Literaturgefluester

2021-08-16

Mama

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Jetzt kommt eine Neuerscheinung und ein Debut der 1988 in St. Pölten geborenenen Jessica Lind, also mal sehen auf welchen Preislisten sie stehen wird. Auf der Longlist des Bloggerdebuts steht sie schon und es ist oder soll sein eine „Parabel über die Urgewalt der Mutterschaft“. Das scheint jetzt modern zu sein, so habe ich vor kurzem „Muttermilch“ von Melissa Broder gelesen, das mir sehr gut gefallen hat und die Doris hat mir als sie am Sonntag bei uns war, auch von einer Gedichtesammlung erzählt, bei der Sandra Gugic, Gertraud Klemm, etcetera über ihre „ungeheuren Muttererfahrungen“ schreiben.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau was die „Urrgewalt der Mutterschaft“ ist, obwohl ich ja eine solche und auch schon Großmutter bin. Das Buch wird jedenfalls im beigelegten kleinen Katalog als „unheimlich“ bezeichnet und das ist es auch. Eine Mischung zwischen Elfriede Kern und Elisiabeth Klar könnte man sagen. Später wird man dann auch an die „Wand“ erinnert und Märchen spielen auch eine Rolle. Also etwas Geheimnisvolles, Mystischen. Die lebensnahe Psychologin könnte vielleicht auch eine postnatale Pyschose vermuten, aber sehr surreal erzählt.

Da istalso ein Paar. Josef und Amira und die fahren in eine Art Hexenhäuschen auf eine Lichtung. Josef hat dort seine Kindeheit verbracht. Sein Vater ist dort auch verschwunden. Vorher hat er aber ein Märchenbuch für seinen Sohn geschrieben, das auch in dem Haus zu finden ist.

Das in vier Teilen gegliderte Buch, wo jeder Teil aus unterschiedlich langen Skizzenteilen besteht, beginnt schon sehr geheimnisvoll miteinem Reh das die Anfahrt behindert und Spannungen zwischen Josef und Amira scheint es auch zu geben. Sie will unbedingt ein Klind. Läßt sich daher ihren Eisprung von einer App berechnen. Das ist eigentlich das Moderne an dem Buch, das mit seinem eher märchenhaften Stil sonst dem neunzehnten Jahrhundert anzugehören scheint. Die Zeugung der kleinen Luise erfolgt dann auf der schon erwähnten Lichtung.

Amira hat merkwürdige Begegnungen und Träume, die miteinander in einer surreale Wirklchkeit zu verschwimmen scheinen. Da gibt es eine Hündin, die sehr bedrohlich schein. Einen Mann, der sich später vielleicht als Josefs Vater entpuppt. Am Dachboden liegen nicht nur Märchenbücher, sondern auch Gewehre und im dritten Teil kehren die Beiden mit der kleinen Luise wieder in das Hexenhäuschen zurück, um dort den dritten Geburtstag desKindes zu feiern. Die Spannungen zwischen dem Paar haben sich verstärkt. Josef beschuldigt Amira auf Luise nicht genug aufzupassen, geht dann mit ihr allein im Wald spazieren. Sie sammeln Pilze und Amira will unbedingt nach Wien, in die Stadt zurück. Josefverspricht ihr das erst am Morgen zu tun. Sie starten auch los. Er findet den Weg aber nicht,so sagt sie ersoll ihn zuerst allein suchen. Sie und das Kind bleiben zurück. Er komm nicht wieder uns sie findet dann, wie bei Marlen Haushofer nicht mehr aus dem Wald hinaus. Hat aber auch keine Nahrungsmittel, um sich und das Kind zu ernähren. Trotzdem leben sie noch eine Weile dahin, bis es am Schluß wieder Rehe gibt und „Amira gleich den Wald verlassen wird“ und ich ich bin ein wenig ratlos zurückgeblieben, wohl weil ich den roten Faden nicht so recht fand.

Es gibt aber bei dem wieder graphisch sehr schön ggestalteten „kremayr&scheriau-Buch“ ein oranges Cover auf dem eine Art Baumwurzelmosaik zu sehen ist, das sich auch als eine Schlange entpuppen könnte.

„Eine neue, aufregende Stimme. Eindringlich schön,unheimlich und megaspannend“, hat Bernhard Aichner am Buchrücken noch geschrieben. Ich habe das nicht ganz so empfunden. Habe aber wahrscheinlich Schwieigkeiten mit den allzu geheimnivollen unheimlich surrealen Büchern und der Art, wie man sie vielleicht deuten könnte.

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