Literaturgefluester

2012-06-10

Lenz oder die Freiheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:12

„Lenz oder die Freiheit“, ist ein siebenhundert Seiten Roman von Stefan Heym, über die Badische Revolution von 1848, an dem ich seit Ostern gelesen und nicht sehr verstanden habe. Wird hier ja die Historie mit der Fiktion vermengt und während es die meisten Hauptpersonen des Buches, gegeben zu haben scheint, Marx und Engels kommen vor, habe ich einen Dichter namens Andreas Lenz bei Wikipedia nicht gefunden, der von Büchner ist ein anderer und in der Geschichte der Badischen Revolution kenne ich mich auch nicht aus. Habe aber verstanden, daß sie niedergeschlagen geworden ist und Stefan Heym, erzählt in seinem in Englisch geschriebenen, 1964 erschienen „Lenz Papers“ diese Geschichte lang, breit und sehr genau.
In dem btb Buch aus der Thalia Halbpreiskiste steht etwas von einem feurigen Rebell und Schwärmer zwischen zwei Frauen, Josepha aus dem Volke und der jüdischen Bankierstochter Leonore Einstein. Einen Prolog gibt es auch. Da findet 1944 ein junger Soldat auf einem amerikanischen Friedhof das Grab und später die Papiere seines Großvaters „Andrew Lenz und die Geschichte der niedergeschlagenen Freiheit beginnt.
Es gibt vier Bücher und noch einen Epilog, dazwischen Landkarten um das Kriegsgeschehen zu erklären und die Kapitel beginnen immer wieder mit Briefen, Aufzeichnungen und Dokumenten, von denen mir nicht ganz klar war, was da jetzt fiktiv und was historisch ist.
So habe ich mir mit dem Lesen ein bißchen schwer getan, wenn ich auch nicht soweit gehe, wie ein Amazon Rezensent, der von etwas „zwischen Karl May und Rosemunde Pilcher“ schreibt. Aber Stefan Heym hat da einen sehr machtvollen, manchmal auch etwas derben Roman geschrieben, in dem es um die Freiht geht und mehrere Personen und mehre Handlungsstränge entwickelt werden. Andreas Lenz zwischen den zwei Frauen, Leonore, die seinetwegen und der Revolution wegen, ihr Vaterhaus verläßt, der Bankier tut sehr viel, um sie zurückzuholen, sie wird von Lenz aber auch schwanger, was 1848 für ein bürgerliches Mädchen wahrscheinlich nicht sehr einfach war und verhilft den gefangen genommenen Lenz schließlich auch zur Flucht, so daß er in Amerika sterben kann, ist einer. Es gibt aber auch den Soldaten Christoffel, sehr viel Krieg, Gewalt und Niederlage und manchen schönen Dialog über die Freiheit. Marx und Engels treten, wie beschrieben auf. Leonore singt sehr interessante Wiegenlieder „Und wenn sie dich fragen, wo ist Absolon, sollst du ihm sagen, ach er hänget schon, er hängt an keinem Baume, er hängt an keinem Strick, er hänget an dem Traume, der deutschen Republik“ oder den Diskurs, ob ein Arbeiter, eher was zu essen als die Freiheit braucht.
„Was ist sie dem armen Arbeiter, der nicht weiß, wo er das nächste Stück Brot für seine Familie nehmen soll? – ein leeres Wort. Gib ihm Arbeit und einen Lohn, der ihn vor dem Verhungern bewahrt, und dann fang an, mit ihm über Ideen zu reden.“
„Ich glaube eher an deinen Pferdehimmel als an einen Himmel für Menschen. Wenn ich mir vorstelle, daß ich dort oben die gleiche Bande von Offizieren und Herren und Gutsbesitzer, und daß ich sie für alle Ewigkeit um mich herum haben soll und sie mir sagen, wie ich meine Harfe zupfen und mit den Flügeln zu wedeln hab und mich losschicken, ich soll die Wolken sauberfegen und ja nicht vergessen, den verrosteten Stern da zu polieren, und daß du dich ja sputest! – nein, vielen Dank!“
Der 1913 geborene Stefan Heym floh vor der Nazi Diktatur nach Amerika und verließ das Land wegen der Mc Carthy Ära und kam 1952 in die DDR, wo die Demokratie und Freiheit, wie wir inzwischen wissen, auch nicht so ganz funktionierten und die Herausgabe des Buches umstritten war.
Wieso die Lenz Papers dann auf Englisch geschrieben wurden, habe ich auch nicht ganz verstanden. Das Buch ist auch verfilmt worden und von Stefan Heym gibt es noch andere bedeutende Werke, so den Roman „Colin“, den ich schon lang gelesen habe, ich habe auch noch andere Bücher von ihm.
Schade, daß ich in das Buch nicht richtig hineingekommen bin, sondern eher drüber gelesen habe. Die Mannheimer Allgemeine Zeitung, nennt es aber „Ein Bekenntnis zur Demokratie gerade wegen seiner Wahrhaftigkeit und seines Feuers. Es ist ein Roman, der die Demokratie verherrlicht, nicht in ihrem Glanz, sondern in ihrer notwendigen Unzulänglichkeit.
Aber wahrscheinlich tue ich mir mit Revolutionsromanen überhaupt ein wenig schwer, wenn sie den blutigen Kampf für die Freiheit und die Opfer, die man dafür bringen muß, beschreiben.

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