Literaturgefluester

2021-04-08

Eine Corona-Phantasie?

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 20:04
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Da muß man doch etwas tun!“, dachte Eja Augustin und schaute grimmig vor sich hin. Sie schaute in den Fernsehschirm, wo gerade über den neuen, den vierten oder fünften Lockdown oder die sogenannte Osterruhe, die es im Osten dieses Landes seit Gründonnerstag gab, berichtet wurde. Nur eine Person hatte man über die Feiertage besuchen dürfen, Ausgangssperre bis Ende der Woche, wenn der Lockdown nicht noch verlängert wurde und die FFP2- Maskenpflicht an den belebten Plätzen schien immer mehr zuzunehmen und sich auszudehnen und wenn dann die Geschäfte vielleicht doch wieder geöffnet werden sollten, mußte man sich freitesten, um hinein zu können und sich einen neuen Slipo der Büroklammern zu kaufen, die man für den Berufs- und anderen Alltag brauchte und wenn man Pech hatte, wurde das auch auf die Supermärkte ausgedehnt, so daß man sich, wenn man sich nicht impfen, testen und auch nicht maskieren wollte, womöglich sein weiteres Leben nie mehr aus dem Haus gehen durfte, wenn man keinen grünen Freiheitspaß vorweisen konnte. Denn die Inzidenzzahlen stiegen möglicherweise zu einem expontionellen Anstieg an, der die Intensivstationen zum Platzen brachten, weil immer wieder neue Mutationen auftauchten, die noch viel gefährlicher waren und die Impfungen, die ohnehin nur zögernd anliefen, offenbar vor diesen nicht schützten.

„Verdammt, verdammt!“, murmelte Eja Augustin vor sich hin, als sie die Nachrichtensprecherin, beziehungsweise den Gesundheitsminister diese Besorgnis äußern hörte.

„Verdammt, verdammt!“, dabei stiegen die Zahlen gar nicht exponentiell, sondern, wie sogar der Gesundheitsminister bestätigte, linear an, was aber trotzdem Besorgnis erregend war und der Bundeskanzler hatte vor kurzem erklärt, daß man handeln müße, wenn die täglich gemessenen positiven Zahlen sechstausend erreichten! Das taten sie aber nicht. Lagen sie ja noch immer bei dreitausend und waren, bevor der neuerliche Lockdown verkündet wurde, knapp unter viertausend gelegen. Trotzdem warnten die Experten und die Nachrichtensprecherin forderte gerade eine Maskenpflicht für den Reumannplatz, weil sich da die Leute vor dem berühmten Eissalon drängten und nur die Freiheitlichen plädierte für einen Lockdownstop, verlangten, weil sonst alles kaputt ginge, alles aufzusperren und Eja Augustin hörte die Nachrichtensprecherin wiederholen, daß die Maskenpflicht im Freien für den Donaukanal, Schwedenplatz, Stephansplatz, sowie den Karlsplatz und den Maria Theresien-Platz betraf, also genau die Orte, wo die ohnehin verbotenen Demonstrationen stattfanden. Für heute war wieder eine angesagt und die letzten, auf denen sie war, hatten meist damit geendet, daß die Polizei, die Demonstranten, die den Ruf von rechten Schwurblern, Nazis und Verschwörungstheoretiker hatten, in einen Kessel hineintrieb, wo sie angezeigt wurden und Strafe zahlen mußten, denn für Demonstrationen galt schon länger FFP2-Maskenpflicht, so daß sie immer versucht hatte, sich an den Rand stellen, wo man bisher keine tragen hatten müssen.

„Verdammt, verdammt!“, dachte Eja Augustin.

„Das kann man sich doch nicht gefallen lassen, wenn das alles so widersprüchig ist und man keinen grünen Impfpaß will, der alle Bewegungswellen registriert!“

Aber wie oder was?“, bisher hatte sie das Demonstrieren für das Mittel gehalten, ihre Meinung frei zu äußern! Aber das galt nicht mehr. Noch dazu da sie eine alte Linke und keine rechte Verschwörungstheoretikerin war und auch nicht unbedingt neben der FPÖ und schwingenden Österreichfahnen , die auf einer Anti-Corona-Maßnahmendemonstration eigentlich nichts verloren hatte, stehen wollte.

„Da muß man doch etwas dagegen tun!“, wiederholte es in ihr und auf einmal war ihr das Schreiben eingefallen.

Richtig schreiben, denn sie war ja Schriftstellerin und sie würde auch sehr gern einen dystopischen Roman über die Pandemie, die man vielleicht auch Gesundheitsdiktatur nennen könnte, verfassen. Aber wie tat man das?, dachte Eja Augustin seufzend, nahm einen Bleistift in die Hand und schaltete den Computer ein.

Sie hatte schon versucht einen dystopischen Roman darüber zu schreiben, einige darüber gelesen und vorher, als es noch keine Pandemie, sondern eine schwarz-blaue Regierung, die sie bekämpfen wollte, einen über eine „Unsichtbare Frau“.

Da hatte sie eine unsichtbare Frau zum damaligen Außenminister, der inzwischen Bundeskanzler war, geschickt, um die Zustände der Welt zu ändern. Das heißt, ein Schäfchen hatte sie dazu geschickt und sie hatte den schönen jungen Minister die Leviten gelesen und das könnte sie wieder tun! Des Nachts mit der Tarnkappe auf dem Kopf den Bundeskanzler, Gesundheits-Innen- und Finanzminister aufsuchen und mit ihnen darüber reden oder sie, in ein Marmeladeglas stecken, wie das in der „Sophie Hungers“ so geschehen war.

„Stoppt den Lockdown und laßt uns mit Corona leben lernen!“, könnte sie ihnen sagen.

„Steckt das Geld, das ihr für die vielen Masken und Tests braucht, lieber in die Spitäler! Rüstet die Intensivstationen auf und laßt die Menschen selbst entscheiden, wie sie sich schützen und sie auch ohne Test aus dem Wohnzimmer in den Schanigarten, damit sie sich nicht zu heimlichen Parties treffen oder zum Friseur schlechen müßen, wenn sie sich nicht dauertesten lassen wollen, weil man das vielleicht nur den schon Errankten tun sollten!

Also eine neue Aufgabe für Amanda Siebenstern, die Minister Basti aufgesucht hatte, dachte Eja Augustin und nickte schon ein bißchen fröhlicher vor sich hin

So könnte es gehen, wenn sie, um nicht kriminalisiert zu werden, auf keine Demo gehen konnte, könnte sie einen zweiten Teil der „Unsichtbaren Frau“ schreiben, wo sich Amanda mit der Tarnkappe zum Kopf einer Protestbewegung machte und wenn sie die Minister dazu in eine Nußschale setzte, könnte das ihren Roman die nötige Dramatik geben.

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