Literaturgefluester

2017-06-13

Literarische Spurensuche

Drei unterschiedliche Texte in den „Textvorstellungen“.

Literarische Spurensuche in Malta, Brasilien, Salzburgund Hermagor, denn Renata Zuniga hatte Dorothea Nürnberg, Dorothea Macheiner und Engelbert Obernosterer eingeladen und der hatte sein ganzes Fanpublikum mitgebracht, so daß der Schmiedensaal ganz gut gefüllt hat und Dorothea Nürnberg entführte mit ihrem Roman „Unter Wasser“ nach Brasilien. Dort wird der Regenwald abgeholzt, ganze vormals indigene Regionen unter Wasser gesetzt und eine Liebesgeschichte zwischen einer Umweltschützerin und einen Firmeninhaber gibt es auch.

Dann blieb es gleich in den fernen Regionen, zumindestens zum Teil, den Dorothea Macheiner ist ja eine Malta-Spezialistin, war schon vierzehnmal dort und hat über die Göttinnen dort in einem Essay geschrieben, der bei  der“Edition Roesner“ erschienen ist. Der Band umfaßt zwei Essays und der zweite dreht sich um die inzestiöse Geschwisterliebe der Geschwister Trakl.

Hilde Schmölzer hat ja auch darüber geschrieben. Hier sitzt die Erzählerin im Cafe Tomaselli, es fängt zu regnen an, eine Frau kommt in das Kaffeehaus, die erinnert sie an Margarete Trakl und der Essay oder die biografische erzählung beginnt.

Dann geht es nach Kärtnen und zu Engelbert Obernosterer, der  schon wieder einen Band mit Miniaturen  „Schutzbehauptungen“ bei „Kitab“ veröffentlicht hat.

Kleine Betrachtungen des Alltaglebens, manchmal fast aphoristisch, manchmal gibt es einen Ich-Erzähler und der Stein des Sisyphos wird auch auf einen Berg hinaufgerollt und fällt o Wunder  nicht hinunter.

Spannend, spannend diese literarische Spurensuche und diesmal sehr verschieden und etwas Erfreuliches kann ich auch  vermelden, ist Renata Zuniga doch vor der Veranstaltung auf mich zugekommen und hat mir verraten, daß sie mich demnächst wieder zu den Textvorstellungen einladen wird.

2017-01-23

Liaisonen, Abhängigkeiten und vermeintlich Berichtenswertes

So ganz habe ich den Titel der heutigen von Renata Zuniga moderierten „Textvorstellungen“, was das vermeintliche betrifft, nicht verstanden, wurden da ja drei sehr unterschiedliche Bücher, die dann irgendwie doch zusammenpassten, vorgestellt und eines davon habe ich sogar schon gelesen und habe es bei einer Lesung gehört.

Bin aber obwohl ich das dann ja nicht mehr so gerne tue, trotzdem in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil ich außer Ruth Aspöck, noch Carina Nakolny, die Frau oder Freundin des Tischlers, der Alfreds Küche in der Krongasse machte und mit der ich beim ersten „Fest für Kunst und Kultur“ im Amtshaus Margareten aufgetreten bin, kannte.

Ja, die Leute sind aufgestiegen, während ich mir von meinen Kritiker die Frage gefallen lassen muß, ob ich sicher bin, daß das Schreiben das richtige für mich ist und  vom Dritten im Bunde, de 1952 in Feldkirch geborenen und in der Steiermark lebenden Günther Freitag habe ich schon den Namen gehört und bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht schon einen Ausschnitt seines 2015 bei „Wieser“ erschienenen Romans „Die Entführung der Anna Netrebko“im Radio hörte.

Und der hat nach einer kurzen Einleitung von Renata Zuniga auch mit dem Lesen begonnen und ich muß sagen, es ist ein Buch das mich sehr interessierte, ging es darin ja nicht nur über Opern, sondern auch um psychologisch schwierige Beziehungen.

Zumindest habe ich das so verstanden, es kann sein, daß Günther Freitag es eher gesellschaftskritisch anlegte und um Abhängigkeiten ging es auch, zumindest hat der Autor  diese Stücke gelesen.

Der Ich-Erzähler ist ein vierzigjähriger Sohn einer berühmten Anwälte, bei der er noch immer lebt und in deren Praxis er die langweiligen Fälle übernehmen darf, während ihm die Mutter ständig vorwirft, daß er ein Versager ist.

Die geht in jede Oper und hört sich alle berühmten Tenöre aller berühmten Verdi, Puccini etcetera Opern an, dann schleppt sie, wenn der Sohn vierzig ist, wird sie wohl so zwischen sechzig und siebzig sein, junge Aspiranten unter Vorspieglung ihnen vielleicht einen Job zu verschaffen ins Bett und der Sohn muß sich die Vögelgeräusche anhören. Das ist vielleicht ein bißchen männlich übertrieben, aber lustig war die Stelle, wo einer der Kandtiten kurz vor dem Orgasmus abbricht und eine schriftliche Zusage eine fixe Stelle in ihre Praxis zu erhalten verlangt.

Er hat sie nicht bekommen, die Mutter war frustriert und der Sohn mußte wieder eine Operarie hören und, als dann die ehrgeizige autoritäre Mutter einen Schlaganfall erleidet, fährt sie mit einem roten Helm superschnell mit einem Rollstuhl durch die Gegend das ist auch tragisch.

Der Sohn dürfte sich dann von der Mutter ab- oder doch nicht ablösen, in dem er sich in die Stimme der Anna Netrebko verliebt.

Für mich sehr nachvollziehbar und spannend,  Ilse Kilic hat es, glaube ich, nicht gefallen, daß die Frau als ein Monstrum bezeichnet wurde, der Sohn der mit Vierzig noch bei der Mutter lebt, zwar über sie schimpft, sich aber weder ablösen noch eine Stelle bei einem anderen Anwalt suchen kannt, ist selber eines meinte sie. Ich denke er wurde durch die Mutter zerbrochen, halte das leider sehr realistisch und würde das Buch gern lesen.

Das Buch der 1963 in Linz geborenen Carina Nekolny „Fingerspitzen“ in der „Edition Meerauge“ erschienen, passt in einer ganz anderen Art und Weise zu den Abhängigkeiten.

Wieder sehr psycholigisch, tragisch und wahrscheinlich etwas weniger lustig, handelt es doch von einer Familie, die Zimmer vermietet und einen achtzehnjährigen taubblinden Sohn hat.

Einen solchen hat Carina Nekolny einmal in einer Pension kennengelernt und schildert jetzt seinen Schicksal aus der Sicht des Vaters, der Mutter und des kleinen Bruders.

Ruth Aspöcks essayistisches Teilmemoir „Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst“ passt da scheinbar viel weniger hinzu oder doch ein bißchen, geht es  irgendwie auch, um Abhängigkeiten und, wie ich meine höchstwahrscheinlich tatsächlich Berichtenswertes, berichtet sie darin doch ausgehend vom Ausräumen ihrer Bücherei über ihr versäumtes Leben, ihren literarischen Werdegang und und und.

Es war sehr voll in der „Alten Schmiede“, viele bekannte, aber auch unbekannte Gesichter. Klaus Khittl, Ottwald John, Erika Kronabitter, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Christl Greller Axel Karner, Michaela Hinterleitner, Lukas Cejpek und  ebenfalls noch viele mehr.

Mit Klaus Khittl, Oswald John, der Ruth und dem Alfred sind wir dann noch inc Cafe Hawelka, das ehemals und immer noch sehr berühmte Künstlercafe in die Dorotheagasse gegangen und die Ruth wird morgen in Linz im Stifterhaus ebenfalls aus ihrem Buch lesen.

2016-02-17

Innere und äußere Textvorstellungen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:15
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Drei unterschiedliche Texte und Autoren wurden heute in der „Alten Schmiede“ von Renata Zuniga unter dem Motto „Literarische Erkundungen im Inneren und im Außen“ moderiert.

Die erste Autorin war die 1953 in Gleisdorf geborene Andrea Wolfmayr, mit der ich schon einmal bei den „Textvorstellungen“ gelesen habe.

Ihr Buch „Roter Spritzer“ ist voriges Jahr erschienen und jetzt schon wieder eine Publikation in der „Edition Keiper“ „Jane & Ich oder die Therapeutinnen“, ein etwas  sperrig klingender Titel, es handelt sich um eine Familiengeschichte, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erklärte.

Drei Personen, ein Vater, die Mutter und die Tochter erzählen, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven und Andrea Wolfmayr merkte an, daß die Hauptprotagonistin die Tochter Dora ist,  ihren Weg gehen wird. Andrea Wolfmayr erklärte etwas von einer bewegungslosen Hand und dann noch, daß sie über Dora zwei weiterere Romane schreiben will, Dora mit dreißig-vierzig und dann noch zwischen sechzig und achtzig, beide werden wahrscheinlich auch bei „Keiper“ erscheinen und für den ersten hat sie lange gebraucht, beziehungsweise ihn schon vor langer Zeit geschrieben, bis er verlegt wurde.

Sie las  zwei Stücke, eine Art Traumsequenz der Dora, die zu ihrer Therapeutin Elfi geht und dann ein Stück der Mutter Vera, eine alkoholkranke Lehrerin, die über ihr Leben und über die Achtundsechziger Generation aus der sie stammt, resumiert.

Dann kam ein Sprung, nämlich der 1937 in Baden geborene Geologe, Peter Steiner, mit dem Andrea Wolfmayr, wie sie sagte, einmal vor dreiunddreißig Jahren gelesen hat.

Der Autor hat, wie er erklärte, die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, Afrika, Süd- und Nordamerika, etcetera gelebt, dort als Geologe gearbeitet und dabei vierzehn Romane geschrieben.

Aus den letzten „Der Sandfallenbauer“ bei „Laurin“ erschienen, las er vor.

Da geht es um ein Ehepaar oder einen Mann, der ein Stück Land in Amerika bebauen will, aber von den Bibern, die dieses für sich zurückerobern, gestört wird.

Der letzte Autor war Paul Jaeg, der 1949 in Gosau geborene Verleger des „Arovell-Verlags“, der sich dort, das ist  eher ungewöhnlich, selbst verlegt und in „Als ich mir einen neuen Mond kaufte“, eine etwas märchenhafte Prosa und Gedichtesammlung vorlegte.

Zwei Prosatexte las er vor, dann kam eine Performance, denn er suchte sich eine Dame aus dem Publikum, drückte ihr einen Hammer in die Hand und ließ sie damit seine Gedichte über die Liebe, den Tod, etcerta, untermalen.

Seine Tochter wunderte sich in der Diskussion, daß die Texte so kurz und auch einfach wären und Paul Jaeg erklärte, daß er früher experimentell gewesen wäre, jetzt aber, für sein Publikum, einen Schritt zurückgegangen ist.

Dem  hat es, wie es schien gefallen, es gab viel Gelächter und drei sehr spannende Texte, die wieder einmal demonstrierten, wie vielfältig Literatur sein kann.

 

2015-02-17

Wiener Verhältnisse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45
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So heißt nicht nur mein erstes selbstgemachtes „Digi-Buch“, die Geschichte der Hanna die den Spuren Jakob Mandelbaums nach New York folgt, sondern auch der zweite Abend der „Textvorstellungswoche“ in der „Alten Schmiede“, wo unter der Moderation Renata Zunigas zwei neue Bücher, die Wien zum Gegenstand haben, vorgestellt wurden.

„Ein wienerischer Abend!“, wie Renata Zuniga einleitete, nachdem sie den 1949 in Graz geborenen Günther Geiger vorstellte und ihn gleich aufs Podium holte,  denn der Herausgeber der „Wienzeile“, den ich hauptsächlich von seinem Russlandroman „Ulica Marata“ kenne, hat einen Roman über den „Karl Marx Hof“- Wiens berühmtesten Gemeindebau, wo 1934 geschossen wurde und er selbst auch lebt, geschrieben und erklärte auf Renata Zunigas Frage, daß er über eine Russin zu der Wohnadresse gekommen wäre, jetzt schon zehn Jahre dort lebe und die Veränderungen des Baus beschrieben habe, in dem seit sechs Jahren gebaut wurde und sich dadurch die Höfe und Infrastruktur sehr veränderten.

Ich habe ja auch ich ein bißchen über den berühmten Hof geschrieben, zum Beispiel 1987 oder 1988 in der Novelle „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“, wo es auch um das U-Bahnfahren geht, da habe ich auch Milieustudien betrieben und den Hof immer wieder durchschritten, in dessen Waschsalon es auch ein Museum über die Geschichte, bzw. wahrscheinlich auch der Februarkämpfe gibt.

Da habe ich einmal eine Führung gemacht und mir  alles von einem alten Herrn erklären lassen. In Günther Geigers Buch, der im Sommer einen Schlaganfall hatte und deshalb nicht selbst gelesen hat, kommt das auch ein bißchen vor und die Vergangenheit, so habe ich mich auch in der Diskussion erkundigt, wird auch mit der Gegenwart der derzeitigen Bewohner verknüpft.

Der zweite Leser war mir ebenfalls kein unbekannter, habe ich doch mit Roman Ludwig Fleischer einmal in der „Alten Schmiede“ gelesen, als ich dort meine „Kerstin“ vorstellte und bei der „Mann Frau Lesung“ im Republikanischen Klub, war er, glaube ich, auch dabei.

Dann war ich bei mehreren seiner Lesungen und habe auch schon einige seiner zahlreichen Bücher gelesen, ein paar stehen auch noch auf der Leseliste, scheint der 1952 in Wien ge borene, ja ein ähnlicher Vielschreiber wie ich zu sein, er hat aber auch einmal in Klagenfurt etwas gewonnen, war lange Lehrer und ist auch glaube ich Mitherausgeber oder Leiter des „Sisyphus-Verlages“.

Jetzt hat er die österreichische Geschichte in seinem „Rattenfänger von Wien“ sozusagen neu entdeckt und neugeschrieben und wieder in seiner unschlagbaren Art daraus vorgelesen.

Da geht es um die Familie Schabenberg, die in Wien des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Gegenwart ein Schädlingsbekämpfungsinstitut betreibt, aber eigentlich stammt sie von den Babenbergern ab, so erzählt es jedenfalls der Vater dem Sohn, oder der Großvater denselben, als dieser sich beklagt, daß er in der Schule als „Ratzenprinz“ gehänselt wird.

So kommt die Maria Theresia vor und der Papa Haydn, der die Symphonie mit dem Paukenschlag natürlich nur geschrieben hat, weil ihm während des Komponieren eine Ratte aufs Klavier gehuscht ist.

Der letzte Schabenberg, ein Poldlpoldl war dann sowohl ein Nazi, als auch ein Widerstandskämpfer.

„Typisch österreichisch halt!“, wie Ludwig Roman Fleischer Renata Zuniga im Gespräch erklärte und auch erzählte, wie er zu dem Stoff und der Geschichte gekommen ist.

Sein inzwischen neunzigjähriger Schwiegervater hat ihn auf die Idee gebracht, er hat schon in den Neunzigerjahren  zu schreiben angefangen, das Buch aber  liegen lassen und erst vor zwei Jahren weitergeschrieben, bzw. überarbeitet.

Er war auch zum Recherchieren in der Nationalbibliothek, da gibt es richtige Rattengiftrezepte und wahrscheinlich auch anderes und so kann man jetzt einen richtig Wienerischen Roman Ludwig Fleischer lesen und die Geschichte Wiens sozusagen als Schwank wiederentdecken.  Interessant, interessant, ich wußte ja gar nicht, das Ludwig Roman Fleischer ein Wiener ist, sondern hätte ihn eher für einen Kärntner gehalten.

Also wieder etwas gelernt und Dorothea Macheiner habe ich im Publikum auch getroffen.

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