Literaturgefluester

2020-06-22

Blasmusikpopp

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Jetzt kommt ein Bestseller, ein moderner Klassiker könnte man vielleicht schon sagen, geschrieben von einer damals Vierundzwanzigjährigen, was die literarischen Gemüter sehr erregte und die 1988 in St. Pölten geborene Vea Kaiser, die Altgriechisch studierte, zu einer Berühmtheit machte, die ja noch dazu eine schöne junge Frau ist und, wie sie bei der Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“ auch sehr selbstbewußt sagte, von allzu großer politischer Korrektheit nicht viel hält.

An mir sind ihre Bücher „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“ bisher vorbei gegangen, wahrscheinlich war ich gegen den literarischen Shootingstar auch ein wenig skeptisch eingestellt, habe sie aber, glaube ich, sowohl auf der „Buch Wien“, in der „Gesellschaft“ und vielleicht auch sonst noch bei anderen Gelegenheiten gesehen.

Vor einem Jahr wurde ich zu einem Bloggertag einer Gemeinnützigen Buchhandlung eingeladen, habe mich in den Buchbeständen umgeschaut, und „Blasmusikpopp“, den literarischen Erstling, um einen Euro, glaube ich, gekauft.

Auf den Büchern waren Punkte mit Preisangaben fixiert, „Blasmusikpoppp“ hätte, glaube ich, drei oder fünf Euro gekostet, war aber in einem nicht mehr so ganz tollen Zustand, also ein Euro und jetzt gelesen und ich muß sagen, ich bin überrascht, denn die junge Frau hat wirklich einen sehr eigenen frischen Ton, auch wenn das, was sie da erzählt, dann wieder nicht so ganz einzigartig ist.

Das Buch ist 2012 erschienen, ich habe die dritte 2015 erschienene Auflage gelesen und Stephan Teichgräber hatte es auf seiner Leseliste seines Gegenwartsliteraturworkshops, also habe ich es als ich am zwanzigsten Mai im Doml war, mitgenommen, Stephan Teichgräber scheint sich aber trotz der Coronalockerungen doch noch nicht so ganz an die Fortsetzung der Workshops drüberzutrauen, so hat er die Junitermine abgesagt. Das Buch stand aber trotzdem auf meiner Leseliste und ist jetzt auch zum Lesen dran gekommen, also voila:

Es beginnt in den Neunzehnfünzigerjahren und spielt in einem kleinen Berdorf St. Peter am Anger. Ich habe wohl aus meiner und Vea Kaisers Sozilisation an Niederösterreich gedacht. Es könnte, weil es aber in den Bergen spielt, auch in Tirol angesiedelt sein und beginnen tut es eigentlich mit einer Chronik, die die Geschichte der „Bergbarbaren“ ausgehend vom Mittelalter oder der Urzeit erzählt.

Im Dorf in den Fünfzigerjahren hat sich aber der Holzschnitzer Johannes Gerlitzen einen Bandwurm zugezogen. Er hat auch ein Kind bekommen, die kleine Ilse, da die aber dem Nachbarn verdächtig ähnlich sieht, verläßt er Frau und Dorf und geht in die Stadt, um zu studieren und Doktor zu werden. Als praktischer Arzt und Bandwurmforscher kommt er zehn Jahre später zurück. Seine Trau stirbt an einem schweren Parkinson. Er zieht die kleine Ilse, die sich in den Alois, der als Kind davon träumte, Raumfahrer zu werden, auf, die dann den kleinen Johannes A. bekommt, der eigentliche Protagonist der Geschichte. Der wird von seinem Doktor Opa, der später bei einem Unglück ums Leben kommt, in die Wissenschaft eingeführt.

Vea Kaiser hat da wirklich einen unnachahmlichen witzigen Ton und man kann sich dieses Dorf und seine Geschichten mit den Frauenverein, der immer in die Konditorei Moni zu ihren Treffen geht, dem Fußballverein, den vier alten Rentnern, die das Dorf bestimmen wollen, etcetera, lebhaft vorstellen.

Der kleine Johannes will also selber Forscher werden, ist aber als Arzt ungeeigent, dafür als Geschichtsschreiber talentiert. Aber da gibt es die Schwierigkeit, daß die Dorfkinder selbverständlich in die Hauptschule kommen, weil es kaum bezahlbare Gymnasien gibt. Der Doktor Opa hat aber für eine schöne hochdeutsche Aussprache gesorgt. So bekommt er ein Stipendium in einem Konvikt und dort geht es nicht so zu, wie man es eigentlich nach Josef Haslinger erwarten könnte, sondern viel gesitteter und der kleine Johannes, der sehr unsportlich ist und beim Fußball spielen versagte, hat da auch seine Förderer. Zuerst traut er sich wegen seiner mangelnden Lateinkenntnisse nicht recht hinein, dann aber lernt und lernt er und wird auch Mitglied des „Digamma-Klub“, wo sich vier Schüler aus guten Haus zusammenfanden um Griechisch zu studieren.

Dann kommen aber die neuen Zeiten, die Schule wird privatisiert, bekommt einen weltlichen Direktor, der alles ummodeln will, gegen den die Schüler rebellieren und der läßt dann aus Rache, obwohl er der beste Schüler ist, Johannes bei der Matura durchfallen. So muß er ins Dorf zurück, wo er, weil zwei linke Hände das Zimmermanngewerbe seines Vaters nicht übernehmen kann oder will. Er beschließt aber das Dorfleben zu studieren. Holt einen Hamburger Fußballclub in das Dorf und verliebt sich auch in eine Städtische Schönheit, die in einem Haus wohnt, das wie ein Skilift aussieht, obwohl es auch da einige Mißverstänisse gibt, ist Johannes ja handylos und hat auch von Facebook keine Ahnung, bis er und das ganze Dorf sich dann doch den modernen Zeiten öffnen und alles ist gut und ich habe, glaube ich, ein tolles Buch gelesen, das, ich habe Vea Kaiser ja bei einem Doderer-Symposium in der „Gesellschaft“ gehört, datsächlich ein bißchen an diesen Altmeister im Stil erinnert, wie die zwei anderen Büchern sind, kann ich nicht sagen, aber vielleicht kommen sie noch zu mir

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