Literaturgefluester

2013-12-31

Wiedergeburt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:46

Ich bin ganz ehrlich keine Katzenfreundin. Mag die kleinen pelzigen Tiere nicht besonders, vor allem nicht, wenn sie mich umschnurren und wenn ich nicht aufpasse, auf einmal auf meinen Schoß springen und dort liegenbleiben und mag auch die Katzenfreunde nicht so besonders, die dann beleidigt sind und nicht verstehen, wieso mir ihr Schnurrli, Mausi oder Murrli nicht so wie ihnen gefällt?
Obwohl die Katzenliebe einsamer Menschen für mich natürlich nachvollziebar ist und ich auch meine Freundinnen zu verstehen versuche, wenn die nicht auf Urlaub fahren, weil sie ihr Mausi, Katzi, Schnurrli nicht allein lassen können und stattdessen die Wohnungen anderer Freundinnen hüten, um deren Katzen und Kätzinnen ihr gewohntes Futter zu bringen und, daß das ein höchst komplizierter Vorgang ist, weiß auch die Nichtkatzenbesitzerin spätestens aus der Fernsehwerbung.
„Katzen würden Whiskas kaufen!“, schnurrt es da einer doch entgegen und wenn es ihr nicht zu langweilig wird, kann sie erfahren, daß es vierundzwanzig, zweiunddreißig oder vielleicht sogar schon achtundvierzig Sorten Dosenfutter: Lachs, Huhn, Lamm, etc in allen Farben und Formen, schön mit einem grünen Blättchen auf einem appetitlichen Schälchen zu servieren, gibt, die man seinen kleinen Liebling je nach Lust und Laune zu den verschiedensten Gelegenheiten kredenzen kann und dann gibt es Katzenadventkalender, Spielzeugmäuse, Bällchen, Schnürre, etc, wahrscheinlich ebenfalls in vierundzwanzig, zweiunddreißig, achtundvierzig oder noch mehr Sorten, was die Herzen der Katzenliebhaber höher schlagen läßt und der Katzenspielzeugindustrie schöne Umsätze bringt. Ob es die Katzen, Kater, Kätzchen wirklich erfreut und sie diese Produktpaletten brauchen, weiß ich nicht, aber wie gesagt, ich kenne mich in Bezug auf Katzen nicht so aus oder doch natürlich in ihrer literarischen Form, gibt es da doch den Kater Murr oder die Kätzin Murana, die ich für den zweiten Wiener Katzenfasching erfunden habe und sie, die damalige Hochschulbesetzung im Audi Max der Wiener Universität miterleben ließ und nun bat mich Susanne Schneider, um einen Katzentext für den sechsten Wiener Katzenfasching.
Da fällt mir nichts mehr ein, könnte man so sagen oder doch natürlich, denn es fehlt hier ja einer, für den, wie ich mich zu erinnern glaube, dieser Katzenfasching wichtig war und der ein viel größerer Katzenliebhaber als ich war, kann ich mich doch erinnern, daß ich ihm einmal vor Jahren, es war, glaube ich, nach einer Lesetheateraufführung von Horvaths „Italienischer Nacht“ in einem privaten Garten, von dem wir ihm im Auto nach Hause brachten, erzählte, in der Nacht von Geräuschen munter geworden zu sein und vor der Balkontür eine Katze sitzen sah, die mich erschreckte.
„Ei, ein Kätzchen, wie kann man nur!“, hat er mir gesagt und meine Aufregung nicht verstehen können. Rolf Schwendter hätte die Katze sicherlich hereingelassen. Sie gestreichelt und gefüttert, denn einen solchen Besuch am frühen Morgen vertreibt man nicht und so denke ich, die ich mir ihn bisher gut im Cafe Wolke am siebenten Wolkenbogen am Himmelsgrund in der Gesellschaft des alten Herrn Professors und dem jungen Dichter Juri, die da oben sitzen, Kaffee trinken und Kipferln essen, auf die Erde hinunterschauen und sich so ihre Gedanken machen über die Zustände dieser unserer Welt, vorstellen konnte, daß er, wenn es die Wiedergeburt gäbe, sicher als Katze, Kater oder Kätzchen auf diese Welt kommen würde.
Als rotgestreifter Kater Rolf könnte er die Maultrommel schlagen und mit dem Murr diskutieren, könnte schnurren, pfauchen, seine, wie immer sehr pointierte Meinung von sich geben und würde auch beim sechsten Wiener Katzenfasching sicherlich willkommen sein!
Mit „Maunz, Miau, Schnurr!“, würde er sich vorstellen, seine Gedichte in dieser Form beginnen und mir, der bisherigen Ignorantin, die Katzenfurcht vielleicht auch austreiben.
„Schau, schau, ein liebes Kätzchen!“
Der Kater Rolf wäre dann auf diese Welt gekommen, wo es nicht nur schwarze Katzen gibt, die Unglück bringen, wenn sie einer am Freitag, den dreizehnten über den Weg laufen, sondern vielleicht auch Wiedersehensfreude, wenn ein rotgestreifter Kater plötzlich vor der Balkontüre steht.
Der Kater Rolf, der sich vom Cafe Wolke am siebenten Wolkenbogen am Himmelsgrund, Ausgang nimmt, wenn er keine Lust mehr hat, mit dem alten Herrn Professor und dem jungen Dichter Juri über den Ausverkauf der Welt, die Folgen der Globalisierung, die immer noch mangelnde Hochschul- und Bildungsreform, den Umgang mit Asylanten, Immigranten, Akademikerbällen und alles andere, was nicht so stimmt, zu diskutieren, sondern auf diese Welt hinunterkommt, um seine Katzenfreunde aufzusuchen und sein politisches Unbehagen schnurrend, maunzend, miauend, diskutierend oder auch auf der Maultrommel singend, mitzuteilen.
Und wenn er mir auf diese Art und Weise die Katzenliebe vielleicht ein bißchen näher bringt, kann das auch nicht schaden. Kann ich mir Rolf Schwendter in einem zweiten Leben doch nur als Kater, Katze oder Kätzchen vorstellen und so werde ich, beim nächsten Mal sehr genau aufpassen, wenn wieder um zwei Uhr morgens eine Katze vor meiner Balkontür steht und maunzt!
Wenn es der rotgestreifte Kater Rolf ist, dann, das verspreche ich, lasse ich ihn bestimmt hinein!

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Statistik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:42

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 50.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 19 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Jahresrückblick

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Und wieder kommt der Blick auf das vergangene Jahr und die Frage, was ist in diesem Jubeläumsjahr literarisch so alles für mich los gewesen und die Antwort lautet wieder auf der einen Seite viel, auf der anderen wieder nur sehr wenig und bezüglich Literaturgeflüster sind Kommentare wie schlechtes Schreiben, uninteressant und desinteressiert und noch so ein paar gekommen. Das kann ich leider nicht ändern und wahrscheinlich auch nicht wirklich, wie ich schreibe, also in meiner Rechtschreibung, so schlecht finde ich die an Gesicht der Pisa-Resultate gar nicht und mich eigentlich auch nicht unverständlich, das sind andere viel mehr, aber ich bin, wie ich bin und es hat natürlich seinen Grund, daß ich nun schon bald einundvierzig Jahre so abseits vom Literaturbetrieb vor mich hinschreibe und finde es eigentlich sehr schön, daß ich es tun kann.
„Danke, liebe Eva!“, würden jetzt wahrscheinlich der Rudi und Stephan Eibl Erzberg sagen und danke auch dem Internet und den modernen Druckverfahren und da bin ich von der Jammerei, die sein kann, auch wenn sie manche nervt, beim Jubeläumsjahr, denn 2013 war wirklich ein solches, vierzig Jahre schreiben, dreißig beziehungsweise einunddreißig selbstgemachte Bücher, um ganz genau zu sein, der sechzigste Geburtstag, fünf Jahre Literaturgeflüster. Drei Bücher sind wieder fertiggeworden, darunter das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, die literarische Bestandsaufnahme, was mich besonders freut und zwei habe ich geschrieben, die kommen dann 2014, wenn der Alfred die Zeit dazu hat, sie zum PDF zu machen und am Nanowrimo an dem ich wieder teil beziehungsweise mich ein bißchen durchgeschummelt habe, denn ich habe ja schon ein Monat vorher mit dem Recherchieren und dem Schreiben angefangen und war dann auch wieder schon nach ein paar Tagen mit einer Nachbesserung damit fertig.
Aber auch das soll sein, denn wenn man vierzig Jahre schreibt und schon an die fünfunddreißig Bücher gemacht hat, ist man über das „Bleistift los und ab!“, schon hinaus und ich tue was ich kann, denn ich bin ja irgendwie schreibbesessen, interessiere mich für Literatur, auch wenn das niemand merkt, gehe deshalb auch immer noch zu vielen Veranstaltungen. Manche nerve ich dann, wenn ich über sie meine vielleicht ein wenig patscherten Sätze schreibe, aber ich versuche, das immer wertschätzend zu tun. Manche kennen mich auch schon und sprechen mich darauf an und manche geben mir dann ihre Bücher auch zum rezensieren, andere schütteln entschloßen den Kopf und sagen „Nein, nein, denn es ist ja nur ein Blog!“
„Aber was für einer!“, könnte ich darauf antworten, auf jeden Fall meiner und eine kurze Zeit im Frühjahr habe ich auch eine Kommentiererin gehabt, die mit mir die literarische Diskussion geführt hat, wie ich sie gerne hätte, dann kam auch das Interview mit Wally Redtenbacher im Radio Fro gleichzeitig mit meinem „Dreißig Bücher-Gewinnspiel“ und einige sehr schöne Veranstaltungen, bei denen ich gewesen und über die ich gebloggt habe.
Das Literaturevent „Literatur und Wein“ hat mir der Alfred ermöglicht, weil es heuer ja keine große Reise gegeben hat, dafür ein paar stille Tage im Bad von Bük nach dem Geburtstag
Lesungen hats auch wieder gegeben. Reinhard Wegerth hat mich wieder in die „Alte Schmiede“ eingeladen, Christl Greller in die „Klimt-Villa“, beim „Literatursalm des anderen Buches“, wo immer die Schauspieler gewinnen, habe ich gelesen, bei der „Poet-Night“ und am Volksstimmefest. Das gab es dann wieder die Anthologie und eine Lesung im „Werkl“, da sollte ich auch noch mal lesen, aber leider hat es bisher mit der Terminvereinbarung nicht geklappt und dann schon im Februar bei den „Schreibinteressen“ des Herrn Blaha, der mich statt des Honorars wirklich toll vorstellte, als ich das aber bloggen wollte, kam prompt der Kommentar „So was Schlechtes habe ich noch nie gelesen!“.
Es war aber eine sehr schöne Lesung von mir und den anderen „Häferlnbesucher“ und ich denke mir ja immer, es soll jeder tun, was er kann und die Kreativität ist eine sehr wichtige Sache, die man eigentlich fördern sollte und so schlecht schreibe ich auch nicht, denke ich inzwischen ebenfalls, wenn ich mich durch die Werke der anderen lese und das habe ich 2013 wieder sehr viel getan und dank der offenen Bücherschränke und einiger Rezensionsexemplare, die ich bekomme oder anfordere, waren es hundertachtundsiebzig Bücher auf der Leseliste, von denen ich bis dato hundertsechundsiebzig gelesen habe.
Was das Buch des Jahres ist, kann ich wieder nicht sagen, aber mit dem „Gesprengten Grab“ habe ich eine Entdeckung gemacht, die dann auch in die „Dreizehn Kapitel“ Eingang gefunden hat. Ich habe Robert Schindels „Gebürtig“ und den „Kalten“ gelesen, zu Jahresanfang einen kleinen China-Schwerpunkt gehabt, im der Sommerfrische, die für mich ja auch immer ein Jahreshiglight ist, einen kleinen Lesemarathon gemacht und dann im Dezember, als ich mit dem Köhlmeier fertig war, einen größeren, um all das, was auf der Liste stand, aufzulesen. Im Sommer habe ich mir auch vorzustellen versucht, wie das ist wenn man ein Stipendium hat und Stadtschreiberin ist und habe mich sozusagen selbst zu einer von St. Pölten ernannt und ein paar diesbezügliche Texte geschrieben. Rolf Schwendter ist gestorben, was mich sehr betroffen hat und mich zu einigen Texten veranlaßte und was besonders erfreulich ist, ich habe es geschafft zum „Alpha-Literaturpreis“ nun doch eingeladen zu werden, was mich sehr freute und eine sehr schöne Veranstaltung war, zur Preisverleihung an Gustav Ernst durch die Stadt Wien, habe ich mich ein bißćhen „hineingedrängt“ und bin auch eine halbe Stunde zu spät gekommen.
Bei der „Buch-Wien“ war ich und durch Frau Führers freundliche Einladung auch auf einer Buchparty des Hauptverbands.
Ein schönes literarisches Jahr für die einsam und ein wenig verbittert vor sich Hinschreibende, die sich für 2013 wieder mal eine Bücherbeschränkung vorgenommen hat und sie gleichzeitig schon wieder zu umgehen versucht.
Es gibt eben soviele Bücher, ich will sie alle lesen, habe aber kaum mehr Platz für das Gedruckte, dafür jetzt aber einen E-Bookreader, auch wenn ich noch nicht so genau weiß, was ich mit ihm anfangen werde. Außerdem gibt es die Idee mich nach außen vielleicht ein wenig weniger aufzudrängen, das heißt natürlich weiter zu Veranstaltungen gehen und natürlich weiter schreiben, solange mir was einfällt. Das ganz besonders, weil das in Zeiten von „Pisa“ und der zwanzig Prozent sekundären Analphabeten, wie ich glaube, sehr wichtig ist. Ich werde auch meine zwei Bücher weiter in der Handtasche herumtragen, aber ich zeige sie schon jetzt viel weniger und wirklich nur mehr denen, von denen ich glaube, daß sie daran interessiert sind her.
Eine Präsentation meiner Bücher wird es weiter im „Literaturgeflüster“ geben und dort werde ich auch sicher weiter jammern, meine Schachtelsätze schreiben und die „s“ falsch verwenden, ob ich die „Dreizehn Kapitel“ und die „Verbrüderung“ wirklich bei „Amazon“ einstellen werde, ober nur auf den Blog präsentiere, weiß ich noch nicht, das ist dann die Überraschung und natürlich fordere ich alle weiter auf, mich zu lesen, wenn sie wissen wollen, wie es einer literarisch Besessenen in diesem Literaturbetrieb so geht und werde mich auch weiter in der Blogwelt herumtreiben.
Ebenso wünsche ich allen meinen Lesern ein schönes neues Jahr und einen guten Rutsch!
Am Abend kommt noch ein literarisches Schmankerl, nämlich der Text, den ich beim „Sechsten Katzenfasching“ am 1. Februar lesen werde, zu dem mich Susanne Schneider freundlicherweise eingeladen hat und am ersten Jänner geht es dann ins neue Jahr…!

2013-12-30

America

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:55

Ich hole mir ja immer sehr eifrig die „Eine Stadt-ein Buch-Bücher“ und habe sie auch fast alle gelesen oder wenigstens überflogen und bin meistens etwas enttäuscht zurückgeblieben, da mir die meist frühen Bücher der berühmten Autoren nicht so gefallen haben, bei der „Laßt die Bären los-Übersetzung“ war ich überhaupt sehr unzufrieden, aber diesmal war es anders, denn, daß das 1995, erschienene Buch, des 1948 bei New York geborenen T.C. Boyle, das in der Originalausgabe „Tortilla Curtain“ das ist die Grenze zwischen Mexiko und Amerika von wo die illegalen Einwanderer ins gelobte Land strömten, heißt, mich interessieren könnte, habe ich mir schon gedacht, als ich am Eröffnungstag nochmals in die Hauptbücherei gegangen bin und es dort Christian Jahl vortellen gehört habe.
Jetzt ist sich das Lesen doch noch in diesem Jahr ausgegangen und zu Weihnachten spielt das Buch, das auch die Anna haben wollte, die sich sonst für die „Stadt-ein Buch- Aktionen“ nicht so sehr interessiert, auch noch und T.C.Boyle bei dem ich schon einmal bei einer Lesung im „Thalia Landstraße“ war, obwohl ich ihn, glaube ich, weil ein so großer Andrang war, gar nicht gesehen habe, ist auch ein großartiger Schreiber und versteht es sowohl sehr realistisch zu erzählen, als dem Ganzen auch eine sehr spannende Dramaturgie zu geben, die einem den Atem anhalten läßt, auch wenn der Realismus dabei manchmal ein bißchen übertrieben wird, ist es ein großartiges Buch, das uns zum Nachdenken anregen könnte und beginnen tut es so beklemmend, wie ich auch Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ erlebt habe.
Es geht um zwei Familien bzw. Paare, das eine der oberen Mittelschicht angehörend, die in der Nähe von Los Angeles, ein Eigenheim gefunden haben, in das sie sich nun zurückziehen, um ihr Leben zu genießen.
Delaney Mossbacher, ein Naturforscher und Journalist und auch Hausmann, der den Sohn seiner Frau Kyra, einer erfolgreichen Immobilienmaklerin, in die Schule oder Kindergarten bringt, ihm zum Frühstück Müsli macht, der beschwert sich dann, warum er nicht auch einmal Cornflakes oder Ham and Eggs bekommt, aber Kyra will, daß ihr Kind gesund aufwächst und beginnen tut e,s wie bei Tom Wolfe mit einem Autounfall. Delaney fährt auf der Straße Candido, einen mexikanischen Einwanderer an und gibt ihm, weil der keine Polizei will, zwanzig Dollar.
Der campiert mit seiner siebzehnjährigen schwangeren Freundin America, daher der Name, mit den vereinigten Staaaten hat es nichts zu tun oder doch wahrscheinlich, am Canyon und geht auf den Arbeitsstrich, den es dort gibt. Jetzt kann er aber einige Tage nicht, da die Verletzungen, die er sich durch den Unfall zuzog, doch sehr stark waren. So versucht es America für ihn, hat aber nicht viel Glück dabei und wird sogar noch vergewaltigt.
In Delaney und Kyras schönen Eigenheim, wo sie mit zwei Hunden und einer Katze leben, brechen inzwischen die Kojoten ein, einer zerfetzt einen der Hunde und Delaney will sich bei der Hausversammlung über die Leute beschweren, die so blöd sind, den Kojoten Futter hinzustellen, kommt aber nicht dazu, denn der vielen Mexikaner, Einbrecher, Illegalen, etc wegen, soll ein Tor mit einem Wächter, die schöne Siedlung schützen.
Delaney ist zuerst dagegen, kann sich aber nicht durchsetzten und der Sohn des Wortführers, läßt sich von ihm auch noch die Stelle zeigen, wo Candido kampiert und geht dann hin, um die Decke und Americas Kleid in den Fluß zu werfen.
Delaney geht inzwischen wandern, entdeckt das Camp und auch noch ein paar andere Mexikaner, die immer wieder in dem Buch auftauchen und auch die sind, die America vergewaltigen. Als er wieder zurückkommt, ist sein Auto gestohlen und der Händler, bei dem er sich ein neues kaufen will, lacht ihn aus und erzählt ihm sowas, was bei uns „Fahren Sie nach Polen, Ihr Auto ist schon dort!“, heißen würde.
Candido gesundet und findet für ein paar Tage Arbeitet und zwar ausgerechnet bei Kyras Haus, denn die will jetzt einen Zaun haben, um den zweiten Hund vor den Kojoten zu schützen.
Die Hausversammlung beschließt inzwischen sich mit einer Mauer vor den Mexikanern zu schützen und Kyra die Angst hat, daß sie ihr Immobliengeschäft stören können, läßt den Arbeitsstrich schließen.
So zieht Candido mit America in die Stadt, aber dort wird er nur ausgeraubt, so daß sie doch wieder zum Caynon zurückmüssen und am Thanksgivingsday passiert dann eine weitere Katastrophe.
T. C. Boye spielt gekommt die Tastaur der Absurdität, denn in dem Supermarkt, wo sowohl die Mossbacher, als auch Candido und America einkaufen, bekommt man, wenn man über fünfzig Dollar zahlt, einen Truthahn geschenkt. Die Mossbacher tun das und brauchen eigentlich keinen Truthahn. weil sie schon einen haben, Candido kauft nicht soviel, bekommt ihn aber trotzdem und entfacht, als er ihn grillen will, einen Waldbrand, so daß die Siedlung mit der Mauer evakuiert wird und America und Candido ganz in der Nähe der Siedlung ein neues zu Hause finden.
Candido baut es aus gestohlenen Brettern an einem Anhang und America gebiert dort ihre Tochter Socorro, die blind zu sein scheint, in den zwei Tagen, wo sie gearbeit hat, hat sie mit Dämpfen hantieren müssen und Delaney wird inzwischen vollkommen paranoid und geht auf Mexikanerjagd, die auch die schöne Mauer ein wenig anzusprayen scheinen und als er Candido nochmals auf der Straße sieht, fährt er ihn nochmals an. Er findet zwar heraus, daß Jack Junior und seine Freunde die Sprayer waren, versucht Candido aber mit einer Pistole zu stellen. Das Haus rutscht aber wieder ab, das Baby schwimmt davon, Candido und America retten sich aufs Dach und Candido streckt Delaney seine rettende Hand entgegen.
So packend, absurd und trotzdem sehr verständlich, kann man die Ausländerproblematik, die uns ja alle irgendwie betrifft, auch erzählen.
Das Buch mit dem T.C. Boye einmal angefeindet wurde, steht inzwischen auf den Lehrplänen der amerikanischen und wahrscheinlich auch der deutschen Schulen und ich kann das Lesen, vor allem den Wienern, die ja jetzt hunderttausend Exemplare davon bekommen haben, die bald wahrscheinlich auch in den Bücherschränken zu finden sein werden, sehr empfehlen.
Es ist so modern, als wäre es heute geschrieben worden und man braucht nicht nach Amerika gehen, es könnte auch in Favoriten oder Ottakring oder sicher auch woanders spielen. In der Hauptbücherei, wo sich die Sandler und die Obdachlosen gerne aufwärmen kommen, gibt es übrigens auch einen Securityguard, der sie antippt, wenn sie einschlafen, wie ich bei meinen Besuch für die „Brüderschaft-Recherche“ bemerken konnte, haben sie es aber sehr sanft getan.

Venushaar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Von Michail Schischkin und seinem Roman „Venushaar“ habe ich das erste Mal etwas gehört als er 2011 in Frankfurt auf dem „Blauen Sofa“ saß, dann las er daraus bei der „Literatur im Herbst“ etwas vor.
2012 wurde sein Roman „Briefsteller“ auf dem „Blauen Sofa“ vorgestellt und diesen Sommer lag „Venushaar“, der Roman der zuerst in Russland sehr erfolgreich war und dessen in der Schweiz lebender Autor mit Bulgakow, Tolstoi, Puschkin, Nabokov,etc, verglichen wird, was ich damals noch nicht so wußte, in der „Morawa-Abverkauf-Kiste“ und jetzt habe ich das fünfhundertfünzig Seiten Buch auf drei Tranchen in der Badewanne gelesen, um es noch in diesem Jahr zu schaffen, das ganz harmlos und realistisch beginnt.
Denn da gibt es ja einen Dolmetscher, der, wie der 1961 in Moskau geborene Schischkin selbst, bei Asylwerbern dolmetscht und die Fragen und die Antworten „Warum sind Sie in die Schweiz gekommen, warum wollen Sie Asyl beantragenß“, etc, werden angeführt, bevor das Ganze auszuufern beginnt und, wie im Klapppentext steht, „Ein Jahrhundert russischer Geschichte eingebettet in das Leben des Dolmetschers mit Verweisen, Allegorien, Metaphern im Kosmus der gesamten Weltliteratur erzählt.“
Auf den letzten Seiten gibt es einen Anhang, wo man ein bißchen nachlesen und sich zu orientieren versuchen kann, denn Schischkins Ideereichtum ist wirklich ausufernd und macht es der Lesenden nicht leicht, gibt es doch keine Kapitel, keine Teile, keine Überschriften, die verschiedenen Erzählstränge gehen ineineinander über und der Dolmetscher hat nicht einmal einen Namen, obwohl er auch aus seinem Leben erzählt.
Am Anfang steht etwas, daß der Verwaltungsbeamte, der sich die Fragen übersetzen läßt, Peter heißt und Petrus ist ja auch der mit dem Himmelschlüßel an der Himmelsstür, der den dort Eintretenden die Tore öffnet, der Verwaltungsbeamte verschließt sie den Asylsuchenden oft genug, indem er etwas in ihren Akt stempelt und die gehörten Geschichten nicht glaubt, etc.
Die Ebenen werden auch sehr rasant gewechselt, da liest der Dometscher dem Asylwerber zuerst die Regeln vor und dann wird in dem Frage-Antwortspiel, das Leben russischer Polizisten, Soldaten bei den Einsätzen in Tschetschenien, etc, erzählt, bevor man erfährt, daß der Dolmetsch früher Lehrer war und die Biografie einner russischen Romancesängerin namens Isabella Jurewa, 1899 in Rostow am Don geboren wurde, schreiben sollte, als er sie aber besuchen will, ist sie im Krankenhaus und schließlich stirbt sie auch im Jahre 2000, was der Realität entspricht und man nachgooglen kann.
In weiteren wird viel aus dem Leben an Hand von Briefen und Tagebuchauszügen dieser Sängerin erzählt, die den ersten Weltkrieg als Gymnasiastin erlebte, sich verliebte, die Untreue ihres Vaters miterlebte, etc.
Der Dolmetscher wohnt in einem Haus nahe dem Friedhof, wo die Mieten billig sind, so daß außer ihm nur alte Leute dort wohnen und so fliegen auch öfter Gegenstände aus den Fenstern und als er nachschauen will, wer das tut, öffnet ihm eine alte Frau.
Von solchen Einfällen und Momentaufnahmen lebt das Buch. Es geht auch um die gescheiterte Liebe des Dolmetschers zu seiner Isolde, sie hat ihn mit seinem Kind verlassen, vorher hatte sie einen Liebsten namens Tristan und als sie in Rom waren, spionierte er in ihrem Computer und fand heraus, daß immer, wenn Isolde mit ihm unglücklich war, sie sich über ihn bei Tristan beschwerte, so daß er auf ihn eifersüchtig wurde und den Aufenhalt mit ihr in Rom nicht mehr genießen konnte.
Schließlich ist er allein in Rom, wohnt im „Instituto Schwizzero“ und triff seine alte Lehrerin, die die Kinder liebte, sie jede Woche in ein Museum führte und ihnen von Janusz Korczak erzählte, die das alte Fräulein aber haßten, wieder und das Ganze löst sich in einen vielstimmigen Gesang auf das Leben, auf das verlorene Paradies, auf die Liebe, etc, auf.
„Und ihr Bräutigam ist das Venushaar. Der Tag bricht an. Auf der spanischen Treppe türmt sich der Müll von gestern. – Wo seid ihr? Mir nach! Ein Kräutlein will ich euch zeigen, ein grünes, grünes Gras!“
„Zürich-Rom 2002-2004“, steht dann noch darunter.
Ein schwer oder auch leicht zu lesender Roman, leicht durch die Musikalität der Sprache, schwer durch die verschienensten Anspielungen, Metaphern, Hin- und Hersprünge, Querverweise, etc, die man auch trotz der Hilfen im Anhang, wahrscheinlich nicht ganz nachvollziehen kann.
„Ein komplexes, monomental angelegtes, philosophisch wie ästehtisch nach den Sternen greifendes Buch von einem der originellsten Autoren der russischen Literarurszene“, schreibt so auch die „Neue Zürcher Zeitung“ auch auf dem Buchrücken.
„Venushaar“ hat auch einige Literaturpreise bekommen und ist inzwischen in allen wichtigen europäischen Sprachen übersetzt und ich habe das Lesen, trotz der oben angeführten Schwierigkeiten genossen, habe ich von 2007 bis 2008 doch auch Asylwerberdiagnostik gemacht, so daß ich zumindest den realistischen Fragenteil nachvollziehen kann.

2013-12-29

Mein Berliner Kind

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:18

Die französische Schauspielerin Anne Wiazemsky, Enkeltochter des Literaturnobelpreisträgers von 1952, Francois Mauriac, von dem ich bisher noch nichts gehört habe, erzählt in diesem Roman, Memoir wäre wohl wieder die bessere Bezeichnung, die Geschichte ihrer Mutter Claire, die sich im Krieg als behütete Intellektuellentochter zum Roten Kreuz meldet und dieses Leben dort, wo sie Leichen abholt und immer wieder tote Jungs in den Armen hält und manche auch noch vor dem Sterben retten kann, sehr genießt.
Vor dem Krieg war sie oft traurig, von Migräne geplagt ist sie noch immer. Sie hat aber auch ein zärtliches Verhältnis zu ihren Eltern, schreibt ihnen Briefe, führt Tagebuch und ist mit einem jungen Mann verlobt, den sie eigentlich gar nicht haben will.
In Paris, bei den Eltern fühlt sie sich auch immer sehr bedrückt, so ist sie froh, daß sie nach Kriegsende, im zerbombten Berlin Roten Kreuz Einsatz machen darf und dort lernt sie den französischen Offizier und russischen Emmigranten und ehemaligen Fürsten Wia Wiazemsky kennen und verliebt sich in ihm.
Die Liebe ist zwar manchmal etwas ambivalent, Claire hat Ahnungen, ob das gut gehen kann? Sie sind auch sehr verschieden. Er spricht zwar sechs Sprachen, hat aber von dem berühmten Schriftsteller noch nichts gehört und außerdem wird er kurz nach der Verlobung auch noch verleumdet, des Schwarzhandels und der Mitgliedschaft in einem rechten Verein beschuldigt. So fährt er mit Claire nach Frankreich, um sich zu entlasten und stellt sie dort, am frühen Morgen, seinen Eltern vor und sie ist entsetzt darüber, wie peinlich es seiner Mutter sein muß, sie in Lockenwicklern in der ärmlichen Wohnung zu empfangen.
Die ist aber sehr nett zu Claire und schenkt ihr all ihren noch verbliebenen Schmuck.
Differenzen gibt es mit Claires Eltern, wo die Hochzeit stattfinden soll? Claire möchte Berlin, die Mutter setzt sich aber durch. Es wird in Paris geheiratet, das Paar kehrt aber bald nach Berlin zurück, Claire wird schwanger und ist sich sicher, einen kleinen Francois auszutragen. Die Schwiegerseltern wünschen sich aber einen Namen, der sowohl in Russland als auch in Frankreich bekannt ist. So wird das Berliner Kind, eine kleine Anne, die fast an ihrer Geburt gestorben wäre, am 14. Mai 1947 geboren, ein deutscher Facharzt rettet ihr das Leben und wird kurz danach hingerichtet, weil er auch ein Kriegsverbrecher war.
Das erfährt die offenbar sehr berühmte französische Schauspielerin, die Jean-Luc Godard geheirat und für ihr Schreiben mehrere Preise bekommen hat, 2008 von Olga de Rosen, die damals beim Roten Kreuz als Dolmetscherin gearbeitet hat.
Das Buch stammt auch vom „Morawa-Flohmarkt“, ich habe es Anfang Juli zusammen mit acht oder neun anderen Büchern gekauft, es aber, glaube ich schon im Jänmner in den Abverkaufskisten gesehen, damals aber liegen lassen, weil es mir nicht bekannt erschien. Cover und Titel haben mich dann doch überzeugt.

Die Zuckerlfabrik im Schulbankfach

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:06

Eine Anthologie zum hundertsten Frauentag, herausgegeben von Christine Werner im „Arovell-Verlag“, das ist der, der mich einmal angeschrieben und gemeint hat ich solle Manuskripte schicken, sie würden im nächsten Jahr angesehen werden, was daran scheiterte, daß ich nicht so lange warten wollte und die Anthologie und die Texte, der darin erschienenen Frauen sind interessant. Auch die Auswahl der Frauen, sind das ja gar nicht die Altfeministinnen, wie Ruth Aspöck zum Beispiel, ich bin natürlich auch nicht drinnen, obwohl ich einmal sogar mit Christine Werner bei den Textvorstellungen gelesen habe, aberCornelia Travnicek hat ein selbstbewußtes Bild und eine Seite, die aus einem einzigen Satz besteht. Bekannte Frauen wie Eva Rossmann, ältere wie El Awadalla die ich vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne und bei deren Widerstandslesungen sich Christine Werner ja intensiv beteiligt hat und und und.
Gehen wir es einfach vom Anfang an. Da gibts zuerst ein Mail von Margit Hahn an Christine Werner, die sich darauf bezieht, daß Frauen gar nicht so brav sein sollen. Dann einen Hinweis, den ich vor allen für meine Kommentierer sehr interessant finde „Wer Tipfähler findet, darf sie behalten“, wie wahr. Dann geht es los mit der Titelgeschichte von Tina Leisch „Die Briten, die spinnen“, mit der ich 2000 bei dieser Widerstandslesung des Lesetheaters mitgemacht habe und in Eisenkappl im seben Zimmer übernachtet habe.
Eine spannende Geschichte in der die Filme- und Textmacherin von der Schule der Siebzigerjahre, den strengen Fräuleins, die dort die Mädchen fertigmachten und ihrer engagierten Mama, die das nicht zuließ, erzählt.
Dann kommt Eva Rossmann mit zwei utopischen Geschichten. Eine erinnert an Thomas Sautners „Fremdes Land“ und spielt im Jahre 2025, das Hantieren von Messer im Sinne der Fremd-und Eigengefährund verboten ist und man, wenn man dabei erwischt wird, vorgeladen wird und in ein Erziehungslager kommen kann. Die zweite „Johanna Dohnal wird achtzig“, habe ich, glaube ich, schon einmal gelesen.
Die 1957 geborene Dramaturgin und Autorin Barbara Unger-Wiplinger war mit bisher unbekannt und ihr Prosatext „Marie, Marie dein Kopf verbrennt!“, ist auch sehr dramatisch und es drehten darin die verschiensten Marien auf, die Regiemarie, die Moslemmarie, die Judenmarie, die Drübermarie, die Fakemarie und einen Josef gibt es auch.
Elisabeth Vera Rathenböck, kenne ich von der Zeit in der ich in der GAV-Jury war, damals habe ich nämlich ihr bei „Resistenz“ erschinenes Buch gelesen, das ich dann vom Verlag noch einmal bei einer Gratisaktion bekommen habe. Die 1966 geborene Oberösterreicherin schildert in ihrem Text „Mein Leben ist so rosa“ die Nöte einer Fünzigjährigen freiberuflichen Schriftstellerin, die eigentlich ausbrechen möchte, sich aber mit der Regel ihrer Tocher und den Männern, die sich nach ihren Schreibkursen bei ihr über ihre Manuskripte unterhalten wollen, auseinandersetzen muß.
Die 1965 in Wien geborene Sozialarbeiterin Andrea Steffal, die in Afrika Krankenhausmanagerin war oder ist, schildert in Mails an Christine Werner, wie das so ist, wenn der Yussuf keinen Pass bekommt, seinen Sohn Ismael daher nicht sehen kann und sich die geplante Euopareise verschiebt, weil man die Kinder der Großfamilie bei sich aufnehmen muß, damit sie aufs Gymnasium können.
Dann kommt Christine Werners Geschichte, die ich von den Widerstandslesungen kenne, die von einer Anna, einem Hochhaus, Erwin Ringel und den Nöten einer angstmachenden Erziehung, wie sie offenbar auch noch in den Siebzigerjahren ausgeübt wurde, erzählt.
Lale Rodgarkia-Dara, die mich einmal bezüglich der „Freiheit des Wortes“ für das „Radio Orange“ interviewte, erzählt vom Leben Nannerl Mozarts im Schatten ihres berühmten Bruders und El Awadalla hat eine sehr beeindruckende Geschichte von der Frau, die ihre spirituellen Kräffte am AMS anderen Arbeitssuchenden verkauft.
Die 1961 geborene Monika Krautgartner, „die schon rund zwei Dutzend Bücher veröffentlicht hat“, wie ich ihrer Biografie entnehme, erzählt die Geschichte einer Sozialarbeiterin, die das Schicksal ihrer „Akten-Kinder“ mit nach Hause nimmt und Sylvia Treudl, früher Frauenverlag, jetzt Leiterin des NÖ-Literaturhauses und Veranstalterin von „Literatur und Wein“ erzählt von einer prallen Bauernmagd, die sehr lustvoll und emanzipiert mit Sex umzugehen versteht. Karin Gayer, die ich vom Volksstimmefest kenne, weiß von einem Mann zu berichten, der zwar Bukowski, Rilke, Bachmann auswendig kann, mit Frauen aber kein Glück zu haben scheint und die Klosterneuburgerin Margit Hahn, von der ich noch einige Bücher zu lesen habe, erzählt von einer Single Frau, die in einem Wellneßhotel Urlaub macht, sich über die Benachteiligung, die sie dabei erfährt ärgert, dann die Gattin einer Urlaubsbekanntschaft vom Berg hinunterstößt und am Schluß wird sie noch deren Mann, der ihr Chef ist, sie aber nicht erkennt, entlassen.
Ein bißchen seltsam diese geballte Ladung der Frauenemanzipation, aber vielleicht empfinde ich nur so, weil ich Gewalt nicht mag.
Insgesamt habe ich ich eine interessante Sammlung weiblicher Stimmen gelesen, finde es nur schade, daß der „Arovell-Verlag“ wahrscheinlich nicht sehr viel Aufmerksamkeit hat und natürlich fehlen viele Autorinnen, darin, denn Österreich hat ja Literarisch sehr viel anzubieten, daß sich davon noch einige Anthologien ausgehen würden.

2013-12-28

Die Augenblicke des Herrn Faustini

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:54

Herr Faustini, der liebenswürdige Neurotiker oder Sonderling, der Wolfgang Hermann, 2002, den „Siemens Literaturpreis“ eingebracht hat, hat einen Riß in seiner Seele, deshalb geht er, der in Hörbranz mit einem Kater lebt, der inzwischen zur Nachbarin übersiedelt ist, zu der Psychotherapeutin Angela Nussbächle nach Dornbirn und die empfieht ihn, weil bald Sommer, eine Reise.
So legt Herr Faustini den Finger auf die Landkarte, entscheidet sich für einen Ort namens Edenkoben am Rhein und ruft die Telefonauskunft an, um sich dort die besten Zugverbindungen sagen zu lassen.
Herr Faustini ist höflich rücksichtsvoll hat offenbar auch alle Zeit der Welt und kann sich auch genau erinnern, daß ihm die Telefonistin schon einmal die allerbesten Verbindungen gesagt hat.
Gibt es ja noch zwei andere „Faustini-Bände“, die ich zwar nicht gelesen habe, aber, glaube ich in der einen oder anderen diesbezüglichen Veranstaltung war.
In Edenkoben angekommen quartiert er sich in eine Pension ein, das Zimmer gefällt ihm aber nicht und wegen einer Fliege kann er auch nicht schlafen. So lernt er im Supermarkt am nächsten Tag den Hobbyeisenbahner Emil kennen, mit dem er in ein anderes Zimmer zieht und weil die Augenblicke kostbar sind, fährt er auch nach Speyr um sich den Dom anzusehen, gelangt von dort auf ein Rheinschiff, entpuppt sich als wunderbarer Tänzer einer alten Holländerin, die mit ihrem Mann auf goldener Hochzeitsreise ist. In Köln steigt er wieder aus, trägt der Frau mit dem wunderbarsten Gang der Welt den Koffer zum Zug nach Berlin, fährt aber doch nicht mit, hat der etwas in den Weinbergen verloren. So scheint er dort bis es Winter ist zu verbleiben, schreibt an die Nachbarin noch eine Ansichtskarte, um sich dann irgendwann wieder auf den Bahnhof und in einen Zug zu begeben.
Der liebenwürdige kleine Mann des 1961 in Vorarlberg geborenen Wolfgang Hermann, den ich wie beschrieben, von den „Siemens-Literaturpreisen“, bei denen ich mich ja auch immer eifrig beworben habe und zu den Preisverleihungen hingegangen bin, kenne.
Das Buch „Fahle Landschaft“ habe ich, glaube ich, einmal bei den Büchertürmen von „Literatur im März“ gefunden und gelesen. Den „Wildgans-“ und auch andere Preise hat er bekommen und jetzt, glaube ich, einen Gedichtband bei „Limbus“ herausgebracht.
Ich gehe manchmal zu seinen Lesungen ins Literaturhaus oder in die „Alte Schmiede“ oder sonstwohin und jetzt habe ich bei diesem „Morawa-Abverkauf“, um zwei Euro wahrscheinlich „Die Augenblicke des Herrn Faustini“, die Geschichte von dem kleinen Mann, der naiv die Welt erobert und uns das einfache Leben lehrt, gelesen.
Diese naiven Heiligen sind zwar nicht ganz das Meine, das Buch war aber ganz amüsant und Anspielungen auf das Nichtwählen, den Fremdenhaß und andere Unsinnigkeiten unseres Lebens sind darin auch zu finden.
Interessant ist noch, daß Wolfgang Hermann für dieses Buch offenbar ein Aufenthaltsstipendium in Edenkoben in Anspruch genommen hat, wofür er auf der ersten Seite dankt.

Juttas Tod

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:40

In den Abverkaufskisten im Sommer beim „Morawa“, lag auch ein kleines dünnes Bändchen, 2010 im Voralberger „Limbus-Verlag“ erschienen, bei dem auch Erika Kronabitter ihre Bücher hat, von Uwe Bolius, das bisher an mir vorbeigegangen ist.
Obwohl ich den in 1940 Geborenen, der beim Margaretenplatz lebt und auch mal Bezirksrat der Grünen war, schon lange kenne. Über seine Bücher habe ich, glaube ich, schon in den Siebzigerjahren gehört, aus „Standhalten“ 1979 bei „Suhrkamp“ erschienen, hat er, glaube ich, beim ersten „Bachmannpreis“ gelesen, das Buch steht inzwischen auch auf meiner Leseliste.
„Der lange Gang“, 1983 erschienen, war eine Autoreninitiative und ein Vorläufer des „do it self“. Jedenfalls lag dem Buch, das ich irgenwo kaufte, eine Bestellkarte bei, womit man es beim Autor beziehen konnte.
Besucht habe ich Uwe Bolius, glaube ich, 1989 in seiner Wohnung, das ist auch die Zeit, in der das Buch über den Tod seiner Schwester spielt, beziehungsweise sie gestorben sein dürfte.
Es hat aber auch Kerstin Hensel in Klagenfurt gelesen und die hat bei Uwe Bolius gewohnt und ich habe sie bei ihm getroffen. 2002 hat er dann ein Buch bei „Book on Demand“ herausgebracht. Ich habe ihn auch zu meiner „Selbstgemacht-Veranstaltung“ ins Literaturhaus eingeladen und hatte da ein bißchen Schwierigkeiten, weil er unbedingt wollte, daß ich eine Frau, die in Bremenen einen BoD-Erfolg hatte, dazu einlade.
2004 oder so haben wir bei dieser Halbpreisschiene in der „Alten Schmiede“ in den Semesterferien um fünf Uhr Nachmittag vor meinen Freunden und Christel Greller gelesen und als ich 2008 in der Jury für den Buchpreis war, stand „Hitler von Innen“ auf der Liste. Da war ich dann auch bei der Lesung in der „Alten Schmiede“ und jetzt ein neues Buch von Uwe Bolius, der auch Filmemacher ist oder war und einen über Margarete Schütte-Lihodzky drehte.
Das Buch geht über den Krebstod seiner Schwester, die er in Holland kurz vor ihren Tod besucht und sich danach im Sommer 1989 an die Dechantlacke setzt um über ihren Tod zu schreiben.
Alles alles kommt dabei hoch, die Kindheit in Linz, die unglückliche Beziehung zur Mutter, einer Kriegswitwe, die sehr streng war und keine Gefühle zeigen konnte und die Tochter, als sie im Hof fast vergewaltigt wird, an den Zöpfen hochzieht und sie bestraft. Die auch will, daß sie sich von ihrem älteren Freund trennt. Die Tochter geht nach Beendigung der Schule nach London und wird dort eine sehr erfolgreiche Sekretärin.
Sie heiratet nach Holland, bekommt zwei Kinder und läßt sich von ihren Mann Joop scheiden, nachdem er eine Psychose bekommt, die Kinder wollen es so.
Von Juttas Krebserkrankung, die eigentlich Dagmar heißen sollte, wie es sich der Vater, bevor er im Felde der Ehre liegengeblieben ist, wünschte, was die Mutter aber ignorierte, erfährt er durch die Mutter, die ist inzwischen in der Schweiz verheiratet oder verwitwet, hat ein paar Hunde und reist sofort nach Arnheim, wo ich den Tag verbrachte, als die Reakterkatastrophe von Tschenobyl passierte, bringt dort den Haushalt der Familie in Unordnung und als Bolius kommt, seine Schwester zu besuchen, holt Joop ihn ab.
Die Schwester ist abgemagert, das holländische Krankenhaus unterscheidet sich aber in seiner Atmosphäre von dem bei uns gewohnten. Die Schwestern sind freundlich, ihre Gehaltsforderungen hängen aber doch an der Eingangstür und Jutta hängt an Schleuchen trägt einen Turban und verbindet die Krebserkrankung, was ich nicht mehr glaube, daß es so ist, mit ihrem unglücklichen Leben.
Da ist erstens die Mutter, die ihr ihr das Leben vermurkste und dann die Tatsache, daß sie sich der Kinder willen, von ihrem kranken Mann trennte, was sie eigentlich gar nicht wollte.
Jutta will ihre Mutter nicht beim Begräbnis haben oder, daß sie gleich danach wieder abreist. Über das Wort Begräbnis und das „danach“ wird nicht gesprochen oder nur von der Cousine gescherzt, daß sie sie von „drüben“ grüßen soll und die Mutter stürzt zwölf Jahre nach Juttas Tod über eine Hundeleine und verstirbt daran.
Ein packendes Buch und ein ein sehr eindrucksvoller Bericht über das Sterben. Bei Amazon habe ich etwas über Sterbehilfe gelesen, das habe ich nicht so interpretiert. Das heutige Sterben und der heutige Stand der Krebsforschung wird auch sicher ein anderer sein.
Im Buch steht „Erzählung“. Ich denke wieder, daß es das ist, was die Amerikaner „Memoir“ nennen und frage mich auch, wie es Uwe Bolius Schwester damit gehen würde, daß ich jetzt ein Buch über ihr Sterben lese?
Am Beginn des Buches steht eine Erzählung über die Mutter, die Uwe Bolius schon früher geschrieben hat und wenn ich mich nicht irre, in dem Buch enthalten ist, das ich 2004 mit ihm tauschte und im Gespräch mit der Schwester am Krankenbett wirft sie ihm vor, daß er so etwas Intimes veröffentlicht hat.
Es ist aber natürlich nicht falsch sich mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen. Tun wir das ohnehin viel zu wenig. Die Schriftsteller sind da eine Ausnahme. So hat ja auch Julian Schutting über das Sterben seiner Mutter geschrieben und Elfriede Haslehner hat mir auch einmal einen solchen Text gebracht.

2013-12-27

Im Alphabet der Häuser

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:18

„Im Alphabet der Stadt – Roman einer Stadt“, ist das zweite Buch von Christoph W. Bauer, das ich noch auf meiner Leseliste stehen habe.
Und was soll ich sagen? Es ist ein interessantes Buch, das sehr viel über die Stadt Innsbruck zu erzählen weiß, ein Roman ist es, glaube ich nicht, obwohl der Autor eine sehr interessante Form gewählt hat, um sein enormes Wissen, das er sich aus den Stadtarchiven und anderen Quellen, im Anhang ist es genau angeführt, angesammelt hat, an seine Leser widerzugeben.
Es ist mir auch nicht ganz klar, an wen das Buch sich wendet? An die Innsbrucker wahrscheinlich, da allen anderen, wie mir vermutlich, die ich vor circa zwanzig Jahren das letzte Mal in dieser Stadt gewesen bin, der Kopf rauchen würde und sie mit der Fülle der Name und der Geschichte, die sie da serviert bekommen, nicht viel anfangen können.
Als Reiseführer ist es wahrscheinlich auch nicht geeignet, das es dazu zu sprunghaft ist und zuviel von anderen Städten erzählt, es gibt auch keine Bilder, Karten, Pläne. Ein Loblied der Stadt Innsbruck Innsbruck ist es auch nicht wirklich, „ein atemberaubender Roman eines zugereisten über eine überraschend aufregende Stadt“, schreibt „Kulturpanorama“, am Buchrücken, was ich auch nicht so nachvollziehen konnte.
Da trifft einer in einer Bar in Innbruck einen mit einem glasigen Blick, der schon ein bißchen Alkohol getrunken hat und der empfängt ihn mit den Worten „Ein Haus bekam ich vor vor die Nase gesetzt…“
Damit schließt das Buch dann auch zweihundertfünfzig Seiten später und dazwischen hat der eine mit dem anderen eine Zeitreise durch die Stadt Innsbruck gemacht, die im Mittelalter beginnt.
Ob er sich dabei auf ganz Innsbruck oder nur ein Viertel bezieht, ist mir nicht ganz klar geworden, dazu kenne ich mich in Innsbruck zuwenig aus. Es heißt auch öfter, das Haus in der und der Straße erzählt und am Anfang wird auch von einem „Konz Spitz, dem Besitzer des Hauses im unteren Aubruggen erzählt, der 1526 in der Stube einen Tisch, Stühle, Bänke hinterläßt..“
Der Erzähler geht mit dem Gast auch in das Getränkelager des Hauses, um seine Stadtchronik weiterzuerzählen, berichtet von den Feuerverordnungen des Mittelalters, von der Gerichtsbarkeit, den Folterungen, den Armen- und den Leprahäusern, der Pest und so weiter und so fort und ich habe gedacht, daß das eher die Schilderung des Mittelalters, als die Chronik einer Stadt ist, Hilde Schmölzer hat in ihrem Buch über die Pest etwas ähnliches unternommen.
Dann geht es auf einmal in das Jahr 1888 und der Erzähler fordert seinen Zuhörer auf, sich vorzustellen, er würde von Wien nach Innsbruck übersiedeln?“
„Warum sollte ich das tun?“, fragt der, der öfter Gegenfragen stellt.
Der Chronist erzählt vom Wohlstand der Stadt, um diese Zeit und läßt sein Gegenüber dann durch sämtliche Kaffeehäuser ziehen und dort eine Melange? trinken, die es damals gegeben hat und ihn dabei antisemitische Studenten erleben, die sich über Arthur Schnitzlers Aufstieg in Wien ärgern. Er erzählt dann auch von einigen Buchhandlungen und Druckereianstalten und läßt sein Gegenüber in in der Stadt immer älter werden, denn allmählich kommen wir in das Jahr 1938, als Adolf Hitler kam und da haben die Häuser der Stadt auch sehr viel von dem Jubel, der damals kurzfristig herrschte zu erzählen. Zwischendurch geht es dann einmal ins Jahr 2007, wo das Buch geschrieben wurde, es endet aber nach dem Krieg und hat zwischendurch auch noch eine Reihe von Namen und Familien aufgezählt, die den Krieg und die Reichskristallnacht nicht überlebten.
Ein interessantes Buch, das wahrscheinlich doch für die historisch interessierten Innsbrucker geschrieben wurde. Eine interessante Form, des 1968 in Kärnten geborenen und nach Innsbruck gezogenen Autors, den ich bisher als Lyriker kannte und der sowohl beim Bachmannpreis als auch den Reinhard Priessnitz Preis gewonnen hat.
Als roman würde ich es nicht bezeichnen, aber das hat wohl der Verlag so vorgeschlagen, um die Verkaufszahl zu steigern und interessieren würde mich auch, ob es ein Auftragswerk war oder ob Christoph W. Bauer selbst auf die gekommen ist sich mit dem Mittelalter und der Nazizeit der Stadt Innsbruck zu beschäftigen.
„Christoph W. Bauer erzählt die Geschichte von Innsbruck, der Stadt seiner Wahl. Dabei zeigt er, welch ein Genuß es sein kann, sich in der Historie zu verlieren!“, steht noch am Buchrücken. Was wohl stimmt, allerdings sind einige Epochen dabei ausgelassen.
Ein anderes Buch zur Tiroler Geschichte aus dem „Haymon-Verlag“ habe ich zu Beginn des Jahres gelesen.

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