Literaturgefluester

2011-06-09

Zum Tag der Freiheit des Wortes

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:36

Wieder einmal Tag der Freiheit des Wortes, diese GAV- Großveranstaltung, die in den Achtzigerjahren von Josef Haslinger eingeführt wurde, weil am 10. Mai 1933, die Nazis Bücher verbrannten und an diesem Tag im NIG im Hörsaal eins daran erinnert wurde. Ein paar Mal war die Veranstaltung von Gösta Maier organisiert in Klagenfurt bzw. Villach, dann gab es sie ein paar Jahre nicht, bis ich sie urgierte, das war 2000, da hat sie dann Petra Ganglbauer organisiert, 2001 ich mit Schwierigkeiten mit Konstantin Kaiser, 2002 hat es Rolf Schwendter im Literaturhaus gemacht und von 2003 bis 2009 habe ich die Veranstaltung mit immer kleiner werdenden Budgetmitteln im Literaturhaus organisert, dann hat sich auch noch das Literaturhaus in den Ausschreibungstext eingemischt und die GAV hat beschlossen, daß man nur mehr eine Veranstaltung pro Jahr machen kann, da habe ich mich, weil ich ja nicht so viel Unterstützung hatte, für die Frauenlesung entschieden, die GAV hat die Veranstaltung wieder zur Vorstandssache gemacht und die Organisation Petra Ganglbauer übergeben, die sie in den Juni und wieder in die Uni verlegte, so war sie voriges Jahr im Campus, da habe ich gelesen, heuer war sie im Haupthaus im Hörsaal 41. Ich war nur als Zuhörerin dort und habe den Hörsaal 41 auch nicht gleich gefunden, obwohl ich ja von 1973 bis 1973 dort studierte, als ich von Christoph Kepplinger, mit dem ich die Rolltreppe vom Schottentor hochgefahren bin, beim Seitengang hineingegangen bin, habe ich gleich zwei Männer von der Security beim Eingang getroffen, das hat es in den Siebzigerjahren nicht gegeben und passt vielleicht auch schon zum Thema, das „Veranstaltung gegen Rassismus, Diskriminierung von Minderheiten und Integration ohne Anerkennung“ hieß.
Es gab achtzehn Leser, die von Petra Ganglbauer in verschiedenen Blöcken eingeteilt wurden, Günter Vallaster, der im vorigen Jahr mitorganisert hat, hat mit einer visuellen Collage zum Thema Angst begonnen, die auch auf Russisch übersetzt war. Dann kam Marie Therese Kerschbaumer, hat sich an den aktuellen Anlaß bezogen und das Ende eines Textes gelesen, den sie schon 2005 in Mauthausen vorgetragen hat. Hilde Schmölzer hat ein Stück aus dem Kapitel über Käthe Leichter aus der „Revolte der Frauen“ gelesen, die 1942 von den Nazis vergast wurde. Dann kam Marlen Schachinger, die eine sehr poetische Sprache hat und aus einem Romanprojekt las, wo es um eine junge Philosophieprofessorin aus Havanna geht, die in Kuba die Perestroika einführen will und durch Vermittlung ihres Vaters flüchten kann.
Dann kam der nächste Themenblog, hier begann Sylvia Treudl mit einer wahren Geschichte, die sie, glaube ich auch schon bei der GV der IG Autoren erzählt hat, da hat sie darüber berichtet, jetzt hat sie die Schwierigkeiten, die eine osteuropäische Autorin mit einem Reisestipendium hatte, in eine Österreichbeschimpfung verpackt, es „Willkommen herzlich“ genannt und noch ein feministisches Dialektgedicht dazugelesen. Barbara Neuwirths Text hieß „Fremde suchen“, sie erzählte mir, daß sie ihn extra für die Veranstaltung geschrieben hat, der mit „Du bist fremd, du fühlst dich fremd“ begann und mit „Die Mischung von Vertrauten verändert die Welt“ endete.
Mechthild Podzeit-Lütjen hat ebenfalls eine sehr poetische Sprache und auch immer orignielle Einfälle ihre Texte zu gestalten. So handelte „Zugbrücke hoch oder car checking“, in etwas bizarrer Form die Angst vor dem Fremden und von der Bedrohung, die von ihnen ausgeht, ab. Gutgemeinte Ratschläge zum Schutz des Eigentums und der Handtaschen könnte man es etwa nennen und die Sprachgewalt in Mechthild Podzeit-Lütjens Texte ist auch immer enorm. Ilse Kilics Text begann mit „Ich habe mir vorgenommen von der Umwelt zu sprechen“ und wiederholte das mehrmals. Der Fragebogen zum ökologischen Fußabdruck kam darin vor, der sich nicht mit Büchern beschäftigt und die Schriftsteller und die Schriftstellerinnen, die bei den Umverteilungsdebatten üblicherweise auch durch den Rost fallen. Fritz Widhalms Text war ein Gedicht im Blocksatz und behandelte die entartete Musik im dritten Reich und Erika Kronabitters „Die Verpackerin“ hat mich am meisten überrascht, begann er doch ähnlich, wie der von Barbara Neuwirth. Da kommt eine her, fühlt sich fremd, versteht die Sprache nicht und hat auch keine Zeit sie zu lernen, wird sie doch in einem Chinarestaurant ausgenützt, dann vermittelte sie ihre Lehrerin in eine Versandfirma und sie beginnt den Kunden, wenn die gewünschten Waren nicht da sind, andere zu schicken, die beschweren sich, bis sie anfängt unterstützt von der Lehrerin Briefe an die Kunden zu schreiben, „liebe Bestellerin des blauen Kleides, ich schicke Ihnen eines in der Farbe des mongolischen Himmels, meiner Heimat“ und alle sind zufrieden und Deutsch hat sie offensichtlich auch sehr gut gelernt.
Nach der Pause zeigte Thomas Northoff wieder seine Graffitis. Walter Bacos Text hieß „Menschenjagd“, da bestellen sich die Kannibalen in einem Reisebüro Touristen. Sabine Gruber las ein Stück aus ihrem letzen Roman und Reinhold Schrappeneder zwei Szenen über einen Herrn Kestranek, der sich im Fernsehen Berichte über hingerichtete Schwarze ansieht und in der Nacht Alpträume hat, weil er glaubt, daß er während einer Abschiebung erstickt. Hilde Langthaler setzte sich mit dem Begriff „Rassismus“ auseinander. Sophie Reyer las sehr poetisch von einem Kind, das war dann schon die Abteilung „Frauen“. Hier folgte Judith Gruber-Rizy mit einem Ausschnitt eines neuen Rosa-Romans, der im Künstlermilieu spielt, „high heels“ hieß und sich mit den chauvinistischen Ansichten der bildenden Künstler auseinandersetzt, während die rebellischen Künstlerinnen malen.
Am Schluß wurde es noch einmal poetisch mit Rolf Schwendter und einer aktualisierten Fassung seines „Tags der Freiheit des Wortes“.

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