Literaturgefluester

2013-08-23

Marktbesuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:18

Am Sonntagabend als wir gerade nach Wien fahren wollten, weil Alfreds WU ja in den Prater übersiedelt und er vor Ort sein mußte, bekam ich ein Mail von Robert Eglhofer, dem pensionierten Englischlehrer, St. Pölten-Stadtführer, GAV-Mitglied und Teilnehmer bei Ruth Aspöcks Dichterradkarwane 2007 von Wien nach Bamberg, LitGes-Viezeobmann, war er kurzfristig auch, der mir seine Eindrücke zur diesjährigen Frequency schickte und mich dann spätnachts oder eigentlich schon frühmorgens in Wien zu einer Wiederholungstat anregte, denn eigentlich habe ich ja schon 2009 und 2010 über die Frequency geschrieben und seither hat sich nicht wirklich was geändert.
Es kam dann noch ein Mail vom Robert, daß wir uns, wenn das Wetter wieder schön ist, ja am Donnerstag oder Freitag in St. Pölten treffen könnten.
„Kennt Ihr schon den Freitagsmarkt vor der Josefskirche?“ hat er geschrieben.
Kannte ich nicht, aber am Donnerstag und Freitag bin ich ja alleine in meiner Sommerfrische und am Samstag treffe ich den Alfred regelmäßig am Markt am Domplatz zum Würstlessen.
„Gut, Samstag um zehn!“, hat er vorgeschlagen. Aber diesmal ist alles anders, denn die WU ist in den Prater übersiedelt und dort ist offenbar noch eine Baustelle, in der gar nichts klappt und wir sind ja heuer nicht auf Urlaub gefahren, weil der Alfred vielleicht am Samstag arbeiten muß. Was dieses Wochenende der Fall ist.
„Ich kann auch am Freitag!“, habe ich am Mittwoch zurückgeschrieben und bin nachdem der Alfred nach Wien gefahren ist, zum Nö-Pressehaus hinausgefahren, denn nachdem mein „Dreizehn Kapitel-Rohkonzept“ fertig ist und ich da nur mehr korrigieren muß, kann ich mich ja wieder meinem selbsterwählten St-Pöltener-Stadtschreiberauftrag widmen und den Rest der Woche ein paar diesbezügliche Artikel schreiben. Der Markt vor der Josefskirche ist auch sicher interessant.
Als wir am Dienstag nach Harland gefahren sind, hat mir der Alfred schon den Weg gezeigt, wie ich von Harland in die Josefsstraße komme und so habe ich am Mittwoch ein „Residenz-Portrait“ gegeben, bin am Donnerstag nach Ochsenburg gefahren und am Abend zur Seedosen-Telefonzelle, weil ich von der Anna noch einmal einen ordentlichen Schwung Bücher hatte, darunter ein sehr dicke englischen Enzykldpädie für Kinder und heute nach neun in Richtung Josefsstraße aufgebrochen.
Der Robert hat mir zwar geschrieben, daß er mich doch lieber am Samstag vor dem Dom treffen will, aber der Stadtschreibertrieb lockte und so bis zum Steg in Stattersdorf die Traisen entlanggefahren, dort die Roma teilweise bis zum Bauch im Wasser stehen sehen, um in die blauen Müllsäcke alles was im Wasser lag hineinzustopfen, damit die Traisen doch nicht zu nachhaltig verschmutzt, den Sprazener-Kirchenweg hinunter und bei der Josefsstraße herausgekommen, wo ich schon die weiße schlanke Kirche sah und mich nach einem Fahrradständer umsah und nach einem Bankerl, wo ich mich mit meinen Notizblock hinsetzen und meine Beobachtungen aufnotieren konnte.
Beides war nicht sehr leicht zu finden. Denn die Bankerln, die es auf dem Platz vor der Kirche gab, wiesen alle in die Gegenrichtung und ob das, wo ich n mein Rad abstellte, ein Fahrradständer oder eine Baumstütze war, habe ich nicht herausgefunden.
Ein paar Standeln gab es aber zu sehen. Den „Enner“, wo der Alfred immer Milch und Joghurt kauft, ein paar der Gemüsehändlerinnen und die, die Wein verkauften kannte ich und eine Bude, die Trockenfrüchte, wie am Naschmarkt anbietet, was es am Samstag nicht gibt, gab es auch.
Insgesamt keine zehn Stände. Über was soll ich da berichten?, dachte ich ein wenig ratlos, als ich einen Platz für mein Rad gefunden hatte.
Das Flair vom Domplatz, wo sich die Szene am Samstag bei Wein, Bier und Würstln trifft und jeder jeden kennt, scheint zu fehlen. Hier waren nur ein paar ältere Frauen zu sehen und so bin ich erst einmal die Mariazeller Straße, ein Stück hinuntergegangen, um beim „Lidl“, den es dort gibt, einen Caffe Latte und ein Croissant zu kaufen und habe mich damit auf eine Bank gesetzt, wo ich vor mir ein Tapetengeschäft, rechts die Verkäufer der Trockenfrüchte sehen sonnte, während hinter mir die Standler ihre Wein- und Gemüsekisten verluden.
Ein Mann in einer roten „Novotel-Weste“ kam mit seinen Einkäufen und schwang sich auf ein Motorrad mit einer Melker Nummer und ich habe herausgefunden, daß der Platz auf dem ich mich befand, Pater Paulus Platz, nach dem ersten Pfarrer der Josefskirche Paulus Wörndl, der dort von 1925 bis 1939 Pfarrer war und 1934 in Brandenburg von der Gestapo hingerichtet wurde, heißt. Zu seinem fünfzigsten Todestag wurde eine Tafel an der Kirche angebracht, die ich, als das Croissant gegessen war, entdeckte und dabei einen der Standler „Der Verleger san Sie!“, ausrufen hörte, wo ich mich natürlich promt umschaute, aber keinen mir bekannten Verleger erblicken konnte. Nur ein paar Frauen, die Paprika und Kohlrabi kauften, so daß ich eine Runde zur Josefsstraße bis zur Grillparzerstraße machte und die Tafel vor dem dortigen Schulgebäude las, daß diese von 1909 bis 1911 vom Bürgermeister Otto Eybner, der glaube ich, der Vater oder Bruder von dem Burgschauspieler war, errichtet wurde.
Dann ging ich bis zur Maria-Theresienstraße hinunter und durch eine Wohnanlage, wo sich auch Maria Theresia Kindergarten befindet zur Josefsstraße zurück und lief dort fast in einen geldzählenden Mann hinein.
Die Josefsstraße hinunter bis zum Eissalon „Venecia“, wo eine wahrscheinlich türkische Frau mit Kopftuch und langen Mantel stand und auf ihr Kind wartete, das sich ein Eis holte. Die Kranzbichlerstraße von der ich hergekommen bin, ist eine Baustelle, wenn man sie bis zur Mariazeller Straße hinuntergeht kommt man am Pfarrheim St. Josef vorbei und wieder zum Markt zurück.
Etwa eine halbe Stunde hat mich das beschäftigt. Ich weiß nicht, was mir der Fremdenführer alles gezeigt und erklärt hätte, morgen um zehn vor dem Domplatz kann ich ihn das fragen und so habe ich mein Rad genommen und bin am Städtischen Bad, das Wetter bedingt diesmal nicht so bevölkert war, wieder an die Traisen und nach Harland zurückgefahren, um demnächst vielleicht wieder, um für die Schwiegermutter Medikamente zu besorgen in die Spratzener „Rosen-Apotheke“ aufzubrechen und hier für alle St. Pölten Interessierten, die Links zu meinen heurigen Stadtschreibertexten: 1 2 3 4 5 6 7

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7 Kommentare »

  1. Durch deine Stadtschreibertätigkeit komme ich im Literaturgeflüster auch zu Ehren. Anzufügen wäre noch, dass der Samstagbesuch am Domplatz mehr Anlass zum kulturhistorischen Diskurs geboten hat.
    LG
    Robert

    Kommentar von Robert — 2013-08-25 @ 08:37 | Antwort

    • Ja, aber das steht zum Teil schon hier und das Klimt-Fresko auf auf dem Sparkassahaus gibt es auch zu bewundern. Ich interessiere mich auch mehr für das kleine Alltägliche, da war das Marktgeschehen mit den sieben Standeln und den kaffeetrinkenden Romafrauen gerade richtig und ein „eigener Stadtführer“ ist natürlich ein Luxus und die ideale Ergänzung zum selbstgewählten Stadtschreiben, das mir diesen Sommer besonders viel Spaß machte.
      Ich glaube, es ist auch viel dabei herausgekommen. Vielen Dank also für den Kaffee am Rathausplatz, die Erklärung der Beichtstühle und die Erkenntnis, daß man im Dom von St. Pölten nur die Hand auszustrecken braucht und schon gibts Licht! Sowie den Besuch im Klangturm, der sonst heuer wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre.

      Kommentar von jancak — 2013-08-25 @ 08:46 | Antwort

  2. Seit kurzem weiß man, dass das Spakassenfresko leider nicht von Klimt ist. Trotzdem erzählen das noch immer Kollegen.

    Kommentar von Robert — 2013-08-25 @ 15:37 | Antwort

    • Der Kollege war in diesem Fall der Bürgermeister und von wem ist dann das Bild?

      Kommentar von jancak — 2013-08-25 @ 15:46 | Antwort

      • Sonst hat er sehr kompetent geführt, der Herr Bürgermeister. Die Info habe ich von Dr. Karl, dem Chef des Kulturamtes.
        Mir ist im letzten Mail auch ein Fehler unterlaufen: Es handelt sich nicht um ein Fresko, sondern um ein Mosaik.

        Kommentar von Robert — 2013-08-25 @ 19:26

  3. Mir hat die Führung auch sehr gut gefallen und von wem ist jetzt das Mosaik?

    Kommentar von Eva Jancak — 2013-08-25 @ 20:30 | Antwort

    • Das muss ich auch erst herausfinden,

      Kommentar von Robert — 2013-08-26 @ 11:22 | Antwort


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