Literaturgefluester

2017-04-04

Schreiben im Untergrund

Filed under: Schreibbericht,Textbeispiel — jancak @ 22:30
Tags: ,

Heute wieder Schreibgruppe mit Peter Czak, Klaus Khittl oder Gloria G und Doris Kloimstein, die Ruth hat mir gestern oder vorgestern für sich und den Robert abgesagt, weil sie zu einer Preisverleihung mußte, ist aber später doch gekommen und Peter Czak hat das Thema „Untergrund“ oder „Underground“ vorgeschlagen.

Ein anderes hatten wir diesmal nicht, ich, die ich immer noch an meinem „Frühstück“ mehr oder weniger lustlos korrigiere, hatte diesmal keines und zum Thema „Untergrund“ ist mir zuerst einmal nichts eingefallen.

Eine Neuerung hat es diesesmal aber gegeben, an die ich eigentlich schon das letzte Mal dachte, dann im Zuge des Gefechtes aber darauf vergessen hatte, ich habe meinen Text nicht mit der Hand, sondern gleich in den Laptop geschrieben.

Was Vorteile hat, denn ich schreibe ja sehr schnell und werde immer schneller und dann kann ich das Geschriebene nicht mehr lesen und wenn man es auch noch vortragen soll, kommt ein großes Gestotter heraus.

Hat man es im Laptop ist des besser, denn dann kann man gleich korrigieren und das habe ich mir angewöhnt, als ich 2009 meinen ersten „Nanowrimo“ geschrieben habe.

Vorher habe ich darauf geschworen, daß ich für den Rohtext die Hand und die Handschrift brauchte, seither tippe ich immer gleich in den Computer und das geht und bezüglich „Untergrund“ ist mir glaube ich auch ein sehr lustiger Schleifentext gelungen.

„Untergrund, das ist der Boden auf deinen Füßen, auf den du dich begibst, wenn du in das Leben hinausstrebst, auf das Parkett, das glatte, aufpolierte, auf dem es sich so gut ausrutschen und auf die Nase fallen läßt, wenn du nicht aufpasst und einfältig naiv, vielleicht sogar auf hohen Absätzen, deinen Platz im Leben suchen willst.

Dort herumstöckelst auf den highen heels, mit Make up auf den Wangen und dem roten Küßchenmund.

Aber wovon spreche ich, bin ich doch keine Schicki-Micki-Frau, keine glatte aufpolierte, sondern eher die ehrliche Seele, die mit beiden Beinen aufrecht durch das Leben torkelt, Türen aufreißt, die gar nicht verschlossen sind, die holter, die polter mit dieser in das Haus oder aus dem Rahmen fällt.

Die Fettnäpfchentreterin, die Giftmischerin nicht, das nein, das absolut nicht, ganz im Gegenteil und außerdem, ich weiß nicht, ob ihr es merktet, liebe Freunde, weiche ich schon längst vom Thema ab.

Denn dieses war ja der Untergrund, der Boden unter den Füßen oder auch in Neudeutsch-Englisch, the underground und da sind wir in ganz anderen Gefilden und Schicki-Micki, sowie das Herumstöckeln auf den hohen Sohlen hat hier keinen Platz.

Denn der Underground  ist nicht schick und hat auch keinen Opernbalcharakter, sondern ist im Gegenteil, das Außergewöhnliche, Unoffizielle, das halb Legale, dort, wo sich die Außenseiter treffen und die linken Kerle raufen, die jungen Musiker ihre wilden Töne loslassen, die Rapper rappen, die Poetiker slamen und warum, kannst du mir das vielleicht verraten, fällt mir jetzt der Naschmarkt ein?

Ist er vielleicht ein Synonym, ein Nährboden für die unteren Gründe, die enteren, wie es in den älteren Lexika wohl immer noch heißen mag?

Am Naschmarkt treffen sich vielleicht des Nachts die linken Typen, die Sprayer mit den Dosen und verunstalten die schönen neuen Biostände mit ihren Anarchosprüchen.

Dort gibts wahrscheinlich auch die Bettler, die am Boden mit ihren Hüten sitzen und von dir fünfzig Cent oder einen Euro fordern, um sich damit einen Platz in der Gruft zu sichern oder einen in einem billigen Hotel, weil man, wie du weißt und es schon gehört hast, dort nicht mit einem Hund willkommen  ist und der Typ, der mit seinen langen wehenden Haaren und einer speckigen Lederjacke jetzt vor dir steht, hat einen solchen an seiner Seite und ohne den geht er nicht durch die Nacht.

Durch die Nächte ziehst du Schöne, auf deinem Weg durchs Leben, am Parkett des Mainstreams oder auch durch die Naschmarktbuden auf dem Untergrund, auf hohen Absätzen oder auch in flachen Tretern, schleichst du durch die Gegend.

Durch die Gründe, die oberen und unteren, die Parks und Grünflächen, die Städte und die Dörfer, gut geschminkt und aufgetakelt oder auch nur unfrisiert.

Durch die enteren Gründe, Liebchen, Prinzessin deines Herzens und ziehst aus deiner Tasche einen Euro heraus, um ihn mit einem lieben Lächeln dem Hundehalter zu übergeben.

„Schlafe fein, mein Prinz!“, während ich mit meinen flachen Sohlen weitergehe, auf dem Untergrund, durch diese Nacht.“

So, das wars, nachher gabs zuerst ein Schweigen und dann die Frage, war das jetzt eine Themenverfehlung oder wo und wie definiert man den Untergrund?

Doris Kloimstein fielen dazu die U-Bahn ein,  Klaus Khittl war zuerst ganz sprachlos und brachte dann den Satz „Dann ging er in den Untergrund. Und….“ heraus und Peter Czak hatte wieder eine seiner berühmten Teufelsgeschichten und während wir noch darüber diskutierten, warum einem dieses Thema sprachlos macht, läutete es an der Tür und die Ruth kam herein im eleganten schwarzen Kleid und einem gelben Jäckchen von der Preisverleihung zum „Frauenring“, den eine türkische Rapperin, die Filmemacherin Käthe Kratz und noch eine Juristin bekommen hat und es war wieder einmal interessant in der Gruppe zu schreiben und Peter Czak stellte dann auch noch die Frage, ob wir vielleicht auch eine Underground-Schreibegruppe wären?

Dazu ist es nicht weit zur Hobbbydichterin, zu der mich ja mein Kritiker, der jetzt auch einen Blog betreibt, so gerne degradiert.

Das nein, das nicht, aber als ich einmal vor Jahren für die Zeitung „Buchkultur“ interviewt wurde, ging es, glaube ich, auch um das Thema „Frauenschreiben im Untergrund“ und so hätte ich mich damals genausowenig definiert, wie ich meinen Blog dem „Alltäglichen Leben“ zu ordnen wüde, aber zu diesem Thema von Ilse Kilic  einmal mit dem „Literaturgeflüster“ ins Amerlinghaus eingeladen wurde.

Interessant, interessant, dazu gab es diesmal Linzer Torte von Doris Kloimstein, Klaus Khittl brachte seinen Lieblingsprosecco mit und Peter Czak drei Bier und ein Säckchen mit Pistazien.

2017-03-07

Dialog schreiben lernen

Heute wieder Schreibgruppe zum zweiten Mal bei mir im Wohnzimmer und da war ich eigentlich überzeugt, daß gar keine Leute kommen werden, denn erstens ist die Gruppe inzwischen ja sehr klein und zweitens haben wir das letzte Mal den Termin vom Donnerstag auf den Dienstag verlegt und dann stellte sich heraus, daß ja heute eigentlich die große GAV-Veranstaltung „Lyrik im März“ standffindet und so habe ich vorige Woche ein diesbezügliches Mail von der Ruth beommen, die mich auch fragte, ob ich alle Teilnehmen auch noch einmal erinnert habe?

„Nein!“, habe ich gesagt. „Aber du kannst das gerne machen!“

Das wollte sie dann auch nicht und am Sonntag hat mich  der Robert angerufen und ebenfalls nachgefragt, ob die Gruppe stattfindet.

„Natürlich!“, habe ich geantwortet.

„Ich stelle eine Flasche Wein auf den Tisch und warte, ob wer kommt und dann können wir auch die Leute fragen, ob man sie vorher erinnern muß und wer das tun soll?“

Heute bekam ich dann ein Mail von der Doris Kloimstein, daß sie krankheitshalber nicht kommt.

„Uje, uje!“, habe ich gedacht und  auch kurz, daß ich als Thema den „Frauentag“ vorschlagen könnte und dann sind auch alle gekommen, der Robert, die Ruth, der Klaus Khittel und diesmal sogar, seit langem wieder der Peter Czak.

Robert hat wieder eine Flasche Wein,  Ruth, Bananenchips und getrocknete Ananas mitgebracht und Klaus Khittl, hat meine „Berührungen“ sehr gelobt, aber auch gemeint, daß die DDialogenialoge noch nicht stimmen.

„So spricht ja keiner!“, hat er gemeint und das stimmt, daß ich mit den Dialogen Schwierigkeiten habe. Das heißt, das ist jetzt schon viel besser geworden, denn in meinen Bücher gibt es ja solche (mit sehr vielen „sagte sie“, „sagte er“).

Aber ich kann mich an das Jahr 2000 und an die Schreibgruppe der Gewerkschaft mit der Evelyn Haas erinnert, wo wir auch einmal dieses Thema hatten und ich bin gesessen und gesessen und habe am Ende zwei oder drei kurze Sequenzen herausgebracht und an ein Schnupperworkshop beim Writerseminar kann ich mich auch erinnern, wo eine Teilnehmerin, einen sehr fetzigen Dialog zusammen brachte, der nur aus „Ja!“- „Nein“, bestand, während die anderen, mich einbegriffen, herumgeschwafelt und herumgeschwafelt habe.

„Dialog schreiben!“, kann man lernen hat der Klaus noch gesagt und ich habe ihm geantwortet.

„Dann nehmen das heute als Thema!“

Es gab noch eine kurze Diskussion, ob alle damit einverstanden waren und landeten dann beim „Streitgespreäch“ und ich bin dagesessen und dagessessen und habe wieder nicht gewußt, wie ich es beginnen soll.

Dann habe ich „Hearst kannst net aufpassen?“, geschrieben und bin wieder dagesessen, bis ich mich entschieden hatte, das Ganze in der U-Bahn spielen zu lassen, in der U-4 nach Hütteldorf, kurz vor der Station Hietzing.

Ich sitze da,  blättere in der U-Bahnzeitung und ein alter Herr im Lodenanzug schreit einen jungen Flüchtling, einen Syrier oder Afghanen vielleicht, an „Hearst kannst net aufpassen, depparter Ausländer?“, vielleicht ist er ihm auf die Zehen getreten oder hat ihn angerempelt und der Junge schaut ihm treuherzig an, läßt seine Zähne blitzen und sagt dann „Du krank, friend, weil so böse schauen?“ und hält dann nach und nach einen Dialog an das schöne Österreich, wo die Leute doch so reich, aber auch so unfreundlich sind. Vielleicht weil es so kalt, viel Regen und Schnee und die Sehnsucht nach der Mama in Kabul ist auch da.

Der Herr im Lodenmantel gibt  noch einmal eine Replik, dann fährt die U-Bahn in die Station Hietzing ein. So gibt er dem Jungen mit den blitzenden Zähnen schnell auch noch einen Rempler und stürzt aus der U-Bahn hinaus und der Junge bleibt stehen, schaut fragend in den U-Bahnzug  und die Passanten an und sagt dann „Was hat alter Mann? Warum ist er so traurig? Österreich ist doch schönes Land! Das werde ich heute beim Telefonbieren Mama sagen, daß Menschen hier nicht fröhlich sind!“

Bis ich soweit war, das ist jetzt eine Kurzzusammenfassung, habe ich den Text dreimal ausgebessert, bis ich das Pidguin Deutsch des jungen Afghanen namens Abdul hatte.

Zuerst hielt er seinen Monolog in sehr komplizierten, unrealistischen Sätzen und dann hörte ich noch dem „Verstehst mi – du verstehst mi net!“, Dialog von Klaus Khittel zu.  Peter Czak brachte ein Gespräch zwischen Sohn und Vater in einem Restaurant, das dann der Sohn aufgeregt und verärgert verläßt.

Robert wählte für seinen Konflikt den Frauentag, der ja morgen gefeiert wird und die Ruth brachte ihre autobiografischen Erlebnisse bezüglich eines Bibliotheksdienstes zu dem sie sich gemeldet hat, ihn aber nicht wirklich halten wollte

Wieder  wurde konstruktiv kritisiert. Das war ja ein Vorschlagvon Klaus Khittel, den er in der Dezemberrunde eingebracht hat und er ist da sehr liebevoll, aber auch sehr kompetent und so habe ich bei der heutigen Runde wieder viel gelernt, obwohl ich  nicht aktiv an einer aktuellen Romanszene geschrieben habe, denn da korrigiere ich ja  noch am „Frühstück“, jetzt bin ich wieder in dem Stadium, wo ich mir das Ganze, das ich eigentlich schon für ziemlich fhlerfrei hielt, laut vorlese und dann Fehler um Fehler.

Korrgieren Sie mal schön!“, hat mein Kritiker Uli am Freitag gemeint „Aber halten Sie sich um Himmels Willen nicht an die geltende Rechtschreibordnung, sondern an Ihre eigene. Es könnte sonst ja noch ein fehlerfreier Text dabei herauskommen!“

Und mit dem habe ich mich ja in den letzten Tagen nicht sehr konstruktiv herumgestritten, beziehungsweise im Kreis geschrieben.

So war die heutige Schreibgruppe, die wahrscheinlich nicht mehr „Westbahn spontan“, weil sie jetzt ja in der Krongasse stattfindet, heißen kann, wieder sehr aufbauend und wirklich lehrreich,

Auch, daß am Ende soviele verschiedene Texte herausgekommen sind und im April wird es dann wieder am Dienstag weitergehen. Danach wahrscheinlich auch nicht mehr am Donnerstag, was ja auch für mich sehr gut passt, weil wir hier öfter auch nach Harland fahren.

2016-12-30

Weiter mit dem Blogroman

Da ich  mit der „Liebe vun Tod auf Bali“ nicht so schnell weiterkomme, gibt es hier noch ein Stück aus der „Nika, Weihnachtsfrau“

Mehr darüber und die bisherigen Kapitel ist hier nachzulesen 1 5 19 25 29

„Mittwoch, 30.Dezember

Nika hatte es, nachdem ihre Einkäufe erledigt waren, wirklich auf die Mariahilferstraße getrieben und nun lagen eine rote Strickmütze und ein Paar dazu passende Handschue auf ihrem Gabentisch. Sie konnte zufrieden sein und sich freuen, denn die würde sie gleich morgen ausprobieren, wenn sie mit Harland ins „Jazzland“ gehen und mit ihm Joe Prohaskas und Doro Zelinkis Verlobung feiern würde. Was zwar keine wirkliche Überraschung war, aber doch ein bißchen aufregend, wie es auch die Nacht gewesen war, die sie in Harals Junggesellenwohnung verbracht hatte. Die groß war und geräumig und mit ihrer Studentenbude nicht im geringsten zu vergleichen, von der sie eben erst nach Hause gekommen war. Harald war in die Redaktion gefahren und hatte von dem Jahresrückblick gesprochen, an dem er arbeiten würde. Darin würde auch der Tote au Veras Klo und Joe Prohaskas Verlobung Erwähnung finden.

„Denn das interessiert die Welt, liebe Nika! Alles ist gut ausgegangen! Deine Schwester kann aufatmen und erleichtert sein!“, hatte er gesagt. So war es und die Geschenke, die dieses Weihnachtsfest mit sich gebracht hatten, waren auch nicht zu verachten! So konnte sie nicht klagen und sich nicht beschweren und würde morgen in der schwarzweiß gestreiften Hose und dem dazupassenden Pullover, das rote Mützchen auf dem Kopf, an Haralds Seite im „Jazzland“ auftauchen, das Jessica ausgesucht hatte, die Widerlich Seidlers Worte, daß das Kaufhaus keine Kinderaufbewahrungsstelle sei, überhört hatte. Beziehungsweise auf ihrer Mutter ängstlichen Blick „Keine Sorge, Mama, ich bin in wichtiger Mission unterwegs! Da kann dein Chef nicht schimpfen“ Muß ich doch für die Weihnachtsfrau ein Geschenk aussuchen!“, sagte und treffsicher auf die rote Strickmütze zeigte, die es in Roberta Meisels Abteilung zu finden gab.

„Probieren Sie die doch an, sie passt, wie angegossen!“, behauptete sie, als würe sie die beste Verkäuferin.

„Dann brauchen wir noch Handschuhe und die finden wir bei der Mama! Da kann dein Chef doch nichts dagegen haben, wenn die Weihnachtsfrau ihren Geschenkgutschein einlöst!“, hatte sie mit einem Blick auf Frau Meisel gesagt und der Mutter ängstliche Worte, daß die ihre Vorgesetzte sei, fröhlich überhört.

„Ich habe auch eine wichtige Aufgabe, denn ich muß für Onkel Max einkaufen, der Brot, Milch und Joghurt braucht, bin daher gleich verschwunden und störe nicht mehr länger!“, hatte sie noch ausgerufen und Frau Meisel war nichts übergeblieben, als süßlich zu bestätigen, daß Nika die Mütze gut stehen würde und zu Dragana Nikolic sagte sie, daß ihre Tochter ein liebes Mädchen sei.

„Siehst du, Mama!, hatte Jessi triumphierend ausgerufen und war mit einem wichtigen Gesicht weggerannt. Nika hatte sich bei Dragana Nikolic die passenden Handschuhe ausgesucht, die zwanzig Cent, die sie von ihrem Gutschein zurückbekommen hatte, eingesteckt und der Verkäuferin noch einmal „Alles Gute!“, gewünscht.

„Ihnen auch ein gutes neues Jahr!“, hatte die geantwortet und versichert, daß sie sich freue, wenn Nika wieder zu Ostern oder zu Weihnachten hier arbeiten würde“

„Aber ich weiß schon, es ist viel besser, bis dahin einen Job als Lehrerin oder Lektorin zu haben, aber das ist wahrscheinlich nicht so leicht!“, hatte sie noch zweifelnd hinzugefügt. Nika hatte „So ist es!“, geantwortet. Die Mütze und die Handschuhe gleich angezogen und war damit in Haralds Redaktion gefahren, um ih n abzuholen. Dann hatte sie die Nacht in seinem Junggesellenparadies verbracht und nun war sie nach Hause gekommen, um noch ein bißchen aufzuräumen, beziehungsweise sich auf Silvester einzustellen und überlegte, ob sie Ruth und Vera anrufen und ihnen von Joe Prohaskas Verlobung erzählen sollte? Das dann aber unterlassen, weil Laura Augustin bei ihr geläutet hatte und sich schüchtern erkiundigte, ob sie Lust habe, bei ihr eine Tasse Kaffee zu trinken?

„Habe ich, Frau Augustin, habe ich!“, hatte Nika fröhlich geantwortet, nach dem noch vorhandenen Weihnachtsstollen von Dragana Nikolic gegriffen und „Den Kuchen spendiere ich dazu!“, hinzugefügt.“

Die restlichen Mosaikstückchen wird man nach und nach hier  finden können und sind auch im Buch nachzulesen.

2016-12-29

Doch noch ein Adventkalenderfenster

Da es mit dem Lesen meines Vicki Baum-Schwerpunkts doch nicht so schnell geht, kommt jetzt noch ein Kapitel, meiner „Nika, Weihnachtsfrau“ oder, wie ich das ja immer nenne, dem dritten Teil meiner „Flüchtlingstrilogie“, im vorigen November während des „Nanowrimos“ geschrieben.

Ein Adventkalender, von der Nika, Weihnachtsfrau, der Germanistikstudentin, die sich was dazu verdient, in dem sie im Dezember im roten Samtanzug und Mütze auf der Mariahilferstraße steht und aus einem Sack Zuckerln an Kinder und Flyer an Erwachsene verteilt und weil ich ja sehr schnell und sehr kurz im Schreiben bin, mußte ich es über den ganzen Dezember hinziehen, damit sich die fünfzigtausend Worte, die man ja beim „Nano“ haben muß, zusammen kamen.

Ich wiederhole es vielleicht für meine neuen Leser. Die Idee über eine Weihnachtsfrau zu schreiben ist mir ja schon 2013 bei den „Dreizehn Kapitel“ gekommen. Da gibt es schon eine „Weihnachtsfrau “ und ich habe im darauffolgenden Dezember, auch ein paar diesbezügliche Artikel geschrieben.

Zu der Nika ist es aber erst 2015 gekommen, obwohl ich in der Schreibgruppe 2014 auch schon einen solchen Text schrieb und weil man ja aus der Nika, die als mein, ich glaube, vierzigstes Selbstgemachtes erschienen ist, ja, wie man sieht auch sehr gut einen Blogroman machen kann, kam dann auch die Idee, immer wieder Kapitel aus dem Buch hineinzustellen.

So gibt es mit dem Probekapitel, wo man den 1. Dezember lesen kann, schon den 5., den 19. und den 25.

Eine Vorstudie mit einer anderen Perspektive gibt es zum 5. Dezember auch und am 17. Dezember habe ich das Buch im Vorjahr im „Read!!ingroom“ vorgestellt und dazu passend, den ersten und den siebzehnten Kapteil gelesen.

Jetzt gibt es also auch noch den 29. Dezember und von Jahr zu Jahr kann und soll es mehr werden, bis man dann eines Tages vielleicht das ganze Buch hier finden kann, wenn ich nicht, so wie heuer, zuviel mit dem Auflesen meiner Bücherliste beschäftigt sein werde.

Hier noch die Links zur „Vorschau“ und zur „Buchpromotion“, wo es ja immer die Schreibberichte und das Gewinnspiel, sowie die diesbezügliche Auflösung gibt und noch ein kleiner Hinweis, da das Buch im Jahr 2015 spielt, wo es auch geschrieben wurde, ist der 29. Dezember ein Dienstag.

„Dienstag, 29. Dezember

Es hatte nicht nur wahlweise Gulasch oder Gemüsestrudel und als Nachtisch wieder Weihnachtskekse gegeben, jeder Mitarbeiter hatte auch noch ein kleines Päckchen von der Assistentin des Direktors und von diesen  einen warmen Händedruck bekommen, in dem sich, wie erwartet, ein halbes Kilogramm Kaffee, ein Lebkuchenherz, sowie ein fünfzig Euro Gutschein befunden hatte. Widerlich Seidler war plötzlich wieder neben ihr gestanden und hatte genauso widerlich, wie immer „Na, da freuen Sie sich aber Frau Magister, zu ihr gesagt. Sie hatte sich nicht geirrt, aus dem Saulus war kein Paulus geworden, auch wenn er eine blonde Gattin hatte, die nett und freundlich schien, war er das so schnell nicht geworden. Denn er verkündete grinsend, daß sie überlegt hatten, ob sie nicht ihr als Weihnachtsfrau diese ehrenvolle Geschenkübergabe übergeben hätten sollen? Sie dann aber doch nicht damit belasten  hatten wollen, so daß Frau Nagy diese Aufgabe übernommen hatte und Nika dachte sich, daß das Kaufhaus da wohl sparsam sein und die zwei oder dreihundert Euro Gage, die sie dafür fordern hätte können, nicht zahlen wollte, deutete aber freundlich auf Jessica und sagte lächelnd, daß das nichts mache, weil sie schon Konkurrenz bekommen hätte.

„Das kleine Fräulein Nikolic, das, wie man hört, sehr häufig seine Mutter besuchen soll, obwohl wir keine Kinderaufbewahrungsstelle sind!“,  säuselte Widerlich Seidler, dann blickte er auf seine blonde Inge, die ihn wohl ein wenig strafend angesehen hatte, denn er räusperte sich und sagte schnell „Damit Sie mich nicht mißverstehen! Wir waren mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden, Frau Magister und das habe ich in der Direktion auch gesagt, so daß ich Sie, wenn Sie das möchten,  für das nächste Jahr wieder vorschlagen werde und für Ostern suchen wir ein Osterhäschen!“, meinte er kichernd und machte den Eindruck, als ob er ihr auf den Po grapschen wollte, sich das aber, weil seine Inge zu ihnen hinübersah, nicht zu trauen schien und so lächelte sie wieder und sagte freundlich, daß sie es sich überlegen würde, aber bis dahin wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig und vielleicht fix angestellt sei.

„Sonst natürlich gern!“

Er hatte sie angesehen, als würde er ganz sicher sein, zu Ostern und im nächsten Dezember eine arbeitslose Nika vorzufinden, die froh über den Häschen- oder Weihnachtsfrauenjob sein würde.

„Ich werde mich bei Ihnen melden und jetzt unterhalten Sie sich gut!“, sagte er süffisant und war zu seiner Inge zurückgegangen. Nika hatte das dann zwei Stunden mit Dragana Nikolic, Jessi Weihnachtsfrau und Rade Jovanovic getan, dann hatte sie ihr Geschenküäckchen genommen und war nach Hause gegangen. Das stand auf ihren Küchentisch, als der Wecker läutete und Nika sich ärgerte, daß sie ihn nicht abgeschalten hatte. War sie doch jetzt arbeitslos, beziehungsweise hatte sie noch immer Weihnachtsferien, brauchte nicht um sieben aufstehen und auf die Mariahilferstraße hetzen. Brauchte das vorläufig nie mehr tun. Sie hatte ihn aber selbst gestellt, weil sie einkaufen wollte, denn die Geschäfte hatten an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester wieder geöffnet.  Sie konnte sich Reis, Milch, Kartoffeln und was sie sonst zum Leben brauchte, im Diskontmarkt an der Ecke besorgen und brauchte keinen überteuerten Bahnhofsupermarkt mehr aufsuchen. Und das hatte sie sich vorgenommen und so wollte sie aufstehen, den Kaffeeautomaten einschalten, den restlichen Schinken und die restlichen Kekse verzehren und dabei eine Liste erstellen, was sie besorgen mußte, um ihren Haushalt wieder in Schwung zu bringen. Das würde einige Zeit beanspruchen und wenn es sich dann noch ausging, konnte sie in ihr Kaufhaus schauen, Dragana Nikolic einen Kurzbesuch abstatten und dabei ihren fünfzig Euro Gutschein in ein Paar Handschuhe oder eine Mütze umwandeln, weil man die Feste, wie sie fielen, feiern sollte und zum offenen Bücherschrank hatte sie auch gehen wollen, fiel ihr ein, als sich ihr Handy meldete und sie Haralds fröhliche Stimme hörte, der ihr einen wunderschönen guten Morgen wünschte und sich erkundigte, ob sie schon wach und munter sei?

„Selbstverständlich, ich bin noch im Arbeitstrott und von diesem nicht so leicht wegzubekommen!“, antwortete sie fröhlich und wollte von ihm wissen, ob er gute Nachrichten hätte?“

„Habe ich, Nikalein, ganz besonder gute Neuigkeiten und zwei Fragen! Frage ein, was machst du heute Abend? Was bedeutet, daß ich wissen möchte, ob ich dich in mein Junggesellenparadies einladen darf, um dir das solche vorzustellen und Frage zwei, was machst du zu Silvester? Beziehungsweise will ich wissen, ob du Lust hast, diesen wieder  im „Jazzland“ mit mir zu verbringen oder eigentlich nicht mit mir allein, denn du wirst es nicht glauben, Doro Zelinski hat uns eingeladen, weil sie dort Verlobung feiern will!“

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und wem jetzt das Ganze interessiert, der kann das Buch auch bei mir bestellen.

2016-10-07

Schreibgruppe zur Eröffnung

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:35
Tags: , ,

Unsere abgesagte Schreibgruppe scheint sich blendend zu erholen, denn diesmal waren wir wieder zu sechst, Ruth, Robert, Gloria G., Doris Kloimstein und Ingeborg Reisner, die ja ganz am Anfang die Gruppe mit Ruth und Robert gegründet hat, dann aber das Prozedere zu schulisch fand und ich hatte diesmal eigentlich kein Thema, da ich mit „Claire-Klara-Clarisse“ inzwischen im Rohentwurf fertig bin, derzeit aber nicht und nicht zum Korrigieren komme, das Longlistenlesen, die Praxis, die Einladungen zu meinem literarischen Geburtstagsfest, etcetera, hindern mich daran, es war aber klar, daß ich heute keine diesbezügliche Szene schreiben werde.

Also freies Schreiben und auch kein Thema, habe ich gedacht, dann habe ich gestern eine Einladung zu der Eröffnung eines neuen Geschäftes, in dem früher eine der zwei Buchhandlungen in der Wiedner Hauptstraaße war, bekommen und gedacht, wenn ich mit dem Befundschreiben rechtzeitig fertig bin, schaue ich vorbei und dann hatte ich ein paar Erlebnisse und voila mein Thema:

„Einladung“ habe ich zwar irrtümlich gesagt, wie ich einmal „Bierdose“ statt „Dosenbier“ sagte, aber das habe ich mir ja das vorige Mal gewünscht, also „Eröffnung“, alle haben sich auch darauf geeinigt und, das zweite Geschäft mit der zweiten Eröffnung an dem ich auf dem Weg in die Westbahnstraße vorbeigekommen bin, habe ich in der Geschichte ausgelassen.

„Auf der Wiedner Hauptstraße hat es einmal zwei Buchhandlungen gegeben. „Malota“ die eine und ich weiß gar nicht mehr, wie die andere geheißen hat, denn beide gibt es nicht mehr, weil die Leute keine Bücher kaufen und zu wenig lesen.

Die eine ist ein paar Jahre lang leergestanden und beherbergt jetzt eine Apotheke und, in der anderen, wo ich am Dienstag nach Ostern vor zwei Jahren, vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kommend, am letzten Flohmarktabverkaufstag, Ralph Dutlis „Soutines letzte Fahrt“ um drei Euro kaufte, wurde heute ein schickes Geschirr- und Assecoiregeschäft eröffnet. Da ist gestern eine schicke Eröffnungskarte in meine Wohnung gekommen.

„Alles minus 10 % und ab achtzehn Uhr haben wir ein tolles Catering!“

Das ist etwas für mich, die „Leben ohne Geld-Schnorrerinnenseele“, aber leider oder glücklicherweise ist heute um sieben unsere wiederauferstandene Schreibgruppe, die ich nicht versäumen möchte.

Aber wenn ich um dreiviertel sechs weggehe, kann ich noch schnell ein Häppchen einwerfen, ein Glas Sekt trinken oder was es sonst so beim tollen Catering gibt, stelle ich mir vor und starte los.

Vor dem Geschäft, das ich in den letzten Tagen, wenn ich in die „Alte Schmiede“ ging, langsam fertig werden sah, stehen schon ein paar Leute und vor einem weißgedeckten Tischchen ein junges Mädchen und verteilt Sektgläser, die mit einer rosa Flüßigkeit gefüllt sind.

An der Kasse stauen sich die Menschen, die in die bereitstehenden Körbe schon Schüsseln, Servietten oder Christbaumkugeln gefüllt haben.

„Eins und eins ist gratis“, ist an den Teelichtern am Nebentisch angebracht und immer mehr schick gekleidete Bobos oder youg urban Mittelschichtler stauen sich in dem Lokal.

Es gibt Kerzen, Kekse, Pastapäckchen und immer wieder Leute, die aus einem Gläschen eine Schokocreme löffeln, die ich nirgends finden kann.

Ich habe mir ein Getränk geholt, halte nach den Cremegläschen oder anderen kulinarischen Häppchen Ausschau und frohlocke, als ein anderes junges Mädchen mit grauer Bluse und roter Schürze eine Etagere mit gefüllten Cherrytomaten und Prosciuttoröllchen vorbei trägt.

Ich schnappe mir zuerst ein Röllchen, später eine Tomate, traue mir kein zweites Glas Prosecco zu nehmen, erwische aber zwei  Törtchen, das eine mit noch etwas kühlen Obststückchen, das zweite mit einer köstlich schmeckenden Vanillecreme gefüllt, schaue auf die Uhr, viertel sieben und verlasse den Laden, will ich doch rechtzeitig bei der Schreibgruppe erscheinen, um, wie in der Schule zu einem bestimmten Thema zwanzig Minuten zu schreiben und weiß noch nicht worüber.

Vor dem „Biosupermarkt“ in der Margaretenstraße, der im Vorjahr eröffnet wurde, zwei Müsliprobesäckchen habe ich noch immer in meinem Küchenkasten liegen, steht ein „Augustin-Verkäufer“ mit einer Krücke und hält mir seine Zeitschrift hin. Ich greife nach dem Börsel, ziehe einen Euro heraus und dann weil der bärtige Mann mir signalisiert, daß er Hunger hat, die Eröffnungskarte.

„Da bekommen Sie etwas zu essen!“, sage ich, erkläre den Weg und haste mit ein bißchen schlechten Gewissen weiter, weil ich mir lebhaft vorstellen kann, was die „Schicki-Micki-Eröffnungsgesellschaft“ zu dem bärtigen schlecht gekleideten Mann mit der Krücke sagen wird und ich auch nicht weiß,  ob er mit einem halben Gläschen Prosecco und einem oder zwei einem Prosciuttoröllchen seinen Durst und Hunger stillen kann.

Aber ich habe keine Zeit darüber weiter nachzudenken, will ich doch in die Westbahnstraße zur Schreibgruppe und weiß jetzt endlich auch, welches Thema, ich vorschlagen will!“

So weit meinText, die anderen haben von Ausstellungseröffnungen und Vernissagen, dem Buffet und den Kunstgenuß geschrieben und etwas gibt es noch zu erwähnten, der Alfred hat den Umschlag für die „Berührungen“ mit meinem sehr verkürzten „Bierdosentext“ auch schon gemacht, so daß ich wahrscheinlich bald die neue „Vorschau“ einstellen kann, in der es diesmal ein „Mimikry-Ratespiel“ geben wird, wo ich schon drei Romananfänge zur Auswahl haben.

2016-04-07

Schreibgruppe mit Bierdose oder Dosenbier

Als ich heute vom klinischen Mittag in die Praxis ging, habe ich Ottwald John in der Zieglergasse getroffen, der mir sagte, daß ich  um halb sieben ins Hofmobiliendebot zu einer Lesetheateraufführung kommen soll, aber da war ja unsere „Westbahnspontan-Schreibgruppe“ auf die ich mich schon freute, weil ich da ja meine erste „Wurfgeschichte“ mit dem Thema „Dosenbier“ ausprobieren wollte, da ich ja immer noch mit meiner Romanidee labouriere und noch immer nicht so weiß, über was ich schreiben will, obwohl ich inzwischen schon elf Szenen und einunddreißig Seiten habe. Die Hildegard Hadringer mit Zarah Bashrami in den Turnsaal gegangen ist, wo sie und Zoran Simic und Jurij Abrahamovic, ihr Stück über den „Zwölften Februar“ proben und bei Anna Augusta Augenstern hat sich ihre Nichte Angie Engel gemeldet, als sie gerade an ihrer „Dosenbiergeschichte“ schreiben wolte.

Das habe ich jetzt für sie getan. Denn es war kein Problem das Thema in der Schreibgruppe, die heute aus Ruth Aspöck, Peter Czak, Doris Kloimstein, Ilse Kilic und Fritz Widhalm bestand, Robert Englhofer scheint nicht mehr zu kommen, seit er und Ruth sich getrennt haben und Klaus Khittl, dem ich eigentlich das Sibyille Berg-Buch zurückgeben wollte, war verhindert, durchzubringen.

Nur habe ich leider „Bierdose“ statt „Dosenbier“ gesagt und bin erst beim Schreiben auf den Irrtum, beziehungsweise Schlampigkeit darauf gekommen und nun hurrah, meine erste Wurfgeschichte, die eigentlich und genaugenommen, eine Zusammenfassung, des bis jetzt Vorhandenen, beziehungsweise meiner Schreibunsicherheit ist.

Aber zwei Geschichten hätte ich jetzt schon für den „Dreizehn Wurfgeschichtenband“, die unten folgende und die „Präsidentin auf dem Opernball“ vom Februarschreiben, die es jetzt ja nicht geben wird.

Für mein Romanprojekt hat sie mich nicht wirklich weitergebracht  und ist wahrscheinlich auch  nicht dafür verwendbar.

 

„Bierdose“

„Wie bin ich nur auf dieses blöde Wort gekommen und was hat es mit  Zoran Simic  zu tun, der sie genau in diesem Augenblick aus seinem roten Rucksack nimmt und demonstrativ auf den runden Cafehausmarmortisch stellt, den er vorher mit Jurij Abrahamovic auf die Bühne des Turnsaals trug, in dem sie seit einiger Zeit Zarah Bashramis Stück zum zwölften Februar 1934 proben.

Sehr verwirrend, die Idee über eine Schreibblockierte, die einen Roman verfassen will und eigentlich nicht wirklich eine Ahnung hat, worüber er handeln soll?

Denn sie hat ja alles schon geschrieben oder angerissen und die Dose mit der Aufschrift „Gösser“ auf dem Marmortisch passt auch nicht dorthin.

Hat man doch wahrscheinlich am 12. 2. 1934, als in Wien die Straßenbahnen stehenblieben, der Strom ausfiel, die Sozialdemokraten aus den Gemeindebauten schoßen und die Heimwehr mit Panzern auffuhr, eine solche nicht gekannt und in dem berühmten Cafe Central, hat der ebenso berühmte Dichter Heimito von Doderer, der zu dieser Zeit bei den illegalen Nazis Mitglied war und an einem Manuskript  namens „Dicke Damen“ schrieb, das später als „Dämonen“ bekannt werden sollte, eine solche auch nicht bestellt, sondern beim Kellner Franz „Bitte sehr, bitte gleich!“, sicherlich eine Schale Gold, beziehungsweise einen kleinen oder großen Braunen.

Das Wort „Bierdose“ fällt mir jetzt noch ein, ist auch falsch gewählt und eine Verwechslung. Denn eigentlich wollte die Schreibblockierte eine „Wurfgeschichte“ über das Wort „Dosenbier“ verfassen. Weil sie keine Romanidee hatte, wollte sie sich an Kurzgeschichten ausprobieren und da ist ihr ein  Schreibratgeber in die Hände gefallen, der  Tips zur Ideenfindung gab.

Einfach in eine Bibliothek  gehen, sich mit dem Rücken vor das Regal  stellen und sozusagen blind und deppert nach einem Buch fassen. Es aufschlagen, ein Wort heraussuchen, es ins Notizbuch schreiben und dann noch eines aus einem anderen Buch. Nach und nach das Ganze vier bis fünfmal wiederholen und dann hat man schon vier bis fünf Wörter, über die man eine Geschichte schreiben kann.

Gesagt, getan, hineingefaßt und das erste Buch, das mir von meinen Bücherregalen in die Hände fiel, ich bin natürlich in keine Bibliothek gegangen, ist Cornelia Travniceks „Chucks“ gewesen und da stand „Dosenbier“ auf der ersten Seiten oder auch im Klappentext.

Dann sind noch „Erkundungen“,  „Geld“, „Feindschaft“ und „Lügen“ aus dem Roman „Die Lügen der Frauen“ der Russin Ljudmila Ulitzkaja  dazugekommen und in dem Fund aus dem offenen Bücherschrank, den ich ja sehr gerne und sehr häufig frequentiere, war auch noch eine Widmung von einem „P.“ an seinen „Schatz“ zu finden.

Ich hatte jetzt fünf Worte über die ich je eine „Wurfgeschichte“ für eine „Wurfgeschichtensammlung“ schreiben kann.

Dann bin ich  noch auf  Stoffsuche  durch Wien gegangen und von da die Idee zurückgebracht, jetzt doch einen Roman zu schreiben, wo eine schreibblockierte Schriftstellerin zu einem Psychiater geht und einen Roman über eine Lehrerin schreiben will, die nach ihrem Pensionsantritt eine Weltreise zu machen  plante, jetzt aber nicht mehr sicher ist, ob das in Zeiten der Flüchtlingsströmen noch statthaft ist und die in ihrer Bankfiliale, eine ehemalige Schülerin, die aus einer iranischen Familie stammende Zarah Bashrami, traf, die ihr erzählte, daß sie ein Stück über den zwölften Februar geschrieben hat, in dem sich Heimito von Doderer und Stefan Zweig im Cafe Central treffen, das sie mit den Schauspielschülern Zoran Simic und Jurij Abrahamovic im Turnsaal eines Studentenheimes probt, wo gerade der sechsundzwanzigjährige Zoran Simic, der als Säugling mit seinen Eltern von Sarajewo nach Wien geflüchtet ist, vor dem weißen Marmortisch Platz gekommen hat und eine Dose Bier aus seinem roten Rucksack nimmt…“

 

Ansonsten hat es Geschichten über das Recyclen von Alaminium und von Peter Czak eine von einem Teufel gegeben, der den Jugendlichen, die ins „Fluc“ kommen, gelbe Bierdosen um fünf Euro verkauft, in denen Extasy enthalten ist.

2016-02-07

Als Präsidentin auf den Opernball

„Heute ist Opernball!“, dachte El Awadalla und betrat ihr Badezimmer.

Ihr erster als Bundespräsidentin, während sie vor der Oper auf den diesbezüglichen Demonstrationen und am Heldenplatz auf denen, gegen den der Akademiker, regelmäßig teilgenommen hatte, aber seit sie vor einem Jahr als unabhängige Kanditatin  angetreten war und  mit den Stimmen aller Feministen, Linken und sonstiger kritischer Menschen überraschenderweise gewonnen hatte, vielleicht hatten sich auch einige durch ihren ersten Platz am Stimmzettel irritieren lassen oder die betrunkenen Auszähler hatten sich schlicht verzählt, würde es hineingehen und sie freute sich auch schon, obwohl sie gar nicht so sicher beim Links- oder Rechtswalzer war.

Beim Linken war sie natürlich besser und alles läßt sich lernen und außerdem war das Tanzen angesichts, der nach, wie vor existierenden Flüchtlingsproblematik und der höchsten Arbeitslosigkeit im Land, gar nicht so wichtig und sie würde, auch hier, eine  unkonventionelle Präsidentin sein, wie sie es im Wahlkampf versprochen hatte.

Hinein in das Ballvergnügen, das lila Abendkleid, das aus einem Secondhandshop stammte, würde sie doch auch sehr sparsam sein, hatte sie schon angezogen, dazu trug sie bequeme Schuhe, sie sollte vom vielen Stehen keine Hühneraugen bekommen und die runde weiße Brille, die sie sich extra für den Wahlkampf besorgt hatte, hatte sie auch aufgesetzt.

Jetzt mußte sie nur noch, die rotweißrote Staatsschärpe überstülpen, um einen würdigen Eindruck zu machen und dann ging es los und weil sie im Wahlkampf und  bei ihrer Antrittsrede versichert hatte, daß sie eine  umweltbewußte Präsidentin werden wolle, würde sie mit dem Fahrrad zur Oper radeln.

Mit dem langen Kleid würde das zwar vielleicht ein bißchen mühsam werden, aber sie hatte schon andere Hürden genommen, dachte sie voll Zuversicht, fuhr sich mit dem Kamm über ihre kurgeschnittenen Haare und lächelte sich selber an.

„El Awadalla for president!“, hatte es vor einem Jahr geheißen.

Wer hätte das gedacht, daß Österreich 2016  so kritisch war und statt der  konservativen alten Herrn und einer Dame, die außer ihr angetreten waren, eine kritische linke Frau zur Präsidentin wollten?

Niemand wahrscheinlich, in einem Land, wo sich lebenslustige Baumeister und pensionierte Richterinnen neben ihr beworben hatten und einige der Kanditaten sehr freiheitlich dachten.

Natürlich niemand und es war doch geschehen. So radelte sie mit dem hochgeschnallten Abendkleid auf die Oper zu. Sprang vom Rad, um es einem salutierenden Polizisten zu übergeben, den sie noch von ihrer Zeit als Demonstrantin kannte und solche waren auch schon angetreten, weil es noch viel zu erkämpfen gab.

Die Flüchtlinge kamen weiter, das Grundeinkommen war noch nicht erreicht und Arbeitslose gab es ebenfalls in rauhen Massen, nur, daß sie nichts gegen die Demonstranten hatte, sondern ihnen zuwinkte, war der Unterschied und das mußte sie auch bei den Luxuslimonsinen tut, die auf den Eingang zurollten.

So sprang sie  zur Seite, rief „Griaß euch, ich bins, die Präsidentin und wünsche einen schönen Abend!“, denn sie war und blieb Dialektautorin. Hatte die Stiege erkommen und schritt auf die Staatsloge zu.

Links und rechts von dieser hatten einige ihrer ehemaligen Mitbewerber Platz genommen. So lächelte sie staatstragend, den Herren Khol und Hundstorfer zu, die in ihrem schwarzen Smokings versuchten, sich nicht über sie zu ärgern und sie sicher nicht leiden konnten, wie das auch Baumeister Lugner tat, der mit seinen weiblichen Begleiterinnen, gerade die Stiege erklomm und sie schief anlächelte.

„Grüß Sie, Frau Präsidentin, sind Sie auch gekommen?“, fragte er säuerlich. Sie nickte und  gab ihm die Hand.

Begrüßte auch die Staatsoberhäupter, die etwas pikiert auf ihr lila Abendkleid, den roten und den blauen Schuh, ihrem Markenzeichen, in denen sie zu Zeiten von schwarz-blau am Ballhausplatz gewesen war, um mit roter Farbe gegen blau anzutreten, blickten.

„Alles Walzer!“, rief unten gerade der Zeremonienmeister und das Jungdamen- und Jungherrenkommitee war mit der Eröffnungspolonaise eingezogen. Die Kellner servierten Sacherwürstel mit Senf und Kren und die Sektkorken knallten, wie ehedem.

Alles war wie immer, trotz ihres roten und des blauen Schuhs, dem lila Abendkleid aus dem Secondhandladen und der runden weißen Brille, ihrem zweiten Markenzeichen, als selbstbewußte linke Frau.

Sie trat an die Empore, hob die Hand und dachte an das bedingungslose Grundeinkommen, das sie Österreich versprochen hatte. Dachte an die immer noch sehr hohe Zahl der Arbeitslosen, die auch ihr Mitbewerber, Rudolf Hundstorfer, der einmal Sozialminister gewesen war, nicht verhindern hatte können, wie sie das beim Opernball nicht zusammenbrachte und mit dem lila Abendkleid, dem roten und blauen Schuh,  die Festgäste begrüßen und vielleicht auch mit Herrn Khol, Herrn Hundstorfer, Präsidentengatten Clinton und anderen Staatsoberhäuptern tanzen würde müßen.

Mit Herrn Mörtel-Lugner wahrscheinlich nicht, denn der würde sie nicht auffordern, war sie ihm mit ihren fast einundsechzig Jahren sicherlich zu alt, während die Stars und Bunnies an seiner Seite, ständig jünger wurden und die Abendkleider, die sie trugen, immer teurer.

„Da wäre ich mit Sicherheit ein besserer Präsident geworden!“, sagte er sicher gerade bedauernd zu seinem Hasi, Spatzi oder Mausi, nahm den Zylinder von seinem Kopf und ließ sich ein Glas Champagner servieren.

„Die Geschäfte gehen aber weiter, Schatzi, auch wenn wir jetzt eine linke Präsidentin haben und auch unser Opernball!“

„Hip, hop, Opernball!“,  hieß es  in einem ihrer Dialektgedichte. Richard Heuberger hatte in seiner gleichnamigen Operette ins „Chambre Separee!“, gebeten und Josef Haslinger  einen  Roman darüber geschrieben, daß sich Terroristen des Balls der Bälle bemächtigt hatten.

Das war Fiktion gewesen, aber sie war heute hier mit ihrer weißen Brille,  dem roten und dem blauen Schuh, sowie dem lila Abendkleid aus dem Secondhandgeschäft über das die rotweiße Staatsschärpe genauso, wie über einen Frack, passte.

Und das war gut, war wunderbar und sehr viel besser, als wenn statt ihrer vielleicht der blaue Kanditat gewonnen hätte oder die Wahl wegen Fehler beziehungsweise Pickprobleme gar nicht stattfinden hätte können.

 

2016-02-05

Schreibgruppe und Opernball

Filed under: Schreibbericht,Textbeispiel,Uncategorized — jancak @ 00:25
Tags: ,

Am Donnerstag war wieder einmal Schreibgruppe, sowie der Opernball und, daß der ein dafür geeignetes Thema ist, habe ich mir schon auf dem Hinweg gedacht, hatte ich ja sonst keine besonderen Ambitionen, ist der Rohtext von „Paul und Paula“, den ich das letzte Mal begonnen habe,  schon eigentlich fertig, Klaus Khittl alias Gloria G. hat mir vorvorgestern seine Anmerkungen geschickt, so daß ich den Text diesbezüglich durchgegangen bin und den Paul vielleicht noch etwas erweitern sollte.

Also noch nicht so weit für mein Kurzgeschichtenprojekt, das ich als nächstes plane, themenlos in die Gruppe gegangen.  Peter Czak hat  „Opernball“ vorgeschlagen und nun ja, warum nicht?

Demo gibt es offenbar keine mehr, die war ja schon eine Woche früher bezüglich des Akademikerballs, in den Medien habe ich heuer auch noch nicht so viel darüber gehört, da ist die Flüchtlingsproblematik und die Verschärfung der Gesetze wohl aktueller.

Ich bin  keine Tänzerin und war in meinen Leben wohl nur auf zwei Bällen, das erste Mal etwas verunglückt in der Tanzschule Hernals und das zweite Mal mit dem Willi in den Sophiensälen, auf der Opernballdemo war ich früher, ich glaube, 2000, als der Hubsi Kramar als Hitler aufgetreten ist und wegen Wiederbetätigung festgenommen wurde und in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ habe ich über eine früher stattgefundene Demo geschrieben und darauf beim „Wiener Dichter Fasching“ in der „Gesellschaft für Literatur“ gelesen und als ich das Wort Marianne. so heißt ja eine Protagonistin, die dort tanzt, aussprach, finden alle an zu lachen, was mich irritierte,  weil sie es wohl mit Marianne Gruber in Verbindung brachten.

Peter Czak, Ruth Aspöck Klaus Khittl, Doris Kloimstein und ich waren gekommen, Doris Kloimstein las über ihre negativen Ballerfahrungen,  Ruth erwähnte Josef Haslingers „Opernball“ und, daß sie gerne mal dorthin gegangen wäre, Peter Czak schrieb von den negativen Veränderungen, die die Ballkultur seiner Meinung nach machte, jetzt kann man keine Leute mehr dort kennenlernen, weil die Paare zusammen hingehen und Klaus Khittl reimte „Operball, Opernball, Hochmut kommt vor dem Fall (Knall)“ und dann gab es natürlich meinen diesbezüglichen Rundumschlag:

„Heute ist Opernball erfahre ich gerade aus der Zeitung. Hip, hop, Opernball, wie schön und aufregend. Gibt es wieder eine Demo, wie in den Achtzigerjahren oder zu Zeiten von  Schwarz-Blau? Aber nein, die hat gerade vor einer Woche vor der Hofburg,  beziehungsweise am Heldenplatz stattgefunden, weil dort die FPÖ ihre Akademiker feierte. Die ganze Innenstadt war abgesperrt und es war unmöglich, wie ich erfahren sollte, ins Literaturhaus zu kommen, weil der 49er nicht mehr fuhr.

Aber zurück zum Opernball, hip hop, Opernball, dieses großwirtschaftliche Ereignis, wo der Herr Bundespräsident mit Frack und Orden auffährt und der Herr Lugner seine Stars und Sternchen in seine Loge lädt.

„Lugner for president!“, heißt es doch auf einem Video, wo alle zwölf Präsidentschaftskanditaten, die abseits der glorreichen fünf, Griss, Hofer, Huntsdorfer, van der Bellen und Khol, antreten wollen, sofern sie sechstausend Unterschriften zusammenbekommen, präsentiert wurden.

El Awadalla will  auch in die Hofburg als Präsidentin und im Fall der Fälle im Abendkleid auch auf den Ball, um die Wirtschaftsbosse und die Staatsoberhäupter in ihren Logen zu begrüßen. Dann nicht mehr als Demonstrantin gegen den Akademikerball. Eine wunderschöne Vorstellung, wie die Präsidentin mit der weißen runden Brille, einem blauen oder roten Abendkleid und der Präsidentschaftsschleife am Ballhausplatz demonstriert.

Was werden da die Polizisten und die Staatsschützer machen?

Aber halt, zurück zum Thema, wir waren doch oder gehen auf den Opernball. Auf die Tribüne beispielsweise, auf die alle dürfen und wo das Glas Sekt und die Würsteln eine Menge Euro kosten oder zu den Debutanten, die im schwarzen Anzug oder weißen Abendkleid mit dem Krönchen auf  den auftoupierten Haaren zu der Polonaise tanzen.

„Alles Walzer!“, sagt der Zernmonienmeister, klopft mit seinem Stock den Takt und Herr und Frau Österreicher sind begeistert, sitzen vor der Klotzkiste und gehen Prominente schauen.

Wozu brauchen wir einen Opernball? Wenn das Volk dagegen ist, können wir ihn auch abschaffen, hat Kanzler Kreisky, glaube ich, einmal gesagt.

Das ist lange her, sicher dreißig, vierzig Jahre und heute denkt wahrscheinlich niemand mehr daran. Denn heute geht es um das Geschäft. Die Geschäfte, die angeblich in den Logen abgeschlossen werden. Die Polizisten, die draußen auf der Straße den Staat beschützen, bekommen eine Sonderzulage. die Friseure verdienen an den feinen Damen, die sich schnell einmal die Haare richten lassen. Herr und Frau Österreicher haben was zu schauen und die Demonstranten, wenn es noch welche geben sollte, zu demonstrieren.

Aber vielleicht sind die jetzt mit den Flüchtlingen beschäftigt. Mit den Flüchtlingsober- oder Untergrenzen. Ich schweife schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja Opernball und da gibt es  eine inzwischen nicht mehr sehr oft gespielte Operette von Richard Heuberger, dieses Namens.

„Komm mit ins Chambre Separee!“

Sie wissen schon oder können es sich vorstellen und da kommt, glaube ich, der Held aus Sankt Pölten angefahren, um sich ins  Geschehen zu stürzen und alles geht natürlich nach zwei Stunden Intrigen happy aus.

Ob das heute auch geschehen wird? Herr Lugner mit seinen Stars und Sternchen Freude am Geschehen hat? Herr und Frau Österreicher auf der Tribüne oder vor dem Fernsehkastel ihre teuren Würstel essen und den Sekt trinken und sich nicht daran verschlucken? Und, die Polizisten, sowie die Staatsschützer,  die vielen Flüchtlinge, die inzwischen die Festung Europa stürmen wollen, von dort zurückhalten können?

Aber das weicht schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja, hip, hop, Opernball. Alles Walzer, also, good luck and good night und es ist nur zu hoffen, daß wir uns an all den abgeschlossenen Geschäften, nicht den Magen verderben werden.

2015-12-25

Christtag

Filed under: Alltagsgeplauder,Textbeispiel — jancak @ 00:57
Tags: ,

Der Weihnachtsabend ist vorbei, die Kerzen am Christbaum wurden angezündet, die Geschenke verteilt, der Fisch mit Kartoffelsalat und die Weihnachtskekse gegessen.

Meine Weihnachtsbücher vom Alfred hat es dieses Jahr ja schon im Sommer gegeben, habe ich das ja für mein Longlistenlesen ein bißchen vorgezogen, trotzdem habe ich noch Cornelia Travniceks „Junge Hunde“ und Sandra Gugics „Astronauten“ bekommen und muß die Bücher auf meiner Leseliste jetzt so verteilen, daß ich das Lesen noch erlebe, beziehungsweise nicht soviele Folgebücher der jungen Autorinnen inzwischen entstehen.

Von der Anna gab es wieder Badekugeln und Massageöle, das was, wie wir gleich erfahren werden, auch Harald Schwabendeder Nika schenkte, von der Schiwegermutter einen Hunderter und Lindt-Kugeln und die Weihnachtsfeiertage kann ich dazu nützen, die vier bis fünf Bücher die noch auf meiner heurigen Leseliste stehen, auszulesen und jetzt gibts wie versprochen, den „Freitag, 25. Dezember“, der Nika Weihnachtsfrau:

„Am nächsten Tag läutete kein Wecker und Nika konnte schlafen, solange sie es wünschte, wie sie dankbar beim Aufwachen dachte. Halb zehn! Sie mußte nicht mehr auf die Mariahilferstraße, sich nur noch am Montag bei der Nachweihnachtsfeier, eigentlich ein blödes Wort, einfinden und würde dort wahrscheinlich ein verspätetes Weihnachtspäckchen oder einen Geschenkgutschein des Hauses bekommen, von dem sie Harald eine Krawatte oder ebebenfalls eine Flasche Wein, beziehungsweise Whisky besorgen konnte, dachte sie und stand auf. Adventkalenderfenster war keines mehr zu öffnen. Da strahlte schon der Christbaum mit den leuchtenden Kerzen vom Donnerstag und den gab es genausowenig, wie einen Adventkranz in ihrer Studentenbude. Bei ihren Eltern hatte es einen gegeben und darunter hatten jede Menge Geschenkpakete gelegen. Dabei hatte sich einige Strampelanzuüge, Schühchen und Mützen für die noch ungeborene Zoe-Philipa befunden, die die Mutter gestrickt und Ruth mit einem scheelen Blick auf ihren langsam wachsenden Bauch überreicht hatte und der Vater hatte im spitzen Tonfall gesagt, daß er hoffe, daß die Sache mit ihrem Kindesvater nun bereinigt sei, weil er keine Lust habe, von seinen ehemaligen Kollegen immer zu hören, daß sie schon wieder den Namen seiner Tochter in der Zeitung gelesen hatten und von ihm wissen wollten, wann die Hochzeit mit diesem Schauspieler sei?

„Die wird es nicht geben, Papa!“, hatte Ruth genauso spitz geantwortet und auf Vera Mosebach gezeigt.

„Denn ich habe schon eine Lebenspartnerin und, wie du vielleicht weißt, auch eine eingetragene Partnerschaft!“

„Friede, Friede!“, hatte die Mutter ängstlich ausgerufen und zu Tisch gebeten, auf dem die Lachsforelle schon auf einer Wärmeplatte prangte. Der Vater hatte aber Vera gemustert und hinzugefügt, daß er auch über sie viel zu oft in der Zeitung gelesen habe und, daß er es eigentlich für keine gute Idee halte, Mißbrauchstäter zu therapieren! Das sei nur neumodisches Zeug, denn die gehörten hinter Gitter und für sein ungeborenes enkelkind sei es wahrscheinlich auch nicht gut, wenn es in Kontakt mit solchen Menschen käme!

„Hast du da keine Angst?“, hatte er Ruth scharf gefragt, die blaß geworden war und vom Geruch der Lachsforelle wieder einen Brechreiz zu bekommen schien. Vera hatte ihre Hand auf sie gelegt und zum Vater „Keine Sorge, wir wohnen nicht in meiner Praxis und die Kleine wird nicht sehr oft dort hinkommen!“, geantwortet. Die Mutter hatte aufgeatmet und wieder  „Friede, Friede!“, aufgerufen, sich dann bei ihr für die Bonbonniere bedankt und sie hatte das bei dem „H und M-Gutschein“, der sich in ihrem Geschenkkuvert befunden hatte, gleichfalls getan. Ob sie dafür eine Krawatte für Harald kaufen sollte? Was aber wahrscheinlich schwierig war, da die Geschäfte erst wieder Montag öffneten, sie Harald aber schon in zwei Stunden wiedersah, wenn er kam, um sie für die Nichtweihnachtsfeier bei Fatma Challaki abzuholen. Für die hatte sie einen „Wien-Führer“ und für die Nachbarin einen kleinen Weihnachtsstern gekauft, den sie ihr gestern, bevor sie mit Ruth und Vera zu den Eltern aufgebrochen war, überreicht hatte. Für Haralds Geschenk war es sich aber nicht mehr ausgegangen und sie könnte ihm höchstens den Teller mit den Weihnachtskeksen übberreichen, den ihr die Mutter eingepackt hatte. Von Ruth und Vera hatte sie eine Thomas Bernhard-Biografie bekommen.

„Für deine Dissertation!“, hatten die Beiden mit strahlenden Lächeln gesagt und sie hatte versichert, daß sie das Buch schon lange haben wollte. das war also auch nichts für Harald und wenn sie ihm den Clemens J. Setz überreichte, hatte sie bezüglich ihrer Nachbarin ein schlechtes Gewissen und war das ohnehin nicht möglich, handelte es sich doch , um ein unverkäufliches Leseexemplar und war von dem Rezensenten, der es abgegeben hatte, auch an einigen Stellen angestrichen worden. das ging auch nicht, wie Nika dachte, als sie vor ihren Kaffeeautomaten trat, Wasser in den diesbezüglichen Behälter füllte und den mütterlichen Keksteller auf den Küchentisch stellte, weil sich kein Brot im Haus befand und sie nicht immer Fertigmüsli essen wollte. Die mütterlichen Kekse dufteten dagegen verführerisch und es war ein Feiertag. Sie würde Harald, der wahrscheinlich gar kein so ein weihnachtlicher Typ war, wenn er kommen würde, davon anbieten und das Geschenk würde sie ihm versprechen, wenn sie sich am Sonntag zu ihrer höchstpersönlichen Weihnachtsfeier treffen würden. Bis dahin würde sie es auf einem der Bahnhöfe schaffen und sich für eine Flasche Wein entscheiden, die sie auch für den alten Max und die Weihnachtsjause bei ihm brauchte, dachte sie und seufzte auf.

„Scheiße!“, hatte sie dann zwei Stunden später gedacht, als sie Harald geöffnet und von ihm prompt ein imposant aussehendes Geschenkpaket in die Hand  gedrückt bekommen hatte.

„Frohes Fest, Nika Weihnachtsfrau! Ich hoffe du hast bei deinen Eltern schön gefeiert!“, hatte er gesagt und hinzugefüngt, daß er wisse, daß sie erst übermorgen feiern würden.

„Aber das hat mir das Christkind schon für dich gegeben und überreiche ich dir hiermit!“

Sie war ein wenig rotgeworden, hatte etwas Unverständliches gestammelt, auf den Tisch mit dem Keksteller gezeigt und zu erklären versucht, daß sie ihm sein Geschenk am Sonntag überreichen würde.

„Kein Problem, Nika, Weihnachtsfrau!“, hatte er geantwortet und sie in den Arm genommen.

„Ich bin, wie du weißt, kein so besonderer Weihnachtsfan, aber die liebe Mama hat ihren Einzigen sehr verwöhnt und eine Menge Kekse für mich geacken! Ob sie so gut sind, wie die von deiner Mutter, werden wir gleich herausfinden!“, fach einen der Zimtsterne gegriffen „Mhm“ gemurmelt und sich bei ihr noch einmal erkundigt, ob das Fest schön gewesen sei?

Wie man es nimmt!“, hatte Nika geantwortet.

„Der Papa hat etwas gegen Frauenliebe und will ruth mit Joe Prohaska zusammenbringen! Die Mama hat die ganze Zeit „Friede, Friede!“, ausgerufen und Ruth hat beim Anblick der Lachsforelle, die ausgezeichnet war und gut schmeckte, kotzen müssen! Aber sonst ist es schön gewesen und alle haben sich über das kommende Weihnachtsengerl sehr gefreut und es mit Geschenken ausgestattet!“

„Ich verstehe!“, hatte Harald lachend gesagt.

„Das mit dem Joe wird sich dein Papa wahrscheinlich abschminken müsssen, denn der hat sich, wie wir am Sonntag gesehen haben und du inzwischen noch einmal beobachten konntest, wirklich in sein Gretchen verliebt und offenbar nur mehr soviel Interesse an deiner Schwester, wie sie an ihm und wir brechen jetzt am besten zur Nichtweihnachtsfeier bvei deiner syrischen Freundin auf und das ist sicher eine angenehme Art Weihnachten zu feiern und dabei den Anstandswauwau zu spielen, damit sie den Tag mit ihren irakischen Freund verbringen kann!“

„Wahrscheinlich!“, hatte Nika geantwortet und nach dem Bildband gegriffen.

„Und damit es doch ein wenig festlich wird, packen wir ein paar von Mamas Keksen ein, die auch bei einer Nichtweihnachtsfeier schmecken!“

Dann waren sie in Sandras Wohngemeinschaft aufgebrochen, wo Fatma Challaki, die wieder ein blaues Kopftuch zu ihren Jeans und einer weißen Bluse trug, schon wartete und sie in das Wohnzimmer führte, wo Hassan Arawani neben Professor Eberhard saß, der sie, als er sie kommen sah, in beinahe flüßige Deutsch mit „Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest!“, begrüßte.

„Das wünsche ich gleichfalls!“, meinte Professor Eberhard und nickte Nika freundlich zu.

„Wir werden uns auch morgen bei der Weihnachtsjause bei meinem Kollegen treffen, den ich auf der Mariahilferstraße wiedertraf, wobei uns ein kleines Weihnachtswichtelchen und eine Weihnachtsfrau geholfen haben, was so berührend war, daß wir verwitweten alten Herrn beschlossen haben, den Stefanitag zusammen zu feiern und damit wir dabei nicht einsam sind, haben wir uns auch das Wichtelchen mit seiner Mutter und die Weihnachtsfrau eingeladen!“

„Das ist schön!“, antwortete Fatma und wies auf den gedeckten Tisch.

„Dann bitte ich Platz zu nehmen“ Es gibt bei uns zwar keinen Weihnachtsschmaus“ Keine Gans und keinen Truthahn“ ich habe etwas Syrisches für euch und Hassan gekocht, von dem ich hoffe, daß es schmeckt und für den Bildband und die Kekse bedanken wir uns sehr!“, sagte sie und wurde, als sie Hassan ansah, wieder etwas rot. Die junge Syrierin schien sich in den jungen Iraker verliebt zu haben, der sich ebenfalls für das Geschenk bedankte und hinzufügte, daß Fatma Linsensuppe, syrische Fleischbällchen mit Joghurtsauce und Reis gekocht habe und es dann noch eine Mandeltorte gäbe.

„Das klingt ausgezeichnet und ist sicher nicht mit Tafelspitz und Kirschenknödel, wie die Haushälterin im „Radektzkymarsch“, den Fatma, wie sie mir erzählte in der deutschen Schule in Damaskus mit ihrem österreichischen Deutschlehrer gelesen hat, servierte, zu vergleichen, aber bestimmt ebenfalls sehr gut!“, sagte Professor Eberhard und Fatma, die wieder rot geworden war, antwortete, daß sie sich bemüht habe, aber sicher die Speisen nicht so gut, wie ihre Mutter zusammenbrachte.

„Aber die ist leider nicht hier und ich allein nach Wien gekommen und da ist es sehr fein, daß Sie Zeit haben uns  zu besuchen, so daß ich mit Hassan auch ein wenig feiern kann, obwohl wir in Syrien Weihnachten nicht kennen!“

So weit, so gut! Was bisher geschah läßt sich hier und hier ein bißchen nachlesen.

Weihnachtskekse gibt es hier zu sehen und ein Weihnachtsgedicht habe ich auch für meine Leser auch!

2015-12-19

Vierter Adventsamstag

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:00
Tags: , ,

Jetzt  wie versprochen eine Nika-Geschichte aus dem Adventkalender.

Die Probelesung im „Read!!ingroom“ ist absolviert und trotz der geringen Zuhörerzahl ein Erfolg geworden und am vierten Adventsamstag werde ich mich doch nicht in den Marihailferstraßeneinkaufstrubel begeben, sondern meine Recherchen als abgeschlossen betrachten.

Weiß ich doch jetzt, daß der Gerngroß am Donnerstag und Freitatag bis einunzwanzig Uhr offen hat und am Freitag und es am Samstag beziehungsweise am Feiertag ein Weihnachtsengerl gibt.

Also keine Weihnachtsfrau, die gibt es nur in meiner Phantasie und die hat  schon Tradition, beziehungsweise eine Vorgeschichte.

Also lasse ich es bei dem Gehabten, beziehungweise  beim Korrigieren das Wort „Gerngroß“ weg und die Nika nur vor einem Kaufhaus auf der Mariahilferstraße stehen, damit niemand sagen kann „In der Realität ist das aber anders!“, denn ich will  eine Weihnachtsfrau und kein Engerl.  Das ist der Clou meiner Geschichte und so brauche ich in den Text auch nicht die Schaufester hineinkatapultieren, hinter denen als Dekoration ein kleines lachendes Mädchen auf einer Schaukel sitzt.

Einen entsprechenden Katalog, den die Nika vielleicht doch verteilen könnte, hat mir ein Klient in die Praxis gebracht, denn auch Klienten kaufen Weihnachtsgeschenke  und ich bleibe am Samstag zu Hause und nütze meine Zeit zum Korrigieren, während die Nika am vierten Adventsamstag durchaus ihre Erlebnisse hat:

„Samstag, 19. Dezember

„Das wird ja immer besser!“, dachte Nika am nächsten Morgen, als sie das goldglänzende Weihnachtsengerl mit aufgebauschten Wattehaaren von einem Konkurrenzunternehmen vorüberhuschen sah.

„Guten Morgen, Weihnachtsfrau!“, hatte es ihr zugerufen und sie, wenn sie sich nicht irrte, mitleidig angesehen.

„Fünf Tage noch, dann ist es vorbei! Hast du schon den Truthahn für den Weihnachtsschmaus bestellt?“

Mitnichten, Weihnachtsengel hatte keine Ahnung und war sicher eine ebenfalls prekär beschäftigte Studentin, aber die Telecomfirma, die sie engagiert und ihr seine Broschüren in das goldglänzende Körbchen gesteckt hatte, schien sie nur an den Einkaufssamstagen zu brauchen oder überhaupt nur am letzten, denn Nika hatte es noch nicht gesehen oder hatte sie nicht genau genug hingeschaut?

„Weihnachten feiere ich mit der Familie, mit Schwesterchen, deren Freunden und dem noch nicht geborenen Weihnachtskind bei Papa und Mama und da gibt es, wenn ich richtig verstanden habe, heuer eine schicke Lachsforelle, statt des fetten Weihnachtskarpfen, damit der Papa keinen Cholesterinhochstand bekommt!“, rief sie Engelchen fröhlich zu und steckte ihm, Widerlich Seidlers Anweisungen forsch ignorierend, ein Stollwerkzuckerl entgehen.

„Oder möchte Engelchen lieber ein Naps? Nougat- und Erdbeergeschmack habe ich zur Auswahl!“, rief sie und das junge Mädchen in dem Engelskostüm griff zu.

„Endlich etwas Süßes!“, rief es erfreut.

„Ich habe nur Handyverträge in meinem Körbchen! Lachsforelle klingt aber gut! Meine Mama schwört dagegen noch  traditionell auf die Gans! Sie wohnt im tiefsten Mühlviertel und der Papa hält es mehr  mit Bier und Anisschnaps, so daß zu befürchten ist, daß er auch heuer am Weihnachtsabend besoffen ist und auf die Geschenkpapekte kotzt, weil er die sentimentale Stimmung nicht verträgt! Das von wegen Weihnachtsfrieden! Aber ich höre schon auf, dich anzulabern, damit wir keinen Ärgern mit unseren Chefs bekommen! Willst du einen Handyvertrag? Ich bin übrigens die Claudia!“, rief es , streckte ihr das das Napspapier entgegen und rauschte ab. Alles bestens am vierten Weihnachtssamstag! Widerlich Seidler war nicht zu sehen und schien am Samstag frei zu haben! Dafür stapften zwei Weihnachtsmänner in ihren rotweißen Kutten und wallenden Rauschebärten an ihr vorbei zur nächsten Punschhütte, schrieen stilecht „Ho, ho, Weihnachtsfrau!“, rasselten mit einem Glöckchen und einer von ihnen war sich auch nicht zu blöd, ihr auf das Hinterteil zu klopfen.

„Paß auf, Santa, das ist sexuelle Diskriminierung, das kann ich bei der Gewerkschaft anzeigen!“, rief Nika ihm nach. Aber er hörte nicht zu und eine mittelalte Frau, die schon einige Einkaufssäcke schleppte, schaute sie neugierig an und sagte vermittelnd „Seien Sie großzügig, Weihnachtsfrau, in  fünfTagen feiern wir das schönste Fest des Jahres und da sollen wir uns alle freuen!“

Ach wirklich! Die Weihnachtsmänner waren schon verschwunden und schräg gegenüber war ein Geschenkbus zu entdecken, in denen die Omas und die Mamis ihre Geschenkpäckchen verstauen, damit sie ungestört einkaufen, konnten und sie mußte das auch noch tun! Für Ruth, Vera und die noch nicht geborene Zoe-Philipa etwas aussuchen! Für die Mama eine Bonbonierre, für den Papa eine Flasche Whisky, für Harald Schwabeneder eine CD! Aber wann sollte sie das alles besorgen, wenn sie von neun bis sieben auf der Straße stand? Sie brauchte auch ein Weihnachtswichtelchen und da stand ein solches schon vor ihr, strahlte sie mit ihren Pippi Langstrumzöpfen über die es wieder eine graue Strickmütze gestülpt hatte an und sagte fröhlich „Guten Morgen, Weihnachtsmannfrau, hast du etwas Süßes für mich? Ich gehe wieder Weihnachtsshoppen, denn jetzt kann ich die CD für Onkel Max besorgen, damit er mit „Stille Nacht“ und “ O Tannenbaum“ in Stimmung kommt! Er hat mir, nachdem ihm meine Zeichnung sehr gefallen hat, nochmals fürnf Euro gegeben und um 9.80 bekomme ich eine! Die geh ich jetzt besorgen und dann noch in den „Merkur“! Er hat mir eine Liste gegeben, was ich für die Weihnachtsfeiertage kaufen soll, falls wir uns  nicht mehr sehen! Aber ich komme natürlich noch  her, um die Mama ein bißchen zu ärgern!“, sagte Jessica Nikolic grinsend, dann brach sie ab und zuckte verlegen mit den Achseln.

„Uje, uje, du mußt gar nicht so böse schauen und mich beim richtigen Weihnachtsmann verklagen, Nika, Weihnachtsfrau! Ich weiß, das soll man nicht und ich will sie auch nicht ärgern, denn sie ist im Streß, alles zu besorgen, damit der Truthahn am Donnerstag rechtzeitig fertig ist, wenn sie bis zwölf im Geshäft stehen muß, damit die Männer, die auf die Weihnachtsgeschenke vergessen haben, ihren Frauen noch schnell Handschuhe kaufen können! So erzählt es mir die Mama immer! Ich habe dagegen schon alles beisammen, für die Mam, die Oma und den kleinen Dominik! Das ist der Vorteil, wenn man öfter herkommt und für Onkel Max habe ich extra viel zu besorgen! Denn stell dir vor, Weihnachtmannfrau, er hat auf der Mariahilferstraße, als es ihm besser ging und er hinunter konnte, einen alten Freund getroffen! Aber das weißt du  schon, denn du warst  dabei! Einen Kollgen vor der Schule, wo er unterricht hat! Einen Deutschlehrer! Onkel Max hat Mathematik und Physik unterricht und der ist so allein, wie er, weil er seine Frau am Krebs verloren hat, während die von Onkel Max einen Herzinfarkt hatte! So haben die Beiden beschlossen, gemeinsam zu feiern und dazu braucht Onkel Max eine Gans, Rotkraut und Semmelknödel und ich helfe beim Kochen! Denn das kann ich auch! Schaue ich der Mama immer in die Töpfe, beziehiungsweise muß ich mir zu Mittag mein Essen wärmen, wenn sie in der Handschuhabteilung steht und einen Kuchen werde ich auch besorgen, denn am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es Gäste! Aber das darf ich nicht verraten, Weihnachtsmannfrau! Das will Onkel Max, der Mama und dir selber mitteilen! Ich habe einen Brief für euch!“, sagte sie in ihre Tasche greifend. Dann streckte sie Nika ein blaues Kuvert entgehen und schaute noch einmal begierig in ihren Jutesack.

„Ich bin die Briefbotin, beziehungsweise ein fliegendes Weihnachtsenger! Dafür ich ich mir sicher etwas Süßes verdient, nicht wahr Weihnachtsmannfrau und jetzt schaue ich zur Mama, denn der habe ich auch ein Brieflein zu übergegeben, bevor ich in die Musikabteilung flitze! Bis später, Weihnachtsmannfrau und streß dich nicht, damit du nicht auch einen Herzinfarkt bekommst und Weihnachten heuer ausfällt!“, rief sie mit pfiffigen Gesichtsausdruck und winkte ihr, die Handvoll Süßigkeiten, die sie sich aus Nikas Extrasäckchen stibitzt hatte, in die Tasche steckend, fröhlich zu.

„Und das wäre eine Katastrophe für die Kinder dieser Welt! Das wollen wir verhindern, Weihnachtsfrau! Bis später also und noch einen schönen Tag!“

So weit der neunzehnte Dezember, den fünften gibt es hier zu lesen,  den ersten und den siebzehnten habe ich im „Read!!ingroom“ vorgestellt und eine frühere Fassung vom dreizehnten und dreiundzwanzigsten Dezember aus dem Jahr 2013 gibt es auch und noch einen Schreibbericht.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.