Literaturgefluester

2022-01-23

Bananenangst

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der Bloggerdebutlonglist steht, der in Stuttgart lebenden Patricia Modispacher, die Germanistik, Philosophie und deutsche Literatur studierte, das als Jugendroman definiert wird.

Ich denke es ist ein erzählender Therapiebericht einer Eßstörung, wie weit er autobiografisch ist, weiß ich nicht, war mir die Autorin doch bisher unbekannt, im Buch ist kein Hinweis darauf zu finden und es erscheint mir einiges darin auch widersrpüchig und an die Grenzen gehend, obwohl sich das Buch sehr spannend liest , einen interessanten Einblick in die Störung und die Therapiemöglichkeiten gibt und glaube ich, Leuten, die Probleme mit dem Essen haben, zu empfehlen ist.

Es geht um die dreiundzwanzigjährige Soziologiestudentin Scarlett Schweighart, die die die Geschichte erzählt. Ja die Namen sind, glaube ich, auch ein Problem in dem Buch, gibt da doch eine Frau Kleist, eine Frau Samt, eine Frau Holz, eine Frau Best, etcetera und der Therapiebericht in zehn Kapitel beginnt mit einer Art Vorwort:

„Du weißt, daß es schlimm ist, wenn du vor Bananen Angst hast. Wenn du nicht mehr dazu fähig bist, eine Banane in dein Frühstückmüsli zu schneiden oder gar einfach als Zwischenmahlzeit in eine Banane zu beißen.“

Das klingt schon sehr eindrucksvoll und dann geht es in den Therapiebericht hinein, der in jeden Kapitel zuerst etwas aus dem Leben der Protagnostin, die sich zu einer Therapie entschlossen hat, erzählt.

Sie war immer dick, wurde von ihren Freundinnen gemobbt, als „Fetti“ beschimpft und ausgegrenzt. Die Eltern haben immer gestritten. Der Vater hat die Mutter herunter gemacht. Die Beziehung zu ihrem Bruder Robin war sehr gut, aber als die Ehe geschieden wurde, ist der Bruder mit dem Vater fortgezogen. Die Beziehung zur Mutter ist sehr problematisch und offenbar scheint die Muutter mit dem Essen auch ein Problem gehabt zu haben.

Der Freund hat Scarlett verlassen und der Bruder hat die Schwester gezwungen, sich in eine psychosomatische Klinik zu begeben, weil er sie sonst einweisen lassen würde, weil er nicht zusehen, wollte, wie sie verhungert.

Das erste Kapitel beginnt mit dem Ersten Tag in der Kinik. Wir lernen die Theraupeuten, eben die Frau Best und die Frau Kleist kennen. Die Frau Best die Bezugspflegerin, wird von Scarlett oder „sexy Scar,“ wie sie auch beschimpft wurde, „Arielle“ wegen ihrer grünen Augen genannt und da stoßen wir im Lauf des Buches, das bis zum glücklichen Ausgang erzählt, vielleicht an eine Grenze, denn Scarleltt verliebt sich in sie, was nicht so unüblich sein dürfte, aber es passiert auch ein bißchen umgekehrt.

In der Klinik sind auch Patienten mit anderen Problemen, die Eßgestörten müßen aber mit „Eßbegleitung“ essen und da finde ich einiges an den Therapiemethoden ein bißchen ungewöhnlich und bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so passiert.

Man darf keinen Sport betreiben, Scarlett hat sich nämlich mit Sport und „gesunden Essen“ zum Skelett hinuntergehungert. Jetzt darf sie keine Stiegen steigen und keinen Salat essen, sondern muß sich Butter auf ihr Brötchen streichen. Da bekommen die Patienten Magenkrämpfe, die auch genau beschrieben werden. Es gibt viele Therapien, wie ich es mir vorstellen kann. Die Frau Kleist ist die Psychotherapeuten, einen etwas seltsam scheinenden Ernährungsberater und eine Kunsttherapeutin, da malt Scarlett immer Fahrräder und Pinguine, was mit der Beziehung zum Bruder in Zusammenhang steht, gibt es auch und dann natürlich die Patienten.

Scarlett hat Schwierigkeiten mit einer Lisa, freundet sich aber sonst mit den Meisten an, kümmert sich auch als Patin oder Ersatztherapeutin, um sie und arbeitet das alles mit ihrer Therapeutin auf.

Das erscheint mir alles sehr authentisch und selbst erlebt. Ein wenig klingt das ganze Buch vielleicht zu therapeutisch, so berichtet Scarlett machmal so von sich, wie sie am ersten Tag der Therapie noch nicht gefühlt haben kann.

Manches kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Zum Beispiel die „Bananenangst“, denn als es Scarlett schon ein bißchen besser geht, darf oder muß sie Zwischenmahlzeiten einnehmen und kann da zwischen Studentenfutter einen großen und zwei kleinen Schokoriegel wählen. Einmal sucht sie sich eine Banane aus und besteht da Todeskämpfe bevor sie sich sie zu essen überwinden kann. Aber Bananen haben viel weniger Kalorien als fette Schokoriegeln oder Brötchen mit Käse und Butter, was Scarlett zu dieser Zeit schon ißt.

Scarlett hat sich ihr eigenes Abnehmprogramm zusammengestellt, Unmengen von Salat und Wasser, klar, aber im Therapieplan würde ich als Therapeutin, die Bananen vor den Schokoriegeln setzten.

Trotzdem ein gutes Buch, das die ganze Therapie bis zur Entlassung schildert und mit dem Satz „Wenn du dich liebst und akzeptierst, so wie du bist und Essen schmecken darf und kein Zeichen für Charakterschwäche mehr ist, dann weißt du, dass es gut ist“, endet, das jeden zu empfehlen ist, der abnehmen will oder vielleicht an einer Magersucht oder Anorexie, Wörter, die Scarlett nicht leiden kann, leidet.

Ich habe ja schon einiges über Eßstörungen gelesen, finde das Buch, wie schon geschrieben sehr interessant und denke darüber, ob die Widersprüche so passierten, Absicht waren oder vielleicht als ein wenig provokant zu verstehen sind, noch nach.

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