Literaturgefluester

2013-01-22

Wien-Rhapsodie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:28

„Aufgegriffenes, Vorgegebenes und Neues verbindet die freie Form der Rhapsodie, einst von den griechischen Wandersängern, den Rhapsoden, vorgetragen: Aus gedichtetem Text, Kompositionen und dem unabsehbaren, offenen Bereich der Improvisation aus Stimme, Trompete, Akkordeon und Klavier werden scheinbar flüchtige zunächst nicht zusammenhängende Motive aus Wort, Ton und Klang aufeinander aufgebaut und ineinander verschränkt.“, schreibt Ferdinand Schmatz im Programm der Alten Schmiede und tritt dann selbst mit Oskar Aichinger am Klavier, Franz Hautzinger Trompete und Walther Soyka Akkordeon auf.
Angekündigt ist die Veranstaltung im Literaturteil, obwohl die Alte Schmiede auch ein eigenes kostenloses Musikprogramm hat und obwohl ich nicht so ein unbedingter Schmatz-Fan bin, habe ich mir die Veranstaltung eingetragen.
Eigentlich wollte ich ja auch gestern Montag in die Alte Schmiede gehen, wo Alexander Nizberg seine Neuübersetzung vom Meister und Margarita präsentierte, dann hatte ich ich aber eine Tschetschenen und eine russische Übersetzerin bei mir und es ist sich nicht ausgegangen, ich habe die alte Übersetzung aber ohnehin auf meiner Leseliste und Alexander Nizberg auch schon kurz bei der Buch-Wien und im Ex Libris daraus vortragen gehört.
Ferdinand Schmatz, der 1953 geborene experimentelle Dichter, der bald Geburtstag hat, ist Jandl-Preisträger und Nachfolger von Robert Schindel als Leiter des Hochschulstudium für Sprachkunst, Priessnitz Nachlaßverwalter ist er, wie ich Wikipedia entnehme auch und der Kellersaal, als ich ziemlich spät eingetroffen bin, auch ziemlich voll.
Vorher habe ich mir bei Morawa, wo es jetzt doch ein paar Abverkaufskisten gibt, vielleicht zum Thema passend, „Die Dirigentin“ vom blauen Sofa Kritiker Wolfgang Herles um fast drei Euro gekauft und mich dann in die zweite Reihe neben Helmut Jarosik gesetzt, der ja sehr oft zu Musikveranstaltungen geht.
Kurt Neumann kündete an, dann ging es los mit den Improvisationen und der Stimme Ferdinand Schmatz der mit „Küß die Hand, Wien“, begann und mit allen Klischees und Dialektvariationen von den „Pülchern mit der Puffen im Buff, bis in die Simmerringer Heide, wo der schönste Salat wächst und zum Bad, wo die Arbeiter stranden und dem Häufl, wo die Gänse baden“, durchzog und auch mal etwas von der „Barnabitengasse, wo sie sich hat bitten lassen“, rezitierte.
Dazwischen riefen die drei Musikanten manchmal Namen in die Runde, einmal hatten sie auch darauf vergessen, so daß Ferdinand Schmatz wiederholte und verzweifelt in die Runde schaute.
Es gab ein paar Durchgänge und auch ein paar musikalische Soleimprovisationen. Der Untergrund wurde zitiert, von der Kacke bis zur Pisse im Kanal und am Naschmarkt und wieder zurück und wieder Wien, war es Rundgang durch Wien, den Kurt Neumann ankündete und auch in Bälde eine CD versprach.
Nachher gab es viel Applaus, Pfiffe und Zugabenrufe, wie das im musikalischen Sektor so üblich ist, bei einer Rahpsodie aber offenbar nicht, so gab es nur ein paar Verbeugungen, bevor sich die Musiker in den hinteren Raum zurückzogen und Ferdinand Schmatz, was bei den literarischen Veranstaltungen eigentlich unüblich ist, die Türe hinter sich verschloß.
Ein paar bekannte Gesichter habe ich gesehen, aber sonst war es es eigentlich nicht das literarische Publikum, das gekommen war, obwohl sich, glaube ich, schon ein paar Schmatz-Fans dabei befanden, ja und richtig, fast vergessen ein Wienerlied, nicht betrunken, nur ein schöner Rausch, gab es auch.
Ich bin dann noch ein Stück mit dem Helmut bis zur U-Bahn gegangen, dem ich erzählte, daß ich früher schon einige sehr gute Musikprogrammaufführungen gesehen habe, inzwischen aber, da ich ja fast täglich eine Stunde blogge, hundertfünfzig Bücher im Jahr lese, etwa drei schreibe und auch noch eine psychologische Praxis führe, mich bei den Veranstaltungen fast ausschließlich auf die Literatur beschränke, so daß es sehr gut ist, wenn sie einmal von Ferdinand Schmatz oder Kurt Neumann durch musikalische Rhapsodien durchsmischt werden. Aber Reinald Deppe gibt es bei literarischen Veranstaltungen ja auch öfter zu hören.

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