Literaturgefluester

2010-01-21

Ludwig Laher in der Gesellschaft für Literatur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:49

Heute war ich bei der Lesung von Ludwig Lahers neuen Roman „Einleben“ und bin, was den Blogeintrag betrifft, ein wenig ratlos, wie ich sie besprechen soll? Das Buch vielleicht nicht so genau, falls ich es doch zum Rezensieren bekomme.
Also mit Ludwig Laher beginnen, den 1955 geborenen oberösterreichischen Schriftsteller, den ich schon lange kenne. Wahrscheinlich habe ich ihn bei den Generalversammlungen der IG Autoren kennengelernt, aber auch die der GAV wären möglich, engagiert er sich ja in beiden Bereichen und nimmt immer wieder an Sitzungen und Tagungen teil, über die er bei den Versammlungen berichtet.
Er war einmal Lehrer, ab 1998 freier Schriftsteller, habe ich mir aufgeschrieben. Er hat auch den kulturpolitischen Arbeitskreis in Salzburg organisiert und sehr viele Bücher geschrieben. Eines über „Mozarts Sohn“, da kann ich mich an eine Lesung in der alten Schmiede erinnern. Bei „Herzfleischentartung“, geht es um ein SS Arbeitserziehhungslager in St. Pantaleon, das ist der Ort, wo auch Ludwig Laher wohnt.
„Und nehmen was kommt“, ist die Geschichte einer ostslowakischen Romafamilie, da war ich 2007, bei der Lesung in der alten Schmiede, ich habe gerade „Und trotzdem“ geschrieben und da ist meine Helga, die Donau hinunter durch die Slowakei geradelt und jetzt „Einleben“, die Geschichte eines Kindes mit Down Syndrom und seiner Mutter Johanna.
Ich kann mich noch an etwas anderes erinnern, nämlich, daß Ludwig Laher im Herbst bei dem Konstantin Kaiser Symposium in der alte Schmiede vorgetragen hat und mir in der Pause erzählte, daß er früher weg muß, weil er aus „Einleben“, bei der österreichischen Down Syndrom Tagung liest und als ich da nachgegooglet habe, war es nicht weit zu den Büchern von Menschen mit Down Syndrom, zu Michaela König und dem Ohrenschmaus….
Die Gesellschaft für Literatur war nicht besonders gut besucht, gestern hat Ludwig Laher gemeint, hätte er in Garsten achtzig Zuhörer gehabt, aber Wien ist anders.
Evelyn Holloway war aber da, Norbert Leser und noch einige andere Interessierte und Manfred Müller hat sehr schön eingeleitet und von einer Trilogie gesprochen, in der es um Menschen geht, die es im Leben nicht sehr leicht haben.
„Einleben“ ist der zweite Teil, „Nehmen was kommt“, der erste, am dritten scheint Ludwig Laher gerade zu arbeiten, das Thema wurde nicht verraten.
Manfred Müller hat von einer gründlichen Recherchearbeit gesprochen und von der Kunst Ludwig Lahers mit der er das Journalistische mit dem Literarischen zu verbinden weiß und immer sehr brisante Themen aufgreift. Und das „Einleben“ mit Down Syndrom ist ja ein brisantes Thema, wird es bald keine Menschen mehr damit geben, kommen ja 90% der Betroffenen nicht mehr auf die Welt, weil wir eine so gute Diagnostik haben und Höchstgerichtsurteile, nach denen der Mensch als Schadensfall beurteilt wird und die Ärzte, wenn sie nicht genug beraten haben, zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden, so daß man sich, wie Ludwig Laher beschreibt, schon sehr verstecken muß, um den Ultraschall und anderen Untersuchungsmethoden zu entkommen. So hätte das Buch auch „Kopf im Nacken“ heißen sollen, aber dann war ihm das „Einleben“ zwischen Mutter und Tochter doch wichtiger.
Manfred Müller hat nach der Recherchearbeit gefragt und Ludwig Laher erzählte, daß er in seiner weiteren Umgebung zwei Familien mit Down-Kindern kennt, die hat er besucht und sich Geschichten über sie erzählen lassen. Später ist er auch in Selbsthilfegruppen gegangen und hat den Frühförderinnen bei ihrer Arbeit zugeschaut.
So besteht das Buch aus sehr vielen Geschichten, die er erlebte oder erzählt bekommen hat. Es springt im Stil von den Erlebnissen Steffis zu Johannas Schwangerschaft zurück und erzählt auch von jenem Arzt, der dem Down Syndrom seinen Namen gab.
Eine behutsame Mutter Kind Beziehung wird beschrieben, bei der man viel über das Down Syndrom, das einmal Mongoloidismus geheißen hat und das Leben dieser Kinder erfährt.
In der Diskussion kam die Frage, wieweit das Buch anders geworden wäre, wenn es ein Betroffener geschrieben hätte. So hat Anna Waltraud Mitgutsch in der „Ausgrenzung“, einen Roman über ihren autistischen Sohn geschrieben. Eine Frage, die interessant, aber nicht sehr leicht zu beantwortet ist und mir sind nach den schönen Schilderungen der tierliebenden Steffi, die die Hunde im Lieblingscafe ihrer Mutter mit Keksen füttert, aber auch die Traurigkeit der Oma erkennt, die einmal in der Woche ihren Enkel aus dem Kindergarten holt, einige eigene Erlebnisse mit Down Kindern eingefallen. Es sind meist sehr starke Bilder, die im Gedächtnis bleiben, weil wir ja in einer Welt der Ausgrenzung und der Abschottung leben und normalerweise nicht viel mit Menschen mit Down Syndrom in Berührung kommen, so daß wir solche Bücher brauchen, was irgendwie sehr schade ist.
Mal sehen, ob ich Gelegenheit bekomme, das Buch ausführlicher zu besprechen. Es lohnt sich sicher es zu lesen und so bleibe ich neugierig, will ich ja auch, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, über dieses Thema schreiben.

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