Literaturgefluester

2015-10-25

Trophäen

Es ist eine seltsame, schwer verständliche Geschichte, die Isabella Feimer, in ihrem neuen, bei „Braumüller“ erschienenen Roman da erzählt.

So schwer verständlich, daß ich es zweimal lesen mußte, um mir einen Reim zu machen, bin ich ja eine, die alles ganz genau verstehen will.

Eine Verhaltenstherapeutin und keine Psychoanalytikerin, obwohl das, für Isabella Feimers Poetik, ihren Nacht- und Schattengewächsen hilfreich sein könnte.

Um nicht zu untertreiben, einiges habe ich schon verstanden, beziehungsweise mir zusammengereimt, obwohl es am Anfang nur die schönen Worte, Sätze, Sprachbilder waren, die haften blieben und mich  der  unerwartete aggressive Inhalt störte.

Damit habe wohl ich meine Schwierigkeiten, mit der Gewalt des Unbewußten, obwohl man in seiner Kindheit ja nicht nur Schönes erlebt, so daß man seine Narben, Wunden, Verletzungen mit sich trägt und oft auch, die Messer in sich spürt, die die Narben schnitzen.

Da sind zwei Schwestern oder eine Ich- Erzählerin, beziehungsweise ein sie, die machmal die Ich-Form schreibt, eine Namenlose, wenn ich alles verstanden habe und es am Ende, nicht vielleicht doch nur eine war, die auf die andere ihre Wünsche, Ängste, Abgründe überträgt.

Natalia ist jedenfalls das Feindbild, die Kranke, die fast gestorben wäre, die auch Narben mit sich trägt, die alleinerziehende Mutter, weil ihr alle Männer davongelaufen sind.

Sie im Hochzeitskleid haben stehen haben lassen, so kümmert sie sich scheinbar liebevoll um ihren Steffen. Er mag das, wie Kinder  eben sind, anders sehen und sie, die nicht Henriette heißt, denn das war, wenn ich richtig verstanden habe, die Jugendfreundin, vielleicht auch eine lesbische Liebe, die die böse Schwester ins Wasser stieß, lernt am Beginn des Buches in einem Zwischenreich, einen Maler und Tierpräparator kennen.

Geht mit ihm in den Zoo, stößt dort auf die Schwester, die sie nur hämisch „Schwesterlein“ nennt, die will die Beiden zum Essen einladen, will auch, daß sie zu Weihnachten kommt und sich um Steffen, der nur wertvolle Geschenke bekommt und seine Videospiele verstecken muß, kümmert, wenn sie für eine mögliche Hochzeit ein Brautkleid kaufen will.

Ein Mann ist zwar nicht in Sicht, aber es ist ja auch eine untergründiche, psychoanalytische Geschite, eine, die an E. T A. Hofmann erinnern könnte und den habe ich ja als Psychologiestudentin gern gelesen, die Isabella Feimer da erzählt.

Sie stellt sich jedenfalls ihren ebenfalls namenlosen Maler, als Henriette vor, lügt ihn an, es gibt auch einen Marco, der sie in dem Hotel besucht, in dem sie in der Nacht als Rezeptionistin arbeitet und bringt Steffen in das Zwischenreich, das ist das Lokal einer Hilla, in dessen Hinterzimmer, der Präparator seine Tiere ausstellt.

Natalia ist entsetzt, als sie das erfährt und liegt schließlich am Tisch, um sich vom Präparator malen oder vom Maler die Haut abziehen zu lassen und verschwindet schließlich im Schatzkästchen der Erinnerung ihrer Schwester, die sich dadurch vielleicht von ihrer Vergangenheit, Ängstn und Dämonen befreien kann.

Vielleicht auch nicht, denn die sind, wie auch die Verhaltenstherapeutin weiß, ja hartnäckig und die Seele ein weites Land, tief und unergründlich, wie schon Arthur Schnitzer formulierte.

„Wunden heilen, sage ich,

sagst du mir deinen Namen? fragt er

ja sage ich,  beuge mich zu ihm

er lacht, vielleicht war es doch nur ein Spiel,

ich sage

lüge, lüge  nicht,

war kein Spiel, ist vielleicht Liebe“, lauten jedenfalls die letzten Sätze.

Die 1976 gebore Isabella Feimer, hat jedenfalls 2012 beim Bachmannpreis gelesen, war 2013 mit dem „Afghanischen Koch“ beim „Alpha“ nominiert und ist es heuer mit ihrem zweiten Roman „Zeit ist etwas sonderbares“ wieder“

Ihre poetischen Reisenotizen hat sie vor kurzem im Literaturhaus vorgestellt, da habe ich von ihrem neuen Roman erfahren, der am 21. 10 vorgestellt wurde.

Regisseurin ist sie auch und sehr poetisch, wenn auch eine, die diesmal mit den dunklen Seiten des Lebens spielte und es mir mit dem Lesen daher nicht ganz leicht machte.

 

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