Literaturgefluester

2013-03-12

Julian Schuttings Herrenrunde

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Wieder einmal Zauberberg, die monatliche Veranstaltung im Klangtheater, wo man eine Hörspiel- oder Featureproduktion vorab hören und mit dem Autor und dem Regisseur diskutieren kann.
Bei Andrea Winkler bin ich einmal dortgewesen, diesmal gab es Julian Schuttings „Herrenrunde“, ein Sprachkünstler, der mich ja interessiert und traf prompt Inge Reisner im Foyer, bei der letzten Schutting Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur sind wir nebeneinandergesessen.
Im Klangtheater saßen wir in den vermutlich ausrangierten Polstermöbeln hintereinander. Die erste Reihe war für Autor und Regisseurin reserviert, Peter Klein, der Moderator lief auf und ab. Relativ viel Publikum, Julian Schutting begrüßte beim Hereingehen seine Freunde und meinte zu Beginn, das Publikum würde sein Hörspiel unsympathisch finden, gehe es ja um Ehescheidungen, zu mindestens hat Peter Klein zu Beginn die Scheidungsstatistik referiert.
In Wien werden die meistens Ehen geschieden, in ÖO die wenigstens und in Julian Schuttings-Herrenrunde kommen nicht nur Herren, sondern auch Damen zusammen, um sich über ihre Beziehungen zu äußern, stänkern, motschkern hat es Peter Klein erklärt.
Als Plädoyer für die Ehescheidungen hätte ich es gar nicht empfunden und auch der Titel wunderte mich etwas, kamen ja auch, wenn auch in geringerer Zahl Frauenstimmen vor und eingeleitet waren sie sehr oft mit Namen. Ein Peter, Dieter, Albert, Bruno, eine Gerti, etc, mit Musik umrahmt, Brahms aber auch moderneres und manchmal überschnitten sich die Stimmen, was vom Publikum später bemotschkert wurde und für mich war dieser Schutting auch alltagssprachlicher, als, was ich sonst so von ihm kenne. Er scheint das auch so empfunden zu haben und hat von einem Volksstück in der Diskussion gesprochen.
Das Publikum widersprach vehemt und hat Dinge herausgehört, die mir entgangen sind.
Schöne Sätze, schöne Szenen waren es aber allemal, Venedigszenen und Beschreibungen von Paaren, die sich gegeneinander beschwören, daß sie zu müde für die Liebe sind, bevor sie in ihre Liebesspiele entfalten und von den alten Paaren, die sich in der Wienerwaldschenke die Brettljause miteinander teilen und dem andere jeweils das schöner Brotstück, das größere Gurkerl zuteilen.
Wo bleibt da die Scheidung? Und es endete auch tröstlich, bekundete Julian Schutting am Ende. Ein Dichter kam natürlich auch noch vor und ein Paar das siebzig Sonntagseier miteinander teilte, weil die bekommt man nur dann zum Frühstück und eines das zur Scheidung ein Geschenk mitbringt. Sie bringt es, er hat es vergessen und reißt die Widmung von ihrem Buch heraus.
Allerweltsäußerungen über Beziehungen in einer etwas anachronistischen Sprache, was so die Peters, Dieters, Alberts am Stammtisch über ihre Frauen nicht sagen würden und Renate Pitroff hat es mit elf Schauspielstimmen zurechtgeschnitten, in der Diskussion sprach Peter Klein dann auch Julian Schuttings Flaneurtätigkeit an.
„Hierher sind Sie aber nicht zu Fuß gekommen?“
„Doch!“ antwortete er .
„Von Grinzing über Döbling ist das nicht weit und in die Oper gehe ich auch zu Fuß über den Donaukanal!“
Was ich, die ich ja auch einmal, in der Sommeraffenhitze auf den Grinzinger Friedhof gegangen bin, bestätigen kann, das es nicht stimmt. Es ist von Grinzig weit bis in die Argentinierstraße und ich würde dazu länger als eine Stunde brauchen, gehe aber auch sehr viel zu Fuß und finde das sehr inspirierend.
Julian Schutting war einmal, wie er erzählte, verheiratet und ist ein großer Liebender, vierzig Bücher und mehrere Hörspiele hat er auch schon geschrieben.
Am Schluß gab es dann den Hinweis auf die Hörspielsendung gleich heute Dienstag.
Am Donnerstag gibt es dann Lyrik im Klangtheater, so daß Peter Klein Julian Schutting nach seinen Lyrikvorlieben fragte.
„Hölderin und Mayröcker!“, antwortete er und beklagte dann , daß soviel saudumme Lyrik geschrieben würde, was mich ein wenig verwunderte, kann ich mich ja an eine GAV-GV erinnern, wo es um die Aufnahme von eher als kitschig empfundenen Lyrikerinnen ging und er einer der wenigen war, die für die Aufnahme stimmten.
„Nach der Bachmann wird sehr schlechte Lyrik geschrieben!“, hat er aber sinngemäß gesagt, wie Peter Klein zitierte, die Herren und die Damenrunde hat aber ohnehin in ästhetisch schöner Prosa gematschkert und gestänkert.

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