Literaturgefluester

2009-02-12

12. Februar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:31

Eigentlich wollte ich heute in die alte Schmiede gehen, um mir den ersten Abend von „Doppelte Buchführung. Leben und Schreiben in der Konkurrenzgesellschaft“ mit Martin Prinz und Richard Obermayr anzuhören, aber dann bin ich mit meinen Befunden nicht fertig geworden, hatte ich ja heute zweimal Diagnostik, zwei Psychotherapiestunden und dann mußte ich noch immer meinen Supervisionshonoraren hinterhertelefonieren, so daß es jetzt drei viertel Zehn geworden ist und ich mir erlaube, eine Glosse zum Thomas Bernhard Todestag von mir zu geben, bevor ich mich in die Badewanne begeben werde, um Dietmar Füssels „Rindfleisch“ weiterzulesen, um ihm möglichst bald eine schöne Rezension zu schreiben, da er mir ja inzwischen das Freibord Nr. 96 mit seinen Aphorismen zugeschickt hat und mir mitteilte , daß er mit seinem historischen Roman schon fertig ist.
Thomas Bernhard also und heute ist ja ein wirklich historischer Tag.
Charles Darwin wurde vor zweihundert Jahren geboren, der große Dichter ist vor zwanzig Jahren gestorben und da war auch etwas am 12. Februar 1934 oder ist das vielleicht jetzt nicht interessant, weil das ja kein rundes Datum hat und wir uns mehr für die Evolution interessieren?
Diese Woche wird man am frühen Morgen von Cornelius Hells Gedanken für den Tag aufgeweckt, mit denen er für den großen Dichter eine Latte legt und erläutert, daß man seine Negativismen braucht, um zu sich selbst zu finden.
Dieser Meinung bin ich zwar nicht und habe das auch schon geschrieben. Aber trotzdem ist es interessant, daß in den letzten zwanzig Jahren der Nestbeschmutzer zum Staatsdichter geworden ist, mit dem sich jetzt alle rühmen und sogar neue Bücher erscheinen.
Ich habe dieses Buch, das inzwischen auf den Bestsellerlisten steht, auch gelesen und bin dadurch ein wenig gescheiter geworden, habe aber immer noch das Testament des alten Meisters im Ohr, in dem er verfügte, daß „Weder aus dem von mir selbst zu Lebzeiten veröffentlichten, noch aus dem nach meinem Tod gleich wo immer noch vorhandenem Nachlaß darf auf die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts innerhalb der Grenzen des österreichischen Staates etwas in welcher Form auch immer von mir verfasstes Geschriebenes aufgeführt, gedruckt oder auch nur vorgetragen werden!“
Na da hat man sich aber sehr daran gehalten, hörte ich ja in den Nachrichten, daß diese Verfügung zum Glück durch die Thomas Bernhard Stiftung aufgehoben wurde und ich war vor Jahren auch bei einer Veranstaltung im Literaturhaus, wo mit dem Bernhard Bruder und mit Wendelin Schmidt Dengler diskutiert wurde und man hören konnte, daß der Dichter das ja selbst nicht so wirklich wollte, weil ihn der Notar darauf hingewiesen hätte, daß er dann anders formulieren müsse und für die Wissenschaft und für die Forschung ist das auch nicht zumutbar, wie der berühmte Germanist den Gegnern hinwarf.
Nun ja, heute, wo den ganzen Tag an den Dichter gedacht wird, Miriam Jesser seine Plattensammlung brachte, Otto Brusatti seine Musikalität rühmte, kann man sich über das Österreich amüsieren, das seine Nestbeschmutzer so leicht und locker zu Staatsdichtern macht und vielleicht, weil hier ja von der alten Schmiede die Rede war, ein Stückchen aus eigener Sache, aus den „Schreibweisen“ nämlich und dem „Tod eines Jurymitglieds“, dem Epilog, wo der Ermittler Thomas Vranek am 12. Februar in die alte Schmiede zu einer Lesung der Hauptverdächtigen Irene Stein geht, aber nicht auf seine Rechnung kommt und daher den Veranstaltungsort vorzeitig verläßt
„Die Vorstellung, die sich ihm hier auftut, ist eine fürchterliche, denkt Thomas Vranek schon im Hof, ohne im Geringsten darüber Bescheid zu wissen, welch berühmtes Zitat er dabei verwendet.
Und wenn er es wüßte, wäre es ihm scheißegal…“

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