Literaturgefluester

2010-12-31

Literarischer Jahresrückblick

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

Am letzten Tag des Jahres gehts in die Vergangenheit, nicht nur die Bücherrückschau, wie versprochen, die gibts natürlich auch. Aber sonst ganz allgeimin, was tat sich 2010 im Leben der nicht so besonders erfolgreichen Autorin Eva Jancak?
Erfolge sind bei mir immer zweigeteilt, auf der einen Seite das konsequente, beharrliche Schreiben, so gut ich es kann, die fortwährende Beschäftigung mit der österreichischen Gegenwartsliteratur, das Lesen, die Literaturveranstaltungen, daneben gibts dann noch die psychologisch-psychotherapeutische Praxis, die Familie und ein kleiner Freundeskreis, der zum größten Teil schon in den erwähnten Bereichen zu finden ist, auf der anderen Seite tut sich weniger, also nicht so besonders viele Einladungen zu Lesungen, Vorträgen, Jurysitzungen etc und mit den Verlagen ist es auch nicht so leicht.
Dafür gibts dreiundzwanzig selbstgemachte Bücher, zweieinhalb Jahre Literaturgeflüster und da kommt gleich die Jubelmeldung. Wie vorgenommen ist das der sechshundertste Artikel. Der Dezember hatte fast täglich einen Artikel, weil ich mir einbildete, einen Adventkalender zu improvisieren, wenn es schon mit dem bei leselustfrust nichts wurde. Jetzt fehlen vierhundert bis zum Tausender und da ich eigentlich nur jeden zweiten Tag etwas schreiben will, wäre das ein Vorsatz, das zum fünften Jahrestag des Literaturgeflüsters zu schaffen.
Da ich aber 2010 neunzig Bücher gelesen und bis auf eines auch besprochen habe, durchschnittlich zwei bis dreimal in der Woche zu einer Literaturveranstaltung gehe, regelmäßig über meinen Schreibprozeß berichte und gelegentliche literarische Reportagen oder Gedankensplitter verfassen will, wäre das ein Neujahrsvorsatz, der es nicht einmal bis zum Sekt und Donauwalzer schafft.
Wenn die Einfälle fließen, werde ich sie aufschreiben und mich nicht selbst beschneiden, also werde ich bis zum tausendsten Artikel wahrscheinlich ein- bis eineinhalb Jahre brauchen.
Was war 2010 literarisch los? Ich fange an mit den drei Büchern „Sophie Hungers Krisenwelt“, „Heimsuchung oder halb eins“ und „Mimis Bücher“, die 2010 von mir erschienen sind. Dann gab es gleich zu Beginn 2010 ein Interview für die Zeitschrift etcetera, dem Vierviertelheft, das im Mai in St. Pölten vorgestellt wurde und gegen Ende des Jahres ist das „Freibord 149/150 erschienen, in dem meine „Erinnerung an Helmut Eisendle“, für den Osterspaziergang des Wiener Lesetheaters geschrieben und im Literaturgeflüster erstveröffentlicht, herausgekommen ist. Sonst gibts keine Publikationen, denn die Volksstimmeanthologie, in der meine „Schmerzsansichten der Kätzin Murana“ enthalten ist, ist noch nicht erschienen und wird, wie mich Christoph Kepplinger aufklärte, noch etwas brauchen.
Es gab natürlich Lesungen und das ist immer eine gute Möglichkeit mich zu präsentieren und da durfte ich am 6. 12. die „Sophie Hungers“ in der Alten Schmiede vorstellen. Sonst gabs das Linke Wort beim Volksstimmefest, die „Mittleren-Literatur von Frauen“, die Lesung beim „Tag der Freiheit des Wortes“, den ich 2010 nicht mehr organisierte, die Osterspaziergänge u.u.u. Natürlich auch die Jurymitgliedschaft beim Ohrenschmaus, die ich immer sehr spannend finde. Es gab natürlich auch andere literarische Highlights, so z. B. die Sommerfrische in Harland, wo ich heuer den Residenz-Verlag besuchte und natürlich die Buch Wien, die ich wieder intensiv bloggend erlebte. Und da bin ich schon bei den Büchern, denn da tat sich 2010 wirklich viel mit der Einführung der offenen Bücherschränke. Zwei gibts derzeit in der Ziegler- und in der Brunnengasse und die haben mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Zweiundfünfzig Bücher habe ich, ich habe gerade nachgeschaut, 2009 gelesen und besprochen, diesmal waren es neunzig. Von neunundachtzig gibts im Literaturgeflüster Besprechungen, die führe ich jetzt nicht alle auf, die muß man selbst anschauen. Ein paar Bücher, wie zum Beispiel das „Burkhard Spinnen- Buch“, das ich bei Thalia durchgeblättert habe, zähle ich nicht als extra besprochen. Neunzig Bücher sind sehr viel und es war wieder viel Interessantes dabei. Ich habe ja einen weiten Lesebegriff und intererssiere mich für viel und so habe ich, sowohl „Notting Hill“, wie auch „Zwischentraum“ von Andreas Aumeier besprochen. Rudi Lasselsbergers „Willi auf Kur“, wie Remarques „Im Westen nichts Neues“ und Nabokovs „Lolita“ und da bin ich schon bei der Beantwortung der Frage nach den besonderen Highlights, da ich mir bei dem Buch des Jahres, immer sehr schwer tue. Gibt es ja so viele und ich bin eine offene Leserin, die versucht wertschätzend auf die Bücher der Anderen zuzugehen. So hat mich wahrscheinlich der Remarque am tiefsten beeindruckt, gefolgt von Andreas Pittlers „Chuzpe“, man sieht mein historisches Interesse, aber auch alles Andere war interessant. Manchmal erwische ich ein schwächeres Buch, aber ich habe kein Problem, jedes Buch so anzunehmen, wie es ist und das würde ich mir auch bei mir sehr wünschen.
Zu erwähnen ist natürlich auch die Buchmesse-Leizpig und bei den Todesfällen das Begräbnis von Andreas Okopenko, dessen Fest zum achtzigsten Geburtstag ich vorher fast versäumt hätte. Beeindruckende Begegnungen gab es natürlich auch, so habe ich bei der Literatur im Herbst den bosnischen Dichter Marinko Stefanovic kennengelernt, der jetzt „Mimis Bücher“ übersetzt, E. A. Richter habe ich bei seiner Lesung und auf der Buch-Wien getroffen. Es war also ein sehr intensives literarisches Jahr und Wünsche für 2011 gibt es auch. Als erstes natürlich endlich den großen Roman zu schreiben, der Anerkennung findet. Ich würde aber auch gern einmal, bei „Rund um die Burg“ lesen, was ich bei der Eventaufzählung vergessen habe. Da habe ich aber noch Anderes vergessen. Nämlich, daß ich im Mai das Literaturgeflüster beim „Alltäglichen Leben“ im Amerlinghaus vorstellen durfte und da wundere ich mich wieder, daß das Literaturgeflüster zum Alltäglichen Leben zählt, denn die Literatur ist ja etwas Besonderes, obwohl ich sie täglich betreibe und so werde ich dieses Jahr bei Hilde Schmölzer beschließen und mit ihr und Lidio Mosca-Bustamante auf 2011 anstoßen. Allen meinen Lesern wünsche ich ein erfolgreiches neues Jahr, wo alle Größenphantasien Berücksichtigung finden und werde mich 2011 wieder melden.

2010-12-30

Ruhm

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

Als Alfred am Sonntag, die Anna zum Bahnhof brachte, drückte er mir bei seiner Rückkehr Daniel Kehlmanns 2009 erschienenen Roman in neun Geschichten „Ruhm“ in die Hand, von dem ich bei http://www.buecher.at gelesen habe, daß er demnächst verfilmt werden soll.
„Daniel Kehlmann hat mit seinem neuen Roman Weltliteratur geschaffen“, schreibt die Weltwoche auf der Buchrückseite, einige Rezensenten meinen, daß die Episodengeschichten zwischen Realität und Fiktion, nicht an den vorher erschienenen großen Roman „Die Vermessung der Welt anknüpfen“ können, der Autor spricht in einem Rowohlt-Video von mehreren Verknüpfungsebenenen, die der Leser erkennen kann, aber nicht muß, wenn er es tut, hat er mehr Spaß dabei, ihm selbst hätten die Verknüpfungen sehr gefallen.
In der zweiten Geschichte “ In Gefahr“, die, wie die letzte heißt, wird es ein bißchen genauer beschrieben:
„Ein Roman ohne Hauptfigur! Verstehst du? Die Komposition, die Verbindungen, der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held“ – „Interessant“, sagte Elisabeth müde.“
Es ist auch nicht ganz einfach sich durch die neun Geschichten mit den wechselnden Handlungssträngen, wechselnden Personen, wechselnden Realitäten und Fiktionen durchzulesen, obwohl es natürlich Verbindungen gibt. Die Technik spielt eine Rolle, das Internet, das Handy, manche Geschichten leben sehr davon, während andere wieder konventioneller sind.
Geschichte eins beginnt, in dem sich ein Computerfachmann mit einem eher faden Leben ein Handy kauft, plötzlich wird er ständig von Leuten angerufen, die ihn Ralf nennen, von dessen spannenden Leben er viel erfährt bzw. sich hineinziehen läßt. Dieser erfährt man in den anderen Geschichten, ist ein berühmter Schauspieler, überall hängen seine Filmplakate und geht in der vierten Geschichte als sein Double unter, während der seine Stelle einnimmt.
Die zweite Geschichte „In Gefahr“ wird von dem mehr oder weniger berühmten Autor Leo Richter erzählt, der sämtliche Fäden in Händen hat, Schöpfer vertrackter Kurzgeschichten ist, eine davon heißt „Rosalie geht sterben“ und taucht als Geschichte Nummer drei auf, es gibt aber auch eine Ärztin namens „Lara Gaspard“, die in den anderen Episoden herumgeistert.
In Geschichte Nummer zwei geht Leo Richter jedenfalls mit der Ärztin ohne Grenzen Elisabeth auf Lesereise nach Südamerika. Dort reist er von Kulturinstitut zu Kulturinstitut und wird von sämtlichen Betreuern, Zuhörern ect. gefragt, wo er seine Einfälle herhat und ob er Vormittags oder Nachmittags schreibt? Leo, der in der Geschichte als ziemlicher Feigling und Hypochonder dargestellt wird, antwortet immer „In der Badewanne!“ und fürchtet sich vor allerhand Gefahren, während Elisabeth, die immer Angst hat, in seine Geschichten hineinzugeraten, im Badezimmer mit dem Botschafter eines afrikanischen Landes über die Entführung ihrer Kollegen verhandelt und den feigen Leo eigentlich verlassen will, es aber nicht schafft.
Rosalie in Geschichte drei ist eine krebskranke Lehrerin, eine Figur Leos, die er in eine Schweizer Sterbehilfeklinik schicken will, was sie aber nicht will, so daß er plötzlich sein Konzept verändert und sie als junges gesundes hübsches Mädchen die Klinik verläßt.
In „Ein Beitrag zur Debatte“ taucht ein fettes Internetsüchtiges Muttersöhnchen auf, der eine köstliche Kunstsprache zwischen Deutsch- und Computerenglisch spricht, in Lara Gaspard verliebt ist und von seinem Chef, den wir auch noch kennenlernen werden, zu einer Computer Konferenz geschickt wird. Dort gibt es aber kein Internet, dafür ist Leo Richter anwesend und wird von dem Fetten, der unbedingt in seine Geschichte will, um ein virtuelles Leben mit seinem Schwarm aufzunehmen, verfolgt, was ihm aber nicht gelingt. Leo Richter hätte auch nach Turkmenistan auf eine Schriftstellerrundreise gehen können, dort traut er sich aber nicht hin, so schickt er seine Kollegin, die Krimiautorin Maria Rubinstein hin, die in der Geschichte „Osten“ verloren geht und immer wieder tauchen Bücher auf, nämlich die des Esoterikbestsellergurus Miguel Auristos Blancos, berühmt für seine Bücher über „Gelassenheit, innere Anmut und Suche nach Lebenssinn“, der in seinem Esoterik-Imperium herumschreitet, über die Sekretärinnen schimpft, die ihm die falsche Fanpost auf dem Schreibtisch legen, mit einer Pistole spielt und an den Brief an die Äbtissin, die nach dem Sinn des Lebens fragt, beantwortet, daß dieses keines hat, bevor er die Pistole in den Mund steckt.
Dann gibt es noch den Chef, des Internetsüchtigen Muttersöhnchens, einen Abteilungsleiter einer Telecomfirma, verheiratet und Vater zweier Kinder, der sich in die schöne Luzia verliebt, mit ihr ein Doppelleben aufbauen will und damit so überfordert ist, daß er offenbar nicht nur Schuld an den falschen Telefonanrufen von Geschichte eins ist, sondern auch noch andere Verwirrungen auslöst.
In Geschichte neun, ebenfalls „In Gefahr“ genannt, wendet sich das Blatt wieder. Hier begleitet Leo Richter, Elisabeth auf ihre Einsätze, ist plötzlich mutig und sie erkennt, daß sie längst in seinen Geschichten enthalten ist, taucht doch nicht nur Lara Gaspard, offenbar ihr Alter Ego auf, sondern auch eine der Damen, die Leo bei der Lesereise betreute, wurde von ihm zu einer Roten Kreuz Mitarbeiterin gemacht.
Ganz schön verwirrend, der magische Realismus des Romanes, der eigentlich keiner ist, aber trotzdem leicht zu lesen, sind die Fährten ja gut gelegt, denn der 1975 geborene Daniel Kehlmann ist ein intelligenter Schreiber, der sein Geschäft versteht. In einem der Gratisbücher zum Welttag des Buches, habe ich, die erste Geschichte von ihm gelesen, da sitzt einer mit Flugangst in einem Flugzeug und wird von seinem Sitznachbar fertiggemacht. Ein wenig davon findet man auch in Geschichte zwei. Den „Fernsten Ort“, habe ich in einigen Lesungen gehört, „Beerholms Vorstellung“ in einem Anitquariat in der Kirchengasse um dreißig Cent gekauft und Daniel Kehlmann, als er noch in Wien lebte, manchmal im Literaturhaus getroffen, wenn dort Suhrkampautoren gelesen haben. Das 2003 erschienene „Ich und Kaminsky“ habe ich ebenfalls bei Lesungen kennengelernt und da auch in einem Interview gelesen, daß das für Kehlmann die Vorstufen für den großen Roman war, der in der „Vermessung der Welt“ einige Jahre später erschienen ist, den ich auch bei „Rund um die Burg“, hörte.
Danach ist „Ruhm“ erschienen, wo man über den Titel rätseln kann. Welcher Ruhm ist damit gemeint, der von Daniel Kehlmann oder der der grauen Eminenz Leo Richter, aber der kann ja wieder das Alter Ego Daniel Kehlmanns sein? Ich würde Daniel Kehlmann als bemühten, fleißigen, ehrgeizigen Autor einschätzen, habe viele Interviews von ihm gelesen und den Erzählband „Unter der Sonne“ habe ich auch.

2010-12-28

Auf den Spuren Mayor Bronsteins

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:41

Oder eigentlich umgekehrt bin ich gestern zu Alfreds alter Freundin Ingrid nach Neuwaldegg hinausgewandert, denn der tat das ja von seiner kalten Dornbacher Wohnung zuerst in seine Polizeidienststelle und dann nach Margareten, um kurz vorm Zerfall der Monarchie, den Mord am Fräulein Feigl aufzuklären und Andreas Pittler, habe ich inzwischen ergooglet, wurde in Wien-Dornbach geboren und ist mit zwei Wochen nach Margareten übersiedelt, wo er seither lebt, daher die Lokalkenntnisse, bei mir ist das sehr ähnlich. In der Wattgasse aufgewachsen, als Studentin zuerst in die Otto Bauergasse gezogen, die früher, glaube ich, Kasernengasse hieß, danach über die Gumpendorferstraße in den fünften Bezirk gekommen und weil uns die Ingrid, mit der und deren israelischen Bekannten, wir das Jahr 2010, am Heiligendreikönigstag sozusagen begonnen haben, zum Jahresende eingeladen hat und ich eine bekannte Spaziergängerin bzw. Stadtflaneurin bin, dadurch bekommt man Inspiration, gesund soll es auch sein und erspart das Fitnessstudio, machte ich es umgekehrt, obwohl die Straßenbahnen fuhren und die Elektrizität funktionierte und schaute mir noch einmal die beleuchteten Christbäume an, einige Frauen hatten sehr glitzernde Mützen. Kalt war es auch, der Schnee aber schon ziemlich weg und soviel ins Kaffeehaus, wie Mayor Bronstein gehe ich nicht, obwohl ich mich sehr für die Geschichte und auch den Beginn des vorigen Jahrhunderts interessiere und noch etwas war anders. Mayor Bronstein hatte noch keine offenen Bücherschränke und, daß die mich sehr interessieren, habe ich schon gestern geschrieben. Da gestern auch viel vom Umtauschen nicht passender Weihnachtsgeschenke die Rede war, habe ich gedacht, schaue ich mir an, ob ich vielleicht Originalverpacktes in Weihnachtspapier finde. So war es nicht, der Bücherschrank in der Zieglergasse aber trotzdem voll und sehr bevölkert und Spurensuchen konnte ich auch. Erkenne ich doch gleich, ob vorher meine Freundin Ruth Aspöck dort war und die Bestände ihrer Edition versorgte. Wems interessiert, Doris Kloimsteins „Kleine Zehen“ habe ich gesehen. Schnell hingehen, vielleichts ist es noch dort, denn das habe ich schon vor Jahren gelesen und eine Rezension für Thalia oder Amadeus geschrieben, die allerdings nicht veröffentlicht wurde.
Es haben auch noch andere ihre zeitgenössischen Buchbestände ausgeräumt, die Parteischule der KPÖ hat sich beispielsweise Gustav Ernsts „Frühling in der Via Condotti“ entledigt, na klar, der neue Gustav Ernst erscheint schon im Februar und ich habe wieder etwas für meine Leseliste. Ludwig Roman Fleischers „Aus der Schule“, Roman aus dem Jahr 1999 gab es auch, da war ich, wenn ich mich nicht irre, bei der Weihnachtspräsentation im Literaturhaus vor elf Jahren.
Dieser Schrank war also belebt, während der andere ziemlich einsam im Schatten des Brunnenmarkts lag und ein paar Elisabeth Gürt Ausgaben anzubieten hatte und ich bin den Brunnenmarkt in Richtung Hernals hununtergewandert. Ob Mayor Bronstein so gegangen ist, weiß ich nicht, meine Mutter ist dagegen am Freitag oft auf den Brunnenmarkt spaziert und hat mich mitgenommen und da haben wir meine Volksschullehrerin, eine strenge ältere Dame mit einem späten Kind, die in der Nähe wohnte, manchmal getroffen und die Hauptschule Geblergasse ist auch nicht weit entfernt. An der bin ich schon sehr lange nicht mehr vorbeigegangen, erinnerte mich also an die Gefühle der Zehn bis Vierzehnjährigen, die am Morgen am Gymnasium vorbei, nur in die Hauptschule mußte und die Akademikerin, die in den Siebzigerjahren unter Kreisky problemlos studieren konnte, dachte gestern wieder einmal nicht sehr freundlich an die ÖVP mit ihrer Gesamtschulphobie, der als Heilmittel gegen schlechten Pisa-Resultate, nichts als ein beschränkter Hochschulzugang und der Satz, die Eltern seien schuld, weil sie zuviel Fernsehen, einfällt. Das betrifft die Nichtfernseherin nicht und lesen kann ich auch. So ging ich durch die Kalvarienberggasse, wo es, als ich in die Hauptschule ging, den Christkindlmarkt gab. Beim Zehnerwagen bin ich in den 43 eingestiegen, um nicht zu spät zur Ingrid zu kommen, in einen modernen Großraumwagen und habe an die alten Straßenbahnwaggons gedacht, an die ich mich noch erinnern kann. Die, die zu Zeiten Mayor Bronsteins fuhren, werden noch anders ausgesehen haben.
Die Ingrid wohnt zwischen dem Gemeindebau in der Wattgasse und dem Gartenhäuschen am Almweg,so daß ich die Gegend von meinen Kindertagen kenne und auch früher oft gegangen bin, ist Vegetarierin und TCM-Medizinerin, die von ihrem Vorruhestand erzählte. Ich erzählte ihrem israelischen Freund vom dritten Roman meiner Weihnachtsbuchempfehliung nämlich Doron Rabinovicis „Andernorts“ und von David Grossmann, der heuer in Frankfurt deutscher Friedenspreisträger wurde. Es gab sehr viel zu essen und schöne leise Musik und nachdem wir zur Gänze mit der Straßenbahn zurückgefahren sind und dabei den 13A versäumten, wollte ich gleich meinen Blogeintrag schreiben, nur leider funktionierte das Internet schon wieder nicht, auch ein Segen, den sich Mayor Bronstein ersparte.
Das elektronische Abrechnen mit der Krankenkassa ging gerade noch und, daß Peter Kreisky, der Sohn Bruno Kreiskys, der am 22. Jänner hundert wird und, wie ich im Radio hörte, von H.C. Strache am FPÖ Parteitag groß gefeiert werden soll, gestorben ist, habe ich auch noch gehört. Peter Kreisky habe ich in den letzten Jahren immer wieder wo getroffen, in der Rahlgasse bei den Elternsprechtagen, auf einer Demo oder in Eva Brenners „Fleischerei“ mit der er befreundet war.
So bin ich wieder ins Einundzwanzigstejahrhundert zurückgegkommen, wo man ganz einfach das Licht und die Heizung aufdrehen kann und nur ein bißchen flucht, wenn das Internet nicht funktioniert und seine Aktivitäten für ein paar Stunden lahm legt. Andreas Pittlers „Chuzpe“ werde ich somit in das noch nicht gelieferte Regal einräumen, es hat, dank Klaudia Zotzmanns Adventkalender, Weihhnachten 2010 bereichert, dann ein paar Stunden und meine nicht-elektronische Abrechnung machen, bevor es wieder aufs Land geht.

2010-12-27

Leselisten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:33

Da ich ein wenig zwanghaft bin, habe ich auf meine im September oder Oktober erstellte Winterleseliste nicht vergessen und jetzt das letzte Buch davon, E.Y. Meyers „Eine entfernte Ähnlichkeit“ in Lesearbeit, wenn es so was gibt. Natürlich habe ich, meine Leser wissen es, mich nicht so an die Reihefolge gehalten und immer wieder neue Bücher eingeschoben, so einen Mini-Köhlmeier-Schwerpunkt, aber auch so manches neue, was die Bücherschränke für mich hatten, bzw. der Geburtstag und die Buch-Wien erbrachten.
Da das neue Regal noch nicht gekommen ist, lagern die dazugekommenen Bücher in Stapeln im Wohn- und Badezimmer bzw. im Fach des Lesetischchens und da übersieht man viel. So nütze ich die Gelegenheit der Tage zwischen Weihnachten und neuem Jahr, von Leselustfrust habe ich im letzten Jahr gelernt, daß die eine besondere Bedeutung haben und eine besondere Musik hat der Bach, glaube ich, auch dafür geschrieben, mir eine neue Leseliste anzulegen, habe mir dazu fünfundzwanzig Bücher herausgesucht und werde sie, wenn das Regal kommt, ins Badezimmer legen und den Stapel dort, der das parat halten sollte, was demnächst an die Reihe kommt, entrümpeln. Daß diese fünfundzwanzig Bücher, die für das Frühjahr reichen, wahrscheinlich bald ergänzt werden, ist mir klar.
Schließlich gibt es schon die Verlagsvorschauen mit ihren Frühjahrsproduktionen und da ist sicher Interessantes dabei und die Dorothee Elmiger, habe ich mir vom Alfred auch gewünscht, es ist also keine Liste auf Ewigkeit und nicht unumstößig.
Aber die Bücher, die ich im nächsten Jahr gelesen haben will und da bietet so ein Lesevorsatz eine gute Struktur.
Im Sommer 2009 bin ich daraufgestoßen, daß es Leute gibt, die im Internet ihre Lesezahl Monat für Monat veröffentlichen und bei Leselustfrust bin ich darauf gekommen, daß die so ein-bis zweihundert Bücher im Jahr liest.
Bisher galt für mich die Faustregel, pro Woche ein Buch, also ca fünfzig im Jahr. Da habe ich dann, als ich im Jänner plötzlich neun Bücher gelesen hatte, gesehen, daß ich da aufholen kann und gedacht, wenn ich hundert Bücher im Jahr schaffe, habe ich Aussicht in den zwanzig Jahren, die ich noch leben und lesen werde, meinen SUB abzulesen und mich gefreut.
Allerdings nicht lang, denn dann kamen die offenen Bücherschränke, auf die mich auch Leselustfrust aufmerksam machte und da ich, wie meine Leser ebenfalls wissen, eine begeisterte Benützerin bin, habe ich diese Idee aufgegeben, denn ich gehe ja regelmäßig ins Literatur- und ins Amerlinghaus, in die Hauptbibliothek und zu den Fortbildungen in die Klinik und da komme ich am Bücherschrank vorbei und, daß ich da vorübergehe, habe ich mir gar nicht erst vorgenommen.
Zwar schaue ich inzwischen genauer und überlege, wie groß die Chance ist, daß ich das Buch lesen werde und nehme nur mehr Gustostückerln, aber wenn ich Felix Brauns „Agnes Altkirchner“ und Hannelore Valencaks „Vorhof der Wirklichkeit“, finde, kann ich es nicht liegenlassen. Beides steht also auf der Frühjahrsleseliste und noch einiges anderes, wie zum Beispiel Jurek Beckers „Jakob der Lügner“ und Batya Gurs „Denn am Sabbat sollst du ruhen“, mit denen ich die neue Leseliste beginnen will, wenn ich am 10. Jänner aus der Winterfrische zurückkehre. Dann gibts noch die Bücher von der Buch-Wien bzw. die Geburtstagsgaben. Die Eine Stadt-Ein Buch-Aktion beispielsweise, die Bücher der Edition Zwei, das der Angelika Reitzer, Johanna Tschautschers „Jeanne d Arc beendet den Heiligen Krieg“, aus der Edition Albatros, das mir Walter Baco bei der Buch-Wien Eröffnung so freundlich überreichte. Michael Schrarangs „Komödie des Alters“ hat mir die Anna zum Geburtstag geschenkt, vom Alfred stammen „Schmelzwasser“ von Sigi Maron und Angela Leines „Wie man den Bachmannpreis gewinn“, aber das werde ich erst lesen, wenn ich mit der „Absturzgefahr“ fertig bin und mich ans neue Opus mache, bzw. vor dem Bachmannpreis zur Einstimmung und Kontrolle. Von der Edition Zwei gibt es noch einige Altlasten, habe ich da ja vor einigen Jahren bei einem Bank Austria Gewinnspiel, gleich die ganzen damals vorhandenenen neuen oder zehn Bücher gewonnen und da Serbien 2011 in Leipzig Gastland ist, könnte Stanko Andrics „Der Simurg“ ganz gut passen und Florjan Lipus „Die Beseitigung meines Dorfes“ aus dem Jubelkoffer Landvermessung habe ich mir einmal bei Buchlandung um einen Euro gekauft.
Es gibt noch andere Alt und Neulasten. Sebastian Fitzeks „Die Therapie“ z. B., denn es ist ja sehr interessant, was man in den Bücherschränken findet. Die etwas älteren Buchbestseller und die ganz alten Bücher wie z.B. Lily Sauters „Ruhe auf der Flucht“, aus dem Jahr 1951, von der hörte ich einmal auf einem Symposium in der Gesellschaft der Literatur. Da gings, glaube ich, um Christine Busta. Dann hat sich noch Benjamin v. Stuckrad Barres „Soloalbum“, Louis Beglys „Lügen in Zeiten des Krieges“, den ich vor ca eineinhalb Jahren in der Hauptbücherei hörte, bei mir angesammelt.
Daß ich Arno Schmidt „Kaff auch Mare Crisium“ lesen will, habe ich bei der letzten Textvorstellung mit Angelika Reitzer herausgefunden. Dann gibt es noch einen William Kotzwinkle „Hot Jazz Trio“, das war eines meiner ersten Bücherschrankbücher, Sibylle Bergs „Gold“, Peter Henisch „Morrisons Versteck“, Ingrid Nolls „Die Apothekerin“ und Harry Mulischs „Augenstern“ auf der Liste. Der ist ja vor einiger Zeit gestorben. Frans Postma mein holländischer Leser und Jugendfreund aus den Zeiten des Work camps im Westpark Hospital, Epsom, das ich gleich nach meiner Matura machte, hat mich darauf aufmerksam gemacht u. u. u.
Fürs Erste reicht die Leseliste, denn wie geschrieben, ich bin ziemlich sicher, daß sie bald erweitert wird und in Harland gibt es überm Bett auch einen Lesestoß. Da habe ich mir die meisten Bücher vor zwei Jahren bei einem Thalia Abverkauf gekauft, über den ich schon berichtet habe und den habe ich bald abgelesen. Allerdings gibt es dann noch die Büchergilde Bibliothek meines Vaters, die ich ja auch lesen will.
Man sieht es ist nicht leicht, macht aber großen Spaß. Auch das Scheitern, beziehungsweise die Vorsätze vielleicht doch nicht ganz zu schaffen und so werde ich weiter eine eifrige Besucherin der Bücherschränke bleiben und wenn ich heute Abend auf Mayor Bronsteins Spuren nach Dornbach wandere und daran vorüberkomme, werde ich auch etwas hineinlegen. Bernhard Werbers „Die Ameisen“ nämlich, denn das habe ich in der Eile für einen Alexander Widner gehalten und Fantasy lese ich doch nicht so gern, obwohl ich ja eigentlich literarisch sehr offen bin.

2010-12-26

Grimms Wörter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:17

Nun kommt schon die Weihnachtsbuchbesprechung „Grimms Wörter“ von Günter Grass, auf das ich während meines Frankfurter Buchmessensurfings aufmerksam wurde und da man dort aktuelle Bücher gewinnen konnte, habe ich mir eine Liste zusammengestellt, die ein paar Mal abgeändert und dem Alfred schließlich, den Norbert Gstrein zusammen mit Angela Leinens „Wie man den Bachmannpreis gewinnt“, als Geburtstags- und den Grass als Weihnachtswünsche genannt. So bin ich am Vierundzwanzigsten mit dem Buch in die Badewanne verschwunden, das passende Badekonfekt und ein Handtuch mit Monogramm gabs ja dazu. Das noch dreimal wiederholt, bis ich soweit bin, das Buch zu besprechen.
„Eine Liebeserklärung“, steht auf dem Umschlag und die Rezensionen, in denen ich geblättert habe, bemängeln, daß es darin um keine Liebe geht, bemängeln auch die Grassche Geschwätzigkeit, meinen er sei ausgeschrieben und es sei kein gutes Buch.
Mir hat es gefallen, weil es in einem Stil geschrieben ist, der mir sehr liegt und den ich auch selbst anwende. Und die Liebe ist natürlich, die zu den Wörtern und Buchstaben und da zieren einige den Umschlag.
Das Buch ist in neun Kapiteln aufgeteilt, die die Buchstaben A-K und dann noch U und Z tragen. Innerhalb der Kapitel wird natürlich von Buchstabe zu Buchstabe gesprungen, alle kommen vor und es wird die Geschichte der Brüder Grimm, wahrscheinlich besser bekannt, als die, die die deutschen Hausmärchen gesammelt haben, die Geschichte Günter Grass und die Deutschlands von 1785, wo Jacob zur Welt kam, bis zur Gegenwart, wo der dreiundachtzigjährige Nobelpreisträger den Faden der Geschichte aufnimmt, erzählt und da mich die sehr interessiert, ist es ein Buch für mich, das ich auch dem Lesekreis empfohlen habe.
Jacob Grimm kam also 1785, sein Bruder Wilhelm, ein Jahr später zur Welt, dann kam die französische Revolution, die Brüder Grimm hatten noch einige Geschwister von denen Ludwig Emil, der Zeichner Jacob und Wilhelm öfter auf Kupferplatten verewigt hat.
Die Brüder studierten, lebten in Kassel und in Göttingen, von wo Jacob aus politischen Gründen ausgewiesen wurde. So heißt das erste Kapitel auch „Im Asyl“.
Da begannen sie schon am deutschen Wörterbuch zu arbeiten, dessen erster Band, 1854 im Leipziger Salomon Hirzel Verlag herauskommen sollte. Später übersiedelten die Brüder nach Berlin. Wilhelm war verheiratet und hatte drei Kinder, seine Ehefrau Dortchen versorgte auch den Bruder, gingen im Tiergarten spazieren und waren unter anderen mit Bettine von Arnim befreundet, deren Liebe zu Karoline Günderrode, Hilde Schmölzer in ihrer „Frauenliebe“ beschreibt.
Langsam langsam geht die Arbeit an den Wörterbüchern weiter, zuerst stirbt Wilhelm, schließlich Jakob, als er laut Grass beim Wort „Durst“ angelangt war. Die Herausgabe der Bände ging weiter und wurde erst im Neunzehntenjahrhundert beendet, während Wilhelm Grimms Sohn, der mit einer Tochter Bettine von Arnims verheiratet war, die ersten vier Bände, schon als veraltet betrachtet hat. Nun die Sprache hat sich seit dem Achtzehntenjahrhundert sicher sehr verändert .Das kann man auch bei Grass sehen und von seinem Leben lernt es sich viel in dem Buch. Werden doch immer wieder seine diversen Wahlauftritte für die SDP und seine Niederlagen, da niemand auf ihn hörte, geschildert. Im ersten Kapitel beschreibt er, wie er in Gelsenkirchen in einer Werkkantine vor Kuchen mampfenden Arbeiterfrauen spricht. Etwas später schreibt er von einem Theaterstück namens „Der Dra-Dra“, das Wolf Biermann aus dem Russischen übersetzte und Heinar Kipphardt für die Münchner Kammerspiele in den Neunzehnsiebzigerjahren inszenierte. Im Programmheft waren die Drachenköpfe kirchlicher und wirtschaftlicher Würdenträger abgebildet, was Grass als unzumutbare Menschenhetzte ablehnte, deshalb wurde er, als er das Theater aufsuchen wollte, von der Belegschaft aufgefordert, dieses zu verlassen.
Dann gibt es noch die Geschichte, wo er 1997 während der Frankfurter Buchmesse für den damaligen Friedenspreisträger Yasar Kemal die Laudatio in der Paulskirche halten sollte u. u. u.
Günter Grass geht sein Leben durch, erzählt Geschichten, er geht auch und das mag vielleicht, als ein bißchen kitschig empfunden werden, mit Jacob und Wilhelm durch den Tiergarten, bzw. trifft er die beiden dort, um ihnen von der Fortsetzung der Wörterbücher zu erzählen, setzt sie auch in ihrer romantischen Kleidung auf Motorräder etc.
Aber es geht in dem Buch ja um zwei Märchensammler und so spielen die Grmmschen Hausmärchen ihre Rolle. Günter Grass Lieblingssmärchen ist der „Däumling“, so hat einen solchen zum Helden seiner „Blechtrommel“ gemacht und er erzählt auch, daß die Brüder durch den Tiergarten gingen, als es dort noch nicht nach Currywurst roch. Günter Grass hat das dann in dieser Zeit nachgeholt und sich dort nach dem Fall der Mauer, auf die Spuren seines „Weiten Felds“ gemacht, das ich nach Erscheinen gelesen habe, worauf ich alle in meinem Besitz befindliche Fontanebücher herausholte, um sie zu lesen. Sehr weit bin ich damit nicht gekommen und ich habe auch nicht alles von Günter Grass gelesen. Die „Blechtrommel“ z.B nicht. Laut Katalog besitze ich „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, „Ausgefragt“, „Der Schrfitsteller als Bürger“, „Die Rättin“, „Ein weites Feld“ und „Im Krebsgang“ und nun das neue Buch.
„Die Rättin“ stammt, glaube ich, aus Edith Broczas Lesekisten und sollte ich auf meine Frühjahrs-und Sommerleseliste setzen und Günter Grass habe ich mindestens zweimal persönlich gesehen.
Das erste Mal in Wien, ein paar Jahre vor dem Nobelpreis im historischen Museum, denn Günter Grass ist ja auch Zeichner und da wurde eine Ausstellung von ihm eröffnet. Er betratt freundlich das Eröffnungspublikum grüßend das Museum, das hat sich bei mir eingeprägt, der freundliche ältere Mann mit dem Schnauzbart.
Nach dem Nobelpreis habe ich ihn ein oder auch ein paar Mal in Leipzig gesehen. Da hat mir der Alfred im Berliner Zimmer „Im Krebsgang“ gekauft und wollte es signieren lassen. Da waren mir aber zu viele Leute und ich bin ja kein Signiertyp. Bei einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings bin ich auf ein Video gestoßen, wo ihn ein Reporter angesprochen hat, Günter Grass aber sehr abweisend war.
Nun ja, der Ruhm kann Menschen verändern, älter wurde er auch und nimmt in „Grimms Wörter“ auch auf seinen Tod Bezug. Ein interessantes Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann.

2010-12-25

Schreibgedanken

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:56

Wenn man mehrmals in der Woche zu einer Literaturveranstaltung geht und sich bemüht, die Übersicht über den Berg ungelesener Bücher zu behalten, obwohl man an den offenen Bücherschränken nicht vorbei gehen kann, dann handeln die Artikel zu einem großen Teil über neue oder alte Schreibtalente, bzw Rezensionen, die eigentlich Buchberichte sind und obwohl, das dritte Bein des Literaturgeflüsters, die eigene Schreibwerkstatt ist, nicht so oft davon, denn es ist ja langweilg zu schreiben, heute habe ich zehn, zwanzig oder auch fünfzig Seiten korrigiert.
Denn das Korrigieren macht einen großen Teil der Schreibarbeit aus, zumindestens bei meiner Produktionsweise. Aber natürlich ist ein wesentlicher Teil des Literaturgeflüster, daß ich über mein Schreiben Auskunft geben und meine Leser und Leserinnen in meine Werkstatt schauen lassen will. Denn ich glaube, das hätte ich mir vor dreißig Jahren sehr gewünscht, jemanden zu haben, der mich in seine Produktionsweise hineinschauen läßt.
Deshalb sollte ein Drittel der Artikel diesem Thema gewidmet sein. Geht nicht immer. Denn am meistens läßt es sich natürlich in der aktiven Schreibphase plaudern und die nimmt bei mir ein Fünftel oder ein Sechstel der Produktionszeit ein. Also wars in der letzten Zeit diesbezüglich ein wenig ruhig, aufmerksame Leser wissen es. Ich habe im Jahr 2010 drei neue Bücher herausgebracht. „Sophie Hungers Krisenwelt“, „Heimsuchung oder halb eins“ und zuletzt „Mimis Bücher“.
Über alle drei läßt sich im Literaturgeflüster nachlesen. Die „Sophie Hungers“ wurde vor kurzem in der Alten Schmiede vorgestellt. Ein Stückchen daraus gibt es auch in der letzten Volksstimmeanthologie zu lesen. Rezensionen findet man im Literaturgeflüster, einige andere Lesungen daraus gab es auch, bzw. wird es noch im Herbst des nächsten Jahres geben.
Bei der „Heimsuchung“, das ist die Erzählung, die im Rahmen des NANOWRIMO 2009 entstanden ist, ist das ähnlich. Anfang des Jahres habe ich „Mimis Büchers“ geschrieben, das ist im Herbst erschienen und da habe ich erst einmal, nämlich bei meinen Geburtstagsfest daraus gelesen und schicke es auch noch herum, so daß die Rezensionen noch auf sich warten. Drei Bücher in einem Jahr sind sehr viel. Einerseits bin ich stolz darauf, andererseits fürchte ich mich natürlich davor, für eine Vielschreiberin gehalten zu werden. Aber wer hat, der hat, so schlimm ist das auch wieder nicht und soll mir erst einer nachmachen, bevor er darüber mäkelt. Hat auch noch keiner, nur Richard Langthaler hat, als ich ihm „Mimis Bücher“ bei der Judith Gruber Lesung zeigte, gesagt „Deine Bücher werden auch immer dünner!“
Nun ja für die „Heimsuchung“ und „Mimis Bücher“ trifft das zu. Die „Absturzgefahr“ wird wieder etwas länger und das ist das zweite Buch, das ich 2010 geschrieben habe. Ende Juni habe ich damit angefangen, wieder manisch und besessen, den Sommer vor mich hingeschrieben und bin, meine Leser wissen es, beim Korrigieren in eine Art Schreibunlustphase gekommen, bzw. habe ich vor mich hingedümpfelt. Zuerst hat es mir nicht mehr gefallen. Dann bin ich im November durch die Buch Wien und den anderern Veranstaltungsreigen nicht dazu gekommen. Und habe über ein Monat gebraucht die hundertzwanzig Seite Szene für Szene durchzugehen. Vor ein paar Tagen wurde ich damit fertig und jetzt gehts in einem Wurf solange durch, bis ich es für fehlerfrei halte, was schätzungsweise bis Ostern dauern wird, bevor es der Alfred zum Endlektorieren und Setzen bekommt, wenn man das so nennen kann. Meine Leser wissen ebenfalls, daß ich keine große Korrigiererin bin. Das Buch ist wahrscheinlich zehn bis fünfzehn Prozent kürzer, als die Rohfassung. Die Handlung aber zu fünfundneunzig Prozent die Gleiche. Hin und wieder kommt eine Szene dazu oder eine weg.
Ich habe zwar immer vor zu verändern, es bleibt aber meistens so. Hat wahrscheinlich seinen Grund und ist gut so, wie es ist. Was ich allerdings in der letzten Zeit vermehrt mache ist, daß ich es mir sprachlich vornehme. Denn das ist ja, was manche Leser bemängeln, daß ich nicht so eine gute Sprache habe. Gut, meine Meinung zur Rechtschreibung habe ich schon in einem Artikel festgelegt, das ist für mich irgendwie ein Ort der Freiheit, so bleibe ich bei meinen falschen oder scharfen s. Der Alfred oder wenn es sich ergibt, ein Lektor, kann das ruhig korrigieren und das mit dem Erheben oder nicht Erheben, was mir Karl-Markus Gauss einmal in einem langen Brief ausführlich daregte, den ich damals, es war in den Neunzigern, nicht so recht verstanden habe, ist auch so was, was mir nicht recht liegt. Mit hunderttausend schönen Worten in der Wiese liegen und eine Blume beschreiben, will ich, glaube ich nicht und ich will auch nicht dauernd „Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!“, vor mich hinschimpfen. Da hätte ich wahrscheinlich nicht Verhaltenstherapeutin werden dürfen. Von der Frau Professor Friedl in der Strassergasse, habe ich schon geschrieben. Die hat mir oder war das vielleicht schon die Frau Linser in der Hauptschule Geblergasse etwas vom Adalbert Stifter und seinen sanften Steinen erzählt. „Nicht das Große, sondern das Kleine halte ich für schön!“ oder so. Das hat sich bei mir eingeprägt. Da gibt eine psyologisch-psychotherapeutische Praxis auch etwas her und so versuche ich jetzt wirklich mehr meine einfach strukturierten Sätze zu verbessern und das nicht erst seit es das Literaturgeflüster gibt oder Andrea Winkler beim Bachmannpreis gelesen hat.
Das erste Mal habe ich das schon bei der „Fluchtbewegung“ getan. Denn damit war ich 2005 in der Text- und Kritikwerkstatt der Erika Kronabitter im Silvrettahaus Bielerhöhe eingeladen und habe im kleinen Kreis zwei Szenen vorgetragen, die bearbeitet wurden. Damit bin ich nach Hause gefahren und da ist mir das erste Mal aufgefallen, daß ich es sprachlich genauer nehme. Dann kamen noch einige andere Bücher und ab Sommer 2008 das Literaturgeflüster, das jetzt bald seinen sechshundertsten Artikel hat und auch, wenn ich wirklich glaube, daß ich vielleicht eine nicht so schöne Sprache habe und orthographisch nicht perfekt bin, glaube ich auch, daß man nicht sechshundert Artikel schreiben kann, ohne in der einen oder anderen Weise davon zu profitieren und bin, das merke ich sehr wohl, selbstsicherer geworden. Ein Jahr später kam das Bachmannlesen mit Andrea Winkler und der „Wunderschöne Tintentraum“ und seither denke ich immer wieder, das muß doch zu vereinen sein, daß man das, was man erzählen will, in einer schönen Sprachen tun kann und es kann auch positiv sein und vielleicht ein wenig märchenhaft. Denn das ist auch etwas, was ich gelegentlich höre, daß ich das bin, was ich eigentlich nicht recht verstehe. Denn positiv, denke ich, sind meine Geschichten nicht. Was ist denn positiv, wenn einer am Abend ins Bett steigt und sich nichts anderers wünscht, als am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen und daß er, wenn er es trotzdem tun, so gut wie möglich weiter zu machen versucht?
Gut, da spricht dann sicher irgendwie die Verhaltenstherapeutin mit, die kann und soll sich natürlich nicht verleugnen und, daß die ihren Klienten nicht sagt „Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!“, sondern „Versuchen Sie es noch einmal, es gibt doch so vieles, was Ihnen gelingt!“, ist auch ganz klar.
Mein Pech ist, daß das Realistische nicht für so Literarisch gilt. Das habe ich bemerken können, als ich in der Augustin Schreibwerkstatt aus der „Sopie Hungers“ gelesen habe. Aber das ist halt das über was ich schreiben will und wahrscheinlich auch das, was im am Besten kann. So gesehen liegt also wieder die Korrierarbeit an der „Absturzgefahr“ vor mir und ein paar Gedanken für das nächste Buch habe ich auch schon im meinem grünen Telecom Notizbuch und die sind, wie ich fürchte, auch nicht so neu. Die fünf oder sechs Wünsche der „Radiosonate“ kann man darin finden, die beiden Schwestern von denen eine durch Österreich fährt, die anderen ihre Bücher liest und dann kann noch eine Therapiestation oder ein Seniorenheim eine Rolle spielen. Mal sehen, das ist noch nicht so ausgereift, das kann noch anderes werden. Denn eines gelingt mir jetzt ein bißchen besser. Das Zeitlassen. Erst einmal die „Absturzgefahr“ in Ruhe fertigkorrigieren und dann zum Nächsten gehen. Ich weiß, spätestens ab diesen Zeitpunkt werde ich schnell und ungeduldig und haste mit einer vielleicht unfertigen Idee davon. Da wäre ein Schreibcoach gut. Aber den habe ich erstens nicht, zweitens gilt solches immer noch für unprofessionell. Das Literaturgeflüster soll oder kann aber vielleicht ein Schreibcoach für andere sein. Wenn es jemanden gibt, dem meine Schreibgedanken weiterhelfen, soll mich das freuen. So gesehen passt die Dreiteilung auch sehr gut. Denn irgendwie, ich weiß auch nicht warum, ist das zu Veranstaltungen gehen, sehr wichtig für mich und das, was ich schon seit dreißig Jahren mehr oder weniger intensiv betreibe. Dadurch entdecke ich die neuen Literaturtalente, kenne mich und das möchte ich schon behaupten, in der Gegenwartsliteratur gut aus, obwohl ich manchmal denke, das kann auch nicht alles sein und ich darf nicht auf mich vergessen. Denn was nützt es, wenn ich die Arbeiten der Cornelia Travnicek, der Andrea Winkler, Valerie Fritsch, Angelika Reitzer ect gut kenne und sie kennen mich nicht.
Das stimmt seit ich das Literaturgeflüster betreibe auch nicht mehr so ganz und das ist ein Vorteil des Bloggens, den ich durchaus nützen will. Daß das Lesen mich schon immer sehr gereitzt hat und, daß unterm Weihnachtsbaum in der Wattgasse immer Bücher der Wiener Kinderfreunde und der Büchergilde Gutenberg gelegen sind, habe ich schon geschrieben. Daraus habe ich die Idee entwickelt eine Intellektuelle zu werden und habe inzwischen zwischen fünf- und sechstausend Bücher und die offenen Bücherschränke, die für mich ja auch ein Gottesgeschenk sind. Aber darüber werde ich in einem eigenen Artikel schreiben, wenn es über die Bücherjahresrückschau geht.

2010-12-24

24. Dezember

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:47

Weihnachten ist herangekommen, wir sind wieder in Harland. Gestern Abend sind wir hergefahren, vorher gabs vier mehr oder weniger starke Praxistage. Am Montag habe ich mich bei KIK neu eingekleidet. Am Dienstag gab es wieder Maroni und Kartoffel im Haus der Energie. Am Mittwoch habe ich mich mit der Anna auf die Mariahilferstraße getroffen und ihr ihr Weihnachtsgeschenk, einen CD Player gekauft. Den Rest des Tages habe ich mir sozusagen selber ein Weihnachtsgeschenk gemacht und den bei Klaudia Zotmann gewonnenen Krimi „Chuzpe“ gelesen und besprochen, während ich am Donnerstag beim Lidl Milch und Karotten kaufen war und alles für das Weihnachtswochenende in Harland vorbereitete.
Auf dem Weg aufs Land gabs ein schönes Weihnachtskonzert mit den klassischen Weihnachtsoratorien und bei den Schwiegereltern ein Gläschen Sekt. Den vierundzwanzigste Dezember faul dahin gebracht oder auch nicht. Denn mit dem Korrigieren der „Absturzgefahr“ gehts erstaunlich gut. Ich bin durch, jetzt kommt die Endfassung, also das Ganze solange durchgehen, bis ich keine Fehler mehr finde. Was erfahrungsgemäß gegen Schluß ein wenig mühsam werden kann.
Da es taut, habe ich versucht nach der mittäglichen Gemüsesuppe Rad zu fahren. Das ging aber nicht sehr gut, da noch etwas Eis auf den Traisenwegen liegt. Um halb vier kam die Anna, um fünf gings los mit der Bescherung bei den Schwiegereltern. Der Christbaum war geschmückt, ein paar Kerzen brannten, die Anna teilte die Pakete aus. Badekonfekt von der Firma Lush von der Anna, vom Alfred den Arche Literaturkalender, ein Klassiker, den ich ziemlich vollständig besitze und zwei Bücher. Grass „Grimms Wörter“, die ich mir wünschte und dann noch von der Bibliothek der Provinz bzw. der Enzyklopädie des Wiener Wissens des Hubert Christian Ehalts einen Band über Franz Hebenstreit. Von den Schwiegereltern gab es einen Karton Lindor Kugeln, hundert Euro und ein namensgeschmücktes Badetuch aus Ungarn.
Dann gab es Zander mit Kartoffelsalat, Wein und Kekse. Neun Kilo in drei Sorten haben die Schwiegereltern in den letzten Tagen hergestellt, jetzt sind sie müde, dem Schwiegervater wurde auch etwas schwindelig und Weihnachten ist schon fast vorbei.
Gestern habe ich während des Korrigierens ein paar der Weihnachts-CDs durchrennen lassen und im „Tag für Tag“ gab es eine Sendung übers Singen. Aber das praktizieren wir nicht sehr. Die Anna sitzt beim Fernsehen unten. Ich habe vor nach meinem Blogeintrag mit dem Günter Grass im Badezimmer zu verschwinden und wie geplant fehlen mir noch sechs Artikel bis zum Sechshunderter. Obwohl ich ja nicht täglich etwas schreiben will, juckt es in den Fingern, das bis zum einunddreißigsten Dezember hinzubringen und das Jahr mit einer runden Artikelzahl zu beenden.

Aber worüber schreiben? Veranstaltungen gibt es wieder erst ab den Zehnten. Ein paar Bücher habe ich im Schlafzimmer liegen, über mein Schreiben kann ich noch berichten und natürlich kommt ein Jahresrückblick mit der Bücherzahl, die ich gelesen habe und da war ich dieses Jahr dank leselustfrust, dem offenen Bücherschrank und einiger anderer Umstände höchst aktiv und habe so an die achtzig Bücher gelesen, also doppelt so viele wie im letzten Jahr.
In Wien warten noch viele für das nächste Jahr, trotzdem hat mir Haymon schon die Frühjahrsvorschau geschickt, davon habe ich mir den neuen Ludwig Laher und den neuen Gustav Ernst ausgesucht und meine Büchertips abgegeben. Ich könnte ja viele Bücher nennen, die ich gerne lesen will, da ich aber ohnehin so viele ungelesene habe, halte ich mich zurück und was die Dorothee Elmiger und „Die Einladung an die Waghalsigen“ betrifft, die sie beim letzten Bachmannpreis vorstellte und damit den Aspekte Literaturpreis gewonnen hat, die liest am 20. in der Hauptbücherei. Da habe ich versucht den Otto Lambauer und den Alfred darauf aufmerksam zu machen und dem Alfred auch gesagt, daß ich das Buch gern haben will.
Inzwischen habe ich aber eine Einladung zu einer Neujahrsfahrt in eine Strickwarenfabrik in die Slowakei bekommen und von der letzten kostenlosen Werbereise nach Ungarn weiß ich, daß sich dann die Lesung in die Hauptbücherei nicht mehr ausgegangen ist. In den letzten Tagen gab es einen regen Mailwechsel mit Anton Blitzstein, der im Jänner eine Ausstellung hat, die ich mir vormerkte. Ansonsten ist schon das Alte Schmiede Programm für Jänner da, wo es einige Textvorstellungen gibt.
Aber noch ist Weihnachten. Das letzte Adventkalenderfenster ist geöffnet. Jetzt gibts noch ein Feiertagswochenende, dann zwei Arbeitstage in Wien und einen Besuch bei der Ingrid Kraus, die uns in diesem Jahr am 6.Jänner besucht hat. Einen Weihnachtsmann zum Aufziehen, der mit „Dschingel Bells“ durch die Gegend rasselt, den meine Mutter vor vielen Jahren einmal der Anna schenkte, gibt es auch, den werde ich noch in Bewegung setzen, bevor ich schlafen gehe.
Frohes Fest wünsche ich allen und wer ein kritisches Gedicht dazu haben will, den verweise ich auf das Archiv vom letzten Jahr!

2010-12-23

Chuzpe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:51

Andreas Pittler dreht mit seiner Bronstein-Saga das Rad der Geschichte zurück. Handelt doch Teil 1 „Tacheles“ im Sommer 1934, „Ezzes“ im Juli 1927, beim dritten Band „Chuzpe“ ist er im November 1918 angelangt und die Monarchie zerfällt.
Die jüdische Herkunft des Polizeimayors David Bronstein wird in den ersten zwei Teilen wohl eine größere Rolle spielen, hier kommt der Antisemitismus nur an einer einzigen Stelle vor, dort wo Mayor Bronstein in das Bezirkskommissariat in die Franzensgasse geht und vom dortigen Revierinspektor als „Itzig“ bezeichnet wird, worauf er sich als Protestant vorstellt.
Der Roman spielt zwischen dem 7. und dem 13. November 1918 und beginnt mit einem Alptraum. Mayor Bronstein liegt in seiner kalten Dornbacher Wohnung, erlebt aber immer noch die Giftgasattacke vor Tarnow Gorlice, der er mit Mühe entkam, wacht schweißbegadet auf und befindet sich in einer Welt, wo er nicht weiß, ob er jetzt kaiserlicher oder republikanischer Polizeibeamter ist.
Alles ist im Umbruch, es ist ein kalter Winter, es gibt nichts zu essen und zu heizen, die spanische Grippe hat Wien erfaßt und David Bronstein rennt durch die Wiener Straßen, da der Strom abgeschaltet ist und die Straßenbahn nicht fährt.
Der Weg von seiner Dornbacherwohnung, die günstig zum Holzsammeln ist, bis zum Polizeikommissariat ist weit, dazwischen läuft er noch zu seinen Eltern, da es ja noch nicht viele Telefone gibt und der Vater die spanische Grippe hat. Zwei Fälle hat er auch aufzuklären. Ist doch einerseits sein ehemaliger Kompaniechef, der der das Kommando von Tarnow Gorlice hatte, verschwunden, andererseits wurde in der Redergasse die Leiche einer erwürgten Zwanzigjährigen gefunden.
Mayor Bronstein tut was er kann, befragt den Tapezierermeister, geht in die Wohnung der Ermordeten und forscht deren Liebhaber aus. Dazwischen trifft er im Cafe Herrenhof auf Egon Kisch, Franz Werfel, der später vor der Universität steht und „Nieder mit der Monarchie!“, schreit und die wunderschöne rothaarige Revolutionärin Jelka, die ihn „Kieberer“ nennt und ihn in ihrem Bett schlafen läßt.
Man lebt nur von Erdäpfelschmarrn und Schnaps und nur im Parlamentsrestaurant gibt es gefüllte Truthahnbrust, Hirschragout und Prager Schinken, aber das kann sich ein gewöhnlicher Polizeimayor nicht leisten.
Zeit gibts dagegen genug und so verfolgen wir den Tagesablauf von Mayor Bronstein sehr genau, erleben ihn, wie er von der Wohnung seiner Eltern, zum Vater der ermordeten Modistin geht, dazwischen im Kaffehaus sitzt, am Abend mit Jelka säuft und tagelang nicht in seine Wohnung kommt. Als er ziufälligerweise am Sonntag doch dort ist, wird er von seinen ehemaligen Regimentskameraden in den Wald gebracht, die den ehemaligen Kompaniechef entführt haben und hinrichten wollen. Mayor Bronstein begnadigt ihn aber, nicht ohne ihm vorher eine hinunterzuhauen, genauso wie er zwei ums schlechte Brot streitende Frauen zu einem besseren verhilft und sich am Schleichweg für den kranken Vater von seinem Untergebenen Pokorny ein Hendl organisieren läßt.
Am elften November dankt Kaiser Karl ab, die Monarchie zerfällt, Bronstein hat Dienst im Parlament, wo er Zugang zu den Luxusgerichten hat, aber auch beobachtet, wie die Revolutionäre mit den roten Fahnen anrücken, die neue Regierung sich verschanzt, herausschießen läßt und die vielen Leichen, die der Republiksbeginn forderte, verleugnen läßt. Einen großen Teil der Zeit verbringt Mayor Bronstein auch mit Zeitungslesen. So werden wir in das Jahr 1918 eingeführt und erfahren was dort verknüpft mit einem Kriminalfall wirklich passierte.
Andreas Pittler wurde 1964 in Wien geboren, wo er Geschichte und Politikwissenschaften studierte und sich dem Journalismus zuwandte. Seit 1985 veröffentlichte er dreiundzwanzig Sachbücher meist historischen Inhalts und der Roman führt einen auch sehr lebendig in die vergangene Zeit. Es gibt ein Glossar zur Erklärung der Dialektausdrücke. Die Sprache ist deftig, der Alltag in dem hungernden Wien wirkt lebendig erzählt. Ein paar Details scheinen nicht zu stimmen, so ist die ermordete Modistin römisch-katholischer Konfession heißt aber Hannah Feigl, obwohl man sie ohnehin nur Hannerl oder Hanni nennt.
Das dann von der Frau Feigl gesprochen wird, solte man in einer zweiten Auflage vielleicht in das damals sicher übliche Fräulein verändern, ansonst ist die Idee sicher interessant Geschichte in einen Krimi zu verpacken, da liest sie sich viel spannender.
Interessant war für mich auch, das das Ganze in Gegenden spielt, die ich gut kenne, daher Mayor Bronsteins Wege durch Wien gut nachvollziehen konnte. So erschien mir das Jahr 1918 sehr lebendig, allerdings weiß ich natürlich nicht, ob es die beschriebenen Lokale damals schon gegeben hat und ob jemand aus Hamburg beispielsweise, die Dialektpassagen versteht, ist mir ebenfalls nicht klar. Die Hausmeister werfen aber mit tschechischen Schimpfwörtern um sich und so wirds damals schon gewesen sein.

2010-12-22

Calling

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:26

Jetzt die zweite (Kriminal)geschichte des Meistererzählers Michael Köhlmeier „Calling“ aus dem Deuticke Verlag, die sich bei mir angesammelt hat und die ich mir zu lesen vorgenommen habe. Über „Dein Zimmer für mich allein“ habe ich schon geschrieben. „Calling“, das wie im Klappentext steht, auf einer wahren Begebenheit ruht und auch an der Wienzeile spielt, in einer Dachwohnung gegenüber dieser schönen Jugendstilhäuser, wo die „grünspanüberzogenen, fünfmal lebensgroßen Frauenfiguren am Dachrand des goldenen Hauses, die Hände wie Trichter vor dem Mund halten , stumm in die Stadt rufen und nie damit aufhören, so daß man sich fragt, wer es zuläßt, daß solche Verzweiflung als Schmuck auf Hausdächer gestellt wurde?“
Früher habe ich Michael Köhlmeier gelegentlich in der Kettenbrückengasse gesehen, vielleicht hat er also selber eine solche Dachwohnung. In der im Buch beschriebenen, wohnt die zweiundvierzigjährige Elisabeth Muhar, Spezialistin für Jazz bei Ö3 oder so, die ist von Harry, dessen Vater ihr die teure Dachwohnung zur Verfügung stellte, geschieden, weil Harry sie sechs oder sieben Mal betrogen hat, wird von ihm aber regelmäßig besucht. Danach pflegt er sie immer anzurufen und sich für die schönen Stunden zu bedanken.
Als das Telefon diesmal klingelt, ist es nicht Harry, sondern ein Mann, der behauptet Harry in der Telefonzelle als Geisel genommen und mit einer Pistole bedroht zu haben. Harry würde vor dem Anrufer am Boden knien und sich vor Angst anbrunzen und Elisabeth soll mit dem Anrufer sprechen. Was macht man in einer solchen Situation?
Das ist der Ausgangspunkt einiger psychologischer Studien und Michael Köhlmeier spielt auch brillant auf der Tastatur der Gefühle. Gelegentlich erzählt er ein bißchen aus Elisabeths Leben, so daß wir die Geschichte auch verstehen können, ansonsten läßt er uns eintauchen in die Gedanken und Phantasien von Opfer und Täter.
Der Anrufer behauptet Elisabeth sei für Harrys weiteres Schicksal verantwortlich und dürfe sich nicht falsch entscheiden, behauptet auch, er würde alles über sie wissen, fragt sie über ihr Leben aus und erzählt ihr eine Geschichte von einem Entwicklungshelfer in Afrika.
Elisabeth versucht sich dagegen einen Plan zurechtzulegen, schreibt auf einen Block ihren Namen, bittet die Polizei zu rufen und läutet damit bei der Nachbarin. Es öffnet die kroatische Putzfrau, die nicht lesen kann. Später erscheint die Nachbarin und wird kurzfristig selbst zur Geisel, bis Elisabeth sie hinauschmeißt. Das tut der Geiselnehmer inzwischen auch mit Harry. So daß der kurz darauf an ihrer Türe läutet. Elisabeth öffnet jedoch nicht und geht auch nicht zum Telefon, als Harry sie aus der Nachbarohnung anzurufen versucht. Schließlich verläßt sie selbst die Wohnung „schritt eilig in den Vierten Bezirk hinein, bis zur Wiedner Hauptstraße und dann weiter bis zum Gürtel, ging am Gürtel entlang bis zum Westbahnhof und weiter bis zur U-Bahn-Station Alserstraße. Dort setzte sie sich auf eine Bank.“
„Mit einer faszinierenden Mischung aus Detailrealismus und kalkulierter Künstlichkeit gelingt es Köhlmeier eine Atmosphäre zerbrechlicher Initmität heraufzubeschwören“, schreibt die Tageszeitung, München auf der Buchrückseite.
Ich habe es psychologisch interessant gefunden und denke, daß es wahrscheinlich wirklich Michael Köhlmeiers Spezialität ist, sehr beklemmende Geschichten aufzuschreiben, die im ersten Moment fast ein wenig irritierend erscheinen und auch Abwehr erzeugen können.Schließlich geht das Thema ja sehr nah und man weiß auch nicht, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde.
Michael Köhlmeier ist, glaube ich, auch ein Vielschreiber, stoße ich doch immer wieder auf einen Text von ihm, von dem ich noch nichts gehört habe, ein Kaffeehausliterat und ein Märchen und Bibelerzähler, ein Jazzmusiker oder Jazzspezialist, ist er glaube ich auch.

2010-12-21

21. Adventkalenderfenster

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:26

Am Schlafzimmertisch liegen neben einigen Adventdekorationen, die Weihnachtsbücher und das was man von den karikativen Organisationen zur Adventzeit neben den diversen Zahlscheinen zugeschickt bekommt. Weihnachtsbillets, obwohl man heute kaum mehr was mit der Post verschickt, Geschenkaufkleber und ein „Schöner schenken-Katalog“, der arsededition, wo es glänzend aufgearbeitet, die besten Tips zu Tannenduft und Kerzenschein gibt. Neben den schon gelesenen Weihnachtsbüchern liegt seit gestern das Weihnachtspäckchen der Klaudia Zotzmann da, das ist wirklich prompt und verläßlich gekommen und war auch weihnachtlich verpackt. Joachim Ringelnatz „Weihnachten“, ein Insel Taschenbuch, das ich vor einigen Jahren von meinem lieben Psychologie Kollegen Wolfram Huber bekommen und gelesen habe und ein besonderer Oldie, nämlich eine „Deutsche Weihnachten“ genannte Auslese von Gedichten, Erzählungen und Spielen in zwei Teilen dargeboten von Karl Lustig mit Illustrationen von Ludwig Richter, aus der deutschen Hausbücherei, herausgegeben vom österreichischen Volksbildungsamte, bzw. österreichischen Schulbücherverlag 1922. Natürlich wieder ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, in dem man, wenn man historisch interessiert ist, spannende Sachen finden kann. Der Umschlag wirkt mit den grün weißen Ornamenten gar nicht so weihnachtlich. Die Richter Illustrationen sind mir bekannt aus dem Grimmschen Märchenbuch. Drinnen sind Geschichten und Gedichte, die man zum Teil wahrscheinlich noch in den heutigen Schulbüchern finden kann. Das habe ich mir vorhin mit dem „Schöner schenken-Katalog“, der natürlich illustrorisch viel mehr hergibt und viel glänzender ist, vorhin in die Badewanne mitgenommen und darin geschmökert. Leider ist der Katalog ein bißchen naß geworden und muß jetzt trocknen. Das schöne alte Buch, das vielleicht schon meine Eltern, die 1922 in die Schule gingen, in Händen hatten, bliebt unversehrt und gestern habe ich außer Klaudia Zotzmanns Weihnachtsgabe, auch noch ein paar Geschenke von meinen Klienten bekommen. Eine brachte ein hölzernes Kirchlein, das man beleuchten kann, eine andere die guten Lindt Mini Bonbons und eine Flasche Sekt. Dazu passt schon die Einladung zu Silvester zu Hilde Schmölzer zu kommen und mit ihr und Lidio Mosca-Bustamante ins neue Jahr zu gleiten. Ich habe, da sich gestern doch jemand gemeldet hat, der „Mimis Bücher“ gewinnen wollte und ich auch Klaudia Zotzmann als Dank für ihren schönen Adventkalender, den meinen aus den „Best of – Geschichten“ schicken wollte, beide Bücher zur Post gebracht und weil ich kaum mehr Hosen und Pullover für den Winter hatte, mich bei KiK für das Fest eingekleidet. Man könnte auch sagen, ich habe mir zwei Jeans, sowie zwei Tops gekauft und bei „Echt günstig“ auch noch eine beige Mütze für den Winterspaziergang auf die Rudolfshöhe.
Klaudia Zotzmann hat inzwischen Annis Bürkls zweiten Teekrimi verlost und das Schaf dafür ausnahmsweise in ein Teegeschäft geschickt und wenn man auf literaturcafe.de geht, findet man einen Weihnachtsbeitrag, den ich zuerst für eine Parodie gehalten habe. Da wird nämlich in einem Video in elf Minuten Schritt für Schritt genau gezeigt, wie man ein Buch weihnachtlich verpackt. Man braucht dazu ein Blatt Papier und eine Rolle Geschenkpapier und wenn man die Schleife von der Rolle abschneidet, gibt es keine Reste und wenn der Buchhändler, der das jetzt ja öfter tun muß, auch noch übt, schafft er es dann in ein paar Sekunden. Da sieht man, was sich alles lernen läßt. Im Kurier gabs dazu passend, in der Sonntagsbeilage ein Interview mit dem Buchhändler, der seit 1999 die kleine Buchhandlung in der Alser Straße 39 führt, die immer noch das Fünfzigerjahre Design hat, in dem er viertausendfünfhundert Bücher anbietet. Der muß jetzt wahrscheinlich auch viel verpacken und beraten. Er liest auch selbst sehr viel, wie er im Interview erklärt und meinte ebenfalls, daß nicht alle Bücher, die er jetzt verpackt, gelesen werden. Das ist sicher spannend, wann man diese Weihnachtsgeschenke, dann im Bücherschrank oder auf den Flohmärkten vielleicht noch originalverpackt findet und bei den Bücherblogparaden kann man die drei Bücher nennen, die man zu Weihnachten geschenkt haben will, beziehungsweise nachlesen, was die anderen empfehlen.
Ich habe mich für Dorothee Elmiger „Einladung an die Waghalsigen“, Günter Grass „Grimms Wörter“ und Doron Rabinovici „Andernorts“ entschieden und vermute, daß ich den Grass wirklich bekommen werde. Bei Libromanie, die mich auf diese Aktion aufmerksam gemacht hat, habe ich noch gesehen, daß es auch von Janet Evanovich ein Weihnachtsbuch, nämlich den „Winterwundermann“ aus der Stephanie Plum Serie gibt. Auf Janet Evanovich und ihre Stephanie Pum Krimis bin ich ja im Frühling durch die Plagiatsgeschichte um Jens Lindner gestoßen und habe dann im Bücherschrank, den neunten Krimi in englischer Sprache „To the nines“ gefunden.
Weihnachten und lesen gehört ja irgendwie zusammen, zumindestens für mich, die ich mir nur Bücher wünschen würde. Habe aber auch schon so genug, so daß ich jetzt bald das neue Regal brauche, um die Übersicht über die Bücher, die ich demnächst lesen möchte, nicht zu verlieren. Ansonsten gab es in der letzten Zeit einen Mailwechsel mit Anton Blitzstein und Franz Joseph Huainigg bezüglich des Ohrenschmauses und Stephan Eibl Erzberg hat sich ebenfalls gemeldet und mir ein Weihnachtsgedicht geschickt. Es ist also sehr spannend in den letzten Tages des Advents, wo es schon allendhalben duftet und knistert und man sich bemüht etwas freundlicher zu sein. Mit der Weihnachtsleseliste bin ich durch, bzw. weiß nicht recht, ob ich mit dem Andreas Pittler bis nach Weihnachten warten soll, denn das hat mir Klaudia Zotzmann unter den Christbaum gelegt, den ich gar nicht habe.

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