Literaturgefluester

2015-01-16

Graphic Novel nach Karl Kraus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

„Die letzten Tage der Menschheit“, ein Comic aus dem „Holzbaum-Verlag“ von Daniel Jokesch, darauf habe ich mich, glaube ich schon gefreut, als ich im Sommer im Hof des Gemeindebaus saß, wo der Allgemeinmediziner seine Praxis hat, bei dem ich meine Patientenverfügung erneuerte und während ich auf den Termin wartete, im „Unnützen Habsburgerwissen“ blätterte, denn da war eine Ankündigung auf das Buch, das dann im Winter zu mir kam und bei dessen Präsentation ich im „Museumsquartier“ war.

Als ich dann darüber bloggte, habe ich nach gegooglet und bin auf die gleichnamioge Graphic Novel von Reinhard Pietsch und David Boller gestoßen, die am Mittwoch von der „Wien- Bibliothek“ diesmal im MUSA präsentiert wurde.

Im Gedenkjahr bezüglich des ersten Weltkrieges, das zwar schon vorbei ist, aber der World War I hat ja bekanntlich bis 1918 gedauert, kann man nie genug von Karl Kraus bekommen und Graphic Novels sind auch sehr interessant, wie ich erst kürzlich feststellen konnte und Daniel Jokesch Karl Kraus Buch ist ja auch mehr ein Comic, wo er sich einige Kapitel aus dem imposanten Werk aussuchte und dazu seine Zeichnungen machte.

Also in das MUSA marschiert und das war  sehr interessant und  ganz anders als die im Museumsquartier, wo der Autor mit einem anderen, interessante Textstellen vorlas und die entsprechenden Bilder dazu projiziert wurden.

Diesmal gab es auch zwei Autoren, nämlich wahrscheinlich einen deutschen Germanisten, Reinhard Pietsch, der auch kurz den Unterschied zwischen Comic und Graphic Novel erläuterte.

Comics meint er, sei mehr etwas für Kinder, Asterix und Mickey Mouse, was die meisten gelesen hätten, dann kam Art Spiegelberg mit dem Holocaust und das sei etwas für Erwachsene und er hat einige Erfahrungen mit der Graphic Novel gemacht und ist dann im Gedenkjahr oder auch schon früher auf Karl Kraus gestoßen.

Haben die beiden doch schon 2012 mit dem Projekt begonnen und Reinhard Pietsch hat das monumentale Werk auf zweihundert Seiten reduziert, die ausgewählten Kapitel zu dem Schweizer Zeichner geschickt, der dann seine erste Rohfassung mit Bleistift machte, zu ihm zurückschickte und dann wurde mit einem Historiker überprüft, ob alles thematisch stimmt und dann begann David Boller mit der Federzeichnung.

Eine Seite mit den ausgewählten Kapitel und Karl Kraus war im Musa präsentiert, als Marcel Atze das Podium erklomm und begrüßte und sich als erstes auf den kleinen buckligen Karl Kraus bezog, der da mit seiner Brille stand und nicht viel fehlte, als daß man sich ihm als Superman mit dem Fackelsymbol vorstellen könnte, da der Zeichner ein Superman Fan ist und Joseph Goebbels 1942 eine Rede gehalten hat, wo er Superman als Juden outete.

„Die letzten Tage der Menschheit“ gehen aber auf „Worl War  I“ zurück und das Buch von dem ich erst nach dem Jokesch-Comic etwas erfahren habe, wurde schon auf dem „Blauen Sofa“ in Frankfurt vorgestellt und das habe ich mir im Oktober zwar in mein Wohnzimmer geholt aber meistens umgeswitscht, wenn ich die Autorennamen nicht kannte, jetzt lese ich im Programm, daß man die Entstehung des Werkes wöchentlich im Internet verfolgen hätte können.

Was mir da alles entgangen ist, aber jetzt war ich bei der Präsentation und der Deutsche Reinhard Pietsch brachte den Wienern auch ihren Karl Kraus näher, beziehungsweise betonte er immer den aktuellen Gegenwartsbezug.

David Boller erläuterte, wie die Zeichnungen entstanden sind, er zeichnet mit der Hand und ich hätte gedacht, daß Graphic Novels hauptsächlich im Computer entstehen, weil sie sonst zuviel Arbeit machen würden.

Er hob auch einige Beispiele hoch und dann wurden vier ausgewählte Kapitel erläutert, nämlich, „Der Krieg als Technoromantik“, „Die Rolle der Presse“, „Die Frage wem nützt der Krieg“ und „Die Rolle der Intellekutellen“.

Ein bißchen von allem klingt ja noch in meinem Ohr, von den wöchentlichen Hörspielen aus den Siebzigerjahren, nämlich die Lieblingsfeindin von Karl Kraus die Kriegsberichterstatterin Alice Schalek, die bis an die Front vorgestoßen ist und dafür sogar eine Tapferkeitsmedaille erhielt, während die Redakteure der „Neuen freien Presse“ und auch Stefan Zweig und Hugo von Hoffmannsthal euphorisch über den Krieg berichteten, obwohl sie nie dort gewesen sind.

Nachher gab es viele interessierte Fragen aus dem Publikum und natürlich auch Brot und Wein und ich habe wieder etwas gelernt, bzw. mein erstes Weltkriegwissen aufgefrischt und Reinhard Pietsch riet allen Karl Kraus im Original zu lesen, wozu ich sobald wahrscheinlich nicht kommen werde.

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