Literaturgefluester

2013-01-09

Die Tagebücher des Gerhard Amanshausers

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Der Salzburger Residenzschriftsteller Gerhard Amanshauser wäre am 2. Jänner fünfundachtzig geworden. Zu diesem Anlaß erschien beim neuen Residenzverlag eine von seinem Sohn Martin herausgegebene Tagebuchsammlung „Es wäre schön kein Schriftsteller zu sein.“
„Literarische Zeitgenossenschaft mit Scharfblick, höchsten Ansprüchen, schneidender Kritik und einigen Irrtümern“, titelte die Alte Schmiede die Veranstaltung im Programm, bei der Germanist Günther Stocker, ein jüngerer Mann mit langen Haaren mit Martin Amanshauser und Peter Rosei diskutierte.
Nach den Irrtürmern habe ich leider nicht gefragt und bin auch nicht durch Kurt Neumanns Einleitung daraufgekommen, der Gerhard Amanshauser als literarischen Einzelgänger bezeichnete, vom Techniker, analytischen Verstand und Dandytum sprach. Ich habe den eher kleineren dünnen Herren, glaube ich, in den späten Siebziger- Anfang Achtzigerjahren durch die Residenzalmanache, die ich mir damals regelmäßig kaufte und in denen immer seine Texte waren, kennengelernt.
Persönlich war ich, glaube ich, 2000 bei der Lesung bei Buch und Wein in der Schäffergasse, wo wahrscheinlich das mit Martin Amanshauser gemeinsam geschriebene Buch „Der Sprung ins dritte Jahrtausend“ vorgestellt wurde und den 1968 geborenen Martin Amanshauser kenne ich durch seine Reisereportagen, habe seinen Trashroman „Nil“ einmal beim Standard gewonnen, war bei einigen seiner Lesungen, zum Beispiel bei „Rund um die Burg“, an „Chicken Christl“, das ich mir einmal fast kaufen wollte und an die „Hunderttausend verkauften Exemplare“, kann ich mich erinnern.
Der Sohn, der eher satirische komische Elemente hat, scheint von seinem analytisch technischen Vater sehr verschieden zu sein und der Germanist erklärte in seiner Einleitung auch ein bißchen aus dem Amanshauser-Leben.
In Salzburg 1928 geborenen, Sohn von engagierten Nazieltern und mit siebzehn fast zweimal an die Front geschickt, dadurch vielleicht traumatisiert, so daß er sich aus dem Leben auf seine Salzburger Terrasse zurückzog und in die Wolken schaute.
Es gibt jedenfalls ein „Terrassenbuch“ und Kurt Neumann erklärte noch, daß er wenig erzählend, eher kürzere, analytische Prosatexte und Reflexionen geschrieben hat, nur einen Roman „Schloß mit späten Gästen“, der auch vom ORF verfilmt wurde, womit er allerdings nicht zufrieden war.
Freund oder Schüler von Hermann Hakel, über den ich ja erst vor kurzem ein Buch gelesen habe und da waren wahrscheinlich auch Amanshausertexte drinnen.
Kurt Neumann hat verschiedene Textstellen gelesen, beginnend in den Sechzigerjahren mit einer Sizilienreise und jetzt hätte ich fast vergessen, daß Günther Stocker, das Jahr 1966 als wichtiges literarisches Jahr der Wende bezeichnet hat, da ist das „Terassenbuch“ vorerst bei der Zeitschrift Literatur und Kritik erschienen, Doderer ist gestorben, Handke brachte die „Publikumsbeschimpfung“ und die „Hornissen“ heraus und Jandl „Laut und Luise“.
Mit der Wiener Gruppe scheint Amanshauser, der sich für Baudelaire interessierte, nicht so viel am Hut gehabt zu haben, wohl war er aber mit H. C. Artmann, der eine Zeitlang in Salzburg lebte und auch mit Peter Rosei befreundet.
Kurt Neumann las Stellen wo er mit Jochen Jung, Artmann, Bisinger und noch einigen Residenzautoren zur Messe nach Frankfurt fuhr, Bisinger sich betrank, Artmann sich als deutscher Dichter bezeichnete etc. Peter Rosei erzählte ein bißchen was von seiner Freundschaft und Martin Amanshauser von den Eindrücken, die er als Kind von seinem Vater hatte. Interessant, daß er das seltsame Gefühl erwähnte, einen Tagebuch schreibenden Vater gehabt zu haben, er meinte auch, daß er den privaten Menschen, den Vater in dem Tagebuch nicht finden würde und erwähnte etwas von einer Geheimschrift, die Gerhard Amanshauser an manchen Stellen verwendete.
„Die kann man entziffern!“, hat er seinem Sohn gesagt, Martin Amanshauser hat sich aber bemüht das Private privat sein zu lassen und auch alle Beleidigungen und Beschimpfungen wegzulassen. Eine Stelle von einer Lesung in der Alten Schmiede und einem Abendessen mit Kurt Neumann kam auch noch vor, wo Amanshauser schrieb, Neumann hätte ihn verkannt, vielleicht sind das die Irrtümer und Martin Amanshauser erzählte auch, daß sein Vater in die Sonne schaute und seinen Pessimismus äußerte, worüber er sich als Kind gewundert hätte und Gerhard Amanshauser der sehr widersprüchig war, scheint einerseits sehr viel bei Lesungen gewesen zu sein, vom Literaturbetrieb auf der anderen Seite aber nicht sehr viel gehalten zu haben. Über Helmut Eisendle hat er sich abfällig geäußert und Thomas Bernhard auch erst nach seinem Tod verehrt.
Im Publikum schienen außer den Verlagsleiterinnen viele Freunde der Familie zu sein, Linda Stift war da, mich hat Margit Heumann begrüßt und den Dr. Mold, habe ich, glaube ich, auch gesehen.

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