Literaturgefluester

2011-06-10

Yoga-Schreib-Cafe und Radiofamilie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

Das Writersstudio hat ein neues Angebot, das Schreibcafe mit Joga, das jeden letzten Donnerstag im Monat von 9 – bis 12 in der Pramergasse stattfinden wird.
„Move your ass and your pen will follow“, steht auf der Einladung, das habe ich zwar nicht ganz verstanden, der Probelauf war aber gratis, also bin ich, obwohl ich von Yoga keine Ahnung habe und mir eigentlich, da ich ein theoretischer Mensch, bei dem das Schreiben sicher über den Kopf passiert, nicht vorstellen kann, daß mir mediative Techniken dabei helfen, hingegangen, denn ich bin auch sehr neugierig und habe bezüglich Literaturgeflüster den Anspruch möglichst umfassend zu berichten und das writersstudio kenne ich schon lang. Judith Huber-Wolfsberger hat ein Buch über Schreibtechniken für Studenten geschrieben und das in der SFU vorgestellt, so bin ich in Kontakt und in den Verteiler gekommen und auch ein paar Mal zu Informationsabenden gegangen und vor drei Jahren, als das Literaturgeflüster gerade im Entstehen war, war ich im Thalia Lanstraße und habe ein Schreibseminar bei Irene Rauch mitgemacht, wo ich etwas über die Nora in der Radiosonate geschrieben habe. Im Herbst war dann der Tag der offenen Tür mit den Schnupperseminaren in den neuen Räumen. Judith Wolfsberger hat jetzt auch einen Blog, wo sie mir ihren monatlichen Info-Brief sendet, wenn ich Klienten mit Diplomarbeitsschreibängsten habe, schicke ich sie ihr.
Das Writersstudio beschäftigt sich hauptsächlich mit den Schreibblockaden von Studienten, Ana Znidar bietet aber auch Story schreiben an, Irene Rauch machte die Schreibnächte und jetzt eben das Yoga Schreibcafe. Man kommt um neun, trinkt bis halb zehn Kaffee, dann gibts einen kurzen Schreibimpuls, eine Stunde Yoga und hat man bis zwölf Zeit an seinem Text zu schreiben. Eigentlich eine tolle Idee sich da monatlich, wöchentlich oder alle vierzehn Tage zu treffen und einen Roman, ein Sachbuch oder eine Diplomarbeit entstehen zu lassen. Es gibt offenbar auch viele, die sich dafür interessieren, so wurden die Matten ganz eng ausgelegt. Die Yogalehrerin, Schreibtrainerin und Malerin Eva Karel bietet einen sehr lockeren Zugang an, trotzdem waren die Frauen sehr ausgerüstet und wie mir schien in Yoga schon erfahren. Zuerst gab es den Schreibimpuls unter dem Titel „Perspektiven finden“ und da habe ich mir meinen Frust von der Seele geschrieben und angefangen mich auf mein neues Schreibprojekt einzustimmen. Richtig vorbereitet war ich nicht, daß es aber um drei Frauen, um die Psychiaterin in Ausbildung Svetlana, die aus einer Begrader Romasiedlung stammt, die junge Türkin Sevim und Selma mit einer F2 und einer F6 Diagnose oder einer paranoiden Depression gehen soll, alle drei sind fünunddreißig, wußte ich schon. Svetlana ist mit Sevim in die Schule gegangen und zwar mit ihrer Ausbildung fast fertig, hat aber noch keinen Mann, führt ärztliche Gespräche mit Selma, die ihr zu einem feschen OA oder Professor rät, Selma ist Patientin an der Tagesklinik und Sevim zur Scheidung, dazwischen fährt sie in Wien herum, nennt sich Rathaussheriffa und führt Gespräche mit Gott und dem Bürgermeister. Da habe ich sicher meine Blockaden und Schwierigkeiten, die haben die Stunde Yoga auch nicht gelöst, dazu hat mich meine Ersterfahrung sicherlich zu angestrengt, ein paar Mal habe ich auch einen Krampf bekommen, von wegen locker und entspannt und auf die eineinhalb Schreibstunden war ich auch nicht wirklich vorbereitet, zumindest hatte ich mein grünes Buch nicht mit, aber trotzdem zwölf Seiten geschrieben und glaube auch, daß sich bei mir durch das Literaturgeflüster schon einige Blockaden gelöst haben. Dann gab es eine längere Mittagspause, die ich wieder beim Mc Donald verbrachte, ich habe aber auch in zwei Buchhandlungen nach dem Wieser Katalog gefragt, weil mir Andrea Stift mailte, die hätten das Literaturgeflüster erwähnt. Außerdem gab es den klinischen Mittag, was zum Thema passt, denn die Svetlana macht ihre Ausbildung im AKH und da gabs einen Vortrag über psychiatrische Diagnosen bei Drogenpatientien. Dann bin ich an den Bücherschränken vorbeigegangen und hatte bis um sieben, wo das Buch mit den Hörspielen, die Ingeborg Bachmann in den Fünfzigerjahren für den Sender rot-weiß-rot geschreiben hat, vorgestellt wurde, Zeit und so habe ich, obwohl ich das eigentlich nicht wollte, bei der dritten Margaretner Kunst- und Kulturmesse vorbeigeschaut, wo sie mich auch nicht mehr eingeladen haben, weil ich dem Bezirksvorsteher im letzten Jahr offenbar zu lang gelesen habe. Auf ein Brötchen und ein Glas Wein habe ich gedacht und Elisabeth Chovanec begrüßen, die kürzer gelesen hat, das Buffet gab es aber erst später und ich hatte mir ja vorgenommen ins Literaturhaus zu gehen, denn die Radiofamilie der Fünfzigerjahre mit dem Oberlandesgerichtsrat Hans Thimig, seiner Frau Vilma Degischer und dem Onkel Guido Wieland mit der braunen Nazivergangenheit, interessiert mich. Ingeborg Bachmann hat in den Fünfzigerjahren für den amerikanischen Sender rot-weiß-rot gearbeitet, der zufälligerweise in dem Haus untergebracht war, wo heute das Literaturhaus ist, dann gab es noch RAVAG mit der russischen Stunde. Die Texte zur Radiofamilie wurden von Jörg Mauthe, Peter Weiser und Ingeborg Bachmann geschrieben, die ist allerdings 1953 nach Rom gegangen. Joseph Mc Veigh hat die Texte im Nachlaß von Jörg Mauthe gefunden und sie bei Suhrkamp veröffentlicht. Am Büchertisch lagen eine ganze Reihe von Bachmannbücher auch und auch ein paar alte antiquarische Ausgaben der „Familie Floriani“ aus den Fünfzigerjahren. Joseph Mc Veigh hat eingeleitet, dann haben zwei Schauspieler Texte aus drei Hörspielen gelesen. Da hat mich erstaunt, wie politisch sie waren, denn der Krieg und die Nazivergangenheit wurden durchaus thematisiert, obwohl es sich um eine sehr konservative Familie handelte. Die Amerikaner wollten die Österreicher auch irgendwie umerziehen, obwohl Peter Weiser, der im Publikum saß, erzählte, sie hätten ihnen freie Hand gelassen. Er erzählte auch, wie die Hörspiele entstanden sind, dann gab es eine Diskussion mit Literaturwissenschaftlern, wo die Rolle die Hans Weigel und Friedrich Torberg in den Fünfzigerjahren hatten und die Kommunistenhatz, die sie betrieben, thematisiert wurden. Die Fünzigerjahre interessieren mich sehr und die Diskussion mit dem Publikum war auch sehr intensiv und der fünfundachtzigjährige Peter Weiser sehr beeindruckend, er hatte auch einen Darsteller mitgebracht, der das jüngste Floriani Kind gespielt hat und es war auch interessant, welche Fragen Katja Gassner stellte und, wie die jüngeren Literaturwissenschaftler, die für sie sehr weit entfernten Fünfzigerjahre sehen.
Was Trauriges zum Schluß Monika Giller, deren Buch vor kurzem ja im Amerlinghaus von den Frauen des Lesetheaters präsentiert wurde, ist am 31. Mai gestorben.

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2 Kommentare »

  1. ich hatte heute einen wieser-katalog* in der hand, der ist aber kürzer als der online-katalog & wenn ich es nicht arg übersehen hab, war es auch nicht drin. *ich war nämlich da: http://www.konfuzius-institut.at/fileadmin/user_upload/Ankuendigung/Ankuendigung_chinas_Stadtportraits.pdf

    Kommentar von s. — 2011-06-10 @ 23:02 | Antwort

  2. Also hier das Zitat aus dem Wieser Herbst Katalog Seite 26 oben links beim Rückblick auf die besonderen Bücher des Frühjahrsprogramm aus der Edition zwei über Renata Serelytes „Blaubarts Kinder“ aus dem Litauischen von Cornelius Hell übersetzt „ein beklemmender Roman, der uns in seiner starken Sprache viel von einem uns unbekannten Leben erzählt „literaturgefluester.wordpress.com/2011/01/17/blaubartskinder“
    Und zur Vorgeschichte, das Buch hat den Bank Austria Literaris Preis gewonnen und wurde im November im Rahmen der Buch Wien im Radio Kulturhaus vorgestellt, da war ich dort, man durfte sich ein Buch mitnehmen, ich habe es im Jänner gelesen und war verzweifelt, weil ich mich mit den abwechselnden 1, 2, 3,4 Kapitelüberschriften nicht auskannte und erst ein paar Monate später von Cornelius Hell erfahren habe, daß sie den vier Erzählperspektiven zuzuordenen waren.
    Keine Angabe zur Biografie und keine zum Inhalt und das bei einem sehr poetischen Text, der von einem mir völlig unbekannten Litauen erzählt. Ich habe versucht Cornelus Hell ein Mail zu schicken und es zurückbekommen, der Wieser Verlag hat mir nicht geantwortet, also habe ich es mir selber zusammengereimt und besprochen, im Internet waren damals nur die E-Bay Angebote der Leute, die offenbar mit dem Buch nichts anfangen konnten, zu finden, inzwischen ist die zweite im Katalog zitierte Besprechung dazugekommen.
    Vor ein paar Tagen hat Andrea Stift kommentiert „du bist auf Seite 26 zitiert“, was mich freute, nur keine Ahnung, wo und wie und den Online Katalog habe ich mir nicht vergrößern können, bin aber auf „Blaubarts Kinder“ gestoßen und habe kombiniert, daß das damit zu tun haben könnte. In den Wiener Buchhandlungen Kuppitsch und einer in der Währingerstraße war der Katalog nicht zu bekommen, aber das Literaturhaus hatte ihn und Robert Huez war auch so nett mir die Seite zu kopieren.
    Inzwischen habe ich Wieser gemailt und um einen Katalog als Belegexemplar gebeten, da mir auch die IG- Autoren sagten, daß man über seine über Zitate schon informiert sein sollte, obwohl ich mich sehr freue und der Hinweis auf das Literaturgeflüster auch korrekt angegeben war.

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-06-11 @ 11:40 | Antwort


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