Literaturgefluester

2018-02-24

Komm in den totgesagten Park und schau

Zu den momentanen Trends der Gegenwartsliteratur scheint die Dystopie zu zählen, die Beschreibung vom Niedergang einer Gesellschaft in einer rechtsradikalen Kultur, die in der Zukunf spielt, die wenn man genauer hinschaut, vielleicht sogar die Gegenwart ist.

Helmuth Kraussers „Weltmeisterschaft“ wäre so ein Beispiel, dann hat es vor kurzem einen Film im ARD gegeben, der die Flucht aus Deutschland nach Südafrika nach der Machtübernahme der Rechten zeigt, der die Identitären sehr erboste und mit Andre Kubiczeks neuem Buch, wird man wieder in eine solche Welt geworfen, wo man sich zuerst in der Zukunft glaubt und sich dann überlegt, ob es nicht vielleicht doch die nackte Gegenwart ist, die das Buch, wenn natürlich abgehoben und mit vielen Stilmitteln, wie beispielsweise Durchstreichungen im Text, die für mich nicht so ganz nachvollziehbar waren, beschreibt.

Von dem 1969 in Berlin geborenen Andre Kubiczek habe ich „Skizze eines Sommers“ gelesen, das 2016 auf der Shortlist des dBp stand, einen leichten Sommerroman, der die schöne Erinnerung eines Jugendlichen im Sommer 1985 in Potsdam, glaube ich, schildert, der von seinem ins Ausland reisenden Vater mit tausend Mark zurückgelassen wurde und der nun seine erste Liebe erlebt.

Die DDR war nicht so schön, sondern  eine Diktatur, der Held und vielleicht auch sein Autor Sohn eines Funktionärs konnte man so sagen. Erinnerungen können trotzdem positiv vorhanden sein und eine sturmfreie Bude mit viel Geld ist vielleicht sehr schön und auch jetzt geht es um die DDR beziehungsweise um ihre Lyrik.

Das Buch wird in drei Strängen erzählt, die von drei Personen Felix, Marek und Veit erzählt werden und, daß Kapitel beziehungsweise Teile Namen haben, scheint auch eine Spezifität der jüngsten Neuerscheinungen zu sein

Es beginnt dramatisch, der achtzehnjährige Felix der gerade sein Abitur hinter sich hat, sitzt vor Weihnachten in einer Hütte in der Tschechei hinter der deutschen Grenze und schreibt einen Brief an seine Freundin Nina in der er ihr die Ereignisse schildert, die im Laufe des Geschehens klar werden.

Da sind die vielen Ausstreichungen und Durchstreichungen in dem Brief, wie gesagt, ein Stilmittel das ich nicht ganz verstehe und mir nicht ganz logisch erschien. Es ist aber sehr spannungswgeladen, denn Felix befindet sich offenbar auf der Flucht in dieser Hütte. Der Freund seines Vater mit dem er dort ist, hält sie dort gefangen, sie haben die Handies weggeworfen, verdunkeln die Fenster, heizen ein, es stinkt, der Freund ist paranoid und verläßt nur einmal in der Woche die Hütte um einzukaufen.

Nach und nach erfährt man was geschah, durch Felix und dem Vater Marek, der auch einen Brief an seinen Sohn schreibt, um ihm näher zu kommen, während Veit sich sozusagen durch das Leben trinkt.

Der Vater Marek ist Professor für Literatur, von seiner ersten Frau und seinen Kindern Laura und Felix schon lang getrennt. Er hat eine zweite Frau mit zwei Kindern und Mareks Geschichte beginnt, als er vom Pförtner des Jugendamtes zusammengeschlagen wurde, das ihm wegen der Verletzung der Sorgfaltspflicht der beiden adoptieren Töchter bestellt hat.

Es ist schon ein dystopes Bild, in dem Marek sich nicht wehren kann. Dann fährt er auf die Uni, hält seine letzte Vorlesung über die DDR-Lyrik vor der Sommerpause. Geht dann in sein Sprechzimmer in den Keller, wo er sowohl seinem Assistenten Veit Stark, als auch die dunkelhäutige Studentin Noa Snow, die eigentlich Karoline Schmidt heißt, begegnet.

Von Felix erfahren wir dann, daß er vor dem Abi mit seinen Klassenkameraden auf eine Demostration nach Köln fuhr. Mit Nina und mit Sascha, der offenbar ein Nebenbuhler war, der ihm als Nina ihn einen Nazi nennt, auffordert, das Auto eines Burschenschaftler abzufackeln.

Deshalb ist am Cover des Buches  und auch darin immer wieder ein brennendes Streichholz, ähnlich wie bei dem Buch von Ronja von Rönne zu sehen.

Er tut es, versteckt sich eine Woche und als er Nina doch besuch,t um nachzuschauen, wie es ihr geht, entdeckt er sie in den Armen Saschas und als noch eine Aufforderung von der Polizei kommt sich zu melden, haut er nach Berlin zu seinem unbekannten Vater ab, von dem er vorher im Antiquariat ein altes Reclambüchlein mit DDR-Lyrik gekauft hat, daß der Vater herausgegeben hat.

Gedichtanfänge von DDR-Gedichten sind öfter auch die Kaptielanfänge und Veit Stark ein paranoider Llooser, der lustig vor sich hinsäuft, der Assistent von Marek hat ein zweijahres Stipendium, um an dieser Lyrik zu forschen beziehungwweise seine Dissertation darüber zu schreiben. Das geht nicht sehr gut, denn Veit läßt seine Wohnung verkommen und postet auch Hassnotizen im Internet. Bei einer begeht er dabei den Fehler sein Profil zu enttarnen, was ihn in Ängste stützt und er bekommt dann auch ein Mail von Noa Snow, das ihn in große Aufregung versetzt.

Sie möchte aber nur ein Interview mit ihm machen, bezeihungweise eine Seminararbeit über ihn schreiben. So bahnt sich  eine zarte Liebesbeziehung an, die darin gipfelt, daß Veit mit ihr das Sommerhäuschen seiner Schwester besuchen, beziehungsweise ihr die Plattenbausiedlung zeigen will, in die er aufgewachsen ist.

Mareks Ärger mit dem Jugendamt verdichtet sich indessen, die Sozialarbeiterin taucht mit dem Schlosser und einer Polizistin unerwartet zum Hausbesuch auf, als Marek noch betrunken von der Nacht mit Veit ist und die Tochter Bibi, die Schule schwänzete.

Das ist eine der eindruckvollsten Szenen in dem Buch. Die Schilderung, wie Bibi, in der Schule von einem Mitschüler verletzt wurde Die Direktorin dem Vater aber erklärt, sie wäre von der Rutsche gefallen, weil der Schüler Sohn von einflußreichen Eltern ist, die die Schule leicht einmal verklagen und Recht bekommen und als Marek dann versucht, Mails an den Vater zu schreiben, bezichtigt ihn der des Stalkings.

Er gibt auf, seine Frau Adriana macht aber weiter, so daß die Schule das Jugendamt schickt und als Marek noch Veit davon erzählt, bricht der mit ihm zu der Wohnung der Sozialarbeiterin auf, wo es dann zu einem Unfall kommt.

Man sieht, das buch ist sehr gewalttätig, denn auch Noa wird in der ehemaligen Plattenbausiedlung niedergeschlagen und verletzt, so daß alle drei einen Fluchtgrund haben, die sie in die tschechische Hütte brachte, wo Veit und Marek sich niedersaufen, Felix sich zu Weihnachten, nachdem sie sich ein halbes Jahr versteckten,  aber davon lösen kann und ins Leben zurückkehrt. Das Buch endet mit einem Brief Ninas, wo sie ihre Sicht der Dinge und den Freund als verrückt erklärt.

Sehr eindrucksvoll und spannend diese Dystopie, die eigentlich davon erzählt, daß es seit dem Niedergang der DDR eigentlich um nichts besser geworden ist. Gewalt und Terror herrschen, die Mittelschicht vor sich hinsumpert und die sogenannten Looser von den sogenannten Besserverdienenden nieder und fertiggeklagt werden.

Eigentlich gar nicht so viel von Realität entfernt, wenn man wahrscheinlich auch noch nicht gleich vom Pförtner des Jugendamts niedergeschlagen wird und ein Teil der Gewalt auch durch den Alkohl entsteht, der wahrscheinlich für sehr viel  verantwortlich ist und dagegen, als Kontrast steht die DDR-Llyrik. Die Gedichte von Sarah Kirsch, Rainer Kunze und auch Johannes R. Becher, dem ehemaligen DDRKulturministers, der vielleicht auch nicht so gewaltfrei war, das ich sehr interessant finde.

Den Titel des Buches, kann ich noch anmerken, habe ich auch nicht ganz verstanden, da das Buch ja in der hütte der Schwester Veits, in das die drei, sich nach ihren Gewalterlebnissen fluchtartig zurückgezogen haben, und eigentlich in keinen Park spielt, wenn man nicht die ehemalige und jetzt niedergerissene Plattenbausiedlung in der der paranoidgewaordene Veit aufgewachsen ist, dafür hält. Aber vielleicht ist das auch ein Gedichtanfang und am Buchrücken kann man noch lesen, daß Andre Kubiczek eine „Vater-Sohn-Beziehung im Ausnahmezustand schildert – und übertrumpft unsere absurde Wirklichkeit nicht durch überdrehte Volten, sondern zeigt fabelhaft, wie sich die Apokalypse tänzelnd nähert.“

Das zweitere befürchte ich fast auch, von der Vater-Sohn Beziehung war dagegen nicht viel zu merken, beziehungsweise wurde sie in Whisky und Bier ersoffen.

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2018-02-23

Hörspiele des Jahre

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:56
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Die“  Lange Nacht des Hörspiels“, jetzt „Hörspielgala“ gibt es seit fünfundzwanzg Jahren. Bei einigen nicht bei allen war ich dabei, erinnere an das legendäre Gulasch das es am Anfang gab, man konnte live abstimmen, die Hörspiele hören und sind dann früh am Morgen mit dem Taxi nach Hause gefahren.

Inzwischen hat sich viel gewandelt, die Abstimmung aus den Neuproduktionen findet schon vorher statt und bei der Gala gibt es nur Proben. Dafür gibt es den Kritikerpreis, den Kurzhörspiel -Wettbewerb, den Schauspieler des Jahres, die Festrede und man kann nicht mehr von Studio zu Studio wandern, sondern sich ab sechs um eine Karte anstellen, bekommt einen fixen Platz und eine Musikband gibt es inzwischen auch.

Die hieß diesmal „Mischwerk“, Doris Glaser und Andrea Jungwirth, selbst ein Hörspiel Autor oder Regisseur moderierten und ich hatte diesmal den Stimmzette bei mir, den ich nicht abschickte, weil ich ja nur selten Hörspiel höre.

Früher hat man, wenn man abgestimmt hat, ein Buch bekommen. Vielleicht bekommt man das jetzt auch noch, denn ich schicke ja nicht mehr ab und als ich im Foyer auf den Einlaß wartete, sah ich Friederike Mayröcker die mit ihrem HS „Oper“ auf der Liste stan,d eintreffen und dachte, sie bekommt sicher den Kritikerpreis für das anspruchsvollste Hörspiel und das Hörspiel des Jahres entspricht dann dem Mainstreamgeschmack und ist meistens ein Roman von Joseph Roth in der Hörspielfassung von Helmut Peschina, aber zuerst kam die Festrede die diesmal Paulus Hochgatterer hielt und die „Zwei Worte“ hieß. Die lauteten „Gesindel“ und „Schmuckzeile“ und der Autor merkte an, daß er dem Publikum viel zumute und dann erzhlte er die Geschichte von einem behinderten Mädchen, dem er als Kind einmal den Ball weggenommen hat. Der Zusammenhang zum ORF und dem Hörspiel war mir da nicht ganz klar. Aber die Auflage lautete auch etwas Gesellschaftpolitisches und Persönliches, Ö1 muß nicht vorkommen.

Das letztere war damit erfüllt, das Persönliche auch, mit Gesindel könnte man an die gesellschaftlichen Zustände denken, aber der Hochgatterer Vater hat den Sohn damals gemahnt, daß nur das Gesindl einem Schwächeren etwas wegnehmen würde.

Track Five, die Kurzhörspielen mußten die Worte „Es ist nur ein Spiel“ enthalten und Malte Abraham, den ich von einer Studentenlesung kenne, hat den Preis bekommen. Das künstlerische Hörsoiel war interessanterweise nicht von FM. sondern von Mischka Zickler heißt „Spaziergänge eines einsamen Träumers“ und handelt von Rousseauc, aber einem der twittert und einen Facebookaccaunt hat.https://literaturgefluester.wordpress.com/2014/12/27/hab-den-der-die-das/

Iteressant, interessant und auch, daß es beim Publikmranking auf Platz vier gelegen ist.

Dann kam eine Pause und dann Vera Borek, die Witwe von Helmuth Qualtinger, deshalb war auch Christian Qualtinger, den ich schon auf der Poet Night lesen hörte, im Publikum, als Schauspielerin des Jahres. Die Laudatio hielt Peter Kalzar, das kann sich der Geehrte immer wünschen, es war aber eigentlich keine auf sie, sondern gepickt mit zynischen Bermerkungen, wie beispielsweise auf den Schulsprecher, der es mit dreißig Jahren schon zum Bundeskanzler brachte und auf die Raucherpartei die sich H. C. Strache wünscht, nun spiele ich ja auch gerne auf schwarz blau an, was das aber mit Vera Borek zu tun hat, ist mir nicht ganz klar. Das Publikum aber lachte und brachte standing ovations und dann wurden die zehn besten Hörspiele vorgestellt und da war dann bald klar, es wird das Hörstück „Oper“ das Otto Brusatti nach acht Seiten Prosatext von F. M. zuerst zu einem Theaterstück formte, das im Sommer am Semmering aufgeführt wurde.

„Mischwerk“ machte die Musik dazu und die acht Seiten sind aus dem neuen Text, nicht Roman, wie Otto Brusatti oder waren es die Moderatoren irrtürmlich sagten, der F.M. der am achten <märz in der A S vorgestellt wird, aber da habe ich eine sechs <uhr Stunde und wenn ich dann hingehe, komme ich a zu spät und b bekomme ich keinen Platz mehrt.

Standing Ovation auch für die alte Dame und dieHhörspiele kann man in den nächsten Tagen und Wochen in Ö1 hören,, aber das tue ich ja nicht so gerne, obwohl ich ziemlich regelmäßig zu den Galen gehe und dann genauso regelmäßig an das gulasch und den rotwein denke, den es damals gratis gegeben hat.

2018-02-22

Gedenkjahr 1938

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:15
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Am zwölften März 1938 sind die Deutschen in Österreich einmarschiert, das ist jetzt fast achtzig Jahre her und deshalb gibt es heur ein Gedenkjahr unter anderen, denn die Republik wurde ja auch 1918 gegründet und 1934, der zwölfte Februar, ist jetzt auch kurz vorbei und da habe ich vor einigen Tagen, leider etwas verspätet, einen Comic im Schrank gefunden, den ich im nächsten Jahr lesen will und die Wien Bibliothek rütstet zu einer großen Ausstellung, wie sich das Rathaus, der Verwaltungsapparat Wiens, in der Nacht vom elften auf den zwölften März und dann sieben Jahre lang verändert hat.

„Wir wissen es, daß diese Beamtenschaft ihre >Pflicht auch im neuen  Wien tun wird“, hat der neue Bürgermeister, wahrscheinlich noch im März 1938 in der „Kleinen Zeitung“ geschrieben und das ist auch der Titel der Ausstellung, die heute in der Wien Bibliopthek eröffnet wurde, der Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die sich das ganze Jahr durchzieben wird und wo man zu verschiedenen Themengebieten das Jahr 1938 nachvollziehen kann.

Im Jahr 1938 wurde der Rathausplatz in Adolf Hitler Platz umbenannt und der neue Bürgermeister hat sogar einen Balkon am Rathaus errichten lassen, der Adolf Hitler gewidmet war und im Rathaus erklärte Silvia Mattl Wurm, die Direktorin, der Wien-Bibliothe,, hat es schon vor 1938 einen Kreis von NSDAP-Mitgliedern oder Anhängern gegeben, die sich dann in der Nacht zusammengesetzt haben, achtundzwanzig Paar Würstl oder so gegegessen haben, wie Gerhahard Botz,der Experte über den Anschluß, der auch ein Buch darüber geschrieben hat, das am 13. März in der Wien Bibilothek vorgestellt werden wird, wo wir schon in Leipzig sein oder dorthin fahren werden, erklärte, dann übernahm der Vizebürgerfür ein paar Tage die Regierung, der Bürgermeister dankte ab und der neue Bürgermeister hat den Rathausplatz umbenannt oder war es der vorübergegehnde und die Beamten haben ihre Pflicht getan, so wie auch Kurt Waldheim, was hätten sie auch anderes tun sollen?

Ein paar Wiederstandsbewegungen hat es gegeben und einige Leute, die sich erkundit haben, ob sie dafür, daß sie jetzt alle Plätze oder Straßen umbenannen sollen, Überstundengeld bekommen?

Ob das Widerstand oder Geldgier war, ist wahrscheinlich im Nachhinien schlecht zu beurteilen. Christian Mertens, Gerhard Murauer und Gabu Heindl haben jedenfalls aus dem Archivmaterial eine Ausstellung in sechzehn Stationen gestaltet und, wie schon geschrieben, gibt es das ganze Jahr ein Begleitporgramm, wo man erfahren kann, wie das mit den öffentlichen Bibliotheken, den Plakaten zur Volksabstimmung und noch vielen anderen war.

Ein sehr interessantes Thema, in in einer Zeit, wo die Identitären über den Rechtsruck Österreichs jubeln und sich schon Gedanken darüber machen, wann sie ins Parlament einziehen werden?

Gerhard Botz, der jetzt siebenundsiebzig wird, hat jedenall in der Diskussion mit dem Kurator erzhlt, wie das war, als er 1965 mit seiner Forschungsarbeit begonnen hat.

Nachher gab es wieder Brot und Wein und man konnte sich die Ausstellung ansehen, zu der es auch Extraführungen gibt und einen Katalog über das Jahr 1938, der wahrscheinlich zu einem anderen Gedenkjahr entstanden ist, habe ich vor einiger Zeit auch in einem der Schränke gefunden und ihn in Harland stehen.

2018-02-21

Herr Kato spielt Familie

Nun kommt das neue Buch der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, deren zweites bei „Residenz“ erschienenes Buch „Okaasan. Meine unbekannte Mutter“ ich gelesen habe, ihren, laut Klappentext, hunderttausendmal verkauften Bestseller „Ich nannte ihn Krawatte“ nicht mehr. Ich habe zwar in Leipzig und in der Hauptbücherei daraus gehört, hatte aber, als sie den „Alpha“ gewonnen hat, dort keine Einladung und habe das Buch auch noch nicht im Bücherschrank gefunden.

Ein Buch in dem eine in Österreich aufgewachsene Tochter einer japanischen Mutter, über das in Japan offenbar häufige Phänomen, daß Jugendliche aus Angst vor dem Leistungsdruck das Haus nicht mehr verlassen, erzählt und nun hat sie in dem wieder bei „Wagenbach“ erschienenen wieder in Japan spielenden Roman offenbar ein ähnliches Thema gewählt. Das heißt eigentlich ist das  RHS, retired husband syndrome, daß es vielleicht in Japan gibt, etwas ganz anderes und ich weiß auch nicht genau ob in Japan wirklich alle älteren Frauen Hausfrauen sind, die psychosomatische Symptome entwickeln, wenn sich ihre Gatten plötzlich in Pension befinden und ihnen in die Kochtöpfe schauen.

Milena Michiko Flasar hat aber wirklich eine sehr poetische Art von diesem Herrn Kato zu erzählen, der sich „retired“ hat. Er wohnt mit seiner Frau in einem Vorort einer nicht näher genannten Stadt, wohnt hoch oben in einer Siedlung, wo man über Moos bewachsenen Stufen hinaufgehen, beziehungsweise die Gattin die Einkäufe hinaufschleppen muß. Deshalb will sie nach unten ziehen, Herr Kato, ganz der Macho, der von seiner Frau erwartet, daß sie seine Hemden bügelt und nicht einmal weiß wie man Tee kocht, sagt nur „Ohne mich!“

So beginnt das Buch, das heißt Herr Kato kommt von der Gesundenuntersuchung, wohin ihn seine Frau geschickt hat, dort wird er als gesund befunden. Er lügt seiner Frau aber etwas von Herzschmerzen vor und man merkt, die Ehe ist schlecht, die Kinder sind längst aus dem Haus und die Ehegatten wissen sich nichts mehr zu sagen.

Herr Kato wünscht sich zwar einen weißen Spitz, den will die Frau aber nicht haben, so träumt er von einer Reise nach Paris, beziehungsweise hat er den ehemaligen Bürokollegen, die ihm zur Pensionierung einen Reiseführer schenkten erzählt, schon dort gewesen zu sein.

Man sieht, das Buch, das am Buchrücken, als zarter Roman über einen späten Neuanfang und über das Glück“, beschrieben wird, hat seine kleinen Aunaufrichtigkeiten. Geht es doch laut Klappentext über „ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte.“

Nun ja, Herr Kato geht jedenfalls nach dem Krankehbaus auf den Friedhof, weil ihn seine Frau, die wie seine Kinder, keinen Namen hat, zum Spazieren schickt. Dort wirft er seine Befunde auf den Boden, trampelt auf ihnen herum, beginnt dann den Schwan aus dem „Schwanensee“ zu tanzen und wird dabei von einer jungen Frau beobachtet, die ihn für ihre Agentur namens „Happy family“ engagiert. Seine Frau, die offenbar doch nicht so unsensibel ist, sondern sogar seine Gedanken errät, hat sich indessen in ein Fitnesszentrum zu einem Tanzkurs angemeldet, denn sie hat offenbar auch unerfüllte Träume.

So beginnt die Wende des sprachlosen Ehepaars, beziehungsweise nimmt Herr Kato drei Aufträge an.

Als Erstens spielt er einen jungen seinen Großvater vor, der ihm aber durchschaut, weil er längst zu diesen Kontakt aufgenommen hat. Dann geht er als sprachloser Ehmann mit einer Frau in einen Zoo, wo die eine unmenge Törtchen ißt und ihn eine Scheidungsurkunde unterschreiben läßt, worauf ihre psychosomatischen Sympotme verschwinden.

Man sieht Michiko Milena Flasar hat Einfälle, womit sie sehr poetisch, lakonisch und auch geheimnisvoll, die Absurditäten des Lebens beschreibt. Der dritte Auftrag ist eine Hochzeitgesellschaft mit einer kranken Braut, wo alle außer Braut und Bräutigam bezahlte Statisten sind.

Mie, die junge Frau ist auch dabei, danach verabschiedet sie sich von Herrn Kato und er ist wieder auf seine Familie zurückgeworfen. Die Tochter ist endlich schwanger geworden, besucht das Ehepaar nach einem Streit mit ihren Mann, da gibt es die Szene mit dem Tee. Die Tochter rät Herrn Kato auch der Mutter Blumen zu kaufen. Er tut das, läßt den Rosenstrauß von dem Geschäft schicken und die Frau lügt ihm dann vor, die Blumen sind von einer Freundin.

Seltsam seltsam, diese Episoden des sprachlosen Auseinandergelebthabens mit den unerfüllten Träumen des älteren Ehepaars.

Am Schluß sind die Beiden doch nach unten in die kleinere Wohnung gezogen, wo man keine Hunde haben darf, der Enkel ist geboren und Tickets nach Paris sind, offenbar als Zeichen für den Neubeginn auch aufgetaucht.

Eine sehr geheimnisvolle Geschichte aus dem fernen Japan, von einer in St.Pölten geborenen Achtunddreißigjährigen erzählt, die sich offenbar sehr poetisch in das Älterwerden hineingedacht hat.

Die reale Pensionierung die ich wohl auch bald erleben werde, ist weniger poetischer und natürlich ist es die Zeit für einen Neubeginn, wenn man noch die Kraft und die Gesundheit dazu hat und natürlich sollte man sich schon vorher Freunde gesucht und Hobbies aufgebaut haben, damit es zu keinen Pensionschock kommt.

„Der Ruhestand steht dir schlecht. Deine Frau hat besimmt die Schauze voll von dir“, steht noch am Buchrücken, wohl eine Drohung oder Warnung vor de „retired husband sydroms“ und  auch „Endlich Zeit. Er könnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Doch, als er der jungen Mie begegnet, die ihm eine seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen.“

2018-02-20

Neben der Spur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:23
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In den Büchern gibt es ja bestimmte Themen und bestimmte Personengruppen, die immer wieder vorkommen und durchgekaut werden, die Geschichte, die Midlifekrisis der intellektuellen Männer, meistens Mittelschicht und welche, die da kaum eine Rolle spielen und auch nicht als sehr literarisch gelten.

Meine depressiven und alten Frauen wären da wohl Beispiele, aber auch der Personenkreis der heutigen „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“ moderiert von Friedrich Hahn und da war die Zusammenstellung ganz besonders interessant.

Obwohl ich zwei der Lesenden, beziehungsweise eines der Bücher schon kannte und ich gehe ja aus ökonomomischen Gründen nicht zu gerne zu Lesungen, wo ich das Buch schon gelesen habe und höre mir stattdessen lieber etwas anderes an, obwohl man sich da, wie ich beispielsweise bei Angelika Reitzers „Unter uns“ und nicht nur da, immer wieder merken konnte, daß die Lesungen oft andere Aspekte auftun, als wenn man sich selber durch das Buch gräbt. Man kann auch Fragen stellen, bekommt einen Eindruck vom Autor, aber trotzdem bevorzuge ich dann lieber etwas, das ich noch nicht gelesen habe.

Also habe ich am Nachmittag nachgeschaut, was es in der „Gesellschaft für Literatur“ zu hören gäbe. Das Literaturhaus hatte kein Programm und das war eine Enttäuschung habe ich doch Margit Schreiners „Kein Platz mehr“ vor kurzem gelesen.

Also doch in die „Altem Schmiede“, obwohl ich Mascha Dabic ja schon in der AK, bei den O-Tönen und auch bei der Buchpreisverleihung hörte und das Buch gelesen habe und bei Elias Hirschl war ich  auch schon bei einer Lesung im Literaturhaus, aber gut, die 1977 in Klagenfurt geborene Silvia Pistotnig kannte ich noch nicht und habe auch noch nichts von ihr gelesen.

„Tschulie“ heißt ihr bei „Milena“ erschienes Buch und das ist die Hauptfigur, der Jackeline und Kevin Generation angehörend, wie Friedrich Hahn flapsig meinte.

Das heißt, eine Looserin oder Angehörte der sogenannten buldungsfernen Schichten, „Schulabbrecherin“ und „Jobhopperin“ steht im Programm und die lernt die Mutter eines Gymnasiasten kennen.

„Bobo trifft auf Prolo“ formuliere die Autorin ebenso flapsig und ich rümpfte die Nase, denn das mag ich nicht so sehr, obwohl ich mich vor Jahren, 1980, glaube ich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt habe und auch später immer wieder, in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ trifft die Looserfrau den konservativen Studenten, in der „Reise nach Odessa“ ist es die Anselma Fuchs die das tut und die Jasmin Bilic aus der „Pensionsschockdepression“ ist  auch so ein bildungsfernes Mädchen, der meine Sympathie gehört, während die Tschulie, wie heißt sie wirklich, das habe ich vergessen zu fragen, eher negativ von ihrer Autorin darsgestellt wird oder rotzfrech.

Ihre Mutter haut sie heraus, weil keinen Platz in der Gemeindewohnung, so beschließt sie bei dem Gymnasiaten einzuziehen, aus besonderen Umständen hat sie dabei nur einen BH an, was ein wenig nach Chick Llit klingen könnte, trifft so auf die Mutter Karin, der Gymnasiast ist nicht da und die Bobo Mutter beschließt sich um das Mädchen zu kümmern, quartiert sie dann in einem Pensionistenheim bei einer Gruppe esoterischen Frauen ein und man merkte beim Zuhören, wie fremd den Durchschnittsliteraten und seinem Publium solche Randschichtenliteratur ist.

Ich fands interessant, mir fiel auch der Perspektivenwechsel auf, die Tschulie-Szenen sind in der Ich Form geschrieben, dieKarin in der Sie Form und  Silvia Pistotnig erklärte auf Fragen aus dem Publkum, daß sie eine Kunstsprache für die Tschulie gewählt hat, denn die wirklichen Prolomädchen würden nur „Heast Alte!“, sagen, da weiß ich nicht, ob das stimmt.

Die Tschulies lesen aber wahrscheinlich nicht so gern und wenn dann vielleicht Comics oder Mangas und wollen nicht über ihre bildungsfernen Aussichten aufgeklärt werden, denke ich und  da fällt mir noch dazu ein, daß ich in“Beim Sterben sollte man zu Hause sein, ja auch die rotzfreche Schwester der Minka auf einen Gymnasiasten treffen lassen, aber die will  auch die Matura nachholen und die Selma, die Freundin von der Jasmin Bilic, will Zahnärztin werden, was ihr ihre Lehrer und das Arbeitsamt in Echtzeit auszureden versuchen und einen Brief eines Kevins an den „Herrn Kurz“ habe ich auch eine mal geschrieben.

So weit so gut und sicher interessant, vielleicht findet das Buch einmal zu mir. Friedrich Hahn oder war es jemand aus dem Publkum hat auch noch betont, daß solche Figuren nicht oft in der Literatur vorkommen.

Bei mir findet man sie  und auch bei Pia Piukund ihrer „Lucy “ ist mir noch eingefallen und  Elias Hirschls, des literarischen Wunderkinds und Jungstar wie Friedrich Hahn erwähnte, Protagonisten, nämlich die Bewohner einer betreuten Wohngemeinschaft sind höchstwahrscheinlich auch nicht hochliteraturtauglich, obwohl Clemns J. Setz hat sich in seiner „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auch mit diesem Thema beschöftigt und ist 2015 auf der Longlist des dBps gestanden.

Vom betreuten wohnen ist es dann  in den psychotherapeutischen Alltags einer Gruppenpraxis gegangen, wo die Dolmetscherin Nora, der Frau Roswitha, die Antworten der Teschetschenin dolmetschte und es dabei zu „Reibungsverlusten“ kommt, wenn sie ein Wort nicht so auf Deutsch wiedergeben kann wie es auf Russisch oder Tschetschenisch formuliert wurden.

Auch nicht der übliche Literaturschauplatz, die therapeutische Praxis und das Flüchtlingsthema, aber sehr interessant und ich habe mich mit beiden ebenfalls beschäftigt. Habe ich ja öfter Therapeutinnen und Therapiestunden in meinen Büchern, in der „Viertagebuchfrau“ vielleicht und in den „Berührungen“ geht die schreibblokierte Autorin zu einem Psychiater, der sie dann mit Schreibratschlägen versorgt und das Thema Flucht und Vertreibung habe ich auch öfter in meinen Texten, auch wenn ich nicht Dolmetscherunterstützt therapiere, bei der Diagnostik habe ich das eine Zeitlang so gemacht.

Ein interessanter Abend und eine interessante Zusammenstellung mit literarischen Randthemen, die ich für sehr wichtig halte und die auch nicht so abgehoben sind, wie es wahrscheinlich heute in der „Gesellschaft für Literatur“ war.

Der Schmiedessaal war auch nicht so voll wie gestern, die Leute, die gekommen waren, waren aber sehr interessiert und haben auch sehr interessierte Fragen gestellt.

2018-02-19

Russischer Jahrhundertroman

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:45
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Heute sehr voll in der „Alten Schmiede“, als ich, um sieben hinuntergekommen bin, nur die erste reservierte Reihe noch leer, die sich bald mit dem ukrainischen Botschafter und ich glaube auch mit Konrad Paul Lissmann füllte, der „Zsolnay- Herausgeber war auch da, denn Maxim Kantors „Rotes Licht“ ist dort erschienen.

Cornelius Hell moderierte, Markus Köhle las die deutschen Passagen und der 1958 in Moskau geborene Maxim Kantor, der sowohl in Berlin, London, als auch in Frankfurt lebt, ist, habe ich erfahren, eigentlich bildender Künstler, trotzdem ist das „Rote Licht“ ein monumentales Werk, siebenhundert Seiten stark und umspannt in drei Generationen das gesamte vorige Jahrhundert.

Mehr ein europäisches, als ein russisches Buch, betonte der Autor, Sohn eines Philosophen und Historiker, dessen zweiter Teil in russland nicht erschienen ist, nur in der <ukraine deshalb war auch der ukrainische Botschafter da und das Buch erklärte Cornelius Hell in seiner Einleitung, umfasst verschiedene Elemente.

Da liegt einmal in einem russischen Krankenhaus Solomon Richter im Sterben und während er das tut erscheinen im Fernsehen die Nachrichten von dem Kämpfen im Donbass, was den betagten Historiker und Juden dazu veranlaßt sein Leben und da vor allem auch den zweiten Weltkrieg und die stalinistischen Säuberungen Revue passieren zu lassen. Denn er wurde in Argentienien geboren, kam als Kind mit seinen Eltern nach Russland zurück, um dort den neuen sozialistischen Staat aufzubauen.

Eine Kriminalhandlung gibt es auch und weil es auch ein Schelmenroman ist, kommt auch noch ein Dieb vor und drei dieser Stellen, beziehungsweise den Anfang, dann ein Dinner in der französischen Botschaft und eine Stelle mit dem Dieb hat Markus Köhle gelesen, dazwischen gab es ein Gespräch auf Englisch mit dem Autor, der Putin, wie er betonte, nicht sehr mag und sehr selbstbewußt sehr viel erzählte und viele Fragen aus dem Publkum.

Ein interessantes Buch, das ich höchstwahrscheinlich nicht lesen werde, trotzdem spannend, einen neuen Autor kennengelernt zu haben und das Cover des im Jänner erschienenen Buches ist derzeit auch sehr oft zu sehen, Anna Jeller hat es auch in ihrer Auslage.

2018-02-18

Depressive Frauen

Filed under: Buchpromotion,Glosse — jancak @ 17:22
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Obwohl es mir ganz gut gelungen ist, wieder in den Veranstaltungsplan hineinzukommen und ich in der letzten Woche sogar auch wieder in der „Gesellschaft für Literatur“ war und auch genug zu Lesen habe, jetzt wieder ein Artikel bezüglich des Zehnjahresjubiläums, denn da habe ich meinen Lesern ja eine Serie zu meinen Büchern versprechen, um die hier ein wenig vorzustellen, weil sie sonst nicht zu entdecken sind, da ich sie mir ja selber drucken lasse und da zwar im Katalog der National- und der deutschen Bibliothek bin, aber sie jetzt nicht mehr an die Dokumentationsstelle für neuere Literatur ins Literaturhaus und auch nicht mehr an die GAV-Bibliothek schicke, nur immer eines in eines der offenen Schränke lege und da habe ich kürzlich im Netzt gesehen, wird das „Bibliotheksgespenst“ schon um zehn Euro im Netz angeboten. Ob der der Finder einen Käufer findet wird?

Wenn ihm mein Schreiben aber interessiert, kann er auf meinr Website nachsehen und die Probeakapiteln zu meinen Büchern lesen, es gibt die „Vorschauen“ und den Promotionsartikeln im Netz, die immer was zu den jeweiligen Büchern erzählen und auch ein paar spezielle Artikel zu den Themen, zu den Lieblingsbüchern, den Romananfängen und da man bei an die vierzig Büchern zu den Themen wahrscheinlich mehr als nur ein paar Worte verlieren kann, gibt es auch ein paar extra Artikel, obwohl meine Themen gar nicht so unterschiedlich sind und einem regelmäßigen Leser werden wahrscheinlich die depressiven Frauen auffallen, die meistens die Protagonistinnen sind.

Die Anna hat das, glaube ich, schon vor Jahren angesprochen, daß da oft eine arbeitslose oder sonst nicht Mitten im Leben stehende Frau, die Heldin ist, die im Lauf der Handlung eine Wende macht und meist ist die postiv und es geht gut aus. Die Heldin findet wieder Anschluß und Freude am Leben, bekommt einen Job, hat jemanden kennengelernt, der sich um sie kümmert, etcetera.

Zu positiv? Vielleicht, aber ich bin vom Brotberuf ja Psychologin und Psychotherapeutin und habe da meine Themen auch her, weil es ja öfter depressive Frauen sind, mit denen ich arbeite und was die eigene Depressivität betrrifft, ist es auch nicht gerade lustig an die fünfundvierzig Jahre zu schreiben und immer zu hören und zu denken, da bist du nicht gut genug, das schaffst du nicht, hör doch damit auf!

Das sehe ich, wenn ich nach Änderungen suche, leider wirklich nur als einzige Alternative und das will ich nicht und schreibe weiter, bin aber gerade jetzt wieder in einer Blockade, weil das, das  nützt ja eh nichts, so stark ist, daß ich nicht weiter mit dem Korrigieren der „Unsichtbaren Frau“ kommen, die ja auch eher eine depressive ist und die Magdalena, die nächste Protagonistin, von der es ja schon zwei Textproben gibt, wäre das ja auch.

Angefangen habe ich ja auch mit dem Schreiben über das erfolglose Schreiben, aber das ist ein weiterer Artikel, der demnächst kommt und mein veröffentlichter Debutroman die „Hierarchien“ beschäftigt sich nicht wirklich mit dem Thema Depression, sondern da habe ich mein Weggehen von der Klinik, wo ich vier Jahre halbtags Vertragsassistentin war, in die freie Praxis beschrieben und dort ist es mir ja nicht so gut gegangen.

Das Buch ist nicht sehr gut angekommen, was ich auch noch nicht so ganz verstehe, denn es war sehr ehrlich, aber natürlich ist das kein Kriterium für gute Literatur und sehr erhöht schreibe ich auch lnicht, obwohl mir das Buch, als ich es später gelesen habe, gar nicht so schlecht gefallen hat.

Aber ich wollte ja über die depressiven Frauen schreiben, obwohl man die vielleicht gar nicht immer so leicht von dem Thema „Älter werden“ und „Sterben“ abgrenzen kann und inwieweit, die Arbeitslogkeit mit der Depression korreliert, wäre auch eine interessante Frage, aber da fällt mir schon „Die begrenzte Frau“ ein, 2002 erschienen, Judith Gruber-Rizy hat den Beschreibungstext verfaßt und die wäre so ein Beispiel für eine depressive Frau

Die Archtiektin Agathe Zimmermann verliert ihren Job, hebt ihr Geld von der Bank ab und beschließt es auszugeben und danach in den Wald zu gehen und nicht mehr wiederzukommen.

Es kommt anders, denn sie lernt einen polnischen Sänger kennen, der vor der Staatsoper die Arie des Cavaradossi aus der „Toska“ singt und eine erfolglose Schriftstellerin, mit der sie in einem Bus Werbefahrten macht. Enen alten Mann in einer Hütte und einen Job bekommt sie dann auch.

Da wäre vielleicht das Muster, mit dem ich, wie vielleicht schon stimmen kann, viel zu wenig abgehoben und vielleicht auch zu schnell und unfertig meine Geschichten erzähle. Die Resonanz bleibt ja meistens aus, obwohl ich schon ein paar Rezensionen habe und es jetzt ja auch mit einer Leserunde versuchen möchte, aber dazu müßte ich Leser haben, die sich auf das Buch einlassen und mir Feef back geben möchte, was ja auch nicht so einfach ist.

Und 2003 war ich auch noch nicht so weit, denn da hat es das „Literaturgeflüster“ noch nicht gegeben und ich habe meine Bücher höchstens bei meinen Lesungen vorgestellt und ein Stückchen daraus gelesen.

Den Blog hatte ich dann schon, als 2010 „Sophie Hungers Krisenwelt“ erschienen ist und da gab es mit meiner ersten Kritikerin auch eine entsprechende Diskussion über die sprechenden Namen, weil es ja eine Schweizer Künstlerin gibt, die Sophie Hungers heißt, aber der Namen hat mir gefallen und meine Sophie Hunger, wie sie dann vorsorglich hieß,  ist auch eine freiberuflich arbeitende Lektorin, die ihre Aufträge verliert und, wie Andrea Stift in ihrerm Beschreibung schrieb, „um nicht in depressiven Stillstand zu verfallen, beschließt die Wirtschaftskrise in einer Art literarischen Winterschlaf zu verbringen.“

Und um eine wirkliche depressive Frau, fällt mir ein, ist es schon in dem früher erschienenen Roman „Die Radiosonate“ gegangen. Da ist die Josepha Stock, die ihren depressiven Alltag mit dem Radiohören verbringt und über ihre Todesarten nachdenkt, aber nicht die Hauptfigur, sondern eigentlich nur eine Episode. Die Hauptfigur wäre vielleicht, wo wir schon wieder beim anderen Thema und dem Alter Ego wären,  die erfolglose Schriftstellerin Elisa Eisenstein, die über Amanda Silberkandl und  Xaxer Mayrhofer, den beiden Radiomoderatoren, die aus Ö1 entstiegen sein könnten, einen ultimativen Roman schreiben will, der sie durch das „einsame Jahr“ begleitet.

Das Bücherlesen hatten wir schon 2009, bei der Sophie, obwohl es die Bücherschränke und die Idee mit dem Auflesen der ungelesenen Exemplare, erst später kam und da versucht ja die Thekla Morgenstern ihren Pensonsschock, man sieht meine Protagonistinnen werden schon älter, das Buch ist auch 2016 erschienen, damit zu überwinden und lernt dabei nicht nur die Fritzi Jelinek, die wir ja schon aus der „Absturzgefahr“ kennen, näher kennen, weil sie in ihre „Bibliotherapiegruppe“ geht, nein sie hilft auch der kleinen Yasmin Bilic aus ihren Sorgen mit ihrer Freundin Selma, die nicht mehr in die Schule kommt, weil sie dort kein Kopftuch tragen darf und da wäre wir schon beim nächsten Thema,  nämlich dem der „Flucht und Migration“ und da gibt es dann noch zwei Bücher, wo die depressiven Frauen nur am Rand vorkommen, aber da gibt es im Sommerbuch eine demente Oma und da wären wir schon bei einem anderen Thema, wo sich die Depression vielleicht mit dem Vergessen verbindet.

Denn die ehemalige Buchhändlerin Anna Mittlinger ist ja nicht depressiv, sondern hat eine Alzheimerdiganose bekommen, die sie ins Leben hinaustreibt und einen rumänischen Arzt kennenlernen läßt, aber die macht vielleicht auch ein  depressiv und so ist es wahrscheinlich auch, wenn man die Diagnose einer unheilbaren Krankheit bekommt, wie ich es die Journalistin Veronika Sieberer erleben ließ.

Da war mein Thema eigentlich die „Sterbehilfe“, weil ich mit dem Buch von Ernst Lothar nicht einverstanden war.

Es ist eine Behandlungsverweigerung daraus geworden und eigentlich ist die Veronika Sieberer, die ihren alten Nachbarn aus einer Krise heraushilt und seine Hüte aufträgt, auch gar nicht depressiv, sondern lebt ihr Leben selbstbestimmt bis zum Ende weiter, obwohl das Sterben ja sicher nicht so einfach ist.

Und das Thema „Alter werden“ und „Sterben“ gehört auch zu meinen Favoriten. Von ältereren Eltern aufgezogen, habe ich  schon einige Leute bis an ihr Ende begleitet, habe auch Sterbehilfeseminare gemacht und mich bei meinen psychologischen Unterricht an Krankenpflegeschulen mit diesem Thema beschäftigt, begleite manchmal Klienten durch diese Situation, werde selber älter und meine Pensionistennen, wie etwa die „Paula Nebel“, oder die alte Dame im „Novmbernebel“ sind auch rüstige Pensionistinnen, die dem Leben etwas abgewinnen und sich nicht unterkriegen lassen wollen.

„Beim Sterben sollte man zu Hause sein“ meinem zweiten „Nanowrimo“, an dem ich mich 2012 wieder beteiligte, ist sogar eine besonders betagte Frau die Heldin, nämlich die fünfundneunzigjährie Lea Weissensterner, die einen alten Herrn in einer Seniorenresidenz kennenlernt und seine Memoiren schreibt und besonders alte Menschen, nämlich neunzig bis hundertjährige kommen in meinen Texten auch immer wieder vor.

In den „Wiener Verhältnissen“ ist der Held ein jüdischer Schriftsteller, der Wien 1938 verlassen mußte und ich habe jetzt die depressiven Frauen verlassen, die mich aber, wie man sieht, immer wieder einholen und sich mit den arbeitslosen Frauen, den erfolglosen Schriftstellerinnen, den Älterwerdenden, an Krebs oder Alzheimer erkrankten etcetera, immer wieder überschneiden.

Interessante Themen, wie ich finde, und mich immer wieder, jetzt schon in über vierzig Bücher an sie heraunmache, damit vielleicht schon ein wenig ausgeschrieben bin, so daß ich schon länger „Nicht schon wieder eine depressve Frau!“, stöhne, mich aber dann doch immer wieder damit beschäftige und jetzt nur noch gespannt bin, ob es die „UnsichtbareFrau“, die ja wahrscheinlich auch ein wenig depressiv ist, obwohl sie jünger ist und an den blauschwarzen beziehungsweise prekären Verhältnissen leidet, in Buchform geben wird und im „Bibliotheksgespenst“ fällt mir ein, gibt es auch eine depressive Frau, nämlich die Lehrerin Therese Schwarzenberg, die ihrer Depression, beziehungsweise ihrer Freundin und ihrem Psychiater mit einem Bus von Wien zuerst nach Belgrad und dann über Graz, Linz und Salzburg bis nach Berlin fährt und dort von der realen Wirklichkeit nämlich den Anschlägen am Weihnachtsmarkt eingeholt, was eine auch depressiv machen kann oder eine solche weiterbestehen läßt.

Bei den depressiven Frauen hätten wir noch die „Karoline Wagner“ von 2006, da hat Erika Kronabitter den Text geschrieben, nachdem ich Szenen aus dem Buch 2005, bei der „Text und Kritikwerkstatt“ auf der Silvrettahöhe vorgetragen habe.

Da ist die Heldin eine  erfolglose Lebensberaterin, die in die Fängen des Nobelpreisbetrieb geträt, beziehungsweise eine sich versteckt haltende Frau beobachtet, die im Buch Larissa Lichtblau heißt, aber an die Nobelpreisträgerin von 2004 erinnern könnte, eine analphabetische Putzfrau und einen untergetauchten Zeitschriftenmagnaten gibt es auch und wir sind schon wieder im erfolgreichen oder erfolglosen Literaturbetrieb und nicht wirklich bei den depressiven Frauen und auch Mathilde Schmidt, die Frau aus der Pizzeria mit dem Glas Wein aus „Besser spät als nie“ ist das warhscheinlich nicht wirklich, zumindest nicht diagnostiziert.

Denn da hätten wir wahrscheinlich wirklich nur die Josepha Stock und die Thekla Morgenstein, aber beide sind höchstwhrscheinlich nie zu einem Psychiater gegangen.

Das taten nur Therese Schwarzenberg aus „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“ und  Anna Augusta Augenstern aus den „Berührungen“ aber die ist  auch Autorin und will einen Roman schreiben, hat aber eine schlechte Kritik bekommen und geht deshalb zu Theo Hardenberg, der sie eigentlich auch mehr literarisch berät und da wäre noch die Selma aus der „Frau auf der Bank“, die selbsternannte Stadtsheriffa, die ist wahrscheinlich depressiv und geht ins AKH, hatte aber auch eine Psychose hinter sich.

Man sieht ganz schön verwirrend, der Schreiballtag einer erfolgfrei schreibenden Psychologin und Psychotheraueptun mit Überlappungen und Überschneiderugen.

Neugierig darauf geworden?

Da ich schon über vierzig selbstgemachte Bücher habe, habe ich jetzt sicher noch einiges vergessen.  Vergebe sie aber gerne, sofern sie noch nicht vergriffen sind, an die, die sich dafür interessieren, beziehungsweise  mir eine diesbezügliche Frage oder Kommentar schreiben möchten.

2018-02-17

Stadt der Rebellion

Filed under: Bücher — jancak @ 11:59
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Nun kommt wieder ein Roman, der keiner ist, sondern der wahrscheinlich autobiografische Bericht über die ägyptische Revolution von 2011 des, wie im Klappentext steht, Essayisten und Filmemacher Omar Robert Hamilton, der, wie man ergooglen kann, 1984 geboren, Sohn einer ägyptisch palästinäsischen Mutter und eines breitischen Vaters ist, abwechselnd in London und in Kairo lebt und auch Mitbegründer eines Aktivisten und Medienkollektivs in Kairo, ist.

Ein sehr interessantes Buch also, das auf Englisch „The city always win“, heißt und 2017 erschienen ist, die deutsche Übersetzung von Brigitte Walitzek ist jetzt bei „Wagenbach“ erschienen.

Ein interessantes Buch,  nach außen in eine Romanform gekleidet, es gibt zwei Protagonisten, Khalid und Mariam, ein Liebespaar, das weil es die Revoltution auf Trab hält, nichtzu Liebe kommen, könnte man sagen, beziehungsweise im Klappentext nachesen.

Es ist in drei Teile geschrieben „Morgen – Heute – Gestern“ und das ist interessant, weil es eigentlich umgekeht läuft, der erste Teil erzählt die Geschehnisse von 2011, die Demonstrationen, die am Tahirplatz ablaufen, Khalid, der einen Vater in Amerika und auch palästänäesischen Wurzel hat, hat offenbar mit Freunden das Medienkollektiv gegründet. So machen sie Interviews mit Angehörigen von Märtyrern, die bei der Revolution verletzt oder getötet wurden, der Teil, der einundzwanzig Kapitel hat und in  Datum und Zeitangaben gesplittert ist, enthält auch Teewds und Mails, man sieht die neue Zeit und die neuen Medien, die Revolutionen erst ermöglichen, während Mariam, die Tochter einerÄrztin, mit ihrer Mutter vor Ort, die Verletzen betreut, sie im Gefängnis besucht und selber kaum Zeit hat zu essen und so immer dünner und dünner wird.

Handlung gibt es sogesehen keine oder eine kanpp eingestrete, die von den Vätern und den gescheiterten Ehen erzählt, in die wirkichen Ereignissen. Das Buch ist auch einem Cousin des Autors gewidmet, einem Aktivisten, der immer wieder verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt.

Im zweiten Teil im „Heute“, der wenn ich es recht verstanden habe, 2013, spielt, für einen oder eine, die die Revolution nicht hautnah miterlebte, sind die sich überschlagenden Mitteilungen verwirrend, es gibt zwar im Anhang ein Sach- und Personenregister, aber keine Zeittafel und so dauert es auch etwas länger, bis man versteht, daß das buch rückwärts erzählt oder das gestern eigentlich, das Scheitern der „Gegenwart“ in der das Buch geschrieben wurde, darstellt, während das „hoffnungsvolle Morgen“ längst längst vorüber ist, haben die Wahlen stattgefunden, die Muslimbrüderschaft hat die Herrschaft übernommen oder die Revolutionäre verraten und das ist in dem Teil, in Schlagzeilen und Mails mit Datumangeben zu lesen

„5.  Dezember: Mutmasslich sechs Tote beim Präsidentenpalast“ etwa oder „24 Juni: schiitische Männer in  Giza gelyncht. Musii schweigt.“

„Mohamed Mursi“ liest man im Personenregister  „wurde als Vorsitzender der „Freiheits-und Gerechtigkeitspartei“ von den Muslimbrüder wieder begründet, im Juni 2012 zum Staatspräsidenten gewählt und im Juni 2013 durch einen Militärputsch wieder abgesetzt.“

Die Revolution ist vorbei, die Demonstrationen gehen aber weiter und im dritten Teil dem „Gestern“, ist Abdal  Fatah al Sisi, „der 2013 den Militärputsch  gegen Mohammed Mursi anführte“, schon Staatspräsident und man kann überall im Land oder in der“ Stadt der Rebellion“ Sisi Masken und Sisi Souveniers kaufen. Es gibt Demonstrationen gegen die neuen Demonstrationsgesetze, alle fürchten sich vor Verhaftungen und ein Teil der Freunde ist schon in den Polizeistationen und Gefängnissen verschwunden und werden von den noch Freigebliebenen gesucht.

Ein interessanter Bericht, der einer, das Beschäftigen mit einer schon wieder gescheiterten Revolutionen, wie das die Revolutionen, trotz Internet, You Tube und Twitter, das es heute gibt, leider offenbar immer an sich haben, schmackhaft machen kann.

2011 ist ja schon länger vorbei, das Leben hat sich seither gewandelt und die Nachrichten vom arabischen Frühling wurden  längst von der IS und der Flüchtlingskrise abgelöst, so ist es wahrscheinlich gut und wichtig sich in die „Stadt der Revolution“ zu vertiefen und ich habe mich ja in der „Wiedergeborenen“ ein bißchen damit beschäftigt und die „Literatur im Herbst“ hat es einmal auch getan.

„Das Buch erweckt die gescheiterte Revolution in den Straßen von Kairo zum Leben, in all ihren jugendlichen Mut und naivenOptimismus“ hat der Nobelpreisträger J. M Coetze am Buchrücken geschrieben und Richard Ford meinte; „Ein bewegender klarer und schlauer Roman über politische Unschuld und Angstlisgkeit“, wie geschrieben, ich halte das Buch für kein Roman, habe mir beim Lesen auch etwas schwer getan,  aber wichtigen Nachhilfeunterricht in der jüngeren Geschichte bekommen, auch wenn es eigentlich sehr traurig ist, daß sich auch der arabische Frühling wieder nur in den Winter zurückdrehte.

2018-02-16

Schöne Seelen und Komplizen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Von der 1974 in Bad  Saarow geborenen Julia Schoch, habe ich, glaube ich, das erste Mal etwas gehört, als sie in Klagenfurt gelesen hat.

Ihre „Verabreredungen mit Mattock“, habe ich 2008 gelesen und es damals sehr kompliziert und stilisiert gefunden. Schöne Sprache und kein Inhalt oder so. Also das, was ich eigentlich nicht sehr mag und jetzt hätte ich, wenn ich mich an Mariki Fallwickls Rat keine zweites Buch einer Autorin eines Autors zu lesen, gehalten hätte, wieder etwas versäumt.

Nämlich die Wandlung zum realistischen Schreiben und das finde ich immer sehr interessant und auch angenehm. Es erleichtert das Lesen und wieder ein Buch über die ehemalige DDR.

Das ist, glaube ich, auch etwas was Marike Fallwickl nicht so interessiert. Mich aber schon und auch wenn man sagen könnte, daß in dem Buch da eigentlich nicht so viel Neues und noch nie Gelesenes passiert, fand ich die Idee eine Schulklasse in einem DDR Gymnasium oder erweiterte Oberschule hieß das, glaube ich, die Wende erleben zu lassen und dann dreißig Jahre später zu schauen, was aus ihnen geworden ist, sehr interessant.

Vor allem ist es, glaube ich, der Stil  in dem das Buch geschrieben ist. Wieder geht es um Namen in den Kapiteln. Diesmal sind sie die Überschriften und so erfährt man von Lydia Gebauer, Kati Viehweg, Ruppert Klose und vielen anderen, die die „Käthe Kollwitz Schule“, ein Elitegymnasium, wie im Klappentext steht, zu dem man eine Aufnahmeprüfung bestehen mußte, besuchten, wie sie die Jahre von 1989 bis1992 erlebten.

1989 waren sie sechzehn, erlebten ihre Pubertät, ihre ersten Lieben, das Erwachsenewerden und all das, was wohl alle Sechzehnjährige erleben und noch erleben werden und dazwischen wird sehr fein und fast nebenbei, die Veränderung des Systems erwähnt.

Das beginnt damit, daß sich Lydia Gebauer, die sich für Literatur interessiert, darüber ärgert, daß Rebecca Wendtland, die „Animal Farm“ und nicht das Stück das sie auswählte und das glaube ich die „Fliegen“ von Satre waren, Julia Schoch deutet nur an, für eine Klassenaufführung auswählte.

Dazu schleppt sie die Schulkollegen zu einem richtigen Regisseur, der allerdings nur ein Heizer ist, in dem sich Lydia gleich verliebt. In den Pausen treffen sie sich im Cafe Reinholdt und üben dort die Rebellion, beziehungsweise erzählen sie sich, daß Ruppert sich traute, einen Aufsatz anders als gewollt zu schreiben und sich dann noch bei der Lehrerin über die schlechte Note zu beklagen.

Er wird auch aus einem Wehrlager geholt und zum Direktor zitiert, bei dem schon der Stasimann sitzt. Aber die Zeiten ändern sich bald. Zuerst hauen die Mütter ab und lassen ihre Töchter bei den alten Tanten, dann kommen die Demonstrationen und die Lehrer beginnen die Schüler bald für ihr aufmüpfiges Verhalten zu loben.

Als es dann zum Abitur kommt, heißt die Schule schon „Luisengymnasium“ und der neue Direktor kommt aus dem Westen und begeht ein paar Faux Pas und dreißig Jahre später oder so, versucht eine der Schülerinnen ein Klassentreffen zu organisieren. Dahin kommen nur ein paar Personen, denn die anderen hat es in die Welt verstreut. Lydia Gebauer, die Lektorin geworden ist, ist gerade in Paris kurz nach den Anschlägen, die es dort gab.

Ehen wurden geschieden, Traume und Karrieren aufgegeben. Einer von ihnen ist schon gestorben und ein paar unterrichten am „Luisengymnasium“,  wundern sich über ihre Schüler heute und fragen sich, ob sie mehr oder weniger politisch sind, als sie es damals waren?

Ein sehr interessantes Buch, ein leises feines. Wie schon erwähnt, ist das, was das geschrieben steht, nicht wirklich neu, weder die Wende, noch, daß Ehen auseinandergehen und Karrieren scheitern.

Es ist aber durchaus spannend, das zu lesen und darüber nachzudenken, wie das ist, wenn man mit Mühen oder Protektionen in die „Käthe Kollwitz – EOS“ aufgenommen wurde und dann am Ende am „Luisengymnasium“, die Matura macht?

Das hat gute und auch schlechte Seiten. Für die Schüler war es wahrscheinlich nicht ganz so einfach plötzlich von ihren alten und auch neuen Lehrern etwas ganz anderes zu hören und die Stelle, wo einer fast durchdreht, weil seine Frau das leere Osterhasennest seiner Tochter weggeworden hat, habe ich besonders interessant gefunden,

2018-02-15

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich „Drachenblut“ und auch andere Bücher gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem derzeit so beliebten Thema, ob der Islam zu Deutschland gehört und es dort Muslime gibt oder gab, beschäftigt.

Ausgangspunkt war wohl, wie mir „Galliani“ schrieb, die Erkenntnis, daß es in „Wünsdorf unweit von Potsdam im ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, das ausschließlich für muslimische Gefangene vorgesehen war, dieses sogenannte „Halbmondlager“ war komfortabel ausgestattet, die Gefangenen wurden fast schon luxuriös versorgt, es hat eine eigene Moschee und eine muslimische Lagerzeitung gegeben.“

Jakob Hein stieß im Laufe seiner Recherche dann auf den jüdischen Leutnant Edgar Stern, beziehungsweise den Plan der deutschen Militärführung den Krieg  zu beenden, in dem man den türkischen Sultan dazu bringt, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen.

Und so beginnt eine Art Schelmenroman oder eine, wie am Buchrücken steht „wunderbar fabulierte Geschichte“, die eigentlich vom Leben geschrieben wurde.

Denn, wie Jakob Hein  anmerkte: „Manche Gescichten würden einem die Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu birzarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert“.

Und so beginnt der bei „Galiani“ erschienene Abenteuerroman, der in dreiunddreißig Kapitel aufgespalet sind, die sowohl Überschriften haben, als auch die Namen der darin beschriebenen Personen tragen, die ihre Geschichten erzählen, 1914 in Frankreich, wo der dreißigjhrige Edgar Stern, den Sommer in einem beschaulichen Badeort verbringt.

Dann bricht der Krieg aus und Stern hat die Idee den Suezkanal zu sprengen. Das wird von der Militärbehörde wohlwollend aufgenommen, der Plan mußlingt aber  und  kann nicht durchgeführt werden. Stern ist aber bei der Behörde  durch seinen „Hang zu unkonventionellen <lösungen“ aufgefallen, so daß er den Auftrag bekommt, vierzehn muslimische Kriegsgefangene aus dem oben beschriebenen Lager nach Konstantinopel zu schmuggeln, um den Sultan zu der gewünschten Handlung zu veranlaßen.

Das ist aber leichter gesagt, als getan, denn es gab zwar eine Bagdad-Bahn, aber vierzehn Muslime im wehrfähigen Alter wären aufgefallen und es waren ja einige Grenzen zu passieren. So kam der unkonventionelle Edgar auf die Idee, sich als Zirkusdirektor auszugeben und die gefangene als Artisten.

Er ließ er ihnen falsche Papiere ausstellen, was auch nicht so einfach war, da die meisten der Marokkaner, Tunesier, etcetera, ihr Geburtsdatum nicht wußten, so daß am Ende die Hälfte der Pässe auf den 1. 1. ausgestellt waren, was erst recht aufgefallen wäre und die arabischen Kostüme, die der Leutnant ihnen schneidern ließ, sahen alle auch neu und gleich aus, so daß Stern einen jüdischen Schneider kommen ließ, der sie ihnen wieder uneinheitlicher machen sollte.

Einige der dreunddreißig Kapitel haben einen der Gefangenen, namens Tassaout, als Protagonisten, der sich mit seinem französisch sprechenden Freund Aderfit über die Mission der Deutschen unterhält, die diese nicht verstehen, da die Gefangenen ja nicht so einheitlich, wie erwünscht sind und auch nicht die gleichen Sprache sprechen.

Die Reise des Direktors mit seinen Gefangenen, einen adeligen Orientexperten, der auf den  bürgerlichen Stern, verächtlich herabsieht und in der Luxusklasse reist, namens Karl Emil Schabinger Freiherr von Schowingen gibt es auch, mit ihren Schwierigkeiten an den Grenzen, wird von Hein in der schon erwähnten bizarren Fabulierkunst wahrscheinlich sehr genüßlich geschildert. In Konstantinopel werden sie huldvoll empfangen, bekommen Tee und Süßigkeiten gereicht. Die befreiten Muslime werden in einer Kaserne untergebracht, Stern und der Freiheitherr in einem Hotel, das allerdings, weil es einem Armenier gehört, zerstört wird.  Die brennenden Kirchen der Armenier werden ebenso fast nebenbei geschildert.

Und am Schluß des Buches gibt es  einen Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit den real existiert habenden Personen der Handlung weiter passiert ist. Das Ziel der Mission, die Verkürzung des Krieges wurde ja bekanntermaßen nicht erreicht. Stern hat  Aderfit und Tassaout, die vom Sultan huldvoll empfangen, dann aber ohne Geld stehengelassen wurden, ein Stück in ihre Heimat begleitet, ist dann  Bagdad gekommen und dort an Malaira erkrankt, so daß er sich wieder nach Deutschland zurückversetzen ließ, seine Verlobte Theodrora heiratete, fortan, was damals sehr fortschrittlich war, einen Doppelnamen trug und 1972 verstarb.

Ein sehr interessantes Buch, das sich manchmal, vor allem was die geschilderten Reisepassagen betrifft, sehr spannend liest und manchmal etwas langwierig ist, weil ich zum Beispiel nicht immer gleich verstanden hatte, was es mit den Missionen, der handelnden Personen, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben wurden, auf sich hatte.

So gibt es zum Beispiel ein paar Kapitel über zwei Funker, die auch auf die Reise mitgenommen wurden, weil außer des Erreichen des Dschihad in Konstantinopel auch noch das Telegraphensystem aufgebaut werden sollte und dann gibt es noch ein Kapitel über eine Putzfrau, die das Gefangenenlager reinigt und sich über den Luxus, der dort herrscht wundert, während ihr Ehemann im Schlamm von England oder Russland liegt und die Kugeln über seinen Kopf rasen, was aber eher an den Schluß gestellt ist und Stern mit seinen Artisten schon in der Türkei angekommen war.

Das wird ein wenig zusammenhanglos und auch handlungsarm erzählt, so daß ich das große Abenteuer, das im Klappentext auch noch versprochen wurde, eigentlich nicht immer nachvollziehen konnte.

So bin ich auf die Rezeption des heute erschienenen Buches, mit dem Jakob Hein auch auf Lesereise geht und das er in Leipzig vorstellen wird, schon sehr gespannt.

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