Literaturgefluester

2017-01-25

Messers Schneide

Jetzt kommt eines der dünnen „Suhrkamp-Taschenbücher“, die ich mir einmal au einer der „Ein-Euro-Buchlandungskisten“ gezogen habe.

Ralph Rothmanns erster Erzählband „Messers Schneide“ und den 1953 geborenen deutschen Autor habe ich einmal bei den „Literatur im März Veranstaltungen“ im damas noch nicht fertigen Museumsquartier gehört. Was er da gelesen hat, kann ich nicht mehr sagen, Alexandra Millner, die Kuratorin hat ihn, glaube ich, vorgestellt und gelesen habe ich von dem sehr gelobten Autor, dessen  „Suhrkamp-Taschenbücher“ man  leicht in den Abverkaufskisten finden kann „Windfisch“ und „Flieh mein Freund“.

Den Gedichtband „Kratzer“ muß ich noch lesen und im „Frühling sterben“, das hochgelobte Buch über World War I, das der Autor 2015 nicht auf der LL haben wollte, habe ich anläßlich meines Ö1 Quizz bei der Buch-Wien 2015 gewonnen oder bekommen.

Am Buchrücken stehen lobende Worte von Ludwig Fels, in der Buchbeschreibung werden auf die schönen Bilder und, daß Rothmann mit seinem Erzähldebut Preise bekommen hat hingewiesen, bei „Amazon“ wo ich mich ja gerne informiere, gibt es sowohl ein als auch fünf Sternrezensionen, bei der mit dem einen Stern steht „Wieder ein gelungener Roman, an zynischen, bisweilen boshaften Betrachtungen mangelt es nicht… wunderbar zu lesen!“

Das ist wohl auch zynisch gemeint und dem kann ich entgensetzen, daß es sich bei dem hundertdreißig Buch erstens, um eine ERzählung, das steht sogar so in dem Buch, handelt und das zynische habe ich gar nicht so bemerkt und der Held ist mir auch gar nicht, wie ich auch gelesen habe, so unsympathisch, Rothmann ist aber zweifelsfrei ein großer Sprachkünstler und vielleicht auch künftiger Büchner-Preisträger.

Eine ganze Liste von Preisen hat er schon bekommen, dem es um die Sprache und die Bilder geht, wenn er vielleicht etwas sehr alltägliches erzählt.

Geht es doch um eine ambivalente Beziehung zwischen Manfred Assen, einem Dichter, der vom Taxifahren in Berlin lebt und dessen Freundin Iris, die ein Kind bekommt. Sie will es, er nicht, weil er sich vor der Verantwortung drückt, sich den an ihn dann gestellten Anforderungen nicht gewachsen fühlt, etcera.

Das ist eigentlich schon alles und beim Rest bleiben tatsächlich die schönen Worte, die Bilder, die Assoziationen hängen.

Es beginnt mit der Kindheit, mit den Schlägen der Mutter, eine Internatsszene wird erzählt, wo Schwester und Bruder im selben stregen Internat leben, wo nur der Nachtisch bekommt, der schnell ißt, die Mädchen sind da langsamer und gehen so leer aus. Der Bruder pflückt nun für die Schwester Kirschen, versteckt sie in ihrem Bett, versucht ihr das, damit sie nicht in sie hineinklatscht, nonverbal, denn während des Essens darf man nicht sprechen, zu vermitteln, die Schwester mißversteht, das Bett wird rot und der Junge muß auf Erbsen knien, während die Klosterschwester eine Stunde fromm in einem Buch liest.

Das ist es, die starken eindrucksvollen Bilder. Es gibt auch Schwierigkeiten mit dem Vermieter, der ihn aus dem Haus haben will, um die Wohnung teurer zu vermieten, in Berlin gibt es zu dieser Zeit Demonstrationen und wenn man sich damals, das Buch ist 1986 erschienen über die Sterlisation informieren wollte, mußte man zu einer Beratung ins Gesundheitsamt gehen, eine Gebühr zahlen, seinen Namen ausfüllen und bekam dann von dem Psychologen nach einem Gruppengespräch nur eine Broschüre ausgehändigt, wo all das, was er sagte, drinnen stand.

Assen ist hin- und hergerissen, ruft Iris an, dann wieder meldet er sich nicht und, als die ihm schließlich versichert es ihm schriftlich zu geben, daß er sich, um das Kind nicht zu kümmern braucht, ist es ihm auch nicht recht.

Die Schlußszene weist auf den Titel hin. Assen ist in einem Lokal, wo ein paar amerikanische Soldaten sehr brutal agieren und von den Gästen Geld wollen, er steckt das Steakmesser ein, verfolgt mit Mordlust die Soldaten, als er aber soweit ist, daß er es gebrauchen kann, hat er es verloren, so sinkt er neben einer am Boden liegenden Frau, in deren Tasche, die Soldaten vorhin hineinpissten, nur hilflos hin.

Auch ein starkes Bild, das den Helden vielleicht auch so unsympathisch macht, ich denke, es ist ein Buch der schönen Bilder und keine „Einstern-Erzählung“, aber ich würde mir trotzdem mehr Realistik und mehr Handlung erwarten, wissen, wie es Assen und Iris wirklich geht und nicht nur schöne Metahpern zu lesen bekommen, an Hand denen, ich mir die psychologischen Hintergründe selber denken muß.

Aber so funktioniert der Literaturbetrieb und so wird man ein preisgekrönter Autor, auch wenn, die Leute das Buch dann vielleicht nicht so lesen oder es als zynisch interpretieren, das weiß ich schon.

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