Literaturgefluester

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

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