Literaturgefluester

2015-09-05

Baba Dunjas letzte Liebe

Buch sechs des Longlistenlesens, das geht ja wie geschmiert und es ist, glaube ich, das dünnste, nämlich Alina Bronskys „Baba Dunja letzte Liebe“ und von der 1978 in Jekatarinaburg geborenen, unter einem Pseudonym schreibenden Autorin, habe ich ja vor kurzem ihr Longlist Buch 2010 „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ gelesen und war von der Superheldin Rosalinda nicht so ganz begeistert, wie ich es von Baba Dunja bin.

Eine Satire, ein Märchen, ein realistischer Bericht aus der Tschernobylzone?

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich das dünne Büchlein einordnen soll, ein Sommerroman, leicht zu lesen? Aber gar so leicht ist der Inhalt nicht.

Also ich habe keine Ahnung, ob es Tschnobyl-Rückkehrer gibt und ob man in den verseuchten Städten und Orten leben kann.

Alina Bronksy macht aus der über achtzigjährigen Baba Dunja, einer ehemaligen medizinischen Hilfskrankenschwester, wie sie immer betont, eine solche und die ist als erste in das kleine Dörfchen Tschernowo zurückgegangen, wo jetzt eine Handvoll über Achtigjähriger leben, alle strahlenversucht und verkrebst, wie der alte Petrow.

Aber was macht das schon, die Gurken wachsen jedenfalls wieder und die Birken, eine solche, ein russisches Symbol, ziert auch den Umschlag, aber Tschernoby ist ja in der Ukraine.

Es gibt nur gelegentlich Strom, keinen Wasseranschluß, sondern Brunnen und ein uraltes Telefon, von dem man nicht genau weiß, ob es funktioniert oder nicht?

Der Hundertjährige, dem es gehört, behauptet das jedenfalls und der würde auch gerne Baba Dunja heiraten, weil sie eine gute Köchin ist und ihn versorgen könnte, aber die will das nicht so recht, sieht sie ihren Jegor, obwohl der schon verstorben ist, doch ständig auftauchen, aber Teschernowo ist ja ein Geisterdorf und so hat die Tochter Irina, die inzwischen Chrirgin bei der deutschen Bundeswehr ist, ihrer Mutter auch sehr energisch abgeraten, in das Dorf zurückzukehren.

Die hat sich, eine ähnlich energische Heldin, wie Rosalinda nicht abhalten lassen, so bekommt sie fortan Briefe und Päckchen von der Tochter und hat ihre Enkelin Laura, die inzwischen über Siebzehn ist, noch nie gesehen und die ist Baba Dunjas letzte Liebe und sie bekommt eines Tages auch einen auf Englisch geschriebenen Brief von ihr, den sie nicht lesen kann und Besuch von zwei Fremden, einem Vater und einer Tochter bekommt das Dörfchen eines Tages auch.

Das ist etwas unklar geschildert, in zu großer Hast und Eile, wie eine „Amazon Rezensentin“ vermutete, vielleicht wollte der Vater der geschiedenen Frau eines auswischen und brachte deshalb das Kind in die strahlenverseuchte Gegend, die ehemalige Hilfskrankenschwester reagiert auch sehr energisch, wickelt Glascha in Alufolie, von der Tochter geschickt bekommen, zur Strahlenabwehr ein und der Vater liegt plötzlich tot am Boden.

Wahrscheinlich hat ihm Petrow mit der Axt ermordet, die Mutter holt jedenfalls die Tochter ab und Baba Dunja meldet der Miliz, was ein Fehler war, den Toten, denn so gerät sie und das ganze Dorf unter Mordverdacht.

Sie nimmt bei der Verhandlung aber die Schuld auf sich, bekommt drei Jahre und einen Schlaganfall, Irina holt die Mutter, die dann auch begnadet wird, heraus und will sie nach Deutschland bringen, aber da hat sie keine Chance bei der energischen alten Dame, denn die will in ihrer Heimat sterben und so kehrt sie nach Tschernowo zurück.

Sicher ein leicht lesbarer Roman, kein Zweifel, aber auch einer über den man nachdenken kann, wie ist das jetzt mit der Ukraine Krise und den Russen die, ähnlich, wie Alina Bronsky nach Deutschland auswanderten ist?

Haben die jetzt wirklich das große Glück gezogen oder ist es besser in der alten Heimat zu bleiben, obwohl die so verseucht ist, daß die Biologen die Köpfe schütteln und das Nachbarstädtchen, die Rückkehrer nicht auf seinen Friedhof begraben will?

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