Literaturgefluester

2020-03-23

Corona-Tagebuch

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:09
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Ich erlebe ja momentan ein deja-vue, denn am zehnten März vor einem Jahr, einem  Sonntag, bin ich mit dem Alfred, wie wie das immer wenn wir in Harland sind, machen, auf die Rudolfshöhe gegangen und dort bei dem schmalen Wegerln, wie mir auch schön öfter passierte, ausgerutscht und habe mir einen offenen Knöchelbruch zugezogen. Drei Tage Spital, sechs Wochen Gips, in denen ich meine Praxis machte, ungefähr einmal in der Woche nach St. Pölten zur Kontrolle ins Universitätsklinikum gefahren bin, dann einmal, weil wir schon die Karten dazu hatten, ins Filmcasino gegangen sind und einmal aus genau diesen Gründen auch zu der „Literatur und Wein“.

Bach Ostern ist der Gips hinuntergekommen, das Gehen ist dann mühsam gewesen und mußte sozusagen neu erlernt werden, viel Straßenbahn gefahren am Anfang, aber jetzt ist wieder alles normal und ich sollte meine letzte Kontrolle haben und entscheiden, ob ich mir die Schrauben herausnhemen oder drinnen lassen will?

Das ist ja wieder etwas wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn Implantate sind nicht gut, Operationen auch nicht, die Entscheidung wurde aber durch den momentanen Ausnahmezustand oder dem Corona Virus, das im Jänner dieses Jahres zuerst in China, dann überall auftauchte, abgenommen und nun hat sich alles wiederholt.

Es ist, wie ich schon in meinen „Haßposting“ geschrieben habe, zu einem zweiten Veranstaltungsstop gekommen und „Leipzig“ wurde als erstes noch einmal abgesagt.

Die ersten Informationen über Corona waren wahrscheinlich durch den Ausbreitungsort in China sehr beunruhigend. Da hörte man ja von drastischen Maßnahmen, wie, daß die Ausgangsstops durch Polizei und Sandsäcken vor der Tür durchgesetzt werden.

Dort scheint sich inzwischen wieder alles zu normalisieren, aber das Virus ist wohl gloabilierungsbedingt nach Italien gekommen und hat dort drastische Ausmaße erreicht. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Menschen sterben in den Gängen der Kliniken und können nicht behandelt werden und das, was ich in Österreich ziemlich am Anfang hörte, war ja auch das Bild von der Schule, wo es eine aus Italien zurückgekommene Lehrerin gab, die dann auch negativ war. Die Schule wurde aber von der Polizei abgeriegelt und die Kinder nicht hinaus gelassen.

Das hat sich jetzt geändert und die Ausgangssperren sind Beschränkungen und laufen mehr oder weniger freiwillig, beziehungsweise höflich geordnet ab und das, was mich an der Sache am  meisten schreckt, ist die Gewalt und die Dystopien, in die man dadurch kommen könnte.

So höre ich ja die Gerüchte, daß das Geld abgeschafft werden und, die, daß die Ausbreitung des Virus durch Bewegungsmeldungen der Handydaten erreicht werden sollen, höre von Zwangsimpfungen, die es dann geben wird.

Noch gibt es aber keine Impfung, auch keine Medikamente und sogar die Schutzmittel, beziehungsweise die Desinfektionsmittel sind aus. Die werden, wie ich höre oder lese, auch manchmal geklaut.

Ebenso gibt es diese ja fast lustigen Geschichten, um das Klopapier, das alle plötzlich horten und wahrscheinlich immer noch niemand weiß, wozu man das braucht?

Denn notfalls kann man ja das Wasser, die Zeitung und im schlimmsten Fall sogar Buchseiten zum Po abwischen verwenden. Das ist sicher ein psychologischer Effekt und das Spielen mit der Angst ist wahrscheinlich auch die höchsten Gefahr, denn dieses Virus ist ja sehr widersprüchig.

Es breitet sich sehr schnell aus und Anfangs wurde wahrscheinlich auch viel zu leichtsinnig überall herumgeflogen und das Fiebermessen am Flugplatz ist wahrscheinlich auch kein eindeutiges Indiz der Ansteckung, wo ja die jungen Leuten offenbar keine Symptome zeigen, die älteren und kranken schwere Verläufe haben und man Anfangs nicht so richtig wußte, wie man damit umgehen soll?

Hände waschen genügt, hieß es vor drei Wochen, als Leipzig schon abgesagt, die Veranstaltungen aber noch offen waren und ich war auch bei ein paar sehr gut gefüllten Veranstaltungen, wo ich mich dann durch den vollen Buffetraum des Literaturhauses, drängte, um meinen Wein zu holen und auch die Frauenlesung im Amerlinghaus war sehr voll, so daß der Meter Abstand, der damals schon herumging, nicht eingehalten werden konnte. Das änderte sich dann Schlag auf Schlag, bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus habe ich noch gedacht, die Geschäftssperrungen, von denen man schon hörte, kommen in zwei drei Wochen auch auf uns zu.

Sie kamen dann im Lauf der Woche, zuerst mit einer Veranstaltungseschränkung auf hundert Personen am Dienstag, wo ich am Abend noch in die „Gesellschaft für Literatur“, aber nicht hineinging, weil man seinen Namen angeben mußte. Den hätten sie zwar ohnehin gehabt, aber ich bin ab da zu Hause geblieben, beziehungsweise nur noch zweimal einkaufen gegangen. Das erste Mal am Mittwoch, um mir für das Mittagessen Avocados zu kaufen, das zweite Mal am Freitag, weil die Milch ausgegangen war und der Alfred erst so spät nach Harland zum Einkaufen und das Regeln mit der Vierundzwanzigstundenbetreuerin, fuhr, was auch ein Problem sein wird, wenn die wegfallen, daß ich, ob der Bilder von den Hamsterkäufen befürchtete, keine mehr zu bekommen.

Ab da hat sich das Leben  verändert. Die Leute bleiben langsam zu Hause, beziehungsweise werden sie, wenn sie in den Parks spazieren gehen,von Reportern gefragt, was sie da machen? Wo ich mich ein wenig wundere, daß sie den ganzen Tag auf den Straßen herumlaufen, weil das ja  keine lebensnotwendige Tätigkeit ist, die anderen lächerlich zu machen, wenn sie sagen, daß sie bald wieder zum Friseur gehen wollen!

Ich habe, glaube ich, schon ab der Absage von Lepzig, damit begonnen auf die Wichtigkeit des Lesens hinzuweisen, werde mir Ronny Rinderers Schreibkurs zur Krise ansehen und werde das wohl noch öfter tun und bin ansonsten  sehr beschäftigt, habe ich ja einen Beruf, der wichtig ist, um die Depressionen, die durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder in Folge  der Angst und Panikmache entstehen, einzudämmen und ansonsten ist es wohl, die gravierenste  Situation, durch die wir gerade gehen.

Wie sich diese Krise auf uns alle auswirken wird, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Bis dahin durchhalten, sich eine Tagesstruktur aufbauen, sich beschäftigen, ist wohl zu empfehlen und da weise ich, weil das ja  meine Passion ist, auf das Schreiben und Lesen hin und überlege schon, wie ich das Virus in meinen nächsten Roman, der ja „Kein Frühlingserwachen mehr“, heißen soll, einbauen kann, obwohl es wahrscheinlich zu früh ist, über die Krise zu schreiben.

Paula Giordano, der italienische Autor, hat es schon getan. Sein „In Zeiten der Ansteckung“ wird  im April erscheinen. Ich werde, wenn das Buch oder die Fahnen zu mir kommen, darüber schreiben und ein weiteres „Corona-Tagebuch“ wird es bei mir  wahrscheinlich in unregelmäßigen Abständen  auch geben, wenn ich meinen Tagesartikel nicht durch eine Buchbesprechung füllen kann.

Ansonsten hätte ich noch drei Kapitel aus dem „Fräulein No“, die ich im November geschrieben, aus dem Text aber hinausgeschmissen habe, die ich nach und nach hier einfügen kann.

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