfeld in der Grundsteingasse Station gemacht und vor dem Schrank gelesen.

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