Literaturgefluester

2018-01-02

Wir haben nämlich beide eine Zahnspange, aber er nur oben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Das etste Buch im neuen Jahr ist eines, das schon auf meiner Leseliste für 2017 gestanden ist, ein schönes kleines rosa Büchlein aus dem „Holzbaum-Verlag“ mit Herzchen auf dem Cover.

Diana Köhles gesammelte Einträge aus den Tagebuchslams, die sie neben den Poety Slams, von mir verborgen, offenbar seit vier Jahren moderiert.

Aber, daß Tagebuch schreiben oder vorlesen seit einigen Jahren „in“ ist, weiß ich, denn da gibt es ja eine Dame, die ich, glaube ich, einmal bei der Ruth kennenlernte, die den sogenannten „Tagebuchtag“ veranstaltet. Da kann man eine Lesung daraus halten oder organisieren und sie sammelt das dann in einem Programm.

Da habe ich mich nie angemeldet, obwohl das „Literaturgeflüster“ ja auch ein öffentliches Tagebuch ist, eines über mein Schreiben, mein Lesen und mein Leiden am Literaturbetrieb, wie man es etwas pathetisch ausdrücken könnte.

Richtiges Tagebuch habe ich auch schon immer geschrieben und kann mich erinnern, daß ich, als ich etwa zehn war, ein solches zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekommen habe. Ich hab dann etwa hinein geschireben: „Ich will mir mein Tagebuch schön gestalten“, habs dann zugemacht und das Schloß nicht mehr aufbekommen.

So daß ich meine Eltern zur Hilfe rufen mußte, wie peinlich, denn die haben das natürlich gelesen und das wäre dann wahrscheinlich etwas für den Tagebuchslam, wo wenn ich das richtig verstanden habe, die Leute aus ihren Tabebücher lesen und die Zuhörer beklatschen einem dann und wählen den Sieger aus, der, wenn ich es wieder richtig verstanden habe, symbolisch oder echt tausend Schilling dafür bekommt, denn den Schilling gibt es ja schon lang nicht mehr.

Ich war, wie schon geschrieben, nie auf einer Tagbebuchslamveranstaltung, wohl aber im November  auf der über den „Open Mike“ im  Literaturhaus, an dem Tag hat mir „Holzbaum“ glaube ich „Den allerletzten Tage der Menschheit“ geschickt, sowie den Katalog und da bin ich, glaube ich, auf das schöne rosa Büchlein, das mir dann im Literaturhaus die neben mir sitzende ältere Dame zeigte, die bei diesen Slams mitbmachte und, glaube ich, sogar die Texte ihrer 1916 geborenen Mutter vorgelesen hat.

Jetzt habe ich das kleine Buch gelesen und bin immer noch ein wenig skeptisch, ob man sich über seine Tagebücher lustig machen soll? Ich würde das nicht tun, aber die Leute, die dort lesen, tun das ja freiwillig, während ja schon Tagebücher veröffnentlicht wurden, wo man nicht sicher sein kann, ob die Schreiber das wirklich wollten?

Heinrich Bölls „Kriegstagebücher“ wären so ein Beispiel und bei der Anne Frank kann man sich auch nicht sicher sein, ob sie das wirklich so veröffentlicht haben hätte wollen, obwohl sie sie ja, glaube ich, bearbeitet hat und auch Schriftstellerin werden wollte.

Bei den Slams ist das aber so und da wird wahrscheinlich auch viel gelacht und Diana Köhle, hat sich, glaube ich, bei der Herausgabe viel Mühe gemacht, ein Vorwort dazu geschrieben und eine kleine Statistik über das Alter der Teilnehmner, die meisten sind sehr jung, die alte Dame mit der Mutter gibt es aber und einen vierzigjährigen Hans, in dem ich den Hans Kantischar vermuten würde, den Psychologen, der über dem Literaturhaus wohnt und bei den Poety Slams auftritt und auch bei dieser Flüchtlingsveranstaltung gelesen hat, gibt es auch.

Die Einträge sind in verschiedene Kapitel aufgeteilt und bei manchen, nicht bei allem, kann man anschließend selbst dazu schreiben, wie man seinen „Skikurs“ empfunden hat oder kann über seine „Lieblingsbands“ schwämren.

Das erste Kapitel heißt „Höhepunkt“ und da schreibt und das ist ganz interessant eine elfjährige Lore, ist das die alte Dame aus dem Literaturhaus, am 11.12 1950 „Unser Bundespräsident  Dr. Karl Renner feiert am Donnerstag seinen achtzigsten Geburtstag“

Das klingt jetzt ein bißchen brav und bierder, aber um nichts mißzusverstehen und das Buch vielleicht gar nicht erst aufzuschlagen, es gibt noch andere Einträge in diesem Kapitel, wo sich beispielsweise eine Tanja, 17, 2010 um „ihre Entjungferung“ sorgt.

Dann gehts zur „Schule, Skilager & Lernen“ und zu „Musik, Stars, Fernsehen & Film“, wo man, wie schon erwähnt seine eigenen Erlebnisse niederschreiben kann.

Da erwähnt eine Gabriele beispielsweise, daß sie  1998 den Film „Titanic“ gesehen hat.

„Er war sehr trauig, es hat immer jemand geweint“ und „Am 26. Juni 2009 ist Michael Jackson, der  King of Pop gestorben.“, wie die dreizehnjährige Lea am 9. 7. 2009 schreibt.

Man sieht, das sind die Einträge, die die Schreiber bewegten. Übers Rauchen, was ja inzwischen unter achtzehn streng verboten ist, geht es bei „Freunde und BFF“ auch und da wundert sich 2001 beispielsweise eine Anja, 13 Jahre, daß das „so total einfach“ ist.

Jetzt habe ich aber auf das Kapitel „Familie“ total vergessen, wo Jules 13, seine Eltern stöhnen hörte, was aber „macht (glaub ich) nix. Is ja normal, was Eltern so tun. Und es ist auch kein Verbrechen, dass ich was gehört hab.“

Da tritt dann auch der Hans auf, der 1992, mit vierzig, den Dialog zwischen Antonia und ihrer Oma beschreibt, wo die erstere, der zweiten auf den „Busi“ schauen will, was die Großmutter  streng verwehrt und bis zur Morddrohung, beziehungsweise Messer holen geht, was der Enkelin nichts macht, daß sie dann keine Oma hätte, wenn sie die aufschneiden würde, weil es ja noch eine andere gibt.

Na ja, die Jugend ist brutal, könnte man denken, 1992 wahrscheinlich genauso wie 2018, was man dann wahrscheinlich bei den nächsten oder übernächsten Slams wird hören können,

Im Buch gehts dann sehr lang, nämlich über sechzig Seiten zu „Love, sex, boys & girls“, wo wir Dinge erfahren, die schon zum beispiel bei den „Höhepunkten“ angeschnitten wurden, wie das Zungenküssen geht, zum Beispiel oder wie die ersten Liebeserfahrungen waren.

„Ich finde Manuel irrsinnig deppert. Ich liebe jetzt jemanden  anderen“, meint die elfjährige Constanze, da zum Beispiel am 27. 11. 1991 und so weiter und so fort, bis es in den „Urlaub“ geht.

Von dort geht es dann über den „Glauben & Feiertage“

„Hallo, liebes Tagebuch! Morgen kommt der Osterhase, ich glaube nicht mehr daran! Tschüss, liebes Tagebuch“,  schreibt,“ Charlotte, 8 Jahre“ sehr lakonisch, zu den „Zeitgeschnissen“, wo der elfte September 2001 und noch einiges andere thematisiert wird und man sehen kann, wie sich das auf die Kinderseelen auswirkte, über einiges andere zu den „Listen &Aufzählungen“:

„Steckbrief von David Duchovny

Name: ist doch wohl klar

Geburtsdatum: 7. August 1960 (Shit!“)

Geburtsort: New York

Hat ne Tochter (Shit)

Und eine Frau  (Shit! Shit“)

Paola, 13 Jahre“

und  den „Tagebuchanfängen & Enden“.

Dann kommt man gleich zu den „Infos  zum Tagebuchslam“, wo man genau nachlesen kann, wann und wo die stattgefunden haben.

Einen Lebenslauf der Herausgeberin mit einem Foto, wo man sie als Fünfzehnjährige mit der Zahnspange sieht, gibt es auch und eine Mailadresse, wenn man selber an einem Tagebuchslam mitmachen will: diana@liebestagebuch.at.

Die kann man, wenn man will, gebrauchen, denke ich und für alle die noch nie ein Tagebuch geführt haben, gibts dann Platz für den ersten Eintrag.

Da kann man dann genau aufschreiben, was am 5. 4. 2018, 2019 und 2020 war, kann seine Krisen, Höhepunkte und noch vieles andere angeben und hat, wenn man das Büchlein durchgelesen hat, wohl auch einen kleinen Einblick über das Tagebuchschreiben der letzten Jahre bekommen.

Interessant denke ich, denn jetzt weiß ich, daß es einen Tagebuchslam gibt, meine Tagebücher würde ich, wie schon erwähnt, dort noch immer nicht vorlesen, habe sie aber, als die Anna das Haus am Almweg verkauft hat und ich sie dort vergessen hatte, vom  Käufer zurückbekommen, sonst hätte der sie vielleicht dort vortragen können und ich würde wohl „Shit“, in Anlehnung an das Obige schreiben und würde sonst, glaube ich, auch nicht so gerne über die „ersten Lieben“ und die „ersten Zahnspangen“, bin aber, wie ich schon öfter erwähnte, auch ein eher humorloser Typ.

 

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