Literaturgefluester

2015-01-19

Wendelin Schmidt-Denglers Laudationes

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:49

„Das Unsagbare bleibt auch ungesagt“ so lautet der Titel des „Klever-Bandes“ mit den Laudationes und Preisreden, die der große österreichische Literaturprofessor zwischen 1983 und 2008 gehalten hat,  der am Montag in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde und der hat, glaube ich viel gesprochen und auch sehr schnell geredet und mich wahrscheinlich genauso beeindruckt, wie seine Schüler und Studenten, die zum Teil im Publikum gesessen ist und, wie Manfred Müller in seiner Einleitung  erwähnte, der sich als eher bummeliger Student beschrieb, der einmal in ein Schmidt-Dengler Seminar über die „Strudelhofstiege“ stolperte und dadurch der Germanistik erhalten blieb, bzw. seine Liebe zur Literatur entdeckte.

Mir ist es, 1975 muß das ungefähr gewesen sein, ähnlich gegangen, habe ich doch nicht Germanistik studiert, war aber in einer Vorlesung des damals noch Assistenten, glaube ich, ein einziges Mal, habe dann eine Zeitlang überlegt, ob ich nicht doch  zur Germanistik wechsle und bin bei der Psychologie geblieben.

Das habe ich auch nicht bereut, die Begeisterung für den Literaturbesessenen, ich würde mich ja selber als eine solche bezeichnen, ist wahrscheinlich später gekommen, so erinnere ich mich an das „Fest für Friederike Mayröcker“ in Mürzzuschlag, da habe ich den Professor auf F.M. angesprochen und einmal bin ich verspätet ins Literaturhaus gekommen, weil ich vorher noch eine verwirrte alte Dame in ihtr Pensionistenheim am Loquaiplatz begleitet habe,  ihn von dort kommen sehen und wahrscheinlich nicht sehr freundlich „Ist es schon aus?“ gefragt.

Wendelin Schmidt Dengler 1942 bis 2008, glaube ich, ein Workoholic und Schnellredner immer an mehreren Orten gleichzeitig und viele Projekte im Kopf wahrscheinlich, war bis 2002, glaube ich, in der GAV-Jury und hat aus Zeitmangel wahrscheinlich nur mehr Plus, Minus und Weiß nicht auf die Bewerbungen geschrieben. Da haben sich dann einige beschwert, weil heutige Größen wie Richard Obermayr, Olga Flor und Franzobel nicht zum Zug kommen sollten und so bin ich dem Professor zwei Jahre als GAV-Jurorin gefolgt.

Das sind so Begegnungen, höchst beeindruckend und unvergeßlichen und bei einigen seiner Preisreden werde ich wahrscheinlich auch anwesend gewesen sein.

Genau erinnere ich mich zwar nicht mehr , aber an dem Abend, wo ich am Nachmittag in der Rahlgasse gelesen habe, hatte er einen Vortrag am Unicampus und die Frau Millner war auch seine Schülerin, aber heute nicht da, dafür Klaus Kastberger, sein Nachfolger wahrscheinlich und ab heuer Bachmannjuror und Leiter des Literaturhauses Graz. Der ist, als ich gekommen bin, zuerst hinter mir gesessen, ich habe ihn angesprochen und erzählt, daß ich jetzt „Progrom“ gefunden habe. Das alte nicht das bei „Milena“ erschienene, er hat mich glaube ich nicht ganz verstanden, auf jedenfall nicht sehr geantwortet, einmal im früheren Metrokino habe ich ihm an einem 9. November, glaube ich, nach Lilly Brett gefragt, als er einen Vortrag über Simmel hielt.

Raph Klever habe ich auch etwas gefragt, bzw. erzählt, daß ich gestern Adelheid Dahimienes „Rauchernovelle“ gelesen habe und zufällig bin ich wieder neben dem Paar gesessen, das gerne zu literarischen Soireen geht.

Vor mich hat sich Ingeborg Reisner gesetzt, der ich die „Anna“ zeigte und als sie es mir sofort zurückgab, ein bißchen zynisch „jetzt wissen Sie alles darüber!“, sagte, was sie mir auch bestätigte.“

„Ich weiß ja wie Sie schreiben!“, nun ja man kann sich vielleicht irren oder nicht, die Ladationen und Preisreden wurden jedenfalls, von dem 1973 geborenen Helmut Neundlinger herausgegeben, der von Manfred Müller als „Universalgenie“ bezeichnet wurde.

Er hat  den Schmidt-Dengler Nachlaß aufgearbeitet und die Laudationes sind auch im Zuge dieser Arbeit entstanden. Ein posthum erschienenes Schmidt-Dengler Buch, 2012, glaube ich, erschienen, gibt es schon, nämlich seine „Fußballtexte“, war er ja auch ein sehr bekennender Fußballfan, etwas was man mir nicht nachsagen kann, obwohl inzwischen schon Bücher über Fußball auf meiner Leseliste stehen.

Die Schmidt-Dengler Witwe Maria, war auch anwesend und wenn ich mich nicht irre, auch bei der Dezember Veranstaltung und hat den Herausgebern bei der Auswahl sehr geholfen und, wie Helmut Neundigler erwähnte, vor „Peinlichkeiten“ bewahrt.

Daniela Striegl, die heute schon im Radio zu hören war, hat das Vorwort geschrieben und dann ging es los mit einer historischen Aufnahme und der Schmidt-Dengler Stimme zu der Rede 1983, als Ilse Aichinger den „Kafka-Preis“ in Klosterneuburg bekommen hat und das war wahrscheinlich in Kooperation mit der ÖGL und so gibt es eine Tonbandaufnahme und der vorvorige Leiter Wolfgang Kraus saß im Publikum und Schmidt-Dengler teilte seine Spitzen gegen ihn aus, wie Strigl und Neudlinger erklärten, ebenfalls hat er bei seinen Reden immer Portraits über die Ausgezeichneten gemacht, das versuche ich bei meinen Texten auch und hat auch den Namensstifter einbezogen.

So erfährt man auch viel über Kafka in der Preisrede seine Tagebücher habe ich ja gelesen und bei der Veranstaltung über „Kafkas Wien“ war ich auch einmal in der Gesellschaft.

Es gibt auch Reden für Ann Cotten, Salman Rusdie, Herta Müller und und ich habe dann gefragt, wieviele der gehaltenen Reden in dem Buch enthalten sind.

Die Auskunft, die ich bekam, waren die meisten, aber einige sind verschollen oder nur im Fragment erhalten. Es gibt eine für Karl Markus Gauß und eine für Franzobel, als er den „Schnitzler Preis“ bekommen hat und über den hat WSD vielleicht nicht soviel gehalten, jedenfalls dürfte er von anderen Ufern gesprochen haben, von den Franzobel zu Schnitzler hinüberwinkte.

Theodor Kramer hat er offenbar auch nicht sehr bewundert und manchmal auch, wie Daniela Strigl erklärte, verissen, nicht oft, aber manchmal schon.

Bei Albert Drach aber nicht, diese Rede wurde auch vorgelesen, ebensowie die für Salman Rusdie als er den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur bekommen hat und die war sehr interessant, weil da gab es ja diese Bedrohungsgeschichte.

Judith Grohmann hat in ihrem Buch geschrieben, wie die Wega bzw. die Staatspolizei sich um die Preisverleihung bemühte. Frau Schmidt-Dengler erzählte etwas von einem Orden, den Wendelin Schmidt Dengler bekommen hat, so daß die Preisverleihung geheim gehalten, die Gäste aber trotzdem eingeladen werden konnten.

Ich war ja schon bei einigen posthumen Veranstaltungen und ein Preisredenbuch, allerdings ein anderes, aber über einen, über den der Literaturprofessor auch sehr viel geschrieben hat, habe ich auch gelesen und er dürfte sich trotz einiger Antipathien und Verrisse auch wirklich sehr für die Gegenwartsliteratur eingesetzt und hier, wie ich auch, quer über den Teller bzw. durch den Gemüsegarten gedacht haben.

Eine sehr interessante Veranstaltung und ein sehr interessantes Buch also. Dine Petrik, Ilir Ferra und einige andere habe ich noch im Publikum gesehen.

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