Literaturgefluester

2014-08-04

Ganze Tage in den Bäumen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:18

Weiter geht es mit meiner „Frankreich-Literatur“ für den Elsaßurlaub.
Eine sonderbare Zusammenstellung dafür Marguerite Duras „Ganze Tage in den Bäumen“ auszuwählen, mag sich macher- manche-eine vielleicht denken, das Buch hat aber eine französische Autorin und stan zufällig auch zeitgerecht auf meiner Leseliste, so daß ich das kleine grüne Suhrkamp Taschenbüchlein, das ich einmal in einem der offenen Bücherschränke gefunden habe, der 1914 in Vietnam geborenen und 1969 in Paris verstorbenen Autorin auf die Reise mitgenommen habe.
Ein großer und bekannter Name, ich habe aber noch nichts von ihr gelesen, wohl aber einige ihrer Bücher auf meiner Liste, so war es auch an der Zeit mich mit der Duras zu beschäftigen, obwohl das Buch natürlich in Paris spielt, sich, wie das von der Veronique Olmi mit Familienbeziehungen beschäftigt und mit dem Elsaß, wie auch das Buch der Francoise Sagan, das noch folgen wird, nichts zu tun hat.
1954 ist es erschienen und ist im Gegensatz zu dem Büchlein der Veronique Olmi eine Erzählung.
Etwa achtzig Seiten ist es lang und es ist, könnte man so sagen, eine merkwürdige Geschichte. Eine merkwürdige Mutter-Sohn Beziehung, eine merkwürdige alte Frau, die da die Hauptrolle spielt.Es hat auch einen sehr eindringlichen interessanten Erzählton und irgendwie auch Assoziationen zu dem Buch der Francoise Sagan, das noch folgen wird, obwohl es da um eine Liebesgeschichte geht, während die Liebe bei der Duras eher versteckt oder gar nicht vorhanden ist.
„Der schlimme Charme der Marguerite Duras zeigt sich überall dort am deutlichsten, wo sie darauf aus ist, Vergeblichkeit zu schildern, eine Atmosphäre einzufangen, in der man Lebensüberdruß, die Nähe des Todes, die Langeweile, welche aus der Hoffnungslosigkeit kommt, gleichsam körperlich spürt…“, schreibt Roland Wiegenstein im Klappentext.
Es geht um den Besuch einer Mutter bei ihren Sohn in Paris, die ihn seit Jahren nicht gesehen hat. Die alte Dame kommt mit dem Flugzeug an, wird vom Sohn abgeholt und in seine Wohnung gebracht, wo er mit seiner Freundin lebt. Die fängt beim Anblick der Mutter gleich zu weinen an, weil sie selber mutterlos aufgewachsen ist und die alte Dame, die eine Unmenge goldener Armreife um ihre mageren Arme trägt, ist auch unentwegt hungrig. So schickt sie Sohn und Freundin zum Einkaufen aus, verschlingt eine Unmenge Sauerkraut (was vielleicht als Assoziation zum Elsaß gelten könnte) und dann noch einen ganzen Braten, redet von ihrem Reichtum, verlangt dann zu schlafen, statt sich die Stadt anzusehen, alles ein wenig merkwürdig, könnte man sagen, aber vielleicht deshalb so intensiv und metaphernreich.
Die Mutter ist auch mit ihrem Sohn unzufrieden, den sie für einen Faulpelz und auch für ein bißchen dumm hält und meint, daß er früher „ganze Tage in den Bäumen“, daher der Titel, verbracht hätte, während sie es im Alter zu Reichtum gebracht hat.
Sie hat irgendwo eine Fabrik mit einigen Arbeitern, die sie zu überwachen hat, deshalb muß sie auch bald wieder zurück, obwohl sie zuerst ja eigentlich länger bleiben wollte.
Zuerst begleitet sie Sohn und Freundin aber zu deren Arbeitsplatz, die beiden sind Eintänzer oder Animateure in einem Restaurant, die Freundin scheint vielleicht noch etwas anderes zu sein. Sie ist jedenfalls eine Waise, ein Findelkind, das vom Waisenhaus oder von den Pflegeltern davongelaufen ist und vom Sohn auf der Straße aufgelesen wurde.
Die Mutter erbittet sich vom Chef des Restaurants aus, in einer Loge den Beiden beim Arbeiten zusehen zu dürfen, betrinkt sich mit zwei Flaschen Champagner, weigert sich dann die Rechnung zu bezahlen, weist aber immer wieder auf ihren Reichtum hin und mit dem Sohn, der ein Spieler sein dürfte, macht sie auch einen Handel aus, ihm ihr Erbe zu vermachen.
Sie kehren wieder in die Wohnung zurück, die Mutter verlangt abzureisen und vom Sohn, daß er sich nach passenden Fahrgelegenheiten erkundigen soll, der nimmt aber einige ihrer Goldreifen, um sie zu verspielen und am Schluß scheint es dann doch zu einer verklausulierten Liebeserklärung zwischen den Beiden zu kommen.
„Der Sohn hatte sich wieder auf das Bett gelegt. Ich habe Angst, ich habe Angst vor mir, dachte er.
-Schlaf Mama, ich bitte dich herzlich.
-Ja, mein Junge, ich werde schlafen.
In der Küche lauschte ihnen Marcelle. Sie wagte nicht zu kommen. Sie fand diese Menschen unglücklich. Sie hatte endlich wieder zu weinen angefangen, über das Los der Mutter.“

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