Literaturgefluester

2012-06-16

Entzugserscheinungen oder zweiter Wochenplan

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:44

Bevor ich demnächst auf die Mariahilferstraße zu einem Experimental Sushi Lokal gehe, um die Iris zu treffen und dann zum Brunnenmarkt zu meiner Lesung vor dem Offenen Bücherschrank, alle hinkommen, die das wollen!, kommt für die, die das interessiert mein Schreibbericht, wie das jetzt mit „Kerstins Achterln“ weitergegangen ist?
Der letzte Stand waren ja fünfundzwanzig Szenen, fünfundsechzig Seiten, die erste Woche war vorbei und die liebe Eva wiedermal ein bißchen ratlos, denn das richtig lange Romanschreiben, wo man seine Personen- und Handlungspläne hat, die man sich im Wohnzimmer oder per Mindmap auslegt, kann ich ja vielleicht noch nicht. Beziehungsweise bin ich ein bißchen ausgeschrieben, zu schnell, zu manisch unterwegs, weil ja ohnehin alle Kritiker immer raten, du kannst es nicht, hör doch damit auf. – Stop, halt, das sagt jetzt die Verhaltenstherapeutin, ich kann es natürlich und das beweisen auch meine an die dreißig Bücher und realistisch schreiben auch andere, die Erfolg haben, Josef Haslinger, Erich Hackl, Ludwig Laher beispielsweise und was die können, kann ich auch, auch wenn ich bei meinen letzten beiden Sachen immer bei Seite vierzig ein wenig abstürzte. Jetzt bin ich aber schon bei Seite dreiundsiebzig und neunundzwanzig Szenen, stimmt, das wären nach meiner Statistik erst 37.286 Worte, also ein Zweidrittelnanowrimo und bei der zweiten Woche bin ich erst beim Montag angelangt. Denn die nötige Struktur habe ich mir inzwischen gegeben. Eine Entziehungskur dauert sechs Wochen, da ist auch Franz Vernissage und da hat ja Kerstin mit Hans Richter gewettet, wenn sie das Fernbleiben schafft trinkt sie sich mit ihm an oder nein, auch nur das bewußte Achterl und die Galeristin Barbara hat ihr inzwischen eine Ausstellung angeboten. Kerstin Wieland begibt sich auf Max Winters Spuren und fotografiert das soziale Leben Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts, das man so am Würstelstand und im Stadtpark trifft. Da haben sich ja jetzt auch einige Seitenstränge ergeben, da ist der altkluge kleine Hektor, eine superfreche Rotznase und eigentlich ein sehr armes Kind, trotz seiner Nannys, nein Pünktchen und Anton wird es nicht und der Sandler Max Winter. Hans Richter gibts schon länger und auch die Pfarrrunden am Sonntag beim Pfarrer Eberhard und Barbaras morgendliche Anrufe.
Ob ich mich da von Szene zu Szene bis zur sechsten Woche bringe, weiß ich nicht, dann hätte ich zwar zweihundertfünfzig Seiten, wär aber vielleicht ein bißchen fad. Aber ich kann den Nebenlinien ja Handlung geben, hat da einer heute Morgen bezüglich Bloomesday beim Otto Brusatti ohnehin mehr Fantasie beim Geschichtenerzählen gefordert!
Franz könnte Krebs bekommen oder sonstwie rückfällig werden, Hektor Sorgen mit seinen Eltern haben oder einen Krimi aufklären. Aus Max Winter könnte auch noch einiges werden, richtig eine resche Würstlfrau gibt es auch und den schönen Ferdinand mit seinem steifen Glied, das ist ein fünfundsiebzigjähriger Maler, den seine siebzigjährige Frau Temesta in das Glaserl streut, damit er sie in der Nacht nicht überfällt.
Also einiges an Ideenmaterial, was ich jetzt brauch, ist die Geduld, das langsam, ganz langsam entwickeln zu lassen!
„Ein Roman ist nicht in sechs Wochen geschrieben!“, immer wieder vor mich hin sagen, und daß ich mit meinen Figuren und meiner Handlung tiefer werden könnte, stimmt sicher auch.
Wie ich das jetzt genau weiter mach, weiß ich wieder nicht! Vielleicht hätten da meine Leser eine Anregung? Aber das Literaturgeflüster ist ja sehr eindimensional, macht aber nichts! Beim Montag der zweiten Woche bin ich jetzt angelangt, werde vielleicht wieder alles durchgehen und in mein Notizbücherl die Mindmaps anlegen. Mir hilft, glaube ich, schon sehr, mir immer wieder das mit der Geduld vorzusagen und das „Du kannst das genausogut, wie die drei oben erwähnten Realisten!“, hilft mir auch, auch wenn meine Leser jetzt ein bißchen aufstöhnen.
Aber ich habe sicher auch noch meine Schwächen und daran arbeite ich. Ich kann ja auch wieder aufhören und es bei einer kürzeren Erzählung belassen, natürlich, es redet mir sowieso keiner drein! Aber spannend ist es schon, herauszufinden, wie man einen Entzug beschreiben kann? Vielleicht sollte ich da auch ein wenig googeln, wie das die anderen machen? Und das habe ich schon bei der „Frau auf der Bank“ herausgefunden. Zu sehr nach Lehrbuch soll und braucht das gar nicht sein. Mit der Paranoia, die die Selma dort hat, werde ich auch kein „Sehr gut“ bei der Psychiatrieprüfung bekommen und vielleicht kann man auch nicht so entziehen, wie es die Kerstin gerade versucht.
Wenn sich aber eine spannende Geschichte daraus schreiben läßt, die trotzdem viel Grundinformation gibt, wär das gut und da auch Ludwig Laher, Erich Hackl und Josef Haslinger sicher mehr als sechs Wochen brauchten, bis der „Operball“, „Verfahren“ oder der „Abschied von Sidonie“ gestanden ist, kann ich mir auch Zeit dazu lassen!
„Das macht der Profi!“, werden die Krtiker jetzt vielleicht denken. Ich kann es noch nicht so gut.
„Das läßt sich aber lernen!“, sagt die Verhaltenstherapeutin und die Literaturgeflüsterberichterstattungen sind so gut, wie ein Schreibseminar, für mich jedenfalls.
So gesehen geht es mir ganz gut und ich bin mit ein wenig Resignation aus meiner Osterkrise herausgekommen, denn die ist irgendwie das Geheimrezept, weils bei mir ja offensichtlich nur ein bißerl anders als bei den anderen geht und da habe ich mir gedacht, ich mache das meine, ich schreibe meinen Blog, meine Romane und Erzählungen, so gut wie es mir gelingt, berichte darüber, gehe zu Veranstaltungen, lese Bücher und vergeße ein bißchen die anderen.
Das heißt, ich dränge mich ihnen nicht mehr so auf, wenn sie nicht zu meinen Lesungen kommen wollen und lasse, wenn es sein muß, auch die „Mittleren“, wenn da kein aufmunterndes Feedback zurückkommt. Ein bißchen lesen würde ich aber schon sehr gern und da sind seit meiner letzten Krisenstimmung auch drei Angebote gekommen. Zwei ohne, eins mit Honorar und das Volksstimmefest und die Poet Night waren in den letzten Jahren ja auch immer ein Lesefixpunkt. Das Volksstimmefest scheint jetzt Christoph Kepplinger alleine zu organisieren, das ist ein Germanist, der im Elfriede Jelinek Forschungszentrum tätig war und jetzt im Literaturarchiv über Peter Handke arbeitet, kennt, wie ich, viele junge Autoren und Autorinnen unter Dreißig, die nicht oder noch nicht so oft beim Volksstimmefest gelesen haben und hat daher schon eine lange Liste an Lesungskanditaten, eine solange, daß es die Publikumskapazität übersteigen könnte. So kam diese Woche ein Mail, daß ich schon erwartete, daß die, die schon sehr oft gelesen haben, entscheiden sollen, ob sie nicht auch einmal jemand anderen lesen lassen wollen?
Natürlich, selbstverständlich, ich muß nicht überall lesen und auch die „Freiheit des Wortes“ kommt ohne mich aus.
Aber ich lese einmal gern und die Lesung Anfang September würde mir abgehen. Was macht man da? Zuerst wollte ich gar nichts machen, dann habe ich doch ein „Das ist aber schade!“ gemailt, worauf mich Christoph Kepplinger fragte, ob er das als Lesungsanmeldung betrachten soll? Wenn ich darf natürlich gern! Aber ich muß nicht überall lesen und wenn ich mich so sehr für die unter Dreißigjährigen interessiere, schneide ich mich mit fast sechzig auch ins eigene Fleisch! Das ist ein Dilemma, das sich nicht so leicht auflösen läßt. Für dieses Jahr scheint es aber zu klappen und vielleicht klappt es im nächsten mit dem großen Roman und heute für eine schöne Lesung am Brunnenmarkt, zu der vielleicht auch ein paar Zuhörer kommen. Frank Gassner hat jedenfalls viel Werbung gemacht.

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