Literaturgefluester

2016-02-20

Sein Leben ein Traum

Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem Bücherschrank, der in der Bücherbilde Gutenberg“ erschienene „Grillparzer Roman“ von Friedrich Schreyvogl, des Großneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale NDSAP eintrat, dort in der Reichstumschriftkammer tätig war, sich nach 1945 wieder auf seine Katholizität besann und bis zu seinem Tod 1976 in Wien im literarischen Leben aktiv tätig war. Er hat auch ein Ehrengarab am Zentralfriedhof und gilt wie ich „Wikipedia“ entnehme „als wendiger, schnell und vielschreibender Literat.“

So gibt es auch eine lange Werkliste und einige Grillparzer-Bücher sind dabei.

Mein Buch hat das Copyright 1940 aus dem „Zsonay-Verlag“ und ich habe es schon vor einiger Zeit gefunden und auf die Leseliste gesetzt, nachdem ich Ruth Aspöcks „Reisen mit Grillparzer“ gelesen habe.

Ich bin ja kein so besonderer Fan des österreichischen Nationaldichters, gehe auch nicht mehr viel ins Theater.

„Weh dem der lügt“, hat mich aber sehr beeindruckt und als ich als Hauptschülerin von der städtischen Bücherei mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause kam, habe ich sie glaube ich, auch ziemlich ungelesen wieder zurückgebracht.

Trotzdem sehr interessant den 1940 geschriebenen Roman mit all dem historischen Wissen, das man inzwischen hat, zu lesen, er  ist noch in der alten Schrift, die aber relativ leicht zu lesen ist und beginnt auf einem Schloß bei einem Grafen, wo der junge Grillparzer nach seinem Jusstudium Hofmeister war.

Der Graf jagt ihm bei Regen auf einen offenen Wagen zu einer Kirche, der Fieberwahn oder ode ersten Dichterphantasien wieder, später treffen wir ihn dann in Wien, wo er als Konzipient gearbeitet hat und ein Freund die ersten Verse entdeckt, die werden Joseph Schreyvogel, der damals Burgtheaterdirektor war zugespielt und der Aufstieg beginnt.

„Die Ahnfrau“ im „Theater an der Wien“, die den jungen Dichter sofort berühmt machen und während er an der „Sappho“ schreibt, erhängt sich die Mutter, der Bruder bringt sich um und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

„Medea“ wird geschrieben und Grillparzer lernt in einem Salon Kathi Fröhlich kennen, die jüngste von vier Schwestern, die ihr von ihrem Unheil erzählt, weil ihre Mutter mit den Kindern jeden Tag auf den Friedhof geht, um dort den toten Bruder zu besuchen, so daß die kleinen Mädchen, den als Spielplatz benützten.

Die großgewordene Kathi geht mit Grillparzer und Franz Schubert in den Weinbergen spazieren und dann auf den Grinzinger Friedhof und Schreyvogel deutet an, daß sie vielleicht deshalb die ewige Braut geblieben ist, weil es in ihrem Zimmer, als er sie besuchen wollte, so unaufgeräumt war und sie dann noch aus Trotz einen Hausschuh einfach unters Bett beförderte, während der zweite schon im Bett versteckt war.

Grillparzer, der schon an seinen „König Ottokar“ denkt, will sich, um sich ganz der Dichtung zu widmen auch aus dem Staatsdienst entfernen, ein hellsichtiger Minister hindert ihn daran, denn man braucht ja die Wurzeln, wenn der Geist in die Höhe fließen wird.

Er soll auch für Beethoven ein Libretti schreiben, entscheidet sich für die „Schöne Melusine“, die aber von dem tauben Titanen nie komponiert werden wird.

So trifft er sich mit Gleichgesinnten im „Ludmannsbund“, gerät dabei mit der Zensur in Schwierigkeiten und geht auf große Deutschlandreise, besucht in Berlin Hegel und in Weimar nimmt sich der doppelt so alte Goethe sogar einen ganzen Tag für ihn Zeit.

Beethoven stirbt und eine mögliche Geliebte, eine andere heiratet, war Grillparzer wirklich so ein Frauenheld, aber der verknöcherte Hofarchivdirektor, wie wir ihn von den Bildern kennen, wird einmal jung gewesen sein und in dem Biedermeier-Wien sehr beliebt.

„Ein treuer Diener seines Herrn“ wird geschrieben, „Des Meeres und der Liebe Wellen“ und, daß es an der Zeit ist, sich an „Ein Traum ein Leben“ heranzuwagen, daran erinnert ihn, ein bei einer Kur in Gastein gekaufter schwarzer Stock.

Die deutschen Dichter Heinrich Laube und Karl Gutzkow kommen nach Wien und besuchen den „Blauen Stern“, wo Nikolaus von Lenau, Grillparzer und andere Dichtergrößen ihren Stammtisch haben, dann geht es auf die von der Ruth beschriebenen Reisen nach England und Frankreich, wo Grillparzer in Paris im Palais Rothschild mit den Meistern Meyerbeer und Rossini zu Abend essen wird. Das der letztere ein Feinspitz ist, weiß ich von einem Kochbuch, das ich einmal geschenkt bekommen habe. Bei Rothschild darf der den Champagner goustieren und erkennt den Jahrgang am Geschmack, dafür komponiert er nicht mehr und Grillparzer soll auch bald in die Krise kommen, taucht doch plötzlich ein bisher unerwähnter Bruder auf, den er im Gefängnis in Linz begeben hat, denn der „wahnsinnige“ Zollbeamte, hat einen Mord gestanden, der nur in seinen Träumen geschah und Bruder Franz, jetzt Vierzigjährig schreibt „Weh dem der lügt“ und wird dafür im Burgtheater ausgepfiffen.

Es geht mit dem Schiff auf der Donau bis nach Konstantinopel. Erwin Riss hat darüber, glaube ich, ein Hörspiel gemacht und Ruth Aspöck ist ihm nachgefahren und zum dreiundfünfzigsten Geburtstag gibts für den ersten österreichischen Dichter ein großes Fest in der „Concordia“. Waldmüller hat dazu ein Portrait gemacht und dann kommt die Revolution.

Für ein Gedicht auf Feldmarschall Radetztky bekommt Grillparzer eine große Ehrrung, aber kein Geld und die Excellenzen bemühen sich in den vierten Stock des Hauses, in der die Wohnung der Schwestern Fröhlich liegt, in der Grillparzer ein Zimmer gemietet hat.

Die letzten Theaterstücke scheint er nur mehr für sich selbst geschrieben zu haben,  die Ehrungen und die Stürze kommen und im einundachtzigsten Lebensjahr, stirbt der grantige Herr Hofrat an Alterschwäche. Vorher hat ihn noch die Schauspielerin Charlotte Wolter besucht, ins Burgtheater, wo Heinrich Laube Direktor wurde, ist er dann nicht mehr gegangen.

Und so sind wir mit dem wendigen Dichter in sehr anschaulichen Bildern und vielen Wetterschilderungen in achtzehn Kapiteln und drei Teilen auf vierhundertfünfzig Seiten, durch Grillparzers Leben gegangen und haben seine Träume kennengelernt.

Friedrich Schreyvogl hat auch an der Herausgabe der Grillparzer Gesamtwerke mitgearbeitet und von seinem Großonkel vielleicht auch einiges an Wissen gehabt.

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