Literaturgefluester

2020-03-24

Superbusen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt kommt ein Debut oder ein Poproman, das Erstlingswerk der 1989  in Dresden geborenen Paula Irmschler, die 2005 zum Studium nach Chemnitz zog.

Sie ging dann nach Köln, arbeitete dort als Garderobiere und begann eine Kolumne zu schreiben.

Im Herbst 2018, wo Chemnitz ja berühmt wurde, wurde sie Redakteurin der „Titanic“ und hat in „Superbusen“ höchstwahrscheinlich in einem sehr rotzigen frechen Ton von sich selbst erzählt und wahrscheinlich auch noch das eine oder andere dazu erfunden,  die berühmte Stadt aber, glaube ich,  mit ihren sozialen Problemen, treffend geschildert.

Das in drei Teilen mit einem Epilog geschriebene Buch beginnt, als Gisela, die eine Zeitlang mit ihrem Freund Paul in Berlin lebte, wieder nach Chemnitz zurückkommt, wo sie vor einigen Jahren, nach dem sie eine eher sozialschwache Jugend in Dresden erlebte, wie ihre Autorin zum Studium in diese Stadt  gekommen ist, dort in einigen WGs wohnte und mit ihren Freundinnen Fred, Meryam und Jana, die Band „Superbusen“ gegründet hat, mit denen sie durch die Lande zog.

„Nächste Woche soll`s wieder scheiße wern“, hieß der erste Song.

Vorher wird in einigen mehr oder weniger starken Szenen, das Studentenleben ohne Geld erzählt. Das Studium geht nicht so recht voran, die Studenten sammeln Flaschen oder klauen sie, um dann das Pfand abzukassieren, leben von Spaghetti, die sie in einer Sauce mit Ketchup, Milch, Wasser und Pfeffer essen.

Gisela, die nicht so genannt werden will, arbeitet, wie ihre Autorin, als Garderobiere, hat ein Problem mit ihrem Übergewicht, wird gehänselt und hat auchProbleme mit der Stadt in der sich die Antifa mit den Nazis, beziehungsweise,  umgekehrt, bekriegen oder auch das nicht passiert.

Ein wildes freches Buch, dem vielleicht ein wenig der strigente Handlungsrahmen fehlt, eines, das als superlustig beschrieben wird, als Ereignis der Saison,  auf „Amazon“ sehr gute Kritiken bekommen hat und von Chemnitz der berühmt berüchtigten Stadt, die zu DDR -Zeiten,  in Karl Marx Stadt umbenannt wurden, haben wir 2018 ja sehr viel gehört und sich darüber mit einem  Roman, wie diesen, ein Bild zu machen, ist wahrscheinlich auch in Zeiten wie diesen, wo höchstwahrscheinlich,  wenn wir nicht großes Glück haben, noch viel kaputt gehen wird, sicherlich sehr interessant.

2015-09-07

Jesuitenwiese

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt wieder eine kleine Unterbrechung beim Longlistenlesen, nämlich das „Volksstimmefest“, die Lesung beim „Linken Wort“ und damit auch das Buch „Jesuitenwiese“ von Fanny Blissett oder einem Autorenkollektiv aus dem Wissenschaftsbereich, das voriges Jahr dort vorgestellt wurde, mir der Alfred kaufte, ich es auf die 2015 Leseliste setze und passend zum Fest, lese, das für mich ja auch eine Bedeutung hat, da ich es seit den Siebzigerjahren mehr oder weniger regelmäßig besuche.

Meine Freundin Elfi hat mich in den späten Siebzigern, als wir studierten, dorthin gebracht, 1980 haben wir mit dem Arbeitskreis dort gelesen und ich dann mehr oder weniger regelmäßig ab 1989, das war das jahr der Wende, das kommt bald beim LL an die Reihe, aber damals sind wir gerade aus Amerika zurückgekommen, Arthur West hat lächelnde behauptet, der Kommunismus wäre nicht in Gefahr, natürlich nicht und Turrini, Jelinek, Kerschbaumer, haben das letzte Mal dort gelesen und Peter Turrini hat sich sogar nach meinem Roman, den „Hierarchien“, die ich dort vorstellte, erkundigt.

Es gehen aber auch andere Leute auf das Volksstimmefest, natürlich und viel mehr als es Kommunisten in Wien gibt, auch wenn sich manche darauf ausreden, denn es ist ja das schönste Fest Wiens und so stolperte auch der etwas unbeholfene Theologiestudent Reinald, der nach Wien zum Studieren kommt darüber, als er sich die Jesuitenwiese anschauen will, denn er studiert ja gerade das „Heilige Experiment“, von Fritz Hochwälder.

Dort betrinkt er sich dann ein bißchen und lernt Karin und Christian kennen und die drei beschließeneinen Roman über Wien, über die Musikszene, das Volksstimmefest, etcetera zu schreiben.

„Ein leicht revolutionärer Poproman“, ist es geworden, wie schon am Cover steht und, was ich mich auch beim Lesen ein bißchen störte, eine Mischung zwischen Theorie und Literatur.

Das merkt man am Stil und wahrscheinlich auch, daß die Autoren Wissenschaftler sind, manches wirkt sehr theoretisch und dann denkt sich die gut geschulte Schreibseminarbesucherin, die im Hirn eingetrichtert hat, daß ja alles so spannend sein soll „Hoppla was ist da los?“ oder ganz frech „Dann bin ich vielleicht doch ein bißchen besser!

Aber Kunststück, ich schreib ja schon über vierzig Jahre und somit wahrscheinlich länger, als die Autoren au der Welt sind.

Die Protagonisten sind jedenfalls Mitte Dreißig, Christian ist Historikker und forscht für sein Institut, beziehungsweise für das historische Museum über einen Kongreß, der in Wien 1932 im Prater Stadion stattfand, wo unter anderen Alice Rühle-Gerstl referierte, dafür fliegt er sogar nach Moskau, während Karin, die Journalistin aus der Steiermark beim ORF schlecht bezahlt arbeitet und an einer Sendung über das Volksstimmefest schreibt.

Dafür interviewt sie einen über neunhzigjährigen KPÖ Funktionär, der dort die Finanzen verwaltete und das Fest veranstaltet hat und die Insider werden jetzt schon wissen, da gibt es ja die Sache mit den Millionen, die die KPÖ an die DDR nach der Wende verloren hat, die aber leider verschwunden sind.

Der sogenannte KPÖ-Schatz, der das Fest fast zum Kippen brachte und den wollen natürlich alle finden und so wurde voriges Jahr, ein Plan verteilt mit neun Stationen und einem Audio Guide mit dem man eine Tour machen, Kapitel aus dem Buch hören und den Schatz vielleicht finden konnte.

Das wurde auch heuer wiederholt und eine Handlung gibt es natürlich auch. Zwei sogar, so einen Excurs über die Popmusik, der wie gesagt sehr theoretisch ist, im Anhang gibt es Quellen, die verwendet wurde, Rolf Schwendters Buch über die Subkultur ist dabei und dann natürlich auch den Versuch einer spannenderen Handlung und so beginnt es, daß Pavel  am Anfang Franz im Gefängnis anruft, wo sich der in Untersuchungshaft befindet und ihm mitteilt, daß Joe gestorben ist, während sich Reinard und Karin in Griechenland befinden, um dort die Insel aufzukaufen, denn der Chilene Pavel, der ein Poplokal betrieb, in dem er auch Kokain verkaufte, wollte den Schatz dafür haben, um die Welt zu retten, aber „Den Kommunismus kann man nicht zu zweit machen“, wie Christian in Mosklau in den Akten herausfand, während ihm seine Freundin Maja verlassen hat.

Einen komischen Brigadier vom Verteidigungsministerium, der das „Linke Gesindel“ haßt und ihnen die Millionen abjagen will gibt, es auch, so werden Pavel und Franz, das ist dessen Kompagnon wegen Rauschgiftschmuggels verhaftet, während der Neunzigjährige, der sich wahrscheinlich ein bißchen in Karin verliebte, einen Schlaganfall erleidet, ihr seine Finanzunterlagen zuspielt und auch verrät, daß das Geld unter der großen Rutsche vergraben ist. Das verrät er ihr natürlich verschlüßelt und für alle, die jetzt hinjagen wollen, Karin hat das Geld gefunden, während ihr Freund den Geheimdienstler von ihr ablenkte und Reinard, der sein Theologiestudieum aufgegeben hat und nun ein neues „Heiliges Experiment“ starten will, bringt es ins Ausland.

So sitzen Karin und Reinard auch auf der Insel, haben oder werden Griechenland aufkaufen, aber das war  schon vor einem Jahr und inzwischen hat sich viel geändert, wie man in den Nachrichten über die Griechenlandkrise hören konnte. Es ist also zu befürchten, daß auch dieses Experiment  nicht klappt.

Das Buch wurdeauch heuer wieder auf der Jesuitenwiese beworben, es gab eine Audiotour, gemeinsam um drei am Samstag vorm Bücherstand, weil man ja, wie es schön heißt, den Kommunismus nicht allein beginnen kann oder doch vielleicht, auch das ist nicht ganz sicher, während es bei „Amazon“, was ich sehr interessant fand, zwei Rezensionen gibt, eine mit fünf und eine mit einem Stern, in dem genau das gegensätzlich behauptet wird.

„Wer Wien und seine Szene mag wird das Buch (nicht) mögen, etc. Kurz wiedereinmal ein Buch das niemand braucht“, ecetera.

Dem schließe ich mich natürlich nicht an, obwohl ich es auch ein bißchen hölzern empfunden habe, aber wahrscheinlich denen zuzuorden bin, wo es heißt „Wer schon einmal am Volksstimmefest war, wird sich wundern was hier abgesondert wird“, ein bißchen anders habe ich das Volksstimmefest schon empfunden, trotzdem ein interessantes Buch.

Was mich persönlich ein wenig störte, daß aus dem neuen Institutsgebäude, dem NIG ein NUG geworden ist und aus dem kommunistischen Globus-Verlag, in dem glaube ich, die Anthologie, noch immer gedruckt wird, ein Global-Verlag und noch andere Veränderungen, die mich ein wenig verwirrten, ebenso wie ich den Gender * ein bißchen konstruiert und unnötig fand. Auch war der Wechsel zwischen Erzähler und Romanfigur ein bißchen schwierig zu verstehen, sowie das Switchen von den verschiedenen Zeiten, in denen die Handlung spielt.

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