Literaturgefluester

2013-04-12

2 Tage Reden über H. C. Artmann

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:01

Im April 1953, also vor ziemlich genau sechzig Jahren hat H.C.Artmann seine „Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Aktes“, in die Welt gesetzt oder setzen lassen, so genau weiß man das nicht, die Wien-Bibliothek bzw., das Institut für Neugermanistik hat es aber zum Anlaß genommen, eine internationale H.C.Artmann Konferenz zu diesem Thema anzusetzen, die von Alexandra Millner und Marc-Oliver Schuster organisiert wurde.
Auftakt war die H.C. Artmann-Preisverleihung an Franz Josef Czernin am Mittwochabend und am Donnerstag ist es um neun Uhr mit einem Referat von Jaques Lajarrige aus Toulose über die „Wolllust des Dichtes“, bzw. die „Alphabetische Erschreibung der Welt“ losgegangen. Dann folgte Thomas Eder, der in Mürzuschlag das Kunsthaus leitet und im Pressedienst des Bundeskanzleramtes ist, der über den poetischen Akt referierte, der ja, wie die Wiener Gruppe irgendwie herumschwirrt, so daß man gar nicht anders kann, als Teile davon aufzuschnappen, denn die Tatsache, daß jeder Dichter sein kann, ohne je etwas geschrieben zu haben, ist sehr ganz interessant, wenn sich auch eine, die darunter leidet vierzig Jahre zu schreiben und zu schreiben ohne jemanden aufzufallen und immer nur zu hören, das ist aber schlecht, etwas anderes darunter vorstellt, wie H.C wahrscheinlich, der nicht realistisch schrieb, sondern von einer poetischen Grundhaltung ausging, die man haben kann ohne je etwas zu veröffentlichen. Thomas Eder referierte dann noch die Namen der Wiener Gründungsmitglieder, obwohl es offenbar gar keine konstituierende Sitzung gegeben hat. Konrad Bayer mit a und Oswald Wiener waren auch noch dabei und Gerhard Rühm hat alles sehr genau aufgeschrieben, während Artmann dann auch schnell verschwunden war, aber schon 1953 über den Surrealismus in den „Neuen Wegen“ schrieb. Dann kam eine Pause mit Kaffee und Kuchen, dann folgte Alexandra Millner, teilte den genauen Wortlaut der Proklamation mit ihren acht Thesen aus und referierte dann noch über zwei andere Manifeste, da gab es eine 1955 gegen die „Wiederbewaffnungs Österreichs“, wo ein paar bärtige junge Männer zum Stephansdom marschierten und von der vom Dompfarrer gerufenen Polizei haftiert wurden, was am nächsten Tag in der Zeitung stand.
Eine sehr politische Manifestation, während die über das „machen von hampelmännern“, rein literarisch ist.
Es gab auch noch eine Ausstellung, die man sich in der Pause ansehen konnte, da waren Postkarten hauptsächlich an Peter Rosei und die berühmte Humanic-Werbung zu bewundern und Heide Kunzelmann, die in London an einem Bachmann-Institut lehrt, brachte ein ironisches Referat über das „Was ein Autor ist“.
In der Mittagspause bin ich überm Rathausplatz, wo gerade steirischen Tage standfanden, an Herrn Lugner vorbei zum Mc Donald auf einen Cheeseburger TS und eine kleine Portion Pommes frites gegangen. Als ich zurückgekommen bin stand Herr Lugner auf der Bühne und verteilte Gulasch in Brotleibchen, die man sich holen konnte.
Also doppelt Mittag gegessen und in der Wien-Bibliothek ging es mit Klaus Kastberger und der Wiener Gruppe weiter. Er erzählte, daß man man durch das Archiv von der Existenz der Wiener Gruppe wissen würde und das hat er bei den Prüfungen auch seine Studenten gefragt. Friedrich Achleitner erklärte dann, daß es eher zufällig zu der Namensbildung gekommen wäre und Klaus Kastberger zitierte noch die Klavierzertrümmerungsaktionen. Gerhard Rühm hat sich da auch eine Taste als Souvenier mitgenommen, die inzwischen im Literaturarchiv gelandet ist und spielte noch ein Stück des „Dritten Mannes“, mit H.C. Artmanns Stimme aus dem off vor, der sich dort als Burgschauspieler ausgegeben hat, aber irgendwie hinausgeschnitten wurde.
Rosa Pock, die Artmann-Witwe steuerte auch viele H.C Bonmots in die Diskussion bei und der Ritter Lektor Paul Pechmann erzählte etwas über die „Grazer Gruppe“, bzw. über die Texte, die auf H.C. geschrieben haben. Einen „Den Tod des H. C. Artmanns“, von Wolfgang Bauer habe ich schon bei einer anderen Wien-Bibliothek-Veranstaltuung gehört.
Dann folgte ein Referat über das „Artmanneske“, vom Co-Veranstalter , der Originalaufnahme von Rauris 1991 zeigen wollte, aber irgendwie funktionierte der Computer nicht richtig, dann mußte ich gehen, weil wir noch nach Krems zur Eröffnung des Wein und Literatur-Festivals, dem nächsten Programmpunkt dieser ereignisreichen literarischen Woche wollten.
An Freitag gings dann weiter mit Referaten von drei jungen Leuten, die alle sehr interessant waren. Danae Pifeas referierte über die Armannsche Kinderliteratur und begann ihr Referat, daß man in den Sechzigerjahren sehr rigide und pragmatisch gewesen war, stimmt, keine Micky-Mouse im Ferienheim der Kinderfreunde und nur limitierte Krimis aus der städtischen Bücherei an Minderjährige, es gab aber auch Vera Ferra-Mikura und Friedrich Feld und die haben durchaus heiße Themen aufgegriffen, allerdings vielleicht doch nicht so heiße, wie „der Artmann mit dem Hackebeilchen!“, der in die Kinderzimmer aufmarschierte, den Kasperl in Dracula verwandelte und von Kannibalismus schwärmte, da denkt sich die Psychotherapeutin natürlich, wo kommt das her und wünscht sich eine psychologische Aufarbeitung, noch ohne wirklich vom spanisch-deutschen Langenscheid zu wissen, der in der Uniformjacke steckte und die Kugel davon abhielt ins Herz zu dringen.
Das heißt solche Geschichten hört man ja öfter, diese scheint zu stimmen und dann ist der poetische Akt daraus entstanden und der Aktionismus, aus heutiger Sicht eigentlich sehr klar und einleuchtend.
Clemens Dirmhirn referierte dann noch über die Romantiker und die barocken Formen, ebenfalls ganz klar, daß die jungen Traumatisierten die Bürgerlichkeit ablehnten, aber von irgendwas muß man leben, da boten sich die Übersetzungen an und ein unbürgerlicher Dichter übersetzt die Spanier aus den vorigen Jahrhunderten natürlich sehr eigenwillig, lehnt antisemitische Formen ab, wird barock und ausschweifend und hält sich nicht an die strengen Übersetzergesetze, was natürlich angekreidet wurde.
Aus heutiger Sicht sehr interessant, denn Alexander Nizberg hat den Blugakov, glaube ich, auch sehr frei übersetzt und dafür viel Lob bekommen, H. C Artman bekam ihn in der Expertenrunde und dann füllten sich die Reihen, die Stars erschienen, Friedrich Achleitner, Max Droschl, Rosa Pock, Franz Josef Czernin, um H. C. B trifft H.C.A oder Brinkamnnn und die Popliteratur zuzuhören, da referierte zuerst Thomas Antonic darüber und dann wurde es vollends literarisch und anekdotenhaft, trat nämlich Hans Christoph Buch aus Berlin auf, den ich, glaube ich, kürzlich am blauen Sofa hörte und der seine Gruppe 47 Erfahrungen hat und erzählte, wie er Rolf Brinkmann und H. C. erlebt hat und da ist mir auch eine Anekdote eingefallen, die ich erlebte, als ich mit der GAV am Mondsee war, da gingen wir ins Gasthaus und eine Frau fragte Gerhard Rühm nach seinem Namen „H.C Artmann!“, antwortete er gönnerhaft.
Damals habe ich den poetischen Akt nicht verstanden, dank eineinhalb Tagen Reden über H.C. tue ich es ein bißchen, dann kam die Mittagpause und ich ging nach Hause, in der Wien Bibliothek ging es natürlich weiter mit Daniela Strigl, den Fotografien, da gibts ja auch paar Interessante, Peter Waterhouse, einer Sonderausstellung und einer Gesprächsrunde mit Kurzlesungen von Rosa Pock, Friedrich Achleitner und Peter K. Wehrli, dann wird wieder Brot und Wein geben, aber dann werde ich schon im Stift Göttweig sein.

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