Literaturgefluester

2017-03-26

Evangelio

Filed under: Bücher — jancak @ 23:11
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Wir haben jetzt ein Luther-Jahr, denn Martin Luther hat ja 1517 seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen und das schlägt sich auch  in der Literatur nieder, wo es viele neue Bücher zu diesem Thema gibt, darunter  einen Luther Romandes 1964 in Anatolien geborenen Feridun Zaimoglu, der einmal den Bachmann-Preis gewonnen hat, Preisträger der „Literaturhäuser in Leipzig“ war und desen „Siebentürmeviertel“, ich vor einem Jahr gelesen habe, als es auf der Longlist stand.

Und ich bin ja eine, die sich bei der Auswahl ihrer Bücher nach den Namen der Autoren, weniger nach ihrem Inhalt richtet und so bin ich erst daraufgekommen, daß es dabei um Martin Luther geht, als ich es schon aufgeschlagen hatte. Dann habe ich vorübergehend zu lesen aufgehört und nach ein paar anderen Büchern, beispielsweise zu denen aus dem „Kremayr&Scheriau-Verlag“ gegriffen, denn ich wußte ja, daß ich bald nach Leipzig fahre und da nehme ich mir ja gerne etwas „Deutsches“ beziehungsweise etwas von einem Leipziger Autor mit, dachte an Clemens Meyer dabei, da ich aber noch einige Rezensionsexemplare auf meiner Leseliste hatte, habe ich umdisponiert, als ich die Wörter „Eisenach“ und  „Wartburg“ las,  mir „Evangelio“ mitgenommen und im Auto auf der Fahrt nach Leipzig weitergelesen.

Was vielleicht ein nicht ganz so guter Einfall war, denn ich bin ja keine Luther-Expertin und Feridun Zaimoglu ist, was ich eigentlich schon von den „Siebentürmebviertel“, das mir ja sehr gut gefallen hat, wußte, nicht sehr leicht zu lesen und diesmal hat sich der in Anatlolien geborene Autor auch noch in die Sprache des sechzehnten Jahrhunderts hineinversetzt und es mir damit nicht leicht gemacht.

Obwohl, um sehr viel Handlung geht es dabei ohnehin nicht, denn das, was in dem Buch passiert, steht eigentlich schon im Klappentext.

Von Mai 1521 bin März 1522 wurde Luther, über den ja ein Bann ausgesprochen war, auf der Wartburg festgehalten und hat dort die Bibel ins Deutsche übersetzt.

Feridun Zaimoglu hat sich dafür einen Erzähler namens  Burkhard, einen katholischen Landsknecht, der den Professor, beschützen oder bewachen sollte, ausgedacht und der hat eine sehr derbe,  mittelalterliche Sprache und erzählt sich auf diese Art und Weise durch das Buch.

Dazwischen gibt es auch immer Briefe Luthers an den“Hernn Georg Spalatin, kurfürstlichen Rat und Hofprediger“ oder „an den hochgelehrten Melanchton, meinen Bruder im Geiste“, beispielsweise, die das Ganze etwas genauer dokumentieren und immer mit den kirchlichen Datum, wie beispielsweise „Am Tage der Teilung der Apostel, da Herr Jesus ihnen Vollmacht über die unsaubernen Geister gab“, unterzeichnet sind.

Am Beginn des Buches steht ein Zitat von Martin Luther „Oft plagte mich der Satan durch seine Erscheinungen, ganz besonders auf jener Burg, in der ich einige Zeit lang gefangen wurde“, auf das sich das Buch auch bezieht und  am Schluß gibt es Feridun Zaimoglus Danksagung in der er die Orte aufzählt, die er zur Recherche aufgesucht hat, die Wartburg und das Lutherhaus in Eisenach beispielsweise und auch dazuschreibt, daß er mit einen Freund laut die mittelalterliche Sprache übend, durch die Gegend gezogen ist.

„Gelobt der der Herr in der Höh“, lautet der letzte Satz der Danksagung und das ist auch ein Zitat aus dem Buch, in dem Deutsch mit harten „T“ geschrieben wird und das wirklich von kräftigen Ausdrücken nur so wimmelt, so daß man sich wahrscheinlich ein  gutes Bild vom Leben im sechzehnten Jahrhundert machen kann, wo gesoffen, gehurt und mit dem Schwert in der Hand herumgezogen wurde, die Frauen als Hexen verbrannt und aus Kinderleichen Kerzen erzeugt wurden.

Das habe ich sehr spannend empfunden, über Marthin Luthers Leben hat mir die Ute in Leipzig einiges erzählt, die ja  Christenlehrerin ist. Man kann den Lebenslauf aber nachgooglen und in Leipzig auf der Messe wurden auch einige Bücher vorgestellt, wo man  das Leben Luthers und seine Auswirkungen auf die Geschichte und die Welt nachlesen kann.

„Auch wenn es der Klappentext vermuten läßt, ist es kein Historienroman“, habe ich bei „Amazon“ gelesen und war  durch das deftige Mittelalterbild, das mir Feridun Zaimoglu vermittelte, sehr beeidruckte, auch wenn ich mir den gelehrten Professor oder Ketzer, wie ihn der Landsknecht Burkhard mehrmals nennt, nicht so besonders gut vorstellen konnte, von der Bibelübersetzung, „Biblia“, wird sie in dem Buch genannt, nicht viel mitbekommen habe und auch etwas verwirrt darüber war, wieviel der Landsknecht mit seinem Schutzbefohlenen durch die Gegend gezogen ist, wo ich ja von der Gefangenhaltung in der Wartburg ausgegangen bin.

Aber spannend, einen so deftigen Einblick in die Luther-Zeit erhalten zu haben und, daß sich ein in Anatolien Geborener so intensiv in das deutsche Mittelalter hineinversetzt hat, finde ich ganz besonders interessant.

 

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1 Kommentar »

  1. Hat dies auf Marcel M. Baumann rebloggt.

    Kommentar von Marcel M. Baumann — 2017-09-21 @ 11:59 | Antwort


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