Literaturgefluester

2018-10-19

Der Blumensammler

Jetzt kommt wieder ein Buch aus der vierten Kategorie meines heurigen Herbstmonsterlesevorhabens, nämlich der zweite Roman des 1981 geborenen, englischen Schriftstellers David Whitehouse, der im „Blumensammler“ drei Leben in einem Roman verbindet und das  sehr spannend und gekonnt kombiniert. Ein wenig Mystik und Surrealismus, wie man sich das vielleicht so wünscht, ist auch dabei und so steht am Buchrücken „Eine fantastische Expedition in die Welt der Blumen: Spektakulär, verblüffend, herzergreifend“ und wenn man, wie ich zuerst den Klappentext liest, ist man am Anfang verwirrt. Denn das Buch beginnt gar nicht mit dem dort erwähnten Blumensammler und seinem Alter Ego, sondern mit einem Professor Cole, der irgendwo in einem U-Boot sitzt und dann aus einem Wal einen Flugschreiber herausholt.

Nun ja, ich gebe zu, daß ich irgendwann nach vor geblättert habe, um nachzuschauen, ob ich wirklich das richtige Buch in der Hand habe oder eines mit einem falschen Umschlag?

Ich hatte, denn es im nächsten Kapitel geht es mit einem Dove weiter und da ist dann schon von Moorveilchen die Rede. Also richtig. Dove war, glaube ich, Journalist, arbeitet jetzt aber bei einer Rettungsorganisation im Telefondienst und hat plötzlich starke Kopfschmerzen und nicht nur das. Erinnerungen tauchen in ihm auf, an einen Peter  Manyweather aus New York, obwohl er noch nie in New York war und dorthin geht es gleich im nächsten Kapitel und auch dreißig Jahre zurück, nämlich ins Jahr 1984 und da lebt dieser Peter etwas vereinsamt vor sich hin. Er hat eine Schwester und ein Reinigungssunternehmen. Das heißt, er putzt Wohnungen, wo die Leute lang hinausgestorben sind und viel Dreck hinterlassen und dort findet er eine schöne Blume.

Da geht er dann in die Bibliothek holt sich ein Lexikon und findet dort einen Brief, wo einer seiner Liebsten, von den schönsten Blumen der Welt erzählt und die phantastische Reise beginnt. Denn Peter, der inzwischen einen anderen Blumenforscher kennengelernt hat, macht sich auf auf die Expedition, um die Welt, nach China, Afrika, Sumatra und so weiter, findet dort seine große Liebe und der Dove, ein Adoptivkind, der seine Eltern nie gesehen hat, geht inzwischen weiter in die Vergangenheit dieses Peters und dann ruft noch eine Frau in der Rettungszentrale an, die sich, um einen ihrer Patienten in einem Altersheim Sorgen zu machen, der den ga nzen Tag am Fenster steht, die Blumen im Garten ansieht und auch Kopfschmerzen hat.

Abwechselnd werden die drei Erzählstränge miteinander verbunden. Der Professor geht auf Pressekonferenzen und  versucht die Absturzurrsache des Fluges PS570 vor dreißig Jahren herauszufinden, aus dem sich offenbar ein Mann aus dem Meer gerettet hat und der Mann in dem Altersheim, der angeblich Zachariah Temple heißt, wurde eines Tages verwirrt von der Polizei auf der Straße aufgegriffen und ins Heim gebracht.

Dove erkennt den Vater in ihn und ganz am Schluß stellt sich noch heraus, daß Professor Cole es einstmals war, der seiner Liebsten, um sie zu beeindrucken, den Brief geschrieben hat, obwohl er nichts von Blumen versteht

Sehr spannend und ein bißchen ungewöhnlich die Verbindungen der drei Personen, die an sich nichts miteinander zu tun haben, der „spektakuäre roman über Liebe und Verlust sowie über die ungezähmte Macht der Erinnerung“, wie im Klappentext steht. Mich hat er ein bißchen, sowohl an „Orchis“ als auch an den „Vogelgott“ erinnert.

Und besonders haben mir darin die kleinen Seitenhiebe an das soziale Geschehen dieser Welt gefallen und auch, daß die Protagonisten ganz normale Berufe, wie Reinigungsfachkraft oder Mitarbeiter einer Rettungszentrale haben.

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