Literaturgefluester

2013-01-31

Der Geschichtenerzähler

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Jetzt kommt noch ein Nachtrag auf meiner Bücherliste, nämlich die „Eine STADT- ein Buch“ – Aktion von 2011, „Der Geschichtenerzähler“ vom Nobelpreisträger des Jahres 2010, des 1936 in Peru geborenen Mario Vargas Llosa, das im Oktober 2011 in der Hauptbücherei vergeben wurde. Ich bin hingegangen, habe mir das Buch abgeholt und es ist auf die Leseliste von 2013 gekommen. Inzwischen steht noch „Der Hauptmann und sein Frauenbataillon“ darauf, aus dem Bücherschrank, das ich demnächst lesen werde.
Weil Vargas Llosa im Oktober nach Wien gekommen ist, vielleicht in Verbindung mit Frankfurt, wurde das Buch nicht auf der Buch-Wien, wie die letzten anderen, vergeben und es gibt auch kein Interview im Buch, nur der Abdruck der Nobelpreisrede und die ist auch sehr interessant. Spricht da der Autor ja über die Literatur, sein Leben in Paris und Spanien. Er lebt jetzt in Madrid und Lima, gibt allgemeine politische Einschätzungen und meint, daß er immer gern geschrieben hat, wie ihm seine Mutter erzählte, daß er schon früh, die Geschichten seiner Bücher fertiggeschrieben hat und seine Frau, die ihm managt, beklagt sich oft liebevoll „Mario, du taugst einfach nur zum Schreiben!“ und die Rede ist ein „Lob auf das Lesen und die Fiktion“.
„Der Geschichtenerzähler“, Vargas Llosas persönlichstes Buch, wie es irgendwo heißt, ist das vielleicht auch, denn da gibt es einen Ich-Erzähler, den man leicht mit dem Autor in Verbindung bringen könnte und der beschreibt, wie er 1987 nach Florenz fährt, um dort „Dante und Machiavelli zu lesen und die Malerei der Renaissance anzuschauen“ und in eine Galerie zu einer Ausstellung über Fotgrafien der Amazonas Region kommt. Der Fotograf ist schon gestorben, die Fotos sind auch nicht zu verkaufen. Es sind aber Bilder über den Machiguengas-Stamm, die keinen Kontakt zur Zivilisation halten und eines zeigt einen Geschichtenerzähler und das Bild löst so wilde Erinnerungen im Erzähler aus, daß er so oft in die Ausstellung kommt, daß ihm das Mädchen an der Kassa erklärt, daß sie schon vergeben ist.
Es ist aber nicht das magere Brillenmädchen, das ihm so aus der Fassung bringt, sondern die Erinnerung an einen Studienfreund, Saul Zuratas, jüdischer Abstammung mit einem riesigen Leberfleck im Gesicht, so daß ihn alle „Mascarita“ rufen, ihn anstarren und sich vor ihm fürchten.
Er trägt das in Fassung, der Ich-Erzähler pflegt deshalb zuzuschlagen und wird vom Freund zu mehr Gelassenheit gemahnt und da erzählt er ihm auch von dem Machiguengas-Stamm im Urwald. Eigentlich sollte er ja Jus studieren, er wählt die Ethnologie und verbringt seine Ferien im Urwald, um dort zu forschen, so daß seine Professoren entzückt über ihn sind und ihm ein begehrtes ausländisches Stipendium verschaffen.
Er lehnt aber ab, angeblich, um den Vater nicht allein zu lassen, vielleicht auch, weil er mit der Ausbeutung der Indiander durch die Ethnologen nicht einverstanden ist und der Ich-Erzähler macht einmal eine Exkusion in das Gebiet, lernt dort ein amerikanisches Ehepaar kennen, das dort missioniert und erfährt das erste Mal von den „Geschichtenerzählern“.
Das sind Leute, die von Familie zu Familie ziehen und durch ihre Geschichten den Stamm zusammenhalten, denn der will sich eigentlich nicht zivilieren lassen, hat seine eigene Riten und eine ist davon, daß alle mißgestalteten neugeborenen Kinder umgebracht werden und auch die Alten, wenn sie schwach werden, dem Tod überlassen werden. Der Ich-Erzähler spricht mit seinen Freund bei Schmalzbroten, seinem Lieblingsessen, er wollte nicht auf die Excursion mitkommen, darüber und sieht ihn dann nie wieder, denn er geht jetzt ins Ausland und später hört er, er wäre mit seinem Vater nach Israel imigiriert.
Dazwischen kommen Kapitel von dem Geschichtenerzähler, die über die Mythen, Sitten und Gebräuche des Stammes erzählen, die nicht leicht zu verstehen sind.
Im zweiten solchen Kapitel wird aber ein Papagei erwähnt, den der Geschichtenerzähler auf der Schulter hat und Saul Zuratas hatte einen solchen.
Der Ich-Erzähler will über den Geschichtenerzähler schreiben, tut sich aber mit der Form schwer, so kommt er nach Peru zurück, erfährt, daß Saul vielleicht gar nicht nach Israel gegangen ist und macht sich noch einmal in den Urwald auf. Da gibt es jetzt zwei Dörfer, wo sich auch Lehrer um die Eingeborenen kümmern, als er die nach dem Geschichtenerzähler fragt, geben sie keine Auskunft, das amerikanische Paar erzählt aber, sie hätten zweimal einen gesehen und der zweite hatte einen Leberfleck auf der Wange.
Dann kommt noch ein Geschichtenerzählerkaptitel, da wird von dem erzählt, der die Hirschkuh essen wollte, was verboten ist, weil die Inkarnation des Stammes, er tut es trotzdem und wird von Hirschen umzingelt, so daß er sich nur noch auf einen Baum flüchten kann.
Von einem Vogel wird auch erzählt und dann erzählt der Geschichtenerzähler, daß er selbst mit dem Leberfleck geboren wurde und erzählt auch die Geschichte von dem mißstalteten Papagei auf seiner Schulter.
Dann geht es wieder nach Florenz zurück, der Ich-Erzähler besucht die Galerie und beschließt den Geschichtenerzähler für Saul zu halten und seine Geschichte wird nun auch erzählt bzw. geschrieben.
Ein interessantes Buch, umsomehr, da ich ja erst vor kurzem eines von einem Urwald gelesen habe.
Judith Oliva vom „Vom Schreiben und vom Lesen“, schreibt, daß es ihr nicht so gut gefallen haben und, daß das Buch kein typischer Roman ist, spannend habe ich es schon gefunden und jetzt bin ich natürlich auch auf das andere Vargas Llosa Buch sehr neugierig.

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