Literaturgefluester

2012-07-19

Korrigierbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Am Donnerstag und am Samstag nach dem Bachmannlesen bin ich vor meinem Laptop gesessen, habe an Kerstins Achterln korrigiert und war mit den Szene fünfzehn, sechszehn, siebzehn nicht einverstanden. „Zu flach, zu schlecht!“, habe ich wieder gedacht und dann bring ich, wie ich aus Erfahrung weiß, das besser werden nicht zusammen, denke automatisch „Das kann ich nicht!“ und streiche höchstens ein paar Sätze weg oder ändere ein Wort, ohne zufrieden zu sein. Am Donnerstag wars, glaube ich, besonders arg, da hat mich dann der Alfred auch im Garten zum Wegräumen des Weinlaubs gebraucht. Am Freitag war ich Radfahren, habe gelesen und besprochen und am Samstag habe ich noch einmal, das war, glaube ich, bei der Szene mit der Braut, dasselbe gedacht, aber dann kam schon der Gedanke „Hör mal Eva, das ist jetzt der Einfluß des Bachmannlesens!“ und davon hatte ich auch ein bißchen Kopfweh „Natürlich kannst du schreiben, wenn du vielleicht auch einen etwas anderen Literaturbegriff hast und die Texte, die du jetzt gehört hast, sind sehr ausgesucht!“
Dann habe ich wieder eine Arbeitswoche gehabt, von der ich am Mittwoch in die Sommerfrische zur Korrigerarbeit gekommen bin und da habe ich mir gedacht, gehe ich das ganze jetzt Szene für Szene durch und arbeite an jeder Szene so lange bis sie sitzt. Das habe ich getan, zuerst einmal weiter ab der Szene einzwanzig, wo ich war, bis am Schluß zu Szene dreiundfünzig und dann, ab Samstagabend noch einmal von vorn und da war ich erstaunt, wie gut der Beginn eigentlich ist.
Jetzt habe ich noch einmal durchkorrigiert und an den Szenen, wo ich unzufrieden war, ein bißchen was geändert. Das ist einmal die, wo die Kerstin sich mit ihrer Mutter beim Gerstner trifft und einen Gespritzen bestellt, weil sie sich ärgert, dann aber Schuldgefühle wegen ihrer Mutter hat, weil die sie ja auf Kaffee und Kuchen einladen wollte. Mit ein paar Sätzen war das korrigiert und auch die Szene, wo sie den Hektor im Stadtpark trifft, da bin ich zu schnell hineingesprungen, habe das geändert und die Kerstin hat dem Kleinen ihre Situation zuerst einmal ein bißchen unverbindlicher erklärt und die unnötigen Wiederholungen habe ich auch weggelassen.
Und so weiter uns so fort. Die Hochzeitsszene, wo die Kerstin sich beschiessen fühlt, aber eine blöd grinsende Braut fotografieren muß, war nicht einmal so schlecht und auch die anderen Szenen, wo es dann ein bißchen mehr Eva Jancak wird und wenn man will vielleicht auch ein bißchen mehr Verhaltenstherapie, habe ich geglättet. Bin das Ganze noch einmal durch und halte jetzt bei hundertacht Seiten und 53.605 Worten und ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Jetzt sollte, könnte ich die dreiundfünfzig Szenen, Szene für Szene so lange durchgehen, bis jedes Wort sitzt und ich keine Fehler finde. Brauche dazu aber, weil ich ein optischer Typ bin, den Ausdruck und in Harland gibt es keinen Drucker der funktioniert. Also werde ich notgedrungen den Sommer über ganzheitlich korrigieren und dann im Herst den Feinschliff machen, was auch vielleicht ganz gut ist für den Gesamteindruck. Damit bin ich, soweit ich das selbst beurteilen kann, Feedback habe ich ja wenig, zufrieden und es wird in etwa so werden, wie ich es will und kann.
Eine realistische Beschreibung einer Lebenskrise. Mein positiver Ansatz ist sicher auch dabei, die Kerstin schafft es ja, sich von Franz zu lösen und fotografiert ihn am Ende, als er mit Barbara am Würstlstand vorübergeht, der Ferdl wird auch nicht sterben, sondern an seinem Schlaganfall genesen, so weit man das mit fünfundsiebzig Jahren kann und die Kerstin hat auch neue Freunde gefunden, einen rotzfrechen kleinen Buben, einen Sandler und Hans Richter, der ihr gute Ratschläge gibt.
So will ich schreiben und so kann ich es auch. Sehr schnell und diesmal habe ich mich auch nicht selbst blockiert, obwohl das Problem ja bestehen bleibt. In einem Jahr oder so habe ich dann das Buch, diesmal gibts ja eine richtige Bücherwarteschlange, dann zeig ichs jemanden, der sagt „Schön!“, vielleicht krieg ich einen Termin in den Textvorstellungen, aber da habe ich ja jetzt einen „Mit der Frau auf der Bank“, vielleicht schreibt mir doch einer eine Rezension, aber mit denen für das Literaturhaus scheint es nicht zu klappen, obwohl ich da ja drei Bücher verteilt habe und auch einige Zusagen hatte, meldet sich Sarah Wipauer ja leider nicht mehr und den Kontakt zu dem Herrn im Literaturhaus habe ich auch verloren. Wikipedia will mich meine Bücher nicht angeben lassen, obwohl das mit den nur „Verlagsprodukten“ seit dem Selfpublishing der E-Books ja nicht mehr so stimmt. Ich kann auf meinen Blog Werbung dafür machen und hab da auch schon einige diesbezügliche Artikel geschrieben. Habe aber kein Verlag, bekomme keine Preise, keine größeren Rezensionen, keine Lesereisen und was sonst noch dazu gehört, um als Schreibende wahrgenommen zu werden. Der mangelnde Erfolg bzw. das fehlende Feedback setzt mir halt zu, da ich außer Aufhören, aber keine Alternative weiß, werde ich wohl ohne große Krise weitermachen. Ein bißchen werde ich bei den Rückzugstendenzen ganz zwangsläufig bleiben, so habe ich bei der GAV diesmal um keine Veranstaltung angesucht und auch überlegt, ob ich wieder ein literarisches Geburtstagsfest machen soll, da mich das Fehlen „meiner literarisch interessierten Öffentlichkeit“ ja ein wenig ärgert, aber es ist, wie es ist und ich denke, daß es eigentlich auch reicht zu schreiben und zu bloggen, weil mich ja jeder, der es will, finden kann und wenigstens in der Quantität liege ich weit vorn und wer wissen will, wieviele Bücher ich veröffentlicht habe, auf www.jancak.at steht alles ganz genau.
Ansonsten gibt es zu vermelden Judith Nika Pfeifer, eine der jungen Stimmen, die mir bei dem Lyrik Automaten damals im Literaturhaus beim
aut lauter lyrik-Festival ein Gedicht geschrieben hat, bekommt heuer den Priessnitzpreis und Peter Stamm hat den Bodensee-Literaturpreis bekommen.
Und jetzt noch die Verlinkung zu den bisherigen Schreibberichten, damit man die Entstehungsweise von „Kerstins Achterl“ ein bißchen nachvollziehen kann 1 2 3 4 5 6 7 8

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