Literaturgefluester

2023-01-27

Vorschau auf „In den Wolken leben oder das soziale Kreditsystem“

Wieder ein neues Buch, im vorigen Jahr geschrieben, im neuen erschienen, wo ich ein bißchen nach China gegangen bin oder mir das soziale Kreditsystem und was hier davon zu spüren angesehen habe.

Ein bißchen hat die Wirklichkeit die Geschichte inzwischen schon überholt, weil die Nullcovidstrategie in China inzwischen auch gescheitert ist und das Bild am Cover von der chinesischen Mauer, hat der Alfred, der mir wieder beim Erscheinen geholfen hat, auf einer seiner Reisen geschossen.

Neugierig geworden?

Auf der Website gibts noch eine größere Vorschau zu finden. Die Leseprobe gibts auch im Blog, habe ich eine oder sogar drei Stellen aus dem Buch schon bei der letzten „Poet Night“ und beim „Open Mike“ im „Werkl am Goethehof“ gelesen.

Jetzt habe ich schon viel über das Buch verraten, so daß ich gar nicht so genau weiß, was ich für mein traditionelles Gewinnspiel fragen soll?

Aber machen wir es leicht, für den, der das Buch lesen will oder auch ein bißchen schwerer, denn ich verlinke natürlich auch die Schreibberichte, in denen man ein bisschen den Entstehungsprozeß nachvollziehen kann. Also:

  1. In welcher Konditorei, die in dem B uch auch eine Rolle spielt, ist mir die Idee zu der Steffi Schuster gekommen?
  2. Wie heißt die junge Chinesin, um die sich ein wenig kümmert?
  3. Wen lernt sie in der Konditorei noch kennen und von wem wird sie besucht?

Nach Erscheinen des Buches, was hoffentlich recht bald passiert, löse ich die Gewinnspielfragen auf.

Es wird dann wieder eine Leserunde geben, wo man über das Buch diskutieren kann.

Auf rege Anteilnahme und Feedback werde ich mich freuen und bin diesbezüglich schon sehr gespannt.

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Kein Schreibbericht aber eine meiner drei Johanne Amudsen-Geschichten, zu denen mir die Idee in Kroatien gekommen ist und die dann auch die österreichische Buchpreisliste bespricht und die auch in dem Buch vorkommt. Gibt es auch noch hier.

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2022-12-25

Weihnachten bei Jelleweils

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:24
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Und jetzt als kleines Weihnachtsgeschenk eine Kostprobe aus meinem letzten „Nanowrimo“, den ich gerade korrigiere, der sowohl zu Weihnachten spielt und zu Silvester endet.

Aus „Flora Fauns Bürgerberge oder ein Freund kehrt zurück

„Der heilige Abend war herangekommen und Flora suchte im Kasten nach ihrem schwarzen Kleid, das sie lange nicht getragen hatte. Hatte die Nachbarin sie doch eingeladen mit ihr und Jürgen Weihnachten zu feiern.

„Fein!“, hatte Jürgen ausgerufen, der dabei gestanden war.

„Tun Sie das, Frau Faun! Nur keine falsche Bescheidenheit! Denn mit der Mam allein ist es langweilig! Sie denkt an meinen Wundervater! Spielt mir seine CDs vor und verlangt von mir, daß ich „Stille Nacht“ und ein Weihnachtsoratorium hinunterspiele!“

„Du wirst doch unseren Gast ein paar Lieder vortragen?“, hatte Agathe Jelleweil prompt eingeworfen, so daß Flora sie unterbrochen hatte, um sich zu erkundigen, ob sie, wie vorgenommen hatte, vermehrt spiele?

„Dann kann ich vielleicht von Ihrer Kunst etwas hören!“, hatte sie gesagt und die Nachbarin hatte verlegen genickt, während Jürgen vorlaut „Tu das, Mam, damit die Frau Faun hören kann, ob du besser als ich spielst?“

„Sei nicht so frech, Junior!“, hatte Agathe Jelleweil eingeworfen. – Flora hatte ihr Kleid angezogen, stand jetzt im Badezimmer und ordnete ihr Haar. Ein bisschen Lippenstift aufgetragen, etwas Parfum verspritzt und nach den vorbereiteten Geschenken greifen. Für Jürgen hatte sie ein Fußballalbum ausgesucht und für Agathe Jelleweil eine Karte für das Silvesterkonzert im Musikverein. Damit Jürgens Plan sie mit seiner Mutter ins Konzerthaus zu schicken von vornherein gescheitert war. Agathe Jelleweil konnte das Konzert unabhängig davon besuchen, ob Paul Hofbauer, die kleine Leonie oder ihre Mutter Karten schickten? Das war noch ungewiss und es war noch Zeit dazu. War der Silvester doch erst in einer Woche. Jetzt war der heilige Abend und Jürgen, der einen schwarzen Anzug mit einer roten Masche trug, öffnete auch gleich und rief laut „Fein, daß Sie gekommen sind! Dann wird das Weihnachtsfest nicht so öd, wie im letzten Jahr, wo es für uns zwar keinen Lockdown gab, sich mein Vater aber nicht gemeldet hat! Das war zwar zu erwarten, die Mam hat es aber doch getan und mich aufgefordert brav zu üben, damit ich ihn mit meiner Musikdarbietung überraschen kann!“

„Du wirst uns doch heute zu „Stille Nacht“ begleiten?“, fragte Agathe Jelleweil hoffnungsvoll, die ebenfalls ein Festagskleid trug und mit einem Glöckchen in der Hand aus dem Wohnzimmer trat.

„Schön, daß Sie gekommen sind, Frau Faun! Ich freue mich, Sie als Gast zu begrüßen! So daß ich mich für das neuliche Mittagessen revanchieren kann! Es hat, glaube ich, gefruchtet! Jedenfalls bemühe ich mich mich zu bessern! Also werde ich das Lied spielen, wenn der Jürgen nicht will! Wie werden wir es machen? Wollen wir die Kerzen anzünden oder zuerst essen? Es gibt Kabeljau mit Kartoffelsalat! Weihnachtskekse habe ich auch besorgt! „, sagte sie und Flora ergänzte „Ein paar Vanillekipferln habe ich mitgebracht!“, während Jürgen laut ausrief, daß er sich für die Geschenke entscheiden würde.

„Was meinen Sie dazu, Frau Faun? Das wollen Sie sicher auch, daß die Mam uns nicht auf die Folter spannt? Denn dann schmeckt das Essen nicht, wenn man verärgert ist und ich will schon meine Fußballschuhe sehen und herausfinden, ob es wieder eine CD vom Supervater ist, die unterm Christbaum liegt? Davon habe ich schon genug und die interessieren mich nicht so sehr! Machen wir es so und ich verspreche Mam, daß ich „Stille Nacht“ hinunterklimpern werde! Das habe ich für dich geübt! Das ist mein Weihnachtsgeschenk, um dir eine Freude zu machen! Was sagen Sie dazu, Frau Faun? Bin ich nicht ein Supersohn, der seiner Mutter eine Freude macht? Das hätten Sie mir doch geraten?“, rief er wieder vorlaut. Flora gab Agathe Jelleweil das Kuvert, die Schachtel mit den Keksen und Jürgen sein Geschenk.

„Das wollen Sie vielleicht unter den Christbaum legen und ich bin mit allen einverstanden! Freue mich Sie spielen zu hören, da ich es nicht selber praktiziere! Bin aber früher mit meinem Jugendfreund öfter in die Oper gegangen! Jetzt habe ich mich auf das Lesen verlegt und da kann ich eine Weihnachtsgeschichte vortragen!“, sagte sie und Jürgen rief schnell „Aber erst nach dem Essen! Dann machen wir das Kulturprogramm!“

Dann war er in das Wohnzimmer gestürmt, wo neben dem Flügel der Christbaum stand. Agathe Jelleweil läutete mit dem Glöckchen. Dann setzte sie sich an das Klavier, begann „Stille Nacht“ zu spielen und teilte die Geschenke aus, wo wirklich die Fußballschuhe für Jürgen zu finden waren und eine CD von seinem Vater.

„Die habe ich damals im Konzert für dich gekauft!“, sagte sie ein wenig schuldbewußt und bedankte sich bei Flora für das Ticket.

„Aber das soll unser Geheimnis bleiben! Heute sprechen wir nicht darüber!“, sagte sie und zeigte mit der Hand auf ihren Mund, um danach auszurufen „Jetzt gehen wir zu Tisch! Ich hoffe es schmeckt! Ich wünsche guten Appetit! Trinken Sie Bier oder Wein, Frau Nachbarin? Für den Jürgen habe ich Apfelsaft vorbereitet!“

So das war das Schmankerl. Das Weitere kann man dann, wenn das Buch erschienen ist, lesen. Die Ungeduldigen können aber auch im Monat November die jeweiligen Nanoberichte nachlesen und für die anderen gibt es wieder meinen Adventkalender, die „Nika, Weihnachtsfrau“, die im November 2015 auch während des „Nanos“ entstanden ist.

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Fortsetzung folgt und ein Corona-Weihnachtsmärchen, ein Weihnachtsgedicht und Kekse soll es auch noch geben.

2022-12-11

Punschtrinken und elftes Nika-Fenster

Das Punschtrinken hat bei mir ja Tradition. Seit ich einmal bei der „Grünen Erde“ ein Rezept gefunden habe, mache ich mir den selbst und mit der Anna sind wir regelmäßig auf den Spittelberg oder anderswo hingegangen.

Dann ist die Anna nach Harland gezogen und Corona mit den Lockdowns ist auch einmal gekommen. 2020 waren mir mit der Ruth im Dezember am Greben und haben uns dort den Punsch von einem Würstelstand geholt. Dann hat sich das herumgesprochen und man mußte beides getrennt kaufen. Wein oder Tee und dann ein Fläschchen Rum und damit fünfzig Meter weiter weggehen.

Was mir heute besonders skurril erscheint und im Vorjahr gab es ja den Lockdown für Ungeimpfte und Kurzfristbundeskanzler Schallenbergs Wunsch für ungemütliche Weihnachten für diese Personengruppe. Das heißt die Christkindllmärkte waren offen. Man mußte aber um hinein zu kommen, seinen Impfpaß vorweisen und als sich herausstellte, daß man am Karlsplatz auch einen zweiten Punsch für den ungeimpften Freund kaufen konnte, wurde das sehr geahndet.

Ich bin in dieser Zeit einmal auf einer Demo gewesen und da gesehen, daß ich beim Würstelstand am Karlsplatz einen Glühwein bekommen habe, der mir sehr beflügelt hat, aber heuer ist alles anders.

Die Pandemie vorbei oder auch noch nicht so wirklich. Die Chritkindlmärkte aber offen und da hat die Anna gesagt, ich will mit der Lia auf den Karlsplatz, weil man da am Stroh spielen kann. Also ist sie heute zum Mittagessen zu uns gekommen und gestern Samstag hat die Lisa, die einmal auf die Anna aufgepasst hat, den sechsten Geburtstag ihrer Krimibuchhandlung gefeiert. Da gab es Sekt, Brötchen und Kekse. Die Krimiautorin Edith Kneifl war da und ich kann über meine übliche Adventaktionen reflektieren, die sich im Laufe meines Bloggerlebens irgendwie verändert haben.

So gibt es das Adventwandern ja nicht mehr und der „Ohreschmaus“ wird auch zu anderen Zeiten vergeben. Das Punkschtrinken und das Kekseessen gibt es aber auch noch und die Leseauslese und Morgen werde ich mich nochmals auf den Karlsplatz begeben und dort die Iris treffen und ein neues Adventkalenderfenster mit der Nika in dem wir uns in das Jahr 2015 begeben, gibt es auch:

„Freitag 11. Dezember

Am Freitag war wieder Fatma Challaki mit ihrem blauen Kopftuch aufgetaucht, hatte ihr schüchtern zugewinkt und sich neben Hassan Arawani gesetzt. Dort war sie eine Zeitlang geblieben und hatte, soweit Nika es beobachten konnte, nichts getan. Sie hatte nicht die Hand des jungen Irakers, der nach wie vor ausdrucklos vor sich hinstarrte, genommen und gestreichelt, was sie, wie Nika von ihrer Freundin Sandra wußte, als aufrechte Muslima nicht durfte. Sie hatte nicht auf ihn eingeredet, sondern saß nur stumm da, starrte ebenfalls vor sich hin, beziehungsweise das Treiben der weihnachtlich dekorierten Einkaufsstraße an, die sich langsam zu füllen begann und auf den dritten Adventsamstag zustrebte.

„Wow!“, hatte sie am Montag ausgerufen, als sie mit Sandra gekommen war, um mit dem jungen Iraker zu sprechen.

„Ist das schön! Bei uns in Damaskus kennen wir das alles nicht! Feiern wir doch nicht Weihnachten, nur das Fastenbrechen! So schön geschmückte Kaufhäuser gibt es bei uns nicht und auch nicht solche Kostüme!“, hatte sie mit einem Blick auf Nikas roten Anzug gesagt und schnell hinzugefügt, wie um sich vor ihr nicht zu blamieren „Obwohl ich schon von Santa Claus und die amerikanischen Weihnachtsfilme im Fernsehen gesehen habe und uns Professor Schachinger immer „Stille Nacht!“, vorspielte!“

Das gab es jetzt nichts zu hören. Da war die Kaufhaushausleitung streng, wie Widerling Seidler erklärt hatte, als er sich gestern in der Kantine neben sie gesetzt hatte.

„Das gibt es bei uns nicht! Das sparen wir für die Festtage und die Wohnzimmer auf, obwohl man die diesbezüglichen Kassetten natürlich bei uns kaufen kann!“

Dafür spielten sie in dem Kaufhaus „Leise rieselt der Schnee“ und „Jingle bells“.

Ließen diese Kassetten den ganzen Tag laufen und manchmal drang der Ton bis auf die Straße hinaus und war aus den Lautsprechern der benachbarten Geschäften zu hören.

„Lassen Sie sich davon nicht irritieren!“, hatte Widerlich Seidler noch geraten, versucht nach ihrer Hand zu greifen, die sie schnell wegzog und Jessica hatte, als sie das letzte Mal gekommen war, um Max Schröders Einkäufe zu besorgen, auch von Weihnachtsliedern gesprochen. Denn der schien ihr wieder einen Fünfeuroschein gegeben zu haben. Den hatte sie vor ihrer Nase geschwenkt, nachdem sie sich neuerlich aus ihren Sack bedient hatte und hinzugefügt, daß sie sich dafür eine Weihnachts-CD kaufen würde.

„Da kann die Mama nichts dagegen haben, wenn ich in ihrer Abteilung vorbeischaue und ihr zuwinke, denn ich habe einen Einkaufssack in der Hand, werde ihr den Inhalt aber nicht zeigen.

„Denn weißt du, Weihnachtsmannfrau!“, hatte sie gesagt und war für einen Augenblick so rot geworden, wie ihre „Pippi Langstrumpf-Zöpfe“.

„Ich kaufe mir die „Stille Nacht!“

Als sich Nika neugierig erkundigt hatte, warum ihre Mama, das nicht wissen durfte, hatte sie die Achseln gezuckt, vor sich hingegrinst und den Kopf geschttelt.

„Weil sie den Kopf und die Ohren voll hat, von der Weihnachtsmusik, die sie zwei Monate den ganzen Tag lang hören muß, wenn sie ihre Handschuhe verkauft! Dann hat sie genug davon und es gibt bei uns am Vierundzwanzigsten zwar Geschenke, einen Weihnachtsbaum und einen Truthahn, wie sich die Leute in Amerika einen braten! Meine Mama ist da ganz modern! Aber keine Weihnachtsmusik und das finde ich blöd! Ich verstehe zwar, daß ihr das auf die Nerven geht! So kaufe ich mir das Lied von meinem Wichtellohn, spiele es, wenn ich am Samstag allein zu Hause bin und gehe der Mama nicht auf die Nerven, daß ich auf der Mariahilferstraße herumlümmle und dich belästige! Ich muß aber doch dorthin! Onkel Max braucht mich und dann nehme ich das Lied mit, zünde die dritte Adventkerze an und spiele es ihm vor!“, hatte sie gesagt. Nika hatte „Wie romantisch!“, gedacht und war ein wenig gerührt von den Wünschen, der energischen „Pippi Langstrumpf-Wichtelfrau“.

Fatma Challaki und Hassan Arawani waren das nicht und sie hatte trotz des roten Anzugs und der Mütze auch keine Zeit dazu. Denn sie war beschäftigt, war es doch schon Freitag Mittag, die Büros bbegannen sich zu leeren, sowie die Schulklassen und alle stürmten auf die große Straße.

„Hallo!“, hörte sie da auch eine Stimme, die ihr bekannt erschien.

„Ich bin wieder da und habe Sie nicht vergessen! Sie brauchen mich gar nicht so erstaunt anzusehen oder können Sie sich wirklich nicht an mich erinnern?“, fragte Joe Prohaska höhnisch und schaute sie so böse an, daß Nika eine Weile nicht wußte, was sie antworteen sollte?“

Hatte Ruth ihr doch erst gestern wieder erzählt, daß er nicht nachließ, sie mit seinen Wünschen zu verfolgen und jetzt war eine Sozialarbeiterin bei ihr gewesen, die ihr erklärt hatte, wie wichtig für ein Kind der Vater sei und daß sie froh sein solle, daß Joe Prohaska sich als solcher zur Verfügung stellte und nicht, wie andere Männer, einfach verschwand, wenn die Lust befriedigt war und, daß das Gericht Vera höchstwahrscheinlich nicht gestatten würde, Zoe-Philipa zu adoptieren, denn ein Kind braucht Vater und Mutter und nicht zwei Frauen als Bezugspersonen.

„Das ist immer noch der Stand der Wissenschaft, obwohl die Lesben und die Frauenbewegung uns etwas anderes glauben machen möchte!“, hatte sie zu Ruth gesagt und sie offenbar genauso streng angeschaut, wie Joe Prohaska sie jetzt musterte.

„Na, klar!“, antwortete Nika daher genauso unfreundlich, wie sie es bei Widerling Seidler.

„Sie sind der Mann, der sich unbedingt, um Ruths noch nicht geborenes Kind kümmern will! Das haben Sie mir das letzte Mal erzählt! Sie sagten das auch meiner Schwester, die davon nichts wissen will und ich weiß es bereits! Kann Ihnen aber nichts weiterhelfen! Meine Schwester ist nämlich, wie Sie vielleicht schon merken konnten, sehr eigensinnig und wird sich von mir nicht überzeugen lassen! Außerdem habe ich keine Zeit und darf, wenn Sie es wissen wollen, mich mit Ihnen auch nicht unterhalten! Keine Privatgespräche am Arbeitsplatz! Mein Chef ist da sehr streng, hat überall seine Spione, die mich überwachen und ich möchte, da ich eine prekäre Studentin bin, meinen Job nicht verlieren! Seien Sie also so verständnisvoll, das einzusehen! Haben Sie übrigens keine Arbeit, weil Sie am Vormittag auf die Mariahilferstraße kommen können? Aber wenn Sie arbeitslos sind, leben Sie wahrscheinlich von der Grundsicherung und haben gar kein Geld, die Alimente von Zoe-Philipa zu bezahlen, so daß Sie froh sein sollten, daß Ruth darauf verzichtet! Ich an Ihrer Stelle würde ihr dankbar sein und nicht zum Jugendamt laufen, um sie selber einzuklagen!“, sagte sie schärfer, als geplant und dachte schuldbewußt „Uje, uje! Da habe ich wohl über das Ziel hinausgeschossen!“

Er würde beleidigt sein und verschwinden. Aber er schaute nur verblüfft und fing zu lachen an.

„Gut gebrüllt, Weihnachtsfrau! Aber nicht getroffen, weder ins Schwarze, noch ins Weiße! Denn ich bin, wenn Sie es wissen wollen, freiberuflicher Schauspieler und, als solcher offensichtlich so begehrt, daß ich immer amerikanischen Vorbildern meine Synchronstimme leihen kann und auch öfter in Werbefilmen auftrete! Daraus kann und werde ich die Alimente für meine Tochter bezahlen, denn ich bin, auch wenn Sie es mir nicht glauben, sehr pflichtbewußt und drücke mich nicht um meine Verantwortung! Ein Kind braucht Vater und Mutter! Das hat man mir am Jugendamt bestätigt, von dem ich gerade komme! Ich werde meine Alimentationspflichten erfüllen und trotzdem nicht verhungern und wenn Sie jetzt denken sollten, daß Honigwerbung und solche für Markenautos oder Whisky keine künstlerischen Tätigkeiten sind, kann ich Sie etwas Besseres belehren und lade Sie und auch Ihre Schwester gern zu einer Vorstellung ein!“, sagte er und hielt ihr zwei Theaterkarten hin.

„Nächste Woche ist Premiere und es wird „Faust“ gespielt! Ich bin der Heinrich, der die Welt ergründen will und nicht der „Mephistopheles“! Darauf lege ich Wert, obwohl das eine Traumrolle ist! Ich bin aber „Faust“ und das ist eine gute Rolle! Auch wenn ich in einem Kellertheater und noch nicht an der Burg auftrete, wird es für die Alimente reichen, das können Sie Ihrer Schwester ausrichten Und nun nehmen Sie schon die Karten, wenn Sie nicht wollen, daß ich Sie verfolge!“

Nika schultere ihren Sack, um ein Stückchen weiter die Straße hinabzugehen.

„Das würde ich nicht raten, denn ich werde mich bei meinen Chef bescheren, daß Sie mich bei meiner Arbeit hindern und mich belästigen! Der ruft die Polizei und läßt Sie von hier entfernen!“, rief sie drohend. Dann blieb sie vor einem erschrocken dreinschauenden Mädchen stehen und griff in ihren Sack.

„Willst du ein Geschenk von der Weihnachtsfrau? Du mußt dich vor dem Herrn da vorn nicht fürchten! Der ist ein Schauspieler und probt für seinen Auftritt! Aber ich habe etwas Süßes für dich! Was ist dir lieber! Möchtest du ein „Stollwerck“ oder ein „Naps“?“

Und hier, soweit schon vorhanden, das was bisher geschah: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10.

2022-12-03

Das dritte Nika-Türchen

Hier wieder ein Kapitel aus der „Nika-Weihnachtsfrau“, die ich im Rahmen des fünften „Nanowrimos“ im Jahr 2015, dem großen Flüchtlingsjahr geschrieben habe. Die Idee war aber schon früher da und es gibt auch schon ein paar Vorstudien und einen Text, den ich in der damaligen Schreibgruppe geschrieben habe:

„Donnerstag 3. Dezember

Im Adventkalender war diesmal ein metallglänzender Kochtopf mit einem braunen Holzkochlöffel zu bewundern. Das passende Weihnachtsgeschenk für alle Mamis. Damit sie ihren gähnenden Ehemännern und quengelnden Kindern zu Mittag ein gutes Süppchen vorsetzen konnten, bekamen sie diese Gabe mit einem Küsschen unter den Christbaum gelegt. Wo waren die Kaufhausleiter oder die Adventkalendererfinder? Steckten sie noch allesamt im vorigen Jahrhundert? In den Fünfzigerjahren, wo der Krieg verloren, die Stadt wieder aufgebaut und die Mamis mit Stöckelschuhen und Petticoats vor ihren Gasherden standen, dem Papi und den Kindern ein Süppchen rührten, als wäre inzwischen kein halbes Jahrhundert vorbeigezogen, in dem die Frauen durch den Feminismus und das Wirtschaftswunder kurzfristig beruflich erfolgreich waren und heute als prekär beschäftige Praktikantinnen jobbten oder als schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose vom sogenannten Service von einer Scheinfirma in die andere vermittelt wurden? Nika hatte den Glanzkochtopf einen bösen Blick zugeworfen, dann auf die Uhr geschaut und ihre Milchbrotschnitte hastig mit einem Schluck Kaffee hinuntergespült, der so heiß war, daß sie sich daran verbrannte. Sie musste auf die Mariahilferstraße, um als prekär beschäftigte Weihnachtsfrau, ihre Werbezettel verteilen und die lüsteren Blicke von Herrn Widerlich ertragen, der sich nicht erblödete, ihr auf die Straße zu folgen. So hatte er sie gestern mit Harald Schwabeneder in den „Asia-Schnellimbiß“, der schräg gegenüber lag, verschwinden sehen. Was nichts machte, denn es war schon zwölf gewesen. Zeit für ihre Mittagspause. Also die rote Mütze abgenommen, Herrn Widerlich angegrinst und „Ich gehe in die Pause!“, gesagt. Dann war sie ihrem Traummann nicht auf die Hochschwabspitze, sondern zu den asiatischen Nudeln gefolgt. Hatte sich in der vollen Imbißbude eine kleine Portion „Chicken Noodles“ und ein Cola in der Hoffnung, daß ihr Traummann zahlen würde, bestellt und sich vorgenommen, den Kantinengutschein, der in ihrer Hosentasche steckte, später einzulösen. Wenn sie Glück hatte, war er im nächsten Jahr noch gültig und sie konnte im Jänner ein gutes Mittagessen verzehren, wenn ihr Job und der Weihnachtstrubel vorüber waren. Jetzt hatte sie erst einmal den Schrecken verdauen müssen, daß ihr Traummann für den „Standard“ schrieb und sie zu dem Mord in Veras Klo befragen wollte. Dem sogenannten Mord. Denn sie glaubte keine Sekunde, daß Ruth Peter Kronauer ermordet hatte, weil Joe Prohaska, der „One Night-Vater“ ihrer noch nicht geborenen Tochter nicht einsehen wollte, daß sie zwar ein Kind, aber keinen Mann zu ihrem Glück benötigte. Das konnte sie ihrem Traummann, der sich als Reporter entpuppte, nicht gut erklären. So hatte sie nur „Was wollen Sie von mir?“, gefragt und sich mit ihren Stäbchen eine Ladung Nudeln in den Mund geschoben. Hoffentlich war er nicht auch so ein Schmierenschreiber, wie, der von der Gratiszeitung „Heute-Österreich“, die sie auf dem U-Bahnsitz fand, denn die U-Bahn war diesmal pünktlich gekommen.

Offenbar hatte sich kein Drogensüchtiger oder depressiver Flüchtling auf die Schienen geworfen und über den vom Dienstag hatten die Zeitungsfritzen noch immer zu schreiben.

„Asylwerber stürzte sich auf U-Bahnschienen! Geschockter Fahrer musste sich in Psychotherapie begeben!“, stand da zu lesen und am Titelblatt war immer noch der Tote auf Veras Klo zu sehen. Daneben wurde gefragt, wieso es Therapeuten gab, die sich nicht scheuten, vom Steuergeld auch Täter zu behandeln? Kronauers Stieftochter, Andrea H. mit einem Balken vor den Augen, erklärte der Zeitung, daß sie fände, daß ihr Stiefvater besser im Gefängnis statt in einer ambulanten Therapie aufgehoben wäre und sie nun erleichtert sei.

„Denn jetzt kann er mir nichts mehr tun und ich kann endlich wieder schlafen!“

Trotzig hatte sie noch hinzugefügt, daß sie sich nicht schäme, nicht traurig über seinen Tod zu sein.

„Hat ihn die Stieftochter erschlagen?“, hatte Nika Harald Schwabeneder gefragt, der von ihr wissen wollte, ob ihr der Job, als Weihnachtsfrau Spaß mache und wie ihr Verhältnis zu ihrer Schwester sei?

„Sehr gut! Ruth ist eine ausgezeichnete Menschenrechtsaktivitstin und hat sicher nichts dagegen, Tätern eine zweite Chance zu geben! Deshalb glaube ich auch nicht, daß sie den Klienten ihrer Freundin erschlagen hat! Was wollen Sie von mir?“

„Mißverstehen Sie mich nicht!“, hatte er beruhigt und sie mit seinen schönen grauen Augen so intensiv angesehen, daß sie rot und verlegen geworden war.

„Es ist etwas anderes, daß mich zu Ihnen führt und damit wir nicht aneinander vorbeireden, ich bin ein Schulfreund Ihrer Schwester! Ruth hat mich angerufen und mich gebeten, mich dem Fall ein wenig seriöser anzunehmen und nicht alles den Kollegen von „Heute-Östewrreich“ zu überlassen!“

„Ach so!“, hatte sie geantwortet und war wieder rot geworden.

„Ich bin mit ihrer Schwester aufs Gymnasium gegangen. Gemeinsam haben wir maturiert, dann hat sie Jus, ich Publizistik studiert! Ich habe geheiratet, sie sich den Frauen zugewandt und nun ist sie schwanger und hat Schwierigkeiten mit dem Vater ihres Kindes, der nicht einzusehen scheint, daß sie keine Beziehung zu ihm haben will!“

„Was hat das mit Peter Kronauer zu tun?“, hatte Nika wissen wollen und Harald Schwabeneder fragend angesehen.

„Nichts oder sehr viel! Denn wenn sich meine Kollegen damit befassen und das auf ihre Schlagzeilen bringen, könnte es für Ruth beziehungsweise für ihre Freundin unangenehm werden!“, hatte er geantwortet. Das war, wie sie auf Seite drei der Gratiszeitung sah, auch geschehen.

„Psychotherapeutin ist Lesbe!“, stand da nämlich groß geschrieben und ein Bild von Ruth und Vera, die eng aneinandergeschmiegt an einem Sandstrand standen, war auch abgebildet.

„Vera M. und Ruth H. auf Sommer-Honeymoon“, war darunter zu lesen. Weiter wurde erklärt, daß die Menschenrechtsaktivistin, die am Westbahnhof Mäntel für arme Flüchtlinge verteilte und ihr Rechtswissen gratis zur Verfügung stellte, im fünften Monat schwanger sei! Dann war noch ein Bild eines braunhaarigen Schönlings mit Nickelbrille zu sehen, der sich bitter beklagte, von Ruth ausgenützt worden zu sein, die sich zwar mit ihm in seine Wohnung begeben hatte, aber offenbar nur seinen Samen wollte.

„Ist das nicht aus ein Mißbrauch?“, hatte die Zeitung ihre Leser befragt, die Nika weggelegt hatte und ausgestiegen war. War sie doch schon in der Neubaugasse angelangt. Sie musste den Personaleingang nehmen, in ihren Weihnachtsmannanzug schlüpfen, die Mütze aufsetzen und ins Magazineursbüro hetzen, um den Jutesack aufzufüllen.

„Guten Morgen, Frau Magister!“, hörte sie eine vertraute Stimme und sah Klaus Seidlers widerliches Grinsen.

„Fünf vor neun, sehr brav und gestern sind Sie, wie ich mir berichten ließ auch pünktlich von ihrer Mittagspause zurückgekommen! Da haben Sie unser gutes Kantineessen verschmäht! Wie konnten Sie nur? Ich dachte, die Geisteswissenschaftler sind alle arme Schlucker! Offensichtlich stimmt das nicht! Aber ich beschwere mich nicht, denn selbstverständlich haben Sie das Recht, Ihre Mittagspause zu verbringen, wo Sie wollen, vorausgesetzt, Sie sind wieder pünktlich an Ihren Arbeitsplatz! War das Ihr Freund, mit dem ich Sie weggehen gesehen habe?“, wollte er weiter von ihr wissen. Sie schüttelte den Kopf und versuchte ihm nicht allzu unfreundlich zu erklären, daß das eine Sache war, die ihm nichts anging, als ihr Blick auf die Gratiszeitung mit dem Bild von Veras Praxis fiel, die er in der Hand hielt.

„Ist das die Freundin Ihrer Schwester?“, wollte er wissen und zeigte anklagend auf das Foto mit Ruth und Vera.

„Wie kommen Sie darauf?“, fragte sie zurück. Denn er sollte ihr schon erklären, wieso er wußte, daß Ruth H. ihre Schwester war und er scheute sich auch nicht zu antworten, daß ihn die Zeitungsfritzen natürlich angerufen und auf ihr Verhältnis mit den Mordverdächtigen hingewiesen hätten! Gab es keinen Datenschutz? Sie würde Ruth danach fragen und nickte vorerst zu der schleimigen Mitteilung, sie brauche sich keine Sorgen machen, denn das Kaufhaus kenne keine Sippenhaftung! Sie könne natürlich, vorausgesetzt, daß sie weiterhin pünktlich sei, ihre Zettel verteilen.

„Und Ihre Schwester ist wirklich eine Lesbe und bekommt von einem Mann, den sie nur einmal gesehen hat, ein Kind?“, wollte er von ihr wissen, starrte auf ihren roten Mantel, unter dem er ihren Büstenhalter zu suchen schien und erkundigte sich grinsend, ob er sie zum Mittagessen einladen dürfe?

„Dazu komme ich in die Personalkantine, Herr Seidler!“, bemühte sie sich wieder einigermaßen freundlich zu antworten.

„Und nütze meine Gutscheine aus! Der Herr, mit dem Sie mich gesehen haben, war natürlich auch ein Journalist, der das Gleiche von mir wissen wollte und wenn der Platz neben mir frei ist, kann ich Sie nicht hindern, sich daraufzusetzen! Vielen Dank, daß Sie und Ihre Geschäftsleitung so gütig sind, mich nicht mit einem Todesfall in der Praxis der Freundin meiner Schwester in Verbindung zu bringen! Und falls Sie es wissen wollen, ich habe Peter Kronauer mit meinen Weihnachtssack nicht erschlagen und ihm auch kein „Naps“ oder „Stollwerck“ in den Mund gesteckt! Ich habe auch nichts dagegen, daß Triebtäter therapiert werden und jetzt muß ich auf die Straße! Es ist schon zwei nach neun! Die Kinder und die Mamis warten und Sie wissen, daß ich mich anstrengen und pünktlich sein muß, damit ich keinen Schlechtpunkt abbekomme!“

So, das war es im Dezember 2015 wo man den Flüchtlingen noch einigermaßen freundlich gegenüberstand und man in den Öffis auch noch keine Masken tragen mußte.

Der Romananfang ist hier zu finden 1 2.

2022-09-05

„1984 revisited“

Wieder eine kleine Vorschau auf mein Work on progress, das jetzt im Rohtext so ungefähr fertig ist, das heißt eigentlich eine Materialsammlung und ein Hinweis, wohin es gehen könnte, die noch ordentlich überarbeitet werden muß.

28741 Worte bis jetzt, neunundzwanzig Sezenen und sechsundfünfzig ein halb Seiten, also wieder sehr kurz, kann aber noch werden und jetzt einmal die erste von den drei Winston Szenen zum Vorkosten:

23.

„Sie haben am sechzehnten Mai Ihre Stromration überschritten, Winston Smith und daher einen neuen Schlechtpunkt in ihrem sozialen Punktekonto bekommen! Da müssen wir miteinander reden und Sie haben sich am nächsten Morgen mittels Videokonferenz in meiner Sprechstunde einzufinden! Bestätigen Sie die Anweisung Ihres Maßnahmenbegreuers 0 `Brien unverzüglich!“, leuchtete auf Winstons Handy, das er, wie vorgeschrieben um den Hals trug.

Verdammt, verdammt! Da war schon wieder eine Mahnung und wenn er so weitermachte, war sein Urlaub dahin und er bekam am Ende noch eine Ausgangsperre! Verdammt, verdammt, dabei hatte er, soweit er wußte, sein Stromkonto gar nicht überzogen oder jedenfalls versucht so sparsam, wie es nur irgend möglich war, mit der ihm zugeteilten Ration auszukommen und was das Schlimmste war, war seiner Freundin Julia vor ein paar Tagen das Gleiche passiert! Da hatte sie verbotener Weise, obwohl er sie gewarnt hatte, ein Bad genommen. Der große Bruder, der alles mitbekam, hatte das natürlich gleich gespeichert und ihr ebenfalls eine Strafsitzung aufgebrummt! Also wurde es auch mit ihrem Konto knapp und sie befanden sich demnächst wegen ungebührenden Verhaltens wieder im Lockdown und auf dem öffentlichen Pranger, der sozialen Überwachungsapp!

Verdammt, verdammt, wo waren sie nur hin gekommen? Das hatte er sich vor fünf Jahren nicht geträumt, daß er einmal in einer solchen Misere landen würde! Da hatte er in London an einer Highschool Englisch unterrichtet, Julia kennengelernt und war mit ihr, nachdem England aus der europäischen Union ausgetreten war, nach Österreich übersiedelt, weil Julia, wie sie immer betonte, eine Wiener Großmutter hatte und von der alten Kaiserstadt sehr schwärmte und da hatte es ihm Anfangs auch sehr gefallen! Er hatte im British Council eine Stelle gefunden. Julia war Modedesignerin. Dann war die Pandemie ausgebrochen und damit hatte das Unglück angefangen. Da war er sich ganz sicher. Die Pandemie, der Lockdown, die Ausgangssperren, die Masken– und die Testpflicht! Die Impfpflicht war auch eingfordert und letztendlich wieder ausgesetzt worden! Er und Julia hatten die Zähnen zusammengebissen und sich impfen lassen. Masken hatten sie auch getragen. Zuerst hatte Julia sie selbst designet. Später war die weiße oder schwarze FFP2-Mske verpflichtet worden und während er sich noch fragte, wer das alles zahlen sollte, war schon die nächste Krise hereingebrochen. Russland hatte der Ukraine den Krieg erklärt und alle russischen Künstler, die in Europa lebten, wie beispielsweise, die berühmte Operndiva Anna Netrebko war auf die schwarze Liste gekommen und der Präsident der Ukraine hatte alle Staaten aufgefordert Waffen zu liefern und ihm im Kampf zu unterstützen! Die Folge waren die Sanktionen der europäischen Staaten gegen Russland gewesen, was zu einer Gasknappheit und einer allgemeinen Teuerungswelle, die sich schon vorher unterschwellig angekündigt hatte, gewesen! Der Strom, das Öl, das Benzin, die Fernwärme und auch die Lebensmittel waren teurer und teurer geworden und jetzt gab es die „Große Bruder Überwachungsapp“, die seit Anfang des Jahres zum Wohle aller, jeder um den Hals tragen musste. Damit wurden die Türen zu den Geschäften und den U-Bahnstationen aufgemacht und die Strom- und Gasration überwacht. Das Baden war verboten worden und der Kalorienverbrauch rationalisiert.

„Verdammt, verdammt!“, fluchte Winston Smith nochmals vor sich hin und strich sich mit der Hand über die Stirn. Was sollten er uns Julia machen, wo doch jeder Widerstand zwecklos war? Zwar hatt es schon in Corona-Zeiten Demonstrationen gege ben, die waren aber bald den Rechtsradikalen zugeschrieben worden, die man bekämpfen und verbieten mußte und als im letzten Herbst die Menschen wegen der Teuerung auf die Straße gingen, hatte man den Staatsschutz eingeschaltet. Dann war der Strom und das Gas und auch das meiste Andere rationalisiert und mit der „Großen Bruder-Überwachungsapp“, die man im Handy mit sich trug, kontrolliert wurde.

„Großer Bruder-Überwachungsapp!“, fluchte Winsoton Scmith vor sich hin und schüttelte verächtlich den Kopf. War ihm doch eingefallen, daß es seinem Vater vor vierzig Jahren auch nicht anders gegangen war. Das heißt eigentlich kannte er seinen Vater gar nicht. War er doch in einem Waisenhaus aufgewachsen, wo ihm die die dortige Vorsteherin mitgeteilt hatte, daß seine Eltern bei einem Unfall verstorben waren, weshalb er vom Staat aufgezogen wurde. Dann war aber eine Frau aufgetaucht, die sich als seine Großmutter vorgestellt hatte und ihn, als die damalige Diktatur vorüber und Großbritannien wieder Demokratie geworden war, zu sich genommen hatte. Da war er eigentlich ganz angenehm aufgewachsen. Hatte nach dem Abitur englische Literatur studiert und war Lehrer geworden, was ein Beruf war, der ihn sehr befriedigte und die Großmutter hatte ihm vor ihren Tod noch die Geschichte seiner Eltern zugeflüstert, die offenbar gar keinen Autounfall hatten. Die Mutter hatte Julia, wie seine Liebste geheißen, beide waren dem sogenannten Wahrheitsministerium zum Opfer gefallen und jetzt schien sich die Geschichte offenbar zu wiederholen.

„Verdammt, verdammt, das gab es doch nicht! Das darf nicht sein!“, fluchte Winston Smith vor sich hin und schüttelte den Kopf mit den aschblonden Haaren. Dann drückte er auf sein Handy und gab seine Zustimmung zu der verordneten Videokonferenz. Blieb ihm doch nichts anderes über. Er hatte keine andere Wahl.

2022-08-28

Johanne Amundsen trinkt zweimal Kaffee

„Shut up!“, dachte Johanne Amundsen ärgerlich, als sie das Cafe Hummel verließ, in dem sie sich mit Toves Günthi getroffen hatte. Der Liebste ihrer Freundin hatte jetzt doch angerufen und ihr angeboten sie auf einen Kaffee zu treffen.

„Ein kleines Zeitfenster geht sich aus!“

Und mit ihr über die österreichische Literatur zu plaudern und dann hatte der Rundfunkjournalisten sie abblitzen lassen, als sie ihn gefragt hatte, wer wohl auf der österreichischen Buchpreisliste stehen würde, die in zwei Wochen bekanntgegeben würde.

„Das kann ich dir nicht verraten, Johanne!“, hatte er überheblich geantwortet und arrogant die Achseln gezuckt.

„Das ist Amtsgeheimnis und hier wird nicht gespoilert!“

„Warum?“, hatte sie zurückgefragt.

„Bist du etwa in der Jury und hast ein Schweigelübde unterschrieben!“, hatte sie aufmüfig gekontert. Er hatte den Kopf geschüttelt und die Namen Edith-Ulla Gasser und Stefan Gmündner genannt. Die anderen hatte sie vergesen und auch nicht nachfragen können, denn Günthi hatte auf die Uhr geschaut, dann einen zehn Euroschein aus der Tasche gezogen, der Kellnerin gewinkt und sich verabschiedet, weil er schleunigst wegen eines wichtigen Termins in den Rundfund mußte.

„War schön mit dir zu plaudern, jetzt werde ich erwartet!“, hatte er gesagt und dann noch wissen wollen, ob sie ihre Autorin schon gefunden hatte?

„Ja!“, hatte die genickt.

„Eja Augustin, das Netz hat mir die Adresse verraten und ich habe auch ein Date mit ihr!“

Dorthin war sie jetzt unterwegs und klingelte an der Gegensprechanlage und bald einer braunhaarigen Frau mit Jeans und Pagenkopf gegenübergestanden, die sie freundlich anlächelte, in ihr Wohnzimmer bat und ihr auch einen Kaffee anbot!“

„Sie haben meine Bücher, die ich am Campingplatz von Senj vergessen habe, gefunden und bringen Sie mir zurück! Vielen Dank dafür!“2″, sagte sie, um gleich hinzuzufügen, daß Johanne sie gern behalten könne wenn sie ihr dafür eine Rezension schreiben würde.

Vom „Nobelpreis“ für den sie sie vorschagen könne, erwähnte sie nichts, schien sich das aber zu denken, so daß Johanne Amundsen schnell durchatmete, sich fast die Zunge an dem Kaffee verbrannte und, um vom heiklen Thema abzulenken nach dem österreichischen Buchpreis fragte?

„Denn ich interessiere mich für die österreichische Literatur, obwohl ich mich nicht sehr auskenne! Haben Sie eine Ahnung, wer darauf stehen könnte?“, fragte sie ohne besondere Hoffnung, eine zufriedenestellende Antwort zu bekommen, womit sie sich täuschte, denn die Augen der Selfpublisherin blitzen auf und antwortete, daß sie sich diese Frage auch schon gestellt hatte.

„Denn wissen Sie, ich lese mich immer gerne durch die Liste! Also danke für die Frage, überlegen wir gemeinsam, was ich in diesen Jahr von den Kollegen gelesen habe und wer darauf stehen könnte?“, sagte sie ein wenig neidisch und auch angestrengt und fügte dann den Namen Doron Rabinovici hinzu.

„Der hat eine „Einstellung“ geschrieben! Dann gibt es, glaube ich, ein neues Buch der Marlene Streeruwitz! Kaska Brylas „Eistaucher“ habe ich gelsen und Cordula Simons „Wölfe von Pripjat“. Tomer Gardis „Eine runde Sache“ hat schon den „Leipziger Buchpreis“ gewonnen und Marie Gamilschegg steht schon mit ihren „Meerestieren“ auf der deutschen Liste. Dort steht auch Reinhard Kaiser-Mühlecker, den würde ich auch für einen guten Kanditatn halte, obwohl ich das Buch nicht gelesen haben! Haben wir schon zehn Treffer? Zählen Sie nach und dann wird es auch drei Debutanten geben! Die wurden im Sommer auch bei den O-Tönen vorgestellt. Da habe ich auch noch nicht viel gelesen! Also bleiben wir bei Thomas Stangl, Anna Kim und Margit Schreiner, wenn Wolf Haas „Müll“ weil ein Krimi vielleicht nicht in Frage kommt und dann-!“, sagte sie und wurde ein wenig rot „gäbe es noch meine Bücher „Die gestohlenen Jahre“ und „Die Uhren haben ihre Zeit verloren -Ein Verschwörungsroman in vierzehn Episoden“, habe ich in diesem <jahr geschrieben. Da ich sie mir aber selber drucken lassen, habe ich leider keine Chance!“n sagte sie, um wieder hinzuzufügen, daß sie sich sehr überJohannes Interesse freue.

„Wenn Sie mir eine Rezension schreiben könnten, wäre das sehr toll!“

2022-08-16

Johanne Amundsen kommt nach Wien

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:19
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„Da hast du die Adresse meiner Jugendfreundin, mit der ich vor vierzig Jahren ein paar Semester in Wien studiert habe, Steffi Schuster, die vor kurzem, wie sie mir mailte, in Pension gegangen ist und die sich über deinen Besuch sehr freute, weil du neuen Schwung in ihre Bude bringen kannst!“, hatte Tante Frieda zu ihr gesagt und ihr einen Zettel in die Hand gedrückt.

„Was willst du eigentlich in Wien, Lieblingsnichte?“, fügte sie noch hinzu und sah sie fragend an.

„Du hast am Campingplatz in Senj, wo wir mit dem Onkel und deinen Freundinnen, ein paar Wochen verbrachten, ein Sackerl mit drei Büchern gefunden, hast du mir erzählt! Die hast du in der Rezeption abgegeben, aber später in der offenen Bücherkiste dort gefunden, weil sich niemand meldete, der sie haben wollte! Was willst du damit und warum willst du, deshalb nach Wien fliegen? Obwohl ich dir das nur empfehlen kann! Wien ist eine wunderschöne Stadt, wie ich noch von meinen Studienjahren weiß und du bist Literaturkritikerin! Seit kurzem Mitglied der „Schwedischen Akademie“ und hast daher genug zu tun den nächsten Nobelpreisträger vorzuschlagen! Was willst du also mit den Büchern? Das habe ich nicht so ganz verstanden! Sei also so nett, Lieblingsnichte und klär mich auf!“, hatte die Tante weitergesprochen. Jetzt hatte Johanne Amundsen den Kopf geschüttelt und die Tante ratlos angesehen.

„Das weiß ich selber nicht so genau!“, mußte sie bekennen.

„Ich habe aber die Bücher, das heißt, die zwei, die von einer Eja Augustin stammen mitgenommen und inzwischen gelesen. Es sind selbstgemachte Bücher! Eigenverlag hat man früher gesagt und die Nase gerümpft! Jetzt nennt man es Selfpubblishing und haben immer noch nicht mehr Anerkennung! In meiner Zeitung darf ich, glaube ich, nicht darüber schreiben! ich habe sie aber gelesen und sie haben mir gefallen! Von einer Eja Augustin habe ich noch nie etwas gehört! Was zwar kein besonderes Kunststück ist, weil ich ja in Stockholm lebe! Ich habe aber vergleichende Literaturwissenschaft studiert und bin an allem interessiert! Brüste mich immer über den Tellerrand hinauszuschauen! Also habe ich den Günthi, den die Tove nach Senj mitgenommen hat und der in Wien Radioredakteur und auch Literaturkritiker ist, danach gefagt, aber der hat auch nur die Schultern gezuckt und die Nase gerümpft. „Eigenverlag interessiert mich nicht!“, hat er, glaube ich, ebenfalls gesagt oder hat er es Selfpublishing genannt? Das weiß ich nicht mehr, es ist auch egal! Ich habe die Bücher aber gelesen und sie haben mir gefallen! Eines hat „Die gestohlenen Jahre“ geheißen und sich mit der Pandemie beschäftigt, die ja in Österreich wie ich hörte, anders gemeistert wurde, wie es bei uns in Schweden war. Das andere „Claire – Klara – Clarisse“ und spielt im Campingplatz von Trogir, nicht in dem von Senj ich gebe es zu, hat mich aber trotzdem interessiert! Wer ist die Frau, die diese Bücher geschrieben hat, habe ich mich gefragt und keine Auskunft bekommen. Sie lebt in Wien, steht in ihrer Biografie und hat schon einige Bücher im sogenannten Selbstverlag herausgebracht. Güthi hat wieder den Kopf geschüttelt und von mir wissen wollen, wer für den nächsten in Frage käme? „Weißt du das schon?“, hat er mich neugierig gefragt. Da habe ich den Kopf geschüttelt und keine Auskunft geben dürfen! „Du denkst doch nicht vielleicht diese Eja Augustin vorzuschlagen?“, hat er weitergefragt und sarkastisch gegrinst und da, ich gebe es zu, mich auf die Idee gebracht, das ich das tun könnte! Nicht diese Eja Augstin vorzuschlagen, natürlich nicht! Aber nach Wien zu fliegen und nach ihr zu forschen! Denn ich bin ja neugierig und schaue gern über den Tellerrand! Habe noch etwas Urlaub, so daß ich meine Privatzeit dafür verwenden könnte, wenn ich die Bücher dieser Eja schon nicht meiner Zeitung und auch nicht der Akadmie vorschlagen kann und habe den Rezeptionisten noch einmal nach ihr gefragt! Der mir aber auch keine Auskunft gab! Ob es der Datenschutz war, daß er sie mir verweigerte oder, ob eine Dame dieses Namens nicht am Camp logierte, weiß ich nicht! Es ist aber auch egal! Ich habe noch etwas Urlaub, war noch nie in Wien, will immer neue Autoren kennenlernen und außerdem könnte ich mich da auch mit Günthi treffen!“, fügte sie noch ein wenig spöttisch hinzu, weil das, das Letzte war, was sie wollte, denn so sympathisch hatte sie den neuen Schwarm ihrer Freudnin Tove nicht gefunden. Wer weiß aber, was passiert und ob sie seine literarischen Wien-Kenntnisse nicht doch einmal brauchen konnte? Die Beziehungen ihrer Tante zu ihrer Jugendfreundin aber schon. Denn diese hatte sich sofort angeboten, an Steffi Schuster zu schreiben und zu fragen, ob ihre Nichte ein paar Tage bei ihr logieren konnte, damit sie einen Wiener Bezugspunkt hätte und kein Hotel benützen mußte und jetzt hatte die, der Tante geantwortet und sie eingeladen zu i kommen.

„Das ist fein, Tante Frieda! Ich freue mich sehr, richte deiner Jugendfreundin gern deine besten Wünsche aus und lade sie auch ein, uns zu Weihnachten zu besuchen! Vielleicht ist sie daran interessiert dich wiederzusehen und ich führe sie auch gern in Stockholm herum! Wie ist denn deine Jugendfreundin? Verrate mir das bitte! Sie hat wie du Psychologie studiert, ist vor kurzem in Pension gegangen und will jetzt über die die psychischen Maßnamenschäden und das soziale Kreditsystem schreiben! Das ist doch interessant und führt vielleicht auch zu dieser Eja Augustin! Vielleicht kennt deine Freundin, wenn sie literarisch interessiert ist, diese Autorin und kann mir weiterhelfen, wenn sich der Günthi schon verweigert!“, sagte sie, vor sich hingrinsend und brach ab.

„Ich höre schon auf mit meinen Fantastereien, Tante Frieda, du brauchst mich gar nicht so mahnend anschauen und komme zum Ernst der Sache zurück! Vielen Dank für deine Hilfe, ich richte die Grüße aus, schicke dir gern eine Ansichtskarte und jetzt gehe ich nach Hause meine Sachen packen und schicke deiner Freundin ein Mail, um ihr meine Ankunft anzukündigen!“

2022-07-20

Johanne Amundsen macht einen Fund

Filed under: Reisebericht,Textbeispiel — jancak @ 08:58
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„Uff!“, dachte Johanne Amundsen und strich sich mit der Hand über die Stirn. Ihr Blick fiel über das Meer das vor ihr lag. Darauf und auf dem schmalen Strich auf dem der Campingbus ihrer Tante Frieda und ihres Onkels Gustav stand, aus dem eigentlich und genaugenommen der gesamte Campingplatz bestand, auf dem sie die nächsten drei Wochen verbringen würde.

Warum war sie so dumm gewesen und was hatte sie bewogen, die nächsten drei Wochen auf dem kiesbestreuten Parkplatz direkt unter der Ausfahrtsstraße auf der Tag und Nachts die Autos vorüberrasten zu verbringen und dort ihren wohlverdienten Sommerurlaub zu verleben.

Warum nur? Denn eigentlich und genau genommen gab es in Stockholm auch ein Meer und außerdem war sie gar keine so besondere Schwimmerin und hielt auch nicht soviel vom Segeln, Surfen, Tauchen. Richtig, einen Tauchkurs wollte sie eigentlich auch nicht absolvieren, sondern sich stattdessen mit der Literatur beschäftigen, denn das war ihr Beruf, war sie doch Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Dozentin an der Uni. Seit kurzem auch Mitglied der schwedischen Akademie, ein Job, um den sie alle auch beneideten.

Ihre Freundin Svantje, ebenfalls Literaturwissenschaftlerin und Lektorin in einem nicht so unbekannten Stockholmer-Verlag, tat das jedenfalls und sie war es eigentlich auch, die sie dazu bewogen hatte, den Vorschlag ihrer Tante anzunehmen doch mit an die Adria zu kommen und den Sommer oder wenigstens drei Wochen davon auf dem kleinen Campingplatz in dem kleinen dalmatischen Städtchen Senj zu verbringen.

„Da hast du alles was du brauchst, Johanne, dein Onkel und ich machen das schon seit fünf Jahren und und jetzt, wo wir uns den neuen Camper angeschafft haben, laden wir dich gerne ein, mit uns zu kommen! Du bist doch eine hervorragende Schwimmerin und hast Erholung verdient! Was sagst du zu meinen Vorschlag? Überleg es dir! Das kleine dalmatische Städtchen hat viel zu bieten! Gibt es da doch eine berühmte Festung, die sich besichtigen läßt! Haben da doch die Uskoken, die Türken im sechzehnten Jahrhundert besiegt und ein Hauptsitz der berüchtigten Ustata soll es auch einmal gewesen sein!“, hatte die Tante, eine Juristin, die vor kurzem in Pension gegangen war, geschwärmt und sie mit diesen Tatsachen zu überreden versucht.

Da war sie noch standhaft gewesen und hatte den Kopf geschüttelt, denn was interessierte sie die Festung der Uskoken und auch auch der ultranationale faschistische Freieitsbund Kroatien war ihr eigentlich egal und das war es auch für Svantje, der sie unvorsichtigerweise von Tantes Vorschlag erzählt hatte.

Die Faschisten waren es und auch die christlichen Uskoken, aber sonst hatte sie einen Begeistungsschrei nach dem anderen ausgestoßen und „Das ist doch großartig, Johanne! Weißt du was, ich und der Jan schließen uns dir an! Denn du weißt doch, Jan ist ein begeisteter Segler und ich möchte auch schon lange einen Tauchkurs machen!“

Und als sich dann noch ihre andere Freundin Tove diesem Begeisterungssturm angeschloßen hatte, war es entschieden gewesen und Johanne war mit ihrer Tante und dem Onkel, der auch ein begeisteter Segler war, in das kleine adriatische Städtchen „Jadran heißt die Adria, Johanne, das weißt du doch? Soviel kroatisch muß sein und, daß „Doar dan!“, „Guten Tag!“, bedeutet, ist dir ebenfalls bekannt?“, gefahren. Stand da jetzt schon seit zwei Tage auf dem Kiestreifen, blickte auf das Meer und überlegte, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war, die nächsten zwanzig Tage auf einen kiesbestreuten Parkplatz zu verbringen.

Gut, es war alles da, wie ihr der Onkel, ein pensionierter Bankbeamter, der ihre Enttäuschung bemerkt zu haben schien, versicherte.

Ein Klo mit zwei Duschen am Beginn des Camps, wo sich auch ein Restaurant befand, daß so berühmt war, daß es in sämtlichen Führern vermerkt stand. Aber das war eigentlich egal und hatte nichts zu bedeuten, denn der Onkel war außer ein begnadeter Segler auch ein begeisteter Grillmeister und so standen zwei Kugelgrills neben seinem neuen weißen Campingbus und kaum, daß er von seinem Turn zurückgekommen war, verwandelte er sich in denselben. Band eine grüne Schürze über seine meist schwarze oder blaue Badehose und fing zu grillen an. Dann saßen den Rest des Abends auf zwei Tischen auf dem schmalen Kiesstreifen, die die Tante unter Sventjes und Toves tatkräftiger Mithilfe aufstellte und die übrigen Campinplatzbenützer behinderte ihre Zelte oder Busse auzusuchen, was gestern zu einem heftigen Streit geführt hatte.

Sventje und Tove waren sowohl von den Seglturns und des Onkels Kochkunst begeistert und Günthi oder Günther, der Überraschungsgast aus Österreich, den Tove, die ebenfalls mit ihr vor fünfzehn Jahren Literatur studiert hatte, angeschleppt hatte, tat das auch, beziehungsweise stand er, während der Onkel begeistert grillte und die Tante Tisch und Sessel aus den Bus räumte oder die Salate zubereitete, unbeweglich neben der Arbeitsplatte, um mit stoischer Ruhe, die Gläser zu polieren aus denen später dann, der Wein und das Wasser getrunken wurde, das die Freundinnen aus dem naheliegenden „Konzum-Markt anschleppten.

„Großartig, Johanne, das ist doch eine gute Idee, daß uns deine Tante eingeladen hat, den Sommerurlaub mit ihr zu verbringen!“, schwärmten sie begeistert. Sie fand, sie konnte es nicht verhehlen, eigentlich langweilig. War gestern mit dem Onkel und den Freundinnen auf der Burg gewesen und hatte die Kanonen bewundert, die überall in dem Städtchen aufgestellt waren. Am Morgen liefen sie dorthin in die „Pekaria“, die schon um sechs geöffnet hatte, um Schokoladecroissants zu besorgen und die dann mit dem Nescafe zu verzehren, die die Tante ihnen zubereitete.

Das war doch eher eintönig und auch das Schwimmen und das Segeln konnte sie nicht so begeistern, wie die Tante und die Freundnnen, aber auch Toves neuer Schwarm, der berühmte Günthi oder Günther, der in einem österreichischen Radiosender beschäftigt war, schien etwas skeptisch, stand er doch mit seiner blauen Badehose und der Goldkette, die er um seinen Hals geschlungen hatte und der großen Brille eher abwartend am Campingplatzrand und schaute genauso intensiv auf das Meer, wie er abends die Gläser polierte.

Es war eigentlich langweilig und auch der die Strandpromenade, die sie nach dem Grillevent machten, um in einer der vielen Beachbars einen Cocktail einzunehmen, konnte ihre Begeisterung nicht erwecken, noch dazu da der „Hugo“, den ihr die junge Kellnerin gestern abend serviert hatte, aus einem undefinierten grünen Saft bestanden hatte. Von einer Limettenspalte und einem Minzblättchen keine Spur. Nur die obligatorischen Eiswürfeln waren in dem Drink enthalten gewesen. Da hatte auch der berühmte Günthi erstaunt geschaut und glücklich an seinem Colafläschen genuckelt, das er sich, der wohl ein Antialkoholiker war, bestellt hatte.

Langweilig war es und eigentlich hatte sie auch keine Lust mit dem neuen Schwarm ihrer Freundin Tove über die österreichische Literatur zu diskutieren, wie diese ihr vorgeschlagen hatte, als sie wohl auch ihre Unlust bemerkt hatte.

Hatte sie ganz ehrlich und wiederum genau genommen, nicht, denn sie hatte mit ihrem Job in der schwedischen Akademie, wo sie ja den nächsten Nobelpreisträger mitbestimmen sollte, genug zu tun und auch besagter Günthi schien keine besondere Lust zu haben, das mit ihr zu tun.

„Da bin ich froh darüber!“, dachte Johanne und wandte ihren Blick von dem immer noch Gläser polierenden Günther ab, um sich in Richtung Toilette zu begeben, vor der immer ein älterer Herr mit einer schwarzen Badehose und einem großen Bauch saß, der die Toilettenbesucher mißtrauisch musterte und dessen Aufgabe es zu sein schien, die normalen Badegäste vom Besuch derselben abzuhalten, da diese nur, wie groß in mehren Sprachen am Eingang stand, den Campingplatzbenutzern vorbehalten war.

Sich vor dem Abendessen noch schnell die Haare zu richten, war sicher eine gute Idee und brachte sie vielleicht in eine bessere Stimmung und die Fische, die der Onkel briet, waren wirklich ausgezeichnet. Da gab es gar nichts zu meckern. Also tief durchatmen und dem Toilettenwächter freundlich zunicken, der sie schon als Campbenützer kannte und nichts gegen ihren Eintritt hatte und griff in ihren Hosentasche, um den Kamm herauszuziehen und sich vor einen der beiden Spiegel zu stellen.

Da lag vor ihr ein weißes Säckchen in das sie neugierig hineinschaute. Vielleicht kam sie dadurch in eine bessere Stimmung? Ihre Neugier war auf jeden Fall geweckt, hatte sie doch schon gesehen, daß sich drei Bücher in deutsche r Sprache, die sie recht gut beherrschte, so daß sie sich mit besagten Günthi unterhalten konnte, darin befanden.

Hatte er sie mitgenommen, um sich auf sein nächstes Radiofeature vorzubreiten, das er nach dem Urlaub machen sollte? Aber nein, das war nicht möglich, befand sie sich doch im Frauenabteil und Günthi würde seine Bücher, wenn überhaupt, auf der anderen Seite vergessen. Also hineingeschaut, um herausbekommen, um welche Bücher es sich handelte und wer sie wohl auf dem Campingplatz in dem kleinen adiratischen Stätchen in dem sie ihren Urlaub verbrachte, vergessen hatte?

Drei Bücher in deutscher Sprache befanden sich darin und eines hieß wie sie erkannte „Claire – Klara – Clarisse oder wilder Lavendl“ und zeige am Cover eine Radfahrerin, die in einem schwarzen Hosenanzug und einem beigen Schal den Adriastrand entlang zu fahren schien. Das andere „Das gestohlene Jahre“ und beiden waren von einer Eja Augustin geschrieben, von der sie noch nie etwas gehört hatte. Das Dritte war etwas dicker und stammte von dem ihr wohl bekannten Autor Helmut Krausser und hieß, was auch interessant schien „Wie das mit Jeanne begann“, was vielleicht mit ihr zu tun haben könnte, mutmaßte sie und beschloß, das weiße Plastiksäckchen dem Tolettenwächter zu übergeben. Vielleicht konnte er damit etwas anfangen und den Besitzer oder die Besitzerin ausfindig machen. Den umschwärmten Günthi konnte sie beim anschließenden Abendessen auf der Campingstraße auch befragen, ob er die Bücher am Damenklo vergessen hatte?

2022-07-17

Die Rentnergang aus Liberec

Filed under: Reisebericht,Textbeispiel — jancak @ 01:16

Lebhaft ging es zu auf dem kleinen Campingplatz, der neben dem Stadtbad lag. Einige Kinder liefen herum und spielten Fangen. Wohnmobile waren zu sehen und am Ende des Platzes hatten drei Motorradfahrer ihre Zelte aufgestellt. Drei ältere weißhaarige Männer mit Schnauzbärten, die kurze Hosen und T-Shirts trugen und jeder vor sich einen kleinen Kocher aufgestellt hatte, wo sie Würstel brieten oder eine Suppe kochten.

„Edo, Stanek und Jaroslav aus Liberec“, stellte sich einer dem Ehepaar vor, das gerade angekommen war und ihr Zelt aufstellte.

„Einundsiebzig, fünfundsechzig und siebenundsechzig Jahre sind wir alt! Wir waren Busfahrer in Licerec und jetzt fahren wir mit unseren Maschinen um die Welt, um fit und jung zu bleiben und nicht an einer Demenzen zu erkranken!“

„Stop, Edo, das ist übertrieben und stimmt nicht ganz!“, korrigierte nun sein Kollege, der sich als Stanek vorstellte.

„Wir waren gerade drei Wochen in Kroatien und sind jetzt auf der Rückfahrt! Heute machen wir uns noch einen schönen Abend und haben gerade am Hauptplatz ein paar Gläser Wein getrunken! Morgen geht es mit unseren Freunden wieder nach Hause!“, sagte er und wies mit der Hand auf die Motorräder hin.

„Edo, Stanek und Jaroslav, die Rentnergang aus Liberec, die Österreich und Kroatien unsicher macht oder vielleicht auch sicherer!“, sagte jetzt der Dritte, der siebenundsechzigjährige Jaroslav, der sich über seinen Bart strich, der etwas kürzer, als der, der beiden anderen war. Er hatte in sich in seinem Topf eine Suppe gekocht, die er jetzt in einen Teller groß und mit einem Löffel zu essen begann.

„Das ist ein schöner Campingplatz! Sehr groß und sauber und morgen, um halb acht kommt ein Bäckerwagen, wo wir uns Kolatschen kaufen können! Löskaffee haben wir dabei und dann setzen wir uns wieder zu den Lederjacken unsere Sturzhelme auf! Dann geht es nach Hause und da wird im Winter Trübsal geblasen! Im nächsten Sommer geht es wieder auf Fahrt! Nach Italien oder Frankreich vielleicht! Das haben wir uns noch nicht ausgeschnapst! Das müßen wir noch disktuieren! Aber erst nach Hause und der Rosica und den Kindern ihre Geschenke mitbringen, damit sie mir nicht böse sind, daß ich sie für drei Wochen verlassen habe! Eine schöne Kette habe ich der Frau aus Split mitgebracht und jetzt trinken wir drei Hübschen noch ein Abschiedsbier zusammen, bevor wir uns in unsere Zelte verkriechen, um morgen wieder frisch und munter zu sein!“, sagte Jaroslav und zog eine Dose aus seinem Rucksack.

„Prost!“,sagte er zu seinen Freunden, die ebenfalls Bierdosen geöffnet hatte und nickte dem Ehepaar zu, das das Zelt inzwischen aufgestellt hatte und jetzt in Richtung der Waschräume verschwanden.

„Prost, Edo und Stanek, auf unseren letzten Abend! Auf den kroatischen Insel war es schön und das werde ich auch der Rosica erzählen und ihr die Fotos zeigen, die ich auf der Fahrt geschossen habe! Die meisten habe ich ihr schon geschickt, damit sie sich eine Vorstellung von unserer Reise machen kann und du hast ja auch ein schönes Geschenk für deine Jana, Edo und der Stanek, der ja schon verwitwet ist, hat sich ein paar Flaschen Wein mitgebracht, um an der Erinnerung zu zehren!“, sagte er grinsend und stieß noch einmal mit seinen Kollegen an, bevor er seinen Teller und den Topf zusammenpackte, und damit zur Geschirrabwaschstelle ging.

2022-06-25

Simon Bauers Bachmanntext

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:00
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Zum Auftakt des heurigen „Bachmann-Preises“, der wieder ganz, wie gewohnt in Klagenfurt stattfinden wird, gehe ich ein bißchen in die Zukunft oder gebe eine Kostprobe aus den „Gestohlenen Jahren“:

„Eins, zwei, drei G, hipp, hipp, hurrah, testen, testen, testen, positiv, negativ positiv. Natürlich haben wir das brav getan. Vier, fünf, sechs, sieben und dann gab es noch zwei G in der Literatur. Geimpft oder genesen war da die Devise und sollte so sein. Ein hygienisch reiner Text und ganz sterile Immunität. Nur so darfst du dich bewerben und sollst du schreiben. Also, lieber Autor, liebe Autorin, laß dich brav impfen, wenn du im Literaturbetrieb erfolgreich sein willst. Denn sonst bist du out und an den Rand gedrängt. Giltst als literarisch unterbelichtet und wenn du vielleicht auch noch auf eine dieser Corona-Demos gehst, bist du endgültig verloren. Giltst als rechter Nazi und wirst ausgeschieden. Also halte dich an unsere Regeln und laß dich dreimal impfen. Dann kannst du deinen Text einreichen, darfst ihn vielleicht lesen und sogar gewinnen. Bei den Juroren ist das ebenfalls so. Da gilt auch ein lupenreiner Literaturgeschmack. Nur mehr solches ist gefragt und wird zugelassen. Die Sterilität der Literatur ist unser Forschungsgegenstand. Ist hipp hurrah modern geworden und ich wäre wieder einmal übergeblieben, wenn ich schon geschrieben hätte“, tippte Simon Bauer in den Laptop und atmete tief durch. So würde es gehen. So würde er den Text verfassen und sich damit um den hehren „Bachmann-Preis“ bewerben von dem er sich erinnern konnte, daß Angela ihm vor fünf oder sechs Jahren erklärte, daß das das Eingangstor für junge Autoren in die Literatur sei. Das hatte ihm damals im Gegensatz zu Angela, die er in Verdacht hatte, daß sie heimlich schrieb, nicht sehr interessiert. Hatte nicht im Traum daran gedacht, Literat zu werden. Hatte das im Gegenteil, er gab seine Vorurteile zu, etwas für Schwächlinge oder junge Frauen gehalten. Wirtschaftsjurist wollte er damals werden. Die Rektorin der WU hatte das aber verhindert und ihn Anfang Februar 2022 vertrieben. Ein paar Wochen vorher mußten die Teilnahmebedingungen für den begehrten Preis ausgeschrieben worden sein.

„Aber nur mit 2G. Etwas anderes ist nicht zugelassen und wollen wir nicht hören. Schon gar keinen Roman oder Erzählung, die sich kritisch mit der Covid-Situatuin auseinandersetzen. Das werden wird nicht hören. Also keine Schwurblerliteratur, denn die wollen wir nicht lesen und lassen sie nicht zu.“

Diese Vorsucht war zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich schon unbegründet, denn die hoffnungsvollen Jungautoren und Jungautorinnen, zu denen vielleicht auch ein paar Sprachkunststudeten zählten, waren vermutlich schon so traumatisiert oder angepasst, daß sie nicht im Traum daran dachten, sich kritischh zu diesem Thema zu äußern. Schrieben stattdessen über die Erlebnisse ihrer Groß- und Urgroßeltern, die diese vor langer Zeit in Sibirien einmal erlebten oder von Blumen und Bienchen. Setzen sich vielleicht überhaupt nur mit der Sprache auseinander und geimpft waren sie, wenn sie irgendwo lesen oder ein Stipendium in Anspruch nehmen wollten, sowieso. Das war schon lange selbstverständlich und keine Frage wert. Die paar Außenseiter, die ihre Poetry Slams auf Antimaßnahmen-Demos vortrugen waren out und kamen diesbezüglich nicht in Frage. Die reichten höchstwahrscheinlich gar nicht ein. Drohten höchstens sich den Wettbewerb zu entziehen. Den würden sie selbstverständlich boykottieren, hatten sie vielleicht auf ihren Blog oder auf Facebook, geschrieben. Aber ihn hatte das damals nicht interessiert. Wenn er ehrlich war, hatte er im Jänner 2022 von den verschärften Teilnahmebedingungen nichts mitbekommen und keine Ahnung gehabt, daß er einen diesbezüglichen Text verlassen sollte. Die Zeiten hatten sich geändert. Jetzt konnte, durfte, sollte er darüber schreiben. Damals war es verboten gewesen und hatte ihn auch nicht beschäftigt. Denn im Juni 2022 , wo der Wettbewerb stattgefunden hatte, war er durch Slowenien getingelt und hatte keine Ahnung von dem Geschehen gehabt. Es hatte ihn so wenig interessiert, daß er die hehre Veranstaltung nicht einmal boykottierte und sich die Lesungen der vollgeimpften Jungautoren, die von Blumen, Bienen und in schöner Sprache von den Erlebnissen ihrer Großväter im zweiten Weltkrieg berichteten, nicht angehört. Die waren wohl ordnungsgemäß auf die neue Art und Weise abgewickelt worden, obwohl es da schon wieder Sommerlockerungen gegeben hatte. Kein Wort von Corona und der Maßnahmenpolitik. Vom Angriffskrieg der Russen in der Ukraine, der zu diesem Zeitpunkt stattgefunden hatte, war wahrscheinlich schon geschrieben worden. Aber nicht von den Jungautoren, die ihren 2G konformen Text schon vor Kriegsbeginn einreichen hatten müssen. Die jungen Autoren und Autorinnen hatten gelächelt und gestrahlt und die Siegerin oder der Sieger, da hatte er noch immer keine Ahnung, wer das gewesen war und musste sich erst informieren, hatte wahrscheinlich mit einer schwarzen oder weißen FFP2-Maske versehen, den Juror, der die Laudatio hielt, ein Küsschen auf die Wange gedrückt und von ihm ein solches entgegengenommen.

Ich gratuliere für das keimfreie Stück 2G-Literatur! So soll es sein und wollen wir es haben!“, hatte damals wohl der Veranstalter gesagt. Das war jetzt vorbei und längst vorüber. Als wäre es nur ein schlechter Traum gewesen. Man konnte, durfte, sollte darüber schreiben. Die Traumatisierungen überwinden und das würde er tun, dachte Simon und blickte in den Laptop, der sich mit seinem Text gefüllt hatte.

Karl Kasterer konnte sich freuen und er würde nach Barbara suchen, wenn er nach Wien zu seiner Lesung kam oder vielleicht schon früher. Er würde an Moritz schreiben, der vielleicht noch in der Albertgasse wohnte oder vielleicht auch nicht. Denn die Jahre waren vorübergegangen und Moritz und Angela wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig, wie das vermutlich auch Barbara war. Die war an ihrer Adresse nicht mehr zu erreichen. Das hatte er in den letzten Jahren irgendwann herausgefunden und gehört, daß ihre Eltern gestorben waren und sie bei ihrer Tante oder Großmutter lebte, von denen er keine Adresse hatte oder wieder falsch. Die Großmutter war Allgemeinmedizinerin. Ihre Ordination wäre also zu finden. Aber höchstwahrscheinlich gab es die Praxis nicht mehr, denn die Großmutter in Pension, wenn nicht Barbara ihre Praxis übernommen hatte. Aber ihren Turnus konnte sie noch nicht abgeschlossen haben. So schnell ging sich das nicht aus, dachte er und blickte noch einmal auf den Schirm.

„Eins, zwei, drei, vier oder fünf G. Wie das auch bei der Impfung war, obwohl wir jetzt schon wissen, daß die vielleicht doch nicht ganz hält, was versprochen worden war. Geimpft, geboostert oder genesen. Nur so kann es sein. Nur so dürfen die schönen Worte zu uns dringen. Cero-Covid ist angesagt und unser Ziel, obwohl sogar die Chinesen und die Australier herausgefunden haben, daß das vielleicht nicht möglich ist und Omikron, das noch im Juni 2022 herrschte, auch die Geimpften ansteckend. Vielleicht verbreitete sich das Virus also auch im hehren ORF-Theatersaal. Da aber die jungen Leute nicht schwer erkrankten, machte das nichts aus und da sie alle geimpft und geboostert waren, sowieso nicht. Also viele sterile schöne Worte. Null-Covid der Literatur ist die Losung. Geimpft, geboostert und genesen. Positiv, negativ, positiv soll es sein und ich halte mich ebenfalls daran oder auch nicht. Denn ich bin ein Außenseiter, der Literatur und immer noch ungeimpft. Sitze aber trotzdem vor Ihnen, lese Ihnen vor und freue mich, wenn es Ihnen gefällt!“, tippte Simon Bauer in den Laptop und schaute zufrieden vor sich hin.

Und hier gibt es schon einen „Bachmannpreis-Text“, der sich auf 2009 bezieht.

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