Literaturgefluester

2017-03-21

Lyrik und Prosa bei den Textvorstellungen

Angelika Reitzer hat „Textvorstellungen“, die sie, wie, ich glaube, auf eine sehr spezielle Art und Weise machte aufgehört und die 1975 geborene Poetry Slamerin und Rapperin Mieze Medusa hat heute damit begonnen, wie Kurt Neumann vor der Veranstaltung einleitete und daraufhinwies, daß sich die Textvorstellungen aus dem „Literatureck“, entwickelt haben.

Da habe ich ja einmal, ich glaube, es war 1980, gelesen und dann immer wieder bei den „Textvorstellungen“, von Herbert J. Wimmer bis Reinhard Wegerth könnte man so sagen. Nachher hat mich noch einmal Renata Zuniga eingeladen, ob ich jetzt noch eine Einladung bekommen, weiß ich nicht, ich hatte in den Neunzigerjahre bis Mitte Zweitausend aber auch ein großes Loch, obwohl ich immer meine Manuskripte hinschickte, jetzt tue ich es mit meinen Büchern und Mieze Medusa hat, glaube ich, auch ihre eigene Art der „Textvorstellungspräsentation“, obwohl ein Kontrast zu Angelika Reitzer, ein sehr großer sogar und Kurt Neumann betonte ihren Mut, daß sie Lyrik mit der Prosa mischte.

Aber Lyrik hat es bei den „Textvorstellungen“ schon bei Michael Hammerschmid gegeben, da wahrscheinlich nur, während Mietze Medusa könnte man so sagen, tatsächlich einen sehr großen Kontrast wagte und dem auch noch ein sehr ungewöhnliches Motto gab.

„Zwischen Tisch und authentisch – Rollenspiele zwischen ich & du“ und da könnte man schon einmal „Hui, was soll das heißen?“ fragen, noch dazu wenn man die eingeladenen Autoren Petra Piuk, Verena Stauffer und Jan Kossdorff dazu in Beziehung setzt.

Die 1975 in Burgenland geborene Peta Piuk hat ihr Debut „Lucy fliegt“ schon im Sommer bei den „O Tönen“ vorgestellt und der Roman von einer überforderten Stimme, die quasselt und quasselt, während sie im Flugzeug sitzt und sich von allen Realitäten wegredet, kann man, glaube ich, nicht, wie Mieze Medusa aus einer Rezension zitierte mit dem „Fräulein Else“ vergleichen und mit dem Schnitzer wahrscheinlich nur wegen dem Inneren Monolog.

Petra Piuk gab ihr aber eine laute und sehr eindrucksbvolle Stimme, während, die 1978 in Kirchdorf an der Krems geborene Lyrikerin Verena Stauffer schon einmal eine sehr lyrische Stimme hat, mit der Bachmann oder Valerie Fritsch vielleicht vergleichbar. Sie las sehr leise poetische Texte aus einem Manuskript, hat aber schon bei „Hochroth“ veröffentlicht und dazu kam dann gleich das nächste Kontrastprogramm, nämlich ein Autor, den ich sehr mag und von dem ich, glaube ich, schon seinen zweiten Roman „Spam“ gelesen habe, nämlich der 1974 win Wien geborene Jan Kossdorff. Sein vierter Roman „Leben Spielen“ ist bei „Zsolnay“ erschiene, vorher hatte er drei Bücher bei „Milena“.

Sein 2009 erschienenes Debut „Sunnyboys“ das ich glaube ich bei „Rund um die Burg“ hörte, ist wie Mieze Medusa erwähnte, inzwischen vergriffen.

„Kauft Leute“, was mich auch sehr interessieren würde, habe ich dann bei „Rund um die Burg“ neu gehört, „Spam“ wie gesagt, gelesen und „Leben Spielen“ handelt wieder im Schauspielermilieu.

Jan Kossdorf ist ja einer mit sehr ungewöhnliches Einfällen. So steigt ein Schauspieler aus, beziehungsweise hat er da nicht die große Karriere gemacht und kommt mit einem Freund auf die Idee, die Schauspielkunst im Alltag anzubieten.

Man kann sich ihn mieten und er spielt dann die gewünschten Szenen nach. Mit seiner Freundin Valerie und seinem Freund Sebastian tut er das und die Stelle, die Jan Kossdorff vorlas, spielt in einer Wohnung im zweiten Bezirk. Ein alter Drehbuchautor, Emigrant aus Wien, der in Hollywood Karriere machte, wünscht sich eine Begegnung aus den Fünfzigerjahren nachzuspielen. Sehr interessant.

Nachher gab es ein sehr intensives Gespräch in dem sich Verena Stauffer nach dem Motto erkundigte. Ich würde da ja nur sprachliche Gemeinsamkeiten sehen und hätte in den drei Texten keinen Tisch entdeckt.

Verna Stauffer war aber begeister,t umso mehr, da Mieze Medus ihr verriet, daß sie der Tisch gewesen wäre. Sie brachte gleich ein Gedicht über einen Tisch und sagte, daß für sie der Schreibtisch das wichtigste ist und ich glaube, daß Miezes Medusas „Textvorstellungen“ wahrscheinlich auch etwas Besoneres werden, auch wenn ich das Motto nicht nachvollziehen und auch nicht sehr passend finde.

Die gewagte Mischung finde ich aber interessant und da wird es im Juni wieder „Textvorstellungen“ mit Mieze Medusa geben, auf die man sich schon freuen kann.

2017-03-20

Abstand, Identität und Nähe

Wieder einmal „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“, moderiert von Michael Hammerschmid mit drei, nein nur zwei österreichischen Autoren, denn der 1949 geborene Kärtntner Psychologe, der mir einmal zwei seiner Bücher schenkte, Ingram Hartinger, hat krankeitsbedingt abgesagt, so waren nur Marie Luise Lehner und Udo Kawasser am Programm und das Debut der 1995 geborenen Sprachkunststudentin „Fliegenpilze aus Kork“ habe ich gerade erst gelesen.

Die Besprechung wird am Mittwoch erscheinen. Um meinen Lesern die Wartezeit während ich mich in Leipzig herumtreibe, zu verkürzen, wird da einiges erscheinen und einiges ist bei „K&S“ erschienen und Michael Hammerschmid, der ja auch Marie Luise Lehners Sprachkunstlehrer ist, beziehungsweise die Studentenlesung im Jänner im Literaturhaus moderierte, leitete den Debut oder Episodenroman auch damit ein, daß er vier Protagonisten hätte.

„Hai?“, könnte da die schon Gelesenhabende fragen. Der Vater und die Tochter sind zwei und die anderen Verwandten verschwinden ja ziemlich hinter diesen Personen, aber Michael Hammerschmid zählte dann noch, glaube ich, die Poesie und die Sprache auf und erwähnte, daß es kein Entwicklungsroman, sondern ein Wenderoman wäre, ich bleibe, glaube ich bei den Episoden und die junge Frau, deren Haare inzwischen kürzer, als auf dem Foto in dem Buch sind und zu der auch einige andere Sprachkunststudentinnen und Studenten, die ihr auch versprachen, bei ihrer Lesung laut zu jubeln, kamen, las sich durch das Buch und lächelte ein paar Mal verlegen unsicher oder auch nur selbstbewußt dabei.

Und ich, das schreibe ich ja immer gerne, gehe eigentlich nicht so gern zu Lesungen, wo ich das Buch schon gelesen habe, aber die „Textvorstellungen“ haben  immer mehr Vortragende und ich heute, schon, um den Rest der Woche einzuarbeiten, mehrere Stunden, zwei Befundbesprechungen und zweimal Diagnostik hatte, war auch nicht ganz sicher, ob ich es schaffen würde, mit dem Befunde schreiben fertig zu werden.

Wurde ich aber und so habe ich die Lesung zu dem Buch hautnah und ganz frisch dazu bekommen und wenn das auch eine Frage der Zeitökonomie ist, zu der ich stehe, muß ich bekennen, man lernt sehr viel, wenn man beides macht,  kann die Eindrücke vergleichen und zusammenfassen und von Udo Kawasser, der nach ihr las, habe ich nur den Namen gekannt, weil der demnächst, glaube ich, auch in der „Gesellschaft“ lesen wird oder schon gelesen hat.

Er ist ein Vorarlberger, 1969 geboren, dennoch liebt er die Lobau und scheint seine Sommer dort zu verbringen und weil das wahrscheinlich ein wenig langweilig ist, immer dort zu sitzen und ins Wasser zu schauen, hat er auch immer Aufzeichnungen gemacht und weil er dann schon sehr viele Notizen hatte, hat er aus den Sommern von 2008, 2009 und 2011 ein Buch für seine Freunde gemacht. Wahrscheinlich ein selbstgedrucktes. Aber weil seine Freunde auch Dichter sind, hat das Manuskript den Weg zum Verlag gefunden und ist bei „Sonderzahl“ erschienen.

„Unterm Faulbaum“ heißt es und es enthält die Gedanken des Autors oder Ich-Erzählers, diesmal überschneiden sich die, glaube ich, wirklich eins zu eins, obwohl Marie Luise Lehner in dem anschließenden Gespräch erwähnte, daß sie während des Schreibens an ihrem Sprachkunst-Gesellenstück in ihre Kindheitserinnerungen zurückgegangen ist, aber einen so ambivalenten Vater, wie in dem Buch geschrieben, wird sie wahrscheinlich nicht wirklich gehabt haben.

Udo Kawasser ist aber unterm Faulbaum gesessen, hat Camus, Susan Sonntag und auch einiges andere gelesen, über Gott, die Welt und das Leben philosophiert, einen nackten Wanderer mit Hut und Stock beobachtet, wie sich der über die Biber mokierte, die alles krumm und kahl fressen und ihre natürliche Feinde nämlich Bären und Wölfe herwünschte und an eine Liebe in Kuba, die er dann irgendwann auch heiratete, ist es in dem Buch auch gegangen.

Ein interessanter Kontrast zu dem Debutroman von Marie Luise Lehner, wie Michael Hammerschmid, der Sprachkunstlehrer und Textvorstellungenmoderator erwähnte und die Besucher zum Kaufen und Vergleichen aufforderte.

Das kann man auch mit Ingram Hartingers Gedichte „Dinge der Angst“ bei „Wieser“ erschienen tun, aber ich habe ja noch seine Bücher zu lesen und morgen gibt es schon wieder „Textvorstellungen“ und da ich die Diagnostik, die ich eigentlich morgen machen sollte, schon heute machte, wird es sich wahrscheinlich wieder ausgehen hinzugehen und wieder wird mich ein Buch dort erwarten, was ich schon gelesen habe, der unabhängige oder auch abhängige „Kremayr & Scheriau“ machte es möglich und so freue ich mich schon darauf.

2017-02-09

Parallelwelten bei den Textvorstellungen und Richard Schuberth im Schwarzenberg

Heute gab es wieder einmal Parallelveranstaltungen, nämlich, um sieben „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“ wo Friedrich Hahn unter dem Titel „Anderswelten“, Texte von Christian Locker, Anett Krenlesberger und Alfred Paul Schmidt vorstellte.

Der 1963 in Wien geborene Maler und Autor Christian Locker begann mit seinem Parallelroman „Den Galgenvogel abgeschossen“, in der „Edition Roesner“ erschienen, ein buntes dickes Buch, ich wußte gar nicht, daß es bei „Roesner“ statt Gedichte und kurzen Texte auch Romane gibt, das Bild am Rücken, daß den Autor als Skizze für den Plotaufbau diente, hat er selbt gemalt und es geht dabei, um einen Ministeriualbeamten, einen Juristen, Burschenschaftler, also ziemlich unsampathisch, der zum Zahnarzt geht, zuviel Äther während der Betäubung bekommt und dann in einer anderen Welt aufwacht.

So bringt ihm die Kellnerin in dem Wirtshaus wo er zu Mittag ist, das „Wiener Tagblatt“ in gotischer Schrift, statt dem „Standard“ und obwohl die Zeitung das heutige Datum hat, ist er trotzdem in die Monarchie versetzt. Dann geht er nach Hause, das Stubenmädchen macht dem Hern von Prunnhübner auf und sagt knickesend „Die Frau Mutter wartet schon mit dem Tee!“, dabei ist seine Mutter schon längst in einem Altersheim gestorben.

Ein interessanter Text von einem interessanten Autor, der betonte, daß er seine Texte gut recherchiert hat und das mit den Parallelwelten auch von einem Wissenschaftler überprüfen ließ, der ihm erklärte, daß es Parallelwelten und nicht Zeitreisen heißt und in eine „Empathiewelt“, wie Friedrich Hahn so schön formulierte, ging es dann gleich mit dem dritten Erzählband der 1967 in Wien geborenen Anett Krendlelsberger, bei „Kitab“ erschienen.

„Gute Literatur in kleinen Verlagen, also nicht nur immer „Suhrkamp“ „Fischer“ und „Hanser“ lesen!“, empfahl Friedrich Hahn noch und AnettKrendelsberger las eine Geschichte, die aus einer Szenenfolge zusammengesetzt war.

„Beziehungslose Beziehung“, nannte es Friedrich Hahn.

Zuerst kamen eine Reihe Sätze, wie „die Zähne putzen, ein Butterbrot essen, in die Knie gehen“, etcetera, also so, wie ich in meiner Frühphase auch geschrieben habe, es aber aufgab, weil es keine Anerkennung fand.

Man kann aber offenbar mit dieser Indirektform auch Literaturpreise und Stipendien bekommen, aber einige kleine Preiserln habe ich ja auch und der Text von Anett Krendlessberger, die ich glaube ich schon mal bei einer Veranstaltung hörte, ging dann weiter, wo sich zwei in einem Kaffeehaus gegenübersitzen und aneinander vorbeireden und im dritten Teil gaben sie sich dann noch Anweisungen oder waren mit einander unzufrieden.

Den dritten Autor, den 1944 geborenen Grazer, Urgestein der Grazer Literaturszene, kann man so sagen, Alfred Paul Schmidt kenne ich schon von einer „Schmiede-Veranstaltung“, habe auch eines seiner frühen Bücher gelesen und ein anderes, ebenfalls bei dem eher kleinen Verlag „Keiper“ erschienen, wie das, das er heute vorstellte, habe ich mir. glaube ich, einmal beim „Morawa-Abverkauf“ gekauft und der Autor hat schon wie er sagte, zweiundzwanzig Bücher und dreißig Drehbücher geschrieben, weil er schon seit seinem dreißigsten LA schreibt und in dem Roman „Aus dem Grenzenlosen komm ich dir entgegen“, geht es um den Literaturbetrieb und, um einen Autor, Schmidts Alterego, der auch in ein Kaffeehaus geht, dort einen Roman über einen Graf und eine Gräfin schreibt, Schmidt philosophiert dabei über Gott und die Welt und läßt den Autor seinen Text dann auch noch ins Internet stellen, damit die Leser ihm sagen, wie es damit weitergehen soll. Also eigentlich sehr fortschrittlich für einen Fünfundsiebzijährigen.

Die Lesung dauerte eine gute Stunde, jeder Leser hatte zwanzig Minuten und dann gab es noch ein kurzes Gespräch dazu und um acht stellte es im „Schwarzenberg“ im ehemaligen „Ostclub“ Richard Schuberth, der mir ja immer die Einladungen zu seinen Veranstaltungen schickt, seinen bei „Klever“ auch ein kleiner österreichischer Verlag wiederaufgelgetes Karl Kraus Buch „30 und drei Anstiftungen vor und es gab wieder ein Konzert dazu.

Bei einem solchen bin ich ja schon bei der Präsentation seiner „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ gewesen, da bin ich früher weggeangen, weil der Alfred noch ins Kino wollte, diesmal bin ich später hingegangen, weil ich den Zyniker und ebenfalls scharfen Sprachanalytiker, obwohl er mir  ein wenig zu derb männlich ist, gerne mag und ich eigentlich gar nicht wußte, daß er ein Karl Kraus Experte ist.

Draruaf hat mich erst Hilde Schmölzer, die ja ebenfalls ein Buch über Karl Kraus, beziehungsweise über seine Frauen geschrieben hat, beim letzten „Volksstimmefest“ hin.

Seine Aphorismen kenne ich aber, war auch bei einigen Lesungen und jetzt bin ich gerade zurecht gekommen, als Richard Schuberth gerade seine „Kleine Einführung in die Sprachkritik der elektronischen Sprachmüllhalden“ las, die sehr scharf und sehr analystisch war.

Als er damit fertig war sang Jelena Poprzan eine Lied aus der „Herzogin von Geroldstein“, war Karl Kraus ja Offenbachhfan.

Dann las Richard Schubert noch zwei Buchstaben aus seinem Personenregister vor und wies auf den Büchertisch hin und im Anschluß einige Kraus Aphorsmen, bevor er sich bezüglich seiner Kraus-Liebe outete. Die stammt schon von seinem Vater und seinem Großvater her, so daß er die „Letzten Tage der Menscheit“, die ich nur als „Cartoon“ kenne,  noch in der Original-Fackel gelesen hat.

Dann sang wieder Jelena Poprzan begleitet von Lena Neuner einige Lieder, Apohorismen von Nestroy und von Richard Schuberth und ich habe eine sehr interessante literarische Parallelveranstaltung erlebt,  obwohl ich den Konzertteil ausgelassen habe und schon in der Pause gegangen bin, um nicht zum Bloggen zu spät zu kommen.

2017-01-23

Liaisonen, Abhängigkeiten und vermeintlich Berichtenswertes

So ganz habe ich den Titel der heutigen von Renata Zuniga moderierten „Textvorstellungen“, was das vermeintliche betrifft, nicht verstanden, wurden da ja drei sehr unterschiedliche Bücher, die dann irgendwie doch zusammenpassten, vorgestellt und eines davon habe ich sogar schon gelesen und habe es bei einer Lesung gehört.

Bin aber obwohl ich das dann ja nicht mehr so gerne tue, trotzdem in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil ich außer Ruth Aspöck, noch Carina Nakolny, die Frau oder Freundin des Tischlers, der Alfreds Küche in der Krongasse machte und mit der ich beim ersten „Fest für Kunst und Kultur“ im Amtshaus Margareten aufgetreten bin, kannte.

Ja, die Leute sind aufgestiegen, während ich mir von meinen Kritiker die Frage gefallen lassen muß, ob ich sicher bin, daß das Schreiben das richtige für mich ist und  vom Dritten im Bunde, de 1952 in Feldkirch geborenen und in der Steiermark lebenden Günther Freitag habe ich schon den Namen gehört und bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht schon einen Ausschnitt seines 2015 bei „Wieser“ erschienenen Romans „Die Entführung der Anna Netrebko“im Radio hörte.

Und der hat nach einer kurzen Einleitung von Renata Zuniga auch mit dem Lesen begonnen und ich muß sagen, es ist ein Buch das mich sehr interessierte, ging es darin ja nicht nur über Opern, sondern auch um psychologisch schwierige Beziehungen.

Zumindest habe ich das so verstanden, es kann sein, daß Günther Freitag es eher gesellschaftskritisch anlegte und um Abhängigkeiten ging es auch, zumindest hat der Autor  diese Stücke gelesen.

Der Ich-Erzähler ist ein vierzigjähriger Sohn einer berühmten Anwälte, bei der er noch immer lebt und in deren Praxis er die langweiligen Fälle übernehmen darf, während ihm die Mutter ständig vorwirft, daß er ein Versager ist.

Die geht in jede Oper und hört sich alle berühmten Tenöre aller berühmten Verdi, Puccini etcetera Opern an, dann schleppt sie, wenn der Sohn vierzig ist, wird sie wohl so zwischen sechzig und siebzig sein, junge Aspiranten unter Vorspieglung ihnen vielleicht einen Job zu verschaffen ins Bett und der Sohn muß sich die Vögelgeräusche anhören. Das ist vielleicht ein bißchen männlich übertrieben, aber lustig war die Stelle, wo einer der Kandtiten kurz vor dem Orgasmus abbricht und eine schriftliche Zusage eine fixe Stelle in ihre Praxis zu erhalten verlangt.

Er hat sie nicht bekommen, die Mutter war frustriert und der Sohn mußte wieder eine Operarie hören und, als dann die ehrgeizige autoritäre Mutter einen Schlaganfall erleidet, fährt sie mit einem roten Helm superschnell mit einem Rollstuhl durch die Gegend das ist auch tragisch.

Der Sohn dürfte sich dann von der Mutter ab- oder doch nicht ablösen, in dem er sich in die Stimme der Anna Netrebko verliebt.

Für mich sehr nachvollziehbar und spannend,  Ilse Kilic hat es, glaube ich, nicht gefallen, daß die Frau als ein Monstrum bezeichnet wurde, der Sohn der mit Vierzig noch bei der Mutter lebt, zwar über sie schimpft, sich aber weder ablösen noch eine Stelle bei einem anderen Anwalt suchen kannt, ist selber eines meinte sie. Ich denke er wurde durch die Mutter zerbrochen, halte das leider sehr realistisch und würde das Buch gern lesen.

Das Buch der 1963 in Linz geborenen Carina Nekolny „Fingerspitzen“ in der „Edition Meerauge“ erschienen, passt in einer ganz anderen Art und Weise zu den Abhängigkeiten.

Wieder sehr psycholigisch, tragisch und wahrscheinlich etwas weniger lustig, handelt es doch von einer Familie, die Zimmer vermietet und einen achtzehnjährigen taubblinden Sohn hat.

Einen solchen hat Carina Nekolny einmal in einer Pension kennengelernt und schildert jetzt seinen Schicksal aus der Sicht des Vaters, der Mutter und des kleinen Bruders.

Ruth Aspöcks essayistisches Teilmemoir „Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst“ passt da scheinbar viel weniger hinzu oder doch ein bißchen, geht es  irgendwie auch, um Abhängigkeiten und, wie ich meine höchstwahrscheinlich tatsächlich Berichtenswertes, berichtet sie darin doch ausgehend vom Ausräumen ihrer Bücherei über ihr versäumtes Leben, ihren literarischen Werdegang und und und.

Es war sehr voll in der „Alten Schmiede“, viele bekannte, aber auch unbekannte Gesichter. Klaus Khittl, Ottwald John, Erika Kronabitter, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Christl Greller Axel Karner, Michaela Hinterleitner, Lukas Cejpek und  ebenfalls noch viele mehr.

Mit Klaus Khittl, Oswald John, der Ruth und dem Alfred sind wir dann noch inc Cafe Hawelka, das ehemals und immer noch sehr berühmte Künstlercafe in die Dorotheagasse gegangen und die Ruth wird morgen in Linz im Stifterhaus ebenfalls aus ihrem Buch lesen.

2016-12-19

Letzte Textvorstellungen mit Angelika Reitzer

Vor Weihnachten ging es noch einmal zu den „Textvorstellungen in die „Alte Schmiede“, wo Angelika Reitzer unter dem Motto „Das ganze Leben“, Bücher von Christoph Linher, Hubert Weinheimer und Amaryllis Sommerer vorstellte, die zwar bei einem der Bücher das Wort „Leben“ im Titel trugen, ansonsten aber Erinnerungen beziehungsweise Monologe über Schuld und Sühne waren.

Christoph Linher und Hubert Weinheimer, zwei 1983 geborene junge Männer, die sowohl Musiker, als auch Schreibende sind und beide waren mir bis dato unbekannt.

Die „Textvorstellungen“ bieten ja immer die Chance zur Neuentdeckung und zum Kennenlernen und Angelika Reitzer stellte die Texte der beiden jungen Männer auch sehr gründlich vor.

„Farn“ heißt die „Erzählung aus dem Off“, des aus Feldkirch kommenden  Christoph Linher, bei „Murry Salzmann“ erschienen und im ersten Satz wird ein „Höller“ zitiert, eine Figur, die wie Angelika Reitzer erklärte auch bei Thomas Bernhard zu finden ist und der junge Mann, der für diese Erzählung auch schon einen Literaturpreis bekommen hat, scheint, wenn ich mich nicht sehr irre, ein ähnlich erzählerisches Talent, wie Valerie Fritsch zu sein, die Angelika Reitzer, die vor sieben Jahren, wie Kurt Neumann im Anschluß erklärte, ihre „Textvorstellungen“ ja begonnen hat, dort auch vorstellte.

Die Erzählung ist ein Monolog, einer sitzt in einem Haus mit einer Fußfessel, wird nur vom Bewährungshelfer Höller besucht und resumiert sein Leben.

Es geht um eine Schuld, einen Unfall, eine Fahrerflucht, aber auch um eine Beziehungskrise und dem Verlassenwerden durch die Ehefrau und schöne Worte. Einige wunderschöne Wortschöpfungen und wiedereinmal dem Sujet nicht ganz angepasst, weil die, die mit Fußfesseln in ihren Häusern sitzen, wahrscheinlich keine so schöne Sprache haben oder doch vielleicht, handelt es sich ja um einen Bildhauer und um ein großes literarisches Talent, wie ich vermuten würde.

Der zweite junge Mann wurde im Salzkammergut geboren und lebt als Musiker in Wien und er hat mit seinem Debutroman auch einen Monolog geschrieben, da befindet sich ein Schauspieler an einem einsamen Strand „Gui Gui oder die Machbarkeit der Welt“, heißt Hubert  Weinheimers 2014 erschienener Roman, den er, wie er im Anschluß erzählte, in drei Monaten niedergeschrieben hat.

Ausgangspunkt war die Idee eines bestellten Selbstmordes oder Mordes. Der Schauspieler wurde von seinem Bruder gezwungen ihn zu erschießen. Jetzt haust er in einem Zelt, schreit seine Wut heraus und resumiert sein Leben. Sprachlich nicht ganz so anspruchsvoll, wie der Monolog von Christoiph Linher, dafür aber excellent vorgetragen und die dritte im Bunde Amaryllis Sommerer, Geburtsdatum ist von ihr keines im Programm angegeben, wird wahrscheinlich in den Sechzigern gewesen sein, war mir dann bekannt, habe ich von ihr zwei bei „Milena“ erschienene Bücher ja im Schrank gefunden und von der 2016 auf die 2017 Leseliste geräumt, ich habe sie glaube ich auch schon einmal bei Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“ gehört und ihr bei „Picus “ erschienerner Roman „Wie das Leben geht“ hat sie auch auf der letzten „Buch-Wien“ im „Literaturcafe“ vorgestellt.

Es ist eine Vater Tochter Geschichte oder Franz hat die Krebsdiagnose bekommen und so sinniert er auch über sein Leben nach. Er tut es nicht ganz allein, seine Frau Helli und seine Tochter Katja scheinen im Buch auch Stimmen zu haben. Aber sonst gibt es wieder Ähnlichkeiten zu den vorher präsentierten Texten. Franz ist ein Kriegskind, wie es Amaryllis Sommerer nannte, nämlich mit Sechzehn noch rasch an die Front geschickt und zurückgekommen, wie auch mein Schwiegervater.

Das Buch spielt in den Achtzigerjahren und als Franz die Diagnose bekommt, geht er sein Leben durch und spricht von seinen Traumen, er hat dann in den Fünfzigerjahren eine Art Doppelleben in einem Wiener Spielerlokal geführt, seine Helli geheiratet und die Tochter, die nach der Matura, den Ottakringer Gemeindebau verlassen hat, wird von ihm nach der Diagnose angerufen.

Sprachlich ist die Krimischreiberin Amaryllis Sommerer realistischer, als die beiden vorher vorgestellten Texte,  das Suet ist mir auch vertraut, bin ich ja auch in einem Gemeindebau aufgewachsen und mein Vater stammt aus Ottakring.

Eine sehr interessante Mischung also und als es vorbei war, ergriff Kurt Neumann das Wort, wünschte frohe Weihnachten und wies darauf hin, daß Angelika Reitzer mit Ende des Jahres die Redaktion der „Alten Schmiede“ verlassen und sich wieder mehr ihrem eigenen Schreiben widmen wird.

Er verwies darauf, daß man sie damit im neuen Jahr mit dem neuen Buch in der „Alten Schmiede“ als Autorin hören würde könne und  auf die erste von ihr redigierte „Textvorstellungen“ und da fiel mir ein, daß ich, die ja als sehr anspruchsvoll empfunden haben.

In der ersten hat sie Anna Weidenholzer vorgestellt, die ersten drei „Textvorstellungen“ hatten alle sehr anspruchsvolle Namen, später hat sich das geändert, ich habe auch einige davon versäumt und Angelika Reitzer hat sich später auch den Buchdebuts und der Lesart zugewandt.

Ich habe sie ja persönlich in der Hauptbücher kennengelernt, als ich dort das Buch der Theodora Dimova vorstellte und ich habe auch zwei ihrer Romane gelesen, bin gespannt wie es weitergeht mit den „Textvorstellungen“ und ob ich dort auch wieder einmal lesen werde, gespannt auf Angelika Reitzers neues Buch und auch, ob ich von Christoph Linher, den ich, wie schon erwähnt für eine ähnlich starke literarische Stimme wie Anna Weidenholzer, Sandra Gugic oder Valerie Fritsch halte, die ja inzwischen Karrieren machte, noch etwas hören werde.

Und ein Adventkalenderfenster aus der „Nika, Weihnachtsfrau“ gibt es auch.

2016-02-19

Lyrische Texvorstellungen

Der 1972 geborene Michael Hammerschmid, der 2009 den Priessnitzpreis,  2015 den Heimrad Bäcker-Förderpreis bekommen hat und  in der „Alten Schmiede“ einige Lyrikfestivals organisierte, ist ein sehr lyrischer Mensch, dementsprechend waren die von ihm am Donnerstag moderierten „Texvorstellunge“n, auch drei Lyrikern, nämlich  Gregor M. Lepka, Ute Eisinger und Rene Steiniger gewidmet und trug das schöne Motto „Bilder, Tiere, Ding und Sprache“.

Ich wundere mich ja manchmal bei den „Textvorstellungen“ über die Motti, beziehungsweise stelle ich fest, daß es eigentlich keinen roten Faden zwischen den Texten gibt und die auch nicht sehr zusammenpassen.

Diesmal war es, Zufall oder nicht, anders, denn der Gedichtband des 1936 in Salzburg geborenen Gregor M. Lepka, den ich von den GAV-Generalversammlung, wo er regelmäßig mit seiner Frau Waltraud Seidelhofer teilnimmt, sehr gut kenne, „Die Sicht auf die Dinge“ besteht zu einem großen Teil aus einem Bildzyklus, die er für eine Ausstellungseröffnung eines Museums geschrieben hat und der bei „Arovell“ erschienene Band, der 1964 in Mistelbach geborenen Ute Eisinger, die ich kennenlernte, als ich 1996 in der Jury für das BUMUK-Nachwuchsstipendium war und dann noch einmal bei einer Lesung, ich glaube, auch in der „Alten Schmiede“ hörte, beschäftigt sich auch mit Bildbeschreibungen.

Da stach dann nur der 1970 in Paris geborene Rene Steiniger heraus, erstens hat in dem bei „Rote Zahlen“ erschienenen Band „In Margine“ Prosa und Lyriktexte vereint, zweites ging es bei ihm hauptsächlich um Tiergedichte, die dann noch so gestaltet waren, daß man sie öfter erraten oder durch einen Tierquizz bestimmen konnte.

Eine sehr interessante Art und Weise der Lyrik näher zu kommen, die Bildbeschreibungen waren es aber auch und der Monat der „Lyrik im März“ folgt auch sehr bald, so daß man sich schon ein bißchen auf die Lyrik einstimmen konnte.

Dementsprechend waren auch relativ viele Lyriker im Publikum, Christine Huber, beispielsweise, die ja auch das „DichtFest“ in der „Alten Schmiede“ organisiert, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Waltraud Seidelhofer, aber auch Nils Jensen und Dieter Scherr.

Michael Hammerschmid hielt ein sehr schönes Einleitungsreferat,  fragte  in der anschließenden Diskussion, wie die Autoren zu ihren Beschreibungen kamen und wies  auf den Büchertisch hin, wo man sich mit den Texten versorgen und sie weiterlesen konnte.

Michael Hammerschmids bei „Klever“ erschienener Gedichtband „Nester“, habe ich mir übrigens beim Bücherflohmarkt bei der „Buch-Wien“ zugunsten der Flüchtlingshilfe gekauft.

2016-02-17

Innere und äußere Textvorstellungen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:15
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Drei unterschiedliche Texte und Autoren wurden heute in der „Alten Schmiede“ von Renata Zuniga unter dem Motto „Literarische Erkundungen im Inneren und im Außen“ moderiert.

Die erste Autorin war die 1953 in Gleisdorf geborene Andrea Wolfmayr, mit der ich schon einmal bei den „Textvorstellungen“ gelesen habe.

Ihr Buch „Roter Spritzer“ ist voriges Jahr erschienen und jetzt schon wieder eine Publikation in der „Edition Keiper“ „Jane & Ich oder die Therapeutinnen“, ein etwas  sperrig klingender Titel, es handelt sich um eine Familiengeschichte, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erklärte.

Drei Personen, ein Vater, die Mutter und die Tochter erzählen, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven und Andrea Wolfmayr merkte an, daß die Hauptprotagonistin die Tochter Dora ist,  ihren Weg gehen wird. Andrea Wolfmayr erklärte etwas von einer bewegungslosen Hand und dann noch, daß sie über Dora zwei weiterere Romane schreiben will, Dora mit dreißig-vierzig und dann noch zwischen sechzig und achtzig, beide werden wahrscheinlich auch bei „Keiper“ erscheinen und für den ersten hat sie lange gebraucht, beziehungsweise ihn schon vor langer Zeit geschrieben, bis er verlegt wurde.

Sie las  zwei Stücke, eine Art Traumsequenz der Dora, die zu ihrer Therapeutin Elfi geht und dann ein Stück der Mutter Vera, eine alkoholkranke Lehrerin, die über ihr Leben und über die Achtundsechziger Generation aus der sie stammt, resumiert.

Dann kam ein Sprung, nämlich der 1937 in Baden geborene Geologe, Peter Steiner, mit dem Andrea Wolfmayr, wie sie sagte, einmal vor dreiunddreißig Jahren gelesen hat.

Der Autor hat, wie er erklärte, die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, Afrika, Süd- und Nordamerika, etcetera gelebt, dort als Geologe gearbeitet und dabei vierzehn Romane geschrieben.

Aus den letzten „Der Sandfallenbauer“ bei „Laurin“ erschienen, las er vor.

Da geht es um ein Ehepaar oder einen Mann, der ein Stück Land in Amerika bebauen will, aber von den Bibern, die dieses für sich zurückerobern, gestört wird.

Der letzte Autor war Paul Jaeg, der 1949 in Gosau geborene Verleger des „Arovell-Verlags“, der sich dort, das ist  eher ungewöhnlich, selbst verlegt und in „Als ich mir einen neuen Mond kaufte“, eine etwas märchenhafte Prosa und Gedichtesammlung vorlegte.

Zwei Prosatexte las er vor, dann kam eine Performance, denn er suchte sich eine Dame aus dem Publikum, drückte ihr einen Hammer in die Hand und ließ sie damit seine Gedichte über die Liebe, den Tod, etcerta, untermalen.

Seine Tochter wunderte sich in der Diskussion, daß die Texte so kurz und auch einfach wären und Paul Jaeg erklärte, daß er früher experimentell gewesen wäre, jetzt aber, für sein Publikum, einen Schritt zurückgegangen ist.

Dem  hat es, wie es schien gefallen, es gab viel Gelächter und drei sehr spannende Texte, die wieder einmal demonstrierten, wie vielfältig Literatur sein kann.

 

2016-01-14

Wien literarisch betrachtet

Unter diesem Motto standen heute die „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“

Renata Zuniga stellte unter diesem Titel Thomas Losch und Peter Campa sowie Ruth Aspöck mit ihrem „Jadran heißt die Adria“ vor.

Thomas Losch und Peter Campa zwei originelle Wiener Typen könnte man meinen, dabei wurde Thomas Losch 1943 in Mumbay geboren und erst später mit seinen Eltern nach Österreich gekommen und hat 2009 auch bei dem von mir organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ gelesen.

Jetzt stellte er sein bei „Sisyphus“ erschienenes Buch „Der neiche Frisör hat ihr die letzten  Hoar ausgrissen“ vor und das ist eine Ansammlung von Betrachtungen, wo sich der Erzähler oder Autor in eine Konditorei oder Gastgarten begibt und dort während er versucht, seine Prosatexte zu schreiben, den Leuten sozusagen auf den Schnabel schaut, das heißt ihre Wienerischen Äußerungen, daß ein Ehemann ein „Hendl in die Mikorwelle schieben soll“, beispielsweise, versucht auf Hochdeutsch übersetzen.

Er fährt auch U-Bahn oder Straßenbahn und begegnet dabei zwei „Giftlern“, die von einenm „Rauberl in einer Trafik“ erzählen. Einze seltsame Formulierung von zwei jungen Burschen und wenn ich mich recht erinnere, hat Heidi Pataki, die verstorbene GAV-Präsidentin, auch einmal ein Gedicht gehabt, das von den Wienerischen Verniedlichungen handelte und dazu passt natürlich der 1954 in Wien geborene Peter Campa, der laut „Wikipedia“ als „Vertreter der österreichischen Genreliteratur“ bezeichnet wird und den ich auch als ausgesprochenes Wiener Original bezeichnen würde.

Kennenglernt habe ich ihm einmal während eines von Ernst Kostal organisierten „Wahnsinnsymposiums“ und habe  seine „Zweite Reise“ gelesen. Er ist auch Stammleser im „Read!!!ingroom“ und hat dort, das hat mir Gabi Rökl am siebzehnten Dezember erzählt, dort schon seinen seinen „Friedrich Kudrna“ vorgestellt. Das ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die, glaube ich, fertig, aber noch nicht erschienen sind und, die, wie Renata Zuniga in ihrer Einleitung erläuterte, von der „Wiener Seele“ handeln.

Friedich Kudrna ist ein sechundfünzigjähriger pensionierter und geschiedener ÖBBler  und Peter Campa las drei Geschichten vor, die so lustig waren, daß er selber dabei mehrmals lachen mußte.

Die erste handelt von einem stichfesten Joghurt, das er in einem Supermarkt zu seiner besseren Verdauung kauft, dann aber wegen verschiedener unglücklichen Umstände vorzeitig, den Supermarkt verlassen muß.

Dann kam eine Geschichte von einem Reihenhausgarten, wo der Herr Nachbar durch ein Loch in seinen Garten blickt und ihn anzeigte, weil er den Rasen nicht genügend mähte und auch sein Fahrrad an den falschen Stellen anlehnt und dann gab es noch die Geschichte von der „Freude an der Arbeit“, die die Mutter dem kleinen Fritzi austrieb, in dem sie ihm anleitete, so lange den Boden aufzukehren, bis man von ihm essen konnte.

Dazu passte dann Ruth Aspöcks Buch über die bosnische Servierin Susana nicht ganz dazu oder doch wahrscheinlich, weil es ja in Wien spielt und die Susana von Bosnien wegen des Krieges in den Neunzigerjahren dorthin gezogen ist und interessant finde ich dazu die Parallelen zu den anderen Texten, insbesondere von dem von Thomas Losch, der  in den Gasthausgärten soviel Wienerisch hört, während Ruth Aspöck von den vielen Sprachen las, die die Flüchtlinge sprechen oder lernen müßen. Die Susana hat in Banja Luka Serbokroatisch oder Bosnisch gesprochen und Russisch in der Schule, aber kein Englisch gelernt und das Deutsche erst in Wien lernen müssen.

Ein paar bekannte im Publikum, die Journalistin, die mich einmal interviewen wollte, Ilse Kilic und auch der Herr, dern ich einmal im Literaturhaus ein paar meiner Bucher zum Rezensieren übergeben habe und dazu passt gut, daß heute im Literaturhaus die Regionalversammlung der IG Autoren gewesen ist, die ich versäumte, weil ich Peter Campa und seinen Herrn Kudrna hören wollte und noch etwas habe ich zu vermelden, das neue Buch ist gekommen und wird hier demnächst vorgestellt.

2015-11-11

Experimentelle und persönliche Veröffentlichungen

Statt zur Eröffnung der „Buch Wien“ und  zur anschließenden „Langen Nacht der Bücher“ mit dem Bücherquiz mit Günther Kaindlsdorfer und heuer mit Franzobel, wo ich im Vorjahr zwei Bücher gewonnen habe, die ich noch lesen muß, bin ich in die „Textvorstellungen“ der „Alten Schmiede“, auch eine Veranstaltung im Rahmen der Lesefestwoche mit Christian e. Zintzen und Sissi Tax gegangen, denn mit Christiane Zintzens Blog „Inadäquat“, den sie 2007 in Graz im Rahmen der GAV-Vollversammlung vorstellte und den ich allmählich gerne las und meine literarischen Informationen von dort bezog, ist eine Veränderung vor sich gegangen.

„Sperriges Blog!“ hat die 1966 in Moosburg an der Isar geborene Christine Zinzten, die auch langjährige Assistentin der „Alten Schmiede“ war, gesagt, da unter der Reihe „Neues von Freunden“ auf Veranstaltungen von meist experimentellen Autoren hingewiesen, einmal, 2008, als ich schon bloggte, hat sie auch die „Linke Wort Volksstimmelesung“ angekündigt und mir auch als erstes einen Kommentar geschickt und mich in der Bloggerwelt willkommen geheißen.

Sie hat das Projekt „Mit Sprache unterwegs“ kuratiert und vieles anderes und ich habe ihren Blog, obwohl er mir vielleicht ein bißchen zu exeperimentell war, gern gelesen und mich auf meinem Blog auch immer wieder darauf bezogen.

Bis vor ein Jahr vielleicht, dann hat er sich verändert, es kamen Musikvideos und andere, als die üblichen Veranstaltungstexte, so daß ich mit dem Lesen aufhörte, bis ihn im September irgendwer auf meinen Blog verlinkte, da schaute ich dann wieder hin, sah die Ankündigung „Ich habe mich umgebracht!“, die mich verwirrte und verunsicherte, herumfragte, dann die älteren Eintragungen nachlas und begriff, daß ich sozusagen Zeugin einer Geschlchtsumwandlung und Neufindung geworden bin.

Inzwischen heißt der Blog auch „Acheronta movebo“ und zwischschen den Musikbeiträgen erzählte Chris Bader-Zintzen, wie er oder sie sich inzwsichen nennt, auch von den Mißbrauchserfahrungen, die sie von Mann und Vater erlebte und von denen sie sich mit Hilfe des neuen Blogs befreien, beziehungsweise zur Wehr setzen will.

Eine Mischung zwischen persönlicher Aufarbeitung und Literatur, interessant, der Grenzgang zwischen Kunst und Psyche, ich habe da ja schon einmal einen Kurzbeitrag geschrieben, daß es schwierig herauszufinden, was ein literarischer Text und was ein Hilferuf ist und wo und wie man wann reagieren soll?

In diesem Fall es es wohl beides und ich habe ich doch noch nie einen ähnlich verstörenden, sowohl experimentellen als auch persönlichen Blog gelesen und als solcher war er in der Veranstaltung, die von Michael Hammerschmid kuratiert wurde, auch angekündigt:

„Christian.e Zintzens vielgestaltiges überlandbekanntes Forum Forum für Literatur, tritt in eine neue Phase radikaler Wahrheitssuche und multimedial aufgelockerten lustvollen Selbstentwurf, in dem Ovid und Musikvideos direkte Benennungsversuche und transversale Verbindungsmanöver energetisch hochaufgeladnenen Sprach- und Ausdrucksstoff liefern.“

Die Psychologin würde es vielleicht anders formulieren und interpretiert vielleicht auch nicht nur die experimentellen Seite, aber erst einmal kam  die 1954 in Graz geborene Siss Tax, die seit langem in Berlin lebt , die ich 1996 in Klagenfurt kennenlernte, als sie dort am Bachmannpreis teilnahm.

Ihre Bücher sind bei „Droschl“ erschienen und Michael Hammerschmid meinte über ihr Prosawerk „vollkommen unvollkommen“:

„Auch Sissi Tax setzt ihre Auseinandersetzung mit Sprache und Welt fort und geht den Grat zwischen Spiel und Forschung, zwischen Anarchie und Ironie, sowie zwischen Opposition und Positionierung höchst höchst lustvoll und denkerisch-poetisch weiter.

Sie las im Stehen ihre sehr schönen Textpassage, wo die Worte fast in Reimen und immer wieder ein bißchen dialektdurchzogen erklangen und hatte am Schluß auch eine Reihe Worte, die in ihren Texten nicht vorkommen, wie „Faschingskrapfen und Reichsschriftkammer“.

Dann kam Chris Zinten-Bader, die oder der sich bald nur mehr Bader nennen wird, gab Einblick in seine Videos und spielte dabei selber mit, las ein paar der Blogpassagen, von denen er sagte, daß er den Blog bald löschen wird.

Ein interessantes Projekt, für mich noch nicht so ganz zuordbar,  ich lese seit September wieder regelmäßig  hinein und werden den Lebenslauf der Literaturwissenschafterin, die sich jetzt, glaube ich, als Coach betätigen will und auch im Grazer Literaturhaus ihren Blog vorstellen oder eine disbezügliche Veranstaltung moderieren wird, weiterhin verfolgen.

Angelika Kaufmann, Herbert J. Wimmer, Elfriede Czurda, auch Kurt Neumann, E.A. Richter und ich denke es war eine sehr eindruckvolle Präsentation und Transformation, die ich sicher weiterverfolgen werde.

 

2015-10-14

Neue literarische Stimmen

In den „Textvorstellungen“, der „Alten Schmiede“, präsentierte Friedrich Hahn, diesmal drei neue literarische Stimmen, junge noch nicht so bekannte Literatur aus Österreich, zwei unveröffentlichte, ein veröffentlichter Text, die er aus Literaturzeitschriften kennengelernt und angeschrieben hat, obwohl gar so besonders jung sind die  zwei Frauen und der eine Mann mit den Geburtsdaten 1980,  1986, 1988, geboren, gar nicht.

Viel junges und älteres Publikum,  Nadine Kegele, Thomas Wollinger, Luis Stabauer und die 1980 in Graz geborene Britta Wedam, die mir, wie der nach ihr lesende Autor unbekannt war, hat mit einer  Kurzgeschichtenlesung begonnen, wovon die Erzählung „Im Wendekreis des Pfaues“ im Etcetera erschienen ist.

Da hat sie Friedrich Hahn entdeckt, die Autorin angeschrieben und die Geschichte erinnert ein bißchen an Gertraud Klemms.

Eine Frau backt für den Kindergarten  Muffins, steckt Smarties hinein und der Mann fragt, nach den Haaren in der Bettwäsche. Die sind von ihrem Liebhaber, denn das Eheglück ist schon schal und während die Frau im Elend versinkt, findet sie dann noch irgendwo ein rotes Haar.

„Das Jahr mit dem traurigen Clown“ war  ein sehr poetischer, fast lyrischer Text und im „Zoo“ geht es wieder um das Betrügen und das sich Verlassen eines Ehepaars, während die Kinder die Tiere betrachten und schließlich mit der Mutter Eis essen gehen.

Friedrich Hahn stellte dann Fragen nach dem Schreiben, ob es schon Verlagserfahrungen, Verlagskontakte und Ideen die Kurzgeschichten in einem Erzählband herauszugeben gibt?

„Keine Zeit!“, antwortete die Autorin, die gerade ihr Germanistikstudium abeschloßen und vielleicht selber Kinder hat.

Der 1988 Osttiroler Mathias Klammer hat dagegen schon drei Bücher im „Arovell-Verlag“ veröffentlicht und las zwei Szenen aus „Ein guter Tag zum Fliegen“, wo der Protagonist mit seinem toten Bruder spricht, sich Vorwürfe macht, sich nicht früher, um ihm gekümmert zu haben und dann mit einem krebskranken Mädchen auf Reisen geht.

„Wie weit autobiografisch?“, fragte Friedrich Hahn, seine wie er es nannte „Elke Heidenreich-Fragen?“

„Alles erfunden?“, antwortete der Autor.

„Hat alles nichts mit mir zu tun?“

Die Städte die beschrieben werden, hat er dann allerdings schon bereist.

Die dritte Lesende, die 1986 in Meran geborene Tanja Raich, war mir dann bekannt, allerdings nicht in ihrer Eigenschaft als Autorin, sondern als Programmleiterin, der neuen Literaturschiene von „Kremayr und Scheriau“.

Sie hat allerdings auch die „Leondinger Akademie“ besucht, hatte ein „Rom Stipendium“, war in „Palliano“ und da hat sie ein Monat mit einer Katze verbracht und einen Text darüber geschrieben.

„Die Katze ist ein fleischfressendes Tier“.

Auch eine unveröffentlichte Erzählung, die von einer Frau auf einer Insel handelt, die immer wieder von einer Katze besucht wird, die sie gar nicht mag, sie sinkt in eine Paranoia, wird menschenscheu und verschroben und am Schluß ißt sie die Katze auf, obwohl sie  Vergetarierin ist.

„Makaber!“, habe ich zu einer Besucherin gesagt, die mich beim Weggehen angesprochen hat. Sie hat der Text an Kafka erinnert, was möglich ist, da Tanja Raich ebenfalls Germanistik studierte.

Ich kenne mich bei Kafka aber nicht so aus und habe noch nicht soviel gelesen und hätte meinen psychologischen Blick eher auf das Innenleben und die Verstörung der Protagonistin geworfen.

Friedrich Hahn fragte auch nach dem Veröffentlichen und Verlegen. Da arbeitet Tanja Raich an einem Roman, den sie nicht bei „Kremayr und Scheriau“ verlegten wird, weil das ein „don`t“ ist, wie sie sagte.

Jetzt ist es nur noch spannend zu beobachten, wie sich die drei  Stimmen weiter entwickeln werden und ob sie eine solche Karriere, wie die auch in Neunzehnachtzigern geborenen, wie Valerie Fritsch, Clemens J. Setz, Anna Weidenholzer, Cornelia Travnicek, etc, erwartet.

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