Literaturgefluester

2008-10-19

Wieder zurück aus Frankfurt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:04

Da habe ich jetzt vor meinem PC drei sehr intensive Tage und zum Teil auch Nächte hinter mich gebracht.
Mir raucht der Kopf von den vielen Eindrücken und das „Ex Libris“, die Ö1 Büchersendung habe ich mir gerade auch aufgedreht.
Ansonsten habe ich den letzten drei Tagen, die Nachrichten und damit auch das Jörg Haider Begräbnis, sowie meine Lieblingssendung, den Kulturquiz versäumt.
Aber Frankfurt war sehr intensiv und ich habe viel mitbekommen. Wahrscheinlich mehr, als wenn ich wirklich dort gewesen wäre und mich zwischendurch immer wieder mit Otto Lambauer ausgetauscht, der mir passend zur Jurysitzung am Dienstag, ein Paulmichel Gedicht gemailt hat und jetzt werde ich berichten:
Die Gedanken schwirren ungeordnet durcheinander, aber die Hände tun nicht weh, wie es zweifellos wäre, wenn ich die vollen Büchertaschen durch die Hallen geschleppt hätte und das Glas Wein für den Sozialkontakt, habe ich am Freitag Abend in der Schleifmühlgasse beim philosophischen Salon des Primar Musalik getrunken und dort auch ein literarisches Gespräch mit einer Psychotherapeutin geführt und ihr die Einladung zur Frauenlesung am 12. November übergeben. Sie weiß aber nicht, ob sie kommen kann, wie es sich auch für die „Literatur im Nebel“ nächste Woche in Heidenreichstein nicht ausgehen wird.
Aber da werde ich auch nicht teilnehmen, weil da ist ja GAV-GV, obwohl dort Jorge Seprun auftreten wird, aber über den hat Franziska Augstein eine Biografie geschrieben, die beim 3 Sat Stand am Donnerstag vorgestellt wurde.
Also zu meiner Frankfurt Berichterstattung, denn ich habe mir in den letzten Tagen sehr viele Autorengespräche angehört, die am blauen Sofa und beim 3 Sat Stand geführt wurden. Der berühmteste Autor war sicherlich Günther Grass am Freitag Mittag, der über sein neues Buch die „Box“ und über Marcel Reich-Ranicky gesprochen hat, aber auch andere Erlebnisse habe ich in den letzten Tagen gehabt.
So habe ich gestern am blauen Sofa einen mir bis dato unbekannten Autor kennengelernt. Nämlich den Spanier Rafael Chirbes mit seinem Roman „Krematorium“, der sehr politisch zu sein scheint.
Wenn der vielleicht den Nobelpreis bekommen sollte, wäre er mir schon bekannt und dann gab es gestern noch die Begegnung mit einer sehr schönen jungen Frau, der Engländerin Marie Phillips, die mit ihren unartigen Göttern oder „Götter ohne Manieren“ einen hoch erotischen Roman über die griechische Gottheit geschrieben hat, die aus dem Olymp aus und in ein englisches Reihenhaus eingezogen ist, um dort Telefonsex zu betreiben.
Das wäre eine der Debütantinnen, die in Frankfurt vorgestellt wurden. Eine andere ist Alina Bronsky mit ihrem „Scherbenpark“, die in Frankfurt sehr aufgebaut worden zu sein scheint.
Ihr Roman, so hörte ich, war eine der großen Überraschungen, nämlich ein unverlangt eingesandtes Manuskript, das sie an drei Lektorinnen geschickt haben soll und dann gleich der große Erfolg.
Alina Bronsky ist ein Pseudonym, weil die Autorin ihre Familie vor zu viel Öffentlichkeit schützen will und war auch eine der Messe-Bloggerinnen, wie ich gestern draufgekommen bin.
Auf der Buchmesse wurden 92.000 Neuerscheinungen vorgestellt und das große Stöhnen wer soll das alles lesen?
Rafik Schamis „Das Geheimnis des Kalligraphen“ und ebenfalls das Debut eines Holländers, nämlich Gerbrand Bakkers „Oben ist es still“, wo ein Sohn seinen Vater zum Sterben in den ersten Stock verfrachtet und am Ende daraufzukommen, daß er allein zurückgeblieben ist, fallen mir noch ein.
Alles Romane, die ich mit Ausnahme von Alina Bronsky nicht kennen würde, wenn ich mich dieses Wochenende nicht so intensiv auf das blaue Sofa begeben hätte.
Dann habe ich noch einige Interviews mit Sven Regener gehört, dessen neues Buch „Der kleine Bruder“, sich Anna von Alfred mit dem von Xaver Bayer kaufen ließ.
Sven Regener scheint übriges ein orgineller Typ zu sein, wie auch Claus Peymann, der seine Biografie „Peymann von A-Z“ sehr egozentrisch präsentierte, obwohl er sie nicht selbst geschrieben hat.
Also viel erfahren in den letzten Tagen. Allerdings nicht viel österreichisches, denn da wurden auf dem blauen Sofa und bei 3 Sat nur Josef Winkler und Norbert Gstrein vorgestellt.
Von den anderen Autoren, die sicherlich auch dort waren, habe ich nicht viel mitbekommen.
Das heißt, das Programm der IG-Autoren habe ich im Internet gefunden, Hilde Schmölzer ist hingeflogen und Andrea Stift, die mir inzwischen auch einen Kommentar geschrieben hat, hat in ihrer „Knautschzone“ von ihren Erfahrungen berichtet.
Trotzdem haben auch die Messeblogger ein bißchen davon geschrieben, von Eva Rossmann beispielsweise, die ihren Krimi „Die Russen kommen“ vorgestellt hat und dem anschließenden Umtrunk beim Foliostand mit Schüttelbrot und Rollmöpsen und dann gab es noch eine Überraschung beim Türkeischwerpunkt.
Da ging es nämlich um das Thema Sprache und die türkische Autorin Ayfer Tunc machte sich mit einer Freundin und einer Kamera auf den Weg herauszufinden, ob die Sprache Schicksal ist und die Freundin, die freundlich lächelnd übersetzte war Barbara Frischmuth und kein Wort darüber, daß sie eine der bekanntesten österreichischen Dichterinnen ist.
Und sonst natürlich viel Prominenz. So war Dieter Bohlen und der Rapper Bushido das große Thema und dann ist es auch um die Bildungsfrage gegangen und darum, daß sich die Politik etwas einfallen lassen muß, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt.
Es gab auch sehr viele Mangafans, die, wie ich es schon von Leipzig kannte, in Fantasykostümen herumgelaufen sind, ihren Spaß hatten und sich geduldig um Comics vom Simpson Zeichner anstellten. Und ein jugendlicher Autor, der trotz seiner Legasthenie einen Fantasyroman geschreiben hat, wurde auch vorgestellt.
Es war also alles sehr intensiv und man kann auch in seinem Schlafzimmer von der Buchmesse viel mitbekommen.
Allerdings, um den Buchoptimisten zu Widersprechen zum Lesen bin ich in den letzten Tagen nicht viel gekommen, da hat das Internet eindeutig die Oberhand gewonnen.

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