Literaturgefluester

2018-06-11

Radka Denemarkova vorm gläsernen Vorhang

Die Reihe „Der gläserne Vorhang“ gibt es nun schon ein paar Jahre in der „Gesellschaft für Literatur“. Sie wurde zu „fünfundzwaanzig Jahre Mauerfall“ gegründet und wird von Cornelius Hell moderiert.

Einmal habe ich es geschafft dort zu sein, nämlich als Nadelka Sniadanko ihr bei „Haymon erschienenes“ Buch „Frau Müller hat nicht die Absicht mehr zu bezahlen“ vortellte, das ich mir vor ein paar Monaten oder Wochen in der „Frick- Bücherschwemme“ um, ich glaube drei Euro gekauft habe und heute wollte ich eigentlich wieder zu Richard Weihs und den „Wilden Worten“, denn ich hatte mir vorige Woche am Montag eine sechs Uhr Stunde eingeteilt und das wäre sich bis acht gut ausgegangen.

Dann habe ich am Morgen die Literaturprogramme durchgesehen und habe gesehen, Radka Denemarkova, die 1968 geborene tschechische Autorin tritt diesmal vor den Vorhang und die habe ich mir ja anhören wollen und da die „Gesellschaft für Literatur“ das akademische Viertel genau einhält, worüber ich mich schon öfter geärgert habe, wenn ich schon eine Viertelstunde früher dort war, ist es sich wieder ausgegangen in den Saal zu huschen, als Ursula Ebel bei der Einleitung war.

Frau Elisabeth wird mich wahrscheinlich wieder rügen, war aber wahrscheinlich nicht da und loben muß sie mich auch, denn ich habe mir wirklich und wahrhaftig, das einzig auf Deutsch erschienenes Buch „Ein herrlicher Flecken Erde“, ein „btb-Taschenbuch“ um zehn Euro dreißig gekauft.

Das heißt, loben wird sie mich wahrscheinlich nicht, denn da kein Rezensionseemplar wird es weit unten auf meiner Leseliste landen, denn auf meinen Badezimmerstapel sind heute zwei neue Rezensionsexemplare aus der Herbstproduktion dazu gekommen.

Aber so ist das Leben, beziehungsweise meine Luxusprobleme und bereut, das kann ich gleich schreiben, habe ich meinen Entschluß nicht, denn Radka Denemarkova, die derzeit Stadtschreiberin in Graz ist, ist eine sehr politische gesellschaftspolitische Autorin und die sind mir ja sehr sympathisch.

Eigentlich habe ich gedacht, daß ich Stephan Teichgräber in der Gesellschaft treffen könnten und bin auch ein bißchen wegen ihm hingegangen, beziehungsweise habe ich gedacht, frage ich ihm beim nächsten Workshop ob er sie schon für den „Literarischen Lenz“ eingeladen hat.

Jetzt habe ich das, die sehr gut Deutsch sprechende Autorin selbst gefragt. Er hat nicht, sollte es aber vielleicht machen, denn wie gesagt, Radka Denemarkova ist sehr politisch, beklagte sich sehr über die derzeitigen Regierungen in Polen und Ungarn, etceterta und hat jetzt auch ein Buch über die Zustände in China geschrieben, das im Herbst erscheinen wird.

In Deutsch erscheint dann ein anderes im nächsten Frühling und die Autorin, eine alleinerziehende Mutter, wie sie erzählte, las zuerst einen Text, der offenbar in ihrer Stadtschreiberfunktion entstanden ist. Denn sie lobte das Schlößel beim Uhrtum am Schloßberg, das den Stipendiaten zur Verfügung steht, denn jetzt hat sie endlich ein Zimmer, beziehungsweise einen Schreibtisch für sich allein.

Sie las dann noch eine Stelle aus dem schon erschienenen deutschen Buch, in dem es, um ein jüdisches Mädchen geht, das nach 1945 aus dem KZ nach Tschechien zurückkehrt und dort erfährt, daß es enteignet worden ist.

Ein interessantes Thema und auch ein paar interessante Sätze, die die Autorin sagte, die man eigentlich den Identitären, die sich über Frau Merkels Satz „Wir schaffen das!“, so aufregte, ins Stammbuch schreiben könnte: Deutschland oder Tschechien hat so und so viele Juden vertrieben, jetzt kann es auch  wieder soviel Flüchtlinge aufnehmen und dann den über Franz Kafka, der in Prag sehr verehrt wird, weil er die Touristin dorthin bringt. Sie meinte nämlich, daß er, wenn er nicht 1924 im Sanatorium Hoffmann gestorben wäre, ins KZ gekommen oder wenn er das überlebt hätte, von den Tschechen vertrieben worden wäre.

Radka Denemarkova las dann noch ein paar Fragmente oder essayistische Texte und es gab eine rege Diskussion mit vielen Fragen und auch sehr interessante Lleute im Publikum. So war Alexandra Millner da, die ich ja meistens nur als Diskussionsleiterin wo sehe, Frau Schmidt-Dengler, die öfter zu Literatur- Veranstaltungen kommt und dann noch ein paar Stammbesucher, deren Namen ich nicht kenne.

Jetzt werde ich das Buch in den nächsten Workshop mitnehmen und Stephan Teichgräber fragen, wann er sie für sein Festival einladen wird?

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2018-06-10

Sprachspiel.Biennale.West

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:00
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Der Dichter H. C. Artmann, der den Dialektband „Med ana schwoazzn dintn“ geschrieben hat, Mitglied der Wiener Gruppe war und den „Poetischen Akt“ proklamierte, wurde 1921 in Breitensee geboren, dort gibt es ein Kino, die „Breitenseer Lichtspiele“ und das fühlt sich offenbar H. C und seinen Werken sehr verbunden, wurde dort  doch ein Artmann-Festival „Schwarze Chansons-med ana schwoazzn Dintn“ lautete, das drei tägige Festival und das ist, kann ich sagen, schlichtweg falsch, ging es in dem Programm doch um vieles anderes und gesungen wurde, wenn, nur ganz am Schluß.

Das heißt, so richtig kann ich es eigentlich nicht sagen, denn ich war gestern, wo Julia Danielczyk eröffnet hat und es einen Eröffnungsvortrag von Thomas Eder zu diesem Thema gegeben hat, nicht dort, denn ich hatte einige Stunden, die zum Teil zwar ohnehin nicht stattgefunden haben, es war aber auch das Augustin-Grillfest und das hatte ich mir schon länger eingetragen und nochmals eigentlich habe ich am Samstag einen Stadtflanerie Spaziergang auf den Spuren Doderers machen wollen, der war aber bei meiner Anmeldung schon ausgebucht, dann ist die Einladung zu dem Festival gekommen, ich habe gedacht „Ich sollte eigentlich korrigieren!“ und dann „Das ist interessant!“ und so bin ich heute nach Breitensee hinausmarschiert, eine Gegend, die mir bekannt ist, weil ich als Kind meine Ferien oft bei meiner Großmutter, die in der Hütteldorferstraße 150 wohnte, verbrachte.

Die Breitenseer Lichtspiele sind so ein altes Kino, aus den Fünfzigerjahren, ob es noch als Kino benützt wird, weiß ich gar nicht so genau, aber die „Schwarzen Chansons“, von Sprachspiel. biennalewest. at organisiert, haben am Samstag jeweils immer mit einigen künstlerischen Kurzfilmen begonnen, dann gab es eine Autorenlesung und danach ein Gespräch mit einem Literaturwissenschaftler über das Gelesene.

In den Programmzetteln, die ich mir ausdruckte, steht noch etwas über die Absichte der „Sprachspiele“, die wollen H. C. Artmann und seine Werke dem Publikum nher bringen, obwohl am Samstag eigentlich gar nicht von ihm die Rede war.

Denn nach den ersten Kurzfilmen, wo ein Theater zertrümmert wurde und eine Frau von ihrer Vergewaltugung erzählt, kam sinone Hirt auf die Bühne und las aus ihrem Debut „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“, ein Buch das ich schon gelesen habe und ich muß sage, es schloß sich nahtlos, wie auch später mit Ferdinand Schmatz diskutiert wurde, an die gezeigten Filme an. Geht es da ja nicht um eine Zertrümmerung, sondern um eine Frau die mit einem toten Maulwurf in einem Keller haust und sich dort anhand eines Lehrbuchs der Betriebswirtschaft eine Notunterkunft zurechtzimmern will.

Der Realistin in mir, war das Buch ein wenig zu surreal, beziehungsweise habe ich es wahrscheinlich, weil ich es ja realistisch will, nicht so ganz verstanden, so daß es ein Glück war, daß nach der Lesung Ferdinand Schmatz auf die Bühne kam und Inhalt und Absicht erklärte. Einer Fleischertochter wurde nach dem Tod ihrer Eltern das Haus abgerissen und nun sitzt sie da und baut es surreal auf. Natürlich das war zu erwartet, daß bei einem Festival das H. C Artmann gedenken will, keine realistischen Autoren eingeladen waren.

So folgte nach der Pause, wo alle auf der Straße standen und sich küßten und umarmten oder ein Bier beziehungsweise Wein tranken und hier sah man sehr wohl das realistische Gefälle, denn neben und zwischen dem Kino mit dem Fünfzigerjahre Charme sind Pizza und Kebabbuden, die eine ganz andere Klientel haben, als die Leute, die zu dem Festival kamen, Max Höfler mit dem, bezeihugsweise seinem Roboter ich einmal am Volksstimmefest gelesen habe, dessen ersten Buch ich im Schrank gefunden habe, das zweite bei einer Lesung im Literaturmuseum hörte und das dritte, alle drei sind bei „Ritter“ erschienen vor und wurde dann von Alexandra Millner erklärt, die ich ja auch schon über H. C. Artmann referieren gehört habe.

Sein Buch ist nach Dante „Göttlicher Komödie“ geschrieben, also in drei Akten oder Teilen, aber natürlich viel moderner, denn es geht um das Internet, den Neoliberalismus und interessant. Es tauchen real existierende Personen auf, nämlich beispielsweise der Schauspieler Peter Simonischek, der ist bei Höfler allerdingjs ein Politiker, whrend H. C. Strache ein Autor ist.

Dann kam nochmals eine Pause und dann Erwin Einzinger aus OÖ, der dort als Lehrer arbeitete und den ich schon bei „Literatur und Wein“ lesen hörte. Er las Fragmente, beziehungsweise Märchensplitter, die demnächst bei den „Mansukskipten“, die ich ja nicht mehr bekomme, erscheinen werden und danach kam das Finale mit einerLesung der Artmann Witwe Rosa Pock aus ihrem Buch „Die Hundekette, mein eigenes Revier“ und wurde dabei von Peter Ahorner, beziehungsweise den Musikern Hannes Löschel und Vinzenz Witzelsberger unterstützt.

Am Sonntag ging es am Vormittag mit Kurzfilfmen von Peter Kubelka und einer Performance von Jörg Pieringer den ich schon von einigen Veranstaltungen kenne. Er projizierte das Alphabet an die Wand und machte dann sehr sinnliche Sprachspiele daraus. Anschließend gab es ein Gespräch mit Fritz Ostermayer und am Nachmittag ging es dann direkt in die Wiener Gruppe, beziehungsweise zu Gerhard Rühm, dem Doyen, den ich ja erst am Donnerstag im Literaturhaus gesehen habe, jetzt wurde ein Hörspiel zum Thema „rhythmus r“, also alles r Worte, wie er erklärte, gezeigt und dann gab es einen Stummfilm zum Thema Regen aus den Zwanzigerjahen von Joris Ivens mit der Musik von Hanns Eisler.

Dann kamen die „Dental Princes“, sprich Ann und Lucy Cotten mit Mario Schlager, Ann Cotten schwarz geschminkt im Kimono und da gab es dann feministische schwarze Chansons, wenn man so sagen kann, wo alles in Oarsch ist und man sich nicht aufrgen soll oder doch.

Das Gespräch führte wieder Alexandra Millner.Sie interviewte auch gleich Hannes Löschel, der ja am Samstag Abend aufgetreten ist.

Dann kamen Kurzfilme von Linda Christanell, der Frauenbewegten, sehr schöne Filme, der letzte allerdings in einer sehr schlechten Tonqualität. Dann sollte Friedrich Achleitner, ebenfalls ein Mitglied der Wiener Gruppe folgen, der aber nicht kommen konnte. So las Fritz Ostermayer seine Texte und der Impulsvortrag von Marc Oliver Schuster fiel ebenfalls aus. So kam es gleich zum Podiumsgespräch mit Daniela Strigl, Ferdinand Schmatz und Fritz Ostermeyer, und Thomas Eder unter der Leitung der ORF-Journalistin Judith Brandter, wo gerklärt wurden, was die Ziele der Wiener Gruppe waren?

„Die bösen Buben wollten nach der Nazizeit die Gesellschaft provozieren!“ sagte, glaube ich, ungefähr Daniela Strigl, und wurde von Gerhard Rühm unterbrochen, der erklärte, daß eigentlich gar nicht ihre Absicht war. Aber die Publikumsbefragung kommt erst spöter erklärte Judith Brandtner etwas ungehalten und Ferdinand Schmatz erkundigte sich , ob man weiter machen sollte?

Natürlich, die Experten wissen es ja besser, als die die damals dabei waren. Gerhard Rühm ließ sich aber nicht beirren und Linda Christanell ergänzte die Rollen der starken Frauen, die es damals auch gegeben hat, die sich aber in anderer Art und Weise äußerten, beispielsweise daß sie die AUF gründeteten oder Experimantalfilme machte. In der Wiener Gruppe waren, glaube ich, ja nur Elfriede Gerstl und Friederike Mayröcker, aber auch erst spät und die Gerstl hat sich ja, glaube ich, eher an den Rand gedrängt gefühlt.

Dann kam es zur Präsentation der H.C.Artmann-Klasse der Schule für Dichtung, die unter der Leitung des Trio Lepschi, beziehungsweise Stefan Slupetzky, einige Songs nachgedichtet  oder neu geschrieben haben,  die sie jetzt mehr oder weniger gut vorbereitet,  mehr oder weniger gut gesungen vortrugen.

Sie bekamen großen Applaus. Eine Danksagung der Festivalorganisatoren gab es auch noch und es war  eine sehr schöne Veranstaltung in einen eher kleinen Rahmen des literarisch interessierten Insiderpublikums und soll, wenn ich es recht verstanden habe, in zwei Jahren wiederholt werden und da wäre es schön, wenn die Akteure der Wiener Gruppe soweit vorhanden, selber zu Wort kommen könnten.

2018-06-09

Mit einem Grillfest in das Wochenende

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:00
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Meide diesjährige Strohwitwenzeit startet in die zweite Woche, hat mit einem gigantischen Bücherputz- und Suchnachmittag begonnen und dann hatte ich am Wochenende ein recht intensives Korrigerretreat. Mit dem Szene für Szene Korrigieren bin ich jetzt durch. Am Sonntag habe ich das Ganze noch einmal von vorn begonnen. Ein Name war noch zu ändern, hieß ja Amanda Siebensterns Nachbarin Olga Proschinsky und Slavenka Jagodas Professor Jan Prochatzka.

Also habe ich eine Frau Koschinski aus der Nachbarin gemacht und bin darauf gekommen, daß der Text zeitlich noch nicht ganz stimmt. Da hatte ich ja das Problem, daß sich die vier Handlungsstränge zeitlich nicht ganz zusammenpassten, denn Slavenka Jagoda sitzt beispielsweise schon in New York in der Bibliothek und studiert die „Nobelpreisgalerie“, während sich Jonathan Larsen auf der anderen Seite noch weigert seiner Tochter zu sagen, wer es heuer geworden ist.

Das muß ich noch einmal gut durchkorrigieren und bin da jetzt etwa bei der Hälfte. Ganz stimmig ist es wahrscheinlich noch nicht, ich hoffe es wird aber immer besser und dann so lange durch, bis es sitzt.

Da hatte ich ja die Juni Wochenenden geplant, weil ich unter der Woche jetzt ziemlich viele Stunden habe, aber dieses Wochenende gibt es in den Breitenseer Lichtspielen ein Literaturfestival, das ich eigentlich besuchen will, so daß dieses Wochenende das Korrigieren ziemlich ausfallen wird.

Eigentlich hätte das Festival schon am Freitag begonnen, aber da hatte ich, beziehungsweise der Alfred eine Einladung zum Augustin-Grillfest und da hat er mich sogar angekündigt.

Die Ruth hat heute in Krems gelesen, aber deren Buch habe ich schon gelesen, so bin ich nach meiner neunzehn Uhr Stunde, ich habe am Nachmittag relativ viel korrigert in die Reinpreichtsdorferstraße aufgebrochen, wo ich ja schon einmal, lang lang ists her, Gast bei der Schreibwerkstatt war und einmal tolle Flohmarktbücherfunde machte.

Jetzt wurde zwanzig Jahre Radio Augustin mit einer Torte gefeiert. Es sang das „Stimmgewitter“, es gab Würstl,  gegrillten Tofu und viele Leute.

Die Bärbl Danneberg vom Arbeitskreis schreibender Frauen habe ich gesehen, die Christa Urabenk mmit der ich einmal bei einem Open Mike aufgetreten bin, sowie den „Mandelbaum-Verleger“.

Sonst gibt es noch einige Anrufe mit der Ruth, die ich diese Woche hatte, zu vermelden. Sie kam zwar nicht am Mittwoch in die Schreibgruppe, weil sie eine andere Veranstaltung, ich glaube, wegen ihres Frauenbuchs hatte, hat aber mit der Leiterin der VHS im neunten Bezirk ausgemacht, daß wir im November, ausgerechnet an meinem Geburtstag, noch einmal einen literarischen Spaziergang durch den Neunten machen und weil das eine Veranstaltung des neunten Bezirkes ist, brauchen wir neben den „Schlüßeln“ und den „Thuryhof“ noch ein drittes Objekt. Und da gibt es offenbar eines am Zimmermannplatz direkt gegenüber vom offenen Bücherschrank, das wir nächsten Sonntag besuchen und beschreiben wollen.

Da wird es dann wieder nichts mit dem Korrigierretrat, aber vielleicht kann ich am Samstag fleißig sein und lesetechnisch geht es derzeit auch sehr langsam voran. Da habe ich ja nach Pfingsten fünf Rezensionsexemplare bekommen, wührend ich vorher ja schon drei Stück von meiner Backlist hinuntergelesen habe.

Für die vier Bücher habe ich jetzt lang gebraucht und lese immer noch „Wien 1938“ und gestern und vorgestern habe ich auch je ein Buch bekommen, nämlich Barbara Riegers „Bis ans Ende Marie“ und Inger Maria Mahlkes „Archipel“, das sind aber schon Herstproduktionen. Also erst im August zu lesen. Dafür kam heute, worauf ich schon gewartet habe, Judith Gruber Rizys „Eines Tages verschwand Karola“, was ich gleich lesen kann und dann wieder meine Backlistbücher, da warten ja noch einige schöne Stückerln, bevor das Buchpreislesen, beziehungsweise die Schweiz-Lesewoche beginnt, aber vorher starte ich ja noch in meine Sommerfrischenwochenendem,  bin auf das Programm der O-Töne, das auch bald bekanntgegeben wird, gespannt, das „Bachmann-lesen“ naht, da wissen wir, wer heuer darf und Pläne für mein neues Projekt kommen auch gelegentlich und werden von mir getreulich aufgeschrieben.

2018-06-08

Dunkelgrün ist fast schwarz

Jetzt habe ich es doch gelesen, das neue Buch von Mareike Fallwickl, deren Blog und Facebookseite ich seit ein paar Jahren regelmäßig verfolge und das in die Bloggerwelt eingeschlagen ist, wie ein Sturmgewitter.

„Wow, eine von uns und sie hat es geschafft!“, war möglicherweise der Grund für diese Jubeleuphorie, die mich, ich gebe es zu, etwas skeptisch und abwehrend machte und neugierig natürlich, deshalb habe ich mich auch um das Buch sehr bemüht und war bei der Lesung im Literaturhaus, wo  die 1983 in Hallein geborene und dort lebende Autorin ein wenig schnippisch wirkte und so auch mit dem Moderator umging und ich wußte nach der Lesung immer noch nicht so genau, wie ich mit dem Hype umgehen soll, denn eigentlich hatte mich diese Dreiecksgeschichte auch jetzt noch nicht vom Sessel gerissen und dann habe ich das Buch zu lesen angefangen, dachte anfangs, das wird mir nicht gefallen und nach noch nicht mal zwanzig Seiten, daß dieser sanfte österreichische Dialekt das „Hollerkoch“ und der „Eierlikör“ vielleicht ein  weniger bösartiger Thomas Bernhard  werden könnte.

Aber Mareike Fallwickl hat in einem Interview gesagt, daß sie mehr unterhalten, als große Literatur sein wollte und das Buch deshalb in einzele Puzzlesteine zerlegt hat, so daß sich der Leser selbst sein Bild machen könne.

Deshalb ist das Lesen vielleicht auch nicht so ganz einfach und man braucht lange in die Geschichte hineinzukommen und sie zu verstehen und ich habe das  vierhundertachtzig Seiten Buch in jeweils hundert Seiten Etappen gelesen und dachte bei der zweiten, wo Moritz seine schwangere Freundin zurücklassend mit dem nach sechhzehn  jahren zurückgekommen Raf sich gleich in Salzburg betrinkt und es dann auch noch eine Sadomaso Szene zwischen Johanna und Raf gibt und Marie Motz Mutter ihren Mann mit Rafs Vaters Christian betrügt, daß mir das doch nicht so gefällt und mir dieser farbensehende Motz eigentlich viel zu passiv, wie auch die anderen Charaktäre außer diesem Archlochkind Raf sind und mir das ganze auch nicht psychologisch richtig erscheint.

Das hat sich dann in den drei weiteren Lesesessions wieder geändert und mein Fazit ist, daß es wahrscheinlich doch ein gutes Buch mit einem wahrscheinlich wirklich neuen, noch nicht so abgelutschten Thema und wahrscheinlich auch eine spannend erzählte Beziehungsgeschichte ist, die wenn man sie chronologisch erzählt auch logisch wird.

Da ist also Marie, eine ehemalige Krankenschwestern, die mit ihren zwei Kindern in ein Haus am Berg bei Hallein zieht, Alexander der Vater studiert noch in Wien Medizin. Sie ist allein im Ort, kennt noch niemanden,  geht auf den Spielplatz und sieht dort Sabrina, die ebenfalls ein Kind am Arm und eines im Tragetuch hat, das am Arm ist Raffael, derei tage jünger, als Moritz, Maries Sohn und das Einzige, was der ihm voraus hat, denn Raffael, das Arschlochkind, Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Blog und erzählte auf der Lesung, das eine Spielplatzszene, wo ein Kind grinsend einem anderen auf den Bauch trat, der Auslöser für das Buch war, nimmt Moritz gleich an die Hand und und sagt: „Motz ist jetzt mein Freund!“ und von da beginnt dann die Geschichte rasant sich zu entwickeln.

Im Buch beginnt sie 2017 als Motz seiner schwangeren Freundin die Hand auf den Bauch legt, denn bald wird das Baby geboren. Da läutet es  und Raf steht mit dem Koffer vor der Tür, sagt, das Hotel hatte kein Zimmer mehr und ob er nicht eine Nacht hier schlafen kann und dabei gibt es offenbar gar kein Hotel in Hallein.

Die beiden haben sich seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen. Motz ist ist ganz durcheinander kann aber nicht nein sagen, das kann er bei Raff nie und  so werden aus der Nacht drei Wochen, Kristin, die Freundin zieht schon aus, bis sich die Geschichte endlich klärt und man alles versteht.

Iin drei Perspektiven von1987, als Motz drei Jahre war und mit seiner Mutter auf den Spielplatz kam, wird das erzählt. Moritz, Marie und Johanna , das ist die dritte der Dreiecksbeziehung, haben eine Stimme, Raffael, das Arschlochkind gegen das sich der sensible, farbensehende Moritz, deshalb hat das Buch auch seinen Namen, nicht wehren kann, nicht.

Und so kommt Motz vom Kindergarten mit blauen Flecken heim, Raffael sperrt ihn auch in den stillgelegenen Stollen und Marie, die all das sieht, kann ihm nicht helfen, obwohl sie später sogar im Gymnasium zum Direktor geht und sagt, daß die beiden in verschiedene Klassen sollen, kommt kurz darauf doch ein Anruf, Motz hätte ein Mädchen im Keller eingeperrt und Marie weiß, das Raf, das war, der Blender, der mit seinem Grinser alle Herzen einnimmt und seinem Freund Motz  so 2001 Johanna, die ihre Eltern verlor und zu den Beiden ins die Schule kam, wegnimmt und als sie schwanger wird, ist das Kind natürlich von Raf, wird aber Motz unterschoben, die ihn, als es tot auf die Welt kommt, auch verläßt und so haben alle ihre Traumen, als es 2017 in der Nacht in Hallein klingelt undMotz mit dem Koffer vor der Tür steht.

Aus der einen Nacht werden drei Wochen, Kristin verlangt von Motz daß er mit Raffael redet, ihn hinauswirft. Der kann das nicht, durchsucht nur seinen Koffer, findet einen doppelten Boden, Geld, falsche Pässe und Medikamente, so daß diese Geschichte auch ein Krimielement beinhaltet, obwohl man ja eigentlich  nicht genreübergreifend schreiben soll.

In den Johanna Kapiteln bekommt man noch heraus, daß sie in Florenz sitzt, wo offenbar ein Mord geschehen ist und sie nicht weiß, ob Raff der Täer war. Sie sucht nach ihm und bekommt dann in Berlin ein Mail von ihm wo er sie nach Hallein holt, denn Raff ist auch der große Stratege, der alles plant, alles inszeniert und dann, wenn man vielleicht doch auf ihn böse ist, zu kochen beginnt.

Kristin ist inzwischen zur einer Freundin gezogen und hat Motz „Er oder ich?“ vor die Wahl gestellt. So daß der dann endlich doch zu reden anfängt. Dann läutet es noch an der Tür, Johanna erscheint mitten in der Nacht. Es kommt zur Ausprache. Motz wirft die Beiden, beziehungsweise Raff endlich hinaus, will dann seine Mutter anrufen. Aber da läutet es wieder. Es ist Kristin, die ihm sagt, er soll kommen, denn sie muß in die Klinik, das Baby will heraus.

Das ist jetzt vielleicht wieder ein wenig kitschig, aber eigentlich doch ein fulminantes Buch und kein Debut, obwohl das am Klappentext so steht, denn Mareike Fallwickl hat schon einen erotisches Auftragsroman geschrieben und es ist wahrscheinlich trotz der beschriebenen Schwachpunkte immer noch um vieles origineller, als die unzähligen Midlifekriseromane, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Besonders, das sollte ich noch erwähnen, haben mir, die ich zwar so um die zehn Jahre älter als Marie bin, aber mein Kind 1984 geboren habe und da offenbar auch, wie Mareike Fallwickl es nannte, in der ersten Ökowelle drinnen war, die Stellen gefallen, wo Motz keine süßen Sachen essen darf, ihn die Großmama Gitt, die seine Mutter, weil eine Zugereiste und nur eine Krankenschwester nicht leiden kann, Zuckerln zusteckt, Marie Dinkelkuchen bäckt und von der Schweigermama dann angefahren wird, der das nicht schmeckt, weil sie kein Schlagobers besorgte.

2018-06-07

Gesellschaft im Kasten

Da gibt es ja die Katalogkasten, die Stichwortzitatsammlungen, die nach der Digitalisierung wohl nach und nach still und heimlich aus den Bibliotheken verschwunden sind.

Nicht so im Literaturhaus, da hat Evelye Polt-Heinzl den Wertheim-Kasten in einen Zitatkasten verwandelt. Literarische Stichworte eingefügt und ihn wohl seit 2012 Jahr für Jahr erneuert und heuer wohl erstmal an eine Autorin den Auftrag erteilte, diesen für eine Ausstellung zu füllen und die 1964 in Salzburg geborene kenne ich schon lang.

Wo und wann ich sie kennengelernt habe, weiß ich gar nicht so genau, ich kann mich aber an eine IG-GV erinnern, wo ich damals von St. Pölten nach Wien pendlete mit dem Korb in dem die Texte, die 1996 für das Nachuchsstipendium drinnen waren, die ich mir im Zug durchsah, teilgenommen habe und da saß Margret Kreidl in den ersten Reihen und sagte, es ist ganz egal, ob drei oder fünf leute zu einer Lesung kommen, das ist trotzdem okay.

Sie verlegt inzwischen bei der „Edition Korrespondenzen“, stand einmal, glaube ich auf der Hotlist, ich sehe sie und ihren Lebensmenschen Lukas Cejpek manchmal bei Lesungen und auf Messen und weil ich ja ein bißchen legasthen bin oder auch ein wenig schlampert bin, habe ich, als ich vor kurzem von „Kremayr und Scheriau“ ins Belvedere bekommen habe, mich dort sofort angemeldet, und das  Greiner mit Kreidl verwechselt, worauf mich dann erst Stephan Teichgräber im „Doml“ aufmerksam machte. Das sind so die kleinen Aufreger im Leben und nicht wirklich wichtig und Wien-Stipendiatin ist Margret Kreidl wahrscheinlich auch, jedenfalls im Mai im „Musa“ da hatte ich aber so viele Stunden, daß ich nicht hingehen konnte, was mir sehr leid tat.

Also heute und da bin ich trotz meiner sechs Uhr Stunde nicht zu spät gekommen, obwohl mir sowohl Bus, als natürlich die Straßenbahn vor der Nase weggefahren sind, denn die Leute standen noch im Foyer und besichtigten die Ausstellung, die ja heute mit einem großen Programm eröffnet wurde und Margret Kreidl war wohl schon den ganzen Tag im Literaturhaus, um vorzubereiten und ist da von der Stiege gefallen und hat sich das Bein gebrochen oder geprellt, so daß sie ihr Publikum und es war die ganze literarische Prominent zum Teil aus Hamburg und Berlin eingeflogen, anwesend, denn Margret Kreidls Idee  für ihr Zettel-Projekt, sie hat ja ein Buch geschrieben das „Zitat,Zikade“ heißt, war, daß sie sechsundfünfzig literarische Lebensmenschen, denn schreiben ist ja Kommunikation, sagte sie in der Einleitung, bat ihr jeweils ein Ding für eine Lade des Zettelkastens zu spenden und so saß ich hinter Gerhard Rühm, Gerhard Jaschke und Karin Peschka, sah Lukas Cejpek natürlich, denn der hat einen Chor einstudiert, wo vier Schauspieler auftraten und im Chor Zitate vortrugen.

Robert Huez begrüßte, Evelyne Polt-Heinzl erzhlte etwas zum Projekt und die vier Chorstimmen zitierten Namen wie Brigitte Salanda, Gustav Ernst, Marie Luise Lehner,  Erika Fischer,  Dieter Sperl und und und…

Das sind, wie das Margret Kreidl sitzend, erläuterte die sechusundfünfzig Freunde, die ihre Gaben in den Kasten legten. Ein paar waren anwesend, die Margret Kreidl feierliche begrüßte und ihren Lebensbezug erläutetete, Ilse Kilic richtig ist auch dabei und Gabriele Petricek und Birgit Schwaner, die mich freundlich grüßte, im Publikmum und zu meinen Erstaunen sah ich da auch den Otto, von Alfreds Wandergruppe, der meinen Blog, meine literarische Ausdrucksform, das erste halbe Jahr seines Bestehens freundlich kommentierte.

Er hat, wie ich später erfuhr, seine Lieblingsbuchhändlerin Brigitte Salanda zur Lesung begleitet und die Mulitmedia Künstlerin Reni Hofmüller hat eine musikalische Beigabe im Sinne Pöasmodiumsstruktursgeeflecht beigesteuert.

Dann gab es noch einen analogen Chor eines amerikanischen Germanisten und danach Getränke und Knabberstangen, bevor mann diesmal die Stiegen, die ja sonst streng abgesperrt sind, in die Bibliothek hinaufwandert und sich den Zettelkasten mit seinen Leihgaben ansehen konnte.

Interessant interessant, die experimentelle Literaturszene und ein“ Salz-Zeitschrift für Literatur“, wo Margret Kreidl einen Text drinnen hat, habe ich auch bekommen.

2018-06-06

Zwei Duoveranstaltungen

Heute wieder nach einigen Stunden und zwei Befundbesprechung Utopie-Workshop mit Stephan Teichgräber im Doml, wo ich ja inzwischen seit einem Monat oder so mit ihm alleine bin und was meine Seite betrifft, die eineinhalb Stunden eher zum literarischen Plaudern als zur Werkanalyse benütze.

Aber ich habe mich darauf vorbereitet, habe ich ja am Donnerstag am Fronleichnahmstag meine Bibliothek durchgeputzt und sowohl den „Report der Magd“, als auch die „Rote Zora“ gefunden und beide Bücher mit dem vom Jaroslav Rudis in den Workshop mitnehmen wollen und gestern im tschechischen Zentrum hätte ich ihm auch ein Buch über die tschechischen Verlage mitnehmen können, das dann aber dort geleassen und heute auch nur das Altmann-Buch, neben den Orwell, den ich ja immer mitnehme eingepackt, denn wir tun, seit wir zu zweit sind ja nicht mehr ganz so viel, sondern plaudern.

So habe ich Stephan Teichgräber erzählt, daß heuer Tanja Malartschuk beim „Bachmannpreis“ lesen wird. Er hat es aber schon gewußt und sie auch einmal in Prag getroffen und hat auf der ukrainischen Seite ihre Werke gegooglet, weil mir erst nach und nach eingefallen ist, daß das Buch das ich von ihr gelesen habe „Biografie eines zufälligen Wunders“ heißt.

Dann sind wir aber doch wieder zum Orwell gekommen, haben wieder festgestellt, daß die deutsche Übersetzung offenbar weniger poetische Vergleiche oderMetaphern hat, als die englische Originalausgabe und sind dann auf die „Kleine Grammatik gekommen, die es im Anhang gibt.

Orwell hat da ja eine besonder Sprache gefunden und Vergleiche mit Kemperers LTI liegen natürlich nahe, aber auch der Vergleich zu dem leichter lesen, wenn man alles verkürzt und die Frage wo und wie der Neusprech sinnvoll und nützlich oder das Gegenteil ist und auch der Vergleich zu der neuen Rechtschreibordnung.

Da zitiere ich ja immer gerne die Geschichte, wo ich einmal vor dem offenen Bücherschrank in der Zieglergasse stand. Eine Menge Nöstlinger oder andere „Jugend und Volk Bücher“ aus den Siebzigerjahren, ganz schöne, lagen drinnen und draußen stand eine Frau mit einem Mädchen das gerne danach greifen wollte.

„Achtung!“, rief die Mutter.

„Pass auf das ist noch die alte Rechtschreibordnung!“

Und das Kind mußte zwangsläufig nachgeben. Ich habe mit der Mutter ein bißchen diskutiert und kann darüber nachdenken, ob das jetzt Leseförderung ist oder nicht und es war ein interessanter Workshop- Nachmittag.

Nächste Woche fällt es wieder aus, also haben wir noch ein paar Nachmittage, wo wir uns der Utopie des Neusprechs widmen können und ich ging in meine Praxis, machte eine Stunde und empfing dann, was ich ohnehin schon wußte, Doris Kloimstein zur Schreibgruppe. Denn Peter Czak, der die Gruppe eigentlich verschieben wollte, meldet sich derzeit nicht, Klaus Khittel schon und hat auch Interesse, aber leider keine Zeit, der Robert keine Zeit am Mittwoch und die Ruth diesmal einen anderen Termin.

Also haben wir wieder eine Flasche Wein getrunken uns sehr gut über den Literaturbetrieb, den Schmähungen und den Kränkungen, denen man in diesen ausgesetzt ist und noch über vieles anderes unterhalten und diesmal nichts geschrieben und ich kann denen, die an meinen Korrigierfortschritten interessiert sind, frohlockend vermelden, daß ich am Samstag und am Sonnstag da sehr produktiv gewesen bin.

Am Samstag war ich wie vorgenommen beim Friseur und habe ein wenig eingekauft, dann den Text szeneweise zu Ende korrigiert. Am Sonntag das Ganze einmal von vorn nach hinten durchgesehen und bin darauf gekommen, daß vieles noch nicht so passt.

Da habe ich ja auch zeitliche Probleme, denn wann wurde 2017 der Nobelpreiskanditat bekanntgegeben, vor oder nach Frankfurt und vor oder nach der Wahl+<ich glaube erst nachher. Daher mußte ich noch einiges umändern, aber sonst bemühe ich mich sehr zwischen meinen Stunden den Text nicht zu vernachläßigen, so daß ich möglichst bis Ende Jun,i wenn der Alfred wieder zurückkommt, damit fertig bin und mit frischen Plänen für das Neue in die Sommerfrischenwochenende starten kann.

Mal sehen wie es geht? Die Schreibgruppe habe wir einstweilen ad Acta gelegt, denn es kommt ohnehin die Sommerpause und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.

2018-06-05

Wien-Tschechien-Italienreise

„Reisen wir“ heißt eine Reihe in der „Gesellschaft für Literatur“, wo offensichtlich Reisetexte vorgestellt werden. Da war ich schon einmal bei Mirco Bonne und heute hat meine literarische Veranstaltungsreise eigentlich im von 1938 angefangen. Denn da gibt es ja heuer ein Gedenkjahr und deshalb eine Ausstellung in der „Wien Bibliothek“ mit einem Begleitprogramm.

Und da ging es heute im Seminarraum um den Proagandafilm und das ist ja ein sehr interessantes Thema und ich habe mir da Werbefilmchen vorgestellt, wie etwa ein schöner junger SA Mann blond und blauäugig einem ebenso schönen naiven Wiener Mädel erklären soll, wo sie am 10. April ihr Kreuzerl machen soll.

Aber mitnichten, es wurden von Michael Loebenstein und Ingo Zechner, zwei Herren, die trotz der Hitze weiße Hemden trugen, unter derModeration der Direktorin Sylvia Mattl-Wurm nur die Filme gezeigt, die schon in der Ausstellung, da war ich ja bei der Eröffnung zu sehen sind und die haben mich nicht sehr interessiert, weil es da ja um eine Gastwirtschaftstagung im Rathaus, eine Rede des damaligen Bürgermeisters im Apollokino,  wo er den deutschen Buben und Mädeln die Rolle des Sparens erklärt und dann wurde noch irgendein Nazibonze eingeflogen, der den Beamten am Rathaus sprich Adolf Hitler Platz, so hieß er ja damals, offenbar das neue Regime erklärte.

Die wurden besprochen und kommentiert und dann gab es noch zwei Minuten aus der damaligen Polizeileistungsschau, die dese seit 1927 jedes Jahr zu Weihnachten präsentierte und war zu sehen, wie die Wiener Polizisten ihre Knüppel abgeben und die deutschen ins Rathaus einmarschierten.

Interessante aber allemal für die Historiker und wenn ich mit der Mareike Fallwickl fertig bin, steht ja das Flügge-Buch auf dem Programm, da habe ich mich also in das Jahr 1938 schon ein wenig eingesehen und die Plakate habe ich ja auch schon studiert.

Danach also weil es zeitlich passte und es auch keine Alternative gab in die „Gesellschaft für Literatur“, obwohl mich das Buch über den Po, des italienischen Reiseschriftstellers Paolo Rumiz übersetzt von Karin Fleischanderl eigentlich auch nicht so interessierte und ich dachte, da bin ich wahrscheinlich alleine dort und kann mich mit Gustav Ernst unterhalten.

Mitnichten, wie man sich irren kann, könnte ich schon wieder schreiben, aber vorher bin ich an der Buhhandlung Kuppitsch vorrüber am tschechischen Zentrum vorbeigekommen und habe da wieder wie schon im April ein paar Leute mit einem Weinglas vor der Tür stehen sehen.

Also nichts wie hinein. Denn es gab wieder eine Ausstellung, diesmal feierte, wenn ich es richtig verstanden habe, ein tschechisches Gymnasium den Abschied einer Lehrerin mit einer Ausstellung ihrer Werke. Vielleicht war es auch kein tschechisches Gymnasium, es war jedenfall fast nur Tschechisch zu hören und es gab Wein, Brötchen und kleine süße Schnecken und dann nach Italien.

Bella Italia lag diesmal, wie Tschechien in der Herrengasse und oh Überraschung der Vortragssaal sehr voll, so daß schon Sessel im zweiten Raum aufgestellt waren und heiß war es auch.

Ich habe trotzdem, Glück muß man haben, einen Platz in der zweiten Reihe bekommen, mich mit meiner Nachbarin über meine Waldviertler Sandalen unterhalten, Gustav Ernst, der prompt in der ersten Reihe saß zugewinkt und jetzt sehr viel Italienisch gehört.

Karin Fleischanderl, die Übersetzerin moderierte, der 1947 geborene Reiseschriftsteller war sehr charmant und erklärte, daß die Italiener kein Verhältis zu ihren Flüßen haben, so ist der Po verschmutzt. Die Mütter warnen ihre Kinder ins Wasser zu gehen und ihm wurde abgeraten eine Flußreise zu unternehmen.

Das hat ihm natürlich gereitzt, so hat er diese mit dem Kanu, der Barke und dem Segelboot und einigen Freunden unternommen, eine Frau in Schwarz dabei gesehen, auch noch etwas von einem früher erschienenen Buch, das der „Leuchtturm“ heißt  und von der Phantasie erzählt, die man bekommt, wenn man einige Zeit allein auf einer kleinen Insel auf einem Leuchtturm verbringt.

Er hat dann noch viele Fragen aus dem Publikum beantwortet. Es gab einen Tisch mit vielen Büchern, die man, wie Karin Fleischanderl wieder aufforderte, kaufen und sich signieren lassen konnte und ich habe an einem Abend sowohl eine Zeitreise in die Vergangenheit, als auch in das kulinarische Tschechien und eine Reise auf den Po gemacht und dabei bin ich ja gar nicht reiselustig und staune momentan nur über die Mails die mir der Alfred derzeit aus dem schönen weitentfernten Amerika schickt.

2018-06-04

Werkstattgespräch in der AS und Bekanntgabe der heurigen Bachmannleser

Heute gab es in der „Alten Schmiede“ in der ich nun schon länger nicht mehr war, die Vorstellung von zwei unveröffentlichten Texte, die von Daniel Terkl moderiert und vorgestellt wurden.

Und zwar stellte Stephan Eibel Erzberg, der mir ja manchmal liebe Mails schickt und mir einen sehr euphorischen Beschreibungstext für das „Literaturgeflǘster-Texte-Buch“ schrieb, seine noch nicht erschienenes Manuskript über eine Arbeitersiedlung am Erzberg in den Siebzigerjahren vor.

„Ehern“ heißt der Text und die Stellen, die der 1953 in Eisenerz Geborene las, drehen sich um das Weihnachtsfest und um die Kinder, die in dieser Siedlung lebten und obwohl Stephan Eibel Erzberg in den Neunzehnsiebzigerjahren kein Kind mehr war, vermute ich stark, daß es sich, um seine Jugenderinnerungen dabei handelt.

Der kleine Elisas geht mit seinem Vater in den Wald, um einen Christbaum zu suchen und der erzählt ihm, daß das Christkind am Tag unsichtbar und im Wohnzimmer bleibt das Fenster offen, damit es hineinfliegen kann. Die Kinder gehen Schlittenfahren. Elias geht nicht mit, weil er von den größeren Buben nicht hören will, daß es das Christkind nicht gibt und weil Bananen am Gabentisch liegen, ist er sich ganz sicher, daß doch eines existiert, weil Banananen waren in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren im örtlichen Konsum nicht zu kaufen.

Im anschließenden Gespräch verlautete Stephan Eibel Erzberg, daß es schon in den goldenen Siebzigerjahren, wie man sie heute nennt, mit einer absoluten SPÖ-Regierung erste Anzeichen von heute, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, etcetera gegeben hat.

für mich waren diese Jahre, wo ich Psychologie studierte, trotzdem die besten meines Lebens und Stephan Eibel Erzberg, der eigentlich nur Eibel heißt, hat das Erzberg seinem Namen angehängt um zu zeigen woher er, der sehr früh nach Linz und später nach wien gegangen ist, kommt.

Eine Zeitlang wollte er sich auch Abenteuer Erzberg nennen. Das schien ihm aber zu lang, während der zweite Leser der Runde, den ich wegen seiner Namenskürze fast übersah, nur seine Initialen G.G.H publiziert. Er wurde 1961 in Stuttgart geboren, studierte Kunstgeschichte und heißt wahrscheinlich Georg G. Holländer, ob ich das richtig geschrieben habe, weiß ich jetzt nicht, wie aus dem Gespräch deutlich wurde und seine unveröffentliche Novelle „Totentanz“ handelt von einem hundertjährigen Mann der nach Basel fährt, um  seine Verlassenschaft zu ordnen und dort kommt er mit zwei jüngeren Menschen, darunter mit einem Mädchen namens Lara in Berührung.

Zuerst las G.G. H aber ein Gedicht passend zu Stephan Eibel Erzbergs Textpassage, das vom Winter handelt und am Schluß fofrderte Daniel Terkl seine Gäste auf noch ein Gedicht zu lesen. Je drei sind es dann geworden und am Vormittag wurde die heurige Bachmannpreisleserunde bekanntgebeben von der ich gleich verlauten kann, daß da nur eine Österreicherin dabei ist, nämlich Raphaela Edelbauer, die den Rausiser Preis gewonnen hat und die ich auf der letzten „Buch Wien“ hörte, sowie Tanja Maljartschuk, die ich schon auf einigen Lesungen hörte und auch schon was von ihr gelesen habe und von den deutschen Autoren kenne ich Jakob Nolte, da habe ich gerade die „Schrecklichen Gewalten“, das auf der letzten dBp- Longlist stand gelesen und bin also sehrgespannt, wer es heuer werden wird.

Aber vorher gibt es ja noch ein Jubiläum zu feiern und da wird man wahrscheinlich, kann ich schon verraten ein paar der „Literaturgeflüster-Bücher“, die zum fünften Jahrestag erschienen sind, gewinnen, wo man sich dann Stephan Eibel Erzbergs euphorische Beschreibung anschauen kann.

2018-06-03

Traumrakete

Filed under: Bücher — jancak @ 00:31
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Jetzt kommt das neue Buch, der 1963 geborenen Ruth Cerha, Tochter des Komponisten, von der ich schon zwei Bücher „Zehntelbrüder“ und „Bora“ gelesen habe und von der ich das erste Mal auf der „Rund um die Burg-Veranstaltung-neu“ etwas hörte.

„Zehntelbrüder“ ist so weit ich mich erinnern kann, ein Patchworkroman, ähnlich wie die, die Elfriede Hammerl schreibt, „Bora“ eine Kroatiengeschichte und ich würde wahrscheinlich übertreiben oder hochstapeln, wenn ich ähnlich wie „Claire-Klara-Clarisse“ schreiben würde, denn ich weiß schon, ich spiele ja leider in einer ganz anderen literarischen Liga und „Traumrakelte“ von dem ich nur begeisterte Rezensionen gelesenhabe, die ich ganz erhlich nicht ganz nachvollziehen konnte, obwohl es kein schlechtes Buch ist, wahrlich nicht, liegt irgendwo dazwischen und es ist und das ist vielleicht interessant, ein Buch, in dem die männliche Midlifekrise wieder von einer Frau erzählt wird.

Da habe ich ja im Sommer viele von Männern geschriebenen gelesen und wenn wir schon bei der Frage sind, was ein gutes Buch ausmacht, daß es berühren muß, natürlich und was Neues noch nie dagewesen enthalten muß, dann kann ich das letztere nicht finden, denn ich denke eher, Ruth Cerha hat da die verschiedensten gängigen Themen durcheinandergeworfen, aus jedem Dorf einen Hund genommen und dann das Ganze irgendwie hintereinander aufgezählt, so daß ich meinen würde, es fehlt eigentlich der straff komponierte Plot und natürlich ja, etwas Neues gibt es, es geht über das Träumen und ist eigentlich ein Sachbuch über das luzide Träumen mit Handlung erzählt.

Um was geht es also? Um eine Wiener Mittelschichtfamilie? Nein, eigentlich nicht, denn Dave, der Sohn einer Österreicherin, die vor den Nazis nach N Y flüchten mußte und sich dort verheiratet hat, wurde in Amerika geboren und ist die ersten sechs Jahre in der großen Stadt aufgewachsen, dann mit der Mutter nach Wien gekommen und hat hier ebenfalls eine Amerikanerin, Janet, eine erfolgreiche Chirurgin geheiratet.

Die Beiden, er ist ein nicht so erfolgreicher Musiklehrer und, wie geschrieben wird, schwer depressiv, von Alpträumen geplagt, die er mit seinem Therapeuten bespricht, haben drei Kinder.

Max, der ein Elitegymnasium besucht und kurz vor der Matura aussteigt, Mel die Pubertierende von der eigentlich nur erzählt wird, daß sie gut in Mathe ist und Nobbs oder Noah, der sechsjährige, der in der Welt seines Raumschiffes beziehungsweise, der Traumrakete lebt und zu seinem Vater eine sehr gute Beziehung hat.

Der von seinen Schülerin frustriert, ist eigentlich ein guter Vater und die Kinder sind erstaunlich vernünftig, gelassen und cool und das zähle ich eigentlich zu den Stärken des Romans, träumt ständig von Frauen mit und ohne Kopf, vergräbt Leichen, wird gejagt und Janet, die erfolgreiche, versteht wahrscheinlich nicht warum er sich so aufführt.

Er hat auch eine schlechte Beziehung zu seinem Vater James. Warum,  wurde mir nicht ganz klar, wahrscheinlich habe ich  beim Lesen nicht so aufgepasst, was auch etwas schwierig war, weil ständig Träume von realen Episoden, sich im Buch abwechseln.

Die ehe der Beiden ist schlecht. Er träumt von anderen Frauen und spricht mit seinem Therapeuten darüber und einmal weckt Janet ihm auch auf, weil er im Schlaf Orgasmusgeräusche von sich gibt.

Harter Tobock eigentlich, aber das ist es auch, als Janet ihm mitteilt, daß sie sich scheiden lassen wird, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hat. Sie teilen dann sachlich die Kinder unter sich auf. Das heißt, Mel verbringt das nächste Jahr ohnehin in Amerika. Max zieht zu einem Freund und Dave wird mit Nobbs in eine kleinere Wohnung ziehen.

Da ist er aber gerade erst von seinem Osterurlaub zurückgekommen, den er in New York bei seinem Onkel Biull einem Vietnamverteranen, der 1972 mit einem Bein und blind aus dem Krieg zurückkam und ihm von seiner Schwester erzählt, die während er Vienam war, sich mit Herorin den Todesschuß setzte.

Sie ist die Frau, die Dave am Anfang des Buches in seinem Traum vergraben hat, von deren Existenz er aber nichts wußte und nachdem er zurückgekommen ist, unterbricht er seine Unterrrichtsstunde und erzählt den frustrierten Schüler, statt, wie vorgesehen von der Instrumentenkunde von New York und gibt ihnen die Aufgabe in der nächsten Woche die Straßenmusiker in der U-Bahn zu filmen, was sogar den alten Direktor begeistert.

Aus jedem Dorf ein Jund, Dave kommt aus einer jüdischen Familie. Sein Nachbar Hamid ist ein Syrier und Max ist von den Zuständen in Traiskirchen, das Buch spielt Ende 2014 Anfangs 2015 bis zum Sommer, beeindruckt und beschließt den flüchtlingen zu helfen. Die Familie wohnt in Döbling, Max besucht ein Elitegymnasium also doch das Mittelschichtleben, das wahrscheinlich auch Ruth Cerha erlebte, von der ich in Mareike Fallwickls Blog, deren Buch, als nächstes bei mir dran ist, gelesen habe, daß sie den Roman haußtsächlich in New York geschrieben habe und die „Amazon-Leser“ schwärmen sämtlich oder einige von ihnen von den tollen New York Schilderungen, die in dem Buch enthalten sind.

Nun ich war auch einmal vierzehn  Tage in New York und war von der Stadt, die sich inzwischen sicher verändert hat, begeistert und etwas, was mich gestört hat, sind daß ganze Passagen in dem Buch in Englisch sind.

Ein Mittelschichtroman also mit allen Themen, die die Mittelschichtleserinnen wahrscheinlich interessieren und die ihnen bekannt vorkommen, obwohl ich den Sachbuchtext von dem luziden Träumen ganz ehrlich eher langweilig empfand, aber von einigen der schon beschriebenen Stellen, durchaus beeindruckt war.

2018-06-02

Hotel Berlin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:19
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Ich bin ja irgendwie ein Fan der 1888 in Wien geborenen und 1960 in Holllywood gestorbenen Vicki Baum, die schon 1931 in die USA ging, die Staatsbürgerschaft annahm und ihre späteren Bücher auf Englisch schrieb und habe in dem berühmten Bücherkasten meiner Eltern einige ihrer Bücher in Büchergilde-Gutenberg-Ausgeben gefunden und gelesen.

„Hotel Shanghai“ und „Marion“ beispielsweise, wie ich mich erinnern kann und in den Bücherschränken findet man auch einiges von ihr, so daß ich schon eine kleine Vicki Baum Sammlung habe.

„Menschen im Hotel“ beispielsweise habe ich dort gefunden und schon vor ein paar Jahren gelesen und das ist wohl der bekannteste Baum-Roman, der auch unter dem Titel „Grand Hotel“ mit Heinz Rühmann verfilmt wurde. 1929 wurde er geschrieben und trägt die Bezeichnung „Kolportage Roman“.

„Stud. chem. Helele Willfüer“ habe ich auch gefunden und im Jahr 2016 hatte ich sogar einen eigenen Vicki Baum Schwerpunkt mit sechs ihrer Romane vor, nur leider habe ich da schon „Buchpreis“ gelesen, die Verlage haben mir zugeschickt und da ich da ja schwer nein sagen kann und Rezensionsexemplare immer vorziehe sind es nur drei Bücher geworden.

Und heuer habe ich die „Goldenen Schuhe“ auf meiner Liste, aber ob ich da zum Lesen dazu komme ist auch schon fraglich, habe ich ja wieder das doppelte oder dreifache Buchpreislesen vor und auch schon ein paar Herbstvorschauen  angefragt.

Und da ich mich ja sehr für die Zwischenkriegszeit interessiere, habe ich mich mit Vicki Baum auch theoretisch beschäftigt und herausbekommen, daß es außer den „Menschen im Hotel“, das in den Zwanzigerjahren spielt und dem 1939 erschienenen „Hotel Shanghai“, das sich mit der Situation, der aus Nazi-Deutschland Geflüchteten beschäftigt, noch einen dritten Hotel Roman, nämlich „Hotel Berlin“ oder wie in „Wikipedia“ steht, „Hier stand ein Hotel“, 1943 im Exil und auf Englisch geschrieben, das sich mit Nazi-Deutschland, beziehungsweise den letzten Tagen des dritten Reiches beschäftigt.

Das hat mich natürlich neugierig gemacht und ich war sehr begierig auf das Buch, habe in den Bücherschränken immer  danach ausgeschaut und mich auch vor kurzem im Literaturhaus mit der Herausgeberin von „Makkaroni in der Dämmerung“, verstreuten Baum Texten darüber unterhalten und gefragt, ob „Atelier“ vielleicht auch an eine Herausgabe denkt.

„Das Buch ist sehr schwer und nur antiqurisch zu bekommen“, hat die mir, glaube ich, gesagt und dann bin ich vor zwei Wochen, als ich in der Wien-Bibliothek um mir die Präsentation von „Wien 1938″ anzuhören, an der Buchhandlung Jeller vorbeigegangen und habe gesehen,“Wagenbach“ hat es neu herausgebracht.

Vorige Woche habe ich es dann bekommen und da ich da vorrübergehend mit dem Rezensionsexemplar- Lesen fertig war, jetzt liegen inzwischen schon wieder vier auf dem Badezimmerstapel, habe ich es jetzt gelesen und  muß sagen, das Buch ist, was ich, glaube ich, schon gehört habe, sowohl sehr kitschig, als auch sehr interessant.

Letzteres vor allem durch das Vorwort das Vicki Baum wohl ihrer Erstausgabe vorangestellt hat, wo sie die Frage, die mir eine Stammbesucherin erst vor ein paar Tagen gestellt hat, ob es sich bei dem Hotel, um das berühmte „Adlon“ handelt, damit geantwortet, daß auch bei „Menschen im Hotel“, weder das „Adlon“ noch das „Eden“ gemeint war und daß die Idee zu dem dritten Hotel-Roman ihr durch die Überlegung gekommen ist, wie es den Menschen im Hotel wohl 1943 gehen würde, so daß sie es wohl, als eine Fortsetzung gedacht hat.

Als prophetischer Roman wird das Buch auch  bezeichnet, nimmt Vicki Baum, da es ja in den letzten Tagen des Krieges spielt, einiges vorweg und das Material dazu hat sie, wie sie schreibt aus den Erzählungen Emigrierter entnommen und erfragt.

So gesehen ist diese Phropezeiung wohl besonders spannend und ich kann mich an die „Menschen im Hotel“ nicht mehr so genau erinnern, das Buch beginnt aber, glaube ich, auch in der Hotelhalle mit den Portieren und Rezeptionisten.

Hier ist es auch so. Es war gerade ein Luftangriff, die Menschen sind noch, wie vorgeschrieben im Luftschutzkeller und kommen erst allmählich heraus und das Hitler Bild hat es wieder, wie in den letzten Tagen zuvor durch die Angriffe von der Wand geschmissen, so daß es der Portier mürrisch aufhebt und nach einer Stelle sucht, wo er den neuerlichen Nagel einschlagen kann.

Die Portiere sind zweite oder dritte Auswahl, nämlich alte oder schon kriegsgeschädigte Männer, einer davon hat aber schon einen Einberufungsbefehl bekommen, man braucht frischfleisch, der flucht, während der hinkende Hotelarzt sich nach einer solche sehnt, um sich als nützlich zu erweisen.

Da diese nicht kommt, muß er sich den Hotelgästen widmen und hat da auch einiges zu tun, denn das Hotel ist ein Nazihauptquartier, Konferenzen werden abgehalten und nur die alte Botin, die regelmäüßig mit den Telegrammen kommt und damit die Horrormeldungen des Tages berichtet, ist soetwas wie ein kritische Stimmung und außerdem eine sehr skurrile Person, denn es sitzen ja auch die Gestapoleute vor und neben der Tür und halten alles in Aufsicht.

Ansonsten gibt es noch einige kuriose Bewohner, nämlich den Nazidichter Johannes König, den einzigen von Rang, der nicht emigriert ist und jetzt Jubelgedichte schreibt und sich um den Verstand trinkt und der spielt mit einem englischen Dichter Schach, der herzkrank ist, von den Nazis gefangengehalten und gezwungen wird, Jubelberichte für die Engländer im Rundfunk zu lesen, obwohl eigentlich niemand mehr an den Endsieg glaubt oder doch, die Schauspielerin Lisa Dorn, ein ehemaliges Wiener Arbeitermädel, das einmal dem Führer Blumen überreichen durfte und sich dadurch in die Herzen der Bonzen und der Frontsoldaten einspielte, glaubt das noch und ist blond und blauäugig, die Geliebte eines altes General, der selbst schon nicht mehr  an den Sieg glaubt, sondern mit anderen Generälen einen Putsch versuchte, der aber gescheitert ist.

Die Telegrammbotin, die in die Idylle kommt, ein verwundeter Fliegerleutnant,  der drei Tage Urlaub hat und sich nach den Mädels sehnt, ist auch noch eingetroffen, hat triumphierend verkündet, daß man Martin Richter, der hingerichtet werden sollte, den Nazis aber davon lief, noch immer nicht gefunden hat. Der soll sich, wie man munkelt in dem Hotel verstecken, so wird nach ihm gesucht und dann passiert, was man heute wahrscheinlich so nicht mehr schreiben kann, daß die blonde blauäugige Schauspielerin vom Theater zurück kommt, der General will zwar zu ihr aufs Zimmer, kann aber nicht, weil gerade für die Bonzen ein Bankett stattfindet, so zieht sie sich, um ihre Rollen zu studieren und einen ruhigen Abend zu haben, in dieses hzurück.

Geht ins Bad, läßt sich das Abendessen servieren, das von einem anderen Kellner, als den erwartetetn Gaston gebracht wird. Ihr Zimmer wird durchsucht und als sich die Gestapo wieder entfernt, ist der Kellner in Ohnmacht gefallen und sie verliebt sich in den geflüchteten Martin Richter und beginnt ihn zu verstecken, beziehungsweise aus dem Hotel zu schmuggeln.

Denn Vicki Baum, die Unterhaltungsschriftstellerin, versteht ihr Handwerk und und weiß äußerst spannend zu erzählen. So passiert in den vierundzwanzig Stunden in denen die Handlung passiert sehr sehr viel.

So wird der General, dessen Putsch ja gescheitert ist, zum Selbstmord gezwungen. Er will mit Lsa nach Stockholm fliehen, so kommt er in ihr Zimmer und Martin muß sich im Bad oder hintern Vorhang verstecken. Sie weigert sich standhaft mitzukommen und redet sich auf ihre Proben aus.

Ein mutiger Hotelpage, der sich an dem Hinausschmuggeln, denn die Kellner, die das zuerst versuchten, wurden verhaftet, gibt es auch und ein kleines Animiermädchen, das von Nazis zum Ausspionieren der Gäste eingesetzt wird, das Lisa um ihre schönen Kleider beneidet und sich nach ein paar neuen Schuhen sehnt, weil ihre schon sehr zerfetzt sind, die hat, was man nicht gleich merkt, das Herz auf dem rechten Fleck und kommt, glaube ich, nicht zu den Schuhen und Martin taucht am nächsten Tag, während Lisa im Theater ist, bei dem englischen Dichter auf, der ihm rät, sich in einer Uniform aus dem Hotel zu begeben, die wird gefunden und während Lisa mit ihm das richtige Umgehen darin, übt, kommt ein weiterer Nazibonze und durchsucht wieder Lisas Zimmer, der Flieger taucht auf und will in Lisas Bett und einen Todesfall gibt es unglücklicherweise auch.

Der General darf noch mit Lisa Mittagessen und sein Testament aufsetzen, muß sich aber bis halb fünf erschießen, was er auch  gehorsam tut und dann taucht noch eine alte jüdin auf, die ihren Stern in ihrer Handtasche versteckt und als der nächtste Luftangriff kommt, muüssen alle in den Luftschutzkeller und das Hotel wird, wie schon der Name einer anderen Auflage sagt, ziemlich zerstört. Lisa kann aber mit den Pagen entkommen und zu Martin, der heil und muter bei dessen Vater untergebracht ist, fahren:

„Ich komme, Martin. Warte auf mich“, sagte Lisa Dorn.“, lautet der letzte Satz, des zwei Jahre vor Kriegsende geschriebe Buchs, das daher ein wenig unlogisch endet, weil der der Krieg ja trotz des wieder hinuntergefallenen Hitlerbildes, das zwar diesmal von dem Hotelprotier, der zu seiner Einberufung  ging, nicht mehr aufgehoben wurde: „Soll ein anderer dich aufheben, mir ist das schnuppe“, weiterging und Lisa und Martin wahrscheinlich noch mit Verfolgung rechnen mußten.

Es ist aber trotzdem ein sehr interessantes Buch und auch wenn man heute anders darüber schreiben würde, ist es sehr zu empfehlen und ich habe das Lesen sehr genossen. Wenn man auch über das beschriebene Frauenbild heute ein wenig den Kopf schütteln würde, ist das, wie Vicki Baum, die schönen blauäugigen naiven Mädel und ihre Karrieren beschreibt, warhscheinlich gar nicht so schlecht beobachtet.

 

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