Literaturgefluester

2013-09-30

Erdenkinder

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

„Erdenkinder“, ein 2012, bei „Molden“ erschienener Krimi des 1966 geborenen Günter Neuwirth ist ein Fund aus dem „Offenen Bücherschrank“ und eigentlich auf einer meiner späteren Bücherlisten gelandet, aus aktuellen Anlaß habe ich ihn vorgezogen und Krimis lese ich ja auch ganz gerne, obwohl es sich bei diesen, dessen Autor, wie ich dem Klappentext entnehme, Mitglied bei der „Glauser-Jury“ ist um einen eher bedächtigen handelt, der sehr genau und manchmal mit einer etwas vergangen klingenden Ausdrucksweise, wie wenn er etwa von „Nahtmahl“ und „Gemahlin“ schreibt und Menschen mit „Down-Syndorom immer noch „mogoloid“ bezeichnet, was glaube ich, inzwischen nicht mehr State of tehe Art ist und durchaus sehr spannend, das Leben auf dem Land unweit der oberösterreichischen Kleinstadt Steyr und einer Aussteigerkommune, einem sogenannten ÖKo-Dorf erzählt. Dabei geht es Günther Neuwirth, der schon mehrere und inzwischen einen weiteren, 2013 erschienenen Krimi geschrieben hat, ganz langsam an und erzählt uns sehr sorgfältig vom späten Glück des Großbauern Josef Lehners, der sein Leben lang in seiner Ehe unglücklich war, aber jetzt in Senta, die er „Heilige“, andere nennen sie „Hexe“ seine Erfüllung im alternaitven Landbau gefunden hat. So begibt er sich an den Komposthaufen, um dort herumzugraben, trinkt dabei einen Schluck des guten Kräutertees und findet sich kurzerhand vom Fingerhut vergiftet, im Haufen wieder, das ist zugegeben ein sehr schneller und spannender Romaneinstieg. Dann geht es wieder langsamer weiter, Robert, ein Diplomingenieur aus Wien, der im benachbarten Kraftwerk, gegen das die Öko-Kinder protestieren, ein Seminar abhält, ist knapp vor dem Burn-Out und mit seinem Leben ebenfalls sehr unzufrieden. So fährt er fast den siebzehnjährigen Meinradt zusammen, der mit seinem Eltern in dem Öko-Dorf, der Jurtensiedlung, die ihnen Josef Lehner zur Verfügung stellte, wieder und findet auch Josefs Leiche im Misthaufen.
Dann kommt Christina Kayserling, eine hübsche Polizistin auf den Plan, die mit dem Dorfpoliszisten, die Aufklärung des Falles übernimmt, obwohl sie als Frau natürlich diskrimiert wird und nur an leichte Fälle rangelassen wird.
Sie findet viel Faules heraus, so hatte Josef Lehner zwei Söhne, die alle ihre Problemchen haben und der esoterischen „Hexe“ den Öko-Hof nicht gönnen wollen, aber Josef hat ein diesbezügliches Testament gemacht. Einen ausgestiegenen Arzt, der von den Erlebnissen, als er mit Indianern zusammenlebte, traumatisiert wurde und mit Fingerhutextraxten experimentiert, gibt es in der Siedlung auch und einige Jugendliche, einer davon, Severin, ist verschwunden. So fahren Meinrad und Robert in eine Schwulenbar nach München und Stück für Stück kommen wir an den Fall heran und der Aufklärung näher, die am Schluß ein glückliches und wahrscheinlich nicht sehr realistisches Ende hat.
Die Söhjne bitten beim Begräbnis nämlich Senta, die künftige Hofbäuerin in die erste Reihe nach vorn und Robert, der inzwischen geschieden ist und seiner Firma kündigte, kann die schöne Angelika, wegen der er wahrscheinlich in der Siedlung geblieben ist, doch nicht bekommen und zieht weiter zu der nächsten Demonstration und wir haben viel gelernt, auch daß ein Krimi nicht unbedingt reißerisch sein muß, um spannend zu sein und viel vom Leben am Land und zwischen den Kulturen zu vermitteln, auch wenn ich, Günter Neuwirth raten würde, ein bißchen zu straffen und manches knapper zu erzählen und in dem Buch meiner Meinung nach zu viel und auch von der falschen Seiten Kräutertee getrunken wird, denn den würde ich eher den Öko-Kindern vorbehalten, um die Romanhandlung zu polarisieren, in dem Buch trinken ihn aber auch die „Hochverbraucher“, auch so ein Neuwirth-Wort, bevorzugt, sonst gibt es viele aktuelle Themen und so ist das Buch auch trotz „Gemahlin“ und „Nachtmahl“ sehr modern.
Bei der Szene mit der Verhaftung des Aussteigerarztes, hat sich die fesche Christina ein wenig vergriffen, daß sie ihm am Ende in eine Traumatherapie schickt ist etwas geschmacklos und ein Arzt wird wahrscheinlich immer noch mehr von Medizin, als eine in erste Hilfe geschulte Polistin verstehen, das sind aber nur Details am Rande und ich mag eigentlich die bedächtigen Krimis, die in diesem Fall viel vom oberösterrichen Leben erzählen und habe in Günter Neuwirth, der auch als Musiker tätig ist und mit Christoph Vivenz, den ich von den Poet-Nights kenne und Mathis Zoyer, eine Band hatte, einen interessanten Autor gelesen, den ich gerne näher kennenlernen würde, vielleicht habe ich in der GAV einmal Gelegenheit dazu.

2013-09-29

Poet-Night ohne Rolf Schwendter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:33

Die Nationalratswahl warf ihre Schatten, beziehungsweise wurde ich deshalb, glaube ich, am Samstagvormittag zum „Kreativen Frühstück“ im „Sektor fünf“ in der Siebenbrunnenstraße mit der Bezirksvorsteherin, Sandra Frauenberger und anderen SP-Politikerinnen eingeladen und habe dort einige Bekannte getroffen, wie Dagmar Fischer, mit der ich am Nachmittag bei einer „Poet Night“ ohne Rolf Schwendter, von der ich gar nicht glaubte, daß sie ohne ihn stattfinden kann.
Hahnrei Wolf Käfer und Marius Gabriel haben aber die Moderation übernommen, angefangen hat es eine Stunde später und es waren auch weniger Leute als sonst angemeldet. Viele der bekannte Gesichter fehlten, so waren Hilde Langthaler, die Rizys, aber auch Eva Dite, Richard Weihs nicht da, vielleicht lag das am Anmeldemodus, den ich auch fast verpaßt hätte, kam ja diesmal nicht das handgeschriebene Brieflein, sondern nur eine kleine, im Text versteckte Mitteilung im Lesezeichen, daß es die Veranstaltung wieder geben und man sich anmelden kann.
Alles andere ist dann über das Internet erfolgt und als ich nach fünf das Kulturcafe „Siebenstern“ erreichte, ist Beppo Beyerl, der erste Leser noch im Lokal draußen gesessen, Hahnrei Wolf Käfer und Ottwald John waren schon drinnen und Beppo Beyerl hat dann wieder etwas von seiner „Straße mit den sieben Namen“ vorgelesen, die ja einmal Triester, einmal Wiener und dann auch noch ganz anders heißt. Partisanenstraße ist auch dabei, von der Straße, die von Wien nach Triest führt.
Anita C. Schaub war dann die zweite Leserin und las eine gekürzte Erzählung, die von zwei Frauen handelte und Manfred Loydolt brachte einen Auszug aus einem Theaterstück, das von zwei drogensüchtigen Jugendlichen handelte. Da der Alfred diesmal nicht dabei war, sondern in St. Pölten sein Maturajubeläum, es sind auch vierzig Jahre, feierte, gibt es diesmal keine Fotos und ich streife schnell durch das Programm und erwähne nur ein paar Namen, von der wieder sehr eindrucksvollen Lesung, wo in sieben Minuten Abständen beinahe alle literarischen Genres gebracht wurden. So brachte Elfriede Haslehner wieder einige Gedichte, Armin Peyman zuerst einen sadomasochistischen Text, der nicht ganz meinem Geschmack entsprach, dann eine türkisch oder arabische Variante der „Reblaus“, das war dann wieder lustiger.
Traude Korosa hatte eine sehr poetischen Text und Karin Ivanscics, die wieder ihren „Wrackeren Wracks-Kurztexte“ brachte, hat einen ebenso literarischen Sohn, der eine sehr spitzige Schulgeschichte über die erste Liebe und die Begegnungen mit den Mädchen dort,vortrug.
Axel Karner brachte wieder Mundarttexte und Ingeborg Reisner, die ja ein Buch über das Kabarett geschrieben hat, zeigte sich kabarettistisch, in dem sie die Psychoanalyse verballhornte, nach Dagmar Fischer kam ich, mit meinem Rolf Schwendter-Text, den ich schon am Volksstimmefest gelesen habe, wofür ich ihn geschrieben hatte. Helga Leitner, die glaube ich, auch etwas Kabarettistisches hatte, habe ich am Morgen bei dem Kreativen Frühstück kennengelernt und Gynter Riebl, den ich nicht kannte, überraschte durch eine lange Ballade, ich würde sagen, im „Schillerischen Stil“ von einer großen Flut, in der im Wasser Eiskästen und Tiefkühltruhen treiben.
Hilde Schmölzer brachte wieder ihre „Jugendsünden“, wie sie es selbst in ihrer Einleitung vorstellte und Mike Blumentopf mit grünen Haaren hatte einen sehr interessanten Text zum Datenschutz bzw. gegen die Kundenkarten und ließ sich dann von August Bisinger eine öffentliche Spardose, in die man Geld werfen oder nehmen kann, wahrscheinlich eine Anlehnung auf die Bücherschränke, in denen ich beim Hinweg Tom Rachmans „Die Unperfekten“, das ich schon lange haben wollte, gefunden habe, stellen.
Helga Graziella Schwaiger hatte etwas Lustiges über Urlaubreisen und Astrid Wiesenöcker eine spannende Geschichte über das „Leben ohne Geld“, das mich ja auch sehr interessiert.
Dazwischen folgte eine längere Pause, danach wurde wieder etwas überzogen und Marius Gabriel hat die Moderation übernommen, wo Gerhard Ruiss Gedichte aus seinem neuen Lyrikband las und Eva Brenner ihr neue erschienenes Buch übers Theater vorstellte.
Hanane Aad las ein paar Gedichte auf arabisch in englischer und deutscher Übersetzung und Peter Waugh mit musikalischer Untermalung diesmal deutsche Texte.
Hannes Kirschbaum, der wie ein Manager im dunklen Anzug mit Krawatte wirkte, hatte sehr poetische Texte, ebenso Barbara Ungepflegt. Nach Peter Ahorner mit eher deftigeren Texten folgten dann schon Ruth Aspöck und Robert Eglhofer, die erst am Abend kamen, weil sie vorher einen Ausflug mit der Grillparzer-Gesellschaft nach Grein machten und sich dort wieder das Theater angesehen hatten.
Fritz Widhalm und Ilse Kilic folgten. Ilse Kilic hatte glaube ich die Gedichte die sie schon bei der Lyrik im März vorgetragen hatte und die einigen Kollegen wie Petra Ganglbauer und natürlich Rolf Schwendter gewidmet waren, das letzte Gedicht hat sich auf sich selbst bezogen und war sehr lustig, weil es von ihrem inneren Schweinehund handelte, der ihr widersprach, als sie meinte, Schreiben würde sie froh machen, weil „Apfelstrudel kann das natürlich auch“.
Nach soviel Gedichten tat Susanne Schneiders Prosa über eine blaue Mütze gut, die sie einmal in China von einem Chinesen geschenkt bekommen hatte und die seither durch ihr Leben und die Lesetheaterveranstaltungen begleitete.
Christian Qualtinger hatte vorher noch sehr starke Sprüche zur Ausländerfeindlichkeit gebracht, dann konnte ich Hansjörg Liebschers Lyrik kennenlernen, der ein starkes Gedicht auf seine Lebenspartnerin brachte und Ingrid Jantzen beendete um halb eins, also auch fast zwei Stunden früher, wie Marius Gabriel später sagte, die erste Poet-Night ohne Rolf Schwndter, mit einer ihrer Kurzgeschichten über Bienen und jetzt hätte ich fast Ottwald Johns Performance über den Tod vergessen, die ebenfalls sehr beeindruckend und wahrscheinlich auch Rolf Schwendter gewidmet war.

2013-09-28

Unnützes Wien Wissen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:12

Ich bin ja irgendwie eine Wienerin aus Leidenschaft, die mit der wahrscheinlich typischen Wienerischen Melancholie oder Depressivität, wie es die Psychologin nennt, eine sogenannte „Haßliebe“ zu ihrer Stadt verbindet oder eigenlich nicht wirklich, denn ich mag diese Stadt in der ich sehr viel herumrenne. Vom siebzehnten Bezirk, wo ich aufgeachsen bin, geboren wurde ich in einem Krankenhaus Währing, nicht in der berühmten Klinik Semmelweiß, die sich ganz in der Nähe befindet, das es schon lang nicht mehr gibt, in der Wattgasse, dann gab es das Gartenhäuschen am Almweg Nummer 5, an der Höhenstraße, als Studentin bin ich 1977, in die Wohnung meiner Freundin Elfi, in die Otto Bauer, vormals Kasernengasse übersiedelt, dann zum Alfred in die Gumpendorferstraße, dazwischen sind wir ein paar Jahre von Harland aus St. Pölten nach Wien gependelt. Dann hatte ich meine Praxis in der Reinprechtsdorferstraße, im fünften, bevor wir in die Krongasse übersiedelten, beziehungsweise ich mir eine Eigentumswohnung dort kaufte, in der ich seither auch meine psychologisch-psychotherapeutische Praxis habe, in der ich sehr viel schreibe.
Warum flüstere ich das alles? Weil mir der „Holzbaumverlag“, der mich ja seit einiger Zeit liebevoller Weise mit allen seinen mehr oder weniger schrägen und immer originellen Publikationen versorgt, obwohl meine Rezensionen ja stur und beharrlich mehr oder weniger aus Nacherzählungen bestehen, um niemanden zu kränken, beziehungsweise mir als Alzheimerprophelaxe dienen, damit ich mich später an alles erinnern kann, mir ein kleines grünes Büchlein mit „Unnützen Wien Wissen zusandte“ oder mich fragte, ob ich ein solches Rezensionsexemplar haben will?
Will ich natürlich, bin ich ja ein ein bibliphiler Büchermessie, aber wie soll ich das unnütze Wien Wissen nur besprechen, dachte ich danach erschreckt und hielt ein kleines Buch mit wunderschönen Bildern in der Hand, das wahrscheinlich nicht nur die Wien-Kenner, sondern auch die Touristen oder umgekehrt entzücken wird.
Mich hat es das jedenfalls und so unnütz finde ich es gar nicht, auf diese Art und Weise auf Wien Tour zu gehen und halte diesen Titel eigentlich für ein Understatement.
Es gibt auch einige Abteilungen, die man zu Hilfe nehmen kann.
„Wien historisch“, ist die Erste und man sieht das bekannte Bild des Stephandoms und bekommt erklärt, daß der Mexikoplatz, nahe der Donau deshalb so heißt, weil Mexiko 1938, das einzige Land war, das vor dem Völkerbund gegen den Anschluß Österreichs an die deutsche Nation protestierte. Respekt, dann geht es weiter, kreuz und quer zur Kärntnerstraße mitten in der City, die im Mittelalter als Fernstraße geplant wurde, jetzt ist sie schon lange Fußǵängerzone, ich kann mich aber noch an Zeiten in den Sechzigerjahren erinnern, wo die Autos durch sie fuhren.
Es gibt ein „Neger“ und ein „Nibelungenviertel“ in Wien, in das die Touristen wahrscheinlich nicht so gehäuft kommen werden, also ein bißchen ein unbekanntes, wenn auch sicher nicht unnötiges Wissen ist und die Wiener Reichsbrücke ist am 1. 8. 1976 eingestürzt, zu dieser Zeit befand ich mich auf einem Workcamp in Hamburg und Mathias Mander hat ein Buch darüber geschrieben, das ich jetzt bald lesen werde, um auch ein bißchen unnützes Wissen anzufügen.
Das „Schwangerentor“ führte früher in das AKH, wo ledige Frauen gebären und ihre Kinder gleich im anschließenden Findelhaus hinterlassen konnten. Das war in den vorigen Jahrhunderten, inzwischen gibt es, glaube ich, eine Babyklappe im Wiener Wilhelminenspital.
Den soenannten „Narrenturm“ gibt es im alten AKH und er wurde von Kaiser Josef I gegründet und Linksverkehr hat es in Wien bis 1938 gegeben, auch eine interessante Information, die ich bis dato nicht wußte und mich nun frage, wem wir den Rechtsverkehr zu verdanken haben?
Dann gibt es noch die Wiener Staatsoper und die Wiener Sängerknaben, ein Wissen, was für die Wien Touristen wahrscheinlich nicht so unnütz ist und die Information, daß es in Wien in den Parks bis 1950 sogenannten Sesselfrauen gegeben hat, die Sitzplätze gegen Bezahlung vermieteten, interessant, interessant.
Wiens ältestes Hochhaus befindet sich in der Wiener Herrengasse und ist für heutige Vorstellungen gar nicht so hoch und ich füge vorlaut, hinzu daß Annemarie Selinko die Heldin ihres Romans „Morgen ist alles besser“ darin wohnen läßt.
Die berühmte Otto Wagner Kirche, zu der wahrscheinlich Scharen von Touristen auf den „Steinhof“ bzw. dem heutigen OWS pilgern, wurde laut Buch, deshalb dort gebaut, weil sie die Anrainer woanderns nicht haben wollten, wieder sehr interessant, sein Wissen zu erweitern, ich habe ja auch ein Buch darüber geschrieben und als ich mit dem Alfred dort fotografieren war, hatte ich auch Gelegenheit die schöne Kirche mal von innen zu bewundern.
Dann gibts „Kaiserliches“ und da wird natürlich von Franz Josef und der Kaiserin Sisi erzählt, die ja immer noch die Touristen anlocken und Sisi führte, steht in dem Buch immer etwas Kokain mit sich und würde heute mit dem Suchtmittelgesetz Schwierigkeiten bekommen, beziehungsweise würde dieses für sie sicherlich adaptiert und abgeändert werden.
Ein schönes Bild vom Schloß Schönbrunn gibt es auch und das sogenannte Kaisergelb wird erklärt und haben Sie gewußt, daß der Kaiser Joseph in großen Bogen aus einem Bordell am Spittelberg geflogen ist, weil er sich dort als knauserig erwies?
Ich nicht, aber man muß ja nicht alles wissen und dann gehts weiter zum „Musikalischen“ und das bedient ja auch ein großes Wien-Klischee.
Da geht es also um Johann Srauss, Franz Schubert und Joseph Haydns Kopf und ich persönlich habe lange nicht gewußt, daß sich Schuberts Sterbehaus in der Kettenbrückengasse im vierten und nicht im fünften Bezirk befindet, bez.Lilian Faschinger in ihrem Roman „Wiener Passion“ unterstellt, daß sie das falsch beschreibt.
Aber es stimmt, die eine Seite ist im vierten und die anderen im fünften Bezirk und die Grenzlinie des fünften, ist sowieso sehr verwirrend.
Michael Jackson hat einmal im „Hotel Imperial“ gewohnt und dort ein Stück komponiert, auch ein Wissen, von dem es wahrscheinlich nichts macht, wenn man es nicht mitbekommt und eine „Falco-Stiege“ gibt es in Wien Margareten auch, denn Hans Hölzl hat in diesem Bezirk gewohnt.
„Kulinarisches“ darf in einem Wien-Füher natürlich auch nicht fehlen, ganz egal, ob er nun nützlich oder unnütz ist. Also gibt es ein wunderschönes Foto von einem Apfelstrudel und man bekommt gleich Hunger oder Gusta und dann erfährt man viel vom Wiener Kaffee und natürlich von der Wiener Schwedenbombe, die Walter Nemetz erfunden hat und die eingestellt werden sollten, aber dann kamen die Wiener mit ihren Facebookseiten und versuchten sie zu retten, ob das gelungen ist, weiß ich nicht, denn es geht im Buch gleich weiter mit der Sachertorte und dem Wiener Schnitzel, das stammt angeblich aus Mailand und hat pro Portion fünfhundertachtzehn Kalorien, also auch nicht gerade ein Schlankheitsmittel und der erste Wiener Mc Donalds befand sich am Schwarzenbergplatz.
Dann gehts zu den Tieren, den „Winklerfröschen“ und den Tauben, über die ich ja auch einen Nicht-Krimi geschrieben habe und zu den Fledermäusen von denen es angeblich zwanzig Arten geben soll. Hunde gibt es natürlich auch und Ratten, sowie eine Veterinärmedizinische Fakultät.
Dann kommt das „Intime“, wir erfahren etwas über die sogenannte „Austernstellung“, da gibt es auch ein Bild dazu und natürlich über Felix Salten, der nicht nur das vom Walt Disney verfilmte Kinderbuch „Bambi“ sondern auch die Memoiren der Josephine Mutzenbacher geschrieben haben soll, ob letzteres stimmt, wird aber, glaube ich, noch immer angezweifelt.
Sprachliches gibt es auch und das ist wahrscheinlich besonders interessant.
Was heißt jetzt also „Wir haben uns an Koarl gemacht?“
Ich verrate es nicht, sondern gehe weiter vom „Jonasreindl“ in den „Sauwinkel“. Die Polizei und der „Beserlpark“ wird auch genau erklärt und dann gibts ein echtes Wienerlied von Roland Neuwirth, bevor es in die Rubrik „Unterhaltsames“ weitergeht.
Da erfahren wir, daß die Menschen in Wien angeblich im Dezember und im Jänner die wenigsten Suizide begehen, was wahrscheinlich nicht sehr unterhaltsam ist und mich ein wenig verwundert, dachte ich doch, zu Weihnachten „drehen sich sehr viel Vereinsamte ham“, so daß es deshalb immer eine extra Kriseninterventionstelle eingerichtet wird und dann wird noch erzählt, daß sehr viele Touristen, die ins „Sigmund Freud-Haus“ wollen, stattdessen in der Burggasse 19 landen, so daß es deshalb dort schon ein Schild gibt, das auf den Irrtum hinweist.
Habe ich genug erzählt? Nicht alles natürlich und wem das zu wenig ist, sei auf das Buch verwiesen, beziehunsweise auf die Präsentation am vierten Oktober im Club der Komischen Künste, im Wiener Museumsquartier, wo es auch Getränke und Fingerfood geben wird.

2013-09-27

Aus meinem Leben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:21

Der Name Franz Michael Felder hat sich bei mir durch das Vorarlberger „Felder-Archiv“ eingeprägt, von dem Ulrike Längle, auf den GAV- Sitzungen immer wieder erzählte und irgendwie die Vorstellung, daß das ein berühmter Vorarlberger Dichter ist, aber sonst nicht sehr viel von ihm gehört und auch nichts gelesen. Vor einiger Zeit wurde in „Von Tag zu Tag“ ein Buch über die österreichische Literatur vorgestellt und dort Franz Michel Felder für bedeutender als Peter Rosegger und Stefan Zweig gerühmt, dann habe ich im Schrank die 1985 bei „Residenz“ erschienene Autobiografie „Aus meinem Leben“, des 1839 geborenen und schon 1869 in Schopperau gestorbenen gefunden und mich in das Leben eines Vorarlberger Bauern eingelesen, der sich immer als Sonderling erlebte und dabei in seinen knapp dreißig Lebensjahren erstaunlich viele Leistungen und Veränderungen erbrachte.
Peter Handke hat das Vorwort geschrieben und den Dichter sehr gelobt, das Buch wurde übrigens aus der Städtischen Bücherei ausgeschieden und wurde dort von 1985 bis 1991 dreizehnmal ausgeborgt.
Die ersten Kapiteln beschreiben die Kindheit. Vor Franz Michael ist ein Bruder gestorben und als der kleine Franz Michel durch eine Nachläßigkeit eines betrunkenen Arztes ein Auge verliert, verliert die Mutter ein weiteres Kind.
Aufgezogen wird der Bub vom „Gottle“, einer im Haus lebenden Base, die ihm Lieder vorsingt und das Musizieren beibringt. Als Franz Michel das erste Mal in die Kirche darf, ist er so gerührt, daß er Weinkrämpfe bekommt, worauf ihn der Vater nicht mehr in die Gottesdienste und auch nicht zur Schule gehen lassen will.
Der Lehrer bzw. der Pfarrer verhindert das, so wird Franz Michel ein sehr fleißiger Schüler, dem das Lesen sehr wichtig ist, im Sommer geht es auf die Almen, er zieht auch mit einer Bettlerin herum und kommt ins Gerede, weil die für den Lebensuntüchtigen bettelt, wovon er keine Ahnung hatte. Für das Abonnieren einer Zeitung wird gespart und die dann auch weitergereicht und als Franz Michel erklärt, daß er Bibliothekar werden will, bekommt der Lehrer so einen Schreck, daß er ihm Bücher aus seiner Bibliothek verspricht.
Sonst werden in den Bauernhäusern meistens nur Kalender gelesen, die Frauen sticken in Heimarbeit, es wird Käse erzeugt, die die Bauern, dann nur sehr billig und nicht auf dem freien Markt verkaufen können und Franz Michel beginnt sich auch die Bücher von Schiller und Goethe zu bestellen.
Irgendwann lernt er Anna Katharina Moosbrugger, die Schwester eines studierten Freundes, kennen, ein sehr gelehrtes Mädchen, das Gedichte schreibt, den Garten pflegt, was für die Vorarlberger Bauern für wahrscheinlich genauso nutzlos, als das Bücherlesen gilt und so gibt es anfangs auch mit der Beziehung Schwierigkeiten.
Anna Katharina, genannt Nanni, muß auf Anraten ihrer Familie mit einem anderer aufs Tanzfest gehen, damit sie mit Franz Michael nicht ins Gerede kommt, dann stürzt der mit seinen Kühen ins Wasser und ertrinkt beinahe weil er nicht schwimmen kann. Da kommt Nanni am Sonntag zu ihm in die Stube und schlägt ihm selber eine Heirat vor, der schließlich ihre Mutter zustimmt, so daß es am 4 Februar 1861 zur Hochzeit kommt.
Ein paar Seiten später endet der erste Teil der Autobiografie. Dem Nachwort von Walter Methagl entnimmt man, daß der Ehe fünf Kinder entsprangen, Nanni 1868 stirbt, worauf er in kurzer Zeit seine Autobiografie verfaßt und selbst sieben Monate später kaum dreißigjährig an TBC verstirbt. Dazwischen hat er nicht nur drei Romane geschrieben, sondern auch eine Bibliothek im Dorf geschaffen, sich für die Verbesserung bei der Käserei eingesetzt und mit seinem Schwager eine politische Partei gegründet, die allerdings von der Kirche und vom Pfarrer sehr angefeindet wurde.
Ein sehr beeindruckendes Leben und ein sehr beeindruckendes Buch, an dem ich trotzdem eher lang gelesen habe, in dem vor allem die Stellen berühren, wo Felder über seine Liebe zu Büchern und das Lesen spricht, in einer Zeit wo Bücher nur von den Wohlhabenden gekauft wurden und daher auch die entsprechenden Inhalte hatte.
Es gibt auch einen „Franz Michael Felder-Verein“, in dem man Auskunft über die vergriffenen und erhältlichen Publikationen bekommen kann und ich will der literarischen Bedeutung des Vorarlberger Dichters nichts entgegenreden, denke aber doch, daß Peter Rosegger zumindestens als gleichwertig zu betrachten ist und Stefan Zweig hat ohnehin einer Bildungsschicht angehört, die sich den Zugang zu Büchern niemals erkämpfen mußte, sondern, wie er in seiner „Welt von Gestern“ schrieb, die neuesten Dichter in der Schulbank las, während die Professoren draußen das langweilige Veraltete beschwafelten.

2013-09-26

Kommentierte Gedichte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:25

Heute wieder Entscheidungsqual, beziehungsweise war die Entscheidung schon getroffen, als mir El Awadalla ein Kärtchen schickte, daß bei den Dialektautoren in der Gumpendorferstraße Peta Campa „Auf der Reise“ lesen wird, denn das ist ja auch so ein geheimer Untergrund- oder Genreautor, dessen „Zweite Reise“ ich ja vor circa einem Jahr gelesen habe, als ich mir aber das Kärtchen genauer ansah, war ich nicht so ganz sicher, ob ich etwas Aktuelles präsentiert bekäme, ist das Buch „Auf der Reise“ ja schon vor der „Zweiten Reise“ erschienen und Peter Campa lohnt es sich sicher ihn wieder zu entdecken oder aufzufrischen, aber ich kenne ihn ja schon und in der „Alten Schmiede“ gab es auch schon angestrichen, Ruth Klüger, die ein neues Buch präsentierte und Robert Schindel, der über das „Das Dichten und das Lesen von Gedichten“ mit ihr sprechen sollte und ich habe meine Wahl getroffen und bin um halb sieben in die „Alte Schmiede“ gegangen, denn wenn Robert Schindel und Ruth Klüger lesen ist es sicher voll.
Was auch so war, ein, zwei Schulklassen strömten in den Keller und dann wieder hinauf, der Herr, der sich neben mich setzte, hatte eine ganze Aktentasche voll Ruth Klüger Bücher, das Mädchen hinter mir erzählte einer Kunsthistorikerin offenbar vom Poetry Slam, der am Dienstag stattgefunden hat.
Christel Fallenstein winkte mir zu und unterhielt sich mit Herbert J. Wimmer und der Herr neben mir wurde ungeduldig, als es schon fünf nach sieben war und noch immer keine Ruth Klüger zu sehen.
„Vielleicht ist sie krank!“, witzelte ich vorlaut, was er prompt glaubte, Robert Neumann und August Bisinger trugen einen der Tische hinaus und ersetzten ihn durch ein Lesepult und ich überlegte, ob Ruth Klinger wieder von ihren „Kindle“ lesen würde und mein Nachbar, ob er seine Fahrkosten zurückbekommen würde?
Dann gab es ein großes Raunen und die Autorin erschien, gefolgt von Robert Schindel und Kurt Neumann erklärte, was es mit den kommentierten und bei Zsolnay erschienenen Gedichten „Zerreißproben“ auf sich hätte, beziehungsweise wies er darauf hin, daß Ruth Klüger,das Memorieren von Gedichten das „Weiterleben“ in den Lagern ermöglicht hätten und, daß einige der Gedichte, die in dem neuen Buch erschienen wären, schon in „Weiterleben“ enthalten wären.
Dann stellte sich die Autorin mit Buch und ohne „Kindle“ vor das Redepult und erklärte, daß das Kommentieren von Gedichten ein Tabubruch wäre, weil man das ja dem Leser überlassen müßte, was der in den Gedichten sieht. Die Literaturwissenschaftler wollte aber endlich mal das Eigene kommentieren und hat die Gedichte, die teilweise schon viel früher entstanden sind, in verschiedene Gruppen gebündelt.
Eines geht um „Kinder“, nicht um die eigenen, denn die haben von ihr offensichtlich nicht Deutsch gelernt, was im Zeitalter der Zweisprachigkeit auch sehr interessant ist, sie behandeln aber die Scheidung, die zu dieser Zeit erfolgt ist und die Schuldgefühle die die Autorin hatte, sich zuwenig um ihre Kinder zu kümmern, was in den Kommentaren erläutert wurde.
Dann gibt es Kriegs und Lagergedichte, darunter eines, daß in Reimen immer wieder die Beziehung zu dem nicht sehr gut gekannten Vater dokumentierte, den Ruth Klüger ja ab dem achten Lebensjahr nicht mehr sah. Dann Gedichte über das Judentum und Wien-Gedichte, wo die Professorin mit einer anderen nach Wien zurückkommt und sich fremd in ihren Schuhen fühlt.
Dann gabs das Gespräch mit Robert Schindel und die Frage, ob man Gedichte kommentieren kann, weil sie ja immer ein Geheimnis enthalten und sich auch immer etwas voraus bewegen und daher erst später verstanden werden können.
Kurt Neumann warf noch ein, daß die Kommentare oft Jahre später erfolgten und die die Frage wurde wieder aufgeworfen, wer Gedichte liest, beziehungsweise, daß mehr Leute solche schreiben.
Das Publikum offenbar schon, denn es stellten sich eine Menge, um ein Autogramm an und Kurt Neumann wies noch auf das neue Buch zur Grundbuchreihe hin und, daß „Weiterleben“ dort vor drei Jahren besprochen wurde und Ruth Klüger dankte ihrem Publikum für das Interesse und die standing ovation und es war wahrscheinlich eine gute Entscheidung, denn das „Eine Stadt ein Buch“ habe ich natürlich gelesen und Ruth Klüger auch bei der Kramer-Preisverleihung und im Literaturhaus erlebt und auch, wieviel Aufsehen ihre auf dem „Kindle“ vorgetragene Bachmannpreiseröffnungsrede machte, von ihren Gedichten habe ich aber noch nicht sehr viel mitbekommen und kommentierte Gedichte finde ich, die ich ja immer nach der Struktur und dem Inhalt suche, auch sehr erleichternd, so daß es ein sehr interessanter Abend war und ich nur hoffe, bei Peter Campa nicht allzuviel versäumt zu haben.
Ansonsten ist noch zu vermelden, daß am Nachmittag in Franfurt die Trauerfeier für Marcel Reich Ranicki stattgefunden hat.

2013-09-25

Bibliotheksübergabe, Hoteleröffnung und anderes Geschehen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:00

Da der Alfred auf der Maillist der österreichischen Bibliothekare steht, hat er mich auf den Festakt zur Übergabe der Lebenshilfebibliothek an die Universität Wien, beziehungsweise dem Institut für Bildungswissenschaft, aufmerksam gemacht.
„Inklusion über die Lebensspanne“ war die Veranstaltung übertitelt und Bücher, beziehungsweise Bibliotheken interessieren mich einmal und die der „Lebenshilfe“ vielleicht ganz besonders, habe ich doch im Jahr 1982, vier Monate als Betreuerin in zwei Wohnhäusern gearbeitet und bin auch „Jurymitglied“ beim Ohrenschmaus, wo ich Alois Brandtstätter und Germain Weber, den derzeitigen Lebenshilfe-Präsidenten, der auch Ordinarius am Psychologischen Institut ist, regelmäßig treffe und Dr.Bruckmüller, die Ehrenpräsidentin, die mich damals eingestellt hat, wollte ich auch gern wiedersehen. Also bin ich am frühen Morgen in das Institut für Bildungswissenschaften in die Sensengasse, das auch neu ist und ich noch nicht kannte, gegangen und ließ mich überraschen, denn der Festakt war in ein dichtes Programm eingeteilt.
Der Vizedekan eröffnete, indem er in seiner Moderation erzählte, daß er einmal Zivildiener in einem Wohnhaus der Lebenshilfe gewesen sei und da Frau Dr. Bruckmüller, die ich gar nicht mehr erkannt hätte, kennengelernt hat.
Dann hielten Germain Weber und die Ehrenpräsidentin ihre Statements und erzählten von der siebentausendbändigen Bibliothek, die seit 1985 von der Lebenshilfe aufgebaut worden war, damit sich die Mitarbeiter weiterbilden konnten und die schon seit 2010 an die Universät übergeben wurde.
Jetzt sind die Bücher in das neue Haus eingegliedert und zwar so, daß man sie sofort finden und erkennen kann, wie die Bibliotheksleiterin erklärte, die nach weiteren Festreden und einem Buffet durch die Bibliothek führte, wobei wieder öfter betont wurde, daß man Bücher trotz Internet noch immer brauchen würde, weil man sie ja anfassen, mit ihnen arbeiten und sinnlich erleben kann.
Über Inklusion, der Eingliederung von Menschen mit Beeinträchtigung in den Regelbetrieb, die in Österreich noch nicht so umgesetzt ist und die Lehrerfortbildung wurde auch referiert und ich habe wieder ein interessantes Deja vue Erlebnis gehabt und dabei möglicherweise die „Ohrenschmaus-Texte 2013“, die gerade verschickt werden sollen, versäumt.
So daß ich nur hoffen kann, daß sie bis zu Jurysitzung, am 15. Oktober zu mir kommen werden und am Abend gibt es noch ein vielleicht nicht ganz literarisches Event, zu dem ich mich angemeldet habe, nämlich die Eröffnung eines neuen Hotels am Margaretengürtel, wo ich zu einem Aperitif und einem Festakt eingeladen wurde und ich nehme solche Events ganz gerne an, noch dazu, wo ich bezüglich meines „Romanprojekts“ schon in den Startlöchern stecke und gerne meine Recherchetage machen würde und mir das sogar im Kalender schon angestrichen habe.
Ich bin aber noch nicht mit meinen „Dreizehn Kapiteln“ fertig, da korrigiere ich immer noch herum, es zieht sich in die Länge und die „Ohrenschmaustexte“ werden demnächst anzusehen sein und dann geht es auch daran, die Aussendung für mein literarisches Geburtstagsfest zu machen und im Oktober sollte ich auch auf die PVA gehen und meinen Pensionsantrag stellen, so daß ich das Ganze vielleicht doch noch etwas hinziehen wird. Habe in den letzten Tagen ja wieder ein wenig herumgetrödelt, beziehungsweise mir einige Filme und Videos zum Tod des deutschen Literaturpapstes Marcel Reich Ranicki angesehen, der mich, als ich vorige Woche, die Nachricht gelesen haben, sehr betroffen hat, denn das war ja schon auf Grund seiner Lebensgeschichte, ein sehr beeindruckender Mann, wenn ich auch seine Ansichten über Literaturkritik, daß man da hart sein muß, nicht so gefällt und ich denke, daß das, was da im literarischen Quartett, beim Bachmannpreis, etc verbreitet wurde, ja eigentlich höchst subjektive Meinungen waren, die sehr treffen und verletzen konnten und meiner Meinung nach nicht nötig sind. Heute kritisiert man, glaube ich, allgemein auch etwas milder und wertschätzender. Es war aber ein sehr imposanter Mann, der eine laute Stimme hatte und sehr brillant artikulieren konnte.
So habe ich mich durch die im Internet vorhandenen Vidos gesurft, den Film „Mein Leben“, nach seiner Buchvorlage, die mich, als ich sie um 2000 gelesen habe, ebenfals sehr beeindruckt hat, gesehen und auch seine Ablehnung des deutschen Fernsehpreises, weil das Fernsehen so schlecht ist, 2008, die mir in seiner Imposanz imponierte, obwohl Elke Heidenreich dadurch ja, glaube ich, ihre Sendung „Lesen“ verloren hat.
Ein sehr imponierender Literaturkritiker und ein starkes Stück Zeitgeschichte und so habe ich mich ein bißchen in den Diskussionen und den Nachrufen verloren. Bin dabei mit dem eigenen Lesen, ich lese immer noch Franz Michael Felders Lebensgeschichte, nicht recht weitergekommen, obwohl ich jetzt meine Leseliste umgestellt und zwei Bücher vorgezogen habe, die ich für die Neuaufnahmediskussion der GAV-GV am 19. Oktober brauchen könnte, so daß ich gar nicht sicher bin, ob ich meine lange Leseliste, mit den zum Teil sehr dicken Büchern, die 2013 noch auf mich warten, auch schaffen werde.
Es gibt ja sehr viele Bücher und sie sind wichtig, wie ich sowohl gestern bei der E-Book Diskussion, als auch heute von Frau Dr. Bruckmüller und anderen hören konnte und das habe ich, als ich zu Mittag an der Buchhandlung „Kuppitsch“ vorbei am neuen kleinen Bücherschrank gegangen bin, wieder merken können.
Denn es scheint tatsächlich so zu sein, daß die Buchhandlung ihre unverkäuflichen Bücher bzw. Leseexemplare hineinlegt und so gab es dort einen Lukas Hartmann „Abschied von Sansibar“, den man nicht vor dem 28. 8. 2013 besprechen soll und einen William Boyd „Eine große Zeit“, ein Bestseller, auch aus dem Jahr 2013, zu finden.
Wer soll das alles lesen? Ich bemühe mich ja redlich und wenn mir von der Literaturgewalt des großen Literaturkritikers, dessen Tod mich wirklich sehr betroffen hat, obwohl er meine Sachen wahrscheinlich auch nicht gelesen oder mit erhobenen Finger als Schwachsinn bezeichnet hätte, der Kopf raucht, trödle ich herum und komme mit dem Lesen und dem Schreiben nicht recht weiter.
Was aber wahrscheinlich, da ich ohnehin immer höre, daß ich so schnell bin, nicht wirklich etwas macht und ich mir ja die Zeit lassen kann, die ich brauche, um die „Dreizehn Kapiteln“ fertig zu korrigieren und dann irgendwann in aller Ruhe mit dem Neuen zu beginnen.

2013-09-24

Götterdämmerung oder Digitalisierung des E-Books?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:47

Unter dem Titel „Götterdämmerung oder Morgendämmerung?-Die Digitalisierung der Buchbranche“ bieten die Büchereien Wiens und der Hauptverband des Buchhandels eine Reihe von Veranstaltungen an, von denen die erste „Eine digitale Bibliothek ohne Lesesaal“ schon im April in der Hauptbücherei stattgefunden hat und zu der zweiten „Die Verlage und das E-Book“ wäre ich fast nicht gekommen, denn ich dachte, es wäre wieder am Urban Lorotz-Platz, zumindestest stand es so im Programm, allerdings mit einer Seitenleiste, „Grünangergasse 4“, die ich fast übersehen hätte. Dann habe ich sie entdeckt, in der Hauptbücherei angerufen, die mir sagten, die Veranstaltung wäre bei ihnen. Aber warum steht dann
„Grünangergasse“, dachte in mir die mißtrauische Seele, die bei Buecher.at nachschaute. Da stand das ebenfalls und auf dem Extraflyer zur Veranstaltung auch.
Also auch beim Hautptverband angerufen und als ich schon fast sicher war, hat sich dann noch die Hauptbücher gemeldet und mir die Adresse ebenfalls bestätigt.
Also wieder einmal in die Grünangergasse, in der ich schon lange nicht war, weil es ja heuer keinen Buch-Wien Jour fixe gegeben hat und auch der Perutz-Preis woanders stattfand und eine Diskussion über das E-Book interessiert mich ja immer, obwohl ich keinen E-Bookreader habe und mir auch nichtkaufen werde, aber die Selbstpublishingsituation hat sich durch das E-Book sehr verändert und ich habe auf meinen Laptop schon einige PDFs und Vorabexemplare, etc gelesen und obwohl ich ja keine Freundin des Tastens und des Riechens bin, kann man sie lesen, obwohl das, was ich dann lese kein Buch ist und auch nicht in meinem Katalog aufscheint, beschäftigte ich mich übers Netz regelmäßig mit den E-Books und der Diskussion darüber und diese im Hauptverband wurde moderiert von Wolfgang Straub vom Sonderzahl-Verleger Dieter Bandhauer, Alexander Potyka von Picus und Jens Klingelhäöfer von bookwire.de bestritten.
Bookwire.de, Bücherkabel oder Stecker, wie man übersetzen könnte, ist eine Plattform, die den Verlagen die Bücher in das Netz stellt und Alexander Potyka ist mit seinem Verlag 2011 online gegangen, weil die Kunden Bücher auch elektronisch lesen wollen und hat seinen Umsatz dadurch um elf Prozent gesteigert und Dieter Bandhauer, der Verleger von sehr schönen und sehr experimentellen Büchern, hat in sein Verlagsprogramm geschrieben, daß er sich dem E-Book verweigert, weil er es für kein Buch hält und auch meint, daß sich das Leseverhalten dadurch nachhaltig und negativ verändert würde.
Eine interessante Diskussion, Postion, die man ja öfter findet, wurde von den beiden anderen Diskutanten vehement bestritten. Es wurde auch über die Piraterie und den Buchpreis diskutiert und da ist ja interessant, daß die Verlagsbücher ja oft dasselbe, wie die E-Books kosten, während man das Selbstverlegte ja zwischen einen und vier Euro bekomen kann.
Es gab auch eine rege Diskussion und anschließend ein Gläschen Wein und ein paar Salzstangerl, wo ich mich mit meinem Sitznachbarn, einem ehemaligen Buchhändler unterhielt, der auch nicht viel vom E-Book hält und ich, die ich ja schon ein paar gelesen habe und mich auch sonst relativ viel im Netz befinde, bin gespannt und offen auf die Veränderungen. Die nächste diesbezügliche Veranstaltung „Kulturkampf am Computer -Schreiben im Medienwandel“, die für eine Literaturbloggerin sehr interessant wäre, findet dann am fünfzehnten Oktober mit Kathrin Passing wirklich in der Hauptbücherei statt, da werde ich aber nicht kommen können, denn da haben wir wieder unseren Psychologen- Jourfixe und vorher ist, glaube ich, „Ohrenschmaus-Jurysitzung.

2013-09-22

Schön tot

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:34

Jetzt bin ich endlich an das berühmte Buch, den Margareten-Krimi von Edith Kneifl, die ihn, 2008 oder 2009 wahrscheinlich, im Buch gibt es seltsamerweise kein Impressum mit einer Jahreszahl, nur am Umschlag steht „Haymon“, vorne und hinten über dieser Einscanmarke, wo man das Verlagsprogramm mit vielen Informationen finden kann, wahrscheinlich für die Margaretner Kaufleute, Stefan Gergely, die SPÖ oder den ganzen Bezirk zusammen geschrieben hat.
Am Umschlag steht „Ein Wien-Krimi“, was so gesehen falsch ist, ist der Bezirk Margareten ja ein Teil von Wien, es gibt aber neben einer Hand und einer Gabel auch die weiße Margarete, auf dem Cover, das Bezirkssymbol, das offenbar EX-Bezirksvorsteher Wimmer für seinen Bezirk eingeführt hat. Leselustfrust, die wie ich ja in Margareten lebt, hat das Buch gelesen und war in ihrer Rezension enttäuscht, weil soviel Werbung für den Bezirk, jedes Beisel, jedes Geschäft, wird beschrieben, während die Krimihandlung nur Vorwand und dunnflüßig ist. Ich habe Edith Kneifl, als ich sie bei der historischen Krimipräsentation im Literaturhaus getroffen habe, darauf angesprochen. Sie ist der Antwort ein bißchen ausgewichen und hat nur gemeint, etwas Werbung ist nicht schlecht und ich habe inzwischen die Nachfolger Kneifl-Krimis, die von der Roma Kellnerin Katharina Kafka und ihrem schwulen Transvestiten Freund Orlando handeln, die beide nach Florenz, bzw. in die USA führen, gelesen. Das waren ganz „normale“ Krimis, ohne „Werbeauftrag“ und das Buch, das bei seiner Erscheinung an mir vorbeigegangen ist, hat mich, als zugezogene Margaretnerin, die auch ihre Erfahrungen mit den Bezirksevents und dem Bezirksvorsteher hat, interessiert. Die Evi, die es als Bloggerin auch nicht mehr gibt, hat einmal, glaube ich, erwähnt, daß sie das Buch im „Wortschatz“, dem offenen Bücherschrank am Margaretenplatz gefunden hat.
„Wow!“, habe ich neidig gedacht und dann ihres oder ein anderes Exemplar selbst gefunden und kann Leselustfrusts Unmut verstehen, auch wenn ich mich naturgemäß nicht darüber ärgere, weil ich ja die Margaretner Bezirksambitionen ein wenig kenne. Es ist wahrscheinlich eine Auftragsarbeit und ich kann mir vorstellen, daß es einen Rundbrief an die Geschäftsleute gab, daß sie sich melden sollten, wenn sie ihren Laden in dem Buch erwähnt haben wollen und einige Sitzungen mit Stefan Gergely, dem King des „Schloßquadrates“, BV Wimmer und Frau Klaric, die ja, glaube ich, Obfrau der Margaretner Kaufleute ist, hat es wahrscheinlich auch gegeben.
Ansonsten ist es trotz der sehr oberflächigen Krimihandlung eine sehr lehrreiche und schöngefärbte Bezirksdarstellung, in dem ich nun schon fünfzehn Jahre wohne und noch ein paar Jahre früher meine Praxis in der Reinprechtsdorfer Straße hatte. Interessant ist wieder nur, daß in einem so schönen Bezirk, wo alle alle kennen, soviele grausliche Morde passieren und dazwischen geht man einkaufen, chillen, zum Friseur und zum Psychoanalytiker, etc.
Wie das Buch von jemanden empfunden wird, der in Berlin oder Hamburg lebt, also nicht weiß, daß es den Gastronomen, der früher Profil-Redakteur war, Stefan Gergeley, wirklich gibt und, daß der Bezirksvorsteher zu Zeiten der Buchentstehung tasächlich Wimmer hieß, weiß ich nicht. Für die, die das Buch heute lesen, sei angemerkt, daß es inzwischen eine Bezirksvorsteherin gibt, die heißt Susanne Schaefer-Wiery und war zu Zeiten der Buchentstehung, Leiterin der VHS-Stöbergasse und auch des Filmcasinos, das dazu gehört und spielt in dieser Eigenschaft in dem Buch eine nicht unbedeutende Rolle.
Katharina Kafka, die etwas vierzigjährige Kellnerin, das ist jetzt Erfindung, im „Cuadro“, einem Lokal im Margaretner „Schloßquadrat“, die in der Franzensgasse, in der ehemaligen Wohnung, der 2000 verstorbenen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky wohnt, geht eines Morgens nach einer feuchtfröhlichen Nacht und einem one night stand nach Hause, denkt ein bißchen über das ehemalige Schloß Margareten und den Brunnen am Margaretenplatz nach, beschreibt das Schloßquadrat und die Kirche, wo Franz Schubert aufgebahrt wurde und sieht, wie ein Haus am Margaretenplatz in die Luft fliegt.
Ein Auto bleibt auch stehen, darin sitzt eine etwas sechzigjährige Dame und erzählt, daß ihr Mann in diesem Hause seine ärztliche Praxis hat. Als Katharina am Tag darauf in das „Cuadro“, das sie an die New Yorker Lokale erinnert, servieren kommt, sind alle sehr lieb zu ihr. Stefan Gergely, den sie gar nicht persönlich kennt, spendiert ihr ein Bier und als sie am Abend die Toiletten kontrolliert, liegt dort ihr Freund Orlando in seinem Sisi-Kostüm, niedergeschlagen am Boden, denn er hat ja den Spleen, im Kleid der Kaiserin herumzulaufen.
So jemanden habe ich im Bezirk noch nie gesehen, aber das Leben unterscheidet sich ja von der Literatur und im Wien-Krimi sind Klischees wahrscheinlich sehr erwünscht. Er erzählt ihr von einer Leiche, die er mal im Bacherpark gefunden hat. Eine Ungarin namens Ilona wurde dort mit einer Flasche in der Möse hinterlassen. Er rief die Polizei und wurde verdächtigt und nun passieren in weiterer Folge, während Katharina von Geschäft zu Geschäft oder auch ins Kino geht, am laufenden Band Morde, wo junge ausländische Frauen in brutalen Posen tot aufgefunden werden und als Katharina, weil sich Orlando bei ihr einquartierte, bei ihrem Schulfreund, dem Möbelhändler Grünbeck in der Margaretnerstraße ein Sofa kaufen will, erzählt ihr der, daß eine seiner Verkäuferinnen bei einem Faschingsfest ebenfalls fast vergewaltigt wurde.
In dem Raschgeschäft „Midinette“ am Margaretenplatz, der Frau Klaric, wo Kathrarina für Orlando falsche Brüste kaufen will, lernt sie einen Immobilienmakler namens Tony Meyers kennen, in den sie sich verliebt, obwohl der sehr verdächtig ist. Frau Bischof, die Frau des Arztes, dessen Praxis in die Luft flog, wobei dessen serbische Putzfrau ums Leben kam, taucht öfter im „Cuadro“ auf, erzählt von der Scheidung und wie sie von ihrem Ex übers Ohr gehauen wurde, der inzwischen eine neue Freundin hat.
Katharina Kafka geht auch, um über Serienmörder mehr zu erfahren in die Praxis eines Psychoanalytikers, erzählt dem etwas über den Unfalltod ihrer Eltern, der im dritten Teil aufgeklärt werden wird und deklariert das als Psychotherapie, was Edith Kneifl eigentlich besser wissen müßte.
Sie besucht auch ihren Opa im Pensionistenheim, einem ehemaligen Polizisten, der wichtige Hinweise gibt und am Schluß haben wir drei bzw. vier tote Frauen, die serbische Putzfrau scheint nicht ganz dazuzupassen, aber Dr. Bischofs, Scheidungsanwältin und zwei andere Ausländerinnen, eine wird im Filmcasino brutal ermordet, die Anwältin wird in einem Auto des Autosalons Strohmeiers in der Embelgasse, der auch ausgiebig vorgestellt wird, gefunden und einige Verdächtige.
Angela Bischof ist das, denn sie ist sauer auf den Ex, aber auch Tony Meyer, der mit allen ein Gspusi hatte und ein Babyface mit roten Schuhen aus dem „Vega Nova“, dem alternativen Möbel und Schuhgeschäft auf der Margaretenstraße, in das auch Frau Bischof einlaufen geht, gibt es auch.
Orlando wird zwischendurch verhaftet und lernt dabei einen feschen Polizisten kennen, der ihm wertvolle Hinweise gibt und wenn Not am Mann ist, wird der Bezirksvorsteher angerufen und der hilft allen, verschafft Plätze in Pensionistenheimen und schaut darauf, daß Orlando wieder aus der U-Haft kommt.
Ich dachte, daß sowas eigentlich nicht passieren sollte und habe das bei Herrn Wimmer auch nicht so erlebt, aber im Krimi ist alles anders und wenn die Geschichte aus ist, Tamara, Dr. Bischofs neue Freundin gerade noch mit dem Schrecken davon gekommen ist und Angela Bischofs Auto im Wienfluß treibt, haben wir einige Margaretner Geschäfte, den Kommerzialrat Schramm, der sein Modehaus auf der Reinprechtsstraße hat, das „Haas-Beisl“, einen Computer Service Dienst, den Coiffeur Pranz, etc, kennengelernt, können auch ein paar Kochrezepte, die es im Anhang gibt, nachkochen und ich denke auch, daß ich dafür keine achzehn Euro zahlen möchte und, daß es wahrscheinlich fairer gewesen wäre, das Buch nicht den unbedarften Lesern in Hamburg und Berlin, die einen Krimi lesen wollen und wahrscheinlich nie nach Margareten kommen, zu verkaufen, sondern es für die Interessierten in den Margaretner Geschäften aufzulegen.
Ich habe es aber ohnehin nicht gekauft und die beiden Nachfolgebücher, kann ich verraten oder kann man bei mir nachlesen, haben nicht mehr soviel Werbeinhalt.
Es gibt übrigens noch ein anderes Margareten-Buch, das mir Stefan Gergely schenkte, als wir uns zu Besprechung der Margaretner Lesung mit der 5 er Edition, die auch in Gergelys „Schloßquadrat“ stattfand, in dem berühmten „Hofstöckl“, das auch in dem Buch vorkommt, trafen, da hat Edith Kneifl ebenfalls einen Kurzkrimi drinnen und die Geschäfte, die es in Margareten gibt und auch seine Künstler, werden in dem Buch vorgestellt.
Die „5 er Edition“ in der, glaube ich, kein Kneifl-Text enthalten ist, gibt es auch und ich habe mich natürlich gefreut, daß ich das Buch im „Wortschatz“, dem offenen Bücherschrank Margareten, den auch die Margaretner Kaufmannschaft gesponsert hat, gefunden habe und am Abend geht es dann zum traditionellen Sturmfest ins „Schloßquadrat“, wo man gratis Sturm trinken, sowie Stefan Gergely, die Bezirksvorstehung und auch einige SP-Politiker treffen kann. Und da werde ich wahrscheinlich nicht über eine Leiche stolpern.

2013-09-21

Kunst und Handwerk des freien Schreibens

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:11

Ich bin ja eine, die zwischen E und U bzw der Publikumsseite und dem Lesetisch ziemlich hin und herpendelt oder gradwandelt, weil die Literatur mir ja sehr wichtig ist und ich zu den Lesereisen, den Stipendien und Preisen nicht so ganz den Zugang habe, interessiere ich mich auch für die Welt des Schreibenlernens. Obwohl ich es ja schon in bißchen kann, schadet es nicht eine Schreibgruppe zu besuchen oder sich über die Schreiblehrgänge zu informieren, noch dazu, wo es das, als ich zu schreiben begonnen habe, kaum gegeben hat. Jetzt gibt es das und der Schreibbegriff beziehungsweise, die Frage ob und wie man das Schreiben lernen kann, hat sich inzwischen auch geändert.
Der Arbeitskreis der schreibenden Frauen von den KPÖ-Frauen Ende der Siebzigerjahren sozusagen initiert, bei dem ich vier Jahre lang mitmachte, war damals in Wien ziemlich einzigartig.
Ja die legendäre Gruppe 47 hat es gegeben, aber da wurde man ja eingeladen und zum Bachmannlesen, das sich 1977 gegründet hat, durfte man sich damals auch noch nicht selber anmelden bzw. bewerben.
Es kamen dann ziemlich bald die Volkshochschulen und die Sager, daß das in Amerika anders ist, daß man dort das Schreiben auf der Uni in kreativen Writingkursen lernt und, daß das dort ganz selbstverständlich die größten Autoren machen, die dann meistens dort auch unterrichten.
Bei uns kann man, wenn man soetwas erwähnt, manchmal noch immer hören „Glaubst du, daß du das nötig hast? Ich habe es ganz allein gelernt!“
Was vielleicht stimmt, aber man kann es auch in der Gruppe und lernen muß man es, denn als Genie kommt keiner auf die Welt und inzwischen hat sich das Blatt auch ein bißchen gewandelt, da einige Autoren das auch als Geschäft für sich entdeckt haben.
So gibt es den Lehrgang für Schreibpädagogik, der sich glaube ich aus den Schreibwerkstätten der Stöbergasse entwickelt hat. Petra Ganglbauer ist da sehr engagiert. Marlene Schachinger hat inzwischen auch ihr eigenes Schreibinstitut, das sich aus der Kunstwerkstatt in der Gallizinstraße entwickelt hat.
Anni Bürkl hat ihre eigene Schreibakademie und Thomas Wollinger hat den „Texthobel“ gegründet und das Writersstudio gibt es inzwischen schon über zehn Jahre und seit drei gibt es, glaube ich, die zwei Tage im Herbst mit den Gratisworkshops, die ich regelmäßig besuche und die immer umfangreicher werden.
Aus einem Lehrgang für Studenten mit Schreibblockaden beim Dioplomarbeitenschreiben, haben sich da inzwischen zwei Lehrgänge „das Professional“ und das „Passion Schreiben“ entwickelt, die jeweils an einem Tag in verschiedenen Workshops vorgestellt werden.
Das Sachbuch und das Presseschreiben, das am Freitag angeboten wurde, habe ich diesmal ausgelassen und bin erst um fünf zu den Bagels und den Muffins und dem anschließenden Vortrag von Judith Wolfsberger gegangen, die sich diesmal ein höchst aktuellen Thema ausgesucht hat, nämlich „Auch Stars wie T.C. Boyle haben Schreib Workshops besucht“ und der war ja vorige Woche in Wien und ist in dieser wahrscheinlich schon in Richtung Frankfurt unterwegs, so hat Judith Wolfsberger einen jungen Mann engagiert, der seine Texte las und sie hat ein bißchen von den Unterschieden zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Schreiben referiert und erklärt, daß sie ein Fan des amerikanischen Writings ist und das auch in ihren Kursen umsetzen will.
Sie hat auch ein Mail an T.C Boyle geschickt, der ihr geantwortet hat, so daß ein Interview daraus geworden ist, wo er daß Nährende, die Werkschätzung und das Feedback in den kreativen Writingkursen betonte.
„Du kommst hin, schreibst, was und es wird dir applaudiert!“, während bei uns das Feedback noch immer nicht „friendly“ ist, wie Judith Wolfsberger meinte und von einem Schreibseminar in Innsbruck erzählte, wo die Teilnehmer zerrissen wurden, so daß ein paar gleich einmal abreisten.
Und das kann ich mir vorstellen, habe es auch selbst erlebt und das muß auch nicht sein. ich bin bin ja auch eine Verfechterin, die sich dafür einsetzt, daß jeder schreiben soll, der es will und kämpfe auf meinen Blog oft auf verlorenen Posten, wenn sich da einer meldet und hui schlecht, schon wieder ein Fehler schreit. Das muß nicht sein, denn jeder Text hat Stärken und man kann ja auch davon ausgehen und schrittweise weitermachen.
Es hat sich inzwischen auch bei uns schon etwas getan und wenn es auch noch nicht auf jeder Uni kreative Schreibkurse gibt, den Hochschullehrgang in Leipzig und in Hildesheim , bzw in Wien das Studium für Sprachkunst das Robert Schindel initierte und jetzt von Ferdinand Schmatz weitergeführt wird, gibt es und Leipzig hat es das schon zu DDR Zeiten gegeben und Josef Haslinger, der in Leipzig Professor ist, hält, glaube ich, auch viel von der amerikanischen Art und Weise das Schreiben zu erlernen und hat auf amerikanischen Universitäten, glaube ich, sowohl gelernt als auch unterrichtet.
Aber in Wien, Leipzig, Hildesheim muß man sich bewerben und eine Handvoll wird dann genommen, etwas das ich auch sehr kritisiere.
Ins Writersstudio kann jeder kommen. Man muß die Workshops, außer an den Tagen der offenen Tür, aber bezahlen. Allerdings gibt es, glaube ich, schon eine Förderung dafür und, daß das Schreiben Spaß machen kann und soll ist etwas, das mir auch sehr wichtig ist.
So gab es nach dem Vortrag wieder eine Verlosen wo man drei Schreibseminare und zweimal einen Gutschein für ein Schreibfabrik, ein „Schreibcafe mit Yoga“ und eine „Schreibenacht“, auch schon klassische Angebote des Writersstudio, gewinnen konnte.
Alle um mich herum haben etwas gewonnen und ich bin am Samstag zum Passion Writing gegangen, wofür ich mir schon einiges vorgenommen habe.
Das begann um neun mit dem „Freewriting für Geschichten“,dem „Einstieg ins literarische Schreiben“, in einem sehr sehr vollen Studio, zeitweise waren, glaube ich, an die fünfzig Leute da, vorwiegend Frauen und die in allen Lebenslagen und Ana Znidar, die Short Story Seminar Trainerin begann damit, daß man sich Eigenschaften für eine Figur ausdenken sollte und die mit einer kleinen Handlung verbinden und da hatte ich beim Hingehen ja etwas sehr Interessantes erlebt.
Am Ende der Operngasse saßen zwei Personen, eine große Frau und ein etwas kleinerer schmächtiger Mann auf einem Mauervosatz, dann standen sie auf und taumelten laut lärmend, sich küssend und einander umarmend, die Straße hinab, offensichtlich waren sie etwas angetrunken und ich dachte „Wie komme ich an ihnen vorbei ohne, daß sie mich umrennen!“ und auch, das gehört in mein Notizbuch für die Materialsammlung, denn darüber wollte ich ja schreiben. Hatte ich ja die Idee diesen Probeschreiblehrgang als Materialsammlung zu benützen und viele kleine Einzelszenen für das nächste Projekt zu schreiben. Danach kam die Germanistin Anna Ladurner in einem kurzen schwarzen Kleid, langen fingerlosen Handschuhen, roten Strümpfen und einer weißen Blume im Haar, die für den frühen Morgen ein wenig overdressend anmutete, sich aber auch sonst große Mühe gemacht hat, bei ihrem Schnupperkurs in „Life Writing – kleine autobiographische Textminituaren“, wo es um das Fühlen, Erinnern und Imaginieren ging.
Zuerst zeichneten wir alle aber Wortspiralen, dann gab es kleine Zetteln mit einem Satz,meiner war „Woran hast du erkannt, daß etwas, das dir wichtig war, zu Ende ist?“
Uje j, uje, denn da habe ich nicht an mein Studium oder an einen Urlaub gedacht, sondern daran, daß ich nicht zu schreiben aufhören will und dann eher melancholische Morgenseiten zu diesem Thema geschrieben.
Dann kam wieder Ana Znidar mit dem großen Bruder oder der großen Schwester, nämlich dem „Memoir“ eine „Geschichte aus deinem persönlichen Leben“, beides nicht zu verwechseln mit der Autobiografie und ich habe mich nach der Erkundung meiner starken Gefühle, wie Angst, Genugtuung, etc an das Weiterschreiben der Szene, die ich in der vorigen Wiche in der Schreibgruppe vom Robert begonnen habe, gemacht. Da die das mit dem Kästchen dort märchenhaft fanden, lagen Mutters Dokumente diesmal ganz ordentlich in einer Schreibtischlade und daneben liegt ein Kuvert mit einem Bild von drei jungen Männern und einer Adresse und ich habe inzwischen gedacht, daß bezüglich Spannung, der Konrad aus aktuellen Anlaß ein Waffennarr mit einer legalen oder auch illegalen Waffensammlung im Keller seines Försterhäuschens sein könnte, der Jonas wird auf der Klinik gemobbt und der Benjamin hat nach wie vor Troubles mit seinem aidskranken Freund.
Danach gabs was Neues, total spannend, was zwar nicht sehr viel mit dem literarischen Schreiben zu tun hatte, aber sehr lustig war und ich für die Coveridee der „Dreizehn Kapiteln“ verwenden kann, nämlich „creative Callygraphy“- Experimentieren mit der Handschrift und wir fuhren mit verschiedenen Farben und Stiften über das Papier, um dort ohne Buchstaben Botschaften zu hinterlassen.
Das Programm war dieses Mal so dicht, daß es keine Mittagspause gab, sondern die vierzig Minuten Workshop ohne größere Pause durchgingen. So kam dann wieder Vivien Bronner mit dem Drehbuchschreiben und da habe ich, glaube ich, einen sehr knappen Dialog zwischen einem Paar zusammengebracht, wo die Frau vermutet, daß sie ihn betrügt und der Mann ihr das nicht sagen will „Die rote Stelle an deinem Hals schaut wie ein Knutschfleck aus, wahrscheinlich ist er ein Bienenstich, es gibt aber keine Bienen, hast du nicht aufgepasst?“ – „Natürlich, natürlich, mach dir keine Sorgen und sei nicht paranoid, im übrigen ist das Essen schon wieder angebrannt!“
Dann kam noch einmal was Neues nämlich „Poetry „Die Welt in der Sprache des Erstaunens“ mit Christina Boigner, die an ihrem Hut zu erkennen ist und die ich bei dem Fest vor eineinhalb Jahren kennenlernte. Irene Rauch hat glaube ich vor drei Jahren auch was Lyrisches angeboten. Christina Boigner machte es sehr theatralisch mit Textkärchen und einem Gedicht von Pablo Neruda, der „Ode an die Zwiebel“ Dann solten wir eine „Ode an ein Schreibgerät“ dichten und im Chor den ersten Satz „o du mein blauer Bleistift“, etc murmeln.
Dann kam „Travel Writing“ mit Ana Znidar, der fleißigen, die wieder die üblichen Übungen machte und einen Gast mitgebracht hat. Michael Giongo, der 2009 das „Travel Writing“ buchte und inzwischen Artikeln im Standard hat, von denen er einen, über eine jüdische Gemeinde in Argentinien auch vorlas.
Dann rauchte mir der Kopf, es gab aber noch das „Friendly feedback“ und da las ich die Textstelle vom „Memoir-Workshop“ vor und war über das freundliche Feedback überrascht, es ging nämlich, um das „show not tell!“ und da denke ich ja immer, das kann ich nicht. So kommt die Barbara nach Hause und denkt „Tief durchatmen, ruhig bleiben, ich muß funktionieren!“ und dachte dabei, das ist jetzt nicht gefühlt. Judith Wolfsberger hat es aber gelobt, daß sie daran sofort merkte, daß etwas geschehen ist.
Toll, toll, toll, so ein Workshop-Tag und ich kann das Writerstudio mit seinen freundlichen Trainerinnen wirklich nur empfehlen. Man lernt sehr viel dabei und sie machen sich auch sehr viel Mühe.
Am 24. September und am 24. Oktober gibt es Infotage zu dem „Passion Writing-Lehrgang“ und eines habe ich nun fast vergessen zu erwähnten, was ich auch entdeckte, als ich Frühmorgens in die Pramergasse ging. Vis a vis der Buchhandlung Kuppitsch gibt es einen kleinen offenen Bücherschrank, wo ich ein Leseexemplar aus dem Jahr 2003 entdeckte und mir dachte, toll, wenn da die Buchhandlung hineinlegt, was sie nicht verkaufen kann, es wird wirklich immer besser!

2013-09-20

Salzflut

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Das ist das wahrscheinlich, was von der Nordsee auf die Insel schwemmt und das Land überflutet und die Ich-Erzählerin, eine junge Pastorin, ist in Nikola Anne Mehlhorns, 2010 bei „Nachttischbuch“ erschienener Erzählung, auf Häwenseiland gestrandet.
Eine richtige Pechvögelin ist sie, die namenlose Protagonistin mit den aschblonden Haaren, von Todessehnsucht und sonstigen Unglücken heimgesucht und dann noch in ihrem Schwestermann verliebt, denn, so steht es schon im poetisch schönen Vorwort „Der Tod hat viele Gestalten:salznasse, mehrköpfige. Ich begegnete ihm auf dem Schulflur. Damals hatte er grünblaue Augen, zwei Nasen und vier Ohren.“
Scheint ein richtiges Monster gewesen sein, Schwestermann, der unglückseligen Zwillingsschwester, die als Pastorin auf der einsamen Insel gestrandet ist, wo, während des Gottesdienstes der Fenseher läuft und die Sprechstunden immer leer sind und nicht einmal Antonio, der Küster, anfangs in die Chefin noch verliebt, vermag sie zu trösten. So hört sie das Meer säuseln „Noch ein Jahr, noch drei Monate, noch vierundzwanzig Tage, bis zu deinem Tod“ und so weiter und so fort.
Der Küster Antonio erfahren wir am Anfang, soll ihren Tod mitverschulden, obwohl da noch alles, abgesehen vom Fernseher in der Kirche normal ist.
Die Pastorin wird zur Segnung eines Täuflings eingeladen, soll in der Seelsorger-Sprechstunde, der dreizehnjährigen Sörens-Tochter, die offenbar das zweite Mal von ihrem Papa schwanger war, erklären, warum Gott sowas zuläßt und einer Mutter, was zum Selbstmord ihrer Tochter sagen.
„Manchmal tut Selbstmord weniger weh, als Weiterleben!“, tröstet sie. Dann geht es aber schon mit ihr begab, von Kirchenwoche zu Kirchenwoche, die die kleinen Abschnitte, der drei Erzählteile einleiten. Bibelzitate gibt es immer auch und die Pastorin wird von der Schwester Annika und deren Gatten Amade, ihre unglückliche Liebe heimgesucht.
Der scheint wirklich ein Ekel zu sein, bestreitet er doch die Vaterschaft von Söhnchen Tobias und als Annika MS bekommt, läßt er sich von ihr scheiden. So schreibt ihm die Heldin, die inzwischen von ihrer Gemeinde gemobbt zu werden scheint, es kommt niemand in den Gottesdienst, die zweischwänzige Katze verschwindet und wird später abgemagert aufgefunden und sie bekommt auch die geringsten Werte bei den Gottesdienstkritiken,einen Liebesbrief und Amade, der nach der Scheidung die Wohnung verlassen muß, kommt wirklich zu ihr, allerdings verläßt er sie wieder, nachdem seine Freundin ihren Mann losgeworden ist, der Organist Bernd ist auch von ihr enttäuscht und als zuletzt noch der Vorsitzenden des Oberkirchenrats in die versäumte Sprechstunde kommt und sie entläßt, vom Tod der Schwester, die in ihrem Rollstuhl von einem LKW überfahren wurde „Eines muß ich dir sagen Gott: Wenn ich die Welt neu erschaffen könnte – ich würde sie anders machen, Gott!“, hat sie inzwischen auch erfahren, nimmt sie die selbstgebraute Flugsalbe und hebt zu Himmelsfahrt ab, das Foto von Amade und die Bibel hat sie schon vorher weggeworfen, denn es ist „Irrglaube, Götterdämmerung“….
„Salzflut ist ein poetisch und zugleich nüchternes Drama“, steht auf dem Rücken der dreiundsiebzig Seiten Erzählung. Man könnte es auch ein wenig kitschig nennen und zu dick aufgetragen, dann aber doch wieder eindrucksvoll und höchst poetisch in der Sprache, die mich irgendwie an die erinnerte, mit der Jochen Jung in seinem „Wolkenherz“ erzählt und das handelt ja auch auf einer Nordseeinsel.
Die 1967 in Hannover in eine Musikerfamilie hineingeborene Nikola Anne Mehlhorn, hat Musik in Hannover, Essen und Köln studiert und dann noch eine Ausbildung zur Kultur und Medienmanagerin gemacht. Außerdem gibt es viele literarische Veröffentlichungen und hat heuer mit einem Romanauszug, einer Frau, die auf Rache sinnt und ihrem Mann Würmer in die Spaghetti schneidet, der mir sehr gut gefallen hat, in Klagenfurt beim Bachmannpreis gelesen.
Eine Weihnachtsgeschichte von der Autorin wartet heuer auch noch auf mich.

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