Literaturgefluester

2011-04-11

Otto-Stoessel-Preis an Andrea Grill

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03

Den Otto Stoessel Preis der an den 1875 geborenen und 1936 verstorbenen inzwischen vergessenen Dichter Otto Stoessl erinnern soll, verfolge ich seit einigen Jahren. 1996 oder 1998 habe ich dazu eine verkürzte Form des „Verrückten Traums der Thea Leitner“ eingereicht und dann sicher noch ein oder zweimal, bis ich das Einschicken an Ausschreibungen aufgegeben habe, denn es gewinnen ohnehin nur die Etablierteren mehr oder weniger jungen Autoren. Annemarie Moser, Marianne Gruber, Inge Merkl, Andrea Wolfmayr, Paulus Hochgatterer, Evelyn Schlag, Josef Winkler, Olga Flor, Evelyn Grill, Egyd Gstettner, beispielsweise und 2010 Andrea Grill, der heute im Literaturhaus vergeben wurde. Alle zwei Jahre wird der Preis, seit 1982 auf Intiative des Stoessl Sohnes Franz an Prosatexte vergeben, es gibt auch eine Stoessl Stifung, die den Preis organisiert, in der Jury waren diesmal Christoph Binder von der Stifung, Heinz Lunzer und Robert Huez, wahrscheinlich weil der Preis im Literaturhaus vergeben wird und er soll, wie Christoph Binder in seiner Einleitung erwähnte, eher an jüngere Autoren vergeben werden.
Ein paar Mal war ich bei der Preisverleihung, so kann ich mich an die an Evelyn Schlag und Josef Winkler erinnern, ob ich auch bei der an Olga Flor war, weiß ich nicht, da war ich zwar einmal bei einer Preisverleihung, aber ich vermute, daß das die Reinhard Priessnitz Preisverleihung gewesen ist.
Ja, ja, die Preise bekommen immer diesselben und die anderen bekommen nichts, weil ihre Texte nicht als literarisch gelten, so kann ich mich zum Beispiel erinnern, einmal bei einer der Preisverleihung einen der Initiatoren, vermutlich war es Christoph Binder oder jemand anderer von der Stifung, klagen gehört zu haben, daß soviele schlechte Texte eingereicht worden sind.
Damals war ich, glaube ich, empört, denn ich halte ja offenbar viel mehr Texte für literarisch, als die Juroren, inzwischen bin ich abgeklärter und resignierter, allerdings würde ich mal schätzen, daß Otto Stoessl vielleicht den Otto Stoessl Preis nicht gewonnen hätte. Obwohl genau weiß ich das nicht, denn das ist ja ein gedruckter Autor, obwohl seine Werke, wie Christoph Binder in seiner Einleitung erwähnte, inzwischen nicht mehr im Handel erhältlich sind. Sie sind aber bei Styria erschienen und die Otto Stoessl Gesellschaft hat einmal einen Restposten aufgekauft und drückt jeden Preisträger, außer Blumen, der Urkunde und dem Scheck auch so ein Buchpaket in die Hand und ich habe einmal bei der Literatur im März „Das Haus Erath“, das mit den „Buddenbrooks“ verglichen wird, gefunden, aber noch immer nicht gelesen. Jedenfalls kann ich mich erinnern, daß jemand Evelyn Schlag ein Buchpaket in die Hand drückte und sie hat glaube ich einen Text eingereicht, der aus „Der göttlichen Ordnung der Begierde“ stammte und Josef Winkler hatte vielleicht etwas aus „Natura Morta“ zumindest habe ich da eine Erinnerung im Kopf und kann mich auch erinnern, daß Alexandra Millner bei der Preisverleihung war und ich mit dem Autor gesprochen war, der damals glaube ich auch für den Floriana Preis aufgestellt war, seinen Text aber zurückgezogen hat.
Die letzten Jahre ist die Preisverleihung an mir vorbeigegangen, jetzt hat Andrea Grill mit einer Erzählung namens „Mirzl“ gewonnen und das ist interessant. Ist Andrea Grill ja keine Unbekannte, jedenfalls kenne ich sie seit einigen Jahren und habe da wahrscheinlich einmal eine Lesung aus dem „Gelben Onkel“ wahrscheinlich auch im Literaturhaus gehört. Dann las sie 2007 beim Bachmannpreis. 2008 habe ich im Literaturgeflüster über sie geschrieben, damals hat sie auch eine Buchprämie wahrscheinlich für „Tränenlachen“ bekommen und da sie auch aus dem Albanischen übersetzt, habe ich sie im Literaturhaus beim Friedsymposium „laut lauter lyrik“ 2009 gehört. 2010 erschien „Das Schöne und das Notwendige“, die Geschichte von dieser Schleichkatze und diesem teuren Kaffee, die jetzt auch Veit Heinichen in seinem letzten Krimi verarbeitet hat und den Bremer Förderungspreis hat sie dieses Jahr auch bekommen. Außerdem sehe ich sie hin und wieder bei Lesungen im Publikum. Also eine interessante Autorin, die sympathisch wirkt und auch relativ realistisch schreibt, trotzdem war das Literaturhaus nicht besonders voll. Daniela Strigl war da und Christel Fallenstein und die Laudatio wurde von der Germanistin Fatima Naqvi, die an der Rutgers University/USA lehrt, gehalten und sie erwähnte, daß Andrea Grill im Vorjahr eine Lesereise durch die amerikanischen Goethe Institute gehalten hat. Sie erzählte auch etwas über Fremdsein und Gastarbeiter, aber das habe ich bei der Erzählung „Mirzl“ gar nicht so herausgehört. Allerdings hat Andrea Grill nur Ausschnitte gelesen. Eine Frau, die aus Bad Ischl, wie die Autorin kommt, fährt mit einem Albaner namens Lazer in ein Kaff in die albanischen Alpen, besucht dort einige Familien, sieht das Foto eines Mannes, der wie ihr Zwillingsbruder aussieht, wenn sie einen hätte, an den Wänden, begrüßt die Familien, wird von ihnen bewirtet und schläft in ihren Hochzeitsbetten. Ein bißchen was wird davon wohl auch autobiografisch sein, denn Andrea Grill übersetzt ja aus dem Albanischen und hat auch einen albanischen Autor nach Bremen mitgenommen. Die Erzählung ist noch unveröffentlicht und bot eine sehr eindrucksvolle, sowohl geheimnisvoll, als auch sicher realistische Schilderung, einer Reise in ein albanisches Dorf, wo noch Schafe geschlachtet werden und Männer Vögel fangen, die sie dann in ihren Händen halten.
Nachher gabs wieder Wein, Knabberstangen und Gespräche, da habe ich mich mit einem alten Herrn unterhalten, der eine dieser alten BAWAG-Anthologien zum Lesen mitgebracht hatte und mit einem Stammbesucher, der mir erzählte, daß er bei dem offenen Bücherschrank zu Wahlkampfzeiten am Siebenbrunnenplatz der KPÖ die Sophie Hungers gefunden hat.

5 Kommentare »

  1. Jetzt war ich schon ganz nah dran, eine Geschichte zum Otto Stoessl-Preis 2012 einzuschicken. Naja, ein bisserl unsicher war ich noch, und deshalb hab ich mir einige Informationen zusammengesucht. Da ist mir natürlich schnell aufgefallen, dass die Preisträger fast immer österreichische Schriftsteller sind oder, wenn sie aus Deutschland kommen, einen großen Namen haben. – Ob sie ihn verdienen oder nicht, das zu beurteilen, steht mir nicht zu, klar. Leider ist es mir auch nicht gelungen, eine Seite aufzutreiben, wo einer der prämierten Texte nachzulesen gewesen wäre. Ich hätte, wenn mir so was auch schwerfällt, die Schmach hingenommen, den gravierenden Unterschied zu erkennen, der zwischen einem vollendeten Werk und meinem Anfängerversuchen liegt. Leider bin ich nicht fündig geworden … schade. Gut, ich weiß, die Herrschaften haben meist einen Haufen Romane und Büchlein mit Kurzgeschichten veröffentlicht, die man bei Amazon (oder bei der Konkurrenz) bestellen kann. Nicht, dass man jetzt glaubt, ich sei so ein Geizkragen, den die paar Euronerl reuen! Ich wollt halt nur einen unmittelbaren Vergleich anstellen. Nicht wegen dem Können. (Ach so, nicht des Könnens wegen … ja, is scho recht) Und weil ich wissen wollt, was ein anerkannter Künstler so zusammenbringt, auf dreißig Seiten.

    Und dann ist mir zu Glück Ihre Rezi (so sagt man doch, oder nicht?) am Schluss noch in die Hände, ich mein auf den Bildschirm gefallen. Da hab ich die Unterlagen für den Otto Stoessl-Preis 2012, weil Sie mir bestätigt haben, verehrte unbekannte Person (jancak, ist das männlich oder weiblich?) was ich eh schon gemeint hab zu wissen, lieber in den Papierkorb entsorgt.
    Ich bedank mich also herzlich bei Ihnen, weil Sie mir die Arbeit erspart haben
    und grüße Sie mit meinem richtigen Namen:
    Ich heiß
    Berger Horst

    Kommentar von Berger Horst — 2012-04-17 @ 13:55 | Antworten

  2. Da würde ich raten, den Text wieder aus den Papierkorb herauszuholen und es ausprobieren, obwohl es wahrscheinlich so ist, wie Sie schreiben. Die großen schon bekannten Namen gewinnen, da gibt es wahrscheinlich einen Juroreneffekt, daß man nach dem greift, was man kennt, auch bei anonymer Einsendung soll es so was geben, daß der bekannte Stil greift. Aber man soll, denke ich, nicht von vorherein resignieren. Vielleicht ist Ihr Text eine Überraschung, obwohl ich aus diesen Gründen nicht mehr hinschicke.
    Ein paar Mal habe ich es getan und nichts gewonnen und einmal sogar die Juroren über die schlechte Qualität der eingesandten Texte schimpfen gehört, da habe ich mich, glaube ich, darüber beschwert oder wollte das zumindestens tun.
    Deshalb aufgeben sollte man wahrscheinlich nicht, weil man dann auf keinen Fall gewinnt…
    Daß Sie meinen Blog gefunden haben freut mich. Eva Jancak ist eine Frau und eine sehr engagierte Autorin, die eigenwillig ihren literarischen Weg zu gehen versucht und bisher nicht sehr erfolgreich darin war. Die bisherigen Preisträger würde ich aber für gute Autoren halten und das Lesen ihrer Texte empfehlen und wenn ich es richtig veranstanden habe, werden öfter auch Teile von Works in Progress eingereicht, die man später in Bücher finden kann.

    Kommentar von jancak — 2012-04-17 @ 14:11 | Antworten

    • Vielen Dank, verehrte Frau Jancak, für Ihre prompte Reaktion und Ihren Rat. Ich werde die Unterlagen aber doch im Papierkorb lassen. Es spricht einfach zu viel dafür, dass ich für diese Art von Wettbewerb eine Nummer zu klein bin. Andererseits haben Sie recht. Es ist wie beim Lotto: Nur wer mitmacht, kann gewinnen. Trotzdem, ich probiere es anderweitig. Und entschuldigen Sie meine ungeschickte Frage nach Ihrer Identität. Ich hätte bloß etwas genauer hinschauen müssen. Aber meine Suchanfrage hat mich direkt auf Ihren Bericht über die Preisverleihung an Andrea Grill katapultiert, und ich hab wieder mal nicht um die nächste Ecke denken können. Macht nichts, vielleicht hören und lesen wir wieder einmal von einander.
      Einen schönen Abend wünscht Ihnen
      der Berger Horst

      Kommentar von Berger Horst — 2012-04-17 @ 20:41 | Antworten

  3. Ja, vielleicht, jedenfalls viel Glück bei der Einreichung bei einem weniger hochkarätigen Wettbewerb, vermutlich haben Sie ganz recht, vorher Ihre Chancen auszurechen und zu schauen, passe ich dazu? Ich habe früher sicher zu wahllos eingereicht und gedacht, warum nicht, jeder darf das! Stimmt zwar, nützt aber nicht viel, kostet Porto und man ärgert sich nachher.
    Was und wo haben Sie schon geschrieben bzw. veröffentlicht? Bei mir gibt es Textproben und sogar ein paar Videos im Blog oder auf der Homepage zu finden

    Kommentar von jancak — 2012-04-18 @ 12:06 | Antworten

    • Na ja, wenn Sie mich schon direkt fragen. Geschrieben hab ich bereits eine ganze Menge (für meine Verhältnisse). Ich bin ja auch nicht mehr ganz jung. Mein Alter will ich hier aber nicht preisgeben und halte es wie der Schriftsteller, Alphonse Allais (1854-1905), der gemeint hat: „Es ist mir nicht möglich, mein Alter zu nennen; es ändert sich mit jedem Tag“.
      Kennen Sie schon? … Na, egal.
      Veröffentlicht allerdings hab ich noch sehr wenig.
      Vor vielen Jahren mal eine Kurzgeschichte in der Tageszeitung „Münchner Merkur“ Dafür hab ich sogar 90 DM bekommen. Wenn ich die Sache rückgängig machen könnte, würde ich auf der Stelle 90 Euro hinlegen.
      Dann hatte ich letztes Jahr etwas Glück:
      Erostepost Heft 42: Eine Geschichte übers Reisen „Kapitäne der Landstraße“ und
      Würth Literaturpreis 2011, Motto: Rosa ist das Grau der Optimisten, Eine Geschichte in der Anthologie
      Gut, kleiner Anfang ist es schon, und in diesem Jahr hab ich wieder eine kleine Sache in Aussicht. Es tröpfelt.
      So, und jetzt werde ich mal Ihre Hompage ein wenig durchforsten. Hab schon gesehen, dass es da eine Menge zu lesen gibt.

      Kommentar von Berger Horst — 2012-04-18 @ 19:14 | Antworten


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