Literaturgefluester

2019-04-12

Lidschlag

Filed under: Bücher — jancak @ 00:04
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Noch ein Buch der kleinen feinen „Wagenbach-Salto-Reihe“ mit wieder einer mir bisher unbekannten Autorin, nämlich  der 1975 in Buenos Aires geborenen Kunstkritikerin und Kuratorin Maria Gainza, deren Debut  „Lidschlag“, gleich in  zehn Sprachen übersetzt wurde und  der Band „Lidschlag“ beinhaltet elf Skizzen, würde ich sagen, die alle von einer Kunsthistorikerin namens Maria handeln, die in Buenos Aires mit prekären Jobs lebt und da beispielsweise interessierte Touristen durch Privatsammlungen führt, wie man in dem ersten Text „Dreuz Hirsch“ erfahren kann.

Und Alfred Hirsch ist ein 1810 in Paris geborener und 1860 dort verstorbener Maler, mir ebenfalls bisher unbekannt und so gleite ich wieder durch ein Buch in dem es um Bilder und Museeumsbesuche geht.

Da hat ja Hanno Millesi kürzlich durch das kunsthistorische Museum geführt und durch Roberts Gabe, die er mir ins Landesklinikum St. Pölten brachte, bin ich ja vor kurzen auch durch die Kunst des Malers Velasques und seine Prinzessisnnenbilder gewandert.

Der zweite Text ist dem 1902 verstorbenen Fotografen und Maler Candido Lopez gewidmet, der im Paragayischen Krieg einen Arm verloren hat. Die schwangere Erzählerin fährt, um der Hitze der Stadt zu entgehen, in das Museum, das seine Bilder ausstellt, um dort zu erfahren, daß die immer noch restauriert werden. Eine Rahmenhandlung, um den Bruder der ersten Frau ihres Mannes, Charly, der im Urwald eine Farm bewirtschaften will, gibt es auch.

In „Ruinenromantik“ geht es um den 1808 verstorbenen Maler Hubert Robert, während Maria Gainza in „Die schöne Zuflucht“, die Erinnerung an ihre Freundin Alexa, die in Angola als Journalistin arbeitet, sowie einen Roman schreibt, mit der sie als Kind mit ihrem Vater einen Tiermaler besuchte,  dem der Vater  ein Katzenbild abkaufte, mit der Biografie des  1968 in Zürich verstorbenen  japanisch-französischen Maler Tsuguharu Foujita, der sich mit einer Katze portraitierte, verknüpft.

In der nächsten Geschichte fährt sie mit Freunden ans Meer, bleibt dort im Auto sitzen, passt auf das Gepäck und die Musikanlage auf. Hört die „Doors“, dreht sich piniennadeldünne Joints und denkt an das  Bild „Stürmische See“ oder  „Mer orageuse“ von Gustave Courbet.

Dann kommt Maria Gainza von einer japanischen Keramikkugel, die sie im Bücherregal ihrer Freundin Amalia entdeckt zu Henri Toulouse Lautrec und erzählt auch ein bißchen von ihrer unglücklichen Kindheit und der schlechten Beziehung, die sie zu ihrer Familie hatte.

Danach begibt sie sich wegen zuckender Augenlider zum Arzt und blickt während sie im Wartezimmer sitzt auf ein Poster des lettischen Farbfeldmalers Mark Rothko und macht hier ihre kunstgeschichtlichen Verknüpfungen, bis ihr der Arzt verkündet, daß sie eine harmlose Augenentzündung hat.

Eine Geschichte hadelt vom katalanischen Maler Josep Maria Sert von der sich ihr Onkel Marion das Boudoir seines Palais einrichten ließ.

In der nächsten Geschichte soll sie, da Jurymitglied, zu einer Sitzung nach Genf fliegen, was aber durch ihre Flugangst verhindert wird, die Verknüpfung zur bildenden Kunst passiert hier durch den autodidaktischen Maler Henri Rousseau, der offenbar auch einmal eine Ballonfahrt machte.

In den letzten beiden Geschichten geht es, um den argentinischen Maler Augusto Schiavoni und den Renaissancemaler El Greco und wieder verknüpft Maria Gainza, die Biografien- mit ihrer Familiengeschichte, was beim Lesen manchmal etwas anstrengend ist, den vielen Verknüpfungen  zu folgen und zu verstehen.

Aber sicher  interessant, die persönliche Geschichte  mit den verschiedenen Künstlerbiografien zu verknüpfen und so  sehr  literarisch eine neue Art der Kunstvermittlung zu kreieren.

„Ein verführerisch kluges Debut über eine Frau, die durch Bilder und fesselnde Künstlergeschichten auf ihr Leben, ihre Familie und Freunde schaut. Höchst originell, bestechend schön, ein Buch das man genießen soll“ hat der „Guardian“  geschrieben und am Buchrücken steht sogar:  „Blicke, Bilder und Geschichten: ein Buch in dem sich Kunst und Leben auf einzigartige Weise verweben – verführerisch gut erzählt von einer argentinischen Exzentrikerin.“

Das Letztere würde ich weglassen.

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2019-04-11

Ins Schwarze

Weiter geht es mit „Wagenbach“ und der schönen roten „Salto-Reihe“, die mir ja immer wieder mir bis jetzt unbekannte Autoren aus anderen Ländern näherbringt.

In diesem Fall geht es um den 1978 in Avignon geborenen Vincent  Almendros, der mit „Ins Schwarze“ einen, wie im Buch steht, Sommerkrimi geschrieben hat.

Das stimmt, würde ich meinen, nicht ganz, wenn man jetzt an einen ganz  konventionellen Krimi denkt, denn dem Lehrer, der mit seinem ersten Buch den „Prix Francoise Sagan“ gewonnen hat, geht es mehr, um die Verdichtung, als um einen spannenden Plot.

So ist es, würde ich sagen, eine recht düstere Geschichte, die noch dazu ein Motto von JeanPaul Satre, aus den „Fliegen“ hat, was hier passiert.

Ein junger Mann kommt mit seiner Freundin, die von ihm schwanger ist, namens Constance nach Jahren in seinem Heimatort, weil hier seine Cousine Lucie heiratet.

Es beginnt sehr düster in der leeren Wohnung, wo tote Fliegen auf sie wartet, obwohl die Mutter, die inzwischen mit dem Onkel, dem Bruder seines verstorbenen Vaters lebt, aufgeräumt hat.

Der Onkel kommt auf Besuch und Laurent, das ist der Held, erzählt seiner Freundin, die er seltsamerweise Claire nennt, daß die Mutter ihm nach dem Tod des Vaters vergiften wollte, so daß er bei seinen Großeltern aufgewachsen ist.

Sie werden dann von der Mutter zum Mittagessen eingeladen, sie kredenzt Zunge, die Freundin wird darauf krank und Laurent muß von Lucie, die Tierärztin ist , Medikamente für sie holen.

Inzwischen wird er von einem Luc angerufen, der seine Schwester Catherine sucht, die verschwunden ist.

Laurent drückt ihm weg und nach und nach stellt sich heraus, daß er seine Freundin Catherine ermordet hat, so daß schließlich nichts aus einem fröhlichen Hochzeitsfest wird.

Eine kurze, das Büchlein hat nur etwa über hundert Seite, düstere, aber sehr eindringliche, sprachlich dichte Geschichte, die neugierig auf den Autor macht, so daß ich wieder gespannt bin, was ich von Vincent Almendros noch lesen oder hören werde.

2019-04-10

Zur Wildnis

Filed under: Bücher — jancak @ 00:33
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Jetzt kommen „45 Kurze aus Berlin“, von Helmut Krausser, das hat nichts mit unserem Bundeskanzler zu tun, sondern sind fünfundvierzig kurze Texte, von denen die meisten zwischen 2015 und 2018 als Kolummnen im „Zitty-Magazin“ erschienen sind und jetzt bei „Wagenbach“ als Buch herausgebracht wurde.

Von dem 1964 geborenen Helmut Krausser habe ich schon einiges gelesen und ihn, glaube ich, auch einmal bei „Rund um die Burg“ gehört.

Seine Tagebcher „Juli, August, September“ habe ich gelesen, die „Weltmeisterschaft“, „die letzten schönen Tage“, habe ich einmal im Schrank gefunden und bei „Piper“ ist jetzt, glaube ich, auch ein Buch von ihm erschienen, das ich aber erst bekommen muß.

Jetzt also die kurzen Kolumnentexte, die in eine Neuköllner Kneipe führen, die von einem Manni geleitet wird, der keine „Touris“ mag, aber sonst ein Herz für alle Schichten und alle poltisch Inkorrekten hat und weil ihm die Behörde verbietet, Essen anzubieten, hat er eine Mikrowelle, wo man selber seine Buletten und Bockwürste hineinlegen kann.

Der Schriftsteller Krausser kommt mehrmals in der Woche dorthin, um Backgammon zu spilen, wird dabei manchmal von einen Gitarristen gestört oder erzählt dem Wirten seine Erlebnisse, die er in einem Copyshop machte, als dort auf der Straße ein Hund überfahren wurde.

„Jetzt weißt du worüber du diese Woche du deine Kolumne schreiben wirst!“, meint der Wirt nur lakonisch.

In der Kneipe geht es auch höchst politisch zu, denn 2015 begann ja die Flüchtlingswelle, da schieden sich die Geister und die Stimmen mehrten sich, die sich dadurch bedroht fühlten und keinen großen Austausch wollten. So wird dort, wie auch im Netz viel politisiert. Die politisch Korrekten wollen eine korrekte Ausdrucksweise und wehren sich dagegen, wenn jemand „Innerer Reichsparteitag“ sagte. Sie wehren sich auch gegen sexistische Äußerungen und, daß der „Othello“ im Theater oder Oper von einem weißen alten oder auch jüngeren Mann gespielt wird, der davor zur schwarzen Schminke greift.

Gabi und Sonja, zwei Lesben haben endlich durchgesetzt, daß sie heiraten können. Jetzt wollen sie im „Zur Wildnis“ ein Fest ausrichten, aber AFD-Wähler beispielsweise nicht bewirten. Der Wirt Manni wehrt sich dagegen und so findet die Feier schließlich woanders statt und Ahmed, der Dachdeckerlehrling möchte lieber Künstler werden und fragt Helmut Krausser, wie das geht?

Der verweigert die Auskunft, denn erfolglose Künstler laufen ja  schon viel zu viele herum, was zu einen späteren Text führt, wo ihm ein Stammgast beichtet, sein Sohn hätte in einem Buchladen Lyrik mitgehen lassen.

Das wäre an sich ja ein hehres Ziel, wenn einer stiehlt, um sich bilden zu können. Da aber laut Helmut Krausser ohnehin schon jeder zweite schreibt und dann sehr gern, wie beispielsweise ich, umsonst oder um nur wenig Honorar liest, ist auch das in Zeiten, wie diesen eine harte Konkurrenz für die Dichter mit dem Brotberuf, deren Einnahmen ohnehin immer geringer werden.

Spanier stümen das Lokal und stören durch ihr lautes Reden oder Singen, die Backgammonspieler. So kommt es zu einer Bedrohung mit einer Waffe und ein George kommt auch einmal dazu und will mitspielen, zieht dann aber ohne Gewinn ab.

Und so geht es durch die fünfundvierzig kurze Texte und wir bekommen, denke ich, dadruch ein sehr aktuelles zeitkritisches Bild von dem Berlin zwischen 2015 und 2018, wo sich die Linken mit den Rechten matchen und  viel passiert, was Helmut Krausser aufgegriffen und in seinen Kolumnen und jetzt in dem Sammelband verewigt hat.

Ein spannendes, interessantes Buch, das ich auch meinen Freund Uli empfehlen könnte, denn ich denke ja, daß man nicht nur nach links und auch nicht nur nach rechts sehen soll, sondern beides objektiv vermischen, so daß man ein reales Gesamtbild von der gesellschaftlichen Situation bekommen kann, was durch dieses Buch, glaube ich, sehr gut geschieht.

2019-04-09

Heinz und sein Herrl

Filed under: Bücher — jancak @ 00:29
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Nach den vergessenen Dichterinnen geht es jetzt wieder nach Österreich, zu den Debuts und zu „Kremyr&Scheriau“, wo ich Dank Veranstaltungspause jetzt schon die zweite Frühjahrsneuerscheinunglese, nämlich Eva Woska-Nimmervolls „Heinz und sein Herrl“ und die 1969 in Mödling geborene, habe ich ja schon bei den „Wilden Worten“ aus ihrem damals noch unvollendeten roman lesen höre und habe, glaube ich, mit ihr auch schon am Volksstimmefest gelesen und muß sagen, es ist ein interessantes Buch, ein spannendes Debut.

Bei der Lesung habe ich den Inhalt nicht so mitbekommen und mir gedacht, „Was soll das? Ein Roman wo ein Hund die Hauptrolle spielt, so was „Lustiges“, mag ich eigentlich nicht!“

Irrtum, es ist ein sozialkritischer Roman, in der Manier, wie ich auch schreibe. Am Buchrücken steht zwar etwas von „raunzig bis romantisch, die Geschichte von Heinz und seinem schrullig-paranoiden Besitzer“.

Da bin ich wieder einma voll nicht d àccord, denn ich mag es eigentlich nicht, wenn man alles, was irgendwie abseits des Mainstrreams ist, als „schrullig komisch“ bezeichnet.

Denn da ist der, glaube ich, namenloser Besitzer des Heinz, des Hundes, der lebt in einen Gemeindebau in Floridsdorf, lebt vom Arbeitsamt, hat Panickattacken oder ist ein Hypochonder, so daß ihm die Ärtzin zu der er immer geht, um sich zu erkundigen, ob er nicht vielleicht doch Krebs hat und sie das endlich erkannt hat?, zur Kriseninverention schickt.

Dort fährt er hin, geht jedoch nicht hinein, kommt nicht dazu, denn er landet mit seinem Hund, der Heinz wie sein Nachtbar heißt, auf einer Hundedemonstration, dort lernt er die Krankenschwester Irene kennen, so weit so gut.

Oder doch nicht so gut, denn als er vorher mit seinem Hund nach Hause ging, traf er den Nachbarn im Hof. Heinz, der Hund wollte hin, das Herrl rief „Hein komm her!“

Der Nachbar war beleidigt, das Herrl griff zum Besenstil,  der Nachbar stürzte und irgendwer rief aus dem Gemeindebau:“Ich habe alles gesehen!“

So weit, wieder gut, blöd nur, daß der Nachbar etwas später an einem Schlaganfall stirbt und das Herrl, der Hypochonder bildet sich nun ein, schuld daran zu sein.

Er macht sogar Anzeige auf der Polizei. Dazu nimmt er, Sigrid, seine Anwältin mit. Ansonsten ist das Herrl eher ein sozialschwacher Typ, der nicht einmal einen Computer hat, so daß er zu einem Freund oder anderen Nachbarn geht, um sich von ihm eine E-Mail- Adresse einrichten zu lassen, auf der er Irene <nachrichten schicken kann.

Dort kommt es aber zu einem Erpressungsversuch von einem Sheriff, der nun fünfhundert Euro vom  Herrl haben will, sonst würde er der Polizei alles erzählen.

Aber keine Angst, alles geht gut aus und, ich habe, würde ich sagen, endlich einmal einen Roman gelesen, der, wie ich es mir wünsche, nicht so abgehoben ist, sondern von seinen feinen kleinen Andeutungen lebt und trotzdem oder gerade deshalb, sehr unterhält.

Dem Buch war ein „K&S“ Programmheftchen beigelegt. Die Literaturschiene dieses eigentlich sehr großen „Indie-Verlages“ gibt es ja schon seit 2015 und seither sind, wie darauf steht, 6099 Seiten, 29 Bücher, 21 Autorinnen und 17 Debuts erschienen.“

„Wui ganz schön beachtlich!“, könnte man sagen und um ein wenig anzugebendreiundzwanzig habe ich davon  gelesen. Und noch ein weiteres Detail, alle davon waren von jungen Frauen, obwohl es auch einige männliche Autoren gibt.

Vielleicht noch etwas zum Cover und zur optischen Getaltung, die bei „K&S“, meistens, nicht immer, manchmal sind die Covers auch ganz schön kitschig, sehr schön gestaltet sind.

Diesmal ist es wieder eines nach meinem Geschmackt, nämlich ein stilisierter Hund als Titelbild und ein solcher auf jeder Seite und die Seiten sind rotgefärbt, „Mach Platz!“, steht darauf, was vielleicht auch schön stimmig ist.

2019-04-08

Der Tod des Löwen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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Weiter geht es mit einer vergessenen Autorin aus dem „Hommunculus-Verlag“, nämlich mit der  1850 in Prag geborenen und 1924 in Berlin getorbenen, wie in „Wikipedia“ steht deutschen Schriftstellerin Auguste Hauschner, die mit Max Brod befreundet war und 1916 einen Roman oder eine Novelle über Rudolf II  von Habsburg, den Rabbi Löw und den Berberlöwen Mehmet Ali geschrieben hat.

„Der vergessene Prag-Roman“ steht ia Cover und im Gegensatz zu Gutit Alsen, hat Auguste Hauschner eine „Wikipedia-Seite“, ein Nachwort von Veronika Jicinska, die auf die Lebensdaten von Augste Hauschner eingeht gibt es auch.

Sogar ein Personeverzeichnis zu Beginn des Buches und vor allem sehr schöne Radierungen von Hugo Steiner-Prag, die mich fast mehr beeindruck haben, als wie am Buchrücken steht, die historische Geschichte „voller Mystik und schwarzer Romtantik, die im Prag des frühen siebezehnten Jahrhunderts spielt, da ich es mit der schwarzen Romantik und der Mystik nicht so sehr habe und mich die historischen Romane eigentlich nur bis zum ersten Weltkrieg interessieren.

Gut, da wurde das Buch geschrieben und ich glaube eigentlich auch, daß es, wie  Veronika Jicinska meint, mehr eine Novelle, als eine Roman ist.

Am Buchrücken steht noch geschrieben, daß Prag  der eigentliche Hauptprotagonist des Buches ist, das habe ich auch nicht so sehr empfunden, räume aber ein, hier , wenn auch verspätet, wieder etwas zum Tschechien-Schwerpunkt der Leipziger Messe gelesen zu haben und so bin ich durch das nächtliche, mystische Prag des frühen siebzehnten Jahrhunderts gehetzt.

Das wahrscheinlich in der Burg des Hradschins beginnt, denn da kann der Kaiser Rudolf von Habsburg nicht schlafen. Die Rivalität zu seinem Bruder Matthias, der in Ungarn herrscht, quält ihn

Am Buchrücken wird etwas von einem Verfolgunswahn geschrieben. Ein Komet ist es, der den Kaiser unruhig macht, so daß er sowohl seinen Kämmerer, als seinen Leibarzt ruft und dann im nächtlichen Prag im judenviertel verschwindet, um dort den berühmten Rabbi Löw aufzusuchen, der der ja den Golem erschuf, aber darum geht es in dem Buch gar nicht.

Der Kaiser will vom Rabbi in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht werden, verliebt sich dabei in dessen fünfzehnjhrige kranke Tochter Golde. Besucht auch den Löwen Mehmet Ali zu dem er seine seltsame, ebenso mystische Verbindung hat, besucht die Alchemisten der Stadt und den Hofstronom, läßt sich dann sein Lager neben dem Löwen aufschlagen, um am Ende zu seinem Kammerdiener und zu Dr. Mayer zu sagen „Ich hätte ihm seine Freiheit früher widergeben sollen, es war zu spät.“

Eine wahrlich geheimnisvolle mystische Geschichte aus dem alten  Prag von einer vergessenen und, wie ebenfalls in „Wikipedia“ steht, auch gesellschaftskritische Dichterin, die ich allen an der Historie, an Prag und an der Mystik Interessierten sehr empfehlen kann.

2019-04-07

Dies schwarze Leid – Requiem

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Nach dem zwei Halbgeschwister ihre Mutter verloren haben, geht es nun gleich weiter mit dem Verlust einer Mutter, die den Tod ihrer zwanzigjährigen Tochter hinausschreit oder ihn expressionistisch verarbeitet, denn Gutti oder Gustave Alsen, die 1869 in Königsberg geboren und dort 1929 gestorben ist, ist eine, wenn auch nach dem zweiten Weltkrieg komplett vergessene, expressionistische Dichterin.

Der kleine feine „Hommunculus-Verlag“, den ich durch das „Debut-Preis-Lesen“ kennenlernte, hat das posthum erschienene Buch neu herausgegeben und wenn man im Internet nach Gutti oder Gustave, wie sie eigentlich hieß, Alsen googlet, findet man nicht viel, nur daß der „Hommunculus-Verlag“ das „Requiem“, das am Cover, was mir am Buch sehr mißfällt lauter Totenköpfe zeigt, weil es meiner Meinung nach, nicht dem Inhalt des Buches entspricht, herausgegeben hat und beim „Hochroth-Verlag“ ist ein anderes Werk der Autorin erschienen.

Nachwort oder Vorwort gibt es, was ich ebenfalls bedauere, in dem Buch keines, so war das Lesen etwas schwer. Ein Lesen ins Ungewisse, in den absoluten Freiraum sozusagen, was ich  auch nicht so mag, denn googlet man bei „Amazon“ nach, findet man auch nur „Ein Roman, der sich wie ein Gedicht liest – poetische ausdrucksvolle Sprache“

Das ist nicht sehr viel und so muß man sich beim Lesen der hundertsechzig Seiten auf sein eigenes Gefühl verlassen und liest, autobiografischer Roman, steht, glaube ich, am Buchrücken, so die Beziehungsgeschichte, beziehungsweise, die Erinnerungen, die die Lyrikerin und Übersetzerin, die auch einen literarischen Salon führte, an ihre Tochter hatte.

Es beginnt mit den Märchen und Geschichten, die die künstlerisch interessierte Mutter, der Tochter, die „Mütti“ zu ihr sagte, vorlas.

„Der fliegende Robert“ gehörte da zu den Favoriten der kleinen Ellen. Der Vater und die Großmutter sind bald verschwunden. Es gibt Briefe nach oder von Paris von einer Madelon. Es gibt einen Edwin und der erste Weltkrieg, den die beiden durchlebten, wird auch immer thematisiert.

Die spanische Grippe gab es und die größer gewordene Tochter besuchte eine Malschule und studierte, um, wenn sie von der Malkunst nicht leben würde können, die Photografie.

Die Tochter fragt die „Mütti“ warum sie keine Geschwister hat? Besucht später Bälle und Veranstaltungen und wird  von einer Krankheit erfaßt, von der die Ärzte nicht recht wissen, ob es sich dabei, um eine Gippe oderum etwas anderes halten. Die Glocke wird abgestellt, um die Kranke nicht zu stören und am Schluß ist es dann soweit, daß die Mutter:  „Als ich endlich aus diesem Zustand erwachte, als ich begreifen musste, dass du meine Einzige, den anderen nur noch Vorübergegangene warst, geschah jenes Wunder, von dem ich dir sprach. Du warst in mich zurückgekehrt. Nicht als das kleine hilflose Wesen, das sich vor zwanzig Jahren aus mir befreite. Nein, als die Weitgewanderte, Vielerfahrene, Verstehende, die sich von den anderen entfernt hatte.“, schreibt.

Eine interessantes Buch, das man jetzt wahrscheinlich „Memoir“ nennten würde. Eine Entdeckung einer mir völlig unbekannten Autorin, wie ich in diesem Jahr ja durch „Wagenhbach“ schon andere Entdeckungen machte.

So habe ich von Jiri Weil vorher auch noch nichts gehört gehabt und Helen Weinzweig war, obwohl erst 2010 gestorben, für mich auch eine literarische Entdeckung und „Hommunculus“ läßt auch nicht nach, kommt doch als nächstes der „vergessene Prag-Roman“ von Auguste Hauschner, die 1924 in Prag gestorben ist.

2019-04-06

Samstag-Geplauder

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 07:13
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Solange es hier noch keine Veranstaltungen, sondern nur Buchbesprechungen gibt, kommt einmal in der Woche der Zustandsbericht und da hat sich seit dem letzten noch nicht viel geändert.

In der Praxis-Wohnung hin- und herhumpeln, meine Stunden machen, sehr viel lesen, was kein Problem ist, denn die Leseliste mit den Neuerscheinungen und den Back-ups ist ja sehr lang.

Kein Bücherschrank, auch kein wirkliches Problem, eher ein ideelles und da war ich zwar schon vor fast drei Wochen im Film-Casino und hätte mir vorher auch gedacht, daß ich beim Rückweg  die paar Meter zum Schrank machen könnte, war mir aber dann doch zu viel.

Aber, wie das ja öfter ist, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg…, in diesem Fall ich über meine Google-Einträge zu Instragram und da zu Elisabeth von „Leselustfrust“, die ich ja 2009 durch das Googlen kennenlernte, merkte da ist eine Bloggerin, die sehr viel und sehr toll bespricht und dann auch noch in meiner  Nähe wohnt und war mit ihr, beziehungsweise  ihren Blog über ein Jahr lang in Kontakt.

Dann hat sie wegen den Rezensionsexemplaren, weil es sie offenbar ärgerte, daß da die anderen Bücher an sich raffen und sie danach fragen, wie man zu solchen kommt,  aufgehört zu bloggen.

Inzwischen wieder damit angefangen, aber die Zeiten haben sich seit 2009 geändert, man schreibt  kürzer und knapper, beziehungsweise postet man ein Bild und schreibt dazu in ein paar Zeilen eine „Instangram Story“.

Ich mache das nicht, bin aber auf meiner Google-Seite darauf gekommen, daß Elisabeth zweimal über mich gepostet hat.

Das erste Mal im Juli zu meinem zehnten Bloggeburtstag. Da hat sie sich  bei mir gemeldet und mir gratuliert. Sie hat den Artikel dann aber auch auf Instagram gestellt und sich gewundert, daß die Blog Community da nicht reagiert, sondern mich so links oder rechts liegen läßt.

Das wndert mich, wie schon öfter geschrieben, auch ein bißchen, kanns mir aber mit meiner nicht immer so perfekten Rechtschreibungen und den Flüchtigkeitsfehlern, da ich ja viel schreibe und mir nicht mehr als einmal die Zeit nehme, darüber zu schauen, den Uli ärgert das auch erklären, mit der allgemeinen Leseunlustst, der Reizüberflutung, vielleicht auch mit meinen mangelnden technischen Kenntnissen, denn ich instagramme, twittere, facebooke, etcetara, ja nicht.

Sei es, wie es sei, mein Blog ist für mich, schreibe ich dann ja immer, freue mich aber, wenn Ilse Kilic liest, daß ich am Weg von der Rudolfsrhöhe gestürzt bin und mir alles Gute wünscht und auch über die anderen, die dann doch hin und wieder lesen, was ich über sie scheibe.

Elisabeth hat aber nicht nur meinen Bloggeburtstag bemerkt, sie ist auch eine eifrige Benützerin des „Wortschatz“, stellt da, glaube ich, mehr als ich hinein und postet dann die Bücher, so daß ich ich mir fast sicher bin, auch schon was von ihr vielleicht nach Hause getragen zu haben.

Vielen Dank dafür, wenn so wäre und einmal hat sie auch was von mir gefunden. Denn ich war ja im Dezember noch so mit meiner Leseliste und dem doppelten Buchpreislesen zugeschüttet, daß ich nicht dazu gekommen bin, wie ich es ja eigentlich wollte, ein neues Adventkalenderfester von der „Nika“ in den Blog zu stellen, habe mir dafür aber vorgesnommen, immer, wenn ich zu den Schränken komme, ein Buch sozusagen als Weihnachtsgeschenkt von mir hineinzustellen.

Nicht immer die „Nika“, denn da habe oder hatte ich ja nur fünfzig Exemplare, aber ein paar waren es schon und eines hat, was mich besonders freut, die Elsabeth gefunden und ich freue mich auch über die Rückmeldung, denn es ist ja gut zu wissen, wohin die Bücher kommen.

Ein bißchen kann man dass ja auch ergooglen, so habe ich herausgbekommen, daß eines meiner Bücher, ich stelle ja seit einiger Zeit auch immer eines meiner Neuerscheinungen hinein, auf E-bay gelandet ist und bei einem anderen und das war auch die „Nika“ im August, hat mich die Finderin, gleich nach dem ich wieder nach Hause gekommen bin, angerufen und sich bedankt.

Das sind die kleinen Neuigkeiten, die zu mir kommen, die größeren sind vielleicht immer noch die Identitären, beziehungsweise Martin Sellner mit seiner Spende von dem Christchurch-Attentäter, der ist ja eshalb, worüber man eigentlich auch nachdenken und diskutieren kann, derzeit in aller Munde, auf dem „Profil“ und dem „Falter- Cover“, war zweimal in der Talkshow bei Wolfgang Fellner und lustig auch zu merken, wie sich die FPÖ nach und nach von ihm distanziert, was ja vielleicht  problematisch werden könnte, wenn sie dann auch ihre identären Wähler verliert, aber das ist  mein geringstes Problem und so gibt es auch einiges Politisches zu beobachten und ansonsten, wie gehabt, an den Freitagen fahre ich nach St. Pölten zur Kontrolle in die Unfallsambulanz. Nach Ostern soll der Gips oder diese Plastikschale hinunterkommen.

Danach fährt der Alfred auch schon bald wieder ein Monat mit dem Karli nach Kuba. Das wird  dann spannend, wie es dann mit den Kontrollen und dem Gehen werden wird?

Dann könnten ja eigentlich wieder die Veranstaltungen folgen, das heißt die werden  wahrscheinlich schon am Donnerstag beginnen, denn da ist ja wieder „Literatur und Wein“, wo wir ja schon dieKarten haben und zum Literaturhaus Krems und zum Stift Göttweig kann man ja mit dem Auto fahren.

Dann beginnen schon die Osterferien, wo schon am Palmsamstag, wo ja zeitgleich „Literatur und Wein“ stattfindet, der Osterspaziergang der LitGes ist, aber dort um den See zu humpeln wäre wir wahrscheinlich schon zu anstrengend und danach Gips hinunter und wieder hinein in das Veranstaltungslebn.

Fast vier Wochen habe ich ihn jetzt ja schon und ich muß sagen, es geht mir geigentlich ganz gut damit. Manchmal zwickt oder zwackt es, aber sonst bin ich innerhalb meiner Wohnung eingentlich recht mobil und die Veranstaltungsreduktion kann auch was Gutes haben. Zumindestens kann sie mich zum Nachdenken bringen und zur Frage, wem gehe ich ab, wem fällt es auf, daß ich jetzt vier Wochen nur über das Netz sichtbar bin?

Sehr wenigen natürlich und wer es wissen möchte, so eine Reduktion habe ich schon nach 2000, als es zufälligerweise auch schwarz blau gegeben hat und ich die  „Dora Faust“ geschrieben habe.

Da habe ich mir gedacht, ich sollte nicht so viel zu den Veranstaltungen der anderen, die ja auch nicht zu mir kommen, gehen, sondern zu Hause bleiben und intensiver schreiben.

Habe das ein paar Wochen oder Monaten gemacht und bin darauf gekommen, daß ich niemanden abgegangen und auch nicht mehr geschrieben habe, so daß ich  damit aufgehört habe.

Eine kleine Pause kann aber gerade in der Fastenzeit  gut sein und so in diesem Sinne  in die restlichen zwei Wochen, bis das Osterfest und die Wiederauferstehung beginnt und dann gibts auch bald ein paar eigene Veranstaltungen, nämlich die zwei Spaziergänge durch den öffentlichen Raum Ende April und im Mai soll ich ja im Republikanischen Club aus der „Unsichtbaren Frau“ lesen und bin da gespannt ob dorthin außer mir und der Veranstalterin jemand kommt, lade aber wieder alle, die das lesen und die „Unsichtbare Frau“ kennenlernen möchten, sehr herzlich dazu ein!

2019-04-05

hell dunkel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Es ist erstaunlich, welche Themengebiete, die zufällig zusammengewürfelten Frühjahrsneuerscheinungen haben, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Da geht es vom Mißbrauch und Pädophilie zur Zwangsprostituation. Die Nymphomanie einer Zahnärztin gibt es auch und die 1990 geborene Julia Rothenberg, deren Debut ich im Vorjahr gelesen habe, die eine noch sehr junge Frau und noch eine unter Dreißigjährige ist, setzt mit dem Thema Inzest auch noch einmal ein Tüpfelchen drauf.

Ja, wir wissen, Sex sells und Bücher sind nur interessant, wenn das, was drinnen steht, das Schlimmste ist, was man erlebte oder sich vorstellen kann und noch ein Stückchen mehr.

Julia Rothenberg scheint es mit dem Thema Krankheit und Sterben zu haben, ob autobiografisch erlebt oder fiktiv nachempfunden, habe ich keine Ahnung und in „hell dunkel“ geht es auch um ein sehr wichtiges Thema.

Da sind Valerie und Robert, Halbgeschwister. Das „hell dunkel“ symbolisiert ihre Verschiedenheit, suggeriert der Klappentext. Das habe ich gar nicht so empfunden, sondern gedacht, daß es hier, um etwas  anderes geht.

Valerie ist neunzehn und geht noch zur Schule. So beginnt das Buch auch beim Sportunterricht. Die Freundinnen heißen Nathalie und Ivana, der Freund Ali oder eigentlich Andreas und da kommen Mails von der Mutter, daß sie gerade mal ins Spital gegangen ist.

Valerie geht nach Hause. Da findet sie den dreiundzwanzigjährigen Halbbrunder Robert, dessen Vater Italiener ist, Valerie scheint keinen Vater zu haben, der in Marburg lebt und dort eine Leere macht, weil er die Schule vor einiger Zeit abgebrochen und Mutter und Schwester verlassen hat.

Er scheint da auf die schiefe Bahn oder in eine Krise geraten zu sein, jedenfalls hat ihn seine Freundin Sandra zu einer „Psychotante“ geschickt, aber wenn die anruft, geht er nicht ans Telefon.

Robert ist der fürsorgliche. Er besucht die Mutter im Spital, während Valerie die Schule schwänzt und die Mutter erfahren wir, hat Darmverschluß und schön länger einen Krebs. Aber jetzt ist es unheilbar,  bald zu Ende und sie sollen sich aufs Sterben vorbereiten, erklärt der freundliche Arzt, der selber sehr früh seine Mutter verloren hat.

Er schlägt auch ein Hospitz für die Mutter vor. Die will aber zu Hause sterben und organisiert sich ein mobiles Pflegeteam, so daß die überraschten und alleingeleassenen Geschwister, früh am Morgen, während sie am Wohnzimmerboden miteinander kuscheln, von einem Sanitäterteam aufgeschreckt werden, das die energische Mutter nach Hause bringt.

Sie haben noch  mehr als gekuschelt. Sie haben ungeschützen Verkehr gehabt und wissen jetzt nicht so genau, ob das nicht verboten ist, aber die Pille danach, kann das ja vertuschen.

Blöd nur, daß sie von Mutters besten Freundin im Schwimmbad überrascht wurden und die überrascht sie auch im Wohnzimmer, teilt das Gesehene dann gleich brühwarm der Mutter mit, so daß die ihr Notfallsmorphium nimmt. Robert flüchtet zum Bahnhof, kommt dann aber wieder zurück, die Mutter ruft Valerie herein, teilt ihr mit, daß sie Birigt, den Auftrag sich um ihr Begräbnis zu kümmern, entzogen hat und will sonst nichts anders wissen oder haben, als Valeries Hand.

Als Tüpfelchen dearauf kommt dann noch der mobile Pfleger, schickt die Geschwister hinaus, spritzt der Mutter etwas, was er ihnen nicht verraten will,  rät die Heizung abzudrehen und wir können nur vermuten oder uns fragen, ob, das die Todesspitze war? Die Geschwister gehen jedenfalls am Ende „nachgucken“ und sagen „Okay“  und ich schüttele den Kopf und sage, „Nein, das nicht, so weit sind wir noch nicht!“

Obwohl in der Literatur,  wie schon beschrieben , alles noch ein bißchen mehr, als in der Wirklichkeit überhöht und übertrieben sein muß, um wahrgenommen zu werden.

Und, um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe ein sehr gut geschriebenes, sehr eindrückliches und für eine unter Dreißigjährige erstaunlich stimmiges Buch gelesen, das mir schließlich besser, als das der Corinne T. Sievers gefallen hat, auf das ich auch sehr neugierig war, denke daß es ein sehr sehr wichtiges Thema ist, wenn Zwanzigjährige, die sonst niemanden auf der Welt haben, ihre Eltern verlieren, daß sie sich dann in ihrer Verwirrung aneinanderkuscheln, ist auch verständlich. Die Grenze zum Inzest, der ja, ich weiß auch nicht warum, ein großes Tabuthema ist, denn, wenn man aufpasst, daß man nicht schwanger wird, ist ja eigentlich nichts dabei, müßte vielleicht nicht überschritten werden und das dramatische Ende auch nicht, denn liebe Leser und Autoren, das Sterben passiert  ganz von allein und die energische liebevolle Mutter war ja mit ihrer Schmerztherapie auch gut versorgt.

Ich habe auch schon über dieses Thema geschrieben, als mich das Buch von  Ernst Lothar sehr aufregte, hätte aber, füge ich hinzu, mit neunundzwanzig so ein Buch nicht schreiben können.

2019-04-04

Vor der Flut

Weiter geht es bei den Neuerscheinungen mit der Frauenliteratur, könnte man so sagen, jetzt geht es aber nach der Gewalt an Frauen, die von Fernanda Melchor und Paul Ingendday beschrieben wurde, zu der weiblichen Erotik und da scheinen die Schweizer Ärtzinnen besonders wagemutig zu sein, hat doch die in Zürich lebende Psychiaterin Csilla Bekes, die auch 2017 bei meinem Geburtstagsfest gelesen hat, im „Verheerenden Tausch“, die sexuellen Phantasien einer Psychiaterin, die mit einer Prostituierten tauscht, beschrieben und die in Deutschland geborene Corinna T. Sievers, die in Zürich praktizierenden Zahnärztin ist, hat beim letzten „Bachmann-Preis“ mit ihrem Text „Der Nächste, bitte“, ja so einiges ausgelöst, Wolfgang Tischer war entsetzt, Klaus Kastberger, wollte sich glaube ich, gleich als Patient anmelden und mir hat,  die ich ja bezüglich Porno und Erotik eher prüde bin, das schonungslose Ausleben der weiblichen Sexualität,  die ich als Parodie der Walser und Roth-Bücher verstanden habe, gut gefallen.

Wenn das ein Mann geschrieben hötte, wäre ich entsetzt, aber so hat mir die Zahnärztin, die nicht nur ihre Patienten behandelt, sondern auch durchvögelt und dabei ihre erotischen phantasien auslebt, sehr gefallen.

Jetzt ist der Textauszug als Buch erschienen. Ich habe es begierig gelesen und muß sagen, ich bleibe ein wenig ambivalent zurück.

Judith ist Zahnärztin auf einer norddeutschen Insel. Sie ist zweiundfünzig, also für eine Nymphomanin, als sie sie sich selbst bezeichnet, nicht mehr jung genug. Aber ungefähr so alt wird auch Carinna T. Sievers sein, obwohl im Buch keine Altersangabe angegeben ist.

Sie hat einen Mann, Horvard mit Namen, der ist Psychiater oder und Psychoanalytiker, sogar ein entfernter Verwandter Freuds, zumindestens ein Freudianer und hat kein Interessen an Sex mit ihr, weiß aber von ihren sexuellen Vorlieben und so wird durch das Buch gevögelt oder und auch eine wissenschaftliche Abhandlung über den weiblichen und männlichen Sex gegeben und das ist, was mir sehr gefallen hat und was ich, was mir in KLagenfurt nicht so aufgefallen wäre, als das Besondere an dem Buch empfinden würde.

Der Schreibstil ist eher konventionell, so a la Walser und Roth, künstlerisch und die Handlung eigentlich trivial. So kann ich mich erinnern, daß ich einmal vor Jahren, ein Groschenheftchen gelesen habe, wo es auch, um eine Beziehung zwischen einer Ärztin und einem Psychiater ging, an die mich das Buch erinnerte, obwohl das sicher kein erotischer Roman oder die Parodie darauf war.

Bei „Amazon“ habe ich eine „Ein Stern- Rezension“ gefunden, wo sich der Autor, offenbar ein geübter Erotikleser, sowohl am Schreibstil, als auch mit dem Alter der Protagonistin seine Schwierigkeiten hatte.

Ja richtig, als  Plädoyer für den Sex der Frau in reiferen Jahren, ist das Ganze auch zu verstehen und das würde wieder einen Pluspunkt  abgeben.

Sonst denke ich, daß ein Buch, das nur von den erotischen Phantasien und deren praktischen Auslebung handelt,  mir zu wenig ist, denn eigentlich denke ich ja, das man Sex haben und nicht darüber lesen muß.

Ein interessantes Buch von dieser Judith auf dieser Nordseeinsel im Winter, die in ihrer leeren Zahnarztpraxis sitzt, denn ihre erotischen Praktiken haben sich herumgersprochen und wahrscheinlich ganz konventionell von ihrem Hovard ausgehalten wird, während sie den Freiherrn Erik, der ihr seinen Sohn und seine Gattin, in die Praxis schickt, vögelt mit ihm dann auch in  einem Fünfsternehotel, während ihr Mann von einen Schwächeanfall umgehauen am Boden ihrer Wohnung liegt, handelt und das ein Ende hat, das ich nicht ganz begriffen habe, weil es mir wahrscheinlich zu überspitzt symbolisch war und sich die nüchterne Verhaltenstherapeutin, die ja keine Freudianerin ist, fragt, ist der Mann jetzt gestorben oder nicht und was hat das mit der Flut zu tun, ist es wahrscheinlich allemal, das, wie am Buchrücken steht „Ein mutiger Text von dem Begehren einer Frau, das über  seine Grenzen geht“

Ein interessantes Buch und ein sehr originelles, denn ich würde mich ganz ehrlich nicht trauen, ein Buch zu schreiben, wo eine Psychotherapeutin ihre Klienten vögelt, würde  wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kommen, das tun zu wollen, bin ich ja,wie schon geschrieben, obwohl ich  schon einige erotische Bücher gelesen hab, ein wenig prüde, das von Corinna T. Sievers fand ich aber sehr interessant und das wahrscheinlich auch, weil ich denke, daß man den Männern durchaus Paroli bieten soll und ich eigentlich nicht immer nur die sexuellen Phantasien der mittelalten oder älteren Männer lesen möchte.

2019-04-03

Licht über den Wedding

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Weiter geht es mit den Neuerscheinungen, in meiner unfreiwilligen Veranstaltungspause flutscht das ja recht schnell hinunter und nach Berlin.

Hat die 1974 geborene Nicola Karlsson ja ein Buch geschrieben, das im dortigen Stadtteil Wedding spielt und die scheint eine Vorliebe für das Sozialkritische, beziehungsweise die Beschreibung der sozial schwächeren Schichten zu haben, was mir ja sehr sympathisch ist und ich in meinen Texten ja auch immer wieder versuche.

Es geht in ein Hochhaus, wo Hannah, eine Modebloggerin eingezogen ist, die ihre Probleme mit dem Leben hat.

Vorerst klingt es ja recht schön und neiderregend, sie bekommt von Modefirmen teuere Klamotten zugeschickt, fotografiert sich damit und lebt davon, aber das regt wahrscheinlich, wie bei den Rezensionsecemplaren bei den Bücherbloggern zu negativen Gefühlen an und so wird sie auch von der fünfzehnjährigen Agnes, die mit ihrem alleinerziehenden trinkenden Vater  Wolf, ein paar Stockwerke weiter unten lebt, als arrogante Tussi erlebt und sie beginnt ihr ein paar Streiche zu spielen.

Sehr gekonnt werden die Schicksale der drei Personen und ihre Probleme miteinander verknüpft.

Hannahs Mitbewohnerin Fee ist gerade ausgezogen, was sie in finanzielle Nöte bringt. Die Mutter leidet an Krebs und auf Hannahs Wohnungstüre steht eines Tages mit roter Farbe das Wort „Nutte“ geschrieben. Es wird ihr auch eine tote Katze vor die Tür gelegt und ein kleines Mädchen spricht sie an und bittet sie mit ihr und ihrem Hasen zum Tierarzt zu gehen und läßt sie dann auf der Rechnung sitzen.

Hannah verfällt in Panikattacken und Depressionen und beginnt sich zu vernachläßigen, während Agnes von ihrem betrunkenen Vater ein Auge blau geschlagen bekommt. Das bemerkt, der sie betreuende Sozialarbeiter und setzt den Vater bezüglich des Sorgerechts unter Druck, sich zu den anonymen Alkoholikern hzu begeben.

Der bemüht sich auch redlich,  schafft es aber nicht immer seinen Anforderungen nachzukommen, lernt dort auch eine Frau kennen. Aber weil er nicht sicher ist, ob er wirklich der Vater von Agnes ist, verrät er ihr seine Zweifel und verunsichert die Tochter deshalb natürlich sehr, die zwar gerade einen Mickey kennenlernt, der sich um sie zu kümmern scheint.

Aber das Aufwachsen in Randgebieten mit sozialen Nöten ist in Zeiten, wie diesen und wahrscheinlich überhaupt, nicht so leicht.

Nicola Karlssoen versteht das sehr eindrücklich mit einer sehr schönen Sprache zu erzählen.

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