Literaturgefluester

2020-04-01

Dorothea

„Dorothea Hartinger hatte heute „Elterndienst“, wie Bruno, das zu nennen pflegte. Das heißt, sie war an der Reihe zum Elternsprechtag in der Schule zu erscheinen, wo die Zwillinge in die erste Klasse gingen. Es war eine ganz gewöhnliche Volksschule, die nächst gelegene im Wohnsprengel, die Antonia und Jakob besuchten. Darauf hatte sie Wert gelegt, obwohl Bruno sie in der letzten Zeit öfter darauf ansprach und „Glaubst du wirklich, daß das eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir darüber sprechen, denn wenn man das glaubt, was man so in den Zeitungen liest, können einen schon Bedenken kommen, ob sie da nicht unterfordert sind und vielleicht sogar Verhaltensauffälligkeiten bekommen!“, zu ihr mit besorgter Stimme sagte.

Dorothea hatte ihn da immer empört angeblinzelt und „Ich dachte, Bruno, du bist ein aufgeschlossener  Mensch, der sich, um diese ausländerfeindlichen Debatten nicht kümmert und seine Kinder nicht in die elitären Privatschulen schicken will oder habe ich mich getäuscht?“, eingeworfen.

Da hatte er den Kopf geschüttelt und „Natürlich nicht, Doro!“, geantwortet. „Sonst wäre ich nicht Anwalt geworden und hätte nicht so viele Asylwerber unter meinen Klienten! Aber ich möchte, daß die Kinder lesen und schreiben lernen, sowie später studieren können und die Toni hat mir gestern empört von einem Jungen erzählt, der ihr das Essen einer Schinkensemmel verbieten wollte, beziehungsweise sie „Blödes Schwein!“, genannt hat, weil das nicht halal wäre „Und das will ich nicht, daß meine Kinder gemobbt werden und die Toni vielleicht aufgefordert wird, ein Kopftuch aufzusetzen, weil sich das für eine anständige Frau so gehört!““

„Dabei hast du Fatma Sajyan vertreten, das heißt, nein, die war nicht deine Klientin! Du warst der Anwalt, der angeblichen Bespuckerin, aber die ist auch eine sozial schwache Frau und gehört eigentlich in mein Revier!“

„Natürlich, Doro!“, hatte Bruno versöhnlich geantwortet und sie an sich gedrückt.

„So ist es und schau nicht so bös! Ich meine nur! Natürlich will ich noch immer nicht meine Kinder in elitäre Privatschulen schicken und werden weiterhin Flüchtlinge und Außenseiter vertreten! Aber den Kindern möchte ich auch nicht schaden! Das verstehst du sicher und bist auf meiner Seite! Also schau dich um, wenn du in die Schule gehst! Mach die Augen auf und du kannst mir danach davon berichten!“

Das tat sie auch, als sie jetzt zwischen zwanzig anderen Müttern und nur einem einzigen Vater, die Emazipation schien sogar in dem angeblich noblen neunten Bezirk, in dem sie mit Bruno und den Kindern in einer Altbauwohnung in  der Währingerstraße lebte, Halt gemacht zu haben und sie gestand sich auch ein, daß es die  Gegend war, die sie veranlaßt hatte, die Kinder in der Seegasse einzuschreiben. Wenn sie in Margareten oder Ottakring wohnen würden, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber in AKH-Nähe, hatte sie gedacht, könnte sie die Kinder in eine öffentliche Volksschule schicken, um sie nicht von der Wirklichkeit auszuschließen. Sah  sich jetzt in einer Reihe von Kopftuch tragenden Frauen sitzen, schüttelte aber, ob dieser Gedanken gleich den Kopf und dachte „Es ist trotzdem fortschrittlich, daß die Frauen in die Schule kommen! Habe ich doch gehört, daß es bei den Muslimen, die Männer sind, die das tun, weil sie die Frauen nicht aus dem Haus gehen lassen oder die sich das nicht zutrauen und dann wieder Ärger erregen, weil sie der Lehrerin nicht die Hand geben oder die nicht als solche anerkennen!“ und bemerkte nun, daß der einzige Mann in der Runde tatsächlich Syrier oder Türke zu sein schien. Ob er der Lehrerin, einer Frau Silvia Reiter, die Hand gegeben oder sie verweigert hatte, konnte sie nicht sagen. Das hatte sie nicht gesehen und die Lehrerin, die sie sehr freundlich begrüßt hatte und „Willkommen, Frau Doktor Hartinger! Setzen Sie sich nur! Ich hoffe, die Kinderstühlchen sind für sie nicht zu unbequem!“, machte auch nicht den Eindruck, als würde sie sich unterdrücken lassen, sondern wirkte mit ihren kurzen Pagenschnitt, den hennarotgefärbten Haaren und ihrer Baumwollbluse, ebenfalls sehr fortschrittlich, die sich darüber zu freuen schien, daß sie  die Kinder in ihre Klasse gegeben hatte, was den Klassendurchschnitt und das Image sicherlich erhöhte, wenn sie sagen konnte „Ich habe eine Ärztin und einen Anwalt unter meinen Klasseneltern!“

Die anwesenden Mütter schienen diese Berufe nicht auszuüben, wie sie schätzen würde, obwohl sich außer einigen asiatisch aussehenden Frauen und einigen Serbinnen, wie sie schätzen würde, auch österreichische  Frauen befanden und die hoben gleich die Hand und erkundigten sich, ob es wahr wäre, daß heuer die Nikolofeier ausfallen würde, weil man den muslimischen Kindern den heiligen Mann nicht zumuten könne und sie sich vor dem Krampus fürchten würden.

„Und das will ich nicht!“, sagte jetzt eine hagere Frau in einem schwarzen Rock und einer schwarzen Bluse energisch, an deren Aussprache Dorothea,  den polnischen Dialekt erkannte.

„Meine Katinka soll christlich erzogen werden und ich will auch ein Weihnachts- und kein Winterfest!“

„Aber den Christlindlmarkt zu besuchen, ist vielleicht gefährlich? Hört man doch so viel von den terroristischen Anschlägen, die da passieren!“, warf eine andere Frau ein und ehe Dorothea  „Blödinn!“, sagen und einwerfen konnte, daß sie  auch den Nikolo wünsche nicht nicht wollte, daß Antoia wegen einer Schinkesemmel angepöbelt  wurde, es ihr aber egal war, ob es Weihnachts-oder Winterfest heiße, da sie ohnehin nicht katholisch und die Zwillinge nicht getauft waren, mischte sich Silvia Reiter ein und sagte in  breiten Wiener Dialekt „Keine Sorge, liebe Mütter, lieber Vater! Zu uns kommt der Nikolo und ein Christkindlmarktbesuch ist geplant, weil sich die Kinder darauf freuen! Aber keine Angst, das Rathaus hat uns versichert, daß er gut gesichert ist, so daß man unbesorgt einen Schulausgang dorthin machen kann! Und die Antonia und der Jakob halten sich sehr gut! Sie sind unsere Musterschüler und wir freuen uns sehr, daß wir sie in der <klasse haben!“, erklärte sie an sie gewandt und fügte, als würde sie den Einwand des muslimischen Vaters befürchten, hinzu „Was für den Mo, wie wir den Mohamed nennen, auch gilt, Herr Pashmir! Er bekommt auch kein Schweinefleisch! Da achtet die Küche sehr darauf, daß das nicht passiert, obwohl wir für die Ganztagskinder drei Menus zur Auswahl haben, so daß sich jeder aussuche kann, was er mag und wenn Sie rechtzeitig, die Menüs bestellen, brauchen Sie nicht in Sorge sein!“

Dorothea fiel wieder Brunos Frage ein und überlegte, ob sie es Silvia Reiter antun könne, die Kinder abumelden, die sich in der schule trotz der „Schwein-Beschimpfung“, die Antonia widerfahren war, wohlzufühlen schienen und ihre Freunde hatten und, als sie später im Einzelgespräch, nachdem sich die Runde aufgelöst hatte und die meisten Eltern nach Hause gegangen waren, die Lehrerin danach fragte, beziehunsweise ihr die Geschichte mit der Schinkelsemmel erzählte, schüttelte die den Kopf und wiederholte wieder „Keine Sorge, Frau Doktor Hartinger! Es stimmt schon, da hat der Ali, die Toni ein wenig angerempelt! Das hat er wohl zu Hause so gehört, aber keine Angst! Die Toni ist ein starkes Mädchen und hat sich gewehrt! Ich dürfte Ihnen das vielleicht gar nicht sagen! Aber sie hat ihn wütend angefunkelt und „Spinnst du?“, gefragt. „Ich lasse mir von dir nicht vorschreiben, was ich esse und ein Kopftuch werde ich mir auch nicht aufsetzen, da ich keine Muslimin bin!“, und dann hat sie zugeschlagen.  Aber bevor ich mich einmischen und sie ermahnen konnte, hat sie sie dem Ali ihre Schikensemmel hingesteckt und  „Tut mir leid, entschuldige!“, gesagt. „Willst du nicht einmal probieren?  Sie schmeckt sehr gut und ich weiß gar nicht, was du gegen Schinken hast? Ich esse ihn jedenfalls sehr gern!“ Und wissen Sie, Frau Doktor Hartinger, da habe ich gesehen, wie es in seinem Augen aufgeblitzt hat und er gerne zugebissen hätte, wen er sich nicht vor dem Mo und dem Hassan, die daneben standen und ihn anstarrten, geniert hätten!“, sagte Silvia Reiter und nickte ihr schelmisch zu, bevor sie sich Frau Wysocki zuwandte, auch eine Frage an sie hatte.“

So das war jetzt die vierte hinausgeschmissene Anhangszene, die ich im November meinen siebenten „Nanworimo“ angefügt habe, um die geforderte Wortanzahl zu kommen.

Die Szenen „Fatma“, „Harry“ , „Sibylle“ sind hier zu finden, sowie die frühere Szene neunzehn, die in den Text, der derzeit hundertzwei Seiten, neununddreißig Seiten und derzeit 49527 Worte hat, nicht mehr enthalten ist, so daß man sich jetzt schon einen kleinen Einblick machen oder zumindestens die handelnden Personen kennenlernen kann.

Ich bin ja derzeit sehr am Korrigieren, hoffe bald fertig zu werden, so daß mein achtundvierzigsten Selbstbemachtes bald erscheinen kann. Vorher soll ja das zweite „Literaturgeflüsterbuch“„Mein Schreiben-meine Bücher“ fertig werden und ich hoffe nur, daß es dann den „Digitaldruck“ noch gibt, so daß die Bücher erscheinen können.

Bis dahin fordere ich auf in die Blogartikel hineinzuschmöckern, das erste „Literaturgeflüsterbuch“ ist auch im Blog zu finden und die Kurzgeschichtenerzählung „Besser spät als nie“ sowie auch einige Artikel aus der „Nika, Weihnachtsfrau“, aber das passt derzeit nicht zum schönen Wetter und nicht zur Jahreszeit.

Wer  mehr von meinem Schreiben wissen will, kann sich auch auf meiner Website umsehen und eventuell bei mir bestellen oder sich  die Videos anhören, die es von meinen Lesungen gibt.

Da habe ich ja einmal im El Speta aus meiner „Frau auf der Bank“ und der „Wiedergebornen“ gelesen und einmal vor dem offenen Bücherschrank aus der „Mimi“

2020-03-30

Harry

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:36
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In Zeiten der Corona-Krise und des Veranstaltungsstops, wieder ein „Fräulein No-Schmankerl“, denn ich habe ja noch zwei der vier hinausgeschmissenen Anhangszenen, die ich hier vorstellen kann, denn ich war ja am vierzehnten November schon mit meiner Gliederung fertig, wußte, es werden keine fünfzigtausend Worte und bin auf die Idee gekommen, einigen Personen, die im Text keinen eigenen Handlungsstrang hatten, eine eigene Szene zu schenken, eine ist davon der Harry, dem Cafehausbesitzer, der das Ganze überspannt, beziehungsweise in seinem Cafehaus alle zusammenbringt und dem habe ich am Schluß noch eine Krebserkrankung verpasst.

Als ich mit dem Rohtext fertig war, habe ich von den vier Anhangszenen, die keinen direkten Bezug zu der Handlung hatte, die von der Dorothea, die zum Elternsprechtag geht und der Fatma, die zum Begräbnis der Großmutter nach Teheran fliegt, die ja damals noch eine Iranerin war, hinausgeschmissen und die des Harrys und der Sibylle vorerst drinnen gelassen, dann aber  auch weggelassen, weil sie ja keinen direkten Handlungsbezug hatten, beziehungsweise, die Krebserkrankung des Harrys der Handlung eine andere Interpretation gegeben hätte.

„Es ist alles in Ordnung, Henrike“ hatte er am Sonntag zu der alten Freundin gesagt, als er mit ihr an dem mit einer altmodischen weißen Häkeldecke, die wohl noch von ihrer Großmutter angefertigt worden war, gedeckten Tisch gesessen war und auf die schon etwas verblasste Tapete im Speisezimmer der alten Grinzinger Villa gesehen hatte, die dringend renoviert gehörte, wozu aber das nötige Kleingeld fehlte. Die Häkeldecke war aber frischgestärkt und in der Mitte stand in einer genauso altmodischen Glasvase, die auch von der Großmutter stammte, seine mitgebrachte Rose. Eine Schachtel „Lindt-Bonbons“, die wohl der Schauspielschüler mitgebracht hatte und das Gansl mit dem Rotkraut und dem Kartoffelknödel, das er Gabel für Gabel in sich hineingeschaufelt hatte, hatte ausgezeichnet geschmeckt.

„Alles in Ordnung!“, hatte er gesagt und dachte, während er in einer der Abulanzen des Allgemeinen Krankenhauses saß und auf seinen Onkologen wartete, „Wie man es nimmt!“

Die Grinzinger Villa verfiel allmählich und wurde von Henrike nur mit seiner Unterstützung halbwegs in Schwung gehalten. So hatte er ihr versprochen, sich im Frühjahr, um das Dach  zu kümmern und auch die Zimmer im Erdgeschoß und im ersten Stock auszumalen und sie hatte ihn  dankbar angesehen.

„Gilt das auch für die Psychotante, die übrigens eine patente Person zu sein scheint. Ich habe mich vor der Vorstellung, um in die richtige Stimmung hineinzukommen, ein wenig mit ihr unterhalten!“, hatte der Schauspielersohn gefragt und dabei angestrengt an seiner Gänsekeule genagt.

„Wirklich ausgezeichnet ist dir der Braten gelungen, Henrike!“, hatte er gelobt, bevor er die an ihm gestellte Frage beantwortet hatte.

„Ist sie, junger Mann, wenn  vielleicht auch ein wenig schwierig! Hat das Leben sie doch ein bißchen mehr, als die meisten anderen gebeutelt! Sie ist aber, wie ich mich überzeugen konnte, ein Stehaufmännchen oder besser Frauchen, um politisch korrekt zu gendern, das sich nicht unterkriegen läßt, sondern es immer wieder neu probiert, so oft sie auch auf den Boden geworfen wird!“, hatte er an seinem Gänsebein kauend gesagt und sich die Frage gestellt, wie das wohl bei ihm wäre? Dann „Wirklich ausgezeichnet!“, wiederholt und No versichert, daß seines Wissens nach alles in Ordnung sei!

„Wenn ihr nach der Vorstellung nicht so schnell geflüchtet wärt, hättet ihr euch davon überzeugen können! Die Anzeige ist zurückgezogen, Fatma Sayjan hat sich entschuldigt und eine Nichte ist aufgetaucht, die sich, um die Tante kümmern will!“, hatte er verkündet und war sich sicher, daß absolut nichts in Ordnung war, er aber nicht wußte, wie er das der alten Freundin beibringen sollte, die ihm zwar zu durchschauen schien, merkte er doch, daß sie immer wieder nachdenklich zu ihm hinübersah, beibringen konnte, daß er laut Auskunft seines Arztes, der ein hochspezialisierter Onkologe war und kein Allgemeinmediziner, wie Ulrich Blumenbach, nur mehr ein paar Monate zu leben hatte, weil der Krebs seinen Körper und seine Prostata schon sehr angeknabbert hatte, wie er das vor fünfundzwanzig Jahren, bei ihrem Walter getan hatte, den sie immer noch  mit ihrem Setter jeden Tag an seinem Grab besuchte. Er hatte es ihr nicht sagen können, die sich freute,  daß das Dach im Frühling, endlich ausgebessert wurde. So daß es nicht mehr hineinregnen konnte, wie es jetzt gelegentlich geschah. Ihr nicht sagen, daß er nicht versichern konnte, daß er dann noch am Leben und so fit war, auf der Leiter herumzuklettern und die Arbeiten, die er von ihr versprochen hatte, auszuführen. Zwei Wochen bevor ihm der Onkologe mit besorgten Gesicht mitgeteilt hatte, daß es sehr ernst und mit dem Befund nicht zu spaßen war, hatte er ihr das versprochen und sie hatte sich, wie ein Kind gefreut und ihr Gesicht hatte gestrahlt, als sie „Dann wird doch noch etwas aus der Villa und ich brauche nicht zu fürchten, daß sie über uns zusammenkracht und uns begräbt!“, zu ihm sagte.

„Ich danke dir vielmals lieber Harry und werde mir auch überlegben, den Krümel doch in einen Theodor oder einen Heinrich umzunennen, um dich nicht zu ärgern!“, hatte sie versprochen und ihn, wie sie sich zu erinnern glaubte, am Sonntag fragend angesehen, als ob sie etwas von seiner Spannung und seinen Sorgen, die ihn seither plagten, ahnte. Er konnte es ihr aber nicht sagen, fürchtete er doch, daß sie die Nachricht nicht aushalten,sondern darüber zusammenbrechen würde, wie sie es beim Tod ihres Walters und dem ihrer Tochter fast getan hatte. Damals hatten sie zuerst Martha und später die kleine Enkeltochter davon abgehalten. Jetzt  war aber Nolantha erwachsen und würde sie mit ihrem Schauspielerfreund wahrscheinlich verlassen, wie er es auch bald tun würde, so daß sie in der baufälligen Villa mit ihrem Hund ind ihren Toten alleine blieb. Er hatte es nicht geschafft, sondern getan, als wäre alles in Ordnung, wie er ihr an diesem Sonntag, wie eine Marionette immer wieder versichert hatte, obwohl sie es ihm nicht zu glauben schien. Deshalb hatte er auch Ulrich Blumenbach gefragt, ob er sich nicht um die Junkies und die Nutten, die regelmääßig im Cafe auftauchten, kümmern konnte, was aber ein Vorwand  war, denn wenn er ehrlich war, hatte er es deshalb getan, um einen Arzt im Haus zu haben, wenn es ihm schlecht ging und er vielleicht zusammenbrach, hatte er bei Henrike gedacht und nach dem Glas gegriffen, um einen Schluck von dem mitgebrachten Wein zu trinken und sich von den düsteren Gedanken abzulenken, die in seinem Kopf routierten und nicht zu vertreiben waren.

„Alles in Ordnung, Oma!“, hatte auch No bestätigt und nach einer der Bonbons gegriffen, nachdem sie ihre Günsekeule und den Pudding, den es zum Dessert gab, gegessen hatte.

„Gerti Schuster wird vielleicht zu ihrer Tante ziehen  Harry hat uns einen Hausarzt engagiert, der jetzt Abend für Abend zu uns kommt und ich und der Fabi werden das Stück demnächst in Graz  aufführen und dir Oma, geht es auch sehr gut, nicht wahr?, hatte sie noch wissen wollen, bevor sie in die Küche verschwunden war, um dort Kaffee zu kochen und er hatte keine Antwort gegeben. Hatte das nicht über sich gebracht, obwohl er es wahrscheinlich mußte, weil er die alte Freundin, die ihm, als es ihm schlecht gegangen war, wieder aufgerichtet hatte, nicht unvorbereitet verlassen sollte, dachte er und seufzte auf, während sein Blick durch die Amublanzräume und über die anderen Patienten glitt, die wohl ebenfalls auf ihre Diagnose wartend, auf den orangen Plastiksesseln Platz genommen hatten. Vielleicht sollte er mit Ulrich Blumenbach darüber sprechen, wie er es Henrike beibringen könnte, dachte er und war erleichtert, daß ihm dieser Einfall gefallen war. Denn der war ein guter Arzt, dem es, weil sein Lebensmensch zu ihm zurückgekommen war, auch wieder besser zu gehen schien. Professor Wagner, der ihm demnächst etwas von Chemo- und Strahlentheraphie vorschwatzen würde, der er sich unterziehen sollte, könnte er natürlich gleichfalls fragen, dachte er und stand auf, weil sein Name auf der Anschlagtafel aufleuchtete und er ins Besprechungszimmer gerufen wurde.“

Die hinausgestrichene Szene neunzehn mit den Schreibberichten gibt es hier zu lesen.

2020-03-28

Die Probe

Jetzt ein Schmankerl aus der Schreibwerkstatt. Nämlich die ursprüngliche Szene neunzehn aus dem „Fräulein No“, meinem siebenten „Nanowrimo“, an dem ich derzeit korrigiere, die im ursprünglichen Text nicht mehr drinnen sein wird, weil sie, da ich ja während des Wettschreibens zwischen „Buch Wien“ und „Buch Basel“ nicht so chronologische geschrieben habe und immer wieder Szenen eingefügte, um zu dem geforderten Seitensoll zu kommen, zeitlich und handlungstechnisch nicht mehr hineinpasste und ich sie daher weggelassen habe:

„Nolantha hatte sich mit Fabian, der, wie, sich eingestehen mußte, mit seinen blonden Locken und den meist strahlend blauen Augen einen verführerischen Eindruck auf sie machte, in Johannas Buchhandlung getroffen, um den Dialog zu proben, den die taffe Hanni, die vielleicht auch Schriftstellerin werden wollte, jedenfalls war sie schon mehrmals bei Poetry Slams im Literaturhaus und sogar schon in Innsbruck aufgetreten, verfasst hatte.

„Gern!“, hatte Fabian Neumayr, der Sohn eines sehr bekannten Burgschauspielers, der seinen Vater aber nicht leiden konnte, sondern ihn als arroganten Arsch bezeichnete, von der elterlichen Wohnung nach der Matura ausgezogen war und seither mit zwei Freunden in einer WG hauste, zu ihr gesagt, als sie ihn zögernd gefragt hatte, ob er mit ihr einen solchen Dialog aufführen wolle?

„Sehr gern, denn hier ist es, wie du ebenfalls festgestellt hast, äußerst langweilig! Fechten kann ich schon, das hat mir mein Vaterarsch, als Kind immer beibringen wollen und außerdem will ich kein Burschenschaftler werden, wie dieser FPÖler, der bei der Diskussion auftrat! Spannend, daß du diese Sandlerin in deinem Cafe kennengelernt hast! Sehr interessant, obwohl mein lieber Vater, jetzt sicher seine Brauen hochziehen, mich mahnend mustern und „Siehst du, Sohn!“, in einer Stimme, die er sich von dem einmal so berühmten Werner Krauß, seinem großen Vorbild abgeschaut hat „Das Leben ist es, was wir suchen müßen in der Kunst!“, deklamieren würde, der von diesem aber, das kann ich dir versichern, keinen Deut versteht!  – Aber das ist wirklich interessant, wenn auch zweideutig, liebste No! Denn wem soll man da zustimmen oder widersprechen? Dieser Sandlerin, die wahrscheinlich eine arme Haut ist und der man, wie ich hörte, übel mitgespielt hat oder der pakistanischen Studentin, die natürlich recht hat, wenn sie von keiner Sandlerin bespuckt werden will? –  Auch eine taffe Frau und vielleicht sollten wir sie anmailen und ihr von unseren Vorhaben berichten? Vielleicht hat sie Lust mitzumachen? –  Aber nein, erst müßen wir den Dialog erarbeiten, liebste No!“, hatte er jetzt fast mit einer Kraußschen Stimme deklamiert und sie dabei verschmitzt angesehen. Denn die beherrschte er ebenfalls sehr gut. War er doch ein perfekter Stimmenimitator, was auch, wie er es sich wünschte, der Grund gewesen war, daß er in den hehren Reinhardt-Hallen aufgenommen wurde und dann bedauernd, die Achseln zuckte und wieder höchst dramatisch „Aber ich fürchte,  liebste No, das dem nicht so war! – Es war wahrscheinlich schon der berühmte Namen meines ebenso berühmten Vaterarschs, der mich in das Dilemma brachte, ob ich nicht vielleicht ablehnen soll, weil ich dem alten Herrn keine Protektion verdanken möchte! Aber da siehst du gleich, Nolantha, deren Vater sich keine Namen merken konnte, das Leben ist auch ein Arsch und ich bin es vielleicht gleichfalls und inkonsequent, denn ich sitze, statt selbst das Leben zu erfahren, schön brav neben dir im Seminar und mache jeden Unsinn mit!“

„Oder du stehst in meines Vaters Buchhandlung, der übrigens ein patenter Mann und kein Arsch ist, wie ich betone möchte und uns sein Büro für unsere Proben zur Verfügung gestellt hat!“, warf Johanna ein und zog ihren Dialog heraus.

„Voila, da sind die kopierten Seiten! Ich habe mir für euch keine Mühen gespart! Ich hoffe, es gefällt!“, setzte sie ein wenig kokett hinzu und sah die Freunde erwartungsvoll an.

„Selbstverständlich, gnädiges Fräulein, das wird es wohl! Ich bin entzückt und bedanke mich vielmals!“, antwortete Fabian im Stil eines Arthur Schnittzler-Helden, verbeugte sich dramatisch und schickte sich an, Johanna einen Handkuß zu geben, die lachend „Du bist ein Spinner und wir sind nicht im Burgtheater!“, zu ihm sagte.

„Gehen wir es an und in meinem Dialog mußt du moderner werden!“, fügte sie hinzu und Nolantha dachte, während sie einen Blick auf den blondgelockten Fabi warf, daß er das in seinen knappen Jeans und dem schwarzen Poloshirt, ohnehin war, obwohl er sicherlich auch einen ausgezeichneten „Anatol“ geben würde, wenn sie erst auf den Burgtheaterbrettern standen, wohin sie höchstwahrscheinlich nie kommen würde und Fabian wahrscheinlich auch nur wegen seines Vaters.

„Gehen wir es an!“, wiederholte sie, blickte auf die kopierten Seiten, die Johanna vor sie hingelegt hatte und ergänzte, daß es eine gute Idee wäre, mit Fatma Sayjan Kontakt aufzunehmen.

„Worum geht es eigentlich? Ich fürchte, ich habe das Ganze doch nicht so verfolgt, wie ich eigentlich sollte!“, stand Fabian jetzt schuldbewußt ein und war in die Gegenwart zurückgekommen.

„Zumindest habe ich die Diskussionen nicht gesehen! Zwei hat es davon schon gegeben und in der zweiten ist dieser Arzt aufgetreten, der auch eine Psychose hat, deshalb seine Praxis verlor und nun in dein Nachtcafe kommt, nicht wahr, Fräulein No?“, fragte er.

„So ist es, Harry Krempinsky, mein Chef, der ein guter Freund meiner Großmutter ist, hat ihn gefragt, ob er das machen würde? Und dieser FPÖ-Mann hat ihn dann in der Sendung angegriffen und ihn als Psycho geoutet!“

Er hat sich aber gut gehalten!“, warf Johanna ein.

„Und das gesagt, auf das ich auch im Dialog hinweise! Man muß beide Seiten beachten und zusammenbringen! Die Schimpferin, aus der ich Fabians wegen einen Mann gemacht habe und die der bespuckten Knopftuchfrau, die deine Rolle ist, Nolantha!“, sagte sie und zeigte mit dem Finger auf die Seiten.

„Seht ihn euch durch! Ich hoffe, er gefällt! Ich habe versucht, wie es auch die Jelinek macht, die Tradition der Klageweiber wieder zu beleben und das Ganze trotzdem  in aktuellen Kontext zu stellen! Diese Gerti Schuster, habe ich herausbekommen, soll früher eine bekannte Germanistin gewesen sein und wurde von einem Peter Gruber, der noch vor kurzem Professor an dem Institut war, wo ich studiere, auf mieseste Art hinausgedrängt! Da habe ich Insiderinformationen, die ich auch in den Text eingearbeitet habe! Vielleicht nützen sie dieser Gerti etwas, die ich leider nie kennenlernen konnte! Die aber, wie ich gehört habe, eine ausgezeichnete Germanistin gewesen ist, bevor sie auf miese Machoart hinausgedrängt wurde! Dieser Peter Gruber soll auch ein Arsch gewesen sein, wie mir die älteren Kollegen zuflüsterten! Das habe ich auch zum Ausdruck zu bringen versucht und aus der Gerti einen männlichen Looser mit Asperger-Syndrom gemacht!“, sagte sie und sah sowohl Nolantha, als auch Fabian erwartungsvoll an, der wieder den Kopf hob und sowohl galant, als auch nonchalant „Selbstverständlich, Gnä Frau, ihr Wunsch ist mir Befehl! – Gemmas an, Medames! Und ich kann euch versichern, ich werde ein ausgezeichneter „Asperger“ mit oder ohne „Germanistik-Erfahrung“ sein, denn ich war ja in der Schule meines Vaters und der, kann ich euch verraten, ist auch nicht mit den lautersten Mitteln auf die hehre Burgtheaterbühne gekommen, sondern hat so manche unbedarftere Kollegen sehr schön hinausgedrängt! Von denen ich leider keine Ahnung habe, ob sie deshalb ein Tourette-Syndrom entwickelt haben oder ganz normal, wie das in Wien so üblich ist, still und leise zu saufen angefangen haben!“, deklamierte. Dann atmete er aus und griff nach den kopierten Seiten.“

Neugierig geworden? Dann verweise ich auf das Manuskript an dem ich derzeit korrigiere und das so wie es ausschaut, vielleicht schon bald fertig ist beziehungsweise zum Alfred zur Endkorrigur gehen kann.

Derzeit stehe ich bei neununddreißig Szenen, hundertzwei Seiten und 49527 Worten. Die hinausgeschmissene Szene hat mich also unter die fünfzigtausend Wortmarke gebracht. Herausgefallen sind auch die vier Anhangszenen, die ich im November angefügt habe, um an die geforderte Wortzahl zu kommen.

Zwei davon habe ich Ende Februar, Anfang März hier schon veröffentlicht, die zwei weiteren die der Dorothea und die des Harry werden wahrscheinlich noch folgen.

Und um einen kleinen Einblick in den Text zu bekommen, hier die Schreibberichte: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

2020-03-15

Haßposting an Corona oder Veranstaltungsstop II

Es ist ein deja vue „Leipzig virtuell„, statt aus dem Schlafzimmer und wieder eine Veranstaltungspause, bis Ostern oder so, vielleicht auch länger, man weiß ja nicht, voriges Jahr war es das Gipsbein, das mich hinderte, diesmal Corona, Corona, Corona, das Virus aus dem fernen Osten, aus China, das plötzlich nach Weihnachten überall auftauchte und man dachte zuerst, „Sars, Schweingrippe, Hühnergrippe“, „H1N1! Virus“, das kennen wir schon, haben wir schön gehört, hören wir jedes Jahr, daß da die Menschen in China ihre Hühner schlachten, was ich eigentlich für einen Wahnsinn halte oder mit Mundschutz herumrennen, aber dann weitete sich die Panik aus und schwappte bis in unseres sicheres Europa hinüber, denn soetwas, ganz ehrlich, habe ich noch nie erlebt und wiederum ganz ehrlich macht es mir Angst!

Dabei ist es nicht das Krönchenvirus vor dem ich mich fürchte und auch nicht das „Corona-Bier“, das pötzlich alle ansteckt, sich weltweit überall ausweitet, von den Jungen an die Alten übergeht, die aber meistens keine oder nur ganz schwache Symptome haben und nach vierzehn Tagen wieder gesund und nicht mehr übertragbar sind, denn ich gehöre ja noch zu der Generation, die sich vor Viren nicht fürchtete, an das Immunsystem glaubte, bei Schnupfen Zitronentee trank, bei Heiserkeit vielleicht inhalierte, um die Stunden und die Vorlesungen abhalten zu können und sich an das alte Hausrezept hielt, ein paar Tage Bettruhe und alles ist in Ordnung, was man ja auch als eine Art Quarantäne bezeichnen könnte.

Die Kranken bleiben zu Hause, trinken Tee und eßen Hühnersüppchen, wie ich eine von „Oe24“ interviewte, infiszierte Patientin, vor kurzem sagen hörte, Medikamente dagegen gibt es nicht und ihr geht es gut!

Wozu dann bitte die Aufregung und die Bilder von den Menschen, die mit Gasmasken und Schutzanzügen, die Straßen entlanglaufen, in den Supermärkten ihre Einkaufswagen mit Klopapier und Dosenravioli vollfüllen und sogar in Kinderkliniken einbrechen, um dort Desinfektionsmittel zu stehlen?

Alle Infiszierten sollen erfaßt werden, um zu Hause zu bleiben, sich auskurieren, ja das ist sinnvoll und auch den älteren und kranken Menschen, die sicherlich anfälliger sind, ist, das anzuraten.

Die Viren übertragen die Kinder und die Jugendlichen und werden nicht krank, die Schulen sollen aber geschloßen werden, dann werden vielleicht die Omas auf die Kinder aufpassen und ich habe ein Video gesehen, wo in Deutschland wegen der Schulsperren, etwa zwanzig Kinder in einem Zimmer zusammen waren und von den Journalisten befragt wurden, ob sie sich über die Zwangsferien freuen?

„Wo ist da der Unterschied?“, habe ich gedacht und daran, daß die Hysterie und die Panikmache, vielleicht der größere Virus ist  und mehr Schaden auslöst, als, wie man es früher machte, die Grippewellen einfach vorüber gehen zu lassen.

Gut, da gab es 1919, die spanische Grippe und daran sind, wie ich hörte, mehr Menschen als im ersten Weltkrieg gestorben, aber die waren ausgemergelt und unternernährt nach den Jahren des Krieges und hatten keine Abwehrkräfte und, wieder gut, die medizinische Entwicklung war nicht so weit, wie heute, wo das medizinische Personal mit Mundschutz und Atemmasken, die Tests ein den Infiszierten macht, die vielleicht durch Bewegungsmeldungen der Handys der Positiverkannten, ausfindig gemacht und mit der Polizei abgeholt werden.

Ein Impfmstoff wird entwickelt und bis es soweit ist, werden Messen, Konzerte, Kongreße und Veranstaltungen abgesagt.

Die Wirtschaft kann man überall hören, bricht überall nicht nur mehr ganz allmählich, sondern rasant zusammen und das macht mir Angst und auch, die Kriiminalisierung, die passiert, wenn man auf dieses Virus getest ist, der Haß, den es  auslöst.

Davon hat ja diese Dame, der es wieder gut geht, über Skype gesprochen, die Freunde haben sich von ihr abgewandt und sie beschimpft und ihr Betrieb ist, da sie freibeuflich ist, in den vierzehn Tagen Quarantäne zusammengebrochen oder ist in Gefahr das zu tun und als vor ein paar Wochen bekannt wurde, daß in einem Wiener Gymnasium, eine Lehrerin, die in Norditalien auf Urlaub war, Sympotme hatte, ist die Polizei mit angeblich ohnehin wirkungslosen Mundschutz aufmarschiert, hat die Gasse abgeriegelt, die Kinder nicht nach Hause gelassen und die Eltern, glaube ich, nicht einmal darüber informiert.

Nachher hatte die Lehrerin den Virus nicht, inzwischen gibt es aber auch in Österreich Infiszierte, ganz Italien wurde abgesperrte und  die  Journalisten reisen lustig hin und her, um die Fiebermeß- und Paßkontrollen zu fotografieren.

Veranstaltungen wurden abgesagt, wie die „Leipziger Messe“ aber auch, die über hundert Personen, also Konzerte,Theater und Museen.

In der „Alten Schmiede“ und in der „Gesellschaft für Literatur“, die ja viel kleiner sind, hängen Informationen vor der Tür oder am Klo, wie man sich richtig schneuzt und die Hände korrekt wäscht, ist in acht Punkten aufgezeichnet.

Desinfiszieren, braucht man die nicht immer, denn Erstens gehen dadurch die Abwehrkräfte auf die Dauer auch kaputt und Zweitens fehlen sie dann im Spital, wo die Ansteckungsgefahr natürlich höher ist, als in einem Spital und der „Poetry Slam“ im Literaturhaus am Freitag wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt, denn da sind wahrscheinlich mehr, als hundert Personen zu erwarten, aber ich habe mir ohnehin schon gedacht, daß es da vielleicht ratsam wäre, nicht hinzugehen, aber sonst, denke ich,  könnte es vielleicht ruhiger gehen, als diese weltweite Panik mit Polizei- und Strafandrohungen, die die Wirtschaft vielleicht schneller kaputt machen kann, als es der Virus täte, denn in China hört man, wo es ja rigorose Maßnahmen gab, gehen die Erkrankungen zurück und die ersten zwei Italiener, die das Virus in ein Innsbrucker Hotel vor ein paar Wochen brachten, sind auch wieder gesund und könnten weiter arbeiten, wenn  das Hotel noch geöffnet wäre und natürlich könnte man, wie mir auch „Wagenbach“ vor ein paar Tagen mailte, sich jetzt in sein Zimmer zurückziehen, die virtuelle Onlinemesse aufdrehen, Karin Peschka ermöglicht auf ihrer Website, da auch den Autoren, die das sonst in Leipzig getan hätten, dort ihr Buch vorzustellen oder nach den Büchern greifen, um sie bei Tee und Hühnersüppchen in sich hineinzuziehen und die Krisenzeiten abzuwarten, wenn es dann nicht schon zu spät ist und die Psychotherapeuten in den nächsten Jahren die Panikattacken und Traumatiserungen, die dadurch entstanden sind, abzuarbeiten und natürlich ist die Panik wohl auch eine Folge der Globalierung, die ja alles schnell und überall herumträgt und sich ausbreiten läßt, die Informationen, wie die Kartoffeln, die von einem Land ins andere gekarrt werden, um gewaschen, geschnitten, verpackt und verkauft zu werden, wie die Viren, die sich weltweit und rasant ausbreiten,wenn man von einem Land zum anderen fliegt.

Also Großmutters Rat befolgen, zu Hause bleiben, Tee trinken, sich auskurieren, dann braucht man auch keine Polizei mit Mundschutz, die vor den Türen sitzt und alles bewacht.

Der Hausverstand  könnte das vielleicht besser tun, aber das ist in Zeiten, der Massenglobalisierung, Massenin- und  auch Fehlinformationen, wohl nicht so einfach möglich.

2020-03-01

Sibylle

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Und noch ein weggestrichenes Stück, das ursprünglich, glaube ich, die erste Anhangszene des „Fräulein Nos“ werden sollte.

„Hier geblieben, du Arsch!“, sagte Sibylle Neumayer und stellte sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Salontüre, so daß Moritz den Raum nicht verlassen konnte, ohne sie zur Seite zu drücken und umzustoßen. Was er, wie sie sehr wohl wußte, körperlich imstande war und seine physische Überlegenheit auch schon oft genug zum Ausdruck gebracht hatte, was ihr ein blaues Auge oder Blutergüße an den Armen eingetragen hatte, die sie dann mühsam vor ihren Freundinnen verbergen und Ausreden ersinnen hatte müssen, die ihr diese, wie sie vermutete, ohnedies nicht glaubten. Aber heute war es anders. Da war sie  sicher und das gab ihr die Kraft, sich noch ein Stückchen größer aufzurichten, so daß es jetzt sie war, die ihm bedrohlich gegenüberstand und es waren nicht nur die Schritte, der Haushälterin, die im Flur zu hören waren und die sich gerade mit dem Gärntner und  Chauffeur Umit unterhielt, da war sie  sicher, daß es die Kraft des Briefes war, den sie in ihrer Jackentasche trug. Der Brief eines Berliner Notars, der ihr mitgeteilt hatte, daß irgendeine Tante, eine Hildegard Sibelinsky, die sie kaum kaum kannte und an die sie sich nur unscharf erinnern konnte, in einem Seniorenheim in Schöneberg verstorben war und ihr, der offensichtlich einzigen Verwandten, ihr ganzes Vermögen, das eine beträchtliche Summe, sowie einige Schmuckstücke zu umfassen schien, vermacht hatte, was ihr die Kraft gab, sich endlich gegen Moritz aufzulehnen und, was sie bisher nie gewagt hatte, weil sie seine Schläge fürchtete und auch von seiner Brieftasche abhängig war, Kontakt mit Fabian aufzunehmen, der den Schritt schon vor einigen Jahren unternommen hatte, was ihr fast einen Schädelbruch eingetragen  und es ihr viel Mühe gekostet hatte, die Ärzte in dem Privatspital, in das Moritz sie dann doch unter den drängenden Blicken der Haushälterin einliefern hatte lassen, zu überzeugen, daß sie gestolpert und gegen eine Wand gefallen war und kein Fremdverschulden vorlag.   Das war jetzt vorbei. Die Wunde konnte heilen und sie, wie sie Dank des Briefes sicher war, eine freie Frau. Ein Koffer und eine Reisetasche waren gepackt und standen im Schlafzimmer bereit. Das Taxi war bestellt und würde in einer halben Stunde erscheinen und diese hatte sie Zeit mit Moritz abzurechnen und ihm endlich, das zu sagen, was sie vorher nicht gewagt hätte. War sie doch, da hatte Fabian schon recht, noch von der alten Schule. Ein Heimchen am Herd, das in ihrer Mädchenoberstufe, die sie besucht hatte, zwar Französisch und Klavierspielen, aber nicht einmal Buchhaltung und Stenographie gelernt hatte und zu einer pianistischen Karriere, die sie eigentlich anstreben wollte, hatte es nicht gereicht.  Erstens waren dazu ihr Talent und ihr Durchsetzungsvermögen nicht groß genug gewesen und dann war bei einem ihrer ersten Bälle, die sie mit ihren Eltern besucht hatte, die sie wahrscheinlich unter die Haube bringen hatten wollen, Moritz aufgetaucht und die Zwanzigjährige hatte sic h in den acht Jahre älteren Burgschauspieler  verliebt. Ein Jahr später war sie verheiratet .  Kurz darauf wurde Fabian geboren und sie war  fortan Hausfrau und Mutter gewesen. Hatte sich von Moritz betrügen lassen, dem seine Verehrerinnen zu Füßen lagen, die ihm für einen charmanten Kerl hielten, während er zu Hause, in der Grinzinger Villa, wo es eine Haushälterin, eine Putzfrau und einen Gärtner gab, von dem sich Moritz auch ins Theater chauffieren ließ, die Sau herausließ, mit dem Haushaltsgeld sehr sparte, so daß sie manchmal, wenn sie sich, wenn er auf den Proben war, sich mit ihren Freundinnen in einem Cafe traf, nicht einmal einen kleinen Braunen leisten hatte können. Das war jetzt endgültig vorbei. Der Flug nach Berlin, um mit dem Anwalt alles zu besprechen und dem Begräbnis beizuwohnen, war schon bestellt. Vorher würde sie aber den Kontakt zu Fabian aufnehmen, den sie, sie gab es zu, kaum anzurufen getaut hatte, weil Moritz auch ihr Handy kontrollierte und ihm sagen, daß sie ihn in diesem Cafe gesehen hatte und daß sie stolz auf ihn war.

„Was soll das jetzt, du Hure?“, hörte sie Moritz keuchen, der nun doch versuchte, sie wegzuschieben. Aber da gab sie sich einen Ruck und rief „Du hörst mir jetzt einmal zu! Ich habe dir etwas zu sagen und wenn du das nicht freiwillig tust, werde ich den Umit und die Frau Danuta dazu holen, damit sie mir beistehen werden!“ und drückte auf den Knopf der Fernbedienung, die sie in der Hand hielt.

„Das wirst du dir jetzt ansehen! Es ist dein Sohn, den du immer so verächtlich Versager nennst, der aber, obwohl ich hoffe, daß er nicht in deine Fußstapfen steigen wird, ein großes Talent ist! Ich habe mit seinen Professoren am Reinhardt-Seminar gesprochen, die mir das versichert haben und stellt dir vor, er wird den „Faust“ in der Abswchlußvorstellung spielen! Das ist doch deine Rolle, von der du immer behauptet hast, daß außer dir, sie keiner zu spielen vermag! Der Fabian wird es aber sicher besser und morderner können!“ sagte sie und blickte zu dem Bildschirm auf der jetzt die Aufführung in dem Cafe zu sehen war, bei der sie heimlich gewesen war und die sie mitgefilmt hatte.

„Da ist dein Sohn, sieh dir ihn an!“, sagte sie noch einmal, dann drehte sie sich um und rief  in den Gang hinaus, um die Haushälterin anzuweisen, ihr doch bitte ihren Koffer und die Reisetasche zu holen, weil sie unerwartet zum Begräbnis ihrer Tante nach Berlin reisen müße und lächelte, den jetzt sehr verdutzt aussehenen Moritz fast mittleidig an, während am Bildschirm eine schreiende Kopftuchrau und ein Fabian mit Schal und Rollkragenpullober zu sehen waren, der sie genauso, wie es jetzt Moritz bei ihr tat, verblüfft anzustarren schien.“

2020-02-29

Fatma

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:18
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Weil ich dem über tausend Seiten Wälzer „Middlemarch“ noch nicht fertig bin, hier eine der vier Szenen, die ich im November, dem „Fräulein No“, in einem Anhang anfügte, um die gewünschte „Nanowrimo-Wortezahl“ zu erreichen, die ich aber anschließend aus dem Text genommen habe:

 

„Fatma Sayan stand im Badezimmer und war damit beschäftigt ihr Kopftuch aufzusetzen. Es war ein schönes Blaues, das sie für heute gewählt hatte, das gut zu ihren Jeans und ihrem T-Shirt passte, auf dem „Fuck Moralists“ stand und der Vater den Kopf geschüttelt hatte, als sie damit in die Küche gekommen war.

„Muß das sein, Fatma? Das sind sehr böse Worte!“, hatte er gemahnt.

„So spricht man doch nicht und zieht sich sowas auch nicht an!“

Ihr lieber Papa, der selber Rechtsanwalt war und sich immer sehr bemühte, einen korrekten Eindruck zu machen, damit man ihm, was sicher nie gelingen würde, für einen echten Wiener hielt und ihm seine iranische Herkunft verzeihen würde. Die Mutter war da anders und aus anderen Gründen mit ihr unzufrieden. Da war es das Kopftuch, das sie seit einigen Jahren so beharrlich trug, weil sie es als Zeichen ihrer Selbstbestimmung betrachtete, das der <mutter nicht gefiel. Denn, die war im Gegensatz zum Vater, der da konservativer war, eine fortschrittliche Frau. Hatte Soziologie studiert und arbeitete auch an der Universität als solche. Ansonsten hielt sie Deutschkurse für Migranten ab und betreute ehrenamtlich einen syrischen Flüchtlingsbuben, der gegen ihr Kopftuch nichts hatte und sich eher darüber wunderte, daß Frau Zarah keines trug und die schien es,  wie sie immer andeutete, nicht zu verstehen, daß ihre einzige Tochter so vehement auf das Tragen eines solchen bestand.

„Im Iran wirst du, seit dort die Mullahs herrschen, deshalb verfolgt, Schätzchen!“, sagte sie dann zu ihr und erklärte zum wiederholten Mal, daß sie und der Vater deshalb aus Teheran nach Österreich geflüchtet waren. Aus dem schönen Teheran, nach dem die Mutter, trotz ihrer Fortschrittlichkeit Heimweh zu haben schien und das sie eigentlich nicht kannte, weil sie, soweit sie sich erinnern konnte, nur zwei oder dreimal in ihrem Leben in der Heimatstadt ihrer Eltern gewesen war. Die Großmutter lebte aber mit zwei Onkeln, einigen Tanten und einer Unmenge von Cousins und Cousinen noch immer dort und die weiblichen Mitglieder der Familie waren verpflichtet, ein solches zu tragen, während sie dieses Symbol der Unterdrückung nie freiwillig aufsetzen würde, sagte sie dann immer mit einem Blick auf ihre Tücher, um hinzuzusetzen, daß sie nicht verstehe, wieso ihr das so wichtig sei und Fatma war eingefallen, daß Gerti Schuster, als sie sich verwehrte, von ihr so angestarrt zu werden, ebenfalls gesagt hatte, daß sie den Fetzen hinuntertun solle, weil er ein Symbol der Unterdrückung wäre. Sie war aber nicht unterdrückt. Fühlte sich nicht so und hielt das Kopftuch, das sie natürlich freiwillig aufsetzte, für ein Symbol der Freiheit und würde sich dieses auch nicht von den Rassisten, von denen sie hier ständig umgeben war, verbieten lassen. Natürlich würde sie das nicht, auch wenn ihr ebenfalls bewußt war, daß das im Iran, in Syrien, Afghanistan und anderen arabischen Ländern anders war und sie natürlich auch gegen die Unterdrückung der Frau und der Meinung war, daß jede selbst entscheiden sollte, was sie auf ihre Haare stülpte und, daß das im Iran, wo man dazu verpflichtet war, weil man sonst von der Sittenpolizei angepöbelt wurde, mußte, wie ihr die Mutter immer brühwarm erzählte und sie ihr auch immer die Videos zeigte, wenn sie schon wieder in der U-Bahn, wegen des Kopftuchs belästigt und beschimpft worden war, sehr wohl nicht durfte, wußte sie ebenfalls und brauchte von der Mutter deshalb auch nicht darüber diskutieren und sie verlangte auch nicht von ihr, daß sie ein solches auf ihre  schönen rotgefärbten Haare stülpte. Natürlich nicht, sie wollte nur selber in Ruhe gelassen werden im Hause Sayan und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ständig darüber diskutieren, daß sie das Kopftuch freiwillig trug und keine unterdrückte Tussi, sondern eine engagierte, frauenbewegte Muslima war, die später Menschenrechtsaktivistin werden würde. Dabei hatte die Mutter vorhin beim Frühstück gar nicht soviel gesagt. Denn die Mutter hatte andere Sorgen. Die Großmutter war in Teheran gestorben, wie ihr ihr Onkel Hassan, in dessen Haus sie gelebt hatte, vorhin am Telefon mitgeteilt hatte und sie mußte jetzt mit der Mutter, der Vater hatte berufliche Verpflichtungen und konnte sich nicht so schnell freimachen, nach Teheran fliegen. Der Flug war schon gebucht. In ein paar Stunden sollte er abgehen. Sie mußte ihre Vorlesungen und die Antirassismusgruppe, in der sie heute ein Referat abhalten wollte, absagen. Denn im Iran gingen die Begräbnisse viel schneller, als hier von sich und die Mutter würde sich, wie sie vorhin geklagt hatte, das verhaßte Kopftuch aufsetzen, während man sie dort, da war sie sicher, deshalb nicht anpöbeln würde oder doch vielleicht, weil sie es ja sehr nachläßig trug und es eher als ein Symbol für ihre Freiheit, statt als religiösen Zeichen verstand. Denn eine so strenge Muslima war sie zur Erleichterung ihrer Mutter, die das gar nicht war, nicht. Nur der Vater schien, wie sie merken konnte, immer mehr an seinen Glauben und seiner Herkunft festzuhalten, so daß er sehr bedauerte, sich nicht freimachen und mitfliegen zu können, während die Mutter, wie sie sicher war, das als lästige Pflicht betrachtete. – Das Kopftuch war gebunden. Jetzt noch einmal in die Küche gehen, sich vom Vater verabschieden und mit der Mutter und dem jüngeren Bruder, der sich darüber, daß er schulfrei hatte, mehr als über die Zwangsverpflichtungen nach Teheran reisen zu müssen, freute, mit dem Taxi zum Flughafen fahren und sie freute sich ganz heimlich, wieder nach Teheran zu kommen und die Stadt, die sie kaum kannte und die Familie zu sehen. Versprach dem Vater alle von ihm zu grüßen und ihn wegen seiner Unabkömmlichkeit zu entschuldigen und konnte es sich nicht verkneifen, die Mutter zu fragen, ob sie an das Kopftuch gedacht habe und sie ihr eines leihen solle? Die wurde ein wenig rot vor Ärger. Schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das klang, daß sie sie eines in der Reisetasche hätte, es aber vor der Landung im flugzeug ganz bestimmt nicht aufsetzen würde.

„Was du eigentlich auch nicht bräuchtetst!“, hörte sie den kleinen Bruder, der gerade siebzehn geworden war und daher voll in der Pubertät steckte, zu ihr sagen und sie schüttelte den Kopf. Wollte eine verärgerte Antwort geben, wurde aber von der Mutter jetzt auch aufgefordert, vielleicht doch besser das T- Shirt zu wechseln.

„Vielleicht nimmst du ein neutraleres Schwarzes, Fatma! Denn so kannst du nicht zum Begräbnis erscheinen! Das würde nur die Familie erzürnen!“

Also schnell in ihr Zimmer huschen und das T- Shirt wechseln. Sie sah es schon ein, obwohl sie es auch im Flutzeug tun hätte können, dachte sie ein wenig trotzig und  daran, daß sie nun selbst beobachten konnte, ob es richtig war, was ihre Freundinnen  immer erzählten, daß die Frauen mit kurzen Röckchen und Kopftuchlos in Wien einstiegen und mit der Burka  am Ziellort wieder aussteigen würden, was eigentlich auch ein wenig komisch, aber die Folge eines Doppellebens ihrer zwei Identitäten war, was sie bisher nicht sehr gestört hatte, dachte sie und hatte inzwischen ein neutraleres Shirt gefunden und eine dunkle Jacke darüber gezogen, weil man seine Arme in Teheran auch nicht zeigen durfte. Nahm die Reisetasche und nickte, als sie den Vater rufen hörte, daß sie sich beeilen sollte, weil das Taxi schon eingetroffen war.“

So, das war die Füllszene. Drei weitere können noch folgen. Interessant ist dabei, daß aus der Fatma bei mir inzwischen eine Pakistanierin geworden ist und eigentlich  ursprünglich  anders geheißen hat.

 

2019-12-23

Weihnachtsstimmung in Harland und in Wien

Was machst du da eine ganze Woche in den Weihnachts- oder Winterferien in Harland bei St. Pölten werden meine Leser vielleicht fragen. Nun eigentlich nicht viel oder doch natürlich, habe ich mir am Donnerstag ja eine ganze Büchertasche zusammengepackt, das zweihundertsechzig Seiten Manuskript des „Mein Schreiben- meine Bücher zweiten Literaturgeflüsterbuch“ und dann gibt es natürlich das entsprechende Programm und da habe ich mir ja schon für den Freitag vorgenommen zuerst  mit dem Rad nach Wlhelmsburg zu fahren. Das war dann schnell geschehen, denn außer einem Dekorationsgeschäft, dem „Hager“ und dem „Spar“ gibts dort eigentlich nicht viel zu sehen.

Am Samstag hats geregnet, so haben wir uns am Markt bei einem der Bierstände untergestellt, dort den Uhudler-Glühwein und die gegrillte Leberkässemmel gegessen und den Leute beim Kauf  der Weihnachtsfische zugeschaut.

Die Valera, eine der Betreuerinnen von Alfreds Mutter, die diesmal zu Weihnachten nicht hier ist, hat gebacken. Der Alfred hat das mit Linzerkeksen auch getan, das Baby ist auf Besuch gekommen und hat, obwohl, die Anna behauptete, daß es müde ist, lustig herumgestrampelt und sich mit einem Kochlöffel auf den Kopf geschlagen.

Das Baby, die Anna und noch einige andere bekommen zu Weihnachten, ein Fotobuch, an dem der Alfred die letzte Zeit herumgebastelt hat, ist er ja wie man im Blog merken kann, ein begnadeter Fotograf. So gibt es „Lia, das Jahr 2019“ von „druck. at“ statt eines meiner Selbstgemachten und am Sonntag sind wir wieder auf die Rudolfshöhe gegangen und am Montag hatte ich dann einen Shoppingtag oder Stunde im Traisencenter eingeplant.

Da habe ich das Frühstück beim Mc Donalds gerade versäumt und mir halt nur einen kleinen Cafe latte und einen Cheeseburger gekauft, dann hinüber ins Center uind da zum „Hu.M“ weil ich nicht sicher war, ob ich für die Weihnachtswoche genügend reine Unterwäsche haben werde. Also zwei Strumpfhosen und zwei Paar verbilligte Socken im Christmas-Design eingekauft und dann hinunter in den Keller.

in einem der Designgeschäfte hatte ich schon ein rosa Püppchen mit langen Armen und Beinden in der Hand. Es dann aber wieder zurückglegt, weil das Baby ja den Weihnachtsmann mit dem ersten Weihnachtsbuch bekommt, den der Buchhänder in Edith Broczas Haus, als er sein Geschäft geschlossen hat, ihr 2006 oder 7 ja in den Hausflur stellte und Schokolade für die Anna.

Einen Weihnachtsmann, war auch verbilligt, mit einer Sonnenbrille und einem Handy ganz modern, in einer Schachtel und für den Andreas ein Säckchen mit der Bruchschokolade, die der Alfred in Basel für die Anna kaufte,  die dann er gegessen hat.

Danach stellte ich fest, den „Seedosenschrank“ gibt es noch. Einmal war ich im Winter dort und ich habe gesehen, er war verschwunden. Jetzt stand er aber da und ich hatte kein Buch, weil ich die zwei „Weihnachtsfrauen“ die ich  vorige Woche nach Harland mitgenommen habe, zuerst eines der Doris auf ihren Fest nach der Lesung schenkte und dann die Zweite, der  Valera, die sich für mein Schreiben interessiert und mich im Internet ergooglet hat, da wollte oder werde ich „Lore und Lena“ morgen in den Schrank in Altmannsdorf legen.

Wer sich dafür interessiert, soll es sich vormerken, wird wahrscheinlich am Vormittag so gegen Mittag sein und jetzt kommt noch, weil es so schön ist, das dreiundzwanzigste Adventkalenderfenster und dann hat es in diesem Jahr mindestens drei neue Einträge gegeben und langsam wird es rund und man kann im Netz nachlesen, wie es der „Nika, Weihnachtsfrau“ im Jahr 2015, im Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise auf der Wiener Mariahilferstraße so geht:

„Mittwoch, 23. Dezember

Es war sich mit der Pizza ausgegangen, wie Nika schuldbewußt dachte, als sie am nächsten Morgen bei ihrem Kaffee und ihrem Fertigmüsli saß. Vera hatte sie gar nicht lange überreden müssen, denn die Aussicht auf eine Salamipizza und ein Glas Chianti auf das die Psychotheapeutin sie eingeladen hatte, war verlockend, auch die, sich nicht mit Widerling Seidler in der Personalkantine herumschlagen und die Mahnung anhören zu müssen, daß sie dem Flüchtlingspärchen auf der Straße und der Verkäuferinnentochter schon wieder ein Zuckerl mehr als erlaubt gegeben habe und er ihr deshalb ihre Prämie abziehen oder sich im nächsten Jahr für eine andere Weihnachtsfrau oder einen anderen Osterhasen, der in der Karwoche bunte Ostereier an die Kinder verteilte, entscheiden würde. Aber sie war auch um ihre Weihnachtsgeschenke gekommen, denn die zu besorgen, war keine Zeit gewesen und die Zeit drängte. Wenn es heute nicht passierte, war es zu spät, denn morgen schloß das Kaufhaus um zwei und dann könnte sie höchstens noch schauen, ob sie am Westbahn- oder am Hauptbahnhof etwas für ihre Schwester, die Mama, den Papa und die anderen Lieben finden würde? Was zwar passte, weil eine Flasche Whisky, eine Bonbonniere und ein Buch würden zu bekommen sein. Aber der kleinen Zoe-Philipa hatte sie einen Strampelanzug kaufen wollen, wenn sich Vera schon für die Kinderrassel entschieden hatte, die sie ihr beim Italiener prompt gezeigt hatte.

„Das sind meine Einkäufe, Nika, Weihnachtsfrau! Was ich für dich besorgt habe, verrate ich natürlich nicht,hoffe es aber getroffen zu haben!“, hatte sie gesagt, ihr die Rassel unter die Nase gehalten und dann ihr Chiantiglas erhoben.

„Prost, Schwägerin, in spe, ich hoffe du bekommst auch etwas Schönes und jetzt muß ich los! Andrea Herbst kommt um drei und da muß ich aufpassen und meine Toilette kontrollieren, damit sie sich nicht wieder mit einem Leuchter darin versteckt und mir vor Weihnachten neue Schwierigkeiten macht!“, hatte sie gescherzt und hinzugefügt, daß man sich übermorgen mit den Geschenken bei Ruths Eltern sehen würde.

„Du hast es leicht, Weihnachtsfrau, du kannst deinen Anzug anbehalten und die Rassel kann ich dir als Ersatz für das Weihnachtsglöckchen auch gern leihen!“

„Mitnichten, liebste Vera, den muß ich am Donnerstag bei Widerling Seidler abgeben!“, hatte sie geantwortet.

„Weihnachtsgeschenke muß ich auch noch besorgen!“

Und das dröhnte jetzt in ihrem Ohr. Noch dazu, da sich in ihrem Adventkalender, als Mahnung oder als Erinnerungsstütze, ein bunt verpacktes Päckchen gefunden hatte. Heute durfte sie es nicht vergessen und wenn Jessica oder Harald auftauchten und sie in ein Restaurant oder zu Max Schröder schleppten wollten, mußte sie widerstehen, nahm sie sich vor, atmete durch, stellte die leere Kaffeetasse und die Müslischale in den Geschirrspüler. Dann zog sie die grüne Jacke an, setzte die rote Strickmütze auf, nahm den Rucksack und öffnete die Wohnungstüre. Sie mußte los, um nicht zu spät zu kommen. Lief aber wieder Laura Augustin über den Weg, die mit einem vollen Einkaufskorb die Stufen hochkam und ihr den Weg versperrte.

„Guten Morgen, Fräulein Nika!“, rief sie fröhlich.

„Eineinhalb Tage noch, dann haben Sie es geschafft! Haben Sie schon Ihre Weihnachtsgeschenke beisammen?“, entblödete sie sich ebenfalls nicht zu fragen und Nika zuckte, ob diesen bösen Gedanken schuldbewußt zusammen und setzte ein bedauerndes „Leider nein!“, hinzu.

„Da denkt man Frau Augustin, man steht an der Quelle und bekommt außerdem noch einen Angestelltenrabatt und dann ist es nicht zu schaffen, weil ich von neun bis sieben auf der Straße stehe und in den Mittagspausen ist es sich nicht ausgegangen! Aber heute vielleicht! Heute nehme ich es mir ganz fest vor! Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie schon alles besorgt?“, fragte sie mit einem Blick auf Laura Augustins Einkaufskorb, der wie zu erwarten, mit Büchern gefüllt war. Die bibliophile Nachbarin war beim Bücherschrank statt beim „Merkur“ oder „Penny“ gewesen und das war eine Idee, denn der offene Bücherschrank war, wie Nika wußte, rund um die Uhr geöffnet und sie hatte für Ruth ohnehin ein Buch besorgen wollen. Eines über Babypflege und für Vera einen therapeutischen Ratgeber. Aber ob sie beides in den offenen Bücherschränken finden würde?

„Ich war beim Bücherschrank!“, antwortete die Nachbarin fröhlich.

„Sie wissen, ich gehe sehr oft dorthin und habe da auch schon einige Weihnachtsbücher gefunden, die ich im Dezember gelesen habe! Was die Geschenke betrifft, ist mein Bedarf nicht so groß! Sie wissen, ich bin eine alleinlebende Single! Meine beste Freundin befindet sich auf Weltreise! Kinder und Ehemann gibt es nicht! Meine Eltern sind gestorben, wie auch meine einzige Schwester! Also außer einem alten Patenonkel, den ich natürlich in seinem Altersheim, beziehungsweise Seniorenresidenz, wie man das heutzutage protzig nennt, besuchen werde, ist niemand da, den ich beschenken könnte! Also tue ich das bei mir selbst, habe ich mir vorgenommen und gehe im Dezember statt einen Adventkalender zu öffnen, jeden Morgen nach dem Frühstück hin und suche mir was aus! Ich hoffe, daß Sie mich nicht mißverstehen oder mich für geizig halten, aber ich habe heute zufälligerweise ein Buch gefunden, von dem ich dachte, daß Sie es vielleicht lesen möchten! Darf ich Ihnen damit eine kleine Freude machen und es jetzt schon, falls wir uns nicht mehr sehen sollten, mit den besten Weihnachtswünschen überreichen? Eigentlich wollte ich es in Geschenkpapier verpacken, damit es festlicher aussieht, da man aber nicht hochstapeln soll und ich Sie jetzt gerade sehe, will ich es Ihnen gleich überreichen und hoffe, Sie haben Freude daran!“,  sagte Laura Augustin, griff in den Korb und hielt Nika, ein dickes umfangreiches, sicher tausend Seiten dickes Buch entgegen, in dem sie zu ihrer Überraschung den neuen  „Clemens J. Setz“, erkannte, der, wenn sie sich nicht irrte, auf der letzten „Longlist des deutschen Buchpreises“ gestanden war.“

Was bisher passierte findet man hier,  morgen, am 25. 29 oder 30. Dezember und vielleicht noch an einem Tag geht es weiter.

2019-12-10

Philosophisches Forum und zehntes Nika-Fenster

Im Doml, der „Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur finden regelmäßige philosophische Foren statt, wozu mich Stephan Teichgräber zwar einlädt, ich aber noch nie hingegangen bin, weil zu speziell. Aber diesmal gab es anschließend die Weihnachtsfeier und da auch noch die sechs Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich hingegangen, weil ich mich ja auch ärgern würde, wenn ich einen Vortrag halte, wo niemand ist, aber anschließend die Leute zur Weihnachtsfeier auftauchen.

Bei der kroatischen Professorin Danijela Lugaric, die eigends aus Zagreb angereist ist, um ihren Vortrag  „Über den Kulturkapitalismus auf (post) jugoslawische Weise: Der Sozialismus und sein Anderes“, zu halten, sind aber Leute gekommen und die letzte Weihnachtsfeier hat im Doml, glaube ich, vor zwei Jahren am neunzehnten Dezember stattgefunden, da habe ich ein Adventkalenderfenster aus der „Nika“ gelesen und heute gleich das zweite, nämlich

„Donnerstag, 10. Dezember

Als der Wecker klingelte und Nika aus ihren Träumen schreckte, rauchte ihr der Kopf und die Schläfen schmerzten. Da hatte sie gestern, als sie sich mit Harald Schwabeneder bei Ruth und Vera getroffen hatte, zuviel Wein getrunken und die Spaghetti, die Vera ihnen serviert hatte, waren auch sehr reichhaltig gewesen, so daß sie lange nicht einschlafen hatte können. Jetzt war es sieben, sie mußte aufstehen und danach trachten, halbwegs munter auf die Mariahilferstraße zu kommen.  Hatte aber keine Lust dazu. Nicht die Geringste war in ihr vorhanden,  sich im roten Anzug auf die Straße zu stellen und mit Herrn Widerlich zu streiten. Auch die schöne Perlenkette, die hinter dem Adventdalenderfenster zu sehen war, konnte sie nicht aufheitern.  Dabei war der gestrige Tag sehr intensiv gewesen. Das ließ sich nicht verleugnen. Hatte doch zuerst Ruth angerufen und sie für den Abend zu sich und Vera eingeladen. Dann hatte Harald sie abgeholt, ihr einen „Standard“ mit einem seiner Gegenartikel übderreicht und ihr von einer Fernsehdiskussion erzählt, in der sich Andrea Herbst outen würde, die sie nicht versäumen sollten.

„Dann kommst du am Besten zu Ruth und Vera mit!“, hatte sie vorgeschlagen und Harald, der inzwischen sehr vertraut geworden war, einen Kuß auf die Stirn gegeben. Er hatte nichts dagegen und es war ein schöner Abend geworden. Veras Knoblauchspaghetti hatten hervorragend geschmeckt. Der Rotwein, den Ruth ihr eingeschenkt hatte, hatte das auch getan. Nur leider schien sie zuviel davon erwischt zu haben, so daß der Kopf schmerzte, während sie gestern nichts davon gespürt hatte.

„Schauen wir uns an, was Andrea Herbst darüber zu sagen hat, daß Frau Miletic sie in meine Praxis gehen sah!“, hatte Vera vorgeschlagen und den Fernseher aufgedreht.

„Ich habe sie nicht gesehen und auch nicht bestellt! Als Kronauer geläutet hat, ist sie nicht dagewesen und ich habe sie auch nicht am Gang bemerkt!  Ich habe zwar einen automatischen Türöffner und es kommt auch vor, daß ein Klient zu früh kommt und im Vorraum auf seine Stunde wartet! Als ich Kronauer hinausbegleitet habe, ist niemand auf den drei Wartestühlen gesessen. Ich habe mich verabschiedet, bin ins Büro gegangen, um meine Dokumentation zu machen und die Praxis dann verlassen. Am Klo habe ich, wie erwähnt, nicht nachgesehen und die Tochter muß die Praxis auch verlassen haben, denn am nächsten Morgen war sie nicht da, als Frau Sibelinski den toten Kronauer auf der Toilette fand! Aber es erklärt, wie der Leuchter aufdas Klo gekommen  ist, denn von mir stammt er nicht!“, hatte sie gesagt. Dann hatte sie sich nochmals Wein eingeschenkt,  auf der Polstergarnitur Platz genommen und auf den Fernseher geschaut, wo die schlanke Fünfzehnjährige zu sehen war, die hektisch die Moderatorin anstarrte, die sie vorstellte und sich bei ihr bedankte, daß sie sich bereit erklärt hatte, mit ihr zu sprechen, um der Öffentlichkeit, die sich dafür interessierte, zu erzählen, wie das mit ihrem Stiefvater war?

„Du bist am vorigen Montag, als er seine Therapiestunde hatte, in der Praxis gewesen, nicht wahr?“, fragte Sabine Schweikart Andrea Herbst sanft, die ein blasses, hochaufgeschossenes Mädchen war, das die blonden halblangen blonden Haare,  aus dem Gesicht gestrichen hatte, Jeans und einen blassblauen Rollkragenpulover trug. Sie fuhr sich nervös mit der Hand übers Gesicht, dann hatte sie genickt und trotzig „Stimmt!“, gesagt.

„Ich bin dort gewesen! Das habe ich auch der Polizei erzählt! Aber ich habe ihn nicht umgebracht! Ich habe oft daran gedacht,  es zu tun und  das auch mit meiner Therapeutin, die ich die letzten zwei Jahre besuchte, um ihn aus dem Kopf zu bekommen, durchbesprochen, die das für eine normale Reaktion hielt! Ich habe es nicht getan! Es tut mir nicht leid, daß er einen Schlaganfall hatte, aber ich bin nicht schuld daran!“ sagte sie laut und brach ab.

„Natürlich nicht!“, bestätigte Sabine Schweikart sanft und beugte sich zu ihrem Gast hinüber um Andrea Herbst über die Schulter zu streichen.

„Das sollten wir vielleicht für unser Publikum klarstellen, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt! Peter Kronauer, das haben die Gerichtsmedihziner inzwischen festgestellt, ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte auf seiner Stirn aber auch einige Platzwunden, die er sich offensichtlich zugezogen hat, als er auf einen Leuchter gefallen ist! Ein Leuchter, der  sich auf der Toilette befunden hat, der aber nicht zur Praxis gehört und die Hausmeisterin, die dich kommen sah,  glaubt nun, daß sich in deiner Tasche ein solcher befunden hat!“

„Sie hat ihn aber nicht gesehen!“, antwortete Andrea Herbst patzig. Dann brach sie erneut ab und, strich sich über die Stirn und starrte in die Kamera.

„Es stimmt! Er war in der Sporttasche! Aber ich habe ihn nicht damit erschlagen, soviel Kraft habe ich gar nicht! Das habe ich auch der Polizei gesagt! „, rief sie laut und machte den Eindruck, als würde sie zu weinen beginnen.

„Beruhige dich!“, sagte Sabine Schweikart, strich Andrea Herbst nochmals über die Schulter und blickte zu Andreas Mutter, die ihre Tochter begleitet hatte und neben ihr saß.

„Das hat niemand behauptet! Unser Publikum möchte nur wissen, wie der Leuchter in die Praxis gekommen ist? Du hast ihn also mitghebracht?“

„Stimmt!“, antwortete Andrea Herbst und blickte zuerst zu ihrer Mutter, die ihre Hand ergriff und dann in die Kamera.

„Es war der Weihnachtsleuchter, den ich einmal von meiner Oma bekommen habe und der in meinem Zimmer steht.  Als ich acht oder neun war, hat ihn mir die Oma zu Weihnachten geschenkt! Er ist am Fensterbrett gestanden , so daß ich ihn immer, wenn ich im Bett liege, sehen konnte!“

„Verstehe!“, hatte Sabine Schweikart sanft geantwortet.

„In dem Bett in dem dich Kronauer überfiel, so daß dich der Leuchter an seine Tat erinnert hat!“

„Stimmt!“, bestätigte Andrea Herbst.

„Ich weiß auch nicht, warum ich ihn nicht fortgeworfen habe! Ich wollte das tun! Habe aber immer darauf vergessen! Vielleicht habe ich es auch nicht zusammengebracht! In meiner letzten Theapiestunde habe ich darüber gesprochen  und meine Therapeutin hat gemeint, daß ich einmal so weit sein werde, ihn wegzugeben,  damit ich mich nicht mehr daran erinnern muß! Am vorigen Montag war das dann so!  Da hatten wir am Nachmittag Turnen  in der Schule, so habe ich ihn in meine Sporttasche gepackt und mitgenommen!  Ich wollte ihn in ein Antiquitätengeschäft bringen und fragen, ob ich ihn verkaufen kann?  Dann bin ich aber an der Praxis seiner Therapeutin vorgekommen. Das heißt, ich habe ihn auf der Straße gesehen,  bin ihm nachgegangen, dann lang vor dem Haus mit der Praxistafel gestanden! Mich geärgert und geweint, weil ich wieder an alles denken mußte! Dann habe ich angeläutet und bin hinaufgegangen, weil ich dachte, daß ich die Therapeutin fragen will,  wieso sie ihn therapiert? Das wollte ich wissen!  Ich habe angeläutet, die Tür ist aufgegangen. Im Wartezimmer war niemand! So bin ich auf die Toilette gegangen, habe nicht zugesperrt,  weil ich mich nur frisieren wollte! Dann ist er plötzlich hineingekommen und erschrocken, als er mich gesehen hat! Ich habe den Leuchter aus der Tasche genommen! Da ist er noch mehr erschrocken und hat ein rotes Gesicht bekommen! Auf einmal ist er nach vor gefallen und auf den Leuchter gestürzt, den ich vor Schreck ausließ! So ist es gewesen! Ich bin weggelaufen! Habe mich zuerst der Mama, dann meiner Therapeutin anvertraut, die gemeint hat, daß ich mit der Polizei reden soll und den Reportern habe ich auch erzählt,  daß ich nicht traurig bin,  daß er nicht mehr lebt,  weil ich mich nun nicht mehr vor ihm fürchten muß! Aber ich habe ihn nicht umgebracht und bin auch nicht schuld, daß er einen Schlaganfall bekommen hat, weil er mich mit dem Leuchter gesehen hat!  Denn ich habe ihm nichts getan!  Das mit dem Schlaganfall war Zufall und hat nichts mit mir zu tun!  Das hat auch meine Therapeutin gemeint, die mich darin unterstützte, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit ich das alles vergessen kann!“, sagte sie und begann wirklich zu weinen. Sabine Schweikart hatte sie noch einmal umarmt  und „Wir verstehen dich, Andrea! Du bist sehr tapfer und brauchst dich nicht zu fürchten!“, gesagt und Vera hatte „Aha, so ist das!“, sarkastisch ausgerufen!

„Jetzt wissen wir, wie der Leuchter in meine Praxis gekommen ist und woran Kronauer gestorben ist! Müssen nur noch JoeProhaska überzeugen, daß er sich um Ruths Kind nicht zu kümmern braucht, weil das ohnehin zwei Mütter haben wird und ich muß schauen, wie ich zu neuen Klienten komme! Denn derzeit ist mein Zulauf sehr gering! Aber vielleicht gibt sich das, wenn sich die Presse beruhigt hat und nicht mehr soviel über mich und meine Praxis schreibt!“

„Natürlich hatte Harald Schwabeneder geantwortet und hinzugefügt, daß er da ganz sicher sei!  Dann hat er seine Hand auf ihren Arm gelegt  und Ruth und Vera verraten, daß sie sich befreundet hätten.

„Sehr gut!“, hatte Vera gekontert.

„Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes! “ und ihnen zugeprostet. Nika hatte genicktund auch das zweite Glas ausgetrunken. Jetzt hatt sie Kopfweh und eigentlich war es ihr egal zu wissen, daß Andrea Herbst den Leuchter in Veras Praxis getragen hatte. Ganz egal war es ihr oder auch nicht, denn vielleicht hatte auch  Klaus Widerlich Sabine Schweikarts Sendung gersehen und verlangte mit ihr über den Leuchter zu diskutieren. Das wollte er aber wahrscheinlich nicht , weil er sich nur dafür interessierte,  daß sie nicht zuviele Süßigkeiten verteilte,  so daß sie aufpassen mußte, daß Jessica nicht mehr bekam.  Aber die würde erst am Samstag auftauchen und da würde sie zur Sicherheit eine Packung auf eigene Kosten besorgen , die in ihre Weihnachtsfrauenjacke stecken und der Kleinen daraus geben. Da konnte Widerlich nichts dagegen haben und nicht mit ihr schimpfen, dachte sie,  als sie in der Garderobe dieJacke anzog  und die Mütze aufsetzte. Als sie das Kaufhaus zehn Minuten später verließ ,  saß sie wieder Hassan Arawani  beim Eingang sitzen und sie anstarren. Er hatte sich nichts angetan und da er wahrscheinlich wieder nichts  aus ihrem Sack wollte, konnte Herr Widerlich nicht mit ihr schimpfen. Zulächeln konnte sie ihm aber und „How are you?“, fragen und wenn sie sich nicht irrte, hatte er auch genickt. Sie irrte sich bestimmt und bildete sich da nur ein! Es konnte aber nicht schaden, ihn angelächelt zu haben und jetzt die Prospekte herausholen und ihre Verteilungstour beginnen.“

2019-09-19

Der verschwundene Bücherschrank

Nach einem Arbeitstag, ein paar Stunden, ein bißchen Korrigieren am neuesten Projekt und ein bißchen Wahlkampfvideoschauen, denn das macht Spaß, informiert und weckt vielleicht auch die Schadenfreude, hat sie sich aufgemacht, um nach der Sommerpause das erste Mal wieder ins Literaturhaus zu gehen.

Zwar wartet auf die selbsternannte dreifache Buchpreisbloggerin drei solche Listen, die deutsche, österreichische und schweizerische mit entsprechend vielen aufzulesenden Büchern auf sie, was ohnehin ein bißchen schlechtes Gewissen macht, denn beim deutschen Buchpreis ist sie erst bei Buch sechs, beim österreichischen bei Buch zwei, wobei es sich um dieselben Bücher, nämlich, die der Marlen Streeruwitz und Raphaela Edelbauer handeln und bei dem schweizer hat sie zwar schon drei Bücher im Bad, beziehungweise E-Book Folder liegen, aber mit dem Lesen noch gar nichgt angefangen.

Aber trotzdem es gibt es Buchgeschehen, abseits der Buchpreislisten, natürlich ganz klar und im Literaturhaus wird auch ein solches vorgestellt, was sonst höchstwahrscheinlich an ihr vorbeigegangen wäre, sich also nach der letzten Stunde, beziehungsweise der letzten korrigierten Seite aufgemacht, um ins Literaturhaus zu gehen.

Da kommt sie am Margararetenplatz natürlich am „Wortschatz“ vorbei und kann trotz ihrer Bücherberge und Bücherstapel dort natürlich nicht vorüber gehen, denn sie könnte ja etwas versäumen, also kurz hineingeschaut und außer einem Sprachführer für den nächsten Italienurlaub nicht viel gefunden, natürlich nicht, was hätte sie erwartet, obwohl sie da und auch in den anderen Schränken schon manche Schmankerl, sprich ausgeschiedene Leseexemplare gefunden hat, an denen sie sich erfreuen konnte und das auch tat.

Manche Bildungslücken hat der Bücherschrank schon bei ihr gefüllt und sie ist auch eine absolute Freundin der solchen, die es in Wien seit 2010 gibt und die seither auch wie die Schwammerln aus dem Boden spießen.

Der Erste wurde dort in der Zieglergasse-Westbahnstraße von Frank Gassner aufgestellt und zwei Jahre später sogar mit Hilfe von Hermann Nitsch erneuert und gewidmet, dann gibt es den beim Heger-Park in der Grundsteingasse, da hat sie schon einmal gelesen, beziehungsweise ihre „Mimi“, dort vorgestellt, in der es ja auch eine Bücherschrankbenützerin beziehungsweise Betreuerin gibt, denn die Bücherschränke haben sie nicht nur bezüglich Lesen bereichnert, nein, sie hat auch immer wieder darüber geschrieben und findet ein solches Tauschverhalten im öffentlichen Raum sehr gut, gibt auch zu, daß sie mehr Bücher hinaus als dort hineinstellt, ist sie doch eine Sammlerin, die sich eigentlich nur ungern von ihren Büchern trennt, aber die eigenen Werke finden regelmäßig nach Erscheinen hinein und, daß es Leute gab, die sich über die Schränke lustig machen, sie sogar zerstören und beschmieren oder sie als „Sandlerbibliothek“ beschimpfen hat sie nie verstanden und glaubt auch, daß sich diese Vorurteile und auch die, daß die Leute sich dann nur der Bücher bedienen und sie verkaufen würden, ein Argument, daß vor allem Anfangs sehr zu hören war, glaubt sie nicht so recht, sondern hat sogar den Verdacht, daß sich die Antquariate eher ihrer Ladenhüter dort entledigen, als Bücher von dort ankaufen, dazu gibt es in Zeiten der „Make it small-Philosophie“ höchstwahrscheinlich zu viele Bücher und sich der Bücher, statt sie in den Mist zu werfen, sie in den Bücherschrank zu stellen, wenn man zum Beispiel eine Verlassenschaft zu entsorgen hat, ist sicher eine gute Idee, an der sie sich, sie gibt es zu, schon öfter daran bereichert hat und manchmal die Bücher auch eine Weile bei sich stehen hat, bis sie dazu kommt sie zu lesen.

Auch das gibt sie zu, aber als sie diesen Sommer in die Schweiz auf Urlaub gefahren ist, hat sie sich vorher in ihren Regalen umgesehen und dort sogar drei ehemalige Buchpreisbücher gefunden, die sie dann in Locarno nach und nach aufgelesen hat, dort in einem Bücherschrank in einem Kaff einen aktuellen Krimi fand und sich nur ärgerte, daß sie „Herrmann Hesse antwortet…. auf Facebook“, das sie einmal vom Schrank nach Hause trug, dann aber nicht rechtzeitig gefunden hat, um es  in Montagnola stilgerecht aufzulesen.

Egal, das Buch ist jetzt gefunden und kann gelesen werden, wenn sie sich wieder in die Schweiz begibt oder nein, doch nicht so ganz denn der nächste Schweiz-Urlaub geht nach Basel zur Verleihung des „Schweizer Buchpreises“ und da wird sie sich wahrscheinlich eher die Buchpreisbücher“, als den Hesse mitnehmen, denkt sie, während sie an dem noch leeren und im Dunklen liegenden Literaturhaus, es ist zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn und sie eine  pünktliche Person, vorübergeht, um vorher noch in Richtung Schrank und Westbahnstraße hinaufzugehen, denn es könnte ja sein, daß Daniela Strigl, die ja glaube ich in der Nähe wohnt, ober ein anderer Rezensent Sibylle Bergs „GRM“, eines der Schweizer-Buchpreisbücher, das sie wahrscheinlich nicht bekommen wird, aber unbedingt lesen will, hineingelegt hat, denkt sie wieder, um dann etwas erstaunt, in das Gesicht von Barbara Zeman zu schauen, die gerade an ihr vorübergeht.

Aber natürlich, sie ist ja die Moderatiorin der Veranstaltung, wie sie sich sogleich erinnert und an den vielen Baustellen vorbei, die sich momentan offenbar in ganz Wien und daher natürlich auch in der Zieglergasse befinden vorübergeht und ihre erwartungsvolle Vorfreude kurz darauf  verschwinden läßt, beziehungsweise diese einen Dämpfer bekommt, denn was ist denn das, das kann es doch nicht sein, an der Ecke Zieglergasse Westbahnstraße, wo sich der Schrank und seit kurzem auch ein paar Sesseln befinden, in denen man sich während des Büchersuchens ausruhen oder vielleicht gleich ein bißchen lesen kann, gibt es nur mehr den Briefkasten, der sich auch  dort befindet, ansonsten ein Absperrgitter, einen Baustellenzaun: „Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder!“, heißt es da und kein Bücherschrank.

Vorübergehend geschlossen, abmontiert, entfernt.

„Wird nach Beendigungen der Bauarbeiten wieder aufgestellt!“, wird sie später auf der betreffenden Facebookseite lesen. Zuerst einmal aber nur entäuscht und ein bißchen verloren dreingeschaut, aber dann angesichts der eldendslangen Bücherliste und dem sechsten deutschen und zweiten österreichischen Buchpreisbuch, dem der Raphaela Edelbauer, das ihr sehr gefällt und das sie ohnehin  in der Tasche trägt um bis zu Veranstaltungsbeginn noch ein bißchen darin zu lesen, die Achseln zucken und „Macht ja nichts!“, denken.

Macht ja nichts, denn es gibt im intensiven Bücherherbst der Neuerscheinungen und des dreifachen Bücherbloggens ohnehin sehr viel zu lesen und wenn die Bauarbeiten bis Dezember beendet sind, kann sich der Schrank nach Weihnachten ja wieder dort befinden, um die ungewünschten Weihnachgtsgeschenke oder eventuelle Duplikate aufzufangen und vielleicht ist dann, wenn sie wieder dort vorbei kommt, sogar eines der Buchpreis-Bücher darin, das sich momentan nur in ihrem E- Bookfolder befinden, denn sie ist ja eine Büchersammlerin und außerdem, auch wenn sie an keinen Buch riecht, leckt oder schmeckt, der Meinung, daß nur ein Printbuch ein richtiges Buch ist und sie ein solches lieber hat.

2019-07-24

Aus dem Figurenkabinett

Jetzt kommt wieder mal ein Pausenfüller, denn höchstwahrscheinlich war es sich nicht ausgehen, Natasha Solomons „Das goldene Palais“ bis Mittwoch auszulesen, aber ich wollte neben den Buchbesprechungen und den Veranstaltungen ja öfter auch etwas aus der Schreibküche zum besten geben.

Geschichten aus der Schreibwerkstatt sozusagen, die im Augenblick nicht sehr aufregend sind, denn ich korrigiere mit zwei fast leeren Druckern, mein zweites „Literaturgeflüsterbuch“ mit den Texten über mein Schreiben und den Probekapiteln aus den siebenundzwanzig Büchern, die seit es das „Literaturgeflüster“ gibt, entstanden sind.

Daziwschen schiele ich immer schon ein bißchen zu dem „Fräulein No“, der Aushelfskellnerin aus „Rudis Nachtcafe“ und da hatte ich ja im Juni die Idee mich bei der diesbezüglichen Planung von einigen Figuren aus meinen vorigen Büchern begleiten zu lassen.

Das meine ich nicht so verrückt, wie es vielleicht klingt und wenn man möchte kann man sich da auch an Jurenka Jurk anlehnen, die vor einigen Wochen wieder ein paar kostenlose Webinare und  einen Kurs zum Thema „Mehr Zeit zum Schreiben“ gab.

Die Webinare habe ich zwar versäumt, weil ich bei dem einen in der „Alten Schmiede“ war und es dann beim nächsten mit der Anmeldung nicht schaffte, aber ich habe ja auch schon einen Artikel über das Zeitmanagement und eigentlich ohnehin ein ganz gutes.

Die liebe Jurenka Jurk hat mir dann aber noch zwei Videos geschickt, wo sie sich mit zwei Autoren unterhalten hat und da ein bißchen, die größten Fallen, die einem am Schreiben hindern, beleuchten, da den „Innere Schweinehund“: „Ich mag lieber fersehen, statt mich vor mein Manuskript setzen! und der „Innere Kritiker: „Das wird doch sowieso nichts! Wieso setzt du dich da hin? Geh lieber Schuhe putzen!“ und meinte man soll mit diesen Stimmen in Dialog treten und das wäre doch auch so etwas, wie sich von seinen Figuren beim Schreiben helfen zu lassen oder einfach ein bißchen über sie zu erzählen, denn, ich habe, glaube ich, im Juni, noch bevor ich mit dem Fensterputzen angefangen habe, mich mit einem Notizbüchlein hingesetzt und aufnotiert, welche Figuren ich da habe und da wären ja einmal die Fritzi Jelinek, bekannt aus der „Absturzgefahr“, Tochter einer Deutschlehrerin, die ihrer Tochter diesen ehrgeizigen Namen gab, die aber eigentlich lieber, wi ihr Vater Psychotherapeutin werden wollte. Sie hat dann eine Ausbildung zur Lebensberaterin und Schreibtrainerin gemacht, ihre diesbezügliche Diplomarbeit über das „Haus im Grünen“ geschrieben und bei einem Praktikum, das sie für ihre Lebensberaterausbildung machen mußte, den polnischen Prieser Janusz Warszinski kennengelernt mit dem sie in weiterer Folge eine platonische Beziehung einging. Vielleicht auch ein bißchen mehr davon, darüber kann man streiten und geteilter Meinung sein. Wir treffen sie jedenfalls in der „Pensionsschockdepression“ wieder, wo sie in Januz Warszinskis Pfarre jeden Mittwoch eine Bibliotherapiegruppe macht und ihre Nachbarin Thekla Morgenstern dazu einlädt.

In diese Gruppe könnte nun auch Lisbeth Hahnenpichler, die pensionierte Bibliothekarin, aus den „Zwillingswelten“ kommen, sowie Laura Augstin aus den „Dreizehn Kapitel“, sowie, der Psychiater Theo Hardenberg, den wir aus der „Frau aus der Bank“ kennen, der ja in dieser nicht nur seine Frau findet, sondern, in den „Berührungen“ und im „Bibliotheksgespenst“,  jeweils eine Patientin hat, die er nicht nur psychotherapeutisch berät.

Diese Gruppe könnte es also noch weiter geben und sie könnte auch diesen Blog sporadisch begleiten und immer, wenn ich eine Lücke habe, auftreten und ein bestimmtes Thema besprechen, beziehungsweise mein Alter Ego, die nicht sehr erfolgreiche Autorin, Eja Augustin, die auch in diese Gruppe gestoßen ist, bei ihrer Bibliographie beziehungsweise ihrem geplanten „Work in Progress“ zu beraten.

Das liegt bei mir, wie beschrieben, derzeit in weiter Ferne, beziehungsweise sind in mein graues Büchlein mit der Aufschrift „Wir sind Wien“, das mir Christa U. zum letzten Geburtstag in einem Rucksack schenkte, gerade einmal drei Figuren und drei Szenen aufnotiert und dann noch ein paar Beobachtungenen, die ich zum Beispiel vor cirka zwei Wochen am Rathausplatz machte, als dort eine Frau mit Kopftuch alleine mit einem Kinderwagen erschien, das darin befindende etwa eineinhalbjähriges Mäderl heraushob, das sich dann in weiterer Folge munter zu dem stattfindenden Konzert drehte, beziehungsweise immer wieder den Platz  hinunterlief, unm von der Mutter immer wieder geduldig zurückgeholt zu werden.

Das könnte eine Szene in meinem neuen Buch werden und die erfolglose Autorin könnte in Fritzi Jelineks Bibliotherapiegruppe, die vielleicht inzwischen eine Schreibgruppe geworden ist, über ihr Problem mit dem Zeitmangagment sprechen und erzählen, daß sie eigentlich ein recht gutes hat, jetzt aber nach über vierzig selbstgemachten Büchern ein wenig ausgeschrieben ist, aber Spaß am Zusammenstellen ihrer Texte hat, obwohl es damit nur sehr langsam weitergeht, weil eben die beiden Drucker, den einen in ihrem Hauptwohnsitz Wien und der andere in der Sommerfrischenwohnung leer geworden wären und sie mit dem Korrigieren noch sehr viel Arbeit vor sich habe, die sie wahrscheinlich das nächste halbe Jahr beschäftigen könnte, bis es eben im November mit dem „Fräulein No“ im Rahmen des „siebenten Nanworimos“ weitergehen könnte, ihr innerer Kritiker aber eher ein äußerer wäre, weil sie fände ihre Texte gut, aber dann kommen die anderen und schreien „Was, so was schlechtes habe ich noch nie gelesen, aber träume ruhig weiter vom Nobelpreis und vom Sozialismus!“

Nun den Ersteren werden weder ich noch meine Romanfigur bekommen, obwohl es in meinen Büchern da ja immer wieder diesbezügliche Ansätze gibt, aber das Träumen und das Wünschen ist ja nicht schlecht, das kann einer inneren Antrieb geben, obwohl dann irgendwann vielleicht ein bißchen was von außen kommen muß und der Sozialismus ist schon gut, solange er nicht in eine Diktur ausartet, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist.

Da war zuerst eine Revolution, die noch heute gefeiert wird und dann kam einer und setzte sich selber die Krone auf. Für sich kann man aber solidarisch handeln und sich für die anderen einsetzen.

Aber das ist ein Thema, das vielleicht nicht soviel mit den Zeitmangaement zu tun hat und Eja Augustin könnte ihrer Schreibtrainerin Fritzi Jelinek und den anderen in der Gruppe noch verraten, daß sie vielleicht mehr Schwierigkeiten mit dem inneren Antreiber hat oder nein, keine Schwierigkeiten, denn der ist ja sehr wichtig und hat dazu beigetragen, daß es über vierzig Jahren schreiben und fast fünfzig selbstgemachte Bücher gibt, und wenn der Alfred jetzt bald das Cover für die „Magdalena“ macht, kann das Buch in die Druckerei gehen und wird dann mein fünfundvierzigstes Selbstgemachtes sein

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