Literaturgefluester

2009-08-19

Rechtschreibfragen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:27

Über die Rechtschreibung, die alte und die neue und, wie ich dazu stehe, habe ich auf diesem Blog noch nicht geschrieben.
Es ist aber wichtig, ich habe dazu eine Meinung und die hat sich im Laufe meines Schreiberinnenlebens auch verändert.
Ich mache viele, viele Rechtschreibfehler, meinte Frau Heidegger und das meinte anno 1972 oder so, auch Frau Professor Friedl in der höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in der Wiener Straßergasse. Sie hat den Kopf geschüttelt und gesagt „Da kann ich Ihnen wirklich nur ein minus sehr gut geben!“, hat es gut gemeint und mir in weiterer Folge damit wahrscheinlich einige Stipendien vermasselt.
Oder natürlich nicht, denn ich bin für mich selbst verantwortlich und habe damals auch sehr selbstbewußt, individualistisch gedacht, die Rechtschreibung ist egal, ich schreibe, wie ich will!
Daß das in einer Gesellschaft wie dieser sehr schwer ist, habe ich erst viel später begriffen, logisch erscheint es mir immer noch und als Ansatz ist es das, zu dem ich stehe, obwohl ich mich nicht mehr daran halte!
Denn dann kam die inzwischen sechsunddreißigjährige Schreiberfahrung und auch die Rechtschreibreform und die österreichische Autorenschaft hat sich der neuen Rechtschreibordnung ja ziemlich geschlossen verweigert.
Es kam auch der Computer, nicht das Rechtschreibprogramm, das verwende ich nicht.
Ich bin außer individualistisch aber auch sehr ehrgeizig und genau, machte eine Verhaltenstherapieausbildung, lernte in meinem Therapeutinnenleben, daß Menschen mit Ängsten und Depressionen Strukturen und Haltegriffe brauchen und in meinem Schreiberinnenleben gewöhnte ich mir an, in ein paar Monaten einen Rohtext zu verfassen und dann ein halbes Jahr lang daran zu korrigieren.
Was mache ich in dieser Zeit, werden meine Leser fragen?
Ich lese mir den Text solange durch, bis ich damit zufrieden bin und so habe ich mir in den letzten Jahren auch eine ziemlich genau Rechtschreibung nach der alten Ordnung mit einigen Adaptionen erarbeitet und auch einen Duden auf meinen Schreibtischen liegen. Einen ganz alten, aus der ehemaligen DDR und da schaue ich dann nach, in der letzten Zeit immer mehr bei Google.
Die S-Schreibung, die Fälle und die Beistriche verweigere ich noch immer. Das korrigiert mir dann der Alfred.
Ansonsten bin ich in den letzten Jahren sehr genau geworden, denke mir zwar manchmal, „Hallo, du wolltest dich doch nicht an Rechtschreibregeln halten?“
Und meine Liebe zur Literatur hat sich sicher bei der Frau Professor Friedl entwickelt, bzw. hat sie wohl den Grundstein dazu gelegt. Mit ihren langen Leselisten, auf denen neben Schiller und Goethe auch die Namen Anton Wildgans, Max Mell, etc standen.
„Lesen Sie das alles!“, hat sie gesagt, dann war das Schuljahr zu Ende, die Matura da und ich habe auch viel gelesen.
Im Sommer 1973 oder 1974 „Den Mann ohne Eigenschaften“ und sicher nicht verstanden, aber auch Jahre gebraucht, um die Geschichte hinter den Namen Wildgans, Mell etc. zu begreifen, um das mal so auszudrücken, weil ich keine Ahnung von der politischen Sozialisierung der Frau Professor Friedl habe, die schon lang gestorben ist und eine sehr gute Lehrerin war!
Inzwischen habe ich mir dieses Wissen erarbeitet, neunzehn Digitalbücher (und eins in der Edition Wortbrücke, eines beim Fischer TB Verlag und eines bei ORAC) geschrieben und, wie ich aus einigen Rückmeldungen weiß, mache ich wenig Fehler.
Aber natürlich viele viele in der alten Rechtschreibordnung mit dem falschen S, den Fällen und meinen emotional gesetzten Beistrichen. Der Alfred korrigierts, das scharfe ß gebe ich nicht her und ansonsten glaube ich immer noch, man soll so scheiben, wie man will.
Weiß, daß ich damit gegen Windmühlen renne, denn ich will gleichzeitig perfekt und ohne Fehler sein!
Wer löst mir diesen Widerspruch? Vielleicht ist es auch keiner! Oder sagen wir mal so, ich kann damit leben und nun wieder zum aktuellen Korrigierbericht, denn damit geht es mir ganz gut.
Bei der „Radiosonate“ vor einem Jahr kann ich mich erinnern, daß ich eine Zeitlang sehr lustlos war, das ist jetzt nicht der Fall und zu 80% gefällt es mir auch. Ein paar holprige Stellen sind zwar noch drin, aber eigentlich nur wenige.
Daß es mit der „Verwinklerung“ der Sprache nicht klappen wird, haben sich meine Stammleser wahrscheinlich ohnehin gedacht. Das liegt mir nicht, ich bin eine realistische Schreiberin. Es ist aber viel Dialog enthalten und auch eine Handlung, die sich weiterentwickelt, auch die Charaktere verändern sich.
Eher einfach strukturiert, das liegt wohl an meiner Person, an meinem Literaturbegriff und daran, daß ich mich für Randgruppen interessiere und für die, die nun wissen wollen, ob es eine Sophie Essen, Sophie Hunger, etc. werden wird?
Da habe ich einen Kompromiß gefunden, denn der Hinweis hat schon gepasst. Wenn ich zu Anni Bürkl nach Gars am Kamp gefahren wäre, hätte ich genau das diskutiert und so wird aus der Sophie Hunger eine Sophie Hungerer werden.
Vielleicht nicht ganz so schön und für das nächste Mal nehme ich mir vor, auch da ein wenig genauer zu sein, denn ich bin ein impulsiver Typ, ich nehme, was ich höre und habe dann das Problem!

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