Literaturgefluester

2022-09-05

„1984 revisited“

Wieder eine kleine Vorschau auf mein Work on progress, das jetzt im Rohtext so ungefähr fertig ist, das heißt eigentlich eine Materialsammlung und ein Hinweis, wohin es gehen könnte, die noch ordentlich überarbeitet werden muß.

28741 Worte bis jetzt, neunundzwanzig Sezenen und sechsundfünfzig ein halb Seiten, also wieder sehr kurz, kann aber noch werden und jetzt einmal die erste von den drei Winston Szenen zum Vorkosten:

23.

„Sie haben am sechzehnten Mai Ihre Stromration überschritten, Winston Smith und daher einen neuen Schlechtpunkt in ihrem sozialen Punktekonto bekommen! Da müssen wir miteinander reden und Sie haben sich am nächsten Morgen mittels Videokonferenz in meiner Sprechstunde einzufinden! Bestätigen Sie die Anweisung Ihres Maßnahmenbegreuers 0 `Brien unverzüglich!“, leuchtete auf Winstons Handy, das er, wie vorgeschrieben um den Hals trug.

Verdammt, verdammt! Da war schon wieder eine Mahnung und wenn er so weitermachte, war sein Urlaub dahin und er bekam am Ende noch eine Ausgangsperre! Verdammt, verdammt, dabei hatte er, soweit er wußte, sein Stromkonto gar nicht überzogen oder jedenfalls versucht so sparsam, wie es nur irgend möglich war, mit der ihm zugeteilten Ration auszukommen und was das Schlimmste war, war seiner Freundin Julia vor ein paar Tagen das Gleiche passiert! Da hatte sie verbotener Weise, obwohl er sie gewarnt hatte, ein Bad genommen. Der große Bruder, der alles mitbekam, hatte das natürlich gleich gespeichert und ihr ebenfalls eine Strafsitzung aufgebrummt! Also wurde es auch mit ihrem Konto knapp und sie befanden sich demnächst wegen ungebührenden Verhaltens wieder im Lockdown und auf dem öffentlichen Pranger, der sozialen Überwachungsapp!

Verdammt, verdammt, wo waren sie nur hin gekommen? Das hatte er sich vor fünf Jahren nicht geträumt, daß er einmal in einer solchen Misere landen würde! Da hatte er in London an einer Highschool Englisch unterrichtet, Julia kennengelernt und war mit ihr, nachdem England aus der europäischen Union ausgetreten war, nach Österreich übersiedelt, weil Julia, wie sie immer betonte, eine Wiener Großmutter hatte und von der alten Kaiserstadt sehr schwärmte und da hatte es ihm Anfangs auch sehr gefallen! Er hatte im British Council eine Stelle gefunden. Julia war Modedesignerin. Dann war die Pandemie ausgebrochen und damit hatte das Unglück angefangen. Da war er sich ganz sicher. Die Pandemie, der Lockdown, die Ausgangssperren, die Masken– und die Testpflicht! Die Impfpflicht war auch eingfordert und letztendlich wieder ausgesetzt worden! Er und Julia hatten die Zähnen zusammengebissen und sich impfen lassen. Masken hatten sie auch getragen. Zuerst hatte Julia sie selbst designet. Später war die weiße oder schwarze FFP2-Mske verpflichtet worden und während er sich noch fragte, wer das alles zahlen sollte, war schon die nächste Krise hereingebrochen. Russland hatte der Ukraine den Krieg erklärt und alle russischen Künstler, die in Europa lebten, wie beispielsweise, die berühmte Operndiva Anna Netrebko war auf die schwarze Liste gekommen und der Präsident der Ukraine hatte alle Staaten aufgefordert Waffen zu liefern und ihm im Kampf zu unterstützen! Die Folge waren die Sanktionen der europäischen Staaten gegen Russland gewesen, was zu einer Gasknappheit und einer allgemeinen Teuerungswelle, die sich schon vorher unterschwellig angekündigt hatte, gewesen! Der Strom, das Öl, das Benzin, die Fernwärme und auch die Lebensmittel waren teurer und teurer geworden und jetzt gab es die „Große Bruder Überwachungsapp“, die seit Anfang des Jahres zum Wohle aller, jeder um den Hals tragen musste. Damit wurden die Türen zu den Geschäften und den U-Bahnstationen aufgemacht und die Strom- und Gasration überwacht. Das Baden war verboten worden und der Kalorienverbrauch rationalisiert.

„Verdammt, verdammt!“, fluchte Winston Smith nochmals vor sich hin und strich sich mit der Hand über die Stirn. Was sollten er uns Julia machen, wo doch jeder Widerstand zwecklos war? Zwar hatt es schon in Corona-Zeiten Demonstrationen gege ben, die waren aber bald den Rechtsradikalen zugeschrieben worden, die man bekämpfen und verbieten mußte und als im letzten Herbst die Menschen wegen der Teuerung auf die Straße gingen, hatte man den Staatsschutz eingeschaltet. Dann war der Strom und das Gas und auch das meiste Andere rationalisiert und mit der „Großen Bruder-Überwachungsapp“, die man im Handy mit sich trug, kontrolliert wurde.

„Großer Bruder-Überwachungsapp!“, fluchte Winsoton Scmith vor sich hin und schüttelte verächtlich den Kopf. War ihm doch eingefallen, daß es seinem Vater vor vierzig Jahren auch nicht anders gegangen war. Das heißt eigentlich kannte er seinen Vater gar nicht. War er doch in einem Waisenhaus aufgewachsen, wo ihm die die dortige Vorsteherin mitgeteilt hatte, daß seine Eltern bei einem Unfall verstorben waren, weshalb er vom Staat aufgezogen wurde. Dann war aber eine Frau aufgetaucht, die sich als seine Großmutter vorgestellt hatte und ihn, als die damalige Diktatur vorüber und Großbritannien wieder Demokratie geworden war, zu sich genommen hatte. Da war er eigentlich ganz angenehm aufgewachsen. Hatte nach dem Abitur englische Literatur studiert und war Lehrer geworden, was ein Beruf war, der ihn sehr befriedigte und die Großmutter hatte ihm vor ihren Tod noch die Geschichte seiner Eltern zugeflüstert, die offenbar gar keinen Autounfall hatten. Die Mutter hatte Julia, wie seine Liebste geheißen, beide waren dem sogenannten Wahrheitsministerium zum Opfer gefallen und jetzt schien sich die Geschichte offenbar zu wiederholen.

„Verdammt, verdammt, das gab es doch nicht! Das darf nicht sein!“, fluchte Winston Smith vor sich hin und schüttelte den Kopf mit den aschblonden Haaren. Dann drückte er auf sein Handy und gab seine Zustimmung zu der verordneten Videokonferenz. Blieb ihm doch nichts anderes über. Er hatte keine andere Wahl.

2022-08-28

Johanne Amundsen trinkt zweimal Kaffee

„Shut up!“, dachte Johanne Amundsen ärgerlich, als sie das Cafe Hummel verließ, in dem sie sich mit Toves Günthi getroffen hatte. Der Liebste ihrer Freundin hatte jetzt doch angerufen und ihr angeboten sie auf einen Kaffee zu treffen.

„Ein kleines Zeitfenster geht sich aus!“

Und mit ihr über die österreichische Literatur zu plaudern und dann hatte der Rundfunkjournalisten sie abblitzen lassen, als sie ihn gefragt hatte, wer wohl auf der österreichischen Buchpreisliste stehen würde, die in zwei Wochen bekanntgegeben würde.

„Das kann ich dir nicht verraten, Johanne!“, hatte er überheblich geantwortet und arrogant die Achseln gezuckt.

„Das ist Amtsgeheimnis und hier wird nicht gespoilert!“

„Warum?“, hatte sie zurückgefragt.

„Bist du etwa in der Jury und hast ein Schweigelübde unterschrieben!“, hatte sie aufmüfig gekontert. Er hatte den Kopf geschüttelt und die Namen Edith-Ulla Gasser und Stefan Gmündner genannt. Die anderen hatte sie vergesen und auch nicht nachfragen können, denn Günthi hatte auf die Uhr geschaut, dann einen zehn Euroschein aus der Tasche gezogen, der Kellnerin gewinkt und sich verabschiedet, weil er schleunigst wegen eines wichtigen Termins in den Rundfund mußte.

„War schön mit dir zu plaudern, jetzt werde ich erwartet!“, hatte er gesagt und dann noch wissen wollen, ob sie ihre Autorin schon gefunden hatte?

„Ja!“, hatte die genickt.

„Eja Augustin, das Netz hat mir die Adresse verraten und ich habe auch ein Date mit ihr!“

Dorthin war sie jetzt unterwegs und klingelte an der Gegensprechanlage und bald einer braunhaarigen Frau mit Jeans und Pagenkopf gegenübergestanden, die sie freundlich anlächelte, in ihr Wohnzimmer bat und ihr auch einen Kaffee anbot!“

„Sie haben meine Bücher, die ich am Campingplatz von Senj vergessen habe, gefunden und bringen Sie mir zurück! Vielen Dank dafür!“2″, sagte sie, um gleich hinzuzufügen, daß Johanne sie gern behalten könne wenn sie ihr dafür eine Rezension schreiben würde.

Vom „Nobelpreis“ für den sie sie vorschagen könne, erwähnte sie nichts, schien sich das aber zu denken, so daß Johanne Amundsen schnell durchatmete, sich fast die Zunge an dem Kaffee verbrannte und, um vom heiklen Thema abzulenken nach dem österreichischen Buchpreis fragte?

„Denn ich interessiere mich für die österreichische Literatur, obwohl ich mich nicht sehr auskenne! Haben Sie eine Ahnung, wer darauf stehen könnte?“, fragte sie ohne besondere Hoffnung, eine zufriedenestellende Antwort zu bekommen, womit sie sich täuschte, denn die Augen der Selfpublisherin blitzen auf und antwortete, daß sie sich diese Frage auch schon gestellt hatte.

„Denn wissen Sie, ich lese mich immer gerne durch die Liste! Also danke für die Frage, überlegen wir gemeinsam, was ich in diesen Jahr von den Kollegen gelesen habe und wer darauf stehen könnte?“, sagte sie ein wenig neidisch und auch angestrengt und fügte dann den Namen Doron Rabinovici hinzu.

„Der hat eine „Einstellung“ geschrieben! Dann gibt es, glaube ich, ein neues Buch der Marlene Streeruwitz! Kaska Brylas „Eistaucher“ habe ich gelsen und Cordula Simons „Wölfe von Pripjat“. Tomer Gardis „Eine runde Sache“ hat schon den „Leipziger Buchpreis“ gewonnen und Marie Gamilschegg steht schon mit ihren „Meerestieren“ auf der deutschen Liste. Dort steht auch Reinhard Kaiser-Mühlecker, den würde ich auch für einen guten Kanditatn halte, obwohl ich das Buch nicht gelesen haben! Haben wir schon zehn Treffer? Zählen Sie nach und dann wird es auch drei Debutanten geben! Die wurden im Sommer auch bei den O-Tönen vorgestellt. Da habe ich auch noch nicht viel gelesen! Also bleiben wir bei Thomas Stangl, Anna Kim und Margit Schreiner, wenn Wolf Haas „Müll“ weil ein Krimi vielleicht nicht in Frage kommt und dann-!“, sagte sie und wurde ein wenig rot „gäbe es noch meine Bücher „Die gestohlenen Jahre“ und „Die Uhren haben ihre Zeit verloren -Ein Verschwörungsroman in vierzehn Episoden“, habe ich in diesem <jahr geschrieben. Da ich sie mir aber selber drucken lassen, habe ich leider keine Chance!“n sagte sie, um wieder hinzuzufügen, daß sie sich sehr überJohannes Interesse freue.

„Wenn Sie mir eine Rezension schreiben könnten, wäre das sehr toll!“

2022-08-16

Johanne Amundsen kommt nach Wien

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:19
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„Da hast du die Adresse meiner Jugendfreundin, mit der ich vor vierzig Jahren ein paar Semester in Wien studiert habe, Steffi Schuster, die vor kurzem, wie sie mir mailte, in Pension gegangen ist und die sich über deinen Besuch sehr freute, weil du neuen Schwung in ihre Bude bringen kannst!“, hatte Tante Frieda zu ihr gesagt und ihr einen Zettel in die Hand gedrückt.

„Was willst du eigentlich in Wien, Lieblingsnichte?“, fügte sie noch hinzu und sah sie fragend an.

„Du hast am Campingplatz in Senj, wo wir mit dem Onkel und deinen Freundinnen, ein paar Wochen verbrachten, ein Sackerl mit drei Büchern gefunden, hast du mir erzählt! Die hast du in der Rezeption abgegeben, aber später in der offenen Bücherkiste dort gefunden, weil sich niemand meldete, der sie haben wollte! Was willst du damit und warum willst du, deshalb nach Wien fliegen? Obwohl ich dir das nur empfehlen kann! Wien ist eine wunderschöne Stadt, wie ich noch von meinen Studienjahren weiß und du bist Literaturkritikerin! Seit kurzem Mitglied der „Schwedischen Akademie“ und hast daher genug zu tun den nächsten Nobelpreisträger vorzuschlagen! Was willst du also mit den Büchern? Das habe ich nicht so ganz verstanden! Sei also so nett, Lieblingsnichte und klär mich auf!“, hatte die Tante weitergesprochen. Jetzt hatte Johanne Amundsen den Kopf geschüttelt und die Tante ratlos angesehen.

„Das weiß ich selber nicht so genau!“, mußte sie bekennen.

„Ich habe aber die Bücher, das heißt, die zwei, die von einer Eja Augustin stammen mitgenommen und inzwischen gelesen. Es sind selbstgemachte Bücher! Eigenverlag hat man früher gesagt und die Nase gerümpft! Jetzt nennt man es Selfpubblishing und haben immer noch nicht mehr Anerkennung! In meiner Zeitung darf ich, glaube ich, nicht darüber schreiben! ich habe sie aber gelesen und sie haben mir gefallen! Von einer Eja Augustin habe ich noch nie etwas gehört! Was zwar kein besonderes Kunststück ist, weil ich ja in Stockholm lebe! Ich habe aber vergleichende Literaturwissenschaft studiert und bin an allem interessiert! Brüste mich immer über den Tellerrand hinauszuschauen! Also habe ich den Günthi, den die Tove nach Senj mitgenommen hat und der in Wien Radioredakteur und auch Literaturkritiker ist, danach gefagt, aber der hat auch nur die Schultern gezuckt und die Nase gerümpft. „Eigenverlag interessiert mich nicht!“, hat er, glaube ich, ebenfalls gesagt oder hat er es Selfpublishing genannt? Das weiß ich nicht mehr, es ist auch egal! Ich habe die Bücher aber gelesen und sie haben mir gefallen! Eines hat „Die gestohlenen Jahre“ geheißen und sich mit der Pandemie beschäftigt, die ja in Österreich wie ich hörte, anders gemeistert wurde, wie es bei uns in Schweden war. Das andere „Claire – Klara – Clarisse“ und spielt im Campingplatz von Trogir, nicht in dem von Senj ich gebe es zu, hat mich aber trotzdem interessiert! Wer ist die Frau, die diese Bücher geschrieben hat, habe ich mich gefragt und keine Auskunft bekommen. Sie lebt in Wien, steht in ihrer Biografie und hat schon einige Bücher im sogenannten Selbstverlag herausgebracht. Güthi hat wieder den Kopf geschüttelt und von mir wissen wollen, wer für den nächsten in Frage käme? „Weißt du das schon?“, hat er mich neugierig gefragt. Da habe ich den Kopf geschüttelt und keine Auskunft geben dürfen! „Du denkst doch nicht vielleicht diese Eja Augustin vorzuschlagen?“, hat er weitergefragt und sarkastisch gegrinst und da, ich gebe es zu, mich auf die Idee gebracht, das ich das tun könnte! Nicht diese Eja Augstin vorzuschlagen, natürlich nicht! Aber nach Wien zu fliegen und nach ihr zu forschen! Denn ich bin ja neugierig und schaue gern über den Tellerrand! Habe noch etwas Urlaub, so daß ich meine Privatzeit dafür verwenden könnte, wenn ich die Bücher dieser Eja schon nicht meiner Zeitung und auch nicht der Akadmie vorschlagen kann und habe den Rezeptionisten noch einmal nach ihr gefragt! Der mir aber auch keine Auskunft gab! Ob es der Datenschutz war, daß er sie mir verweigerte oder, ob eine Dame dieses Namens nicht am Camp logierte, weiß ich nicht! Es ist aber auch egal! Ich habe noch etwas Urlaub, war noch nie in Wien, will immer neue Autoren kennenlernen und außerdem könnte ich mich da auch mit Günthi treffen!“, fügte sie noch ein wenig spöttisch hinzu, weil das, das Letzte war, was sie wollte, denn so sympathisch hatte sie den neuen Schwarm ihrer Freudnin Tove nicht gefunden. Wer weiß aber, was passiert und ob sie seine literarischen Wien-Kenntnisse nicht doch einmal brauchen konnte? Die Beziehungen ihrer Tante zu ihrer Jugendfreundin aber schon. Denn diese hatte sich sofort angeboten, an Steffi Schuster zu schreiben und zu fragen, ob ihre Nichte ein paar Tage bei ihr logieren konnte, damit sie einen Wiener Bezugspunkt hätte und kein Hotel benützen mußte und jetzt hatte die, der Tante geantwortet und sie eingeladen zu i kommen.

„Das ist fein, Tante Frieda! Ich freue mich sehr, richte deiner Jugendfreundin gern deine besten Wünsche aus und lade sie auch ein, uns zu Weihnachten zu besuchen! Vielleicht ist sie daran interessiert dich wiederzusehen und ich führe sie auch gern in Stockholm herum! Wie ist denn deine Jugendfreundin? Verrate mir das bitte! Sie hat wie du Psychologie studiert, ist vor kurzem in Pension gegangen und will jetzt über die die psychischen Maßnamenschäden und das soziale Kreditsystem schreiben! Das ist doch interessant und führt vielleicht auch zu dieser Eja Augustin! Vielleicht kennt deine Freundin, wenn sie literarisch interessiert ist, diese Autorin und kann mir weiterhelfen, wenn sich der Günthi schon verweigert!“, sagte sie, vor sich hingrinsend und brach ab.

„Ich höre schon auf mit meinen Fantastereien, Tante Frieda, du brauchst mich gar nicht so mahnend anschauen und komme zum Ernst der Sache zurück! Vielen Dank für deine Hilfe, ich richte die Grüße aus, schicke dir gern eine Ansichtskarte und jetzt gehe ich nach Hause meine Sachen packen und schicke deiner Freundin ein Mail, um ihr meine Ankunft anzukündigen!“

2022-07-20

Johanne Amundsen macht einen Fund

Filed under: Reisebericht,Textbeispiel — jancak @ 08:58
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„Uff!“, dachte Johanne Amundsen und strich sich mit der Hand über die Stirn. Ihr Blick fiel über das Meer das vor ihr lag. Darauf und auf dem schmalen Strich auf dem der Campingbus ihrer Tante Frieda und ihres Onkels Gustav stand, aus dem eigentlich und genaugenommen der gesamte Campingplatz bestand, auf dem sie die nächsten drei Wochen verbringen würde.

Warum war sie so dumm gewesen und was hatte sie bewogen, die nächsten drei Wochen auf dem kiesbestreuten Parkplatz direkt unter der Ausfahrtsstraße auf der Tag und Nachts die Autos vorüberrasten zu verbringen und dort ihren wohlverdienten Sommerurlaub zu verleben.

Warum nur? Denn eigentlich und genau genommen gab es in Stockholm auch ein Meer und außerdem war sie gar keine so besondere Schwimmerin und hielt auch nicht soviel vom Segeln, Surfen, Tauchen. Richtig, einen Tauchkurs wollte sie eigentlich auch nicht absolvieren, sondern sich stattdessen mit der Literatur beschäftigen, denn das war ihr Beruf, war sie doch Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Dozentin an der Uni. Seit kurzem auch Mitglied der schwedischen Akademie, ein Job, um den sie alle auch beneideten.

Ihre Freundin Svantje, ebenfalls Literaturwissenschaftlerin und Lektorin in einem nicht so unbekannten Stockholmer-Verlag, tat das jedenfalls und sie war es eigentlich auch, die sie dazu bewogen hatte, den Vorschlag ihrer Tante anzunehmen doch mit an die Adria zu kommen und den Sommer oder wenigstens drei Wochen davon auf dem kleinen Campingplatz in dem kleinen dalmatischen Städtchen Senj zu verbringen.

„Da hast du alles was du brauchst, Johanne, dein Onkel und ich machen das schon seit fünf Jahren und und jetzt, wo wir uns den neuen Camper angeschafft haben, laden wir dich gerne ein, mit uns zu kommen! Du bist doch eine hervorragende Schwimmerin und hast Erholung verdient! Was sagst du zu meinen Vorschlag? Überleg es dir! Das kleine dalmatische Städtchen hat viel zu bieten! Gibt es da doch eine berühmte Festung, die sich besichtigen läßt! Haben da doch die Uskoken, die Türken im sechzehnten Jahrhundert besiegt und ein Hauptsitz der berüchtigten Ustata soll es auch einmal gewesen sein!“, hatte die Tante, eine Juristin, die vor kurzem in Pension gegangen war, geschwärmt und sie mit diesen Tatsachen zu überreden versucht.

Da war sie noch standhaft gewesen und hatte den Kopf geschüttelt, denn was interessierte sie die Festung der Uskoken und auch auch der ultranationale faschistische Freieitsbund Kroatien war ihr eigentlich egal und das war es auch für Svantje, der sie unvorsichtigerweise von Tantes Vorschlag erzählt hatte.

Die Faschisten waren es und auch die christlichen Uskoken, aber sonst hatte sie einen Begeistungsschrei nach dem anderen ausgestoßen und „Das ist doch großartig, Johanne! Weißt du was, ich und der Jan schließen uns dir an! Denn du weißt doch, Jan ist ein begeisteter Segler und ich möchte auch schon lange einen Tauchkurs machen!“

Und als sich dann noch ihre andere Freundin Tove diesem Begeisterungssturm angeschloßen hatte, war es entschieden gewesen und Johanne war mit ihrer Tante und dem Onkel, der auch ein begeisteter Segler war, in das kleine adriatische Städtchen „Jadran heißt die Adria, Johanne, das weißt du doch? Soviel kroatisch muß sein und, daß „Doar dan!“, „Guten Tag!“, bedeutet, ist dir ebenfalls bekannt?“, gefahren. Stand da jetzt schon seit zwei Tage auf dem Kiestreifen, blickte auf das Meer und überlegte, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war, die nächsten zwanzig Tage auf einen kiesbestreuten Parkplatz zu verbringen.

Gut, es war alles da, wie ihr der Onkel, ein pensionierter Bankbeamter, der ihre Enttäuschung bemerkt zu haben schien, versicherte.

Ein Klo mit zwei Duschen am Beginn des Camps, wo sich auch ein Restaurant befand, daß so berühmt war, daß es in sämtlichen Führern vermerkt stand. Aber das war eigentlich egal und hatte nichts zu bedeuten, denn der Onkel war außer ein begnadeter Segler auch ein begeisteter Grillmeister und so standen zwei Kugelgrills neben seinem neuen weißen Campingbus und kaum, daß er von seinem Turn zurückgekommen war, verwandelte er sich in denselben. Band eine grüne Schürze über seine meist schwarze oder blaue Badehose und fing zu grillen an. Dann saßen den Rest des Abends auf zwei Tischen auf dem schmalen Kiesstreifen, die die Tante unter Sventjes und Toves tatkräftiger Mithilfe aufstellte und die übrigen Campinplatzbenützer behinderte ihre Zelte oder Busse auzusuchen, was gestern zu einem heftigen Streit geführt hatte.

Sventje und Tove waren sowohl von den Seglturns und des Onkels Kochkunst begeistert und Günthi oder Günther, der Überraschungsgast aus Österreich, den Tove, die ebenfalls mit ihr vor fünfzehn Jahren Literatur studiert hatte, angeschleppt hatte, tat das auch, beziehungsweise stand er, während der Onkel begeistert grillte und die Tante Tisch und Sessel aus den Bus räumte oder die Salate zubereitete, unbeweglich neben der Arbeitsplatte, um mit stoischer Ruhe, die Gläser zu polieren aus denen später dann, der Wein und das Wasser getrunken wurde, das die Freundinnen aus dem naheliegenden „Konzum-Markt anschleppten.

„Großartig, Johanne, das ist doch eine gute Idee, daß uns deine Tante eingeladen hat, den Sommerurlaub mit ihr zu verbringen!“, schwärmten sie begeistert. Sie fand, sie konnte es nicht verhehlen, eigentlich langweilig. War gestern mit dem Onkel und den Freundinnen auf der Burg gewesen und hatte die Kanonen bewundert, die überall in dem Städtchen aufgestellt waren. Am Morgen liefen sie dorthin in die „Pekaria“, die schon um sechs geöffnet hatte, um Schokoladecroissants zu besorgen und die dann mit dem Nescafe zu verzehren, die die Tante ihnen zubereitete.

Das war doch eher eintönig und auch das Schwimmen und das Segeln konnte sie nicht so begeistern, wie die Tante und die Freundnnen, aber auch Toves neuer Schwarm, der berühmte Günthi oder Günther, der in einem österreichischen Radiosender beschäftigt war, schien etwas skeptisch, stand er doch mit seiner blauen Badehose und der Goldkette, die er um seinen Hals geschlungen hatte und der großen Brille eher abwartend am Campingplatzrand und schaute genauso intensiv auf das Meer, wie er abends die Gläser polierte.

Es war eigentlich langweilig und auch der die Strandpromenade, die sie nach dem Grillevent machten, um in einer der vielen Beachbars einen Cocktail einzunehmen, konnte ihre Begeisterung nicht erwecken, noch dazu da der „Hugo“, den ihr die junge Kellnerin gestern abend serviert hatte, aus einem undefinierten grünen Saft bestanden hatte. Von einer Limettenspalte und einem Minzblättchen keine Spur. Nur die obligatorischen Eiswürfeln waren in dem Drink enthalten gewesen. Da hatte auch der berühmte Günthi erstaunt geschaut und glücklich an seinem Colafläschen genuckelt, das er sich, der wohl ein Antialkoholiker war, bestellt hatte.

Langweilig war es und eigentlich hatte sie auch keine Lust mit dem neuen Schwarm ihrer Freundin Tove über die österreichische Literatur zu diskutieren, wie diese ihr vorgeschlagen hatte, als sie wohl auch ihre Unlust bemerkt hatte.

Hatte sie ganz ehrlich und wiederum genau genommen, nicht, denn sie hatte mit ihrem Job in der schwedischen Akademie, wo sie ja den nächsten Nobelpreisträger mitbestimmen sollte, genug zu tun und auch besagter Günthi schien keine besondere Lust zu haben, das mit ihr zu tun.

„Da bin ich froh darüber!“, dachte Johanne und wandte ihren Blick von dem immer noch Gläser polierenden Günther ab, um sich in Richtung Toilette zu begeben, vor der immer ein älterer Herr mit einer schwarzen Badehose und einem großen Bauch saß, der die Toilettenbesucher mißtrauisch musterte und dessen Aufgabe es zu sein schien, die normalen Badegäste vom Besuch derselben abzuhalten, da diese nur, wie groß in mehren Sprachen am Eingang stand, den Campingplatzbenutzern vorbehalten war.

Sich vor dem Abendessen noch schnell die Haare zu richten, war sicher eine gute Idee und brachte sie vielleicht in eine bessere Stimmung und die Fische, die der Onkel briet, waren wirklich ausgezeichnet. Da gab es gar nichts zu meckern. Also tief durchatmen und dem Toilettenwächter freundlich zunicken, der sie schon als Campbenützer kannte und nichts gegen ihren Eintritt hatte und griff in ihren Hosentasche, um den Kamm herauszuziehen und sich vor einen der beiden Spiegel zu stellen.

Da lag vor ihr ein weißes Säckchen in das sie neugierig hineinschaute. Vielleicht kam sie dadurch in eine bessere Stimmung? Ihre Neugier war auf jeden Fall geweckt, hatte sie doch schon gesehen, daß sich drei Bücher in deutsche r Sprache, die sie recht gut beherrschte, so daß sie sich mit besagten Günthi unterhalten konnte, darin befanden.

Hatte er sie mitgenommen, um sich auf sein nächstes Radiofeature vorzubreiten, das er nach dem Urlaub machen sollte? Aber nein, das war nicht möglich, befand sie sich doch im Frauenabteil und Günthi würde seine Bücher, wenn überhaupt, auf der anderen Seite vergessen. Also hineingeschaut, um herausbekommen, um welche Bücher es sich handelte und wer sie wohl auf dem Campingplatz in dem kleinen adiratischen Stätchen in dem sie ihren Urlaub verbrachte, vergessen hatte?

Drei Bücher in deutscher Sprache befanden sich darin und eines hieß wie sie erkannte „Claire – Klara – Clarisse oder wilder Lavendl“ und zeige am Cover eine Radfahrerin, die in einem schwarzen Hosenanzug und einem beigen Schal den Adriastrand entlang zu fahren schien. Das andere „Das gestohlene Jahre“ und beiden waren von einer Eja Augustin geschrieben, von der sie noch nie etwas gehört hatte. Das Dritte war etwas dicker und stammte von dem ihr wohl bekannten Autor Helmut Krausser und hieß, was auch interessant schien „Wie das mit Jeanne begann“, was vielleicht mit ihr zu tun haben könnte, mutmaßte sie und beschloß, das weiße Plastiksäckchen dem Tolettenwächter zu übergeben. Vielleicht konnte er damit etwas anfangen und den Besitzer oder die Besitzerin ausfindig machen. Den umschwärmten Günthi konnte sie beim anschließenden Abendessen auf der Campingstraße auch befragen, ob er die Bücher am Damenklo vergessen hatte?

2022-07-17

Die Rentnergang aus Liberec

Filed under: Reisebericht,Textbeispiel — jancak @ 01:16

Lebhaft ging es zu auf dem kleinen Campingplatz, der neben dem Stadtbad lag. Einige Kinder liefen herum und spielten Fangen. Wohnmobile waren zu sehen und am Ende des Platzes hatten drei Motorradfahrer ihre Zelte aufgestellt. Drei ältere weißhaarige Männer mit Schnauzbärten, die kurze Hosen und T-Shirts trugen und jeder vor sich einen kleinen Kocher aufgestellt hatte, wo sie Würstel brieten oder eine Suppe kochten.

„Edo, Stanek und Jaroslav aus Liberec“, stellte sich einer dem Ehepaar vor, das gerade angekommen war und ihr Zelt aufstellte.

„Einundsiebzig, fünfundsechzig und siebenundsechzig Jahre sind wir alt! Wir waren Busfahrer in Licerec und jetzt fahren wir mit unseren Maschinen um die Welt, um fit und jung zu bleiben und nicht an einer Demenzen zu erkranken!“

„Stop, Edo, das ist übertrieben und stimmt nicht ganz!“, korrigierte nun sein Kollege, der sich als Stanek vorstellte.

„Wir waren gerade drei Wochen in Kroatien und sind jetzt auf der Rückfahrt! Heute machen wir uns noch einen schönen Abend und haben gerade am Hauptplatz ein paar Gläser Wein getrunken! Morgen geht es mit unseren Freunden wieder nach Hause!“, sagte er und wies mit der Hand auf die Motorräder hin.

„Edo, Stanek und Jaroslav, die Rentnergang aus Liberec, die Österreich und Kroatien unsicher macht oder vielleicht auch sicherer!“, sagte jetzt der Dritte, der siebenundsechzigjährige Jaroslav, der sich über seinen Bart strich, der etwas kürzer, als der, der beiden anderen war. Er hatte in sich in seinem Topf eine Suppe gekocht, die er jetzt in einen Teller groß und mit einem Löffel zu essen begann.

„Das ist ein schöner Campingplatz! Sehr groß und sauber und morgen, um halb acht kommt ein Bäckerwagen, wo wir uns Kolatschen kaufen können! Löskaffee haben wir dabei und dann setzen wir uns wieder zu den Lederjacken unsere Sturzhelme auf! Dann geht es nach Hause und da wird im Winter Trübsal geblasen! Im nächsten Sommer geht es wieder auf Fahrt! Nach Italien oder Frankreich vielleicht! Das haben wir uns noch nicht ausgeschnapst! Das müßen wir noch disktuieren! Aber erst nach Hause und der Rosica und den Kindern ihre Geschenke mitbringen, damit sie mir nicht böse sind, daß ich sie für drei Wochen verlassen habe! Eine schöne Kette habe ich der Frau aus Split mitgebracht und jetzt trinken wir drei Hübschen noch ein Abschiedsbier zusammen, bevor wir uns in unsere Zelte verkriechen, um morgen wieder frisch und munter zu sein!“, sagte Jaroslav und zog eine Dose aus seinem Rucksack.

„Prost!“,sagte er zu seinen Freunden, die ebenfalls Bierdosen geöffnet hatte und nickte dem Ehepaar zu, das das Zelt inzwischen aufgestellt hatte und jetzt in Richtung der Waschräume verschwanden.

„Prost, Edo und Stanek, auf unseren letzten Abend! Auf den kroatischen Insel war es schön und das werde ich auch der Rosica erzählen und ihr die Fotos zeigen, die ich auf der Fahrt geschossen habe! Die meisten habe ich ihr schon geschickt, damit sie sich eine Vorstellung von unserer Reise machen kann und du hast ja auch ein schönes Geschenk für deine Jana, Edo und der Stanek, der ja schon verwitwet ist, hat sich ein paar Flaschen Wein mitgebracht, um an der Erinnerung zu zehren!“, sagte er grinsend und stieß noch einmal mit seinen Kollegen an, bevor er seinen Teller und den Topf zusammenpackte, und damit zur Geschirrabwaschstelle ging.

2022-06-25

Simon Bauers Bachmanntext

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:00
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Zum Auftakt des heurigen „Bachmann-Preises“, der wieder ganz, wie gewohnt in Klagenfurt stattfinden wird, gehe ich ein bißchen in die Zukunft oder gebe eine Kostprobe aus den „Gestohlenen Jahren“:

„Eins, zwei, drei G, hipp, hipp, hurrah, testen, testen, testen, positiv, negativ positiv. Natürlich haben wir das brav getan. Vier, fünf, sechs, sieben und dann gab es noch zwei G in der Literatur. Geimpft oder genesen war da die Devise und sollte so sein. Ein hygienisch reiner Text und ganz sterile Immunität. Nur so darfst du dich bewerben und sollst du schreiben. Also, lieber Autor, liebe Autorin, laß dich brav impfen, wenn du im Literaturbetrieb erfolgreich sein willst. Denn sonst bist du out und an den Rand gedrängt. Giltst als literarisch unterbelichtet und wenn du vielleicht auch noch auf eine dieser Corona-Demos gehst, bist du endgültig verloren. Giltst als rechter Nazi und wirst ausgeschieden. Also halte dich an unsere Regeln und laß dich dreimal impfen. Dann kannst du deinen Text einreichen, darfst ihn vielleicht lesen und sogar gewinnen. Bei den Juroren ist das ebenfalls so. Da gilt auch ein lupenreiner Literaturgeschmack. Nur mehr solches ist gefragt und wird zugelassen. Die Sterilität der Literatur ist unser Forschungsgegenstand. Ist hipp hurrah modern geworden und ich wäre wieder einmal übergeblieben, wenn ich schon geschrieben hätte“, tippte Simon Bauer in den Laptop und atmete tief durch. So würde es gehen. So würde er den Text verfassen und sich damit um den hehren „Bachmann-Preis“ bewerben von dem er sich erinnern konnte, daß Angela ihm vor fünf oder sechs Jahren erklärte, daß das das Eingangstor für junge Autoren in die Literatur sei. Das hatte ihm damals im Gegensatz zu Angela, die er in Verdacht hatte, daß sie heimlich schrieb, nicht sehr interessiert. Hatte nicht im Traum daran gedacht, Literat zu werden. Hatte das im Gegenteil, er gab seine Vorurteile zu, etwas für Schwächlinge oder junge Frauen gehalten. Wirtschaftsjurist wollte er damals werden. Die Rektorin der WU hatte das aber verhindert und ihn Anfang Februar 2022 vertrieben. Ein paar Wochen vorher mußten die Teilnahmebedingungen für den begehrten Preis ausgeschrieben worden sein.

„Aber nur mit 2G. Etwas anderes ist nicht zugelassen und wollen wir nicht hören. Schon gar keinen Roman oder Erzählung, die sich kritisch mit der Covid-Situatuin auseinandersetzen. Das werden wird nicht hören. Also keine Schwurblerliteratur, denn die wollen wir nicht lesen und lassen sie nicht zu.“

Diese Vorsucht war zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich schon unbegründet, denn die hoffnungsvollen Jungautoren und Jungautorinnen, zu denen vielleicht auch ein paar Sprachkunststudeten zählten, waren vermutlich schon so traumatisiert oder angepasst, daß sie nicht im Traum daran dachten, sich kritischh zu diesem Thema zu äußern. Schrieben stattdessen über die Erlebnisse ihrer Groß- und Urgroßeltern, die diese vor langer Zeit in Sibirien einmal erlebten oder von Blumen und Bienchen. Setzen sich vielleicht überhaupt nur mit der Sprache auseinander und geimpft waren sie, wenn sie irgendwo lesen oder ein Stipendium in Anspruch nehmen wollten, sowieso. Das war schon lange selbstverständlich und keine Frage wert. Die paar Außenseiter, die ihre Poetry Slams auf Antimaßnahmen-Demos vortrugen waren out und kamen diesbezüglich nicht in Frage. Die reichten höchstwahrscheinlich gar nicht ein. Drohten höchstens sich den Wettbewerb zu entziehen. Den würden sie selbstverständlich boykottieren, hatten sie vielleicht auf ihren Blog oder auf Facebook, geschrieben. Aber ihn hatte das damals nicht interessiert. Wenn er ehrlich war, hatte er im Jänner 2022 von den verschärften Teilnahmebedingungen nichts mitbekommen und keine Ahnung gehabt, daß er einen diesbezüglichen Text verlassen sollte. Die Zeiten hatten sich geändert. Jetzt konnte, durfte, sollte er darüber schreiben. Damals war es verboten gewesen und hatte ihn auch nicht beschäftigt. Denn im Juni 2022 , wo der Wettbewerb stattgefunden hatte, war er durch Slowenien getingelt und hatte keine Ahnung von dem Geschehen gehabt. Es hatte ihn so wenig interessiert, daß er die hehre Veranstaltung nicht einmal boykottierte und sich die Lesungen der vollgeimpften Jungautoren, die von Blumen, Bienen und in schöner Sprache von den Erlebnissen ihrer Großväter im zweiten Weltkrieg berichteten, nicht angehört. Die waren wohl ordnungsgemäß auf die neue Art und Weise abgewickelt worden, obwohl es da schon wieder Sommerlockerungen gegeben hatte. Kein Wort von Corona und der Maßnahmenpolitik. Vom Angriffskrieg der Russen in der Ukraine, der zu diesem Zeitpunkt stattgefunden hatte, war wahrscheinlich schon geschrieben worden. Aber nicht von den Jungautoren, die ihren 2G konformen Text schon vor Kriegsbeginn einreichen hatten müssen. Die jungen Autoren und Autorinnen hatten gelächelt und gestrahlt und die Siegerin oder der Sieger, da hatte er noch immer keine Ahnung, wer das gewesen war und musste sich erst informieren, hatte wahrscheinlich mit einer schwarzen oder weißen FFP2-Maske versehen, den Juror, der die Laudatio hielt, ein Küsschen auf die Wange gedrückt und von ihm ein solches entgegengenommen.

Ich gratuliere für das keimfreie Stück 2G-Literatur! So soll es sein und wollen wir es haben!“, hatte damals wohl der Veranstalter gesagt. Das war jetzt vorbei und längst vorüber. Als wäre es nur ein schlechter Traum gewesen. Man konnte, durfte, sollte darüber schreiben. Die Traumatisierungen überwinden und das würde er tun, dachte Simon und blickte in den Laptop, der sich mit seinem Text gefüllt hatte.

Karl Kasterer konnte sich freuen und er würde nach Barbara suchen, wenn er nach Wien zu seiner Lesung kam oder vielleicht schon früher. Er würde an Moritz schreiben, der vielleicht noch in der Albertgasse wohnte oder vielleicht auch nicht. Denn die Jahre waren vorübergegangen und Moritz und Angela wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig, wie das vermutlich auch Barbara war. Die war an ihrer Adresse nicht mehr zu erreichen. Das hatte er in den letzten Jahren irgendwann herausgefunden und gehört, daß ihre Eltern gestorben waren und sie bei ihrer Tante oder Großmutter lebte, von denen er keine Adresse hatte oder wieder falsch. Die Großmutter war Allgemeinmedizinerin. Ihre Ordination wäre also zu finden. Aber höchstwahrscheinlich gab es die Praxis nicht mehr, denn die Großmutter in Pension, wenn nicht Barbara ihre Praxis übernommen hatte. Aber ihren Turnus konnte sie noch nicht abgeschlossen haben. So schnell ging sich das nicht aus, dachte er und blickte noch einmal auf den Schirm.

„Eins, zwei, drei, vier oder fünf G. Wie das auch bei der Impfung war, obwohl wir jetzt schon wissen, daß die vielleicht doch nicht ganz hält, was versprochen worden war. Geimpft, geboostert oder genesen. Nur so kann es sein. Nur so dürfen die schönen Worte zu uns dringen. Cero-Covid ist angesagt und unser Ziel, obwohl sogar die Chinesen und die Australier herausgefunden haben, daß das vielleicht nicht möglich ist und Omikron, das noch im Juni 2022 herrschte, auch die Geimpften ansteckend. Vielleicht verbreitete sich das Virus also auch im hehren ORF-Theatersaal. Da aber die jungen Leute nicht schwer erkrankten, machte das nichts aus und da sie alle geimpft und geboostert waren, sowieso nicht. Also viele sterile schöne Worte. Null-Covid der Literatur ist die Losung. Geimpft, geboostert und genesen. Positiv, negativ, positiv soll es sein und ich halte mich ebenfalls daran oder auch nicht. Denn ich bin ein Außenseiter, der Literatur und immer noch ungeimpft. Sitze aber trotzdem vor Ihnen, lese Ihnen vor und freue mich, wenn es Ihnen gefällt!“, tippte Simon Bauer in den Laptop und schaute zufrieden vor sich hin.

Und hier gibt es schon einen „Bachmannpreis-Text“, der sich auf 2009 bezieht.

2021-12-24

Durch Weihnachtsamnestie kein ungemütliches Weihnachtsfest?

Meine Leser wissen es wahrscheinlich, ich habe mich auf diesen Artikel gefreut, um Ex-Kanzler Schallenberg auszurichten, daß ich trotz seiner guten Wünsche auch als Nichtgeimpfte ein schönes Weihnachtsfest verleben werde.

Also in Harland bei meiner Familie mit Weihnachtsdekorationen, Weihnachtsbäckereien, Weihnachtsbücher, Weihnachtsschreiben, etcetera, wie schon in den Vorjahren und wie man auch in diesem Blog nachlesen kann.

Dann kommt es natürlich doch nicht, wie man denkt, sondern ganz anders, denn obwohl, die Sprache in Corona-Zeiten bitte beachten, die liebe Regierung mit Neukanzler Nehammer eine sogenannte Weihnachtsamnestie für Ungeimpfte verkündet hat, daß diese also, wie im Vorjahr sich mit zehn anderen Personen treffen dürfen, vielen Dank, liebe Reigerung, aber wo bekomme ich diese her?

im Vorjahr waren wir mit dem Alfred, der Schwiegermutter, der Personenbetreuerin, der Anna, dem Andreas und der Lia sieben. Aber die Schwiegermutter und die Betreuerin sind nicht mehr da, die Anna hat Dienst, das Baby übt sich derzeit bevorzugt mit den Worten „Nein!“,, der Andreas kommt auch nicht immer und Christbaum wollte ich, weil nicht katholisch auch nicht haben und auch die Vanillekipferln,f ehlen seit 2012 oder schon früher, als der Schwiegervater gestorben ist.

Aber trotzdem gemütlich, liebe Regierung, natürich klar und selbstverständlich. Die Kekse sind gekauft, das Punschrezept ist erprobt und das neue „Corona-Texte-Buch“ ist hurrah, hurrah, auch pünktlich gekommen und sehr schön geworden.

Weihnachtsgeschenke sind auch gekauft. Das dürfen Ungeimpfte zwar nicht wirklich. Der „Hofer“ hat aber auch Spielzeug anzubieten und am Markt gibt es auch allerhand, Taschen, Schmuck, Kerzen, Kekse, etcetera zu kaufen, also wird es auch daran nicht mangeln und an den Weihnachtsbücher ebenfalls nicht, an diesen ganz besonders nicht, habe ich mir da in den letzten Jahren richtige Bücherchristbäume gebastelt und heuer lese ich seit dem Ersten mich durch die Liebesromanzen, also gute Stimmung trotz der Hektik, die speziell durch die Pnik wegen der neuen Omikronvariante durch das Land zieht. Die muß man halt ignorieren, an die Eigenverantwortlichkeit denken und auch die Frage außen vor lassen, wann denn jetzt der neue Lockdown kommt? Denn das neue Virus ist ja viel viel ansteckender und wir wollen keine Herdenimmunität und auch nicht mit dem Virus leben lernen, sondern es bekämpfen, denn das hat der neue Bundeskanzler ja gesagt, daß das das Ziel sein muß, obwohl ich schon lange denke, daß man das nicht kann und wenn das in diesem Tempo weitergeht, dann gute Nacht, dann wirds wahrscheinlich wirklich ungemütlich!

Aso entspannen, liebe Freunde und genießen wir mit Test, Impfungen, Maske oder auch ohne, da Weihnachtsfest.

Meinen Adventkalender biete ich natürlich neben den „Literaturgeflüstertexten“ dafür an und auch das Corona-Gedicht der Doris Kloimstein, das sie mir wieder so getreulich schickte, denn Poesie soll und muß in Zeiten, wie diesen höchstwahrscheinlich auch ein bißchen sein

„Krippenspiel 22021

kleine Besetzung – Abstandsregeln

dürfen wenigstens Maria und Josef

ohne FFP2 Maske auftreten

das Christkind eine Puppe – keine virologische Gefahr

Ochs und Esel aus Pappmache – desgleichen

damals in Bethlehem – ein Stall – höchste Infektionsgefahr

jedoch lebendig

und steril war da nichts-

der Atem des Geistes zur Weihnacht

weht dennoch heut in Echtzeit

hoffnungsfroh

Erlösung“

Und jetzt für die „Nika“ Leser: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24, 25. das nächste offene Fenster wird am 25. 12. sein.

Zwei Geschichten mit der sprachgewaltigen kleinen Lena, die meinen Freund Uli immer ärgern, gibt es auch.

Und abschließend teile ich an die Regierung, die Experten, die Geimpften, die Ungeimpften und alle, die es noch haben wollen, auch virtuelle Geschenke aus und da hätte ich ganz weihnachtlich an Andersen- Märchen gedacht und da würde ich sowohl an „Des Kaisers neue Kleider“, die „Nachtigall“ und den „Schweinehirt“ zum Wiederlesen empfehlen.

2021-12-06

Kein Christkindlmarkt

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:07
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„Michaela Reisinger hatte die zweite Kerze des Adventkranzes angezündet und das Nikolaussäckchen mit den Nüssen, den Mandarinen, und den Schokoladestückchen auf den Tisch gestellt.

„Kommst du Lena?“, rief sie ins Kinderzimmer.

„Der Kakao ist fertig! Dazu gibt es Lebkuchenherzen und schau einmal der Nikolaus war da und hat dir ein Sackerl mitgebracht!“

„Fein!“, rief die Viereinhalbjährige und war schnell, wie ein Blitz aus ihrem Zimmer gekommen.

„Wie schön, daß der Kindergarten Lockdown hat und ich die Tage bei dir verbringen kann! Sehr schön sogar! Gestern war der Krampus da und hat mir einen solchen gebracht und heute der Nikolo! Wieso ist der Papa nicht auch im Lockdown, wie der Kindergarten und du?“, wollte sie dann neugierig wissen. Hatte das Säckchen aufgemacht und sich ein Schokoladestück in den Mund gesteckt.

„Weil er zu den systemrelevanten Berufsgruppen gehört und in ein sein Office muß!“, antwortete Michaela und überlegte, ob die Kleine mit dem Wort systemrelevant etwas anfangen konnte? Sie nickte aber schon, wiederholte das Wort „Fein!“ und sah sie prüfend an.

„Dann können wir, wenn schon Lockdown ist und der Nikolaus nicht in den Kindergarten kommen kann, doch auf den Christkindlmarkt gehen! Das wär doch fein, Mama und ich freu mich darauf, weil wir das gestern nicht waren und du es mir ja versprochen hast! Wir beiden nützen den Lockdown aus, gehen hin und du kaufst dann die Christbaumkugeln, die du noch brauchst! Machen wir das, Mama, weil man auch im Lockdown spazierengehen darf, um nicht krank zu werden!“, hat die Tante uns erklärt und der Kevin macht das auch!“, behauptet sie mit vollen Backen und griff dann zu dem Becher, um einen Schluck Kakao zu trinken.

„Das geht nicht, Lena, weil es im Lockdown auch keinen Christkindlmarkt gibt!“, versuchte Michaela Reisinger betont ruhig zu antworten, obwohl sie merkte, daß das Gespräch sie anspannte und sie auch etwas wütend machte.

„Erinnerst du dich nicht, daß wir im Vorjahr auch nicht dort waren, obwohl der der Papa und die Oma es dir versprochen haben“, versuchte sie an Lenas Gedächtnis anzudocken. Aber die schüttelte den Kopf und sah auf einemal wild entschlossen aus.

„Das stimmt nicht, Mama! Schwindele nicht! Es gibt heuer einen Christkindlmarkt, denn ich war mit der Oma schon vor drei Wochen dort, wo er gerade aufgestellt wurde. Erinnerst du dich, da hat die mich vom Kindergarten abgeholt, weil du einen Geschäftstermin hattest! Wir sind vorübergegangen und die Oma hat mir erklärt, daß er am Samstag eröffnet würde und daß da der Herr Bürgermeister mit dem Wiener Christkind kommt! Aber richtig, Mama, die Oma hat etwas von einem 2G gesagt, das man dazu haben muß, wenn man durch die Durchgangssperre will! Und das kannst du nicht, weil deine Eltern nicht geimpft sind! Aber vielleicht gehst du mit dem Kindergarten hin, weil du ja noch keinen Ninjapaß brauchst!“, hat sie gesagt und dann habe ich darauf vergessen, weil jetzt der Lockdown ist und der Kindergarten zu! Der Christkindlmarkt war aber schon eingeräumt! Warum ist er jetzt verschloßen? Das ist doch blöd, denn ich wollte mir ja die Sachen ansehen und mit dir Christkibaumkugeln kaufen und im Freien kann man sich auch nicht anstecken, hat die Tante gesagt!“

„Stimmt das ist blöd! Da habe ich mich auch geärgert und mich gefreut, daß du mit dem Kindergarten hingehen kannst, weil der Papa, die Oma und ich das mit dir nicht können, weil es dann ja den Lockdown für Ungeimpfte gegeben hat! Aber jetzt gibt es den für alle, weil die Covidzahlen wieder angestiegen sind und die Buden wurden wieder verschlossen! Vielleicht machen sie die nächste Woche wieder auf und du kannst vielleicht mit dem Kevin und seiner Mama hingehen, die, glaube ich, geimpft ist und das kann und wenn du spazieren gehen willst, können wir auch einen Abstecher zum Rathausplatz machen und und die Buden so anschauen. Der Christbaum ist ja aufgestellt und wahrscheinlich beleuchtet! M,ach nicht so ein Schlute, Kleine! Willst du das machen, wenn du den Lebkuchen gegessen und den Kakao getrunken hast?“

„Klar, Mama, machen wir das!“, antwortete Lena schon wieder fröhlich und klatschte in die Hände.

„Dann schauen wir uns die geschlossenen Buden an und haben es trotzdem schön! Das haben wir doch, mama? Die Kerzen brennen, der Krampus ist da und das Nikolaussäckerl und auch wenn du keine Christbaumkugeln kaufen kannst, haben wir trotzdem gemütliche Weihnachten nicht wahr? Dann nehmen wir eben die vom vorigen Jahr! Die trägt der Papa doch immer in den Keller! Dann holen wir sie heraus und machen es uns gemütlich!“, sagte und brach ab, um Michaela fragend anzusehen.

„Oder geht das auch nicht? Denn die Nchtgeimpften werden ungemütliche Weihnachten haben, hat der Kevin mir gesagt, daß das der Bundeskanzler verkündet hat, als er den Lockdown für Ungeimpfte ausgerufen hat und die Tante Hilde hat gemeint, daß es den bis Februar geben wird, weil dann die Impfpflicht kommt! Warum bist du, der Papa und die Oma nicht geimpft? Und warum hat das der Bundeskanzler gesagt, daß wir ungemütliche Weihnachten haben werden? Ich will doch gemütliche Weihnachten, Mama, bitte und wenn ich im Juni fünf werde, darf ich mich auch impfen lassen, hat die Tante Hilde gesagt und dann darf ich nächstes Jahr auf den Weihnachtsmarkt, wenn es dann keinen Lockdown gibt!“, sagte sie und Michaela schüttelte den Kopf.

„Das stimmt nicht mehr, Lena!“, sagte sie dann vorsichtig.

„Denn wir haben jetzt einen neuen Bundeskanzler und gemütlich wird unser Weihnachten auf jeden Fall! Das lassen wir uns nicht nehmen! Die Oma kommt wieder und Christbaumschmuck ist genug im Keller, keine Sorge! Deine Wünsche kann dir das Christkind auch erfüllen, weil es ja beim „Hofer“ und beim „Spar“ auch Spielsachen gibt! Aber bis dahin ist noch genügend Zeit und das gilt auch für den Juni, wo du fünf wirst und uns das mit dem Impfen überlegen können und da der Papa und ich das für dich entscheiden müßen, brauchst du dich darum nicht sorgen! Also jetzt, husch, husch, wenn du auf den verschlossenen Weihnachtsmarkt willst! Hol deine Jacke und deine Mütze! Ich trage inzwischen die Kakaobecher in die Küche und wasche sie ab“, sagte Michael Reisinger und blies die beiden Adventkerzen aus.“

Das ist passend zum Advent eine weitere Lena-Geschichte an der man die Covid-Veränderungen und die Maßnahmenverstärkungen gut beobachten kann. Die Erste gab es im September 2020, als die Corona-Ampel eingeführt wurde, die Zweite zu Weihnachten im letzten Jahr und dann gab es noch eine Sommergeschichte.

2021-09-01

Ein männerhassender Feminist?

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:59
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Wieder ein Stück aus „Wo wir waren oder hundert Seiten Depression“, nämlich die Szene zwei. Den Beginn gibt es hier und dann gibt es noch die sechste Szene.

Hier nochder Beschreibungstext:

„Was hat die Frauenbewegung gebracht, die in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren so hoffnungsvoll begonnen oder fortgesetzt wurde, könnte man sich fragen?

Lore Spielmann, die in Kürze ihren siebzigsten Geburtstag feiert und sich nach ihrer Pensionierung in ihr Elternhaus nach Weitra zurückgezogen hat, dort den Garten pflegt, Gemüse zieht und ihre Memoiren schreiben will, fragt sich das.

Will doch ihre Enkeltochter Amelia, die gerade ihre „Corona-Matura“ hintersich gebracht hat, in ihre Fußstapfen steigen und in Wen bei ihrem Vater Richard, Gender studieren, die nach dem Selbstmord ihrer Mutter hauptsächlich von der Großmutter aufgezogen wurde, während Richard, ein erfolgreicher Journalist, seinen Job verloren hat, weil er bei einer der Corona-Demonstrationen gesehen wurde und nun ein Online-Portal aufbaut, unter der Emanzipation seiner Mutter sehr gelitten hat und sich als Jugendlicher oft von ihr vernachläßigt fühlte.

2.

Richard Spielberg seufzte als er aus der U-Bahn stieg. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, daß er verdammt spät daran war, wenn er das Töchterlein rechtzeitig abholen wollte. Sie hatte, da sievon Weitra zu ihm übersiedelte, wohl einiges zu schleppen. Da wollte er helfen und ein guter Vater sein, obwohl er sie die letzten Jahre verdammt wenig gesehen hatte und daher höchstwahrscheinlich ein schlechter war und er Angst hatte, daß Mela ihm das einmal vorwürfen würde.

„Du bist ein verdammt schlechter Vater, Pa, denn du hast dich nicht um mich gekümmert! Dein Beruf und deine zeitung waren immer wichtiger, als ich ich! Wenn sich die Oma nicht meiner angenommen hätte und zu uns gezogen wärre, als die Ma in ihrer postnatalen Depression oder, wie das heißt, den Medikamentenschrank geplündert und sich die Handgelenke aufgeschnitten hat, wäre ich wohl verhungert!“

Er fürchtete, daß er ihr nicht glaubhaft „Unsinn, Mela, verhungert wärst du nicht, obwohl ich dir die Brust nicht geben konnte!“, antworten könnte.

„Die Oma konnte das ebenfalls nicht und was sollte ich tun? Ich mußte in die Redaktion, um das Geld, das wir zum Leben brauchten, zu verdienen!“

Das würde nicht sehr glaubhaft klingen und er einen roten Kopf bekommen, wenn er die Verteidigungsfloskeln hervorstammeln würde, denn er würde daran denken, daß ihm die Mutter vor fünfunddreißig Jahren dasselbe geantwortet hatte, als er ihr vorwarf, eine schlechte Mutter zu sein, die sich nicht um ihn kümmerte und ihm zuviel alleine ließ.

„Tut mir leid, Richi, aber das stimmt nicht ganz!“, hatte sie wohl selbstbewußter gekontert und das hatte den Pubertierenden geärgert, wenn ihm die anderen verächtlich „Schlüßelbubi!“, hänselten und die Klassenvorständin fragte, ob er nichts vermisse, wenn er den Schlüßel, den er tatsächlich, um den Hals trug, hervorgezogen hatte, um die Wohnung aufzusperren und aus dem Eiskasten, das oft nicht vorgekochte Essen herauszunehmen. Denn er hatte von Kaltem und Tiefkühlsachen gelebt und sich über das Achselzucken der Mutter, wenn er gefragt hatte, warum sie nicht eine normale Familie wären, geärgert.

„Was soll ich denn machen, Richi?“, hatte sie immer wieder geantwortet.

„Du weißt doch, dein Vater hat mich, als ich von ihm schwanger wurde, verlassen, weil ihm sein Studium wichtiger war und mit Zwanzig war ich nicht so weit an Verhütungsmittel zu denken, als ich ihn bei einer Studentenparty kennenlernte und war auch noch so naiv, mich in ihn zu verlieben, so daß ich gar nicht nachdachte, daß ich mich verweigern hätte könen!“

Später hatte sie sich mehr an Frauen gehalten und ihre Freundinnen Angie und Elfi, die beide engagierte Feministinnen waren, waren oft genug mit der Mutter im Wohnzimmer gehockt, um an Arbeitsprotokollen zu tüfteln oder Transparente für die nächste Demo zu malen und hatten ihn verächtlich angesehen, wenn er den Fernseher aufdrehen wollte. Platz war in dieser Frauen-WG für seine Freunde nicht gewesen. Denn die Damen waren Männerhasser, die in ihren Sitzungen, keine solchen, egal, wie alt sie waren, duldeten und so hatte die Mutter, was sie ihm wohl auch vorgeworfen hatte, die ersten Jahre zu Hause bleiben müßen, weil die Feministinnen keine männlichen Babies in ihren Räumen duldeten. Das war jetzt vorbei und war es auch gewesen, als Paula für ihn völlig überraschend, sich sechs Woche n nach Melas Geburt vergiftete, weil sie das schreiende Baby überfordert hatte. Gut, sie war schon früher depressiv gewesen. Das hatte er gewußt. Sie hatte sich aber auf das Kind gefreut und er hatte sie auch nicht verlassen, sondern geheiratet und sich auf die gemeinsame Zukunft gefreut. Dann war Paula mit aufgeschnittenen Hände, vollgepumpt in der Badewanne gelegen, als er erschöpft von der Redaktion nach Hause gekommen war und vom Schreien des Babies, das schon am Gang zu hören war, beunruhigt, die Wohnung aufsperrte. Da hatte er die Mutter angerufen und sie war sofort gekommen, hatte die WG in der sie mit ihren Freundinnen lebte, verlassen und war zu ihm gezogen, um ihm beim Aufziehen der Kleinen zu helfen.

„Damit du keine Schwierigkeiten mit dem Jugendamt bekommst! Das einem alleinerziehenden Vater vielleicht nicht zutraut mit einem Säugling zurecht zu kommen!“

So war aus der kleinen Mela ein Oma-Kind geworden und hatte immer warmes Essen vorgefunden, wenn sie aus der Schule kam, auch wenn Elfi und Angela oft genug das Wohnzimmer mit ihm teilten, wenn die Oma im Institut, wo sie eine Halbtagsstelle hatte, länger bleiben mußte und die Sommer hatte sie mit der Kleinen in dem Gartenhaus bei Weitra, das sie von ihren Eltern geerbt hatte, verbracht. Da hatte er sie am Wochenende besucht. Manchmal war er auch mit einer kurzzeitigen Freundin in die Toskana oder nach Griechenland geflogen. Hatte ein paarmal Mela mitgenommen, die, als die Mutter mit Sechzig in Pension ging und aufs Land zog, mitkommen wollte. Er hatte nichts dagegen gehabt. War die Arbeit in der Redaktion doch anstrengend und eine Zeitlang hatte auch Sonja bei ihm gewohnt, die ihm offen zu verstehen gab, daß sie keine Heranwachsende bei sich haben wollte. So war er der Mutter dankbar, aber auch erfreut, als Amelia ihm zu Weihnachten verraten hatte, daß sie nach der Matura nach Wien ziehen wollte, um Gender zu studieren und, ob er etwas dagegen hätte, wenn sie bei ihm wohneß

„Deine Sonja ist ja nicht mehr da!“, hatte sie etwas spitz gesagt, was er geflissentlich überhört, „Natürlich, Töchterlein!“, geantwortet und sie an sich gedrückt hatte.

„Das darfst du eigentlich nicht Papa oder hast du dich getestet?“, hatte Amelia brav, als Schülerin des Weitraer-Gymasium, die damals noch im Homeschooling war, gefragt. Ob sie das ganz Ernst gemeint hatte, war er sich nicht sicher! Er hatte schon damals Zweifel an der Corona-Politik gehabt, obwohl er in der Redaktion dafür schreiben hatte müßen. – Er mußte sich beeilen, um den Bahnsteig, wo der Zug bestimmt schon eingefahren war, zu erreichen und das Töchterlein nicht zu verfehlen, damit sie ihn nicht für einen schlechten Vater hielt. Die verdammte Maske, die man in allen Innenräumen tragen mußte, drückte auch. Er hatte eine Kollegin, die sich konsequent weigerte, sie zu tragen. Aber die lebte mit einer Nichte, die für sie einkaufte und konnte es sich auch leisten alles im Homeoffice zu erledigen. Er war nicht so priveligiert, denn er mußte in den Supermarkt, sich sein Bier, Brot und seine Dosenravioli zu besorgen und weil er die nicht so oft essen wollte, mußte er auch manchmal in die Betriebskantie und jetzt auf den Bahnsteig, um Mela beim Tragen zu helfen.

„Hallo, Paps!“, hörte er schon ihre helle Stimme, die mit einem Trolley, einer Reisetasche und einem vollen Rucksack, auf ihn zustolperte. Fast hätte er sie mit ihrer schwarzen FFP2-Maske, die sich gar nicht so sehr von ihrem scharzen Pagenkopf abhob nicht erkannt. War das Töchterlein in der Gruftiephase? Es mochte so sein, denn sie trug ein schwarzes Shirt und ebensolche Jeans und schaute ihn an. Rügte ihn aber nicht, weil er zu spät gekommen war, sondern fragte „Du bist nicht in der Redaktion, Papa oder müßt ihr immer noch Homeoffice schieben? Fein, daß du gekommen bist! Ich habe mir schon Sorgen gemacht, wie ich das Zeug in deine Wohnung bringe, da ich mir, wie ich fürchte, keine Taxi leisten kann, weil ich mit der Waisenrente, die ich beziehe, sehr sparen muß!“

„Mach dir keine Sorgen, Kindchen! Natürlich nehmen wir ein Taxi!“, versprach er und drückte einen Kuß auf ihre Stirn, den sie sich widerspruchslos gefallen ließ. Nur die ältere Dame, die gerade ihren Koffer an ihm vorbeischob, funkelte ihn böse an und stieß „Können Sie nicht Abstand halte? Wir haben immer noch Corona! Da sollten sie auch bei ihrer kleinen Freundin aufpassen!“, heraus und Amelia warf fast übermütig ein „Das ist mein Papa und den Babyelefanten habe ich in Weitra bei der Oma vergessen! Sie können ihn aber, wenn Sie Sorge haben, gerne holen! Die Oma braucht ihn ebenfalls nicht! – Danke Papa, ich freu mich sehr in Wien zu sein! Aber mit den Parties wird es wohl schwierig werden, wenn ich die Tante recht verstanden habe!“, fügte sie hinzu und erkundigte sich zum zweiten Mal, ob er nicht in der Redaktion sein müße?

„Da bin ich nicht mehr, Schätzchen!“, beeilte er sich zu erklären und etwas kleinlaut hinzuzufügen „Denn stell dir vor, sie haben mich vor zwei Tagen entlassen, weil sie herausbekommen haben, daß ich auf einigen dieser Demos war und das geht doch nicht, hat mein Chef gekontert, daß sein Stellvertreter ein Corona-Leugner ist und sich noch erkundigt, ob ich ein Nazi bin?“

„Das bist du doch nicht, Papa, denn du bist ein alter Kommunist oder hat sich das geändert?“, fragte Amelia forsch und fügte „Uje, Papa! Das tut mir leid!“, hinzu. Dann sah se ihm so erschrocken an, als würde sie fürchten, daß er auch in den Medikamentenschrank und zum Rasiermesser greifen würde, so daß er entschloßen „Keine Angst, Kindchen, das hätte ohnehin nicht mehr hingehaut! Ein Kommunist bin ich noch immer! Aber die Maßnahmen und das, was ich im Auftrag des Chefs schreiben mue, hätte ich nicht mehr lang ertragenen! So ist es ehrlicher und ich mache eine Online-Redaktion auf! Ich bin schon dabei, die Vorarbeiten dafür zu leisten und plane einen Kanal über die „Fünfhundert Tage des Corona-Wahnsinns“ und der vielleicht doch zu überzogenenMaßnahmen, die die Wirtschaft zusammenkrachen ließ, herauszubringen! Wenn das Erste zu radikal sein sollte, nenne ich ihn „Fünfhundert Tage Depression“. Das müßte doch durchgehen!“, sagte er und wunderte sich, daß Mela in die Hände klatschte.

„Wow, Papa, das ist ein Clou! Die Oma schreibt mit ihren Busenfreundinnen ihre Memoiren unter ähnlichen Titel und du planst einen solchen Kanal! Ich habe eine wirkliche rebellische Familie und weißt du, ich freue mich auf Wien und gebe dir deshalb noch einen Schmatz auf die Wange! Auch wenn sich der Taxifahrer weigern sollte, zwei Corona-Leugner mitzunehmen!“

So das ist der Text, den ich eigentlich auf dem Volksstimmefest lesen wollte. Meine Leser können beurteilen, ob er zu wenig links oder zu Corona kritisch ist und um nichts zu verschweigen, ich hätte auf dem Volksstimmefest den Beginn des „Frühlingserwachen“ lesen können. Aber leider leider ist mir da dann noch die 3G- Regel dazwischen gekommen und ich bin ja eine widerständische Person und ein Corona-Opfer!

2021-08-22

Eine überraschende Begegnung

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:09
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„Wir müssen uns sehr anstrengen, um der sehr viel ansteckerenden Delta-Variante zu entkommen und uns nicht im Herbst im von uns allen so gefürchteten vierten Lockdown wiederzufinden!“ erklärte der imposante etwa Fünfzigjährige im weißen Ärztemantel energisch und schaute sowohl entschloßen, als auch grimmig vor sich hin.

„Jeder von uns muß sein Schärfchen dazu beitragen, um der drohenden Gefahr zu entgehen und kann das auch, denn die Losung heißt, Impfen, impfen, impfen, nur so können wir den Kampf gewinnen und unsere Freiheit sowie unser altes oder neues normales Leben zurückzuerhalten und da befinden wir uns noch immer in einer Krise, nämlich in einem Impfscheckentempo! Vom Impfweltmeister sind wir zur lahmen Ente gworden und haben beispelsweise am letzten Sonntag nur fünfundertfünfundachtzig Erststiche gesetzt und sind da schon an letzter Stelle Europas gelandet! Haben nicht einmal noch eine Durchimpfungsrate von sechzig Prozent erreicht und müßen mindestens fünfundachtzig haben, also anstrengen, anstrengen, anstrengen, um dieses Ziel zu erreichen und da kann und das ist die gute Nachricht in diesem Pessimismusszenario! Jeder von uns kann sein Schärfchen dazu beitragen, weil ja jeder wahrscheinlich noch ein – oder zwei Ungeimpfte kennt und die gilt es zu überzeugen! Denn das wissen wir, daß das hilft! Nur so haben wir vor einigen Jahren, den Eintritt in die EU geschafft und das müßen wir jetzt wiederholen! Also liebe schon geimpfte Österreicher, gebt euch einen Ruck und sprecht mit euren noch nicht geimpften Schwestern, Ehemännern, Kollegen und überzeugt sie von der Wichtigkeit sich immunisieren zu lassen,!“ sagte er und brach ab, um jetzt etwas freundlicher dreizusehen, während Lotte Füchsel, die in ihrem schwarzen „gesund, frei widerständig“ statt 3G-Leiberl vor dem Fernseher saß, immer noch skeptisch wirkte und den Kopf schüttelte.

„Vielen Dank Herr Professor Knirsch!“, hörte sie jetzt die Moderatorenstimme, die von einer blonden jungen Frau, die ein tiefausgeschnittenes rotes Kleid trug und den Zuschauern erklärte „Das werden wir uns sicher zu Herzen nehmen, was unser bekanntester Starvirologe, der uns eben wieder über die Lage der Nation informierte, riet, denn es ist ja wirklich sehr einfach mit den noch nicht so Informierten zu sprechen und sie aufzukären, wie wichtig die Impfung ist, um einen schönen Herbst und Winter zu erlebenn!“, behauptete sie und Lore Füchsel schüttelte nochmals den Kopf.

„Dabei habe ich gedacht, die Impfung wäre der Gamechanger, die uns allen unser normales Leben zurückbringt, wenn alle ein Impfangebot haben, ist der Spuk vorbei und jeder wieder für sich selbstverantwortlich! Aber jetzt gibt es Gerüchte, daß dann nur mehr Geimpfte Lokale, Restaurants und Veranstaltungen besuchen dürfen und ganz Radikale sprechen sogar schon davon, daß das auch auf den Lebensmittelhandel und die anderen Geschäfte ausgedehnt werden soll, so daß man gar keine Chance mehr haben wird, der Impfung zu entkommen, weil die Schlinge immer enger zugezogen wrd und dabei häufen sich die Studien und die Berichte, daß die Geimpften genauso ansteckend wie, die Ungeimpften sind und, daß in den Intensivstationen Israels, die ja die unbestrittenen Impfweltmeister sind, schon sehr viele doppelt Geimpfte liegen!“, seufzte Lotte Füchsel und stand auf, um den Fernseher abzudrehen.

Denn noch war es nicht so weit. Noch war erst August und der Naschmarkt stand noch auch für ungeimpfte Maskenlose offen, so daß sie einkaufen konnte,um nicht gänzlich von Erika, die das sonst für sie erledigte, abhängig zu sein und es warauch gut, um sich abzulenken, an die frische Luft und auf andere Gedanken zu kommen, wenn die Schlinge schon so eng geworden war und man in den sogenannten Mainstreammedien, nichts mehr anderes, als impfen, impfen, impfen hörte und eine Bedrohungssituation aufbaute, die Angst machen und spalten konnte und das war nicht gut, denn Angst war ein schlechter Ratgeber! Das hatte sie schon in ihrer Bachblütenausbildung gelernt. Also tief durchatmen, die Jacke nehmen, die Handtasche und den Einkaufskorb, um die vielleicht letzten Tage Freiheit zu genießen und spazieren gehen. Frische Luft einatmen, denn auch das war gesund und stärkte die Abwehrkräfte, so daß sie sich vielleicht doch nicht, wie auch der Bundeskanzler vo rein paar Tagen gedroht hatte, sich unvermeidlich anstecken würde und wenn doch, kam sie mit einem Schnupfen davon, wie sie den schon öfter gehabt hatte, denn sie stärkte ja ihre Abwehrkräfte, ernährte sich genund, aß Zitronen und Orangen und das würde sie auch jetzt tun, dachte Llore Füchsel entschloßen eine Stunde später, als sie mit ihrem vollen Einkaufskorb, in dem sich Weintrauben, Melonen, Äpfel, Tomaten und ein paar Gurken befanden,vor dem kleinen Park Halt machte, der zwischen ihr und ihrer Wohnung lag. Eine kleine Rast einlegen und ihre Gedanken ordnem, bevorsie nach Hause ging, sich einen Vitamincocktail und einen griechischen Salat bereiten würden, um sich dann an den Schreibtisch zu setzen oderdas nächste Video, das sie mit Richard drehen wollte, vorzubereiten.

Im Park war es still undruhig. Ein paar Kinder spielten Fußball. Einige junge Mädchen saßen mit einem Kaffeebecher auf den Bänken und unterhielten sich kichdernd und sie suchte sich einen freien Platz auf dem siesich ausruhen und trotzdem den immer noch geforderten Abstand halten konnte.

„Setzen Sie sich zu mir junge Frau! Ich beiße nicht und bin auch nicht ansteckend!“, hörte sie plötzlich die Stimme eines alten Mannes,der mit seinen weißen Haaren und den buschigen Augenbrauen einen vertrauensvollen Eindruc kmachte und ihr zu zwinkerte, als hätte er ihre Gedanken erraten.

„Ich beiße nichtund komme Ihnen auch nicht zu nahe! In jeder Weise, in der das geschehen könnte, tue ich das nicht! Denn ichhabe den Zenit meines Lebens, das heißt, meinen fünfundachtzigsten Geburtstag schon hinter mir, bin Witwer und dreifacher Großvater und ich bin auch nicht ansteckend, auch wenn ich, trotz meiner Risikogruppenangehörigkeit, noch nicht geimpft bin, denn ich bin ein Rebell! Aber das sind Sie, wie ich an ihrem T-Shirt sehe, auch! Frei, gesund, widerständig, kann ich trotz meiner schon etwas schwachen Augen lesen und da blitzen auch meine Gehirnzellen auf! Sie sind die Frau Füchscel vom „CGDF-Kanal“, den ich, da staunen Sie, was, mir in meiner Seniorenwohnung immer mit Vergnügen ansehe! Aber jetzt habe ich vergessen, mich Ihnen vorzustellen und in meiner Geschwätzigkeit alle Höflichkeiten, die ich schon in der Schule gelernt habe, außer Acht gelassen! Verzeihen Sie dem alten Greis seine Unachtsamkeitich! Hans Knirsch ist mein Name!“,sagte er und fügte, als er Lottee Erstaunen bemerkte, fast vergnügt hinzu „Sie kombinieren richtig! Ich bin der Vater des berühmten Starvirologen, der jetzt fast täglich im Fernsehen zur Impfung treibt und über den Sie sich bestimmt schon geärgert haben und somit das schwarze Schaf der Familie, wie es der Philip meint.“

So das war vielleicht der Beginn meines neuen“Work in Progreß“ und fünften Corona-Romans, das „Seitengewitter“heißen könnte und das versprochene Lore Füchsel- Schmankerl, wenn das Bloggen Angesichts der geringen Lesekapzitätund der mangelnden Veranstaltungsbesuchsmöglichkeiten nicht so schnell geht, um das inzwischen üblich gewordene tägliche Geplauder zu bieten. Seien wir gespannt wie es weitergeht, denn das war eine Premiere und der Text im Blog begonnen, weil ich ja noch an meiner „Alten Frauen Geschichte“ korrigiere.

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