Literaturgefluester

2013-06-15

Rund um die Burg und Wiener Krimitage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03

Nachdem es vorigen Herbst „Rund um die Burg“ neu, ohne Lesezelt und mit einigen Veranstaltungsorten, wo man ständig relativ sinnlos von einem zum anderen laufen mußte, gegeben hat, habe ich einige Stimmen, wie Gerhard Ruiss und auch den Alfred gehört, die der Veranstaltung das „aus“ prophezeiten.
Nichts davon, gab es das Lesefestival diesmal schon im Juni und ein Lesezelt war auch wieder da. Zwar ist die Veranstaltung wieder kürzer geworden, trauen die Veranstalter ihrem Publikum offenbar keine größere Ausdauer zu, so daß statt um eins, wo Andrea Grill im Vorjahr nur mehr wenige Zuhörer hatte und das Theater überhaupt schon geschlossen war, als ich hinunterkam, das Programm am Freitag schon um zwölf endete. Das Herumhoppeln war auch nicht mehr unbedingt notwendig, denn es gab immer zwei Veranstaltungen gleichzeitig, so daß man sowieso die Wahl hatte und nicht mehr alles machen konnte.
Das Lesezelt ist auch ein bißchen kleiner geworden und war ein bißchen anders aufgebaut, außerdem war die Kaffeelounge und die Buchhandlung integriert und Moderatorin im Lesezelt, die anderen Bühnen, das Theater und die Bel Etage, den Salon der Bertha Zuckerkandl, habe ich nicht besucht, war Mirjam Jessa, wurde das Zelt ja Ö1Bühne genannt, während das Theater „Radio Wien Bühne“ und die Bel Etage „Wiener Städtische Sachbuchbühne“ hieß. Eine Kinderbim gab es am Samstag auch und eröffnet hat Freitag um vier im Zelt Elfriede Ott mit einer Lesung aus ihrem Buch „Worüber ich lache“.
Vorher hat es eine kleine Eröffnungsrunde gegeben. Der Organisator, der auf den schönen Namen Franz Schubert hört, hat einen Brief vom Stadtrat Mailath-Pokorny gelesen, der Kaffeehausobmann und Landtmann-Direktor, sowie eine Frau von den Wiener Linien haben auch auch etwas gesagt.
Dann kam der Burgschauspieler, Bremer Literaturhauspreisträger und künftige Bachmannleser Joachim Mayerhof in Jeans und blauem Leiberl und las sehr lange aus seinem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es ist“, offenbar die Geschichte seiner Jugend, ist er ja in einer psychiatrischen Klinik aufgewachsen, weil sein Vater dort Direktor war und er schilderte ein Kapitel, wo der Ministerpräsident zur Eröffnung erwartet wird. Der kommt zu spät, alle warten, der Weg ist gatschig, der Patientenchor durchnäßt, der Minister hat für das bayrische Buffet, das die Mutter herrichtete, keine Zeit und am Schluß schreit ein Patient „Hände hoch!“, worauf die Security den Präsidenten in den Gatsch werfen und alle haben wieder Zeit.
Das war sehr lustig, was mich wieder etwas störte, weil ich es nicht immer so empfand und als am Ende Lisa Spalt schon länger wartete, lief Franz Schubert, was er er später noch öfter machte, mahnend durch den Saal und Joachim Mayerhof hörte sofort zu lesen auf.
Das war natürlich ein Kontrast zu Lisa Spalts experimentellen Text „Dings“, es ging dann zunächst auch ein bißchen realistischer weiter, nämlich mit der Lesung der künftigen Priessnitz-Preisträgerin, aus „Der Winter tut den Fischen gut“, wo Mirjam Jessa, den „Platz des Hundes“, wieder als Roman ankündigte. Allerdings nennt Herbert J. Wimmer sein „Membran“, auch experimenteller Roman. Er hat ein bißchen was dazu erklärt, die Zahlenmystik weggelassen, dafür zwei Kapitel von der Kleeblattgasse gelesen und dann das, wo er und Elfriede Gerstl die Wiener Konditoreien und Kaffeehäuser erkundeten, was ja passend war.
Doris Knecht folgte mit ihrem Roman „Besser“, der noch ungelesen im Badezimmer liegt. Jetzt kann ich mir vorstellen, worum es darin geht, um eine Frau mit zwei kleinen Kindern, die mit ihrem Leben unzufrieden ist und offenbar ein bißchen kolummnenmäßig, die Leiden einer berufstätigen Mutter schildert.
Rainer Nikowitz auch ein Kolumnist, der wie er sagte, damit nicht ausgelastet ist, hat einen Krimi namens „Volksfest“ geschrieben, der im Marchfeld spielt und dabei auch ein bißchen den Landeshauptmann Pröll verarscht, was ich auch nicht so lustig finde, den Leuten hat es aber gefallen.
Dann kam Gustav Ernst mit einer Lesung aus „Grundlsee“, der am Freitag auch im „Von Tag zu Tag“ war. Peter Rosei folgte mit „Madame Stern“ und die Moderatorin moderierte etwas von zwei „älteren Meistern“ und, daß man den Unterschied in ihrer Sprache beobachtet soll.
Das ist, denke ich, ganz einfach, Gustav Ernst ist realistisch und direkt, verwendet viel Dialog, während mich Peter Rosei ein bißchen an die Fünfzigerjahre erinnert.
Beide Bücher habe ich schon gelesen, ich bin aber sitzengeblieben, weil ich Angst um meinen Platz habe, die Sachbücher haben mich auch nicht so sehr interessiert. Von Alexander Peer, ein jüngerer Autor, wie Mirjam Jessa sagte, habe ich zwar schon was gelesen, aber nicht „Bis daß der Tod uns meidet“ und das ist eine Dreieckgeschichte mit Philosoph und wahrscheinlich ganz interessant, Alexander Peer sagte jedenfalls etwas von mehreren Schichten, wie bei einer russischen Puppe, die man in seinem Buch findet, daß man es aber auch lesen kann, wenn man kein Nietzsche Experte ist.
Dann wurde es spannend, denn während ich das Bisherige, bis auf Rainer Nikowitz schon mehr oder weniger kannte, kannte ich zwar Hubsi Kramer, das Eichborn Buch „Er ist wieder da“ von Timur Vermes, habe ich auch schon in den Blogs und in Auslagen gesehen, daß es sich aber, um eine Wiedergeburt Adolf Hitlers handelt, der im Jahr 2011 irgendwo erwacht, ist an mir vorbeigegangen und Hubsi Kramer ist ja beim Opernball im Jahre 2000 in der Hiltler-Maske im Auto vorgefahren, so hat er aus dem Buch im Hitler Ton gelesen, das ganz interessant sein dürfte, obwohl ich mir die gleiche Frage, wie kurz darauf Georg Biron stellte, der einen Text aus seinem „Herrn Karl“ las, ob man Hitlers Stimme imitieren soll?
Ich denke man soll eher nicht in seinem Tonfall sprechen. Die Ruth hat es am Dienstag bei der Lesetheater Aufführung im Literaturhaus aber eigentlich auch sehr gut getan.
Danach kam Wolfgang Popp mit seinem Krimi „Ich mußte lügen“, der schon in den „Tonspuren“ vorgestellt wurde. Da verschwindet ein Mann, eine Kommissarin namens Maria Rauch muß sein verschwinden aufklären, er ist auch der Wohnung eines Bestsellerautors namens Schall verschwunden und die Kommissarin scheint in der Fiktion der Werke des Autors zu verschwinden. Auch sehr interessant. Dann war es elf und es kam, eine Tradition von „Rund um die Burg“- alt, wo um Mitternacht das Burgtheater eine Performance machte, Peter Simonischek mit Brigitte Karner und lasen eine Stunde Gedichte, da bin ich aber, weil ich offenbar nicht mehr die Aufmerksamkeit hatte, konzentriert zuzuhören, aufgestanden, kurz bei den Buchhandlungen herummarschiert und dann nach Hause gegangen.
Am Samstag ging es dann um zehn Uhr weiter mit einer neuen frischen Stimme aus Frankfurt, die bei Jung und Jung ihr Debut „Alles, was draußen ist“, verlegte. Saska Henning von Lange, die ich, wenn ich nicht aufpasse, leicht mit Alexa Henning von Lange verwechsle, ob das wohl eine Verwande ist? Eine schöne junge Frau im hellroten Kleid, dunkelroten Strümpfen und schwarzen Schuhe, deren Hände den Text mitlasen und der war interessant. Da hat ein Mann, Museumsdirektor und Totenmaskenexperte, nur mehr kurz zu leben, spricht von der „Unter ihm wohne-Frau“ und refelektiert über Robespierres Schädel oder einen Emeritierus, der beim Anblick der von ihm tätowierten siamesischen Zwillinge, einen Herzanfall bekommt. Alles ein bißchen bekannt, aber eine schöne Spraqche.
Andrea Winkler folgte mit ihrem „König, Honnarr und Volk“ und war eher in schwarz und einem roten Rock bekleidet. Sie hatte auch ein bißchen Pech, weil sehr viele Leute aufstanden, als Mirjam Jessa ankündigte, daß in der Bel Etage Heilwig Pfanzelter ihr Buch über Berta Zuckerkandl vorstellen würde. Dabei ist Andrea Winkler ja wahrscheinlich die „junge Mayröcker“, aber so ist das mit dem Literaturbetrieb und mir ist sie ja fast auch ein wenig zu „worträuschig“, obwohl ich mich mit diesen schönen Sätzen schon anfreunden kann und auch genügend Sinn und Handlung darin finde.
Der „Falter-Kolumnist“, ehemaliger Bachmann-Juror und Staatspreisträger Klaus Nüchtern folgte mit einem neuen Kolumnenband „Früher waren die Friseure frecher“, wo er seine Betrachtungen in kleinen Häppchen an die Leser verteilte.
dann kam wieder die Qual der Wahl, nämlich Barbara Coudehove-Kalergi, die ich kürzlich sowohl in Melk, als auch in Krems hörte, oder Eva Rossmann mit ihrem neuen Genre „Krummvögel“, mit ihren alten, war sie gestern in der Hauptbücherei bei einem Krimifestival und bei „Krummvögel“ ziehen zwei Leute aufs Land, suchen weil sie viel Zeit haben, die sogenannten „Krummvögel“, von denen man nicht recht weiß, ob sie nicht schon ausgestorben sind und finden einen „großen Brauen“, der einen Bauunternehmer aus Zagreb oder Lybien sucht und die Staatspolizei interessiert sich auch für sie.
Und auf Jan Kossdorfs dritten Roman „Kauft Leute“, wo es statt der Shoppingcity ein Geschäft gibt, wo man sich Menschen aller Art für jede Art von Dingen und Tätigkeiten kaufen kann. eine Satire auf die Konsumgesellschaft und die AMS-Mentalität, von der ich auch schon in „Ex Libris“ hörte und die mich natürlich sehr interessiert, obwohl ich noch immer nicht dazu gekommen bin, sein zweites Buch „Spam“ zu lesen, das ich bei „Tahlia“ in St. Pölten auf dem 3.99 Stoß fand.
Um zwölf Uhr dreißig kam Marlen Schachinger in einer weißen Bluse mit weiten weiten Schleierärmeln und einer lila Hose, der es offenbar auch gelungen ist, im Literaturbetrieb aufzusteigen mit ihrer „Plagiatssatire“, wie es Miriam Jessner nannte, die ich ja schon gelesen habe und dann Egyd Gstättner, den sehr bemühten Kärtner Autor, den ich einmal in Klagenfurt bei einer Lesung hörte und 1992 eine ganze Kiste seiner Werke für das „Nachwuchsstipendium“ durchgesehen habe, der auch immer über den Bachmannpreis bloggt, jetzt hatte er Fernsehkolumnen „Hansi Hinterseer rettet die Welt oder die Besteigung des Küniglbergs“, auch für eine Nichtferseherin sehr interessant und lustig und den Abschluß bildete Dirk Stermann mit seinem „Stoß im Himmel – Der Schnitzelkrieg der Kulturen“, da habe ich ja die „sechs österreicher unter den ersten fün“, mit einem Weihnachtssternchen versehen, einmal im Schrank gefunden. Das Buch dürfte sich als Fortsetzung verstehen. Dirk Stermann fährt in einem heißen Sommer mit der U-Bahn durch Wien und erlebt dabei sehr interessante und auch tragische Geschichten.
Er schloß etwas früher, damit alle rechtzeitig zum Mittagessen kämen und vorher lobte Mirjam Jessa noch Franz Schubert für die gekonnte Zusammenstellung, was ich auch bestätigen kann, denn davon abgesehen, daß es immer kürzer wird und Franz Schubert seinem Publikum keine besondere Leseausdauer zutrauen dürfte, war es exzellent gemacht.
Dann ging es kurz nach Hause zum Bloggen und die übergebliebene Pizza essen, die Alfred gestern nach Hause brachte, bevor es weiter in die Hauptbücherei ging, denn da gabs ja Freitag und Samstag ein „Krimifestival.“
Die Krimitage Wien“ fanden im Rahmen des von Beate Maxian organisierten Krimi Literatur Festival schon zum dritten Mal in der Hauptbücherei, diesmal unter dem Thema „Die Frau im Krimi“ gestern und heute statt und da versäumte ich am Freitag den „Englischen Krimi rund um Agatha Christie“ Petra Hartlieb, Christian David und Eva Rossmann, während es heute mit einem Vortrag von Beate Maxian über den „Weiblichen Aberglauben“ ging und die 1967 in München geborene Beate Maxian, die mit „Tod hinterm Stefansdom“, wie Christian David auf der Shortlist für den heurigen Leo-Perutzpreis steht, hat drei Krimis mit einer abergläubischen Protagonistin namens Sarah Pauli geschrieben, las ein paart Stellen aus diesen Büchern vor und erzählte dann über den Aberglauben im Theater, über Katzen, Fledermäuse, wie man den Teufel bannen kann, daß man auf „Toi,toi, toi!“, „Wird schon schief gehen!“ und nicht „Danke!“, sagen darf und, daß sie in der Silvesternacht rote Unterwäsche trägt, weil man auf diese Art und Weise offenbar das Böse bannen kann.
Dann gabs eine lange Pause, die ich mit mit Mineralwasser und einem Gang auf das Dach vertrieb und danach lasen Clementine Skorpil und Veronika A. Grager aus ihren Büchern, bevor ein pensionierter Kommissar aus München einen Vortrag über „Wie morden Frauen?“, hielt und das war genauso interessant, wie das Buch über die „Forensische Psychiatrie“, dessen Bresprechung demnächst folgt.

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