Literaturgefluester

2011-05-18

Das Leben der Wünsche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:02

„Das Leben der Wünsche“ Thomas Glavinics 2009 erschienener siebenter Roman, ist, würde ich mal sagen, ebenso leicht und flott dahin geschrieben, wie man meinen Texten manchmal unterstellt. Er ist aber 2009 auf der dBP-Liste gestanden und war ein Beststeller, die Geschichte jenes Jonas, den die „Arbeit der Nacht“-Leser schon als Protagonisten kennen, des Mittdreißigers, der als Werbetexter arbeitet, ein Frau, eine Geliebte, eine Ex-Geliebte und zwei Kinder hat, die er vom Kindergarten abholt und sich von ihnen terrorisieren läßt und der eines Tages von einem Mann im Park angeboten bekommt, daß er ihm alle Wünsche erfüllen will.
„Wow!“
Ein Mann, wie Jonas fällt auf sowas nicht herein und blödelt dementsprechend herum „Ich könnte mir wünschen, mein Verhältnis zu Menschen richtig zu verstehen, Größe, Dramatik, Besonderheit, ein anderer zu werden, einen sinnvollen Tod, u u u.“
Sie einigen sich dann darauf, daß sich Jonas Wünsche alle fortan erfüllen, der Mann im weißen Anzug, rät noch die Sache ernster zu nehmen und verschwindet. Jonas bleibt noch etwas im Park, um zu fotografieren, was sein Hobby zu sein scheint, fertigt er doch schon seit Jahren jeden Tag ein Foto von sich an, dann geht er heim zu Frau und Kindern und beginnt sein joung urban Leben weiterzuleben, was nicht so einfach ist, will er sich doch von seiner Frau Helen nicht trennen und ist dennoch unsterblich in Marie verliebt, die Stewardesse, die Sohn und Mann und nur wenig Zeit für ihn hat und eine Ex-Geliebte mit Leberkrebs hat er auch und sein kleiner Sohn leidet an Wachstumsstörungen.
Was Jonas sich fortan wünscht, geht aus dem Buch nicht so richtig hervor, nur daß der kleine Sohn plötzlich anfängt zu wachsen, sowie Jonas Bankkonto, dann passieren auch Unglücksfälle, wie ein Gondelabsturz, ein Tankstellenüberfall u u u
Sachen, die auch wir Nichtwünscher kennen und täglich erleben. Jonas hetzt also vom Kindergarten zu seinem Arbeitsplatz, versucht zwischendurch Marie zu treffen, bzw. einen Babysitter zu engagieren, da sich Helen ein paar Tage auf Wellnessurlaub befindet. Das erweist sich als schwierig, Helen kommt wieder zurück und Jonas findet sie tot in der Badewanne. Hat er sich das gewünscht? Naheliegend, ist aber dem Text nicht wirklich zu entnehmen, dagegen findet Jonas beim Begräbnis heraus, daß nicht nur er Helen, sondern auch sie ihn mit einem Kim betrogen hatte, überflüßig zu erwähnen, daß so der Mann heißt, der ein paar Tage später von Eichhörnchen totgefressen im Wald aufgefunden wird.
Es gibt auch surreale Tendenzen, Wasser die übergehen und Überschwemmungen anrichten, geheimnisvolle Inschriften, also vielleicht doch der philosophische Untergrund, den Robert Eglhofer, in meinem Stadtroman vermißte. Jonas geht mit seinen Buben Ballonfahren, trennt sich von Marie, macht mit einem Arbeitskollegen und seiner Frau einen flotten Dreier, führt ernsthafte Gespräche mit Anne und besucht die Wohnung seines Vaters, der sich seit einem Jahr bereits in einem Pensionistenheim befindet.
Wo die Geschichte spielt, kommt auch nicht klar heraus, der Wien Bezug, der, wie ich vor einem Jahr hörte, in der „Arbeit der Nacht“ eine große Rolle spielt, scheint zu fehlen, jedenfalls habe ich keine Andeutungen gefunden und habe die Slums, wo Jonas und Marie ihre Kinderwohnungen finden, wieder etwas surreal empfunden, ebenso die Schluchten, wo Jonas zuerst allein später mit Marie herumklettert. Später fahren sie ans Meer und es steht nicht genau beschrieben, wie lange sie dort hinbrauchen. Dort scheint Jonas zu schnallen, daß die seltsamen Veränderungen, vielleicht mit seinen geheimen Wünschen zu tun haben, aber er gehört ja einer Generation an, die im Büro ständig die Joints vor sich liegen hat und Marie schickt ihm auch zu einem Arzt, als er von seinen Visionen spricht. Stattdessen fahren sie mit einem schnellen Boot auf eine Insel und dort verschwindet plötzlich das Wasser, stattdessen machen sich die Eidechsen und Vögel breit, „die Wellen rollen, die Sonne verdunkelt sich, es wird Nacht und Jonas nickt.“
So weit die sachliche Beschreibung meines Leseeindrucks, die Rezensenten haben schon viele Theorien und Deutungen in das Ganze hineingelegt und erklärt, daß man sich nicht so viel wünschen soll, weil das nur Verderben bringt.
Das ist nicht unbedingt das, was ich mir von der Lektüre mitnehme, ich bleibe schon bei meinen drei bis fünf Wünschen, die ich den guten Feen und den weißen Männern jederzeit entgegenschmettern könnte.
„Ich wünsche mir den Nobelpreis, den großen Roman, das Charisma, eine heile Welt und einen schönen Tod!“, also auch ganz schön umfassend und kenne den 1972 in Graz geborenenen Schriftsteller schon sehr lang. Durch „Herr Susi“ bin ich, glaube ich, auf ihn aufmerksam geworden oder war das schon beim „Carl Haffner“?
Über den „Kameramörder“ habe ich jedenfalls einmal im Literaturhaus mit ihm diskutiert und sosehr darauf bestanden, daß mir das zu negativ ist, daß die Anwesenden mir eine Angst davor unterstellten. Aus „Wie man leben soll“, habe ich ihn bei „Rund um die Burg“ lesen gehört. „Die Arbeit der Nacht“ ist ziemlich an mir vorbeigegangen. Dann kam „Das bin doch Ich“ und damit hatte ich ein Aha-Erlebnis, weil ich den Eindruck hatte, daß der Autor ganz in meiner Nähe leben müsse und wenn der sich vielleicht meine weggeworfenen Manuskriptseiten aus dem Mistkübel fischt?
Darüber habe ich schon vor zwei Jahren geschrieben, als „Das Leben der Wünsche“ erschienen ist. Spätestens seit da ist der Autor so berühmt geworden, daß seine Lesungen Eintritt kosten, ich habe ihn aber vor einem Jahr beim Stadt Fest Wien gehört und auch beim ersten Lesefest der Buch Wien. Jetzt ist „Lisa“ erschienen, da war ich bei der literarischen Soiree und habe mir im Literaturcafe einen Podcast darüber angehört, wo Wolfgang Tischer den Autor fragt, was er lesen würde und der sehr selbstbewußt antwortete, daß er dafür keine Zeit hätte und daß er natürlich seine Texte nicht als kostenloses E-Book ins Netz stellen wird, weil er ja verdienen will. Es gibt aber eine facebook Seite des Verlags, bei der er sich manchmal meldet und die ist sehr interessant.

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