Literaturgefluester

2019-02-09

Gewisse Momente

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt eine Art Bekenntnisbuch, die Lebenserinnerungen, beziehungsweise die an gewisse Personen und Begegnungen des 1925 geborenen sizilinischen Krimiautors Andrea Camilleri, von dem ich einige Bücher gelesen, einige in meinen Regalen stehen habe und der, glaube ich, auch ein Lieblingsautor meiner Schwiegermutter war.

Ich hatte mit seinen Krimis gewisse Schwierigkeiten, habe sie als eher altmodisch oder langatmig empfunden, kann mich aber erinnern, daß ich bei „Rund um die Burg“ einmal bei „Buchkultur“ eines seiner Bücher gewonnen und das erste Kapitel, das von einem Sandler der einmal Arzt war, handelte, gelesen habe und dann, als ich daraufgekommen bin, daß das Buch kein Roman, sondern ein Erzählband ist, dieses enttäuscht abgebrochen habe, was ich auch einmal bei einem Buch der Pearl S. Buck machte, obwohl ich ja sonst eine Fertigleserin bin.

Andrea Camilleri also, der alte Mann, das Buch wurde, glaube ich, 2015 auf Italienisch geschrieben und ist jetzt auf Deutsch herausgekommen, der in seiner Jugend den Faschismus erlebte , sich von diesem abwandte und durch Bücher, wie einew von Andre Malraux zum Kommunisten wurde, schreibt in seinem Erinnerungsbuch von den Begegnungen, die er mit sowohl berühmten als auch gewöhnlichen Menschen hatte und beginnt  mit einem lesenden jungen Mann, den er 1942, da war er, glaube ich, noch Schüler und wurde sowohl von jungen Lehrerinnen als auch alten Lehrern unterrichtet, in einem Cafehaus hatte, der ihn sehr beeindruckte, weil, er es verstanden hatte, zehn Tage nachdem er in den Militärdienst einberufen wurde, von dort wieder entlassen zu werden.

Dann kommt einge Geschichte die viel später spielt, nämlich als er katholisch heiraten wollte, aber keine Firmung hatte, da mußte er, um diese zu bekommen, vorher beichten. Das hat er aber vor zwanzig Jahren das letzte Mal getan. Der alte Bischof, der sie ihm aber abnehmen wollte, verwickelte ihn in ein dreistündiges Gespräch und das war es dann.

Es kommt dann eine Geschichte, in der er im Krieg eine Zeitschrift gründen wollte, aber verhaftet wurde, weil in seiner Reaktion Waffen versteckt waren. Er hat aber auch Pier Paulo Pasolini mit dem er sich nicht so besonders verstanden hat und Antonio Tabucci kennengelernt, den letzteren allerdings nie persönlich, sondern nur telefonisch oder durch Postkarten, der von ihm bekommen hat.

Andrea Camilleri hat in Rom an der Theaterakademie studiert und, was ich nicht wußte als Regisseur gearbeitet, da folgen einige Begegnungen mit merkwürdige Künstlernpersönlichkeiten.

So hat er in Genua für den Autor  Roberto Morsucci ein Stück inszeniert, das diesen nicht zu gefallen schien, nach der Premiere hat er dann erfahren, daß er sich umgebracht hat.

Das selben Schicksal hatte der  absurde Autor Arthur Aadamo, während er in Silvano Falleni einen genialen Bühnenbildner hatte, der seine Bühnenbilder nie zu Ende brachte und am Ende in einer psychiatrischen Klinik starb und einen seltsamen Kommilitonen hatter er in Rom auch, den er, während er ihm die Regiekunst beibtachte, beim Fliegenessen beobachtete.

Es gibt Begegnungen mit Schriftstellern wie Stefano D`Arrigo, Emilo Gadda, Elio Vittorino oder Primo Levi mit denen er spazierenging oder sich durch ein Theater führen ließ. Eine junge Ilatienischlehrerin, die seine ersten Gedichte las, hat ihm die Liebe zu den zeitgenössischen Lyrikern beigebracht.

Es gibt auch ein Kapitel, das seine Liebe zu Büchern und seine Lesebiografie beschreibt, von seinem ihm sehr beeindruckenden Italienischchlehrer der auf seine Art und Weise dem Faschismus widerstand wird berichtet und einer Begegnung mit einem kommunistischen Ingenieuer mit dem er und seine Freunde in im Mai 1942 im Schwimmbad über Literatur diskutierte.

Der Abschied von einem jüdischen Schüler, dessen unbekanntes Schicksal ihn in seine Träume verfolgte und den er später im Theater widertraf und eine sehr eindrucksvolle Begegnung mit einer Prostituierten, die sich nach dem Tod ihrer zwei Kinder, das Leben nahm, um frei zu sein, werden auch beschrieben.

Eine sehr eindrucksvolle Art in das Leben oder in die Erinnerungsmomente eines großen Autors den ich eigentlich nur  durch seine Krimis, die manchmal historisch waren, im Gedächtnis hatte.

„Ein Buch zum Staunen, Lachen, Weinen  – und ein wertvolles Stück Zeitgeschichte“, steht am Buchrücken und man erfährt, füge ich hinzu, auch wenn es dem nicht in der italienischen Literatur Geübten ein wenig schwer fallen mag, alles zu verstehen, einiges über das intellektuelle italienische Leben ab 1942 und Sizilien beziehungsweise Rom und eigentlich nur wenig über seine Krimis, die meine Schwiegermutter, glaube ich, in ihrer Gesamtausgabe früher in der Küche liegen hatte und das finde ich auch sehr interessant.

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2019-02-08

Siebenundachtzigster Slam B

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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Ich habe es ja schon einmal geschrieben, am Freitag ist es immer eher knapp mit den Literaturprogrammen, ich bin ja öfter am Freitag in Harland, aber wenn ich so, wie dieses Wochenende in Wien bin, bleibt oft nichts anderes über, als ins Literaturhaus zum Slam B zu gehen und da habe ich auch geschrieben, daß ich da Annäherungsschwierigkeiten hatte, hinzugehen, weil ich dachte, ich bin nicht die richtige Zielgruppe mich unter die Zwanzigjährigen zu setzen und dann habe ich einmal auch fast keinen Platz bekommen, jetzt geh ich immer so hin, daß ich vor sieben vor der Tür stehe, seither klappt es mit den Plätzen und Christian Schreibmüller ist noch älter als ich und slamt eifrig mit, das tue ich nicht, weil ich fürchte, nicht den richtigen Sound darauf zu haben, obwohl ich mich früher vor zwanzig Jahren ja vergeblich im Cafe Stein bewarb und aus dem Schikadnederkino, wo ein solcher stattfand, nicht hineingetraut habe

Hier kann sich jeder anmelden, gibt es mehr als zwölf Bewerbungen wird gelost, diesmal waren es nur acht Kanditaten, so daß Diana Köhle extra fragte, ob noch jemand mittun wollte und ich hätte wahrscheinlich auch aus meinem Buch lesen können, einer der Bewerber hats getan, aber da hätte ich bestimmt nicht gewonnen und die Slam Bs haben zum Teil schon ihre Stammleser und natürlich zu Beginn das Opferlamm, diesmal nicht, weil offenbar haben sich nicht acht, sonder nur sieben Leute angemeldet, so war Theresa Wagner, die das letzte Mal gewonnen hat, eine Fixkanditatin und da kann ich gleich verraten, sie hatte einen tollen Text, einen Rap über die Geschichte von dem Hans, dem Psychologenkollegen, der in dem Haus wohnt und einmal vom Lärm angelockt, hinuntergekommen ist und gewonnen hat, die Diana Köhle immer erzählt, hat aber, was ich sehr schade fand, nicht gewonnen.

Sie war aber erst später daran, zuerst kam ein englischer Text, dann ein sehr schöner Text von der Französin, die auch das letzte Mal mitgemacht hat, über eine Klowerbung, beziehungsweise einen Markenschnösel.

Dann folgte eine Lea, die glaube ich, wie der Josef, der erste Slamer, das erste Mal mitmachte mit einem „Lobgesang an die Erde“ und dann wurde abgestimmt oder preisgejubelt, die Französin von der ich mir den Namen nicht ganz gemerkt habe, hat gewonnen und den Bernie, der mit einer „Weihnachtsgeschichte“ die zweite Vorrunde gewann, habe ich auch schon öfter gehört.

Die dritte Vorrunde hatte wieder drei Kanditaten, die schon erwähnte Theresa Wagner mit  dem tollen Poetry Slam Test, wo alle mitschreien mußte:

„Draußen liegt Schnee, ganz egal, ich geh zum Slam B“, etcetera.

Ein Mann mit dem Namen „Waldgigantenfee“ oder so ähnlich, brachte einen sehr politschen Text, den er, wie er meinte, im Büro geschrieben hat und dann kam ein Chris Sokop, der wie schon erwähnt, seinen Text von einem grauen Wien, aus seinem Buch gelesen hat, die „Waldgigantenfee“ hat gewonnen und in der Preisrunde, wo er wieder sehr politisch war, den dritten Platz gemacht.

Das Matsch zwischen der Französin und dem Bernie war nicht so leicht zu entscheiden, der Bernie brachte in seine leicht umgangssprachlichen Art, ich glaube, er kommt aus Oberösterreich, einen Rundgang durch den Sex der Tiere mit dem Titel „Warum ich lieber ein Mensch als ein Tier bin“ und die Französin räumte mit lauter „A“s im Text, das Zimmer ihres Sohnes aus, das „Goethe nie betreten“ hat.

Sie hat  gewonnen, es gab die üblichen Preise, Küßen, Umarmungen und Fotos und ich überlege wieder, ob ich vielleicht doch, wenn mir das jetzt schon so viele Leute sagen, einmal antreten soll, werde aber sicher nicht gewinnen, weil ich wahrscheinlich nicht so ausdrucksstark vortragen kann.

Die Athomsphäre ist aber immer sehr liebevoll und schön und Diana Köhle die, wenn jemand seine fünf Miinuten überzogen hat, wie immer mit Seifenblasen oder sogar einer Fliegenklatsche kam, wies, wie ebenfalls immer wieder auf ihre Tagebuchslams hin, die demnächst an anderen Orten stattfinden werden.

2019-02-07

November 1918

Mit dem November 1918, wo die österreichische Republik gegründet wurde, habe ich mich ja im Vorjahr intensiv beschäftigt, bin in die Parlamentsbibliothek gegangen und habe mir da zwei historische Krimis angehört und in die Arena Bar zum „3. November 1918“ dem Theaterstück von Franz Theodor Csokor und im „Doml“ haben wir uns in diesem Semester ja auch mit dem November 1918 allerdings von Alexander Döblin und Alexej Tolstoi geschrieben, beschäftigt, während es in dem von Alexander Weiss herausgegebenen „Tarantl-Band“ um den „November in der österreichischen Literatur“ geht und die ist ja sehr interessant und mir Gerald Grassl das Buch auch freundlicherweise schickte, kann ich mich durch die Gedichte, Prosatexte und Fotografien wühlen und oh Überraschung eines vom Alfred aus dem „Literaturgeflüster“ ist dabei und im Vorwort steht, daß das Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern „bloß ein Lesebuch, das die LeserInnen zur eigenen Lektüre“ veranlaßen soll“, sein will.

Dazu werde ich 2019 ob meiner elendlangen Leseliste, wo ich schon früh sein werde, wenn es  mir gelingen sollte, Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“, das der Alfred in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, zu lesen, nicht kommen. Also mich durch das Buch gelesen und in die Literatur, um den November 1918 wenigstens ein bißchen hineingetaucht.

Es beginnt mit einem Foto und einem Zitat von Karl Kraus „Österreich ist das einzige Land, das durch Erfahrung dümmer wird“ und „Die letzten Tage der Menschheit“ dienen wohl auch als Vorbereitungsliteratur, um auf den November 1918 hinzuweisen und einem Gedicht von Heinz R. Unger, der 2018 gestorben ist.

Dann kommt das Vorwort und ein Gang durch die Geschichte des Herausgebers, von dem ich leider, wie auch bei den anderen Autoren keine biografischen Angaben finden konnte, was mein Kritikpunkt an die sicher sehr lobenswerte Zusammenstellung ist, denn Google weiß auch nicht alles und einiges kann ich aus dem Geflüster zitieren, vieles aber nicht.

Der 1984 verstorbene Literaturhisotriker und Germanist Friedrich Achberger hat eine Zusammenfassung der Literatur und Politik „Zwischen 1918 und 1948“ gegeben.

Von dem schon erwähnten Franz Theodor Csokor ist das Vorwort aus seinem Theaterstück abgedruckt und dann führt uns ein Artikel aus der Wiener Zeitung in die österreichischen Militärakademien und deren Erwähnung von zwei berühmten halb oder ganz österreichischen Dichtern nämlich Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und Robert Musil „Zögling Törless“ ein, wo wir wie auch im nächsten Artikel, wo es um „Das Leben und Sterben des Gavrilo Princip geht, immer noch in der Republikvorbereitung nämlich den ersten Weltkrieg und seine Ingangsetzung geht.

Es gibt dann noch zwei Textauszüge zum Fall Princip, einer ist aus einer unveröffentlichten Erzählung von Lev Detela, der die Zeitschrift „Log“ herausgab, zu der ich früher auch immer meine Texte hinschickte, der Zweite aus dem Roman „Die Schüße von Sarajewo“ des 2005 verstorbenen Milo Dor.

Biografien sind, wie schon erwähnt, leider keine vorhanden, dafür aber öfter ein Bild der Autoren mit den Lebensdaten.

Alfred Polgar hat eine Satire zu den Musterungspraxen, wo auch die Skelette für tauglich erklärt wurden geschrieben, dann gibt es  das wahrscheinlich soäter entstandene berühmte Gedicht „Legende vom toten Soldaten“ von Bertold Brecht und im „Braven Soldaten Schwejk“ gibt es ja auch ein Kapitel über die Musterungen. Der wird in dem Buch nur mit einem Bild erwähnt, wie er brav in Polen auf einer Bank sitzt. Einen Text von Jaroslav Hasek, nicht viel weniger satirisch „Die Schicksale des Herrn Hurt“ gibt es in dem Buch aber auch und dann theoretische Texte, wie beispielsweise über den „Prozess des Dr. Friedlich Adler“, der ja am 21. Oktober 1916 im Wiener Hotel „Meissl & Schan“ den Ministerpräsidenten Stürgkg erschossen hat, von John Zimmermann und Artikel  des 2018 verstorbenen Hans Hautmann, einem, wie ich „Wikipedia“ entnehme“ österreichischen Zeithistoriker, der sehr interessant über die Streiks, die es im ersten Weltkrieg gegeben hat, sowie über die Auswirkungen der „Oktoberrevolution auf Österreich“ berichtet hat. Da gibt es, noch interessanter, ein Plakat zu sehen, auf dem „Denkt an die Arbeitslosen kämpft für den 8 Stundentag“ steht. Den würde ich sagen, wünscht man sich heute wahrscheinlich zurück und Kriegsgesdichte von Ernst Waldinger, der 1896 in Neulerchenfeld geboren wurde und 1970 in New York gestorben ist, weshalb ihm auch bei  einem Ostersapziergang des ersten Wiener Lesetheaters gedacht wurde, gibt es auch.

Es folgen ein paar Texte zum Matrosenaufstand von Cattaro der im Februar 1918 stattgefunden hat,  Hugo Huppert, Bruno Frei, Eva Priester und Franz Xaver Fleischhacker haben darüber geschrieben und wieder  von Hans Hautmann, dein Artikel von  Hans Hautmann, der sich mit den „Staatsverbrechen“, also, wie man mit den Deserteuren, Spionen, etcetera umgegangen ist.

Texte von Franz Kain, Hugo von Hoffmannsthal etcetera folgen und dann gibt es wieder einen Auszug aus einem Pittler Krimi und zwar nicht aus „Chuzpe“ aus dem er ja in der Paralmentsbibliothek gelesen hat, sondern aus dem 2017 erschienenen „Wiener Kreuzweg“ wo es um den Arbeiterrat, der die Ottakringer Brauerei besetzte und den dortigen Besitzer Baron Glickstein umbringen wollten, geht.

Dann gibts einen ausführlichen Karl Kraus Teil, mit Auszügen aus den „Letzten Tagen“ und einen Artikel über die „Schuldfrage“, der Lyriker Theodor Kramer hat in den Dreißigerjahren einige Gedichte über den den Krieg und die „Heimgekehrten“ geschrieben und wir kommen allmählich in den November und können die Monarchie hinter uns lassen, denn der Kaiser dankt ab und verläßt Schönbrunn, während der rasende Reporter Egon Erwin Kisch die „Rote Garde“ gründet und mit der die „Neue freie Presse“ stürmen will, wo sein Bruder offenbar Redakteur war, der ihn dann mit dem Hinweis, das der Mama zu sagen, mit seiner Truppe vertrieb.

Ob das wirklich so stimmte, kann vielleicht bezweifelt werden, Friedrich Torberg, hat es aber in seiner „Tante Jolesch“ so beschrieben und dem Volk ging es schlecht in den Novembertagen. Es gab viel Elend und Hunger, aber auch Aufbruchmomente, so kam Theodor Körner, der spätere Bundespräsident zurck, die Republik hat sich gegründet und Joseph Roth, Franz Werfel, Robert Musil, Elias Canetti, Stefan Zweig, und auch andere, haben darüber geschrieben.

Joseph Roths Reportagen über das damalige Wien, der sich manchmal auch Josephus nannte, sind ganz besonders interessant und eindrucksvoll, die über die „Wiener Schaffnerinnen“, die nachdem die Männer zurückgekehrt waren, ihre Dienstkappeln und Taschen wieder abgeeben und zurück zu Kinder, Küche und Herd gehen mußten.

Eine Chronik der KPÖ, die sich ja auch im November 1918 gegründet hat, gibt es in dem Buch,  aber auch modernere Texte, beispielsweise ein Auszug aus den „Lebenslinien“ von Käthe Kratz, die ich ja im Kreis der Ruth öfter treffe.

Es gibt einen Artikel und Plakate über das Frauenwahlrecht, das ja auch im November 1918 eingeführt wurden und einen aktuellen von  Martina Madner, die in der „wiener Zeitung im Dezember 2917 schrieb „Warum Frauen 2018 nicht nur feiern“ werden und ganz zum Schluß kommen wir zu dem 1913 verstorbenen Rolf Schwendter, der 2012 auf dem Volksstimmefest zum Thema „Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten jahrhunderts“ eines seiner berühmten Langgedichte geschrieben hat, in dem es auch um 1918 geht.

Da ist dann das abgebildete Bild aus dem „Literaturgeflüster“ beziehungsweise aus der „Anthologie“, wo der Alfred auch immer Fotos beisteuert und  habe mich durch ein sehr interessantes Buch geblättert, das ich allen zeithistorisch Interessierten nur empfehlen kann und ihm einen hohen Verbreitungsgrad wünsche.

2019-02-06

Probespaziergang statt Workshopplausch

Das Revolutionsworkshop im „Doml“ mit Stephan Teichgräber ist ja jetzt beendet oder wird beziehungsweise im nächsten Semester ab März weitergehen und das letzte Mal bin ich zu keinen Mittwochsplausch gekommen, weil ich schon vorher über den Tod von Hilde Langthaler, die ich im Arbeitskreis schreibender Frauen in den spätern Siebzigerjahren kennenlernte und, die am Montag ihr Begräbnis am Heiligenstädter Friedhof hat, berichtet habe, dabei hätte ich doch etwas über mein neues geplantes Buchprofjekt plauschen können, das ich, wenn die „Magdalena Kirchberg“ an der ich derzeit eifrig korrigiere, fertig ist,  angehen könnte.

Stimmt, da habe ich schon Anfang Jänner geschrieben, daß ich als nächstes an ein weiteres „Literaturgeflüsterbuch“ mit Texten über mein Schreiben denke, aber da war schon vorher die Idee da, als Nächstes oder, als Übernächstes in diesem Fall, etwas mit der Romanfahrplanmethode der Jurenka Jurk versuchen, die ja damit eine ausführliche Romanausbildung gestartet hat.

Da gab es zwischen Weihnachten und Neujahr einige Probeseminare und eines über die „Heldenreise“ gab es vorher auch und da ich ja den Verdacht habe, daß ich manchmal mit einer Idee, die ich habe, zu schnell voran schreibe und dann an der Oberfläche haften bleibe und wieder nicht den Durchbruch schaffe, obwohl ich den in meinen „stillen Eckchen“ jawohl das schreibe ich jetzt, obwohl mich damit sonst der Uli immer ein bißchen verarschen will, höchstwahrscheinlich trotzdem nicht finde und ich bin eigentlich kein großer Planer und auch kein Schneeflockenmethoden-Schreiber, sondern gehe mit der Idee meist recht schnell voran, so daß es nicht schaden kann, wirklich einmal zu versuchen, das ein bißchen genauer zu konstruieren und schauen, ob das Ergebnis dann schöner und besser ist oder ob es, was ja auch sein kann, keinen Unterschied macht?

Ich habe mir also schon vor ein paar Wochen aufgeschrieben, daß das übernächste Projekt von einer Schauspielschülerin, die bei ihrer Großmutter wohnt und der am Telefon erzählt, daß sie die Aufnahmsprüfung geschafft hat, eine solche Szene habe ich einmal in einer Straßenbahn beobachtet, handeln könnte, die heißt Fräulein No, Nomelia statt Amelia, weil sich der Standesbeamte damals vertippte und jobbt prekär in einem Nachtcafe, dort findet sich  ein Ulrich Blumenberg ein, das ist ein vom Sozialamt lebender Arzt mit Psychoseerfahrung, weil er dadurch seine Job verloren hat und jetzt vielleicht nicht mehr in einer solchen Situation  so leicht in Pension gehen kann, wie das früher war und eine alte ebenfalls vielleicht psychotisch wirkende Obdachlose mit literarischen Interessen gibt es auch.

Das ist, was ich bis jetzt habe. Drei Personen und Stoff vielleicht für zwei szenen, so daß ich damit planen und entwickeln kann. Nur wann ist die Frage? Denn mit dem Korrigieren der Magdalena werde ich wahrscheinlich in ein paar Monaten fertig, wenn ich mich dann an das „Literaturgeflüster-Buch“ mache, bin ich im November, wenn der „Nano“ beginnt, wahrscheinlich noch nicht fertig und dort soll man ja eigentlich plotlos schreiben und da habe ich wahrscheinlich auch nicht die Zeit, mich vorher an das Planen zu machen, weil der November bei mir ja meistens durch die „Buch Wien“ und mein Geburtstagsfest sehr hektisch ist und wird das wohl auch so sein, wenn wir heuer statt auf die „Buch-Wien“ zu gehen, auf die „Buch Basel“ fahren.

Das sind aber so meine Pläne und zwei Lesetermine habe ich inzwischen für die „Unsichtbare Frau“ auch ausgemacht, am 14. 5. wie beschrieben im Republikanischen – Club, bitte hinkommen, damit ich dort nicht allein lese und am 16. Juli im Cafe Westend beim Westbahnhof in der neuen Lesereihe die Luis Stabauer und Erika Kronbitter dort installierten und da war es, wie ich flüstern möchte, anfangs ein bißchen schwierig ohne Verlagsbuch einen Termin zu bekommen, denn wie heißt es so schön auch in Kollegenkreisen immer noch ein bißüchen „Eigenverlag, nein, das wollen wir nicht!“

Aber da habe ich vorhin in Ö1 eine Sendung über eine Plattform gehört, wo man seine selbsterlebte Geschichten einstellen und sich dann ein Buch daraus machen lassen kann, was zeigt, daß sich die Zeiten langsam vielleich doch ein bißchen ändern und weil ja immer mehr Leute schreiben und da vielleicht auch weniger lesen, ich vielleicht doch eine Selbfpublischer Pionierin mit meinen schon über vierzig selbstgemachten Büchern bin, auch wenn ich sie nicht bei „Amazon“ hochstelle und heute gab es zwar kein Privatisimum mit Stephan Teichgräber, ich habe mich aber schon, um neun mit der Ruth und dem Robert vor dem Cafe Museum getroffen, denn am 30. April, da ist zwar noch ein bißchen Zeit bis dahin, soll unser zweiter Spaziergang im Rahmen von Ruths „Kunst im öffentlichen Raum Projekt“, mit der dich ja vor zwei Jahren fünfzehn öffentliche Kunstprojekte beschrieben habe, stattfinden, in dem es um die U-Bahn Kunst gehen soll.

Ruth und ich werden unsere Texte lesen, der Robert soll vorher ein bißchen kunsthistorisch in die Kunstwerke einführen, so sind wir den Spaziergang heute abgegangen und haben die vier Stationen abgesucht, so daß sich der Robert sein Bild von ihnen machen und sich kunstgeschichtlich auf die Projekte vorbereiten kann.

Und da wird es ja in der U-Bahn Station Karlsplatz beginnen, denn da gibt es ja die „Röhren“ von Peter Kogler, die vielleicht aufzeigen wollen, wie es hinter so einer U-Bahn Station aussehen kann.

Dann sind wir mit der U 2 zur Station Krieau hinausgefahren, dort wo immer die „Buch-Wien“ stattfindet und sich auch die neue WU-Befindet, wo der Alfred arbeitet, da gibt es gleich zwei Projekte, dicht nebeneinander, nämlich „Totem modern“ vom französischen Künstler Honet und dann die „3 Brothers“ von Speto.

Wir haben uns noch ein anderes Kunstwerk angesehen, das sich auf der anderen Straßenseite befand, von uns aber nicht beschrieben wurde und sind dann mit der U-Bahn weiter bis zur Station Aspern-Nord gefahren, wo es die „Aspern Affairs“ von Stephan Huber, nämlich zwei große Wandprojektionen mit dem Plan von Wien um 1809 beziehungsweise 1912, gibt.

Das ist das Programm, was auch am 30. April ablaufen wird. Interessiert geworden? Dann den Termin vormerken und hinkommen. Ich freue mich, wenn wir großen Zulauf haben und das wird wahrscheinlich der letzte Spaziergang sein, weil die Ruth nicht mehr, wie eigentlich geplant im nächsten Jahr noch einen dritten einreichen möchte.

 

2019-02-05

Barbara Zeman mit Gespräch und Musik

Heute hätte ich die Auswahl zwischen „Alte Schmiede“ und Literaturhaus gehabt. In der „Alten Schmiede“ ging es um die Krankheit und das Sterben, also um Daniel Wisser und Reinhard Wegerth und letzterer, der schon im sommer bei den „Podium-Lesungen“ aus seinem Buch um den Tod seiner Frau gelesen hat, hat mich auch extra zu der Lesung eingeladen. Da ich aber immer meinen Horizont erweitern und meinen Lesern die literarische Abwechslung bieten will, habe ich mir das Literaturhausprogramm durchgesehen und da hat die schlampige Leghasthenerseele in mir Dorothea Zeemann gelesen. Dorothea Zemann, die letzte Lebensgefährtin des Heimito, fein, dann habe ich noch einmal in Programm nach geschaut und habe gesehen, die Dorothea ist eine Barbara und war ein bißchen enttäuscht, Barbara wie oder wer?

Vielleicht sollte ich mich doch in die „AS“ begeben, dann habe ich aber nachgegooglet und bin daraufgekommen, daß ich die 1981 in Eisenstadt geborene Autorin, die 2010 in „Wartholz“ gewonnen hat, schon einmal in der „Alten Schmiede“ bei den berühmten „Textvorstellungen“ der Angelika Reitzer hörte und als ich das Literaturhaus um dreiviertel sieben mit einer Büchertasche erreichte, war es schon sehr voll. Es waren im Vorraum Sessel aufgestellt und vor dem Eingang thronte eine weißgekleidetete große blonde Frau mit einer Bierflasche, um die Gäste zu begrüßen und ich hatte die Autorin gar nicht so groß in Erinnerung.

Barbara Zwiefelhofer betonte in ihrer Einleitung, daß sie einmal in derJuury für den „Burgendländischen Literaturpreis“ gewesen und von dem Text der jungen Autorin begeistert gewesen sei. Jetzt ist bei „Hoffmann und Campe“ ihr Debut „Immerjahn“ erschienen.

Das Literaturhaus war bummvoll, neben mir ist Ljuba Arnautovic gesessen und „Hoffmann und Campe“ hat auch seine zwei Lektorinnen geschickt oder vielleicht auch nur eine, denn Barbara Zeman hat Angelika Klammer, die wenn ich mich irre, früher bei „Residenz“ gewesen ist, als ihre „Privatlektorin“ bezeichnet und eine Musikbeilage, nämlich zwei junge Männer, die sich „Sweet sweet moon“ nennen, gab es auch.

Das Literaturhaus bürgt immer für Überraschungen und ich kann die Größe der Veranstaltungen nie einschätzen, es war aber auch der Josef und Christl Greller da und Barbara Zwiefelhofer erwähnte in ihrer Einleitung etwas von Kapitalismus- und Kuunstkritik in dem es in dem Buch gehen würde.

Die autorin erwähnte, sie wäre aufgeregt und hätte das Lesen nicht genug geprobt, hat aber auch ein bißchen kokett gewirkt und so ist wahrscheinlich das ganze Buch, das mich ein wenig an Irene Diwiak<liebwies“ erinnert hat.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Ö1-Moderatorin Christine Scheuchert und es geht darin um einen sehr reichen Mann, der in Eisenstadt auf einem Hetscherl genannten Berg lebt, eine riesige Privatsammlung an Gemälden hat, die er zu einem Museum machen will.

Um „schwitzende Brüste“, wo ich mir gedacht habe, „Uj, uj, ein bißcherl schwülstig!“, ging es auch. Das Publikum aber lachte. die Coverversionen, die in dem  Buch auch vorkommen, wurden gespielt und gesungen und daziwschen Schnaps getrunken.

Dann gabs noch ein Gespräch mit den beiden Lektorinnen, die die tolle Sprache und die Zeitunanbhängigkeit des Buches lobten und nachher ein von der Familie gestiftetes Buffet mit ausstrichbroten, wo ich während ich mich mit dem josef unterhalten habe, sowohl Fritz Ostermayer, als auch Zitha Beyreuther ind Gabriele Matelka gesehen habe und ich habe mir wieder gedacht „Uj uj, man erlebt im Literaturbetrieb immer seine <überraschungen, so gut man sich auch auszukennen glaubt.

Ein Stammbesucher wagte die Lektorin nach der Auflagenhöhe zu fragen.

„Das ist ein Geheimnis!“, sagte sie etwas herablassend. Die bücher wurden aber gut verkauft. Die Autogrammschlange lang und ich kann jetzt spekulieren, ob ich die Autorin bei den O-Tönen hören und ihr Buch vielleicht bei den Bloggerdebuts zu beurteilen habe.

2019-02-04

Literaturliteratur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:06
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JÜRGEN BERLAKOVICH

JÜRGEN BERLAKOVICH

Ein Abend über das Schreiben im Schreiben bei den „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“ ein Thema mit dem ich mich in meinen Schreiben auch schon lang und sehr vielfältig beschäftigt habe und so war es sehr interessant zu sehen, daß die anderen ihren Suppen auch mit dem gleichen Wasser kochen und sich die Ideen wiederholen können, obwohl Friedrich Hahn, der ebenfalls schreibende Moderator von dem ich die Idee übernommen habe, zu meinem sechzigsten Geburtstag sechzig Minuten aus meinen damals dreißig Büchern zu lesen, das wohl bewußt so ausgewählt hat und die Schreibstile der drei präsentierten Autoren auch sehr unterschiedlich waren, der des 1970 geborenen Jürgen Berlakovich, der auch Musiker ist, ist sehr experimentell, so ist sein Buch „Tobmann“ auch bei „Klever“ erschienen und der Held der Geschichte, ein Herr Tobmann spaziert einen Tag mit einer Smartwatsch, die er von seinem Therapeuten bekommen hat, in der Stadt herum und die schreibt seine Gedankenströme auf, formiert seine Träumen und seine Gedanken zum Roman und das war wohl der Bezug zu der Literatur im Text, die sonst eher experimentell musikalisch abgehandelt wurde, während der 1980 geborene Florian Gantner, der bei der letzten „Floriana“ gewonnen hat und Komparatistik studierte, seinen  Helden im „O.M“ sein Opus Magnum schreiben läßt, in dem er sich in den Kopf verschiedener großer Literaten, wie Marcel Proust, Jean Jaqcues Rousseau und Franz Kafka, um nur die bei der Lesung erwähnten, begibt und die in Bremen gebornene Corinna Antelmann, mit der ich mich schon durch eine Psychose und in die Spuren der Vergangenheit gegeben hat, läßt in „Drei Tage drei Nächte“ ihre Schriftstellerin am Ende stehen, der Freund und der Mann hat sie verlassen, der Verleger will kein Buch mehr von ihr und so begibt sie sich in ihren Kopf und denkt über ihr Leben nach, das ist wahrscheinlich, das Gemeinsame an den drei Texte, denn die Literatur oder das Schreiben über das Schreiben kommt ja eher bei Florian Gantner vor, jedenfalls so, wie ich es in meinen Schreibweisen beschrieben habe, aber bei Corinna Antelmann beginnt es mit „Eine Frau steht am Fenster und schaut hinaus“ und dann steht irgendwo in dem Buch, daß das einer der häufigsten Schreibanfänge sei und dieses Webinar der „Schreibdilettanten“, habe ich, glaube ich, unlängst auch gehört, als ich meine „Magdalena Kirchberg“ wo es auch um das Schreiben im Schreiben geht, als ich noch Szene für Szene korrigiert habe.

FLORIAN GANTNER, FRIEDRICH HAHN

FLORIAN GANTNER, FRIEDRICH HAHN

Jetzt bin ich schon in der laut lese Phase, korrigiere konzentrierter und habe mir von diesem Abend mitgenommen, daß die anderen auch nur mit Wasser kochen oder mit der selben Tinte beziehungsweise Laptop schreiben, die einen tun es experimentell, die anderen realistisch und meine Maria Mattuschek, füge ich hinzu, versucht beides und der Schmiedesaal war wieder gut gefüllt und es waren, glaube ich, die eher experimentell orientierten Autoren, die dazu gekommen sind.

tCORINNA ANTELMANN

CORINNA ANTELMANN

2019-02-03

Alle Guten waren tot

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt wieder ein Debut, im November erschienen, das dann vielleicht für 2019 auf der Blogger Debutpreis-Liste stehen könnte, nämlich der erste Roman des 1987 geborenen und in Griechenland und in Franken aufgewachsenen Gerasimos Bekas, der auch einen deutsch-griechischen Helden für sein Buch gewählt hat.

Aris wurde in Griechenland geboren, von deutschen Eltern Helmut und Gitte adoptiert und jobbt jetzt in einem Krankenhaus oder Seniorenheim als Altenhelfer.

Dort wird er einer alten griechischen Dame, nämlich Frau Xenaki zugeteilt, die ihm mit einem delikaten Auftrag nach Griechenland schickt.

So weit so gut und sehr interessant, erinnert vielleicht ein bißchen an Hilmar Klute, obwohl jener Aris nicht schreibt, dafür hat er einen sehr rotzigen Ton und tut vielleicht auch recht seltsame Sachen und der Einstieg in das Buch war etwas schwierig, denn da liest man zuerst den Klappentext und bekommt dann im ersten Kapitel etwas ganz anderes, nämlich etwas von „Penetelinischen Marmor“ vorgesetzt.

Es gibt auch immer wieder Rückblendungen, die im Jahr 1943  beginnen und bis, glaube ich, 1995 gehen, da sind wir in Griechenland und erfahren, die Geschichte des griechischen Mönchs Stylianos, während Aris  in Würzburg lebt, von seiner Arbeit auf den Pflegestationen, wo die Patienten fixiert und zugedröhnt werden, offensichtlich überfordert ist, so daß er öfter abhaut, um sich ein Bierchen zu vergönnen.

Einmal bestellt er drei zum Preis von fünf, ist davon dann betrunken und schlägt in weiterer Folge einen Polizisten zusammen, so daß er über Frau Xenakis Auftrag nach Griechenland zu fliegen um ihrer Enkelin Aphrodite einen Koffer zu überbringen erleichtert annimmt.

Das führt zu einigen skurrilen Szenen, was auch Gerasimos Bekas Spezialität zu sein scheint.

So geht auf den angegebenen Platz zu dem Kioskbesitzer, der den Schlüßel zu Frau Xenaiks Wohnung hat. Der läßt sich aber verleugnen und von einem jüngernen Taxler herumfahren und es dauert einige Zeit, bis er die Enkelin trifft. Die führt ihn auch ein bißchen an der Nase herum, läßt ihn mit ihren an Läusen leidenden Kind allein und das führt ihn dann ans Meer, obwohl die Mutter nur ein paar Häuser weiter ist, bis sich alles aufklärt und zu einem Happy end führt.

Ein spannendes leichter und locker und etwas bizzar oder skurril dahingeschriebenes Buch würde ich sagen. Ein spannendes Thema und das, was die heutige Jugend mit und ohne Migrationshintergrund in dem Deutschland von heute wohl erlebt und damit zurechtzukommen versucht.

So bin ich wieder gespannt, ob und was ich von dem jungen Autor noch hören oder lesen werde und wünsche ihm alles Gute.

2019-02-02

Das Feld

Jetzt kommt wieder eine Überraschung oder eine Erneuerung der Feststellung, daß man aus Lesungen und Leseproben keinen richtigen Eindruck über das Buch bekommen kann, denn ich habe ja die öst Debutpreisgewinnerin von 2018 bei den O Tönen gehört, gedacht, wieder so eine neue junge literarische Stimme mit schöner Sprache und vom Inhalt ihres Buches nicht viel verstanden, was sich dann änderte, als ich das Buch, das auch nicht gleich nach der Anfrage zu mir gekommen ist, in der Hand gehalten, bei Roberts Seethalers „Feld“, das auch an jenem Abend im Museumsquartier vorgestellt wurde, könnte es mir ähnlich gehen und ich habe ein Seethaler-Vorurteil.

So ähnlich habe ich es, glaube ich, meiner Hauptschulkollegin Christa Unterauer nach der Lesung gesagt und, ich glaube, es ist die Art des 1966 in Wien geborenen und in Berlin als Schauspieler lebenden Autors, von dem ich das erste Mal etwas bei „Rund um die Burg“ neu hörte, als dort sein „Trafikant“ vorgestellt wurde und ich mich darüber wunderte, daß ich noch etwas von Buch und Autor gehört habe.

Er hat dann ein „Wien Stipendum“ bekommen und wurde bei der Literatur im MUSA, ich glaube, gemeinsam mit Clemens Berger vorgestellt und da habe ich mich über die etwas arrogante Art der Autoren geärgert, die beide behaupteten, mit dem Literaturbetrieb nichts am Hut zu haben und, daß der sie nicht interessieren würde.

Da fühlt man sich als eine, die vergeblich dort hinein will und wahrscheinlich deshalb fast jeden Abend zu Literaturveranstaltungen geht, leicht angegriffen und außerdem war damals sein „Ein ganzes Leben“ in aller Munde und mit dem Buch, beziehungsweise mit den Leseproben, die ich daraus hörte, habe ich nichts anfangen können.

Vielleicht sollte ich auch dieses Buch als Ganzes lesen, um zu schauen, ob der Eindruck bleibt, habe von Robert Seethaler in den Schränken bis jetzt aber nur „Jetzt wirds ernst“ gefunden und im Oktober, glaube ich, in St. Pölten die Verfilmung vom „Trafikanten“ mit Bruno Ganz als Sigmund Freud und, daß man dabei auch keinen Eindruck vom Buch bekommen kann, habe ich ebenfalls schon bemerkt.

Das „Feld“ ist, glaube ich, ein Episodenroman, der aus neunundzwanzig längere oder kürzeren Geschichten besteht, die von Toten handelt, die alle auf dem „Feld“, dem Friedhof von Paulstadt liegen und ihre Geschichten erzählen.

Ein paar davon hat Robert Seethaler auf der Lesung im MQ vorgelesen und dabei immer dazu gesagt, daß er gar nicht so viel lesen möchte, was mich schon einmal störte, dann habe ich das Buch, das „Hanser“ mir zuerst nicht schickte, doch noch einmal angefragt und jetzt als letztes von der vorjährligen östBp-Liste, es ist nicht auf die Shortliste gekommen gelesen und ich muß sagen, ich bin wieder überrascht, und Vorurteil abgeändert.

Ich habe mir, wie meistens die „Amazon Rezensionen“ vorher angeschaut, die sehr unterschiedlich waren, einige haben mit dem Buch, das von der Literaturkritik hoch gelobt wurde, nichts angefangen können und geschrieben, sie verstehen den Lärm um das Buch nicht und die Literaturkritiker hätten keine Ahnung.

Ich glaube, ich verstehe es schon und hier sind es die leisen Tönen, die mir beim „Einfachen Leben“ wohl abgegangen sind, die mich berührten.

Es beginnt mit einem alten Mann, der jeden Tag auf den Friedhof kommt, dort auf einer alten Bank sitzt und versucht das Rauschen der Stimmen, die aus den Gräbern kommen und die Geschichten, die sie erzählen können, zu verstehen.

Ein diesbezügliches Vorwort, das auf den Sinn des Buches hinweist, gibt es auch und dann beginnen die kürzeren oder längeren Geschichten, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen.

Es beginnt mit der Lehrerin, eine Geschichte, die Robert Seethaler auch im MQ gelesen hat, die sich an die letzten Worten die ihr Mann an sie gesprochen hat, erinnern will und an die Berührungen ihrer Hände denkt.

Sehr leise Töne also, die von der Liebe handeln und die betreffen auch den Lennie und die Louise. Der Lennie ist ein Taugenichts und ein Spieler, der bei ihr lebte, bis sie ihn hinausgeschmissen hat.

Dann gibt es den Pfarrer, der immer den Sinn im Glauben finden wollte und weil ihm das offenbar nicht gelungen ist, die Kirche abfackelte, es gibt den arabischen Gemüsehändler, der die Asche seiner Eltern verstreute und mit dem Pfarrer öfter um den Glauben stritt und noch vieles mehr, wo die Zusammenhänge eigentlich nur aus den Personen bestehen, die in Paulstadt leben oder gelebt haben.

Der Bürgermeister spricht aus dem Grab heraus und spricht von dem Freizeitzentrum, das er am Stadtrand errichtet hat und den Grund einem Bauern abgeluchst hat, der später in ein Altersheim gezogen ist.

Drei Personen sind dort verschüttet worden, eine ist die Schuhhändlerin Martha, die auch Gedichte und Romane geschrieben und sich mit ihrem Mann nicht sehr gut verstanden hat.

Eine verwirrte alte Frau fährt mit einem Handwagen durch die Straßen und wird in den verschiedenen Episoden erwähnt, einen Autohändler gibt es auch und eine Floristin, die ein paar Tage lang tot in ihrem Lagerraum gelegen ist, bis man ihr Verschwinden merkte.

Es gibt die sehr berührende Geschichte von den zwei alten Frauen in einem Sanatorium, die einander Kochrezepte erzählen, die der Hundertfünfjäjhrigen, der Ältesten am Friedhof, die erzählt, daß man über den Tod nicht sprechen darf so wie er ist und die des Herausgebers des „Paulstädter Boten und Chronisten“ und und…

Neunundzwanzig Lebensgeschichten oder Momentaufnahmen der ehemaligen Paulstädter, die nur manchmal Bezug aufeinandernehmen und die die unterschiedlichsten Sachen über sich und die anderen erzählen. Manchmal über den Sinn des Lebens und die Frage nach dem lieben Gott sinnieren und manchmal auch etwas ganz ganz anderes für erwähnenswert halten.

Bei „Amazon“ stellt einer der Rezensenten die Frage, wann das Buch spielt und führt Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ an, der meint, daß es nach dem Krieg spielen würde, weil der öfter thematisiert wird, was er widerlegt und die Handlung in die Achtzigerjahre vermuten würde.

Ich denke, da die Toten, die aus den Gräbern sprechen, wahrscheinlich zu verschiedenen  Zeiten gestorben sind, die Handlung wahrscheinlich keinen speziellen Zeitpunkt zuzuschreiben  und es ist wahrscheinlich auch die Spezialität Robert Seethalers, die kleinen leisen Töne in einer vielleicht etwas altmodisch anmutenden Sprache zu beschreiben und habe diese Episoden, Roman würde ich sie nicht nennen, obwohl ich habe nachgesehen, das natürlich wieder in dem Buch steht, für sehr beeindruckend gehalten, so daß ich die Einstern-Rezensionen, die es bei „Amazon“ gibt, nicht nachvollziehen kann und auch nicht glaube, daß es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung von Ereignissen handelt, die in dem Buch zu finden sind.

Obwohl Handlung gibt es eigentlich keine, es sind Gedankensplitter und Fragmente übers Leben und  das was einem wohl dort besonders beeindruckt hat und vielleicht ist gerade das das Besondere an dem Buch  und wohl auch Robert Seethalers Spezialität.

2019-02-01

Entgleisung

Ich lese ja gerne über den Tellerrand und so kommt jetzt ein politisches Buch, ein Enthüllungsbuch, ein Buch über Donald Trump, „Eine ehemalige Mitarbeiterin“ packt aus, lautet der Untertitel, am Cover sind der Präsident und seine ehemalige Mitarbeiterin und Kommunikationsdirektorin, die 1974 geborene Omarosa Manigault Newman zu sehen und ich bin eigentlich, wie ich das ja manchmal tue ohne größere Information an das Buch herangegangen.

Ein Buch über Donald Trump, da hat man ja seine Meinung, sein Wissen und seine Vorurteile, obwohl ich mich damit  nur sehr oberflächlich beschäftigt habe und von seiner ehemaligen Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman, ihrer Seite und ihres Standpunktes hatte ich überhaupt keine Ahnung. Also das Buch aufgemacht und mich hineingelesen.

Es beginnt mit dem Ende, nämlich mit Weihnachten 2017, wo Omarosa Manigault Newman von John Kelly entlassen wurde, beziehungsweise in einem Newsroom festgehalten wurde, um ihr ihre  Entlassung mitzuteilen.

Es geht um ein N-Tape, ein Video mit rassistischen Äußerungen Donald Trumps gegen Schwarze, wie ich es verstanden habe und Omarosa Manigault Newmans Beteuerungen, daß sie Jahre gebraucht habe, um Donald Trump als Frauenfeind und Rassisten erkannt zu haben und ihr das jetzt leid tue.

Dann beginnt das Buch mit der Kindheit der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Afroamerikanerin. Sie schildert, wie unangenehm es ihr war, mit den Sozialmarken einkaufen zu gehen und wie sehr sie sich dafür geschämt habe. Das Buch ist ihrer Mutter gewidmet. Sie hat ihren Vater und ihren Bruder durch Gewaltakte verloren und sich dann offenbar sehr ehrgeizig hinauf bis an die Spitze gekämpft, in dem sie einige Schönheitswettbewerbe gewann, studierte und dann an Donald Trumpf Seite in einer Reality Show gearbeitet hat.

Sie spricht von einer starken Veränderung Donald Trump, meint, daß sich der schlanke, wendige Mann inzwischen sehr verändert hat. Sie hat ihm auch in seinem Wahlkampf begleitet und unterstützt. Beispiele werden  angegeben und man bekommt vielleicht eine Ahnung, wie es während des Wahlkampfes und später im weißen Haus zu gegangen ist.

Omarosa Manigault Newmann hat während dieser Arbeit auch Theologie studiert und sich, wie sie schreibt immer für die Rechte der Schwarzen eingesetzt und sie offenbar, die einzige Schwarze in Trumps Wahlkampfteam und seinem Mitarbeiterstab war.

Sie hat zweimal geheiratet, weil sie ihren ersten Mann durch einen Schlaganfall verloren hat und beschreibt Donald Trump als Dauerfernseher und Dauertwitterer, beschreibt ihn auch als den einsamen mächtigen narzistischen Mann, der stark und lautstark gegen Barak Obama und seine Mitbewerberin Hilary Clinton kämpfte.

Sie beschreibt, daß er unsportlich ist, sich schlecht ernährt und ständig Diat Coke trinkt,  das, wie sie meint den kognitiven Abbau fördern jnd zu Schlagananfällen führen kann und beschreibt in den drei Teilen des Buches ihre Wegentwicklung vom Trump Fan zu seiner Kritikerin.

Sie wollte sich offenbar schon länger vor ihm lösen, ganz ist ihr das aber nur durch ihren Rausschmiß gelungen. Danach hat sie dieses Buch beschrieben, das im Frühling, glaube ich, in Amerika und im November auf Deutsch bei „Piper“ erschienen ist.

Ich habe mir noch einige andere Artikel über Omarosa Manigault Newmann und einige Twitternachrichten Donald Trumps darauf angeschaut  und denke, ein interessantes Buch gelesen und vielleicht ein bißchen mehr über die Persönlichkeit und den Stil Donald Trumps erfahren zu haben.

Es ist aber wahrscheinlich sehr schwer bis unmöglich dem Buch gerecht zu werden und es zu verstehen ohne die Hintergründe und die Gruppendynamik im weißen Haus zu kennen.

Ob Donald Trump dessen politische Meinung ich ja nicht teile und an dessen Regierungsstil vieles auszusetzen ist, was den Kopf schütteln läßt, wirklich so dement ist, wie Omarosa Manigault Newman ihn beschreibt, bin ich mir nicht so sicher und es hat mich auch erstaunt, das hier so direkt geschrieben zu finden.

Daß er von dem Amt von dem er angeblich am Erstauntesten war, daß er die Wahl gewonnen hat, überfordert ist und über eine wenig empathische, selbstbezogene Persönlichkeit verfügt, die über andere drüberfährt, kann ich mir aber vorstellen und glaube auch, daß man  wahrscheinlich nur so, an die Spitze der Macht gelangt.

Die deutschen und die österreichischen Patrioten sind aber von ihm begeistert, tragen die „Make Amerika great aigain-Kappen“, was ja sein Wahlkampfslogan war und zeigen Videos, wo katholische Privatschüler grinsend und singend vor den indianischen Ureinwohnern stehen, die sie betrommeln und geben die entsprechenden hämischen Kommentare ab, während Omorosa Manigault Newman, sich in dem Buch als die Frau beschreibt, der es immer nur um das Wohl der Afroamerikaner und um den Ausgleich ging und sie in ihrer langen Danksagung zuerst ihrer Familie gedenkt und mit „Ehre sei Gott in der Höhe!“, das Buch beendet.

2019-01-31

Manaraga

Filed under: Bücher — jancak @ 00:27
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„Manaraga – Tagebuch eines Meisterkochs“, der neue Roman des 1955 bei Moskau geborenen Vladimir Sorokin, den ich schon mehrmals in Wien, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und im Odeon gehört und gesehen habe.

Das „Eis“ habe ich gelesen und das Spannende an dem „Meister der Grosteske“, wie er im Klappentext bezeichnet wird, ist wohl die Mischung zwischen Sci Fi und tradioneller Erzählweise, so habe ich mich jedenfalls beim „Schneesturm“ gewundert, daß das, was ich hörte, wie aus dem vorvorigen Jahrhundert mit Kutsche und Landarzt und so klang.

In „Manaraga“ geht es in die Zukunft, in das Jahr 2037, das ja bald gegenwärtig sein wird und wird man dann das Buch noch lesen? Und wieder, wie ich in letzter Zeit in einigen Büchern gelesen habe, hat der große neue Krieg Europa zerstört, die islamische Revolution hat stattgefunden und die Menschen tragen sogenannten „Flöhe“ also Chips im Ohr, die ihnen die sogenannte Weisheit zuflüstern und damit maniupulieren und richtig, gedruckte Bücher gibt es auch nicht mehr.

Das heißt die wertvollen Erstausgaben werden in Museen aufbewahrt und von dort gestohlen, denn es gibt ein Event für die Reichen und die Schönen, die sich das leisten können. Sie lassen diese Bücher stehlen und veranstalten ein sogenanntes Book´n Grill, das heißt die Meisterköche, Geza, der Ungar, auf russische Literatur spezialisiert, ist einer davon, sich ihre Steaks, etcetera auf Tolstois oder Bulgakov grillen lassen, oder das Schnitzel auf Schnitzler.

Der Phantasie ist da keine Grenze gestellt. Man könnte sich höchstens fragen, wie man ein Schnitzel oder Austern grillt? Aber dazu läßt einen Sorokins überbordendePhantasie, der oft deutsche Wörter oder Phrasen im Original verwendete, keine Zeit. Denn es ist köstlich, was er da seinen Meister über seine skurillen Erlebnisse mit seiner skurillen Kundschaft erleben läßt. Da wird ein Menü auf einem Schiff serviert. Meister Tolstoi tritt sogar persönlich oder nachgeklont auf und läßt sich seine Originalausgabe verbrennen.

Gefakt und gefläscht wird natürlich auch dabei. Einmal sind die Seiten feucht und so läßt die Crew, die gerade den „Meister und Margarita“ dreht, den Kochmeister vermöbeln und ein gefälschter „Nabokov“ taucht auch auf und die Handlung beginnt oder dreht sich weiter und da muß man eigentlich sagen, daß der Einfallsreichtum des Meister Sorokins eigentlich begrenzt ist und der sogenannte Plot einer ist, den man wahrscheinlich schon hundert oder tausendmal lesen konnte.

Der Einheitsbrei eben, wie er für die Massen, in diesen Fall digital bereitgestellt wird, während sich die Elite ihre Orignale zubreiten läßt.

Es taucht also eine gefälschte „Ada“ auf, hunderttausend Mal das selbe Original mit den selben Kaffeeflecken und die Kochgilde ruft eine Sondersitzung ein. Geza muß einige Termine deshalb absagen, der Verräter wird entlarvt und gleich hingemordet und Geza ausgewählt auf den Berg Manaraga zu fahren und die Druckmaschinen abzustellen.

Dann kommt es natürlich anders, als erwartet und das ist eigentlich platt und traugig und wenn mans bösartig will, eine simple Nachahmung von George Orwells „1984“, die Chips im Ohr werden einfach ausgewechselt und Geza ist wieder glücklich und überwältigt von der schönen neuen Welt, die ihm da geboten wird „Und der Strom meiner Tränen ergißt sich über die zarten Lenden“, lautet der letzte Satz.

Trotzdem, um nicht mißverstanden zu werden, ein spannendes Buch und ein absolutes Lesevergnügen, das sich auch leicht und schnell hinunterlesen läßt, weil es wahrscheinlich die packenden Bücherszenen sind und nicht die eher einfallslose Handlung, die hier bewegen und das im November erschienene Buch, von dem ich in den anderen Blogs und in den Medien noch nicht so viel hörte, zu einem „Meisterwerk“ werden läßt.

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